Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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e—u, 
Ausgabe 4. 
* 
Tagesberic.. 
Lübedk, 30. November. 
advent. 
Mit der Adventszeit beginnt das neue Kirchenjahr. FIhr 
die meisten ist sie eine Feit der Unruhe und eit 
dor iem fur die Geschastsleute, bei denen die Arheit sich immer 
dehr häufte je naher das Weihnachtsfest kommt. Aber auch 
e den Haͤufern gibi e in diesen, Wochen bis zum heiligen 
Abend viei zu tun, Wie mancherlei haben die, Hausfrauen 
vbedenten und zu vbesorgen, damit zum Feste alles in 
ördnung ist und alle sich wohl und glüüdlich fühlen, wenn 
die Lichter breunen am Tannenbaum, Ja selbst die Kinder, 
die sonst nur Zeit zum Spielen hatten, werden seßhaft und 
hocken stundenlang mit glühenden Backen Aber irgend einer 
irbeit, mit der sie Baier oder Mutter oder sonst iemand über⸗ 
raschen und erfreuen wollen. So ist die Adventszeit eine 
Zet doler Unruhe und Abbeit, aber doch zugleich guch rine 
Zei der Freude Das Freue, freue dich. 8 Christenheit 
NMnt ach schon hinein in, diese Zeit. Und die Freude weckt 
din t un Singen. Fröhliche Ädvents- und Weihnachts- 
lieder ilingen durchs Haus. Und wie unter einer Wunschelrute 
springen deim Klange dieser schönen deutschen, Lieder in un— 
sern Gemut wieder die Queilen auf, die wohl lange verborgen 
und verschüttet lagen, und ein Strom von schönen Erinne⸗ 
ungen von Traufchkeit, Freude und Glüdsempfindungen durch⸗ 
füusel unfer Herz VNuch in diesem Jahre wollen wir uns dieser 
schönen Zeit, der Zeit der Vorfreude auf, Weihnachten, von 
unzem Zerzen freuen und darauf bedacht lein, dak kein Miß- 
s diese Wochen trübt. 
Aber wir wollen dabei auch nicht vergessen, daß diese Zeit 
uns noch mehr zu sagen hat als nur dies; bald ist Weihnachten. 
De Rame dieser Wochen. Advent — Ankunft, weist ja in Wir 
chteit nicht darauf hin, daß demnächst das Christkind, komm 
mit anl seinen schönen Sachen, sondern er weist uns hin auf 
eiwas viel Ernsteres, Größeres, Erhabeneres. Heiligeres: Got. 
kommt! Gott kommt, um mit seinem Geist unser Volk und 
die Menschenwelt zu durchdringen. Advent! Das, Wort erinnert 
uns an die großen Zeiten, in denen die Menschen, unmittel- 
bar empfanden: Gott lebti, an die Zeiten, in denen die 
Henschen den Schritt Gottes in der Weltgeschichte vernahmen. 
der kam, um zu helfen oder zu strafen. 
Gott kommt! Darf man das wirklich auch in unserer 
Zeit verkündigen? Viele werden. wenn sie die Botschaft über⸗ 
daupt noch hören, hoöhnisch die Achseln zucken und sagen: 
Gott? Gott ist ja lot Es gibt ja gar keinen Gott!“ An— 
dere werden seufzen: „Sieh doch um dich, sieh hinein in das 
Treiben der Menschen, merke auf das, was sie beschäftigt, horch 
auf, ihre Reden, so wirst du nicht mehr sagen: Gott, kommt, 
Fottes Reich kommt, sondern du wirst klagen, der Unglaube 
kommt, immer geringer wird die Ehrfurcht vor Gott, und die 
Achtung vor seinen Geboten, die Welt wird immer schlechter, 
die Menschen geraten immer weiter ab von Gott. Ja, als der 
Pronphet in Babylonien verkündigte: „Bereitet dem Herrn 
den Weg“, als Johannes aus der Wüste zum Jordan kam, als 
Martin Luther seine Stimme, erschallen ließ, als das deutsche 
Volk die korsische Fremdherrschaft gekostet hatte, da war die 
Zeit für die, Verkündigung: Gott lebt! Aber wir leben nicht 
in solcher Zeit.“ So denken wohl viele. 
Haben fie recht? Gewiß: So wie es für die Erde ein 
JZeit der Somennähe und eine Zeit der Sonnenferne dib 
io gibt es auch für die Völker Zeiten der Gottesnähe und 
Zeifen der Gottesferne. Wir können nicht leugnen, wenn 
vir hineinschauen in unser Volksleben in allen seinen Schichten, 
daß unser Vollk in einer Zeit der Gottesferne leht. Aber mehren 
lich nicht die Zeichen dafür. datz wir wieder hineinkommen in 
eine Zeit der Gottesnähe? Ist nicht so viel religiose Sehn— 
ucht, in unserem, Volke vorhanden, starke Sehnsucht nach 
Zlarheit und Gewißheit über alles das, was über die Grenzen 
der finnlichen Welt, hinausliegt, verbunden mit einem eifrigen 
Zuchen nach neuen Lebensformen und Lehbenszielen und Lebens⸗ 
räften? Erfüllt nicht unser Volk das Gefühl dafür, daß es 
so nicht weitergehen kann, wie bisher, daß eine neue, bessere 
geh über uns fommen, muß. Und sehen wir nicht, wie dies 
Suchen und Sehnen wieder, hindrängt zu Jesus, von dem in 
ähnlichen Zeiten der Zerrifsenheit und des, Unbefriedigtseins 
eine tiefgehende Erneuerung adnekandee ist? Ist nicht die 
Frage nach Jesus wieder eine brennende geworden in unserer 
Zeit?, Ja, wirkt in Wahrheit nicht Jesu Geist in unserm Volke 
in viel stärkerem Maße, als die meisten denken? In welcher 
Zeit ist das, was wir praktisches Christentum nennen, so energisch 
und zielbewußt betrieben, wie in unserer Zeit? Wann hat man 
so tief die Pflicht empfunden, den Schwachen, Hilfsbedürftigen, 
Kranken zu helfen, wie wir sie empfinden? Wann hat die 
ãußere und innere Mission geleistet, was sie heute leistet? Sind 
das nicht alles Zeichen dafür, daß die Religion keineswegs ein 
uberwundener Standpunkt ist, sondern daß viel religiöse Sehn⸗ 
Jucht und Kraft in unserm Volke ruht? 
Da will uns nun gerade die Adventszeit die Hoffnung 
beleben, daß Gott eine neue bessere Zeit über uns kommen 
lafsen wird. Sie will uns ein neuer Antrieb sein, an uns selbst 
zu arbeiten und an unserm Volke. dak wir diese neue Zeit mit 
beraufführen helfen. P. Denker. 
— 
Ddas Rieler Trumpf⸗lls. 
„Die „Kieler Neuesten Nachrichten“ schreiben am 26. Nov. 
wie folgt: 
Wie wir erfahren, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten 
gm Sonnabend, vergangener Woche im Auto die Strede von 
Altona über Ulzburg nach Reumünster bereist,. Dabei soll 
er dem Vernehmen nach die Eisenbahndirettion Altona beaunf— 
tragt haben, die technischen Vorarbeiten für eine Abkuͤrzungs⸗ 
linie pon Altona nach Neumunster“ zu machen, ebenso für 
eine Nebeneisenbahn, die von dieser Linie abzweigt und 
1ͤ bexr Ssegeden nach Eutin führen soll. 
Die „Kieler N. N.“ fügen hinzu. daß die Ausführnng 
dieser Neuanlagen für das — D —— ———— Staatsbahn⸗ 
gebiet, insbesondere für, Kiel, von größter Bedeutung, sei. 
Die Abkurzung von Alfongenach NeumüunstersJei auf 
15 km zu berechnen, das sind 18 Minuten mittels Schneli 
uges. Dadurch verbesserten sich die Chancen für Kiel, so daß 
nach Einstellung von „Schnelldampfern‘ zwischen Kiel und 
gorsdr“ die, Fehmarnlinie nur noch eine halbhe Stunde im 
Vorsprung bleiben werde. Diese geringe Zeitdifferenz sei aber 
in der Praxis von keiner Bedeutung. — 
Tathsächlich liegen jedoch die Streckenverhältnisse auf den 
Zieler See-⸗ und Bahnstredeen wesentlich anders als fie der 
Deffentlichfeit in Kiel bisher vorgedrudt worden ind * 
Red. 
denkmal zur Erinnerung an die Kapitulation der 
Franzosen am 5. Dezember 1813. 
F Erinnerung an die Schlacht hei Lübeck, insbesondere 
die beldenmütige Verteidigung des Sürtertores, heabsicht'gt der 
Sürtertor⸗Marli⸗ Verein gim vürterdamm einen Gedentjtein zu 
ertichten. Die gleiche Aufgabe sollte sich der St. Jürgen-Verein 
stellen und in der Ratzeburger Allee einen Dbesisken zur Er— 
n an die Kapitulation der Franzosen am 5. Der 1813 
russtellen. 
Nudiesem Tage kapitulierte nach ederun des Chefs 
des Ewedischen Genergistabes Obrist, Biörnftierna der französi— 
e Genergl Lallentand 45 Uhr in dem Hause, des damgligen 
Runsie und Handelsgärtners v. Brogen, Rabeburger Alleens, 
vorauf am folgenden Tage, am 6. Dez., der Obtist v. Wik- 
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3 —A. * 
Abeo * 
* * J 
Sonntag. den 30. November 1913. 
Morqen⸗Blatt Nr. 606. 
An von Siebenbäumen aus den Senat wegen der Befreiung 
Weds begludwunschte. Denken wirt bei Ratekau an die sd 
merzliche Niederlage. fo hier um so mehr doch an den endlichen 
ieg. Ein sJutet Zeichen eines so überaus wichtigen Ge⸗ 
hehnisses ist beredter als ein nur in Buchern aufbewahrtes. 
Rochte os hierzu noch nicht zu spät sein. 
—— 
J — — 
Jebäude sowie die erforderlichen Schuppen und Nebenanlagen. 
Wohnungen sind für 5 Offiziere, J oberen und 1 unteren Gar—⸗ 
isonverwaltungsbeamten vorgesehen. Die Offizierspeiseanstalt 
oll enthalten 1 Speisesaal, 2 Nebenzimmer sowie die üblichen 
Wirtschafts- und Nebenräume. Der Bauplatz ist von der Stad! 
mentgeltlich hergegeben worden. — Für den Neubau und die Aus— 
tattung eines Garnisonlazaretts in Eutin wird die 1. Baurate 
n Söhe von 94 000 Mäangefordert. — Der Bau umfaßt1 
trankengebãude fur 20 Betten nebst Geschäfts⸗ und Verwal⸗ 
ungsräumen und 1 Nebengebäude. Der Bauplatz wird von der 
Stadt ugnenigeltlich hergegeben. — Für den Neubau und die 
fusstattung einer Kaserne nebst Zubehör für eine Radfahrer⸗ 
ind Maschinengewehr-Kompagnie sowie für die Etatsverstür⸗ 
ung eines Jägerbataillons in Ratzeburg werden als vierte 
Rate 325 000 Miäangefordert. — Der Bau umfaßt ewei Mann 
chaftshäuser, ein Wirtschaftsgebäude, ein Arresthaus mit Wache, 
in Exerzierhaus, zwei Waffenmeistereien, davon eine mit Be— 
chlagschmiede, einen Pferdestall, ein Fahrzeuggebäude, zwei 
zchuppen für Fahrräder, sowie die erforderlichen Nebenanlagen. 
ks sind drei Offizierswohnungen vorgesehen. Der Bauplatz 
bird von der Stadt voraussichtlich unentgeltlich hergegeben. — 
Fdür den Neubau und die Ausstattung einer Unteroffizier⸗ 
‚orschule in Mölln werden als zweite Rate 550 000 M ange⸗ 
ordert. — Der Bau umfaßt: ein Mannschaftshaus, ein Stabs- 
haus, ein Wohnhaus für den Kommundeur, ein Wohnhaus für 
»en Rendanten, eine Offizierspeiseanstalt, einen Pferdestall für 
den Kommandeur und die erforderlichen Nebenanlagen. Woh— 
rungen sind für vier Offiziere, einem Sanitätsoffizier und zwei 
Interbeamten vorgesehen. Der Bau soll am 1. Avbril 10915 
ezogen weredn. 
Das Lüubecker Stadtthrater auf Reiscn. Das 2. Abon⸗ 
ementsgastspiel des Lübecker Stadttheaters in Segeberg bringt 
im Freitag, dem 12. Dez., als erste Opernvorstellung Rossinis 
Barbier von Sevilla“. Die Besetzung ist die gleiche wie in 
übech. Musikalisch steht das Werk unter der bewährten Leitung 
es ersten Kapellmeisters Carl Pfeiffer. 
Rufsische Regeln sür Shffe, die von Eisbrechern durch Cis 
eleitet werden. Der Handelskammer sind von amtlicher Steile 
ziie vorstehend genannten Regeln übersandt worden, die für 
Interessenten in der Kanzlei der Handelskammer, Breite Strake 
str. 6, zur Einsichtnahme ausliegen. 
*Namens verwechs lung. Der Dienstmann He. ersucht uns 
im die Feststellung, daß der Dienstmann P. und nicht er vom 
zchöffengericht mit 10 Mein Strafe genommen wurde, weil er 
ils Zeuge geladen, nicht vor dem Gericht erschienen war. 
*Weihnachtseinkäufe. Wie in vielen anderen Städten ge 
hieht, richtet im Interesse des kaufenden Publikums sowohl 
die auch in dem der Geschäftswelt und namentlich der kauf— 
rännischen Angestellten der Lubeckische Detaillisten— 
Zerein an das kaufende Publikum das dringende Ersuchen, 
ie Weihnachtsbesorçungen rechtzeitig zu machen. Ein großer 
Tdeil derjenigen Käufer, die schon jetzt in der Lage sind, ihre 
kinkäufe zu erledigen, verschieben diese bis auf die letzten Tage 
»or Weihnachten, vielfach in der Idee, dann die Ausssellungen 
m den Geschäften besichtigen zu können. Alle Geschäftsleute 
ind aber schon jetzt auf den lebhafteren Verkehr eingerichtet. 
das Publikum kann sich vor manchen unliebsamen Vorfällen 
elbst schützen, indem es frühzeitig seinen Bedarf deckt und auch, 
venn irgend angängig. die Morgenstunden für die Einkäuf⸗ 
denutzt. F 
Sturmwarnung. Die Deutsche Seewarte meldete gestern 
bend: Maximum 776 Südwest-Europa, Minimum unter 740 
stordmeer ostwärts ziehend. Gefahr stark auffrischender südwelt- 
icher Winde. Signalball. 
Die Wetteraussichten. Obwohl die Witterung zu Beginn 
der Woche vorübergehend beständigen Charakter annahm, wobei 
ruuch Edie Temperaturen rasch sanken, hat sich doch schon 
iach zweimal 24 Stunden wieder der alte, regnerische Charakter 
ingestellt, und die letzten Novembertage verliefen ebenso mild, 
rübe und niederschlagsreich, wie der ganze übrige Teil dieses 
n ganz Mitteleuropa viel zu warmen Monats. Eine Unter⸗ 
orechung der ungemein lebhaften Wirbe'tätigkeit im Nordatlantit 
st zurzeit noch nicht zu erkennen, und die Witterung dürfte dement⸗ 
vrechend vorläufia mild. träübe und reqgneriöch bleiben. 
*385jähriges Doenst jubiläum. Herr Lokomotivführer Wil⸗ 
delm Lindenberg, Moislinger Allee 80, lann am 1. Dez. 
uf eine 38jährige Dienstzeit im Fahrdienst der Lubed · Buche ner 
kifenbahn zurudblicken. Sein 28jähriges Führer-Judi äum be⸗ 
ma er im vorigen Jahre am 1. Juni. Im ganzen ist Herr 
rindenberg am morgigen Tage 36 Jahre im Dienste der 
enannten Gesellschaft. Trotz des anstrengenden und eiserne 
terven erfordernden Dienstes hat Serr Lindenberg noch jahre⸗ 
ang Zeit gefunden, sich im kameradschaftlichen Verein zu 
etätigen. Er war mehrere Jahre erster Vorsitzender des Ver⸗ 
ins ehem. Kameraden des Gardekorps. Seine Verdienste um 
en Verein wurden anerkannt dadurch, daß er 1910 zum Ehren⸗ 
nitalied ernannt ward. Und seine Verdienste um das Krieger⸗ 
ereinswesen überhaupt fanden eine besondere Anerkennung da— 
urch, daß ihm durch A. K. O. vom 3. Sept. d. J. das 
zerdienstkreuz in Silber verliehen wurde. Mögen dem pflicht— 
reuen verdienstvollen Manne noch viele Dienstjahre in guter 
zesundheit beschieden sein! An Ehrungen wird es ihm am 
norgigen Tage gewiß nicht fehlen. 
Vorträge der Oberschulbehörde. Der dritte Vortrag des 
zerrn Direktor Professor Hempel handelte von der Feststellung 
»es Geschichtlichen im Leben Jesu. Der lebhafte Angriff, der 
uletzt besonders durch Professor Drews auf die Geschichtlichkeit 
zesu überhaupt gemacht worden ist und neben anderen Ursachen 
rit dazu geführt hat, daß Massenaustritte aus der Kirche 
attfanden, nötigt zur Aufstellung eines geschichtlich wichtigen 
zesusbildes, das nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen aus 
en geschichtlichen Urkunden entwickelt werden muß. Als solche 
trkunden kommen in erster Linie die neutestamentlichen 
zchriften, besonders die drei ersten Evangelien in Betracht, 
a die Nachrichten über Jesus, die wir außerhalb der Bibel 
inden, zu dürftig sind. Doch muß das Material, das die 
wangelien bieten, hübsch betrachtet und gesichtet werden. 
denn neben Geschichtlichem enthalten alle Evangelien auch 
echt viel Ungeschichtliches. Das zeigt sich sogar bei den wich— 
igsten Erzählungen und selbst bei solchen Jesusworten, von 
»enen man annehmen mußte, daß sie, einmal gesprochen, 
mverlierbar nach Inhalt und Form gewesen wärer, wie z. B. 
as Vaterunser und die Worte am Kreuz. Ueberall finden wir 
Ibweichungen und Widerspruche. Es fragt sich also, welche 
darstellung die richtige sein mag. Nicht überall, aber in der 
degel wird am meisten echt und glaubwürdig sein, was am 
iltesten ist und nicht durch besondere Tendenz sich als unhisto— 
isch erweist. Fast ganz ausscheiden müssen wir als Quelle für 
»as Leben Jesu das früher für besonders treu gehaltene 
zohannesevangelium. Es ist eine Lehrschrift von bestimmt aus— 
esprochener Tendenz und will die Göttlichkeit Jesu, nicht seine 
ebensgeschichte zeigen. Von den drei anderen, in vielem 
bereinstimmenden Evangelien wird heute im allgemeinen das 
Narkusevangelium für zuverlässiger in seinen Angaben gehal—⸗ 
en, als die beiden anderen. Aber auch das Markusevangelium 
st nicht mehr in seiner ältesten Form erhalten, sondern hat 
leberarbeitungen und Zusätze aus verschiedenen Zeiten erhalten. 
doch läßt sich ein alter Kern, der sogenannte Urmarkus, er⸗ 
ennen, ein Quellstück, in dem bauptsächlich Taten Jesu, daneben 
riuch Reden aufbewahrt sind, und das auch von den anderen 
zvangelien benutzt, nur zum Teil weiter ausgeschmüdt ist. Ein 
weites altes Quellstück schimmert aus den zahlreichen Reden 
m Matthäusevangelium hervor. Man sieht darin eine alte 
zammlung wvon Worten Jesu. Daneben kann man noch eine ebijo⸗ 
litische Quelle und endlich eine apokalyptische erkennen, deren Ab⸗ 
rassung und Zusammenarbeitung zwischen 70 und 100 erfolgt 
ein muß. Unter Berüchsichtigung dieser Quellenhypothesen 
äht sich als ungeschichtlich ausscheiden alles was sich nach Wesen 
uind Art auffällig von den ältesten Stücken entfernt und 
hnen widerspricht; ferner, was offenbar nur Erweiterung und 
lusschmückung älterer einfacher Darstellung ist; weiter alles, 
»as nur beweisen will, daß an Jesus sich ein alttestamentliches 
zrophetenwort erfüllt habe; endlich die Wundergeschichten. 
sticht verbindlich sind auch die Angaben über Zeit und Ort und 
ie Reihenfolge; die Auswahl und Zusammenstellung der Er⸗ 
ählungen ist nicht nach chronologischen, sondern nach sachlich 
zruppierenden Gesichtspunkten erfolgt, ohne Rücksicht auf Zeit 
und Ort. Im Unterschied zu diesen unsicheren oder ungeschicht— 
ichen Stücken sind als zuverlässig echt solche Stellen anzusehen, 
die man so niemals hätte erfinden können oder mögen, da sie 
er vorherrschenden Richtung, Jesu Ueberlegenheit in allem 
u zeigen, scharf widersprechen, wie z. B. sein Zagen vor der 
Stunde des Todes oder die schroffe Absage an seine Mutter 
md seinen Bruder, als sie ihn hindern wollen, weiter zu 
ehren. Der Schluß des Vortrages zeichnete dann den äußpren 
debensgang Jesu, soweit er sich geschichtlich feststellen läßt unter 
lusscheidung des Ungeschichtlichen oder Zweifelhaften. Der 
etzte Vortrag wird die »innere Entwickelung darstellen und 
»en Wert einer geschichtlichen Darstellung des Lebens Jelu für 
nser heutiges Geistesleben nachweisen. 
Darnisches Lotsenwesen. Nach einer uns von der Han⸗ 
elskanmmmer zugegangenen amtlichen Mitteilung sind die däni— 
chen Lotsengebühren ermäßigt und ist gleichzeitig angeordnet 
vorden, daß Schiffe, welche auf der Reise nach dänischen oder 
mderen Ostseehäfen Skagen passieren, bei Tag und Nacht 
zeelotsen von dem bei Skagen stationierten Lotsendampfer 
erhalten oder durch das Lotsenbureau in Frederikshavn voraus⸗ 
zestellen können. Beachtenswert ist die Bestimmung, daß, falls 
»er Lotse für die Fahrt durch den grohen Belt und weiter bei 
Skagen angenommen wird, seinen Dienst aber erst bei Schultz's 
sßzrund beginnen soll, die Lotsengebühren auch nur von dieser 
Ztelle ab berechnet werden. 
Aus dem Militãretat 1914. Für den Neubau und die 
lusstattung einer Kaserne nebst Zubehör für das 3. Ba⸗ 
aillon des Infanterie-Regiments Lübed in 
kutin wird die 3. Rate in Höhe von 200 000 Muangefordert. 
— Der Bau umfaßt: 2 Mannschaftshäuser, 1 Wirtschaftsge— 
⸗äude, 1 Offizierspeiseanstalt, 2 Familienhäuser, 1 Stabshaus, 
Exerzierhaus, 1 Waffenmeisterei, 1J Fahrzeug- und Kammer⸗ 
b. Stadttheater. Spielplan vom Sonntag, dem 30. Nov., 
vis einschl. Sonnabend, den 6. Dez. GAenderungen bleiben 
orbehalten): Sonntag, nachm.: „Korallenkettlin.“Sonn— 
ag, abends: „Die Kinokönigin.“ Montag? . Tarmen.“ 
dienstag: „Freischütz“ Mittwoch: „Die Kinokönigin.“ 
Ronnerstag:, „Der lebeüde Leichnam.“ Frreitag: „Der 
zarbier von Sevilla Sonnabend: Gastfpiel Büller. „Der 
Kegistrator auf Reisen.“ — In Vorbereitung: „Walküre“, .Re⸗ 
jimentstochter.“ „Till Eulenspiegel“, Weihnachtsmärchen 
b. „Ein Winterabend in einem mecllenburgischen Vauern⸗ 
ause“, so betitelt, sich ein Vollksstüch, das der bekannte Ge— 
hichtsforscher Prof. Dr. R. Wossidlo, Waren i. M. aus med- 
enburgischen Volksüberlieferungen usw. zu einem Ganzen ver—⸗ 
inigt hat. Dieses Stück, hat der hies. „Mekelbörgert 
Vlattdütsche Verein“ mit dem Allein-Aufführungsrecht 
ür Lübed erworben. Am Freitag, dem 12. Dezember, abends, 
oll das Stückim Kolosseum in Verbindung mit einem platt— 
eutschen Theaterabhend zum Besten des „Handwerker-Alten— 
hHeimz“ über die Bretter gehen. Wer die von dem „Verein 
ühecler, Kunstfreundinnen“ veranstalteteAusstellung aus Mied-⸗ 
enburg“ gesehen hat. wird es sich nicht nehmen lassen, sich 
ruch diefen „Winterabend“, der schon über 250 mal in Deutsch- 
and aufgeführt und überall mit großem Beifall aufgenommen 
t. anzusehen. Hat der Befucher auf der Ausstelkung die alte 
jedienburger Tracht und Gebrauchsgegenstände kennen gelernt, 
o werden ihm stm ,Winterabend“ die alten Sitten und Ge 
räuche vorgeführt. 
Ib, Fußballwettipiele der Spyiel- und Sport⸗Abteilung des 
dibeder Turnvereins Guct Seil. Das Fubballspiel, welches 
die Abteilung erst in diesem Jahre in ihr Programm mit 
vufgenommen hat, hat fsich bereits während, dieser lurzen Zeit 
nut entwichelt. Die Abteilung befitzt zurzeit 4 spielfähige Mann⸗ 
chaften. Der ersten Mannschaft war es bereits vergönnt, in 
»er Herbstserie der Bundesspiele des Bezirks in der dritten 
Zlasse ihre sämtlichen Gegner, teils recht überlegen, zu besiegen. 
das Torverhältnis für diese Mannschaft stellt sich 2832. Für 
yeute nachmittag hat sich deshalb die erste Mannschaft die zwei:e 
des Lübecer Ballfpiel-Klubs zu Gaste gebeten, um einmal Se 
egenheit zu haben, gegen einen spielkräftigeren Hegner 
Zoͤnnen zu zeigen. Die zweite und pierte Mannschaft haben 
Wettspiele mit der Lübeder Turnerschaft abgeschlossen. Die 
Spiele der ersten und der zweiten Mannschaft finden auf der 
ralkenwiele statt, während das lektere auf dem Platz der Turner⸗
	        
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