Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Woͤchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
preis für das Vierteliahr 3,30 Mark einschließlich 
Vringgeld in Lübeck. Durch die Polt bezogen ohne 
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Mec 
Anzeigenpreis (Ausgabe 4 und B) für die 
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is Pig. fũr Auswärtige 30 Pfg., s. Geschästl. Mit- 
eilungen 1 Mt. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
San den Anforderungen entsprechend höher. o o 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
zeiblatt: Gesetz, und Verordnungsblatt .ve —— gürstentümer Ratzeburg, Lübed und das angren⸗ 
—— — E ———— zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
unh Verlag: Gebruder Bordbers G. m. b. ßB. m Lubed. — Geschaͤftsstelle Adres us (Ködnigitr. 46). Fernspre cher 9000 u. 8001. 
Dienstag, den 25. November 1913. 
Ahend⸗Blatt NUr. 597. 
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Erstes Blatt. hierzn 2. Biatt. 
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Umsanag der heutigen Nummer 6 Seiten. 
Nichtamtlicher Teil. 
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zchleswig⸗Holstein meerumschlungen. 
Vor fünfzig Jahren. 
Unser an vaterländischen Gedächtnistagen reiches Jahr 
zringt, seinem Ende zuneigend, noch eine geschichtliche Erinnerung 
»on nationaler Bedeutung: vor 50 Jahren, in der zweiten 
hälfte des Novembers, begann sich ein Ereignis anzubahnen, 
das den ersten starken Anstoß zu der Entwickelung gegeben hat, 
die sechs Jahre später mit der Waffeneinigung Deutschlands 
zegen Frankreich und der Begründung des Deutschen Reiches 
wWschloß. Vor 50 Jahren bereitete sich der Krieg vor, den 
1864 Preußen und Oesterreich gegen Dänemark geführt haben. 
Im November 1863 warf Dänemark ganz Deutschland den 
Zdandschuh ins Gesicht, in der Annahme, daß es aus Furcht vor 
dem den Dänen gewogenen Auslande nicht wagen würde, den 
handschuh aufzunehmen. Bismards Politik, die damit ihr erstes 
Meisterstück ablegte, war es zu danken, daß die beiden Groß— 
nächte des Deutschen Bundes zusammengingen. Nur dadurch 
onnte ein Eingreifen des Auslandes zugunsten Dänemarks 
verhütet, konnten die Elbherzogtümer Schleswig und Holstein 
Deutschland für immer zurückgewonnen werden. 
Versucht war das schon 1848 worden. Damals bereits 
war die Entscheidung über das Schichsal Schleswig-Holsteins 
ils eine deutsche Frage behandelt und drei Jahre hindurch 
arum gekämpft worden. Die deutsche Nationalversammlung 
m Frankfurt a. M. hatte erklürt, daß die schleswig-holsteinische 
Frage eine Angelegenheit der deutschen Nation sei und Deutsch— 
lands Ehre dabei auf dem Spiele stehe. Einer der Wortführer 
des Frankfurter Reichstages sagte dort: Die schleswig-holstei⸗ 
nische Sache müsse obsiegen. Es gelte die Ehre Deutschlands. 
darum handle es sich, ob die Pläne aller derjenigen zu 
Schanden werden sollten, die ihre Rechnung auf die Unsterblich⸗ 
eit der Schwäche und Versunkenheit unseres deutschen Vater—⸗ 
andes stellen, oder ob unser Deutschland aus einem schwachen, 
ersunkenen Gemeinwesen, aus einer im Auslande gering ge— 
chätzten Genossenschaft zur Würde, Ehre und Größe herauf—⸗ 
teige. Dieser Aufstieg war in der Mitte des vorigen Jahr⸗ 
sunderts noch nicht gelungen. Dazu bedurfte es erst der 
Staatskunst eines Bismarck, wie sie sich zum ersten Male vor 
50 Jahren betätigte. 
Im November 1863 war König Friedrich VII. gestorben. 
Sein Nachfolger Christian IX. unterzeichnete eine neue Ver— 
kassung, die widerrechtlich die unter Dänemarks Oberhoheif 
1 
tehenden Herzogtümer Schleswig und Holstein dem dänischen 
deiche einverleibte. Ein Sturm nationaler Erregung und Be— 
eisterung erhob sich darob in ganz Deutschland. Das Lied 
us den vierziger Jahren von „Schleswig-Holstein meer—⸗ 
mischlungen“ war gleichsam Nationallied geworden. Kein Fest 
er Turner, Schützen oder Sänger, an dem nicht gefungen 
vorden wäre: „Schleswig-Holstein stammverwandt, wanke 
icht, mein Vaterland!“ Der Ruf in der Nordmark: „Los von 
zaͤnemark!“ ward deutsche Losung. Zum ersten Male seit 
mgen Jahren kam es in den Wintermonalen vor 50 Jahren 
jeder zu einer nationalen Bewegung, und einen mächtigen Auf⸗ 
hwung erfuhr das Sehnen und Trachten nach der deutschen 
zinheit. Der nationale Wille hatte in der Befreiung Schles⸗ 
vrig⸗Holsteins vom Dänenjoche ein greifbares Ziel. Alle guten 
deutschen, so sehr sie auch sonst noch, insbesondere auch in den 
linsichten über die Lösung der schleswig-holsteinischen Aufgabe, 
useinander gehen mochten, einte das Bewußtsein, dan mit 
ieser Lösung die künftige Gestaltung der Geschice von ganz 
eutschland verbunden sei. In der badischen Abgeordneten⸗ 
ammer erklärte damals der Minister v. Roggenbach: „An 
er schleswig⸗holsteinischen Frage hat sich unser Volk politisch 
rzogen. Es war die erste, an welcher die Nation nach einem 
ingen Zustand der Gleichgültigkeit sich wieder beteiligt hat 
nit ihrer Einsicht, ihrem Herzen, ihrem Gewissen. Diese 
rrage muß zu einem glücklichen Ende geführt werden, das 
eutsche Volk müßte sonst den Glauben an sich selbst verlieren.“ 
Die schleswig-holsteinische Frage ist dann zu einem glüc⸗ 
ichen Ende geführt worden, dergestalt, daß im deutschen 
ßHolke der Glaube an sich selbst gefestigt wurde. Die Frage 
at die preußische Armee beantworten helfen, die kurz zuvor 
urch König Wilhelm und seine großen Helfer neue Grundlagen 
halten hatte. Auf den Düppeler Schanzen sank der Danebrog, 
iegreich stieg der preußische Adler empor. „Nun bleibt es 
abei,“ sang Geibel, „der Feind ist geschlagen, und Schleswig 
it frei“ Und als Alsen genommen war, klang es aus eines 
inderen Dichters Munde: „Mags einst auch gelingen, den Feind 
u bezwingen, der Elsaß, Lothringen uns schmachvoll geraubt! 
ßanz Deutschland so sei es! Ein einiges, freies! Herr Gott, 
verleih es!“ Des Dichters Hoffnung ist bald erfüllt worden. 
Mit den Siegen bei Düppel und bei Alsen war die erste Strecke 
»es Weges zurückgelegt, der zu Kaiser und Reich geführt hat. 
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Landesversammluntg der medienburgi chen Nationallibera en. 
Am 23. Nov. fand in Güstrow die jährliche Landesversamm⸗ 
ung der Nationalliberalen Partei beider Meclenburg statt. 
Bei den Wahlen wurde Geh. Rat Prof. Peters-Rostock als 
Vorsitzender des Landesausschusses wiedergewählt, desgleichen 
ie durch das Los ausscheidenden Mitglieder des Landesaus- 
chusses. Neu wurden in den letzteren gewählt Amtsgerichtsrat 
Fabricius-Waren für den 4. Wahskreis, Amtsgerichtsrat Erni⸗ 
hropel⸗Güstrow und Kaufmann M. Schiebe-Ribnitz für den 
. Wahlkreis. Hinsichtlich des Ausbaues der Parteiorganisation 
onnte über erfreuliche Fortschritte berichtet werden, insbe⸗ 
ondere finden die Bestrebungen der Partei in den Kreisen des 
Nittelstandes erhöhtes Interesse und immer wachsfende Aner⸗ 
ennung. Ein wichtiger Punkt der Tagesordnung betraf die 
Stellungnahme der Nationalliberalen Partei zur Verfassungs 
rage in Medlenburg. Nach eingehender Besprechung, an der 
ich Delegierte und Mitglieder des Landesausschusses aus allen 
Wahlkreisen lebhaft beteiligten, wurde beschlossen, an Reichstag 
ind Bundesrat eine Petition im Sinn des Antrages Bũsing, 
rüheren! nationalliberalen Reichstagsabgeordneten, zu richten. 
Dder geschäftsführende Ausschuß wurde ermächtigt, mit der 
reitung der Fortschrittlichen Volkspartei, die sich an einem 
erartigen Vorgehen zu beteiligen wünscht, Verhandlungen zu 
flegen. Von allgemeinen politischen Fragen waren insbeson⸗ 
ere der Arbeitswilligenschutz und die Bedürfnisse des Mittel⸗ 
andes in Handel und Gewerbe Gegenstand der Besprechung. 
In der letzteren Frage werden alsbald weitere Schritte unter⸗ 
rommen werden. 
Hansehund und Schutz der Arbeit wil ig n. Das Dirck orium 
des Hansabundes hielt gestern eine Sitzung ab und nahm zu 
en Beschlüssen seines Industrierats wegen des Schutzes der 
Irbeitswilligen Stellung. Das Direktorium billigte die Vor— 
chläge des Industrierats in bezug auf eine vom Reichskanzler 
u erlassende Streikinstruktion an die Exekutivbeamten und 
'orderte ebenfalls eine allgemeine Beschleunigung der Strafver⸗ 
ahren. Die Vorschläge des Industrierates betreffs Rechtsfähig⸗ 
eit der Berufsvereine und Aenderung der 88 240 und 241 
vurden einer Kommission von Mitgliedern der Industrie, des 
Zzandels und Gewerbes einschließlich der Angestellten überwiesen. 
Aus Zabern. Der Bürgermeister von Zabern erließ eine 
Zekanntmachung, worin er an die Bürgerschaft die inständige 
xingende Bitte richtet, sich nicht zu unbedachten Schritten hin⸗ 
eißen zu lassen und unter allen Umständen die größte Ruhe zu 
»ewahren. Wie von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, befindes 
ich auch der Feldwebel Baillet von der 5. Kompagnie des 
Infanterie-Regiments Nr. 99 Zabern wieder auf freiem Fuß. 
Ein Urteil Birdings über din Krankenkassen“ reii. Auf die 
orivate Anfrage eines Leipziger Arztes an den berühmten 
Leipziger Hochschullehrer Prof. Dr. Binding, wie er üder 
den Streit zwischen den Aereten und den Krankenkassen denke, 
hat Exzellenz Bind'na mit einem Schreiben erw'dert, das sehr 
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Noch immer schweigend, deutet er auf einen Stuhl an seine: 
Seite. Und gehorsam nimmt Mirjiam Platz. 
„Es ist mein Wunsch, daß Sie morgen bei einem großen 
Wohltätigkeitsfest erscheinen, das Lady Roseburry, eine der 
ornehmsten Damen Nizzas, in ihrem Palast gibt,“ sagt er 
ach einer Weile freundlich, aber bestimmt. „Für die Toilette 
abe ich bereits Sorge getragen. Die Dame, unter deren 
Brotektion Sie das Fest besuchen werden. fährt morgen nachmittag 
ei Ihnen vor, um Sie abzuholen. Sie werden in die Gesell⸗ 
chaft eingeführt werden als Mademoiselle Valentine St. Ger⸗ 
nain, eine reiche, unabhangige junge Dame aus Paris.“ 
Erschrocken springt Mirjam auf, während tiefes Rot in ihre 
Wangen steigt. 
„Monsieur“ — stammelt fie —, „ist das nicht eine Lüge? 
Im Kloster lehrte man mich, daß Lügen Sünde seien —“ 
Wieder sacht der Fürst. 
„Ihr ferneres Leben wird weitab vom Klosterleben liegen, 
Mademoiselle. Darum ist es an der Zeit, daß Sie sich den 
Gewohnheiten der großen Welt anpassen.“ 
Er steht auf und rückt ihr den Stuhl zurecht mit der 
»öflichen Nonchalance des Kavaliers einer vornehmen Dame 
gegenũber. 
Doch sie ist zu erregt, um sich zu setzen. Mit der Rechten 
ie Stuhllehne fest umklammernd, die Linke auf das wildpochende 
derz gepreßt, blickt sie ihn vorwurfssvoll an. 
„Ich bin gewobnt, mich den Befehlen anderer zu fügen,“ 
agt fie leise und tiefe Bitterkeit zittert in ihrer Stimme nach. 
Und trotzdem fühlt sie, wie in ihrt etwas aufjubelt bei den 
vedanken, daß sie nicht zurückukehren braucht in die verhaßte 
zirkusatmosphäre, daß sie fernerhin in jenen Gesellschaftskreisen 
eben soll, die ihrer kindlichen Phantafie stets gleichbedeutend 
baren mit Glück und voller Zufriedenheit. Daß die arme tote 
Nadame Artemisia nicht ihre Mutter war, kommt ihr in diesem 
Moment mit voller-Deutlichkeit zum Bewußtsein. Aber wer ist 
hre Mutter? Wer?! 
Die Erregung färbt ihre zarten Wangen tiefer. Auf dem 
octigen. lose aufgesteckten Blondhaar liegt ein leichter Goldschim⸗ 
ner. Die kritischen Blike der dunklen Männeraugen schweifen 
»on dem entzückenden Köpfchen über die elfenhafte Gestalt, deren 
Zaltung von hinreißender Anmut ist. 
Deutsches Reich. 
Dem Reichstag ist eine Norelle zur Grwerbe⸗Ordnung zuge⸗ 
zangen über die Aenderung der 88 56 und 56e der Gewerbe— 
rdnung. Im wesentlichen wird der Handel mit Rohbernstein 
md Pfandscheinen verboten. Der Handel mit Gemuͤse und 
zlumensamen im Umherziehen soll eingeschränkt werden. Schließ—- 
ich macht die Novelle die Errichtung von Wanderlagern von 
der Redürfnisfrage anhängie 
Irrlichter des Glücks. 
Ein Gesellschaftsroman von der Riviera. 
Von Erich Friesen. 
124. Forisetzung.) Machdruck verboten.) 
Wieder vergehen Tage. Vergeht eine Woche. Und nichts 
indert sich in Mirjams einsamem Leben. 
Da wird ihr eines Morgens aus Maruschkas Munde die 
Mitteilung, ein Brief sei angekommen. Der Herr des Hauses 
verde im Laufe des Vormittags eintreffen. 
Eine seltsame Unruhe bemächtigt sich Mirjams. Seit bei— 
zahe vierzehn Tagen hat sie Zeit gehabt, fich auf die Stunde 
»orzubereiten, da sie dem Manne gegenüberstehen würde, der 
laubt, ein Recht an sie zu haben. Und nun, da sie ge— 
ommen ist, diese wichtige Stunde, schreckt sie davor zurück, 
wie vor einer unbekannten Gefahr. 
Nicht fällt es ihr ein, besonders sorgfältig Toilette zu 
nachen. Jedwede Eitelkeit ist ihrem kindlichen Sinn fremd. 
Still steht sie in ihrem Schlafgemach am Fenster und bangt 
Monient entgegen, der ihr Maruschkas Gebiefer bringen 
olI. 
Gegen Mittag ist es, als ein Ratfern und Pusten draußen 
or der Rosenhecke ihr Herz rascher klopfen läßt. Ein ele— 
gantes gelbes Automobil hält vor dem kleinen Eisentor. 
Ein Herr in tadellos sitzendem weißen Leinenanzug steigt 
rus, eine Zigarette zwischen desi Lippen, in der elegant behand⸗ 
chuhten Rechten einen zierlichen Spazierstock mit silbernem Griff. 
Unstreitig sieht der Mann vornehm aus. Und interessant 
vazu. Und dennoch schreckt Mirjam vor ihm zurück — sie 
oveiß selbst nicht, weshalb. Vielleicht, weil irgend etwas 
na dem dunklen Gesicht sie an „Monsieunr Herkules“, den 
Löwenbändiger, erinnert. * 
Als Maruschka bald darauf an Miriams Tür klopft und 
⸗as Mädchen auffordert, mit ihr herunterzukommen, ihr Ge— 
zieter erwarte sie auf dem Rasenplatz hinter dem Hause — 
a ist das liebliche Gesichtchen guffellend bleich. Mit ängstlich 
ragendem Ausdruck bliden die großen blauen Augen Maruschka 
n. Aber das Gesicht der Frau ist ein Buch mit sieben Siegeln. 
Wie hilfesuchend faßt Mirjam die knöcherne Hand, die sich 
munternd um ihre Schulter gelegf. 
„Geh, Kind! Fürchte dich nicht! Ordne dich seinen Wün— 
schen unter! Wenigstens für den Moment!“ 
Fürst Wladimir Orloff liegt lang ausgestreckt in einem 
equemen Korbstuhl unter einer breitästigen Platane. Der alte 
wan hat einen kleinen Tisch neben ihn gerückt und einen Fiasco 
hianti nebst zwei Gläsern darauf gestellt und harrt nun, die 
ürren Hände in die weiten Aermel seines Russenkittels ver⸗ 
raben, in einiger Entfernung der weiteren Befehle seines Herrn. 
Ais Mirjam sich zögernd nähert, erhebt sich der Fürst ein 
benig aus seiner liegenden Stellung. Instinktiv nimmt er die 
igarette aus dem Mund und füftet den weißen Panamahut beim 
Inblick der holden Mädchengestalt, die der Zauber reinster 
ungfräulichkeit umschwebt. 
Eine Weile mustert er sie schweigend mit kritischen Blicken. 
dann fragt er kurz: 
„Sie haben sich auf mein Kommen vorbereitet, Made— 
noiselle?“ 
Unntutig ziehen sich ihre ijeinen Brauen zusammen. 
„Ich habe mich auf nichts vorbereitet, Monsieur.“ 
„Aber mich wenigstens erwartet, wie ?“ 
„Ich erwarte nie etwas.“ 
Der Fürst lacht. 
„Eine beneidenswerte Philosophie. Doch mir scheint —— zum 
zhilosophieren sind Sie noch ein wenig zu jung!“ 
Sie schüttelt den Kopf mit drolligem Ernst. 
„Nein, Monsieur. Bis vor zwei Jahren, so lange ich im 
tloster lebte, war ich jung.“ 
zUnd jetzt?“ 
„Seitdem fühle ich mich alt — sehr alt.“ Ihr Köpfchen 
'nkt auf die Brust herab und ihre Augen füllen sich mit Tränen. 
Doch wozu Ihnen das sagen. Monfieur? Da Sie voraussichtlich 
nehr von mir wissen, als ich selbst!“ 
Er schweigt. Und fie verfucht aus tränendunklen Augen 
n/ jeinem undurchdringlichen Geficht zu lesen. 
Wer ist er?... Was will er von ihrꝰ?... Ist er ihr 
zater? 
Bei diesem letzten Gedanken schreckt sie zurüch. Sein durch- 
ringender Blick, der Ausdruck seines Mundes, selbst seine 
lrt, zu sprechen, erweckt ihre Antipathie.
	        
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