Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöochentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
breis für das Viertellahr 3,30 Marl einschließlich 
Vringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Besteilgeld 3330 Mart. Einzelnummern 10 Pfg. 
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Anzeigenpreis (Ausgabe 4 und B) für die 
zeile 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
is vig, sur Auswartige 30 Pfa, s. Seschast iu⸗ 
eiluugen 1 Mk. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Zatz den Ansorderungen entsprechend hoͤher. 0 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 63. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt Be⸗ —————— Fürstentümer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
ααααν-— --αιασασααασασαισσισσ—σασασο — E ————— zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet, 
nd Verlag: Gebrüper Borchers G. m. b. K. m Lüubed. — Geschäftsstelle Adrenuuus (Könioetr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
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Erstes Blatt. Hierzn 2. Biatt. 
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Umfang der heutigen Nummer 10 Seiten. 
slichtamtlicher Teil. 
Reichstags⸗Anfang. 
Nachdem schon lbange Europas Parlamente, mit Misnahme 
bes englischen, ihre Arbeiten wieder aufgenommen baben, kehrt 
jetzt auch unser Reichstag aus seinem fünfmonatlichen Sommer— 
schlafe zurück. Die schönen Jahre der nach Wochen bemessenen 
Tagungen aus des Reiches Frühzeit mit konzentrierter Zeit- 
ausnutzung und Sessionsschluß ohne Rũckstände sind ja leider 
ängst vorüber. Aber Dauerparlamente, für die das Zusammen⸗ 
ätzen Regelk und die Ferien Ausnahmen find, haben wir doch 
auch noch nicht. Unsere Reichstagszeit fällt im ganzen mit 
der sogenannten Festhälfte des Kirchenjahres zusammen und 
vird infolgedessen durch die drei großen Feste regelmäßig in 
drei oder vier Abschnitte auseinandergerissen, je nachdem vor 
oder nach Pfingsten Schluß gemacht wird. Für diese Fest— 
oausen haben aber unsere Reichsboten allemal mindestens drei 
Wochen nötig, was ein Uebermaß von Zerstückelung in ihre 
Arbeiten bringt. 
Es wäre ja ganz hübsch, wenn in dem schon reichlich 
urz bemessenen Sessionsabschnitte, den wir jetzt vor uns haben 
viel gescheiter wãre es, wenn man Mitte Oktober anfinge, und 
war mit dem Etat, so daß dessen Jahre, wie es früher ge— 
zalten ist, mit den Kalenderjahren zusammenfielen), wenigstens 
rußer der ersten Etat-Lesung noch die leidigen Rückstände des 
Vorjahres aufgearbeitet werden könnten. Das sind die im 
wesentlichen plenumsreif gemachten Vorlagen über Jugend⸗ 
gerichte, KRonturrenzklauseb und Petroleum. Der 
erstgenannten stehen ja gar keine Hindernisse mehr im Wege. 
Ueber die Frage des Wettbewerbs-Verbots für kaufmännische An— 
gestellte ist leider noch keine Einigung zwischen Regierung und 
Kommission erzielt. Vielleicht sind die Aussichten im Plenum 
besser dasür; doch müßte auch die Regierung mindestens in der 
Richtung entgegenkommen, daß sie die Mindestgehaltgrenze für 
die Erschwerung neuer Anstellungen auf 2000 Mehinaufrücken 
ähßt. Bedauerlich bleibt es, daß das Gesetz, auch sein Zustande—⸗ 
lommen vorausgesetzt, ein solches Stückwerk bleiben, die Tech— 
niker nicht mit einbezogen werden sorlen. Die Aussichten des 
Petroleum⸗Gesetzes find ja noch schlechter, und doch ist gerade 
zier doppelte Gefahr im Verzuge, seit die vom Rogefeller— 
Trust beherrschte amerikanische Politik jetzt auch politisch ihre 
zand auf Mexiko legen will, die wirtschaftliche Monopoli⸗ 
ieruna der dortigen Erdölquellen durch Unterdrückung des eng⸗ 
ischen Wettbewerbes zu föcrdern. Unsere, wie die enalische 
Regierung, haben ia leider schon wieder. wie es scheint. sich dem 
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Theater, Kunst und Wissenschaft. 
2411. 52 Uraufführungen im Monat Oltober. Die Spiel⸗ 
deit hat begonnen, die Winterspielzeit mit Macht eingesetzt. Der 
bei Oesterheld K Co. Berlin W. 15, erscheinende „Deutsche 
Bühnenspielplan“, der bewährte Statistiker auf dem 
Theatermarkte, zeigt bereits für den verflossenen Oktober nicht 
weniger als 52 Uraufführungen noch an, und zwar nicht bloß 
leichter, den Kampf eröffnender Stüde, sondern bereits Werke 
schwerster Dramatik. Mit GalsworthysJustiz“, Meidells „Anna 
Bolemm“, Eulenbergs „Zeitwende“ und Hermann Schof—- 
fauers „Der neue Shylock“ beläuft sich die Zahl der ernst zu 
nehmenden Dramen auf 185, nicht eingerechnet sind die pa— 
triotischen Volksstücke, welche der Jahrhundertseier dienen. Diese 
fünf — unter ihnen Artur Dinters „Eisernes Kreuz“ und 
Wendts „Aus schwerer Zeit“ — hatten stark mit den älteren 
vaterländischen Dichtungen, mit Kleists und Klopstocks „Her⸗ 
mannsschlacht“, mit Heyses „Colberg“ und von der Pfordtens 
„I1812“ zu konkurrieren. Daß Schwank und Lustspiel überwogen, 
forderte das ausgehungerte Unterhallungsbedürfnis des Publi— 
kums. Aber auch hier weisen die Bühnen schon gewichlige Werke 
auf. Das bureaukratische Lustspiel Henri Nathansons „Die 
Affäre“, dessen Name das Schauspiel „Hinter Mauern' so 
bekannt gemacht hat, erlebte eine doppelte Uraufführung und 
Shaws „Pyamalion“ kam bereits im Wiener Burgtheater her⸗ 
aus. Ihnen schlossen sich Ernst Hardts Scher;zspiel „Schierin 
und Gertraude“, Schönthans und Presbers Puppenklinik“ 
und Friedmann-Frederichs „Weiße Weste“, die Silvesternovität 
des Berliner Kleinen Theaters an. Die Operette, mit det 
Posse eng verbunden, hat ebenfalls schon einige Schlager vor— 
zeschict. „Die Tangopriizessin“, „Die ideale Gattin“, Ado sis 
„Paloma“ und das neue Vaudeville von Walter W. Göhe, 
)em Komponisten des „Parkettsitz Ne. 100, „Wenn Männer 
schmindeln“, eröfsneten den nachfolgenden Tanzreigen. Selbst 
die Oper zeigte sich im Oklober schon kampfgerüstet. Köln 
rachte Julius Rittners „Abenteurer“ heraus und das Dresdener 
hoftheater versuchte es mit Künneckes „Coeur⸗As“, wie denn 
dieder einmal diese Bühne tatenfroh vorauging und mit den 
Armseligen Besenbindern“ Karl Hauptmanns so erfolgreich 
eie Spielzeit eröffnete. 
cne Wagqrer-Part'tur wiedergesunden. Die Originalparti— 
ur von Waaners Jugendwerk „Die Hochzeit“, die bisher für 
Dienstag, den 25. November 1913. 
heiligen Monroe löblich unterworfen und damit die Schneide des 
Hesetzes im voraus abgestumpft. 
Schüeßlich ruht auch noch im Kommissionsschoße der Gesetz⸗ 
atwurf über das Erbrecht des Reiches, dessen Bedürfnis 
ber inzwischen durch die Finanzresorm vollends wohl beseitigt 
t. Von wichtigen neuren Vorlagen wird ja einstweilen bloß der 
ereits zur Veröffentlichung gelangende Etat und das Spio⸗- 
agegesetz zu nennen sein, dessen 89 allerdings auf große 
cchwierigleiten stößt. 
Die Petitionen der Dienstags⸗Tagesordnung über Waren— 
fäuser und Konsumvereine duürften größere Debatten 
ntfesseln, handelt es sich doch um recht wichtige Fragen des 
eutschen Wirtschaftslebens. Die Frauenrechts-Bitt⸗ 
hristen dagegen dürften sang- und kranglose Abweisung erfahren; 
ir haben gor keine Veranlassung, die hitzigen Rämpfe des eng⸗ 
schen Parlaments auch bei uns die Zahl der schwebenden Streit⸗ 
ragen vermehren zu lassen. Die Sache ist bei uns gewiß noch 
zeniger spruchreif. 
Ebensowenig dürften die Sozialdemokraten mit ihrer staat⸗ 
ichen Arbeitslosenversicherung irgend welches Glück 
aben. Ganz anders steht es mit dem Arbeitswilligen- 
chutze, den die konservativen Gruppen neuerdings in den Vor— 
ergrund des öffentlichen Interesses gerüßdt haben. Da für 
trenge Maßnahmen bis tief in die Linke hinein Stimmung herrscht, 
st wohl damit zu rechnen, daß auf diesem Gebiete diesmal etwas 
ustande gebracht wird. 
Mit leidenschaftlichem Ueberschwange dürften nun freilich 
enigstens von den bürgerlichen Varteien alle diese Auf— 
aben des ersten Abschnittes nicht erörtert werden; außer viel— 
eicht dem Arbeitwilligenschutze, über den Beweismaterial ge⸗ 
ügend gesammelt ist. Aher an Senfation dürfte es keineswegs 
»ehlen. Mindestens in der Etatsdebatte wird man sich über die Er— 
digung der Braunschweiger Frage und ihre hösischen 
„»intergründe vernehmen lassen. Vor allem haben aber die 
ozialdemotraten bereits eine Interpellation über die Nichtzu— 
Jsung Liebknechts zum Rüstungsausschusse angemeldet. Und' 
ie eigentüunnliche Behandlung des Wackes-Zwischenfalles dürfte 
usß bürgerliche Kritiker auf den Plan rufen. Ebenso wird das 
zentrum sich über die Nerschleppung seines Jesuiten-An— 
rages recht ernstlich beschweren. 
Endlich fällt hoffentlich jetzt auch die Entscheidung über die 
»er Ungütligkeit verfsallenen Mandate von Haupt, Kölsch und 
duckhosf. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß am Schlusse 
es zweiten Legislaturjahres noch nicht sämtliche Wahlen des 
12. Januar 1912 leaifimiert sind Dr. D. 
Heer und Flotte. 
Von den größeren Verfonglveränderungen in der Armee 
n diesem Monat heben wir die nachstehenden hervor: Der In— 
pekteur der 3. Fußartillerie-Inspektion Generalleutnant von 
deinrich ist unter Verleihung des Charakters als General 
»erschollsen galt, ist im Nachlaß Felix Mottlhls in 
Nünchen aufgefunden worden. Die Handschrift schenkte Wagner 
n den Musikverein in Würzburg, wo er Chordirektor war. 
zald darauf wurde der Verein aufgelöst, das Manuskript 
el an einen Musikalienhänd'er. Wagner strengte einen Prozeß 
eswegen an, verlor ihn aber. Das Manusfript kam später 
ach England, wanderte dann nach Deutschland zurück und 
ommt nun mit dem Nachlaß Mottls und Widmanns aum 
derkauf. 
„Orpheus und Eurud'ke“ von Glucd in Osnakbrück. Das 
)snabrüchker Stadttheater, das unter der künstlerischen Leitung 
on Direktor Karl Ulrichs sehr ersprießlich im künstlerischen 
dinne arbeitet, brachte — nach anderthalb Johrhunderten! — 
um ersten Male Gluds „Orpheus und Eurydike“ in 
iner beachtenswerten Inszen'erung durch Ulrichs heraus. Der 
dahmen war modern stilisiert; die Darstellung plastisch und 
arbig belebt. Das Orchester hielt der junge, begabte Kapell- 
neister Ernst Mehlich gut zusammen; den Orpheus sang mit 
varmquellender, schön gepflegter Stimme Marie Weißenfels — 
in beachtenswertes Gesangstalent. 
O. K. „Parsifal“ in London. Aus London wird uns 
erichtet: Die neue Spielzeit der Covent Garden-Oper, die 
ach den jetzt festgelegten Plänen am 2. Februar beginnt und 
m 7. März endet, wird fast ausschließlich im Zeichen der 
eutschen Oper stehen und hat daher auch den Titel einer 
eutschen Opernspielzeit erhalten. Im Mittelpunkt des Inter— 
sses steht naturgemäß die große Aufführung des „Parsifal“, 
nit dem die Spielzeit eingeleitet wirdt Die Regie wird Prof. 
Virk führen, der jahrelang auch bei den Bayreuther Aufsüh— 
ungen tätig war, während die Chöre von Prof. Hugo 
tdüdel einstudiert werden. Die Dekorationen wird Josef 
»arker entwerfen und die Kostüme Attilio Comelli. Das Werk 
jird ungekürzt gegeben und um das zu ermöglichen, wird die 
lufführung um 5 Uhr nachmittags beginnen; um 7 Uhr tritt 
ine 1estündige Pause ein, die den Zuhörern die Möglichkeit 
ieten soll, zu sourieren. Die genaue Aufführungszeit wird sich 
zie folgt zusammensetzen: Erster Akt von 5 bis 7 Uhr, zweiter 
ükt von 8,30 Uhr bis 9,40 Uhr, dritter Akt von 10 bis 
1.220 Uhr. Außer dem „pParsifal“ bringt der Spielplan 
Tristan und Isolde“, die „Meistersinger“, die „Walküre“ und 
ann als einziges nicht deutsches Werk den bisher in England 
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Morgen⸗Blatt Nr. 596. 
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der Artillerie in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der 
jefetzlichen Pension zur Disposition gestellt worden. An seine 
Stelle wurde zum Insfpekteur der 8. Fußartillerie⸗Inspektion 
z»er Kommandeur der 2. Fußartillerie-Brigade Generalmaijor 
SZteinmetz ernannt. Kommandeur der 2. Fußartillerie⸗Bri⸗ 
jade wurde der Abteilungschef bei der Artillerie-Prüfungs-⸗Kom⸗ 
nission Generalmajor Schabel. Der Kommandeur des Luft⸗ 
chiffer⸗-Bataillons Nr. 2 Oberstleutnant Großß ist zum In⸗ 
pekteur der 2. Inspektion der Telegraphen⸗Truppen ernannt 
vorden. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
—XXEXXXLI 
Kokowtzow über seinen Berliner Aufenthalt. 
PO. Petersburg, 24. Nopb. Ministerpräsident Koe 
owtzow hat sich nach seiner Anlunft in Prtersburg sehr auenstig 
iͤher das Resultat seines Aufenthalts in Berlin ausgesprochen. 
Nach seiner Ansicht hegt Deutschland keinerlei Plane 
degen Rußland, sondernwünschtin Gemeinschaft 
nit ihm eine Reihe wichtiger Fragen zu lösen. 
daiser Wilhelm habe Kokowtzow besondere Aufmerksamkeiten er⸗ 
wiesen; er empfing ihn fegar am Buß⸗ und Bettae, obgl'ich sonst 
an diesem Tage keine Empfänge stattfinden. Beim TFrühhstüd 
trug der Kaiser die Uniform des runijschen Wuborgschen 
Regiments. 
Die Revifion im Erfurter Prozeß zurücgezogen. 
W. Berlin, 24. Nov. Der kommandierende General des 
1. Armeekorps in Kassel nahm die von ihm als Gerichts— 
zerrn eingelegte Revision in dem Erfurter Reservistenprozeß 
uruck. Die von dem Reichsmilitärgericht für morgen angesetzte 
Verhandlung findet deshalb nicht statt. 
Die Strandung des Kreuzers „Saun Giorgio“. 
PO. Rom, 24. Nov. Alle Verfuche, den aufgelaufenen 
Kreuzet „San Giorgio“ wieder flott zu machen, sind bisher ver— 
reblich gewesen. Das Schiff sitzt fast seiner ganzen Länge nach 
ruf einer Klippe fest. Infolge eines Leds sind bereits einige 
Zchotten voll Wasser gelaufen, doch sind die Beschädigungen 
veniger schwer, als man anfangs anzunehmen geneigt war. Man 
hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, das Schiff wieder 
Aott machen zu können, doch werden hierzu zunächst Erleichte— 
ungen des Schiffes vorgenommen werden müssen. Man wird 
zie Panzertürme, wie überhaupt die gesamte Panzerung, ent—⸗ 
ernen mũssen. 
Schwere Ausschreitungen gearn d'e Gemahlin des englischen 
Botjchafters. 
PC. Brijfel, 23. Nov. Schwere Ausschreitungen gegen 
oie Gemahlin und die Tochter des englischen Botschafters in 
Brüssel. Sir Frantis H. Villiers, ließen sich gestern. wie hiesige 
—— — — — — 
noch nicht aufgeführten „Joseph“ von Méhul. Für die Lon⸗ 
doner Aufführung des Méhulschen Werkes ist der Dialog erheb⸗ 
ich gekürzt und konzentriert worden und wird durch Rezitative 
ersetzt, die Felix Weingartner dafür komponiert hat. 
Wieder sreigegeben. Das von der Breslauer Polizei wegen 
Berletzung der Würde des Gerichts beanstandete Schauspiel 
Crainquebille“ von Anatole France ist durch Entscheidung der 
BZerliner Zensurbehörde freigegeben und gelangt am 
Sonnabend im Breslauer „Lobetheater“ zur Aufführung. 
Verbotenes Stüd. Die Zensurbehörde in Wiesbaden hat 
hne Angabe von Gründen die Aussührung des Tendenzstückes 
Die Schiffbrüchigen“ von Brieux, das für letzten 
Sonntag im Kurtheater in Wiesbaden vorbereitet wurde, 
„erboten. 
Ur⸗ umd Erstaufsührungen. Karl Hauptmanns „Lange 
zule“ erlebte die Uraufführung im Hamburger DeutschenSchau—⸗ 
pdielhause unter der feinsinnigen, allerdings realistischen Regie von 
direktor Max Grube und erzielte einen vollen Erfolg. Adele 
Ooré riß ihre lange Jule mit ergreifenden Menschlichkeiten durch 
ille Stadien ihres unmenschlichen Kampfes. Als Schuster Drei—⸗ 
blatt gab Karl Sartory ein eindrucksvolles Stüch Leben. 
m. Maupassant, der beste Novellist. Man schreibt 
ins aus Paris: Ein lobenswertes Zeugnis für die franzö— 
ische Literatur war das Ergebnis einer Untersuchung der nord⸗ 
merikanischen Zeitschrift, der Chicago Sunday Tribune. Diese 
„atte sich an die angesehensten Professoren der Literatui⸗ 
ieschichte der Union gewandt mit der Frage. welches die beite 
dovelle sei, die sie kannten. Die meisten Antworten bezeich⸗ 
ieten Maupassants „Schmud“ als bestes literarisches Produkt 
ꝛieser Art. Von anderen Schriftstellern waren Robert Louis 
5tevenson, Bret Harte, Edgar Allan Poe, Rudgard Kipling 
evorzugt. Obwohl das Ausland in der Beurteilung nicht 
urückgesetzt wurde — außer mehreren französischen und eng⸗ 
ischen Autoren war u. a. auch Tolstoi unter den guten 
dovellisten aufgezählt —, hat ein deutscher Schriftsteller auf 
iesem Gebiete bei den Herren jenseits des großen Wa'sers 
nicht Gnade gefunden. Man kmrt drüben, scheint es, nicht die 
Perlen deutscher Novellistik, die an Meisternovellen so reich ist 
vie kaum eine andere Literatur.
	        
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