Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens unl 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs. 
preis für das Vierteljahr 3,80 Mark einschließlich 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Bestelgeld 3330 Mart. Einzelnummern 10 Pig. 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
63. Jat Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
—9— hrgan am gFürstentümer Ratzeburg, Lübedd und das angren 
αιι Jende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Orud und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. S. in Lübed. — Geschäftsstelle A2 (Kõniastr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. — 
Montagq, den 1. Dezember 1913. Abend⸗Blatt Ur. 608. 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübect 
Beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt Betvẽ 
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Erstes Blatt. hierzn 2. Biatt. 
Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. 
Nichtamtlicher Ceii. 
Auswärtige Polititz. 
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Behandiung, die in diesen Blättern das Thema erfahren hat, 
nicht weiter die Rede sein soll. Es zeigt aber, wie die Un— 
higkeit, Großes zu erfassen, sich selbst schon on Dingen 
eigt, dem Größe eigen ist, wie der Kirchturw das Maß 
ür die Weite des Gedankens ist. Noch mehr tritt das, wie 
zesagt, in die Erscheinung, wenn wirklich völkerbewegende Fragen 
uuf der Tagesordnung stehen. Wer im Tale steht, kann die 
igantischen Gipfel der Alpen nicht überschauen, und auch wer 
»es Berges Spitze erklommen, sieht noch nicht die Kette, die fie 
ilden, sieht fie noch nicht als unbedeutende Runzel im Antlitz 
er Mutter Erde. Wer aber ebenso wie der Geograph Stüd⸗-⸗ 
ein für Stücklein zusammenträgt und so das Bild der Welt 
ormt, der sieht sich sofort als Teil des Ganzen, sieht auch 
eine Nation und sein Volk als ein Glied, als einen Teil der 
Peltenlarte — seine Aufgabe ist nur, zu streben, daß dieser 
keil ein wertvoller, wenn nicht gar der wertvollste sei. Im 
zaufe der Geschichte ändert sich dieses Weltbild vielfach, und wer 
ber den Engnissen des Lebens deu stets neuorientierenden Blick 
uf dieses Mosaikwerk vergißt, das die internationale Publi— 
istik in steter Arbeit aus kleinen Bausteinen zusammengefügt, dem 
jeht bald Verständnis und Sinn für das Ganze, das Weltbild 
ind sein Leben. verloren 
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friedlichen Handelsverkehr ergeben. Das ist nun aber nicht der 
Fall. Schreitet man vom ferneren zum näheren, so wird schon 
ogleich die Bezeichnung des amerikanischen Kontinents als 
ines politischen Einheitsgebildes mit einem Fragezeichen ver⸗ 
ehen werden. Diese Bezeichnung selbst ist eine politische Frage. 
Zeitdem die Zentrale für politische Beunruhigungen auf dem 
zalkan ihren Betrieb eingestellt hat und an dem dortigen 
drankheitsherde der Heilungsprozeß fortschreitet, wenn auch 
die chirurgischen Eingriffe das Bild an diesem Teile des 
Weltenkörpers um einiges verändert haben, gehen von dem 
meritkanischen Kontinente wieder Beunruhigungen aus, die es 
ötig erscheinen lassen, die dortigen Verhältnisse etwas näher zu 
eleuchten. Die Lage in Mexiko verschlimmert sich offensichtlich 
on Tag zu Tag. Von einer regelrechten Regierung kann nicht 
ut mehr die Rede sein. Es mangelt an Geld. In den 
dämpfen werden unschätzbare Werte vernichtet. Das ist der 
rste Erfolg des amerikanischen — Dollars Wil— 
onscher Prägung. Denn er ist es allein, mit 
em die Union ihre Kriege führt, da sie eine 
Nilitärmacht, die mit Gewalt den Greueln 
in Ende machen könnte, nicht aufzubringen vermag oder sich 
icht in solche Abenteuer stürzen will. Den Rebellen fließt 
zeld aus den Vereinigten Staaten zu, und die Vereinigten 
ztaaten liefern ihnen Waffen. Nicht offiziell natürlich; offiziell 
vird sogar ein stärkerer Grenzschutz propagiert. Aber unter 
er Hand hält man sich dazu um so mehr berechtigt, als man 
icht unbegründeterweise die Ansicht hat, daß England — auch 
icht offiziell — Huerta unterstützt. Es dreht sich natürlich 
m die gewaltigen Oellager des Landes. Man läßt das 
zand sich verbluten, um dann dort leichter Geschäfte machen 
u können, leichter nach außen hin den großen Ordner der 
dinge spielen zu können, der eifersüchtig und zum Wohle 
Uer amerikanischen Staaten über die Monroedoktrin wacht. 
Ind das ist das Eigentümliche, das den geographischen Kontinent 
Imerika auch als politisches Einheitsgebilde erscheinen läßt. 
die Waffenlosigkeit. In den südamerikanischen Staaten 
ine militärische Schwäche als Folgeerscheinung der wirtschaft— 
ichen Schwäche, in den Vereinigten Staaten Nordamerikas der 
Nanger einer Armee und das allzu große Risiko eines Kampfes 
rus Gründen der Gefährdung ungeheurer Werte, die dank des 
dort herrschenden Profitlebens leicht aus der Stabilität ge— 
aten. Kurz, Waffenlosigkeit dort, weil man zu wenig hat, 
sier, weil man allzu viel riskiert. Diese gemeinsame Waffen— 
osigkeit aber eint den Kontinent gegenüber den waffenstarrenden 
zZtaaten Europas, läßt den Kontinent als ein politisches Ein— 
jeitsgebilde erscheinen, das in der Monroedoktrin seinen 
dingenden Ausdruck findet. Stände dieses Einheitsgebilde 
Amerika mit der übrigen Welt in gar keiner anderen Be— 
iehung, als im friedlichen Konkurrenzlampfe von Handel und 
Hewerbe, so könnte man es füglich als eine Etappe zur 
Stabiltsiering der Welt ansehen. Die heutigen Verhältnisse 
iber lehren, daß dazu mehr fehlt, als eine Prise guten Willens. 
Meitere Artifel folgen) 
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Dr. K. Lübecd. 30. Nov. 
Allgemeines. 
Wenn sich das Jahr dem Ende zuwendet, ist man auch 
m Privatleben gewöhnt, gewisse Bilanzen zu ziehen und die 
Situation zu klären, in der man sich befindet, nach einer 
Inspektion des Innern die Blicke nach außen zu wenden, die 
Stellung zu der Umgebung, der näheren und weiteren, in die 
nan gestellt ist, prüfend zu betrachten. Es knüpfen sich dann 
ca.ich für den einzelnen bis dahin unsichtbare Fäden, die ihn 
nit dem großen Weltgeschehen verbinden, die ihn den Puls— 
ichlag des Lebens der Nationen, ja der gesamten Menschheit 
ein eigenen Imnern spüren lassen. Der obiektive Beschauer 
zewinnt dabei für sich und seine Nation jenes Weltbild, das 
hn befähigt, in seiner auch noch so kleinen Tätigkeit ein 
Glied in der Kette aller Ereignisse zu sehen, ein Blick, der 
seinen Beruf adelt, ihm aber auch den Maßstab gibt für den 
Wert seines Tuns, und dise Ziele, zu denen er wandernd mit den 
Brüdern seines Volkes strebt. 
Die Beschäftigung mit der äußeren Politik nicht nur des 
eigenen Heimatlandes, sondern mit dem gesamten politischen 
Geschehen ist, so gesaßt, eine persönliche Angelegenheit jeder— 
manns; an ihr weitet sich der Blick und das Verständnis für 
die inneren Zusammenhänge der Dinge, so daß ihm auch die 
Gabe wird, den inneren Geschehnissen seines Volkes, seinem 
wirtschaftlichen, lulturellen und politischen Leben mit offenem 
Auge gegenüberzustehen und es nicht allein unter dem Gesichts— 
punkte des persönlichsten Interesses zu betrachten und so zu ein⸗ 
seitigen und darum schiefen Urteilen zu kommen. Es ist noch 
nicht allzulange her, daß man selbst in den Kreisen, die dazu 
berufen sind, im Reichstage, angesangen hat, für die aus— 
waärtige Politik Verständnis zu zeigen und den Fäden nachzugehen, 
die das Leben der einen Nation mit dem der anderen verknüpfen, 
hie schließlich wechselwirkend das ganze Weltgeschehen umspinnen, 
so daß ein Riß, ein Schaden in dem freilich noch nicht zu har— 
monischer Vollkommenheit gebildeten Gewebe, im inneren Lehen 
des Volkes spürbar wird. 
Es gehört zu diesem Ergreifen und Begreifen des ñußeren 
Weltgeschehens ein recht in die Breite gehendes, weite Horizonte 
rfassendes Vorstellungsvermögen des gesamten politischen Welt— 
zildes, das ein Zurückstellen des Eigenen erfordert und Großes 
mm Großen begreift. Ein Beispiel, wie es nicht sein sollte, 
ist die Polemik Kiels gegen das großzügige Projekt der Feh— 
marnroute, von dem in diesen Zeilen bei der ausaiebinen 
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Besonderes. 
Das Weltbild und sein Leben hat sich im Laufe der Ge— 
chichte nicht unwesentlich verändert. Die Nationen greifen in 
hren Interessensphären, wachsend in Bevöllerung und Vedürf— 
is über ihre Stammgebiete, auf denen sie von Uranfang 
sausen oder auf denen sie seit Jahrtausenden heimisch sind, hin— 
uus und suchen sich weils direkt politische Besitztümer, teils 
nirtschaftliche Rechte zu sichetrn. Es entstehen da aus den geo⸗— 
raphischen fünf Erdteilen, drei politische Weltgebiete, denen 
wei der Weltteile für die heutige Weltlage gleichsam als 
Idnexe beigegeben sind. Das in der Gegenwartispolitik älteste 
olitische Gebiet, die euro päischen Staaten, das sich 
ierlich je nach Auffassung labil oder stabil im europäischen 
tdonzerte geeint hat, wenn auch der äußere Rahmen fehlt, 
och in der nahen Berührung einen muhßte, umfaßt den Konti 
ent Curopa mit Kleinasien, Syrien, Palästina und den zuge— 
örigen Inseln. Als zweiter großer politischer Komplex bietet 
ch der amerikanische Kontinent, über den als politisches 
zebilde unter der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten von 
dordamerika die Akten noch ebensowenig geschlossen sind wie 
ber den großen asiatischen Länderkomplex, dem Lande der 
Nongolen und Buddhisten, der Mohammedaner und Inder. 
Afrika ist zum Kolonialkontinent Europas geworden, bar jeg— 
ichen politisch bedeutungsvollen eigenen Gebiedes und Austra— 
ien bildet trotz seiner Verknüpfung mit England, also einem 
‚uropäischen Staate und den kleinen insularen Beziehungen zu 
en sonstigen euroräischen Einzelstaaten ein für die Weltpolitik 
unächst wenig in Betracht kommendes Gebilde, eine Welt für 
ich. Das Bild wäre ein recht klares, wenn einmal diese Gebiete 
a sich konsolidiert wären und wenn zum anderen zwischen 
knen keine anderen Beziehuigen bestünden, gals sie sich aus dem 
3 4 St. Germain“, wie Fürst Orloff seinen Schützlina überall vor— 
Irrlichter des Glücks. iedutt vie Furt Onone 
Ein Gesellschaftsroman von der Riviera. Nachdem der Plan des Fürsten so über Erwarten gelungen, 
Von Erich Friesen. atte er sich mit der Marchesa Goldoni und Mirjam in ein 
(29. Fortsetzung.) Machdruck verboten.) leines Erfrischungszelt zurückgezogen. Er weiß: jedermann in 
„Nein, Tante Irene!“ fällt er ernst ein. „Sie brauchen ieser illustren Gesellschaft sprich von dem plötzlichen Ohn— 
nir nichts weiter zu sagen. Verfügen Sie über mich! Was nachtsanfall der Marquise. Es bedarf nur noch eines leisen 
oll ich tun?“ rufklärenden Wortes seinerseits in das Ohr der Marchesa Goldoni 
„Suchen Sie sich ihr zu nähern! Mit ihr zu sprechen! Lassen — und das Tuscheln und Raunen über die auffallende Aehnlich— 
Sie sich nicht durch jenen Menschen abhalten, der sie hierher eit der Marquise Irene d'Esterre mit „Mademoiselle Valentine 
rrachte! Sorgen Sie dafür, daß ich das Mädchen sprechen kann -zt. Germain“ beginnt. 
— irgendwo, gleichviel!“ Die Marchesa selbst ist zu klug und eine viel zu vollendete 
Sie bricht ab; denn in diesem Moment taucht die hohe Veltpdame, um nicht längst geahnl zu haben, daß hinter dieser 
Bestalt ihres Gatten vor dem Zelt auf. Und nach wenig Mi— dötzlich aufgetauchten „Mademoiselle Valentine St. Germain“ 
nuten schon schreitet sie, bleich und mit schwanken Schritten, in Gebeimnis steckt. Und die ihr angeborene Lust am Intri— 
vie eine laum von schwerer Krankheit Genesene, an seinem ieren erwacht. Zudem haben die deEsterres sich ihr gegenüber 
Arm durch die festlich geputzte Gesellschaft. zu dem ihrer harren⸗ tets überaus zurückhaltend benommen — ein Grund mehr für 
den Wagen, der sogleich mit ihnen davonrollt. ie eitie, gefallsuchtige Dame, um über die erhoffte Niederlage 
Mit aeschloffenen Lidern lehnt Irene in den weichen Polstern. der stolzen Marquise Irene zu frohloden. 
Vor ihrem geistigen Auge schwebt unaufhörlich jenes junge 
mlphenhafte Geschöpf. dessen kindlich bertrauender senfun In heiterem Konwersationston plaudert fie über dies und 
voller Blid ihr bis ins tiefste Innere drang. Und die weiß— as, und beachtet scheinbar gar nicht die Einsilhigkeit ihres 
chimmernden Perlen in dem lichten Blondhaar erscheinen ihr wie -zchützlings. 
zroße Träuen. Und das Funkeln der Steine an dem schlanken Mirjam befindet sich in einem ihr selbst unerklärlichen 
Hals läßt sie wie in Fieberschauern erbeben. — wiespalt der Empfindungen. Die kindliche Freude, die ihr der 
Als Reginald, der seinen Onkel und dessen Genahlin zu ihrem ßlanz ringsum, der heitere Frohsinn und die geputzte Menge 
Wagen begleitet hatte, in den Festpark zurückkehrt, wird er ereiteten. ist wie weggewischt. Als fsie vorhin so gänzlich un— 
von allen Seiten mit teilnahmsvollen Fragen bestürmt. Höflich, rwartet den Mann wiedersah, defsen Bild sich ihr seit jenem 
aber kurz antwortet er, es ginge der Frau Marquise bereits IBend im Zirkus unauslöschlich eingeprägt — da war es ihr, als 
vieder ganz gut; dabei spähen seine Augen beständig nach der nüsse sie aufjauchzen vor jubelndem Glück. Als sie aber gleich 
ierlichen weißen Mädchengestalt aus, die sein eigenes Herz so— arauf jener schönen stolzen Frau gegenüberstand, als die großen, 
vohl. wie das seiner Tante in solch mächtigen Aufruhr versetzt. ‚rauen Augen in die ihren tauchten — da fühlte das Mädchen 
Abs er vor kaum einer Viertelstunde das junge Mädchen Aötzlich, wie sich etwas in ihr erschloß, das sie seit Jahren 
zewahrte — da fühlte er an dem raschen Klopfen seines Her— nihrem tiefsten Innern ängstlich verbarg. ja, das sie bereits 
jens, an dem Jubel, der ihn plötzlich erfüllte, wie teuer rstorben wähnte: die Sehnsucht nach Mutterliebe. Denn diefen 
.Mademoiselle Mirjam“ ihm bereits geworden war. Aber Zlick, dieses Lächeln hatte das Phantasiegebilde, welches das 
diese persönliche Freude des unverhofften Wiedersehens wurde dind lich stets von der unbekannten Mutter gemacht — ein 
»öllig zurüchgedräugt von der Sorge um die Tante. Und nur osiges Phantafiegebilde, das nach Madame Artemisias Auf—⸗ 
an sie denkt er, als er sich jetzt rasch Bahn bricht durch die auchen in ein Nichts zerflossen war und jetzt auf einmal wie 
ihn umgebenden Festteilnehmer, um „Mademoiselle Valentine er Phönix aus der Miche zu neuem Leben erstand 
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So ganz ist all ihr Denken und Empfinden bei diesem 
iinen Bilde, daß es sie jedesmal fast schmerzhaft berührt, wenn 
Fürst Orloff mit seiner ölglatten Stimme und seinem konven⸗ 
ionellen Lächeln einige Worte an sie richtet. 
Heimwärts geht die Sonne, alles ringsum in violetten 
Purpur tauchend. Und immer noch jubelt die Festfreude, lacht 
and scherzt man um die Wette, während ein blitzendes Goldstück 
nach dem andern und eine knisternde Banknote nach der andern 
aus den zarten Händen der hochgeborenen Verkäuferinnen in die 
kleinen zu diesem Zweck überall angebrachten perschlassenen 
Büchsen wandert. 
Wohl noch niemals in seinem Leben war Fürst Orloff in 
heitererer Stimmung als heute. Seine tiefliegenden schwarzen 
Augen blitzen. Der Ausdruck seines Mundes ist siegesgewisser 
»enn je. Fast an jedem Zelt kauft er irgend eine Kleinigkeit 
und zahlt mit Hundertfrancsscheinen. 
Die Marchesa Goldoni hat sich zwischen die übrige Gesell— 
chaft gemischt, da sie mit dem Personen ihrer Art eigenen 
Spürsinn wittert, daß der Fürit mit seinem Schüklina allein 
zu sein wünscht. 
Als der Abend sich herabfenkt auf die bunte Jahrmarkt— 
yertlichkeit, leuchten wie durch einen Zauberschlag Tausende von 
farbigen Lampions zwischen dem dichten Laub der Steineichen 
und dem dunklen Gezweig der Zypressen auf. Gitarren- und 
Mandelinenklang durchzittert die weiche Luft. Und jetzt auf— 
prühende, buntfarbige Raketen. Drehende Sonnen. Taäghell 
erschimmernde bengalische Beleuchtung. 
Mählich flaut die Festfreude ab. Man wird müde. Die 
exklusivsten der Gäste haben bereits das Feld geräumt. Leerer 
ind leerer wird der Park. 
Kähler Nachtwind tut sich auf. Durch die Bäume geht ein 
eises Raunen. Und die Blumen, die tagsüber ihre berauschen⸗ 
den Düste verhaucht, hängen ermattet die Blätter. 
Da nähert sich die Marchesa Goldoni wieder dem Fürsten. 
Haben Sie noch irgendwelche Wünsche, Durchlaucht?“ fragt 
ie leise mit kaum merklichem Lächeln. 
„Nein, für heute nicht mehr, liebe Freundin,“ lautet die 
gelassene Entgegnung. „Ich werde sogleich Mademoiselle St. 
Fermain noch House fahren. Aber morgen oder übermorgen!
	        
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