Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Tagesbericht. 
Lübeck, 27. Nopvember. 
Niel gegen die Fehmarnbahn. 
In der letzten Sitzung der Stadtkollegien in Kiel bemerkte 
Dberbürgermeister Lindemann zu der Vorlage über den Ausbau 
der Linie Hamburg —Kopenhagen, daß sie die wichtigsten Handels 
uid Verkehrsinteressen sowohl der Stadt Kiel als auch der 
—— 
vie die Handelskammer, die Landwirtschaftskanmmer und die 
Magistrate der grohßen Städte hätten in einer längeren Denk— 
schrift scharf zu der projektierten Fehmarn-Linie Stellung ge— 
rommen. Der Ausbau dieser Linie sei gleichbedeutend mit 
der Gefährdung großer Interessen Schleswig-Holsteins, und 
»aher sei es erfreulich, daß die berufenen Körperschaftem 
Schleswig⸗Holsteins geschlossen für die Interessen der Provinz 
inträten. Der Magistrat der Stadt Kiel halte es daher 
ür dringend notwendig, daß die städtischen Kollegien in 
aunzweideutiger Weise ihrer Auffassung in dieser Sache Aus— 
druck verleihen. Er halte es aber auch für unerläßlich, 
daß die Stadt Kiel sich bereit erkläre, zum Schutze der für 
ie in Frage kommenden Interessen Opfer zu bringen, wenn 
hne solche die speziell in Kiel notwendig werdenden neuen Ein— 
eichtungen nicht geschaffen werden könnten. Wenn so die berufenen 
Bertretungen der Landwirtschaft, des Handels und bedeutender 
Städte der Provinz einmütig sich gegen die Fehmarn-Linie und 
für die Aufrechterhaltung und Verbesserung der bestehenden Ver— 
bindung einsetzten, dann werde der Minister sür öffentliche Ar— 
beiten erkennen, daß er in seinen Bestrebungen von der gesamten 
Provinz Schleswig⸗Holstein freudig und nachhaltig unterstützt 
verde. Dann würden hoffentlich auch weiteste Kreise der 
Monarchie einsehen, daß es fich hier nicht bloß um eine Abkürzung 
ines wichtigen Reiseweges handle, sondern daß vielmehr der 
ampf um große allgemeine Interessen der Nordmark und damit 
»er Monarchie selbst geführt werde. Stadtverordnetenvorsteher 
Dr. Ahlmann und der sozialdemokratische Stadtverordnete 
kpiegel erkllärten, daß es in dieser Frage nur einen Willen und 
eine Partei gebe, nämlich die Förderung aller Handelsinteressen 
der Provinz. Darauf wurde die Vorlage einstimmig angenommen. 
———— — — 
Im Verein sür Luͤbecksche Geschichte und Altertumskunde 
hielt Mittwoch abend Herr Dr. Hagedorn aus Aurich einen 
VBortrag über die Entwickelung des Schiffsbaues. Der Redner 
vußte in fast zweistündigem Vortrage ein überreiches Material 
n anschaulicher Weise vorzusühren. Besonders lebhaft wurden 
die verschiedenen Uebergänge von der kleinen zur großen und 
vieder zurück zur kleinen Type geschildert. Der Redner zog die 
zroßen Schiffsbauzentren in den nordischen Meeren und im 
Mittelmeere, in Spanien, Frankreich, den Niederlanden, in Eng— 
and, Skandinavien und in Deutschland in den Kreis seiner 
Betrachtungen. Bei der großen Bedeutung, die Lübeck für den 
Schiffbau gehabt und bei den zahlreichen geschichtlichen Hilfs— 
vuellen und dem reichen Bilderma“erial, das sich hier in din 
Kirchen, in der Schiffergesellschaft, auf Münzen und Seekarten 
erhalten hat, war es selbstverständlich, daß dieses Material 
einen nicht zu unterschätzenden Raum in dem von zahlreichen 
rdichtbildern erläuterten Vortrag einnahm. 
M.St. Lübecker Liedertafel. Am Mittwoch fand unter der 
deitung des Herrn Chormeisters Königl. Obermusikmeister 
x*lorenz Clausnitzer ein Konzert im Marmorsaal des Stadt— 
cheaters statt. Es ist eine erfreuliche Tatsache und in der Zeit 
der Hypermodernen nur dankbarlichst zu begrühen, daß in 
uinserer Stadt ein gemischter Chor existiert, der sich die Pflege 
der kleinen Werke unserer großen Tonmeister angelegen sein 
ãßt. Es findet sich da eine ganze Blütenlese schöner Chorwerke 
nit Soli, wie beifpielsweife bei Mendelssohn, Schubert, 
Schumam, Gade, Rheinthaler und noch manchen Moderneren, 
zie in unsere Zeit hineinragen. Früher wurden diese Sachen 
jier, neben großen Oratoriumsaufführungen, an sogenannten 
„kleinen musikalischen Abenden“ sorgsam gepflegt. Wir können 
der eisrig emporstrebenden Liedertafel, unter der tüchtigen Lei⸗ 
sung Clausnitzers, nur raten, auf dem begonnenen Wege 
weiter zu wandeln; sie dürfte dann eine Spezialität werden. 
Gestern hatte man sich eins der schönsten von den kleinen 
Werken Mendelssohns: „Die erste Walpurgisnacht“ zur Auf— 
führung auserkoren. Die Singenden waren mit großem Eifer 
bei der Sache und wurden von Herrn Obermusikmeister Claus— 
nitzer sicher durch alle Fährnisse geleitet, denn manche Chöre 
sind nicht ganz leicht, wie beispielsweise der Chor der Wodins— 
anbeter „Kommt mit Zacken und mit Gabeln“ und der zierlich— 
mysteriös gehaltene Chor: „Verteilt euch, wackere Männer, hier.“ 
Letzterer freilich hätte wohl noch ein wenig mehr im 
Pianissimo wiedergegeben werden können. Die Soli waren von 
Srn. Walter Mann. SHrn. Otto Vogel und Frl.Hedwig 
Wolter (an Sielle des erkrankten Frl. Lenbach), säntlich Mit— 
plieder des Stadttheaters, übernommen worden. Von diesen 
erfaßte Hr. Walter Mann seine Aufgabe am charakteristischsten. 
Frl. Wolter und Hr. Vogel hätten sich eiwas erregter geben 
müssen. Hr. Dr. Hartzem begleitete am Klavier. Da lassen 
ich natürlich keine so feinen Nuancen herausarbeiten, wie man 
s sonst erwartet. Es gilt, das Orchester zu verkreten und 
den Chor mit sicherer Hand zu führen und festzuhalten. In 
diesem Sinne waren die Singenden gut beraten. Der ge⸗ 
mischte Chor von Handn: „Der Sturm“, steht doch etwas im 
Banne seiner Zeit und fängt bereits an, ein wenig zu ver— 
alten. Die gemischten aà cappellahöre von Mendelssohn: 
„Hans und Liesel“, „Entflieh mit mir“ und „Es fiel ein 
Reif“, unter Herrn Dr. Hartzems Leitung ließen leider an 
reiner Intonation zu wũnschen übrig. Die drei Mitglieder 
unseres Theaters benutzten die Gelegenheit, sich in größeren 
Ausgaben zu zeigen, als die man ihnen sonst zuerteilt. Bei 
diesem Vorgehen zeigte sich mancher überraschende Zug. Be— 
sonders fiel Herr Walter Mann auf durch den hellen, 
etwas spröden Klang seines Tenots und gute musikalische Auf— 
iassung. Er sang die Arie aus der Oper Boheme“ von Puccini, 
„Winterlied“ von Roß und als Zugabe die Arie von Mozart: 
„In den Jahren der Vernunft“. Frl. Wolter versuchte sich 
nicht ohne Glück mit schöner, umfangreicher Stimme an der 
roßen Fides-Arie und sang das Brahmssche Lied „Von ewiger 
Liebe“ sehr warmblütig. Herr Vogel, ein wohlklingender 
Bariton, dem es jedoch etwas an temperamentvoller Auf— 
assung fehlt, hatte sich die schöne Ballade von Hentschel: „Jung 
Dietrich“ und ein leichteres Lied, „Lolita“ von Peccia. gewählt. 
kr sawohl wie Frs. Wolter kamen ebenfalls nicht ohne 
zugaben davon. Der kleine Chor dürfte der Aufmunterung 
des Publikums empfohlen sein! 
.0 Meine Reise mit dem „Impetator“ nach Amerika. Ueber 
dieses Thema hielt Mittwoch abend im Konzerthaus „Flora“ 
ror den Mitgliedern der Gewerbegesellschaft Herr Josachim 
ßarms, Samburg, einen Lichtbildervortrag. Der Vor— 
gagende hat im Jun dieses Jahres die erste Fahri mit dem 
Riesendampfer nach Ametita gemacht und schisderte nun die 
rrobartigen Räume des Schiffes, seine Eindrücke und Erlebnisse 
uf dem Ozeanriesen und im Lande der unbegrenzten Moglich 
eiten Jelbst. Sehr wirksam wurde sein Vortrag durch eine 
iroße Reihe Lichtbilder unterstützt, die in einer wundervollen, nur 
elten auzutreffenden Klarheit und, Schärfe vorüberzogen. Von 
em Schiffe, das in Cherbourg Journalisten aller Laänder als 
as schönste der Welt bezeichneten, führte, Herr Harms den 
Inwesenden die Promenadendeds, die Speisesalons den Kon— 
ertsaal, das Damenzimmer, den Palmensaal, das elegante 
S„chwimmbad, den Kinderspielplatz und den Turnsaal vor Augen, 
reschilderte ferner in Wort und Bild das Leben und Treiben 
er Kaijütenpassagiere und humorvolle Szenen aus den Zwi— 
chhendedcks, er erzählte von der Tätigkeit der Offiziere und Schiffs- 
esatzung, der Unterhaltung der Passagiere durch Tanz, Mufil 
nd Gesellschaftsspiele, und gab so ein interefsantes, zutreffen⸗ 
es Bild von dem Riesenbetrieb in einer solchen kleinen, 
wimmenden Stadt. Nachdem das Schiff den englischen Kanal 
iert, steuert es hinaus in den Ozean. Der Sturm konnte 
n „Imperator“ nicht ins Schwanken bringen, ruhig und 
her zog er seine Bahn, von Zeit zu Zeit ertönt des Nachts 
r Seemannsruf: „Ailes wohl die Lampen brennen!“ Dem 
herwältigenden Eindruck, den der Atlantische Ozean in seiner 
habenen Maiestät auf ieden macht, wird sich niemand ent— 
ehen lönnen. Die ewig wechselnden, ewig interessanten Bil— 
er nehmen den Beschauer ganz gefangen, denn das Weeer ist 
yön in jeder Gestalt, in seiner erhabenen Ruhe und in seinem 
ammenden Zorn. Das erste Feuerschiff Amerikas taucht auf, 
e Straben, und die Ankunftshalie in Newyork sind mit 
Renschen dicht besetzt, wohl über hunderttausend erwarten, 
ichdem die „Titanic“ kurz vor dem Ziel gestrandet, die Ankunft 
es neuen, jetzt größten Schiffes der Welt. Der Oberbürger- 
leister Newyorks begab sich nach der Landung mit seiner Be⸗ 
leitung an Bord des Dampfers und sprach nach der Besich— 
gung mit bewundernden Worten über dieses stolze Werk 
er deutschen Schiffsbaulunst. Weiter führte der Vortragende 
ine Hörer in die Stadt Newyork hinein, mit ihren himmel— 
nstrebenden. 20—254 Stockwerke aufweisenden Häusern und 
rem ungeheuren Riesenverkehr, der fast sinnverwirrend auf 
den. ankommenden Fremdling wirkt. Neben den reichen 
Zalästen finden sich aber auch manche Gegenden, in denen die 
rmut wohnt. Auch manche Sehenswürdigkeiten an öffentlichen 
ebäuden. Stätten des Vergnügens und des rauschenden Ver⸗ 
hrs, die 1827 melange Brocklyn-Brücke, die wildromantischen 
tiagara-Fälle in Kanada, das Kapitol mit fseiner 100 m hohen 
tuppel zu Washington und vieles andere hatte der Vortragende 
»ährend seines dortigen Aufenthaltes in ganz vorzüglichen 
zildern festgehalten. Dann erfolgte die Ruüͤckreise mit dem— 
Iben Damyfer, noch einmal grüßt von fern die gewaltige 
ctatue der Freiheit, am Eingang des Newyorker Hafens, und 
oieder zieht der „Imperator“ durch die blauen Fluten des 
ltlantischen Ozeans, seiner deutschen Heimat entgegen. Auth 
iese Fahrt ist an interessanten Erlebnissen reich, wundervoll 
ialerische, stimmungsvolle Bilder konnte der Vortragende 
amentlich aus dem englischen Kanal vor Augen führen. In 
hamburg angekommen, vereinigten sich die Passagiere noch, zu 
iner Abschiedsfeier im Uhlenhorster Fährhaus, und auch hier— 
on und anderen bekannten Hamburger, Stätten konnte der 
dedner prächtige Bilder zeigen. Der große Sagl der „Flora“ 
zar bis auf den letzten Plaß gefüllt und das Publikum spendete 
em Vortragenden für seine interessanten Ausführungen leb— 
asten Beifall 
Erne neue Orcanisatien dis deutichen Fischhandels. Im 
euen Etat des Reichsamts des Innern sind Miittel für eine ge— 
lante neue Organisation des Fischmarktes eingestellt. Hierzu 
ird halbamtlich ausgeführt: Angesichts der volkswirtschaft— 
chen Bedeutung, die die Fischnahrung infolge der teuren 
ẽleischpreise immer mehr gewinnt, erscheint gerade eine zweck— 
näkige und gleichmäßige Förderung eines billigen Vertriebs von 
Süßwasserfischen im Reiche am Platze, der zur eit erheblich zu 
nünschen übrig läht. Es ist geplant, einmal die kleinen Fisch— 
ändler in den Großstädten zu unterstützen, und dann den 
zandel und Vertrieb in der Provinz in größeren und kleineren 
städten neu zu regeln und zu beleben. Es dürfte vor allem 
arauf ankommen, die finanzielle Unterstützung der kleireren 
ijch händler in den Großstädten durchsusühren, wobei vor allem 
ie Darlehensgewährung in Frage kommen dürfte. Dann will 
tan vor allen Dingen in den kleineren Städten, in denen bei 
en jetzt herrschenden Verhältnissen gar keine oder nur sehr 
enige Fische auf den Markt gebracht werden, Wandel schaffen. 
eplant ist, besondere Verkaufsstellen für Süßwasserfische einzu— 
ichten, die etwa zweimal wöchentlich Fische feilbieten. Diese 
leformen werden auch den Fischzüchtern und indirekt der See— 
ischerei Vorteile bringen. 
*Der kupferne Sonntag fällt in diesem Jahre auf den 
J. Dez. der silberne auf den 14. und der goldene Sonntag auf 
»en 21. Dez. An allen diesen drei Sonntanen dürken die Läden 
nd offenen Verkaufsstellen, wie auch schon erwähnt, laut 
zekanntmachung des Polizeiamtes von vormittags 11 Uhr 
b bis 7 Uhr abends geöffnet bleiben. 
02 Wäschediebstahl. In der Nacht vom 25. zum 26. d. M. 
ind aus einem Wohnhange am Langen Lohberg solgende Wäsche— 
tücke von der Waschleine gestohlen worden: 1 weihes Bettlalen. 
weißes Fischlaken gezeichnet „M. M.“, 4 weiße Handtüchet 
ez. „M. M.“, 1 Kinderhemd gez. S. M.“1 Frauenhenid, 
Trikothemd, 1 Nornialunterhose, J schwarz⸗ und weißgestreifter 
Zeiderrock. 1 blaue Küchenschürze, 1J Nachtjacke J Herrennormal- 
emd. 1, Paar graue wollene, 1 Paar vraune und Röat 
hwarze Sitrünpfe 
as οXx äXà ãäOXÛæä äëÄckheht MbaMchltbcbbl 
b. Vortrag. Der schwedische Schriftsteller Gustaf Blom— 
uist wird, morgen abend im großen Saui der Schiffergesell« 
chast auf schwedisch einen Vorttag halten über Eine Soee, 
Ir wag Finnland und Rußland über Schweden.“ Maheres 
nserat. 
Luftfahrt. 
Dresden, 26. Nond. Der Flieger Thomik stürzte⸗ 
uuf dem städtischen Flugplatz aus 500 m Höhe vom Luftschiff 
Sachsen“ miheinem Fallschirm ab, der sich nach 30 m 
ntfaltete. Thomik kam in gauter Verfassung zur Erde. 
W. Mourmelon, 26. Noo. Ein Militär-Do ppel— 
»eder mit zwei Insassen ist an der Grenze der Departements 
lube und Marne abgestürzt, wobei der Benzinbehälter explo— 
ierte und die beiden Flieger verbrannten. 
Neuer deutscher Höhentekord. Berlin, 26. Nop. Der 
zlieger Bruno Schüller hat Mittwoch auf Agodoppeldeder mit 
dapitänleutnant Littmann als Begleiter einen deutschen Höhen⸗ 
ekord aufgestellt. Er stieg 3300 m hoch. 
— — — —⸗— — — — — — — —— — — 
Vermischies. 
Kleine Tagesereignisse. Die Fürstin-Mutter Anko— 
rie Infantin von Portugal hatte Mittwoch morgen, 
bie aus Sigmaringen gemeldet wird, einen heftigen Anfall von 
Ltemnot und grober Herzschwäche sowie Lungen— 
mbolie. Nach etwa zwei Stunden waren die zeitweilig bedroh— 
ichen Erscheinungen überwunden. Der Zustand der hohen 
zxrau ist zufriedenstellend. — Die seit fünf Wochen 
ermißte Schneiderin Martha Löber in Halle a. 
5. ist als Leiche mit gespaltenem Schädel aufge— 
unden worden. — Anscheinend liegt Lustmord vor. — 
m Kohlenbezirk Pas de Calais ist die Urbeitüberall wie— 
er aufgenommen worden. — Bei dem Tunnel von 
azurca erfolgte während der Wegräumungsarbeiten ein 
euer Erdsturz. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. 
urzeit hat die Einsturzstelle eine Länge von 800 Metern — 
die Werkstätten der Grand Trunk-Bahn in Port Huron 
Michigan) sind niedergebrannt. Der Schaden wird auf eine 
Nillion Dollars geschätzt. 1000 Arbeiter sind arbeits— 
os. — Der japanische Dampfer „Soshu Maru“ überrannte auk 
»er Reede von Hongkong ein chinesisches Boot. 20 Chinesen 
burden gerettet, 30 sollen ertrunken sein. — Der Eil— 
ug Berlin— Stralsund streifte gestern nachmittag kurz 
inter Pasewalk eine offenstehende Tür des aus der entgegen⸗ 
esetzten Richtung kommenden Personenzuges Stralsund—Berlin. 
ie offene Tür wurde herausgerissen und den Personenzug ent— 
ang geschleudert. Durch herumfliegende Glassplilter wurden 
Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Eine Frau erlitt 
Rerhebliche Verletzungen, daß sie zur Operation nach Prenzlau 
ebracht werden mußte. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der il- A. Aud . Z.“x. 
J Das Befinden von Winterfelds. 
PC. Paris, 27. Nov. Das Befinden des deutschen Militär— 
attachés in Paris, Oberstleutnants von Winterfeld, bessert sich 
angsam. Herr von Winterfeld, der sich noch immer in Gri— 
olles befindet, da die Aerzte seine Ueberführung nach Paris 
ioch nicht gestatten, empfing gestern den Besuch seines Vaters, 
ines Kammerherrn der Kaiserin. 
Die Wirren in Mexiko. 
Newnork, 27. Nov. General Salazar soll nach einem bis— 
ser unbestätigten Gerücht gefangen und auf dem Wege nach 
Juarez sein. Es verlautet, daß die Rebellen 200 Feinde auf 
em Schlachtfeld erschossen hätten. General Villa soll mit der 
tlonischen Bemerkung: „Wir wollen keine Gefangenen füttern“, 
ien Befehl dazu gegeben haben. Vielfach ist es in den letzten 
dämpfen zum Handkampf gekommen. Der Rebellensührer Car— 
anza erklärte, nachdem ihm Villas Sieg berichtet wurde, daß 
iese Niederlage der Macht Huertas bei Juarez im Norden 
MNexikos dem Diktator das Rückgrat breche. Der amerikanische 
Idmiral Fletcher berichtet drahtlos, daß die Situation im 
Tcuxpam-Oelgebiet zufriedenstellend und eine Truppenlandung 
innötig sei. 
W. Newyhork, 27. Nov. Nach einer Meldung aus Mexiko 
hließt man aus dem Besuch, den Konteradmiral Fletcher in 
zegleitune Linds in Tuxpan machte, daß die Lage dort 
rnist er ist, als allgemein angenommen wird. Die Insur— 
jenten wenden sich angeblich gegen Tampico. Flüchtlinge er— 
lären, General Aquilar habe den Regierungsbeamten mitgeteilt, 
vaß die Insurgenten heute die Stadt angreifen würden, falls 
ie sich nicht übergebe. Der Kommandant der Regierungs- 
ruppen ließ den Boten verhaften. — Bei Carneron, wo gestern 
in Truppentransportzug durch Rebellen mit Dynamit in die 
Luft gesprengt wurde, ist ein Gefecht im Gange. 
* 
Berlin, 27. Nob. Generalleutnant Liman von 
Sanders, der Leiter der neuen deutschen Militärmission 
n der Türkei, war am Dienstag in Berlin anwesend. Sein 
lufenthalt galt lediglich einem Höflichkeitsbesuch in der türki— 
chen Botschaft. Der General reiste darauf nach Kassel zurück. 
W. Berlin, 27. Nov. Eine Nachricht, daß Fürst Bülow 
in Werküber deutsche Volitik geschrieben habe, wirkt, 
wie die Vossische Zeitung mit Recht schreibt, so überraschend, daß 
nan sie zunächst mit einem Fragezjeichen versehen darf. 
W. Paris, 27. Nov. Der Finanzausschuß des Senats wird 
seute dem Plenum den von ihm in fünftägiger Beratung aus— 
carbeiteten Einkommensteuergesetzentwurf vorlegen. 
durch den Entwurf wird die bisherige Personal⸗ Tür-⸗ und 
renstersteuer aufgehoben und die Einkommensteuer mit fakul— 
ativer Erklärung und behördlicher Schätzung auf den be— 
tehenden gesetzlichen Grundlagen sowie nach äußeren Anzeichen 
ingeführt. Zur Steuerleistung sollen 5 Millionen Steuerzahler 
serangezogen CArden. Aus den Erträgnissen der Steuer sollen 
O Millionen zugunsten der bäuerlichen Bevölkerung verwandtk 
verden. 
W. Lifsabon, 27. Nov. Zwei Portugiesen, Chicorro und 
Zilva Cunha, sind wegen Verdachts, eine Verschwörung 
jegen das Leben des Ministerpräsidenten Alfonso Costa 
ingezettelt zu haben, an Bord des aus Brasilien angelangten 
dampfers „Ambrose“ verhaftet worden. 
W. Athen, 27. Nov. Die Kammer hat den griechische 
türkischen Friedensvertrag in dritter Lesung ange⸗ 
tommen 
4 * — 
Fortunas Gabe. 
W. Berlin, 27. Nov. Der Hauptgewinn der Natur— 
chutzpark-⸗Lotterie von 100 000 Miäfiel in die arbeits harten 
dände einer armen Witwe, die sür sieben unmuündige 
KRinder zu sorgen hat. 
Kampf mit Wilderern. 
W. Hamburg, 27. Noo. Im Großborsteler Gehölz 
n der Nähe der Schießstände überraschte in der letzten Nacht 
»er Jagdaufseher Sorgenfrei zwei Wilderer, die auf Fa— 
anen geschossen hatten. Der Zimmermann Wentdorf aus Otten— 
en wurde durch den Beamten im Handgemengeser— 
chossen, der andere Wilderer, der 24jährige Gärtnereiarbeiter 
dehbock ist verhaftet worden. Die Beiden hatten doppel— 
äufige Jagdflinten und das Innere ihrer Röcke war mii 
Taschen versehen zur Unterbringung der auseinander zu neh⸗ 
nenden Gewehre. 
Der Untergang des „Volturno“ vpor der Untersuchungs⸗ 
kommission. 
PC. London, 27. Nov. Die Untersuchungskommission, die 
krhebungen über den Brand des „Volturno“ angestellt hat, 
zibt bekamt, daß die Dadung des gesunkenen Schiffes äu ßeerst 
euergefährlhich war und daß infolgedessen schon bei Aus— 
bruch des Brandes die Situation sehr bedrohlich war. Es wird 
darauf hingewiesen, daß genügend Rettungsboote vorhanden 
voren, die fich in gutem Zustande befanden, aber gerade da— 
durch, daß die Rettun aAsboote benutzt wurden, viele 
Menschen ums Leben gekommen sind, da die Boote bei dem 
hohen Seegang am Schiffsrumpf zerschelilten. 
d 
PC. Paris, 27. Nov. Die Feuersbrunst, die vor einigen 
bagen in der Kaserne des 7. Artillerie Regiments in Reumnes 
ꝛeträchtlichen Schaden angerichtet hat, ist, wie die eingeleitete 
Untersuchung ergab, auf Brandstiftung zurückzuführen. 
W. Konstantinopel, 27 Nop. Der Flieger Daucourt 
st bei seinem Flug über das Tauresgebirge von einem 
Sturm überrascht worden und abgestürzt. Das Flugzeug 
st zertrümmert. Daucourt und sein Begleiter sind unverletzt 
ebrneben.
	        
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