Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

qusgabe 
Cagesbericht. 
Lübeck, 28. Nobember. 
W. Der neue hanseatische Gesandte Dr. Sieveling wurde, 
wie uns ein Telegramm aus Berlin berichtet, gestern mittag 
vom Reichskanzler empfangen. V 
Die Befchwerde der Laftauto⸗Gesellschaft Hamburg — Lübed 
abgewiesen! Die Polizeibehörde in Oldesloe war, wie 
schon mitgeteilt, gegen die Fahrten des Lastautozuges Hia m⸗ 
burg⸗Lübeck, die namentlich durch ihr donnerndes Ge⸗ 
räufch in der Nacht vielfach Anlaß zu Beschwerden gaben. mit 
den ihr zustehenden polizeilichen Machtmitteln eingehfchritten. 
Die Güterbeförderungsgesellschaft läßzt nun den Lastautozug 
auf der Landstraße HFamburg ,ò—Sandesneben—Lübed 
verkehren. Gleichzeitig erhob sie gegen die Anordnung der 
Oldesloer Polizeibehörde Beschwerde beim Konigl. Landrat in 
Wandsbek. Dieser hat jedoch die Beschwerde abge— 
wiesen. 
0 Der Zweigberein des Evangelischen Bundes im Stadtteil 
Schlutup hielt Mittwoch abend im Gasthof „Dovensee“ eine 
Versammlung ab, in welcher Herr Hauptpastor Evers⸗-Lübeck 
einen Vortrag über seinen Besuch der Schlachtfelder von Saar—⸗ 
brücken, Spichern und Gravelotte hielt. Ausgehend von der 
vorjährigen Hauptversammlung des Evangelischen Bundes in 
Saarbrücken, schilderte der Redner an der Hand vortrefflicher 
Lichtbilder die ersten Kämpfe um Saarbrücen, die Erstü mung 
der Spicherer Höhen, darauf die Kämpfe um Metz, besonders die 
Schlacht bei Gravelotte oder St. Privat. In lebhaften Farben 
ieß der Redner die große Zeit an unserem geistigen Auge vor— 
iberziehen. Die Schlachtfelder mit ihrem Gräberschmuck, be— 
sonders das Ehrenthal bei Saarbrücken, legen Zeugnis ab von 
den blutigen Kämpfen, die hier ausgefochten wurden. In seinem 
Schlußwort hob Herr Hauptpastor Evers hervor, daß bei 
iesen allgewaltigen Kämpfen auch die Religion vielfach mit zum 
Siege geholfen habe. Mit religiösen Gesängen zogen die Krieger 
in die Schlacht und mehr als einmal ertönte am Abend auf dem 
Schlachtfelde das Lied „Nun danket alle Gott“. Wenngleich 
der Krieg etwas Schreckliches und Furchtbares sei, so löse er auch 
wiederum viele gute Eigenschaften im Menschenherzen aus. Da 
Neid und Mißgunst unter den einzelnen Menschen nicht aufhören 
werden, so werden auch Neid und Mißgunst unter den Völkern 
fortbestehen, darum muß das deutsche Volk, das durch diesen 
großen Krieg zur Einigkeit und Blüte gelangt ist, allezeit auf der 
Hut sein, damit das, was die Väter mit ihrem Blute erworben, 
von den Söhnen erhalten und verteidigt werde. Jeder ein— 
zelne müsse bereit sein, Gut und Blut zu opfern, wenn das 
Vaterland in Gefahr ist. Langandauernder Beifall lohnte den 
Redner für die von Herzen kommenden und zu Herzen gehen— 
den Worte. 
ELeichenfund. In Elbe⸗Travekanal ist die 
Leiche des Arbeiters Otto Stein aus HRamburg gefunden 
worden. Zweifellos handelt es fsich um ein Verbrechen. Stein 
war auf einer Schiffswerft beschäftigt. 
o. Stadttheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man uns: 
Es sei darauf hingewiesen, daß nicht, wie irrtümlich in einigen 
Zeitungen bekannt gegeben worden ist, die „Meistersinger“ am 
Sonnabend zum leßten Male gegeben werden, sondern daß 
herr, Kapellmeister Furtwängler zum letzten Pale die Oper 
»irigiert. — Am Sonntag wird nochmals Die Kinokdnigin“ 
wiederholt, die am Mittwoch wieder bei ausverkauftem Hause 
inter jubelndem Beifall in Szene ging. 
d. Wohl tätigkentsfeft „Kolonie und Helmat“. Wir weisen 
nochnals auf das Wohltätigkeitsfest, Kolonie und Heimale 
hin, das heute, Freitag, von 7 Uhr abends ab, und morgen, 
Somabend., von nachmittags 5 Uhr ab im Kolosseum slatt- 
findet. Die Eintrittspreise betragen für Freitag, den 28. Nov., 
2 M, für Sonnabend, den 29. Rop. i. 80 N.für beide Tage 
pus. 3M. Der Preis einer Kinderkarte für den Befuch des 
Festes am Sonngbend, zwischen 5 und, ß Uhr beträgte . 
Im Vorvperkauf sind die Karten zu haben bei F. We Kaibeil, 
Breite Straße 40, Ernst Robert, Breite Straße 54 und Bernhard 
Nöhring, Breite Straße 6Ia. M. Niemeyer, Breite Sir. 63. und 
Friedr. Nagel. Markt 14. Die Befucher des Festes werden 
zebeten. moͤglichst in kolonialem Kostüm oder in Sommer— 
eidung zu erscheinen; jede andere Kleidung ist nalüruch eben— 
falls zugelassen. (ESiehe Inferat.) 
b. Der Lübecker Industrie-Verein veranstaltet am Frei— 
tas, dem 28. Nov. abends 81 Uhr eine Besichtigung der 
Ausstellung Gas und Elektrizität“ im Ausstellungsgebäude beim 
alten Bahnhof. Da dies unter sachktundiger Führung und mit 
inschließenden Erläuterungen erfolgt, durfte auf einen siarken 
Befuch zu rechnen sein. Die Einladungskarten dienen als 
Legitimation beim Eintritt. 
b. Christentum und Alkohol. Dieses gewiß zeitgemãße 
Thema wird den Gegenstand der, Befprechund am ersten reit 
giöfen Diskussionsabend dieses Winters, der am Mittwoch, 
dem 3. Dez. gehaften wird, bilden. Das einleitende Referat 
hat Herr Pastor, Mildenstein übernommen. Die mongatlichen 
religiosen Diskussionsabende finden im großen Sagle ves 
Bürgervereins, Königstre 25, fiau und beginnen 81 Uhr 
Die Teilnahme steht sedem frei. 
b. Ein öffentlicher Volksvorirag über den gegenwärtigen 
Stand der Krebsgforschung indet am Frestag dem 
28. Nov., abends 81Uhr im Gefellschaftshaus Monopol, 
Johannisstr. 25, auf Veranlassung des Vereins für Gefund— 
heitspflege und Naturheiltunde ftatt. gu Nichtmitglieder ist 
der Eintrittspreis auf 30 Pfa. Festgeseht worden Vert Bor 
trag, welther sich auch auf die Anwendung des Radins be 
ieht, dürfte gerade jetzt von allgemeinem Interesse sein. Als 
Redner ist Herr Dr. sed— Gans-Hamburg gewonnen worden. 
AdhenCtWtdetAccdtabteWbtt 
— 
Harnfeftãhte 
H,am burg, 28. Nor Die Bürgerfchaft beschäftigte 
ch in ihrer Sitzung aan Mutwoch t der Beschaffung von 
Miete⸗Gasmeffern bei velder Gelegenheit die Sprache 
dif, das Ichebe hter Gas kam, über das shnn sen naeret 
Zeit in den Zeitungen und von den Beziehern geklagt wird. 
ẽ8. wurde. festgestesit, dan die Munderwecigteit ves Gafes 
gicht zwon der Vermischung des Kohlengases m dem Fas 
der Neuengammer Erdoasguepf herrührt. da dessen 
Beschaffenhest der des Kohlengases nicht nachftehe Der Senq ts⸗ 
ntrag wmurde endgültig an ge no min enFebner beschafgte 
sich die Vurgeschost mit dem Erlaß eines Gesetzes iber den 
Berkehr mit, Kuhmilch. Es wurde dem Wunfthe Aus⸗ 
Juch verliehen der Sengt nisge im Bundesrat den baldigen 
krlaß, eines Reichs⸗Milchgesetzes erwirten Der An⸗ 
Lag sesbst wurde einem Auss chuß zur Beratung. überwiesen. 
Schließlich wurde unler vielfeitiger Heiterkeit ein Sengtsantrag 
zuf Erhöhung der Sundesteuer bergien Es ergab 
ich. daß für, den Antrageine knappe Mehrheit vor 
anden war, doch soil der Antrag zunächst von einem Aus⸗- 
chuß eingehend geprüft werden. 
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Fxreitag, den 28. November 1913. 
Morgen⸗Blatt Nr. 602. 
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einer eleltrischen Brgenlampe gemacht, deren Kohlenstifte bei 
Interdrucd des elektrischen Stromes zu sieden begannen. Das 
Siedeprodukt ist Graphit. 
Mit der Verflüssigung der Kohle wird eine Beobachtung 
estätiat, die der französische Physiker Desprez bereits im Jahre 
849 gemacht haben wollte. Auch er arbeitete mit Kohlen⸗ 
liften und berichtete in dem erwähnten Jahre mehrere Male 
in die französische Aklademie, daß er an den von ihm benützten 
Stiften vor dem Verdampfen ein Flüssigwerden und Schmelzen 
»emerkt habe. Trotzdem sich in der Folgezeit viele Forscher 
nait dem gleichen Gegenstande beschäftigt haben, konnte diese 
esprezsche Beohachtung niemals mehr bestätigt werden, so daß 
ian annahm, sie beruhe auf einem Irrtum. Insbesondere be— 
bies der berühmte französische Chemiker Moissan, der Ent— 
ecler eines Verfahrens zur Herstellung künstlicher Diamanten 
urch Versuche, bei denen er Ströme bis zu 2000 Ampere und 
kemperaturen von seiner Schätzung nach über 3000 Grad an— 
vendete. daß der Kohlenstoff niemals schmelze. Der gleichen 
nsicht war der bekannte deutsche Physiker Professor O. Leh— 
iann in Karlsruhe auf Grund seiner im Jahre 1895 durchge⸗ 
ührten Versuche. 
Wemnn nun Geheimrat Lummer doch eine Verflüsfigung der 
Johle durchzuführen vermochte, so ist diese Tat schon deshalb 
ußerst bemerkenswert, weil sie, wie man sieht, bisher als sest— 
tehend angesehene und durch Versuche der namhaftesten Ver⸗ 
reter der Wissenschaft scheinbar bewiesene Annahmen pollkommen 
mstürzt. Sie macht uns mit einer neuen, bislang absolut 
inglaubhaft erschienenen Eigenschaft des Kohlenstofffes bekannt, 
»er vielleicht auch eine hohe praktische Bedeutung zukommen 
ürfte. 
Welche Folgerungen sich für die Wissenschaft und Technik aus 
der Lummerschen Entdeckung im einzelnen ergeben werden, läßt 
ch heute noch nicht sagen. Zunächst würde es sich darum 
andeln, die Eigenschaften der verflüssigten Kohle zu studieren 
nd aus ihrer Kemtnis die notwendigen praktischen Folge— 
ungen zu ziehen. Aber vielleicht wird man viele Gegenstände 
us Kohle, die man bisher durch Pressen unter Zuhilfenahme 
„on Bindemitteln erzeugte, wie Kohlenstifte für Bogenlampen, 
ẽlektroden für galvanische Batterien usw. in Zukunft durch 
zießen herstellen. Vielleicht auch liegt in der Lummerschen 
intdeckung die Grundlage zu Umwälzungen auf dem Gebiete 
nseres Heizungs- und Beleuchtungswesens. Es wäre verfrüht. 
ch hierüber jetzt bereits in Vermutungen ergehen zu wollen 
he die Eigenschaften der flüssigen Kohle genau erforscht sind 
Geheimrat Lummer gilt als eine der hervorragendsten Autori— 
äten auf dem Gebiete der Physik. Er ist im Jahre 1860 
ne Breslau geboren, war längere Zeit Assistent ron Helmholtz 
ind arbeitete dann in der physikalisch-technischen Reichsanstall 
u Charlottenburg, zu deren Mitglied er im Jahre 1889 er— 
zannt wurde. Seine Forschungen bewegen sich fast durchweg 
uuf dem Gebiete der Optik. Er ist der Entdecker des 
Schwarzen Körpers“ und einer Anzahl außerst wichtiger optischer 
instrumente, wie Photometer usw. Vor wenigen Jahren folgte 
r einem Rufe nach Breslau. wo er sich bei seinen Arbeiten 
in schweres Leiden zuzog, das insbesondere seine Hände zur 
rortfetzung seiner Torschungen auf längere Zeit unbrauchbar 
achte. Infolge dieser Erkrankung mußte er auch den großen 
»auptvortrag, den er auf Einladung der Gesellschaft deutscher 
daturforscher und Aerzte in diesem Herbst in Wien halten 
ollte, absagen. Er suchte dann Erholung in Pontresina und es 
st erfreulich, daß er seine Tätigkeit jetzt, und zwar sogleich 
nit einer so bedeutsamen Entdeckung, wieder gaufnehmen koume, 
Kireei 28. Nop. Ote Schaffung einer besseren 
Berbindung Hamburg—Kiel-Kopenhagen ist nur 
in Glied in der Kette moderner Anlagen, die Kiel seit einiger 
zeit plant. Abgesehen von dem Millionenwerl der V,oll 
angalisation, das mit ihrem Tiefgebiet die Stadt wohl noch 
in Jahrzehnt beschäftigen wird, ist die Herrichtung von Iche 
ustrdegelände am neuen Rordhafen des Kaiser-Wil- 
elm⸗Kanals bei Hassee, der ersten Station der Bahnlinie 
tiel ⸗Flensburg und Kiel —Rendsburg, sowie am neuen Güter⸗ 
ahnhof bei Poppenbrügge-Meimersdorsf vorgesehen. Die 
ztadt wird sich an den geplanten neuen Bahnhauten 
ach Vortorf, nach dem Schönberger Strand, nach dem dänischen 
Vohld und voraussichtlich auch von Schönberg über Lütien⸗ 
urg nach Oldenburg beteiligen. Dazu kommt der Bau des 
drematoriums, eines mächtigen Umformers für die Ver—⸗ 
orgung Kiels mit elektrischer Cnergie vom Schwentinewerk. Die 
zasgautomatenanlagen, die einen gewaltigen Anklang 
efunden haben, erfordern Hunderttausende. Der Stadt ist 
senn auch in diesem Jahre die Genehmigung erteilt, eine An⸗ 
eihe von 21,5 Millionen Mark aufzunehmen, um diese Pläne 
uszuführen. Der Schlachthof soll erweitert werden. Alles 
pricht dafür, daß für Kiel wieder bessere Jahre kommen. Die 
darine beabsichtigt, sobald das J. und 3.. Geschwader, 
ie schon 13 Großlmienschiffe aufweisen, 16 besitzen werden, 
diel moderne Schlachtschiffe statt der jetzt hier stationierten 
leinen Linienschiffe zuzuteilen. Damit wächst die Garnison 
ind die Einwohnerzahl. der, Wohnungsüberschuß wird ver— 
hᷣwinden, eine neue Bautätigkeit einsetzen und damit der wirt⸗ 
haftiiche Aufschwung, gesichert sein. — Schles wig⸗ 
oisteinischen Fischern ist durch die Uebungen der Kriegs— 
chiffe mancherlei Schaden verursacht worden, für die recht⸗ 
ich ein Ersatz nicht geltend gemacht werden konnte. Das Reichs⸗ 
narineamt hat jetzt zum ersten Male eine Beihilfe pon 
„0000 Miin den Marineetat eingestellt, um die altein— 
efefsenen Kieler und Helgoländer Fischer in solchen Fällen 
hadlos zu halten. 
ol. OlIdesloe, 28. Nop. Die Versorgung Olbes— 
oes mitelektrischer Kraft undelektr ischem Lichtt 
at jetzt einen Schritt vorwärts getan. Es haben Verhand— 
ungen mit dem Kreisausschuß stattgefunden, und dieser hat; 
zie der Oldesloer Landbote erfährt, beschlossen, elektrischen 
ztrom zum Preisfe von 18 Pfg für die Kilowattstunde, gemessen 
n der Hochspannungsseite der Ortstranssormatoren an die 
z5tadt Oldeslode zu überlassen. Im Hinblick auf den gemein— 
ützigen Charakter der Ueberlandzentrale behäst sich jedoch der 
treisausschuß das Recht vor, bei der Festsetzung des Strom— 
reises für die Oldesloder Konsumenten mitzusprechen. Der 
ztrompreis soll nur so hoch sein, daß die Unkosten gedeckt 
gerden. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lbed. 
Eutin, 28. Noo. Der Großherzog, der Erb— 
zroßherzog und die Prinzessinnen begaben sich Mitt⸗ 
voch mittels Automobils von Haus Lensahn nach Oldenburg. 
— Der Marstall siedelte bereits Dienstag resp. Mittwoch früh 
mach Oldenburg über. 
— Schwartau, 28. Nov. Ortskrankenkaffe. 
zine Versammlung der Arbeitgeber beschäftigte sich mit der 
lufstellung von Wahlvorschlägen sür die Vertreterwahl der 
Irbeitgeber für die am 1. Jan. in Kraft tretende, das 
anze Fürstentum umfassende Ortskrankenkasse. In einer von 
en Vorständen der bisherigen Ortskrankenkassen in Gleschendorf 
bgehaltenen Versammlung hatte man die vier zu wählenden 
zertreter so verteilt, daß quf Eutin zwei und Ahrensbök und 
schwartau je einer entfällt und demgemäß für Schwartau 
zuchdruckereibesitzer Caspers als Ausschußmitglied und Friseur 
zux und Tischlermeister Pingel als Vertreter in Vorschlag 
ebracht. Die Versammlung der Arbeitgeber trat diesem Vor— 
hlag bei. Sämtliche Arbeitgeber sollen aufgefordert werden, 
ur Vermeidung einer Zersplitterung, die nur den Arbeitnehmer 
ugute kommen würde, bei der Wahl am 14. Dez. geschlossen für 
iesen Wahlvorschlag einzutreten. 
Großherzogiümer Medlenburg. 
s8s Grevesmühlen, 28. Nor. Auf dem ersten Ge⸗ 
reinde-Abend dieses Winters, der Mittwoch im Schützen⸗ 
ofe stattfand, hielt Pastor Schulz. Bütow, einen Evangelisa⸗ 
ons⸗Vortrag über das Thema „Der christliche Charakter“. 
luherdem wirkten mit: der Missionsgesangverein durch ein 
Auartett und Frau Dr. Brauns, Schwerin, im Sologesang 
utch drei Stücke („Die arme Seele“ von Albert Beder. 
Immanuel“ von Eduard Stößler und „Das Vaterunser“ 
y»n Karl Nicola).! Der Besuch ließ zu wünschen übrig. — 
der Bund der Landwirte hielt im Schũtzenhause eine 
Bersammlung ab, in welcher Stange, Berlin, einen Vortrag 
ber „Zeit⸗ und Streitfragen“ hielt. Gestern sprach er über 
asselbe Thema in Warnow. 
Wittenburg,. 28. Nowd. Die Kinderlähmung tritt 
n der hiesigen Umgegend auf. Es sind bereits 20 Kinder 
rkrankt. von denen drei gestorben sind. Infolge der Krank— 
eit wurden die Schulen zu Düusterbed, Raguth,. Neuenkirchen 
ind Waschow geschlossen. 
»Rehna, 28. Nov. Die geriebenen Schwindel— 
tanöver machen jetzt schon in den kleinen Städten Schule. 
luf diese Weise wurden dieser Tage mehrere hiesige Geschäfts⸗ 
ute um kleinere Beträge geprellt. Im Auftrage eines Erb—⸗ 
aächters in Benzin bestellte ein junger Mann bei einem Kon⸗ 
itor eine Torte zu 5 M, bei einem Bäder für 7 MKlein— 
ebäck, bei dem Schlachter Th. einen achtpfündigen Schweine⸗ 
raten. Die Waren sollten auftragsmäßig dem Erbpächter zuge⸗ 
ellt werden. Gleichzeitig ließ sich der Schwindler von dem 
zäcdker ein Brot, von dem Schlachter eine Braunschweiger, eine 
eberwurst, verschiedene Aufschnittwaren und von dem Kon— 
itor verschiedenes kleines Gebäck gleich mitgeben, welche Waren 
nit der Nachsendung dem Erbpächter auf Rechnung gesetzt werden 
»llten. Die bestellten Waren wurden demzufolge auch prompt 
xpediert und da der Erbpächter mit seiner Frau verreist war, 
von dem anwesenden Vertreter in Empfang genommen. Erst 
ei der Rückkehr der Erbpächterfamilie stellte sich der Schwindel 
eraus und wurden den Lieferanten die Waren wieder 
ugestellt 
Ies 
Bunte Chronik. 
PO. 200 000 Rronen-Bankerott eines Buda⸗-— 
»ester Börsenkommissionärs. In Börfenkreisen in 
zudapest herrscht ũber den Zusammenbruch eines bisher ange— 
rhenen Börsenkommissionsgeschäfts große Aufregung. Auf Ver— 
nlassung der Polizei wurde Freitag gegen den Inhaber des 
zeschäfts. Hugo Kraus, ein Haftbefehi erlassen. Kraus soll 
a den letzten Tagen große Börsenverluste gehabt haben, ohne 
n der Lage zu sein, seinen Verbindlichkeiten nachkommen zu 
önnen. Er ist unter Hinterlassung einer Schuldenlast im Be— 
tage von 200000 Kronen flüchtig geworden. 
PC. Strandung eines französischen Torpedo—⸗ 
ägers. Mittwoch vormittag ist infolge dichten Nebels der 
Torpedojäger „Etendard“ an der Küste bei Cherboura auf— 
jelaufen. Trotzdem er schwere Havarien erlitten hatte, bonnte 
nan ihn bei steigender Flut wieder flott machen. Er mußte jedoch 
'ofort ins Dod gebracht werden. 
Ein Frankfurter Notar verschwunden. Der 
Notar am Landgericht Frankfurt a. M. Alexander Reich— 
nann ist seit einigen Tagen verschwunden. Man vei— 
nutet, daß er wegen finanzieller Schwierigkeiten mit einer 
Frauensperson ins Ausland geflüchtet ist. Ueber sein Vermögen 
st Konkurs verhängt worden. 
Oscar Strauß b estohlen. Der bekannte Operetten⸗ 
omponjst Oscar Strauß erstattete bei der Wiener Polizei An— 
eige, dak ihm seine sehr wertvollen Schmucksachen abhanden ge⸗ 
ommen seen. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt Diebstahl ver. 
Inter den geraubten Gegenständen befinden sich zahlreiche An⸗ 
venken. die Strauß von ihm befannten Künstlern erßalfen M 
Flüssige Kohle. 
In der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische 
Kultur in Sreslaus brachte Mittwoch abend der 
direltor des hnsikalishen Instituls, Geheimer Regierungs— 
at Dr. Lummer, Kohlen zum Sieden. Er hat die 
entdeckung der Verflüssigung des Kohlenstoffes an 
cu pezienen dureoh den hiesigen eingrossnhanvei. 
——— — — — — — — daau
	        
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