Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Franzöfische „Beunruhigung“. 
PC. Naris, 26. Nov. Die Berufung der deutschen Mil 
tärmissson nach Konstantinopel läßt, die französische Presse nicht 
mehr ruhig schlasen. Mehrere Blaͤtter beschäftigen sich eingehend 
nit der Mission des Generals Liman von Sanders und drängen 
der Türken aunächst ihre „freundschaftlichen Ratschläge“ auf, lassen 
iber durchblicken, daß man der Türkei gegenüher guch einen 
mnderen Ton anzuschiagen wissen wird, falls sie die „Rat⸗ 
chläge“ nicht verstehen sollte. 
Das Echo de Paris befaßt sich am qusführlichsten mit 
der Miission und führt gegen sie drei Einwände: 
1. exklärt es das Blatt für unannehmbar. daß ein deut⸗ 
scher General ganz nach seinem Belieben über die Re— 
rutierungder türkischen Offiziere so wie über die 
Täligkeit des Generalstabes bestimmen kann, und daß dieser Ge⸗ 
ieral das einzige Element, das die Einigkeit des türkischen 
Reiches und die Sicherheit der Hauptstadt garantiert. nämlich 
ie Armee, in der Hand hat; J 
2. vaß die Vertreler der fremden Maͤchte in Konstantinopel 
ich eͤner Pewaffneten Macht Wenher befinden, die 
3 Namen nach türkisch in Wirklichkeit aben 
»eutsch sei; 
3. daß die Oeffnung und Schließung der Dar— 
danellen in der Praxis von einem deutschen Ge— 
reral abhänge. 
kin Setzartikel der Nowoje Wremia. 
. Betersburg, 26. Nov. Das deutschfeindliche Hetzblatt 
owoie Wremja veröffemntlicht einen geradezu unglaublichen Ar— 
tikel, in dem es Deutschland in der heftigsten Weise angreift. 
Am Schlusse dieses Artikels heißt es: Den Deutschen ist es ge⸗ 
ungen, nach vollkommener Niederlage ihrer Or— 
Fanifalten und militärischen Instruüktion, für die 
ie aus Konstantinopel mit Schimpf, und Schande 
gätten veriggt werden müssen, () sich dort eine 
Stellung zu schaffen, die beinahe einer Eroberung gleichkommt. 
Um dies zu erreichen, haben sie sich sicherlich nicht allein diplo— 
natischer Mittel bedient, sondern sie müssen die ganze Regie— 
uung des türkischen Reiches mit eiserner Hand halten, um 
Aie wirklichen Herren der Lage zu sein. So wie die Dinge 
iegen, muß sich die Triple-Entente darauf vorbereiten, daß 
die Vernichtung der Türkei in Kürze bevorsteht. Aber es 
st unmöglich, diefsem Shguspiel mit gekreuz— 
en Armen zuzusehen und sich nur um die Fragen zu 
ümmern, die man der Triple-Entente vorzulegen gewült ist. 
Die Triple-Entente muß ihre Entschlüsse treffen, bevor der 
Hegner die seinigen getroffen hat. — Man immer langsam mit 
zie jungen Pferde! 
Rönig Ferdinand in eigener Sache. 
WV. Wien, 26. Nov. Die Neue Freie Presse bringt heute 
unen ihr zur gleichzeitigen Veröffentlichung zur Verfügung 
jestellten Bericht über eine Unterredung, die der Son— 
erkorrespondent des Newnork Herald gestern abend im Palais 
soburg mit dem König der Bulgaren hatte. Zu den 
Ibdankungsgerüchten erklärte der König. daß ert wirk— 
ich nicht begreifen könne, woher sie stammten. Sobaid er sein 
krholungsprogramm absolviert habe, werde er nach Sofia 
urückkehren. Während seiner langen Regierung, durch 
ast dreißig Jahre, habe es wohl Zeiten gegeben, wo er daran 
jedacht habe, die schwere Last der Regierung abzugeben. Aber 
»as sei gerade jetzt sicherlich nicht der Fall, jeßt. in einem 
lugenblicke. wo das Land mehr als je seine Erfahrungen 
rauche. Er hat nicht einen Moment geglaubt, daß auch nur 
eine einzige antidynastische Partei in Bulgarien existiere. Bei 
den Bulgaren gebe es kein Uebelwollen gegen ihn; das alberne 
ßerlüicht über die Abdankung sei nicht aus Sofia gekommen, 
s sei vielmehr außerhalb Bulgariens erfunden wor— 
den. Auch Kronprinz Boris habe ihm telegraphiert, daß im 
dande alles ruhig sei. Der König schloß mit den Worten, 
»aßz er sich nur um den Fortschritt und die Unabhängigkeit 
eines Landes kümmere, und das behage „manchen Leuten“ — 
emeint find offenbar die auf seinen Rücktritt hinarbeitenden 
ussischen Kreise — nicht. 
Huerta über die Lage in Mexiko. 
PO. Varis, 26. Novp. Präsident Huerta scheint wieder 
uuversichtlicher geworden zu sein. In einem an den Matin ge— 
ichteten Telegramm erklärt der Diktator, daß sich die Lage 
»er mexikanischen Regierung in wirtschaftlicher und militä— 
ischer Hinsicht erheblich gebessert hat. Die Regierung befindet 
ich im Besitz ausreichender Geldmittel, um ihren Zahlungen nach— 
ukommen. Die Kämpfe im Norden des Landes sind nicht mehr 
o bedrohlich. wie noch vor einigen Tagen, da durch die Er— 
folge der Bundestruvpen über die Insurgenten im Norden 
des Laßdes die Stellung des Vräsidenten eine neue Festi— 
ung erfahren hat. Mexiko befindet sich mit allen europäischen 
Nächten in voller Harmonie, mit Ausnahme der Vereinigten 
ztagten. Huerta gibt jedoch der Erwartung Ausdruck, daß auch 
ie Union ihm Gerechtigkeit widersahren lassen und als Prä— 
identen anerlennen werde. 
W. Bera Cruz, 26. Nov. Der deutsche Kreuzer „Bre⸗— 
nen“ ist gestern nach Tampico abgegangen. 
W. El Paoso, 26. Nov. Nach einem Bericht des Generals 
nRilla ziehen sich die Bundestruppen gegen Süden zurück Die 
donstitutiorellen sollen glles Artilleriematerial aus drei von 
leben Zügen, die die Bundestruppen nach dem Schlachtfeld 
rachten, erbeutet haben. Die perwundeten Offiziere der Bun⸗ 
estruppen wurden nach El Paso gebracht. Dreißig bis vierzig 
esangene Freiwillige von den Bundestruppen sollen auf Befehl 
hillas summarisch hingerichtet worden sein. 
W. Mexito. 26. Nop. Die Aufständischen sprengten guf 
zer Naticnal Railwan of., Mexiko zwischen San Luis Potosi 
ind Saltillo einen Militärzug in die Luft. Fünfzig Mann 
Bundestruppen sind totf 
W. Berlin, 26. Nopv. Der Seniorenkonvent des 
Keichstages trat heute vor Veginn der Plenarsitzung zusammen 
ind einigte sich dahin, am Sonnabend, dem 18. Dezem, 
er, die Weihnachtsferien begingen,zu lassen, die 
zis zum 13. Januar 1914 dauern sollen. Am Dienstag sollen 
ie Etatsberatungen beginnen. Nach Beendigung der 
ften Lesung des Etats sollen die Besprechungen, der Inter⸗ 
zellationen betreffend die Arbeitslosigkeit und be— 
reffend die Vorgänge in Zabern ‚erfolgen, Der Montag 
sächster Woche ist für die erste Lesung kleinerer Vorlagen 
erfügbar. 
W.,Berlkin. 26 Nov. Die deutsich-bon servpafive 
Fraktion des Reichstages wählte einstimmig Graa, 
Westärpezum Vorfitzenden, Abg. Dietrich zum stell— 
ertretenden Vorfitzenden und den, Abgeordneten Giese zum 
Mitgliede des Vorstandes der Fraktion. 
W. Rofenbera (Westpreußen), 26. Nor. Im Krankenhause 
n Riesenburg ist pergangene Nacht der Reihstausgbge⸗ 
rdnete für Kofenberg-Läbgu⸗ Pfarrer Zürn— 
Bellschwitz Reichspartei) gestorben. 
—E 2 2 
zIturzslieger Poͤgoud in Hamburg. 
. HSamburg, 268. Nop. Der Sturzflieger Pé— 
oud vollführte heute nachmittag vor einem tausendköpfigen 
zublikum auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel seine sensationellen 
Sturzfiuge. Nachdem um etwa 214 Uhr der hiesige Flieger 
Frumfiek mit feiner Taube einen kurzen Flug unternommen hatte, 
ei dem der Apparat, von dem starken füdwestlichen Winde 
tark hin und, her geschüttelt wurde, befürchtete man schon, 
aß Pegoud seine Sturzflüge nicht würde ausführen können. 
Doch kurz vor 3 Uhr erhob fich Pégoud trotz des stürmischen 
Windes zu dem sich nun quch noch ein immer, heftiger wer⸗ 
— 
inen Flug von 40 Minuten Dauer, bei dem er alle ög— 
ichen Wendungen und waghalsigen Kippflüge ausführte. Mehr⸗ 
ach überschlug er sich mit seinem Apparat, flog, zeitweise mit dem 
Zopfe nach unten, um dann, den Apparat mit, spielender 
Zeishtigkeit, wieder in die nafürliche Lage zurüchzubringen. Der 
Zuschauer hatte überhaupt nicht das Gefühl einer möglichen Ge 
ahr. Als der Flieger nach Beendigung des Fluges im Auto 
en Fluͤgplatz entlang fuhr, wurde er vom Publikum mit be— 
zeisterten Zurufen begrükt. 
Nicht fünf Kinder, sondern fünf Rinder verbrannt. 
V. Diepholz (Oldenburg), 26. Nov. Bei dem Scheunen⸗ 
rand auf dem Gute, des Hofbesitzers Kirchhoff sind nicht, 
zie infolge, eines Telegrammfehlers gemeldet wurde, füunf 
dinder, sondern nur fünf Rinder umgekommen. 
90 Erkrankungen durch giftiges Essen. 
Freiburg. 26. Nopo. Im Lehrerseminar zu 3schopau 
ꝛr.krantten nach dem Genuß des Mittagessens 90 Se— 
ninaristen unter Bergiftungserscheinungen. Die 
Speisereste sind zur chemischen Untersuchung eingesandt worden. 
Dreißig Seeleute umgekommen. 
0., London, 26. Nov. Eine ergreifende Kunde von dem 
urchtbaren Schicksal, das die Besatzung des feit sechs 
zahren, verschollenen Dampfers „Centiennal““ getroffen hat, 
ringt der Bericht des Kapitäns des in Queenstown angekom— 
nenen Cunarddampfers „Caronia“. Vor ungefähr sechs 
Rabren war der Dampfer von Japan nach San Franzisko 
n See gegangen und seit dieser Zeit hat man nichts von ihm 
jehört. Es wurde daher angenommen,. daß der „Centienngl“ 
ei einem Taifun mit Mam und, Maus untergegangen sei— 
Jetzt haben Mitglieder einer russischen Expedition, die die 
tüste Sibiriens bereisen, in der Nähe der Insel Sachalin den 
ampfer im Ochotskischen Meer. von Packeis vollkom— 
nen umschlossen, entdeckt. Das Schiff selbst befand 
ich noch in vollkommen gutem Zustande, aber von der Be— 
atzung fehlt jede Spur. Einige Expeditionsmitglieder gingen 
in Bord des Schiffes und stellten fest, daß alle Rettungsboote 
ehlen und daß die Besatzung beim Verlassen des Schiffes 
uuch die VBordbücher mit sich genommen hat. Die Besatzung, 
‚ie aus 30 Mann bestand, hat das Schiff verlassen, wahrscheinlich 
im die Insel! Sachalin zu erreichen. Es ist leider nicht daran 
u zweifeln, daß die 80 Seeleute nach langen, harten Entbeh— 
ungen und nach Erduldung außergewöhnlicher Strapazen, in 
er Eiswüste des Ochotskischen Meeres ihren 
dod gefunden haben. 
w. Wien, 26. Noo. Der Brillantenhändler Jakob Pinheiro 
us Amsterdam, der mit dem gestrigen Abendschnellzug hier 
ingetroffen war, erschien auf der Polizei und gab an, daß ihm 
uf der Fahrt nach Wien sein wohlverwahrtes Po rtefeuillte 
nit Brillanten im Werte von ungefähr 270 000 Kronen 
rnestohlen worden sei. 
W. Prag. 26. Nov. Kurz vor dem Kaiser-Franz-Josef—- 
ßahnhof., fuhr ein Arbeiterzug infolge ne oaget 
iellung in einen Güterzug. 62 Personen, meistens Eisen⸗ 
ahnangestellt, sind verletzt worden, davon sieben erheblich. 
W.. Kaisferliche Marine. Eingetroffen: f ⸗ 
»oot Otter“ am 25. Nov. in — — ——— 
n Wilhelmshaven. „Magdeburg“. „München“ und „Wittels— 
„ach“ am 23. Nov. in Kiel. 
J. * 3 
Deutscher Reichstag. 
Sitzung vom 26. November 1913. 
Am Bundesratstische: v. Tirpitz, Dr. Lisco, Unterstaots⸗ 
ekretär Richter, preußischer Kriegsministet v. Falkenhayn. 
Präsident Dr. Kaempf eröffnete die Sitzung um 124 Uhr. 
Der Abg. Zürn (Rpt.) ist heute verstorben. Das Haus 
Indas Andenken an den Dahingeschiedenen in der üblichen 
Leise. 
Von den Sozialdemokraten sind zwei weitere Inter- 
ellationen eingebracht worden; die erste betrifft die Vor- 
zänge in Zabern, die zweite die Richt berufung 
es von der sozialdemokratischen Fraktion präsentierten Abg. 
dr. Liebknecht in die Rüstungslieferunas— 
ommission. 
Auf der Tagesordnung stand zunächst die Interpellation 
zer Sozialdemokraten betreffend die Arbeitstlosen- 
ersicherung und die Arbeitslosigkeit. Auf die An— 
rage des Präsidenten, ob und wann der Vertreter 
er“ Verbündeten Regierungen die Interpellation zu beant—⸗ 
vorten gedenke, erklärte 
Unterstaatssekretär Richter: Der Herr Reichskangler ist be⸗ 
eit. in der letzten Hälfte der nächstenWoche die Interpellation 
u beantworten und wird sich wegen der Festsetzung des 
dages mit dem Herrn Präsidenten in Verbindung setzen. 
ANuf der Tagesordnung stand dann die Interpella- 
ion der Fortschrittlichen Volkspartei be— 
reffend die 
Vorgänge in Zabern. 
Auf die Anfrage des Präsidenten, ob und wann der Ver—⸗ 
reter der Verbündeten Regierungen die Interpellotion zu 
eantworten gedenke, erklärte der 
Kolpesttelende Bundesratsbevollmächtigte General Wild 
. Hohenborn: Der Herr Reichskanzler ist bereit, 
ie Interpellation von Mitte der nächsten 
Soche an beantworten zu lassen und wird sich nit 
em Herrn Präsidenten wegen der genauen Festsetzung des 
Tages in Verbindung setzen. 
Es folgte dann die erste Beratung des Entwurfs eines 
Gesetzes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse. 
Slaatssekreiär des Neichsjustizamts Dr. Lisco: Das bis- 
er geltende Gesetz gegen den Verrat militärischer Geheim⸗ 
ifse vom 8. Juli 1893 bedarf eines Ausbaues. Es hat zwar 
m Interesffe der Landesvertieidigung wertvolle Dienste ge⸗ 
eistet; es haben sich jedoch almählich in einer Reihe wichtiger 
zunkte Mängel und Lücken ergeben. Diese zu beseitigen, 
st füt das Wohlergehen und die Sicherheit des Reiches un⸗ 
rlaäßlich. Bei dem in neuerer Zeit immer mehr anwachsen⸗ 
en Und in gefährlichster Form zu Tage getretenen Spio- 
ageunwesen konnte mit einer Anderung nicht, bis zur 
Ugemeinen Revision des Strafgesetzbuches gewartet werden. 
)a nun sehr zahlreiche Anderungen notwendig geworden 
nd, Fragen von grundsätzlicher Bedeutung, so hat man es 
ür angebracht gehalten, das Gesetz als Ganzes einer Unt 
rbeitung zu unterziehen. Der Reichstag hatte seinerzeit 
ei Schaffung des jetzt geltenden Gesetzes gehofft, daß seine 
estimmungen ausreichen, werden. Diese Hoffnung hat sich 
zer nicht erfüllt. (Der Präsident bittet wiederholt um Ruhe). 
I des Gesetzentwurfs füllt die größte Lücke im, Gesetz da- 
urch aus, daß er Nachrichten, die sich auf militärische Ange- 
egenheiten beziehen und die ihrer Natur nach geheim⸗ 
schalien werden müssen, unter den Begriff „militärische Ge⸗ 
eimniffe“ subsumiert. Die Regierung legt großen Wert 
arauf, daß der Gesetzentwurf bald verabschiedet wird. Lei— 
er war es vor der Vertagung bei der Geschäftslage nicht 
nöglich, dies zu tun, um so mehr müssen wir der Hoffnung 
susdrück geben, daß dies nunmehr geschieht; die Sache ist 
rußerordentlich dringlich. 
Preußischer Kriegsminister v. Falkenhayn: Die Möglich- 
eit, die sich mir bietet, heute einige Worte an das Hohe 
daus zu richten, benutze ich umso lieber, als mir dadurch 
leichzeitig Gelegenheit gegeben wird, nachdem ich durch 
Zeine Mäjestät den Kaiser und König auf meinen Posten 
erufen worden bin, mich schon jetzt hier einzu— 
ühren. Ich kann dies kun, ohne befürchten zu müssen, 
aß ich die Arbeiten des Hohen Hanses dadurch wesentlich 
erzögern werde, denn einé lange Programmentwicklung 
abe ich nicht zu halten. Das Programm, nach dem der 
driegsminisier des Königs von Preußen auch als Bevoll⸗ 
nächtigter zum Bundesrat zu handeln hat, ist vollständig 
nthalten in seiner Aufgabe, die mächtige Waffe, die die 
lrnee in der Hand des obersten Kriegsherrn bildet, 
scharf und schlagbereit gegen jeden Feind 
u halten. (Beifall rechts.) Soweit sich mit dieser Aufgabe, 
ie innerhalb oder außerhalb des Hauses an mich heran— 
retenden Anregungen und Vorschläge, Forderungen oder 
vünsche vertragen — je moderner sie sein sollten, umso 
ieber werden sie mir sein — werden Sie mich stets bereit 
unden, oonrvar vdarauf eine ß 
Wosanen, vacu wqr in. a 1 
naen der Armee und ihren Lebensbedin 
vie denen des Reiches nicht ve gungen so⸗ 
wirkung versagen, sondern sie —es— ———— 
t machen versuchen. (Lebhafter Veifall siteh umf Dduich 
pruch bei den Sozialdemokraten.) Das liegt doch der 
Ohol bei den Sozialdemokraten) und in der R . pi 
— F weitere — — 
arf. eifall rechts. i i 
dem Gegenstande zuwende, z In A Venid ninnehr 
ih die Berechtigung, dazu das Wort zu e b * 
Inistande ab, daß“ er in den i e „von dem 
wah b eziehungen zur 
Vahrung der Schlaghbereitschaft der deutschen Wehrmaͤcht 
teht. Was es bedeutet, gefen einen Geoner kaͤnfenv 
nüfsen, dem es gelungen ist, Blößen in unseren H * 8 
üstungen zu erspähen brauche ich nicht auseinant eren 
etzen. Sicherlich ————— Kriege dc zn 
offen dürfen, die Oberhand, zu dehalten der bei den V 
reitungen jede Chance zu seinen Gunfien ausgenutt 4 
Instimmung rechts.) Gegen die Gefahren die J u ꝛ 
ücken des Gesetzes von 1803 ergeben, müffen wl 
neiner Meinung nach schüßen. Es ift hier nicht rwene 
arauf einzugehen, aber sie find, wie der Herr Slaalssekretar 
es Reichsjustizamts andeutete, und wie jeder zugeben muß 
er unbefangen und mit einiger Aufmerksamteit die Ge— 
toltung der Dinge in den shten Geeerzteehe 
ind wie ich aus eigener mehrjähriger Beobachtung beftimmt 
ersichern kann, sehr groß, so groß daß auch ihre Herbeifüh— 
ung unter Außerachtlassung der nötigen Vorficht d. h. aus 
zahrlässigkeit, über den Rahmen des beflehenden Gesebe⸗ 
inaus verhindert werden sollte. Wenn jeder, der sich einer 
dörperverletzung schuldig macht, durch das Gesetz mit einer 
empfindlichen Strafe bedroht wird, so ist es wirklich kaum zu 
»erstehen, warum der, der unter derselben Voraussetzung die 
Sicherheit des Reiches gefährdet, ohne Strafandrohung 
leiben soll. (Erneute Zustimmung.) Dabei ist es für mich 
anz ohne Belang, wer sich einer solchen Handlung schuldig 
nacht. Ich vermag der 
Publizissik eine Ausnahmestellung dabei nicht zuzuerkennen. 
Maͤn mag die Bedeutung der Publizistik so hoch schäßen 
vie man will, und niemand kann sie höher schätzen als ich 
bersönlich, wobon ich noch Beweise zu liefern hoffe, ein Vor⸗ 
echt zu Gunsten der unbeschränkten freien Meinungs— 
iußerung kann in der vorliegenden Frage daraus für sie 
nucht hergeleitet werden. Hier gilt nur ein Recht mit souve⸗ 
aner Giltigkeit, nämlich das Recht, daß das deutsche Volk 
arauf hat, daß seine Wehrhaftigkeit, seine Schlagbereitschaft 
ntakt und seine Rüstung lückenlos erhalten wird. Indem 
ch dies festsielle, darf ich gleichzeitig betonen, daß die Heeres- 
erwaltung jede Absicht, mit dem vorliegenden Gesetz ein 
Zonderrecht für die Armee, vor allem ein Sonderrecht gegen⸗ 
ber dem Recht der freien Meinungsäußerung anzustreben, 
utschieden ablehnen muß. Den Interessen des Reichs ist 
im so besser gedient, je mehr die Organe der Heeresverwal⸗ 
ung und der öffentlichen Meinung zusammenarbeiten. 
Wenn das vorliegende Gesetz eine solche Verbindung fördern 
vürde, so wäre das mit Freude zu begrüßen; sie würde das 
zerständnis auf beiden Seiten für die Bedürfnifse der an— 
eren Seite vertiefen. So entschieden die Armee jeden Ver— 
uch abwehren muß, die Vorgänge bei ihr zum Schaden des 
deichs und zu Nebenzwecken rücksichtslos und öffentlich aus— 
ubeuten, so entschieden muß sie fordern, daß 
as Volk über sie fortlaufend umgehend unter— 
ichtet wird. über die Bedeutung der verant- 
bortungsvollen Aufgabe, die hierbei den Organen der 
ffentlichen Meinung zufällt, besteht bei der Heeresverwal⸗ 
ung kein Zweifel. Ein Volksheer kann nur gedeihen, wenn 
er vaterlaͤndisch gesinnte Teil des Volkes hinter ihm steht. 
Ldebhafter Beifall, vereinzeltes Zischen.) 
Staalssekreiär v. Tirpitz: Der Standpunkt der Reichs- 
Narineverwaltung bestätigt, daß ein dringendes Bedürfnis 
ur Verbesserung der bisherigen Gesetzgebung vorliegt. 
ßerade die Marine und alles, was mit ihr zusam— 
nenhängt, die Küstenverteidigung usw., sind in den letzten 
FJahren einer 
ausgiebigen Spionagetätigkeit ausgesetzt 
gewesen. In der Kommission wird sich, die Möglichkeit 
cleu, dies durch Einzelfälle näher zu beleuchten. Es ist 
eshalb ein dringendes Bedürfnis, im Interesse der Landes⸗ 
erteidigung dieser Spionage vorzubeugen. GBravo). 
Abg!. Stadthagen (Soz.): Schuld an der Spionage ist das 
errschende Wehrsystem. Man mag eine internationale Ver⸗ 
inbarung zur Abschaffung der Spionage herbeizuführen 
uchen. Wer aus Gewinnsucht spioniert, ist beinahe verächt⸗ 
icher als ein Zuhälter oder Polizeispißel. Jeder Deutsche 
nuß aber das Recht haben, militärische Angelegenheiten zu 
rörtern und zu kritisieren. Aber die Militärverwaltung 
cheut und haßt die Offentlichkeit. Wird der Entwurf Ge— 
etz, so ist es verboten, überhaupt über militärische Dinge zu 
prechen. Mit solchen Strafbestimmungen kann nnan die 
Zaffe nicht scharf halten. Damit beschmutzt man sie. Auch 
as Denunziantentum wird durch das Gesetz groß gezogen. 
das Einfachste wäre, das Gesetz nicht einmal in der Kom⸗ 
nission zu beraten. 
Abg. Gröber (Ztr.): Zu diesem Gesetze liegt kein Be⸗ 
iürfnis vor. Die Ausführungen der Minister haben das 
Feheimnis nicht gelüftet, was ein militärisches Geheimnis 
ft. (Geiterkeit.) Vor allem gibt die weitgehende Unsicher- 
eit in derFeststellung dessen, was unter Strafe fallen soll, zu 
en größten Bedenken Anlaß. Ein so unbestimmter Begriff, 
bie der der Nachrichten, ist in einem Gesetze unzulässig, in 
em so hohe Strafen vorgesehen sind. Hier müssen die Vor— 
chrifien besonders klar und scharf sein. Sehen wir uns 
inmal die ausgesetzten Strafen an, so gehen diese weit übet 
as hinaus, was die mit uns konkurrierenden Militärmächte 
orgesehen haben. Im Lande der allgemeinen Wehrpflicht 
st es selbstverständlich, daß man viel über militärische Fra— 
jen spricht und schreibt. Das ist nicht nur ganz gut, sondern 
uch das Recht des einzelnen Staatsbürgers. Zu unseren 
nilitärischen Übungen werden öfter fremde Offiziere zuge— 
assen. Diese machen dabei doch ihre Augen auch nicht zu und 
erichten sicher über das Gesehene. Wo ist die Grenze 
wischen erlaubten und unerlaubten Mitteilungen zu ziehen? 
Man darf doch die Presse an der Ausübung ihrer wichtigen 
Funktionen nicht hindern, die Offentlichkeit nicht aus— 
Hließen. Die deutsche Presse hat sich denn auch 
inmütiggegen diese Bestimmunggewandt. 
Ich verweise quf die Delegiertenversammlung des Reichs- 
»erbandes der dentschen Pressse. Namens 
meiner politischen Freunde beantrage ich UÜberweisnug der 
Vorlage an cine Kommission von 21 Mitgliedern. Geifall 
im Zentrum.) 
(Schluß folgt.) 
Bunte Chronik. 
DT. 266jähriger Wein. Ein interessanter Fund wurde 
hei Ausschachtungsarbeiten in der Nähe von Naumhburg 
in einer Stelle gemacht, wo vor 200 bis 300 Jahren große 
BPeinberge gewesen waren. Hier sand man ein reich verziertes 
dästchen voll mittelalterlicher Münzen. ein zweites Käsichen 
nit einer Urkunde, und eudlich vier Glasslaschen mit Wein, 
ie noch der Etikette aus dem Jahre 1687 stammien. Der Wein 
t also 266 Jahre alt—
	        
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