Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöochentlich 18mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
breis für das Vierteljahr 3,80 Wark einschließlich 
Vringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Besteligeld 3,30 Marl. Einzelnummern 10 Pfg. 
Inzeigenpreis (Ausgabe 4 und B) für die 
eile 2o Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
Pifg., für Auswartige 30 Pfg., s. Geschäftl. Mit- 
zlungen 1 M. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Satz den Anforderungen entsprechend höher. o 0 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familient— 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübeck 463. Jahrgang Nachrichten für das herzogtum Rauenburg, orr 
zeiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt Bt eee gürstenlůmer Ratzeburg, Lübeck und das angren 
—Eä r —E X ende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Druck und Verlag: Gebriüüder Borchers G. m. b. 8. in Lubed. — Geschaͤftsstelle Adi «us E(Gönigstr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
—6* donnabend, den 29. November 1915. Morgen⸗Blatt NUr. 604. 
— 
Ausaabe * 
—⸗ 
Erstes Blatt. hierzn 2. Bꝛatt 
und die Feuilletonbeilage „Der Familienfreundꝛ. 
AEECCC 
Umfana der heutigen Nummer 10 Seiten. 
Nichtamtlicher CeilI. 
an 
auf 187 000 Mann. Der am 1. Oktober eingestellte Jahrgang 
912 — der letzte rrre Rekruten — umfaßte 
05 709. Mam. Zwischen beiden besteht also ein Unterschied 
on 18 700 Mann. Ist hierin eine Bestätigung der von me— 
jzinischer Seite gegen die Rekrutierung im zwanzigsten, Lebens⸗ 
ihr geäußerten Bedenken zu finden?, Fast scheint es so. Die 
Mlitaͤrfauglichkeit der Mannschaften im Alter von 20 Jahren 
eht entschieden hinter denen von 21 Jahren zurück. Dabei 
at man die Anforderungen an die 20jährigen Rekruten ge⸗ 
inderl. Sind doch vom Jahrgang 1812 17 000 Mann den 
nilitärischen Hilfsdiensten zugewiesen worden, während vom letzten 
jen unler die Fahnen berufenen Jahrgang nur 6900 Mann 
afür verwendet werden konnten. Von den 187 000 Mann sind 
28 000 den Infanterieregimentern, den Schützen. Zuapen 
zappeur⸗Abteilungen und der Kolonialinfanterie —8W 
rorden. 16 700 wurden auf, Kürgssiere. Dragoner, Husaren und 
ãger zu Pferd verteilt, An die Artillerieregimenter lamen 
)0600.Begchtenswert ist. daß hiervon allein 28 500 der Ge- 
irgs- und Feidartillerie überwiesen wurden. Man scheint also 
hon die Lehren der letzten Manöver beherzigen und an 
mnen Ausbau und eine Vermehrung der leichten Artillerie 
eranzutreten. Der Rest der Mannschaften von 11900 Mann 
burde an die Verwaltungszweige. die Genie-Abteilungen und 
ie Militärluftschiffahrt verteilst —8 
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— 
i mint, daß das VDeutschtum heute dank seiner staats⸗ 
I n Xue des Jahres 1808 in 
Besiß eines dinhenden deutschen Schulwesens ist. während dil 
ettische Bevölfkerung sast durchweg durch die russische Volks⸗ 
chule geht und daher erst etwas mit Silfe der Deutschen er⸗ 
Impfen möchte. was diefse bereits besißen und was die Re— 
ierung ddes Zaren dem, revolufionät, anrüchig gewordenen 
ettenkum niemals freiwillig Woen wird. Das Deutschtum 
Aßte also wegen eines Bundesgenossen von zweifelhaftem 
serle in die Spposition gegen die russische Siagterrwepg 
nireten und alie, die wertvollen Beziehungen, die S dan 
ner loyalen Haltung und seiner gesellschaftlicher Goetan 
aue besißte auf dem, Altgr, dieses Bündnisse- zunn 
ngen. UÜnseres Erochtens sollten derartige Büdrttustz 
bit bei ehrlichem Glauben an ipre Durchführbarte *25 
on deufscher, Seite ausgehen. Der natürliche unß 
cfunde Zustand ist. daß derjenige Teil, dem ein Bündnis den 
roßerten Rußzen verspricht, sich um dieses bemüht. — und 
as wären in diesem Falle die Letten. 
Nacyrichten und Telegramme 
der A. uud . A 
Reichstag unnd San Franzisto. 
Berlin, 28. Nov. Im Reichstage schweben gegenwärtig sehn 
ebhafte Verhandlingen wegen Gewährung von Reichs⸗ 
nitteln zueiner offiziellen Beteiligung Deutssch—⸗ 
ands an der Weltausstellung in San Franzisko. Wie ver⸗ 
autet, bilden diese Mittel gegenwärtig den Gegenstand ein— 
ehender Fraktionsberatungen. Allem Anscheine nach ist die 
ztimmung für eine Bewilligung sehr günstig, so daß dem⸗ 
zemäß dem Reichstage bald ein von Mitgliedern verschiedener 
xraktionen gestellter Antrag zugehen dürfte, in dem die Reichs— 
egierung a ufgefordert wird, die entsprechenden Mittel — vor⸗ 
russichtlich in Form eines Nachtragsetats — zur Verfügung zu 
tellen. 
Wüzchen, 28. Nov. Bei der herutigen Etatsberatung in 
der bayerischen Abgeordnetenkammer verlangte 
Ibg. Dr. Müller-Meiningen, die bayerische Regierung solle alles 
un, um eine deutsche Vertretung in San Franzi-ko zu erreichen. 
Deklarationsfrift für den Wehrbeitrag. 
Berlin, 28. Nov. An das Reichsschatzamt sind von ver—⸗ 
chiedenen Handelskammern und anderen Industriellen und kaus⸗ 
nännischen Körperschaften Eingaben gelangt, in denen darauf 
singewiesen wird. daß es in vielen Fällen nicht möglich sein 
hird, in der vom Bundesrat in den Ausführungsbestimmungen 
um Wehrbeitraggesetz festgesetzten Deklarationsfrist eine genaue 
lufstellung des Vermögensstandes, insbesondere der Wertpapiere 
sach dem Kursstand vom 31. Dez. 1913 an die zuständige Steuer⸗ 
ehörde einzureichen. Es wird deshalb eine angemessene Frist 
twarbis Ende Februar des nächsten Jahres ver— 
angt. Im Reichsschatzamt soll man nicht abgeneigt sein, auf 
ine teilweise Berücksichtigung dieser Wünsche einzugehen und 
ine Hinausschiebung des Endtermines bis Ende Januar 
lächsten Jahres vorschlagen 
Deutsches Reich. 
Bon ven Konsumvereinen. Die Foneeenehchat 
bberlin und Unigegend veröffentlicht ihren Geschäftsbericht für 
as Jahr 1912/19138. NRach demselben hat der Gesamtumsatz 
is auf wenige Taufend 15 Mill. Mark erreicht. Mitglieder⸗ 
ahl und alles übrige dege eine Steigerung auf, nicht daggen 
er Ertrag Trotß eines Bruttogewinnes von 2231151 Wist 
uur ein Reingewinn von 15 547 Maerzielt worden, während 
m e 83 der Reingewinn 155 281 Mubetrug. Ueber 
ie Ursache dieses Ertrags⸗-Rüdganges belehrt das Kapitel; 
Besondere Verbusse“. Sierin wird mitgeteilt „Es ist darguf 
rurucltzufshren. datz unsere Funktionaͤre nicht nur für die Ge— 
ofsenschafi. sondern a uch fur ihre gewerkschaftlichen 
»der politischen Organisationen tätig sein müssen. 
und namentlich während der preußtischen Landtagswahlen * 
tark beschäftigt waren, daß Sttzungen für die Genossenschaft 
nöglichst vermieden werden mußten.“ Hiermit wird das wahre 
ßesicht des Konsumveretns, Zwed und Ziel offenhar. Tie Folge 
dieser politischen Betätigung ist dann. daß allein für Ägi⸗- 
ationstosten 367453, 74 Mäaufgewandt werden mußten. 
vroͤßer It nur der Verhist guf, dem edereeen Er 
hetrug 77591,62 M. Dieser Verlust soll angeblich auf die 
zeringe Qualität des russischen Fleisches zurüdzusühren sein. 
Konfessionelle Kriminalistik. Nach der jüngsten Veröffent— 
ichung des Preußischen Statistischen Landesamts sind im Jahre 
1910 wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze 
von je 100 000 strafmundigen Zivilpersonen rechtskräftig ver⸗ 
uteist worden: 
Rußland. 
Deutsch⸗lettische Verständigung? In der baltischen Presse 
ard zurzeit ein lebhafter, Meinungsaustausch über die Frage 
mer deutsch-letiischen Verständigung zum Schutz der Mutter- 
rache gegenüber der Russifizierung gepflogen. Ausgegangen 
t er von einem längeren. Artikel der Rigaschen Rundschau, 
es Organs der baltisch-konstitutionellen Partei, und einige ge— 
näßigte lettische Organe haben dem Vorschlage ihre Sympathie 
usgesprochen, während sowohl die radital-demokratischen Letten— 
läster wie auch die konservativ gerichteten deutschen Organe 
yn bekämpfen. Die „Mitteilungen des Vereins für das Deutsch⸗ 
um im Ausland“ schreiben hierzu; Gewiß, es klingt bestechend, 
atz Deutsche und Letten. die gemeinsam die baltische Scholle be— 
»ohnen, Jahrhunderte lang im besten Einvernehmen lebten und 
urch den gleichen evangelischen Glauben verbunden sind, die 
Itreitaxt begraben. Aber auch hier sind theoretische Er⸗ 
»ägungen unfruchtbar. auch hier stoßen sich hart im Raum 
ie Dinge. Welches Interesse können die Deutschen daran 
aWen. sich für ein Sprachidiom einzusetzen, dem eine wirk— 
che Lebensdauer zur Entwicklungsmöglichkeit als Kultur⸗ 
rache völlig fehlt. Damit allein, daß sich nach und nach in 
esem Lettenvölkchen eine gebildete Oberschicht auf den Grund— 
gen deutscher Bildungs- und Kulturwerte entwmickelt hat, ist 
och nichts, getan. Tie lettische Sprache entbehrt. der not⸗ 
endigen Vorbedingung für ein Fortleben als selbständige 
Wnsprag — des sprachlichen Hinterlandes. Sie wird von 
ruum 12 Millionen Menschen gesprochen, von denen 80 66 
leinbauern sind und bleiben müssen, soll nicht das ganze 
zöllchen gufgesogen werden. Sprachenverwandtschaften außer⸗ 
ach des Baltikums hat das Lettentum nicht aufzuweisen. Das 
altische Deutschtum dagegen besitzt für seine Sprache den ge⸗— 
valtigen Rüchhalt der deutschen Weltsprache und der großen 
eutichen Geisteswelt. So zeigt der gemeinsame Kampf um 
ie Muttersprache“ doch auf beiden Seiten ein recht verschie— 
enes Gesicht. Es bliebe nur die Frage, ob die baltische 
zundesgenossenschaft den Deutschen zur Erhaltung etwa ihres 
ationalen SEchulwesens wertvoll sein könnte. Wer den demo— 
atischen Chauvinismus der Letten kennt. wird von vornherein 
ezweifeln müssen, daß diese Bundesgenossenschaft zu einer ehr- 
ichen und rüchaltsosen Unterstütung der Deufsichen führen würde 
Evangelische Katholiken 
Otyreußen — 1518 1371 
Westpreußen 1213 is 
Ztadtkreis Berlin 649 —— 
Zrandenburg 638 65 
Zommern p98 17. 
Josen 972 153 
-chlesien boe 1841 
Sochsen — 1155 
Zchleswig· Holstein 102 ꝛt 
dannover 96 2. 
Westfalen 1995 11t 
Hessen⸗ Nassau 851 154 
Rheinprovinz 1129 288 
In ganz Preußen kommen auf je 100 000 Strafmündige bei 
»en Evangelischen 1004 und bei den Katholiken 1443 rechtskräftig 
Berutteilte. (CChronik der chr Welt Nr. 48.) 
Ausland. 
Frankreich. . 
Zwanzigjährige Rekrulsen. Aus Paris wird uns ge—⸗ 
chrieben: Der vor wenigen Tagen eingestellte erfte Jahrgang 
manzigiäbriger Rekruten der französischen Armee beläuft sich 
—— — — 227 
Ekeater, Kunst und Missenschaft. 
Ein Beitrag zum Reichstheatergesttz. Rechtsanwalt Dr. 
Wenzel Goldbaum, der Syyndikus des Verbandes Deutscher 
Bührenschriftsteller, läßt soeben eine kleine Schrift „Rechte 
und Pflichten des Schauspielers nach gestendem Recht“, Verlag 
Franz Vahlen, Berlin, erscheinen. In gedrängtester Form be— 
ehrt Goldbaum alle am Theaterleben Beteiligten über die 
Rechtslage, die den vorhandenen Verträgen entspricht. Er 
chafft damit zugleich eine Basis für die Kritik des neuen Reichs— 
heatergesezes. Ganz besonders wertvoll erscheint in dieser 
Beziehung, was Goldbaum über die Kostümlieferungspflicht sagt. 
Grostes Beethov usest im Brsstellungszjahr 1915 in Du el⸗ 
dorf. Man schreibt aus Düsseldorf: Die Stadtverordneten 
erklärten sich mit einem Vorschlage des städtischen Musikdirek— 
ors Panzner einverstanden. wonach hier im Ausstellungsjahre 
1915, und zwar in der zweiten Juni-Woche ein Beethovenfest 
n grobem Stile veranstaltet werden soll. Prof. Panzner 
»egründet seinen Vorschlag damit, daß die sinfonischen Meister— 
verke Beethovens noch heute als die unerreichten hochragenden 
Säulen ußserer ganzen Musiktiteratur anzusehen sind. Es sind 
Abende u volkstümlichen Preisen vorgesehen. Die vorläufigen 
Kosten werden auf 10412 000 Meberechnet. 
Weingartner und das HSamburger Stadttheater. Wein⸗ 
zartner telegraphiert aus Dresden: „Auf meiner Rei'e finde 
sch zu meiner Ueberraschung die deutiche und österreichisch Vresse 
durchspidt mit phantastischen Nachrichlen über mein Verhninis 
uum Hamburger Stadttheater. Ich bitte Sie, feststellen zu 
vollen, daß zwischen der Direktion des Hamburger Stadiöheaters 
ind mir auch nicht der Schatten einer Differenz 
zesteht. Meiner Frau und mein Vertrag laufen mit Ende dieser 
Zaison ab und weder unsererseits noch von der Direktion ist bis— 
er ein Antrag auf Erneuerung in irgendeiner Form gestellt 
worden. Ergebenst Weingartner.“ 
Kammerfüänger Jacquees Urlus ist nach sehr stürmischer Fahrt 
auf „Kaiser Wilhelm II.“ am 12. Nov. in Newyork einge— 
trosfen. Schon am folgenden Tage, den 13. Nov., hat er in 
einem Wagnerkonzert in Carnegie-Hall und am 14. Nov. in der 
Wiederholung desselben als Matinee gesungen. Daraufhin hat, 
ioch bevor er auftrat, die Metropolitan-Opera seinen Gast— 
pielvertrag bis einschließlich 1918 verlängert 
Erkrankung der Elernora Duse. Eleonora Duse ist, wie aus 
dom gemeldet wird, in Yevvo, wo sie zurzeit zusammen mit 
jssadora Duncan weilte, an Lungenerweiterung erkrankt. Der 
zustand der Künstlerin wird als ernst bezeichnet. Dagegen 
ieldet der B. L.A., daß sich Eleonora Duse wieder auf dem 
Vege der Besserung befindet und auch wieder Besuche in ihrer 
zilla in Via Reggio empfängt. 
drudsvollen Spiel zu voller Wirkung kommen. — Die dritte 
Neuheit dieser Spielzeit, des Dänen Nathansen dreiaktige 
zdylle „Danas Garten“, fand im Neuen Theater als 
cammerspielvorstellung seine Uraufführung. Das undramalischè 
ztück wurde wegen allzu großer Langeweile ausgezischt. — Kark 
zternheims „Bürger Schippel“ wurde im Leipziger 
Stadttheater ausgezischt. — Leo Greiners fünfaktiges Schau— 
piel „Arbaces und Panthea“ fand am Stadttheater in 
Frankfurt a. M. nur geteilte Aufnahme. — Im Deutschen 
haler in Kön fand H. Müsier Sch össers Komödie Schne i⸗ 
»er Wibbel“ stürmischen Lacherfola. — Im Städtischen 
schauspielhaus in Hagen i. W. wurde Harry Pohlmanns 
schauspiel „Erika“ abgelehnt. — In Budapest haite Desider 
zzomorys Drama „Marie Antoinette“ starken Erfolg. — 
im Pariser Odeon-Theater fand Gustave Grillets Fünfakter 
Rachel“ lebhafsten Beifall. — Karl Hauptmanns „Lange 
Jule“ hat auch bei der Erstaufführung auf der Wiener Volks— 
ühne stürmischen Erfolg davongetragen. 
Radium⸗Errü chhteriuug. In der ärztlichen Welt beginnt sich 
ine Ernüchterung gegenüber den Heilwirkungen des Radiums 
‚orzubereiten. Schon zu Beginmn des Radiumrausches wurde 
arauf hingewiesen, daß nach der Natur der rein örtlichen 
dadiumwirkung zu so weitgehenden Hoffnungen, wie sie von 
inzelnen Aerzten ausgesprochen wurden, keine Veranlassung 
»orliegt. Wie begründet die Mahnung zur Vorsicht war, 
ieht man an der Zurückhaltung, die neuerdings von den zustäm— 
igen städtischen Organen gegenüber dem Radium beobachtet 
wird. Wie verlautet, hat die Berliner städlische Deputation für 
sesundheitspflege, die bekanntlich bereits 600 Milligramm Ra— 
ium zum Preise von 220000 Mifür die städtischen Kranken— 
äuser Berlins angekauft hat, den Erwerb weiterer Mengen 
rieses kostbaren Metalls abgelehnt. Zur Erklärung dieses 
mmerhin auffälligen Umstandes verweist man auf die schlechten 
krfahrungen, die angeblich bei der Radiumbehandlung in der 
berliner Universitäts-Frauenklinik gemacht worden sind. Für 
ie nächste Sitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft hat 
»er Direktor der Frauenklinik Geh. Medizinalrat Prof. Bumm 
inen Vortrag über den gegenwärtigen Stand des Radium-Heil— 
»erfahrens angekündigt, dem man in ärztlichen Kreisen mit 
zroßer Spannung entgegensieht. 
Vom Hildesheimer Stadtihrater. Aus Sildes heim wird 
em Hamburger Fremdenblatt geschrieben: Der Notschrei des 
heaterdirektors, Kommissionsrat Lange, hat einen nennens—⸗ 
erten Zuwachs an neuen Abonnenten nicht gebracht, der 
zesuch des Theaters hält sich aber im allgemeinen auf der 
rittleren Linie. Die Operetten üben noch immer die größte 
lnziehungskraft aus und es wäre daher für die Existenzmöglich— 
it des Theaters nur von Nachteil, wenn das Gerücht sich 
estätigen sollte, daß die Operette vom nächsten Jahre ab nicht 
sehr in den Spielplan aufgenommen wird. Im Schauspiel 
onnten mehrere lünstlerisch achtbare Aufführungen verzeichnet 
verden. So gastierte Luise Willig aus Berlin in Sardous 
Fedora“ und daran schloß sich eine gute Wiedergabe von 
zebbels „Genoveva“ mit Frl. Malzmann in der Titelrolle. 
der Schiller-Zylus brachte als letzte Aufführungen das Frag⸗ 
nent „Demetrius“ in der Bearbeitung von Laube und 
Fiesko“, während die heitere Komödie mit Molières „Der 
zeizige“ und Shalespeares „Komödie der Irrungen“ zur Gel—⸗ 
ung kam. Bemerkenswert war auch die Aufnahme von 
5hakespeares „König Heinrich JV.“ in den Spielplan. Damit 
tellte sich das Hildesheimer Stadttheater in die Reihe der 
venigen Bühnen, die beide Teile des gewaltigen Dramas an 
inem Abend herausbrachten. 
Ut⸗ und Erstaufführumngen. Im Kieler Stadttheater ging 
kugen d'Alberts neue komische Oper in drei Akten „Die 
erschenkte Frau“ mit Frl. Marta Weber als Beatrice—⸗ 
Felicia mit großem Erfolge um ersten Male in Szene. Die Kieler 
d. N. schreiben über Frl. Weber: „Frl. Weber als Beatrice Felicia 
ang in feinem Lustspielton ohne Uebertreibung die milde und 
ꝛie kecke Schwester.“ Die Kieler Ztg. schreibt: „Allen' voran liekß 
eẽrl. Weber in der auspruchspollen DToppelroile der Beatrice und 
Felicia den ganzen reichen Zauber ihrer reinen Stimmittel er— 
lingen und Demut und Kolketterie dabei im bewegten, aus—
	        
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