Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
preis für das Vierteljahr 8,30 Warlk einschließlich 
Bringgeld in Lũbeck. Durch die Vost bezogen ohne 
Bestellgeld 3330 Mart. Einzelnummern 10 Pig. 
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Anzeigenpreis (Ausgabe 4 und B) fur die 
Zeile 20 Pfg. Aleine Unzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
15 Pfg., für Auswärtige 30 Pfg., s. Geschäftl. Mit⸗ 
teilungen 1 M. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
San den Anforderungen entiprechend höher. o o 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübett 163. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt txt ez gürstentümer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
———— * a ι αια zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
s. m. b. GB. m Lüubed. — Geichattsftelle —VäB ¶Konigstr. 46). Fernspre cher 8000 u. ooꝛi. 
Montag, den 24. November 1913. 
Ausgalb⸗ 
Abend⸗Blatt Nr. 595. 
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Erstes Blatt. hierzn 2. Biatt. 
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Umfang der heutigen Nimmer 6 Seiten. 
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Nichtamtlicher CTCeil. 
Der hHeeresetat 1914. 
Von Generalmajor v. Gersdorff 
Aus dem Heereshaushalt von 1014, der nunmehr im Auszuge 
zet Oeffentlichleit übergeben ist. interessieren besonders zwei 
Punkte. Zunächst die Verstärkung des Mandverfonds, insoweit 
diese einer vermehrten Zusammenziehung von Kapalleriedivisionen 
dient. 
Der Forderung, endlich auch in Deutschland Friedenskavalle⸗ 
riedivisionen zu sormieren und somit dem Grundsatze gerecht zu 
werden, demzufolge Improvisationen im Kriegsfalle nach Mög⸗ 
lichkeit zu vermeiden sind, ist bei der Wehrvorlage von 1918 
richt entsprochen worden. Ohne die Gründe, welche zur Ab- 
lehnung führten, belamt zu geben. Es verlautete nur, daß 
ich eine ausschlaggebende Anzahl kommandierender Generäle für 
den Beibehalt der bisherigen Friedensorganisation der Kavallerie 
rusgesprochen habe. Dies gab den Ausschlag. Lebhaft wurde 
diese Lösung nur von den Zivilstrategen der Fortschrittsblätter 
und den Gegnern der Kavalleriewaffe aus Haß und Verachtung 
beglũckwünscht. Die Arniee indessen in ihrer Allgemeinheit, 
insbesondere die Kavallerie, krauerte über das Verschwinden 
der Forderung der Friedenskavalleriedivisionen in die Ver— 
enlung, aus der sie nur die sortgelsetzte Betonung ihrer un⸗ 
dedingten Benötigung wieder hervorholen klann. 
Unter den heutigen Verhältnissen bleibt nichts übrig. als 
zem Mangel des Vorhandenseins von Friedenslavalleriedivisionen 
durch Vermehrung der Uebungen der Heeresbavallerie im Divi⸗ 
fionsverbande usw. abzuhelsen. Und zwar haben diese Uebungen 
unter Zugrundelegung der Kriegsgliederung und womöglich unter 
Führern zu erfolgen, die für den Kriegsfall vorgesehen sind, 
auch in der Ausdehnung. die dem Kriegsbedürfnis voll ent⸗ 
spricht. Im Jahre 1918 hat zwar eine verstärkte Uebung der 
Heerestavallerie stattgefunden, indessen sie reichte nicht aus, 
um dem Beduürfnisse abzuhelfen. Nach Belanntgabe des Um— 
sanges der im Jahre 1014 in Aussicht genommenen Uebungen 
der Heereskavallerie behalten wir uns vor, hierauf zurüchzu⸗ 
kommen. Sind wir erst so weit, daß auch bei uns, wie in 
Frankreich, die gesamte Heereskavallerie alljährlich zu Uebungen 
mn Divisionsverbande herangezogen wird, dann ist nur noch ein 
Schritt bis zur endgültigen Aufstellung von Friedenskapallserie- 
divisionen übrig. 
Der zweite Punkt, welcher im Heereshaushalt von 1914 be— 
sonderes Interesse erregt, ist die geplante Verstärkung der 
Uebungen des Beurlaubtenstandes um 13 000 Unteroffiziere und 
122 000 Mann auf je 14 Tage. Wie weit hiermit die Forde— 
ung erfüllt ist, daß nunmehr wenigstens jeder Reservist die 
gesetzlichen Uebungen ableistet, ist wünschenswert, zu erfahren. 
die Heeresvorlage von 1913 wurde zumeist bezüglich der 
zerstärkung des Kriegsheeres auf Reserveformationen begründet. 
hne Uebungen der Reserven über das Maß der Erfüllung 
aur einer Uebung während der Refervezeit hinaus, werden 
nere Reserveformationen wesentlich an kriegsmäßigem Wert 
inbuhen. Trotz der Einführung des dreijährigen aktiven 
dienstes in Frankreich üben dort nicht allein die Reservisten, 
ondern auch die Mannschaften der Territorialarmee (Land- 
vehr) sämtliche gesetzliche Uebungen des Beurlaubtenstandes. 
Was in Frankreich möglich ist, muß in Deutschland, im Lande 
des zweijährigen aktiven Dienstes, erst recht möglich sein. 
Vom kommenden Herbst an gestalten sich die Grenzverhält⸗ 
isse für uns besonders ungünstig. Von der Zeit der Ent—⸗ 
assung der Reservisten aus der Truppe bis zu vollendeter 
nelkrutenausbildung befindet sich bei uns nur ein ausgebildeter 
zahrgang gegenüber zwei in Frankreich bei der Fahne; in⸗ 
olge des zweijährigen alktiven Dienstes in Deutschland gegen— 
ber dem dreijährigen Dienst in Frankreich. Weiter sind die 
ftats der Grenztruppen in Frankreich stärker wie diejenigen 
n Deutschland. Aehnliche Verhältnisse liegen Rußland gegen— 
Ber an unserer Ostgrenze vor. Diese Ungunst fordert vermehrt 
u einer ausgiebigen Einziehung unserer Reservisten während 
»es Herbstes und des Winters auf, um an den Grenzen die 
Stärken einigermaßen auszugleichen. 
Mit Genugtuung ist im Heeresetat 18914 die Echöhung der 
Berpftegungsgelder der Mannschaften von 16 auf 19 Pfennige 
»ro Ta9 zu begrüßen. Der bisherige Verpflegungssatz reichte 
zei der bestehenden Teuerung nicht immer aus, um den Mann—⸗ 
chaften die regelmähige Abendost zu gewöhren 
— — 
Streitigkeiten zwischen den Parteien schiedsgerichtlich zu schlich 
en. — Der zweite Referent des Tages, Staatsminister Dr. 
Frhr. v. Berlepfsch, hielt dann einen Vortrag über die 
— 
der Redner vertrat die Ansicht, daß das Wohl der Allgemein⸗ 
heit unbedingt ein Reichseinigungsamt erfordere. Für das 
euzuerrichtende Einigungsamt schlägt Redner u. a. folgende 
deitsätze vor: „Das Reichseinigungsamt soll aus drei Per⸗ 
onen bestehen, die mit Arbeitsverhältnissen, insbesondere mit 
er Gestaltung und der Wirksamkeit von Tarifverträgen ver⸗ 
raut find und das Vertrauen von Arbeitern und Unternehmern 
eniehen, und als eine dem Reichsamt des Innern unterstehende 
zehörde gebildet und mit dem erforderlichen Bureauperfonal 
usgestattet werden. Die Hauptaufgabe des Reichseinigungs 
imtes ist die Vermittelung bei Streitigkeiten im Arbeitsver⸗ 
zältnis größeren Umfanges, für deren Beilegung keine andere 
rivate oder gesetzlich geordnete Instanz vorhanden oder mit 
Erfolg zu vermitteln in der Lage ist. Die Verantwortung für 
echtzeitiges und sachgemäßes Eingreifen hat das Einigungs— 
int allein zu tragen. In den vor ihm schwebenden Fällen 
sat es zunächst eine Einigung der Parteien zu erstreben. Ist 
das von Erfolg, so ist die Einigung in die Form eines Ver—⸗ 
rages zu fassen und zu veröffentlichen. Ist eine Einigung nicht 
u erzielen und erklären die Parteien, sich dem Schiedsspruch des 
fFinigungsamtes unterwerfen zu wollen, so ist der Schieds⸗ 
pruch zu fällen und als rechtswirksam nach den Bestimmungen 
er Zivilprozeßordnung anzusehen. Geben die Parteien eine 
olche Erklärung nicht ab, so ist der Schiedsspruch dennoch zu 
ällen, er ist dann als ein Vorfschlag anzulehen, der nach An⸗ 
icht des Reichseinigungsamtes den Verhältnissen und der Billig— 
eit entsprechend ist.“ — In einer ausgedehnten Daeba tte! 
prachen sich die Redner im wesentlichen im gleichen Sinne 
vie die Referenten aus. — An die Hauptversammlung schlohj 
ich eine Ausschußsitzung, in der die Frage des Schutzes der 
Irbeitswilligen behandelt wurde. Die Versammlung 
aßte eine Resolution, in der es u. a. heitzt: „Der Ausschuß 
»er Gesellschaft für soziale Reform erwartet von der Reichs— 
regierung und von den gesetzgebenden Körperschaften, daß sie 
illen Versuchen einer neuen verschärften Gesetzgebung auf 
ziesem Gebiete entschieden entgegentreten.“ Hiermit waren 
zie Arbeiten des Kongresses erledigt. 
n 
Deutsches Reich. 
Der Reichshaushalt. Die Auszüge, welche die Norddeutsche 
Allgemeine Zeitung qus dem Reichsetat veröffentlicht, lassen 
m einzelnen noch kein deutliches Bild der Gestaltung unseres 
teichs haushaltes erscheinen. Aber heute schon läßt sich der 
vesamteindruck feststellen, daß das Reichsschatzamt schwere Mühe 
sehabt hat, die Erfordernisse der Wehrvorlage mit den Ein— 
rahmen des Reiches in Einksöana uu hringen. Die Reichsschuld 
6. Bauptpersammlung der Gesellschaft für 
soziale Reform. 
sh. Die zweite und letzte Sitzung der diesjährigen Haupt— 
erlammlung der Gesellschaft für soziale Reform begann am 
zonnabend in Düsseldorf mit einer geschäftlichen Debatte. — 
zum erften stellvertretenden Vorfitzenden wurde Professor Dr. 
zrancke gewählt, ferner wurden die aus dem Vorstande und 
em Ausschuß turnusmähßig ausscheidenden Herren wieder— 
ewählt. — Sodanmn erstattete Profesfsor Dr. Zimmermann 
Berlin) den Geschäftsbericht über die verflossenen beiden Jahre. 
— sierauf sprach Professor Dr. Zimmermann Gerlin) 
iber „Neue Aufgaben des gewerblichen Einigungswesens“. Red— 
ier führte u. a. aus, daß sich eine zweckbewußte äußere und 
nere Ausgestaltung der paritätisch von Berufsverbänden 
rganifierten Einigungs- und Schiedsämter im Gewerbe mit 
noralischen, organisatorischen und rechtspolitischen Mitteln 
mpfehle. Den gewerbegerichtlichen Einigungsämtern müsse die 
Refnanis zusteben. bei bestehenden Tarifverträgen vorkommende 
Irrlichter des Glucks. 
Ein Gesellschaftsroman von der Riviera. 
Von Erich Friesen. 
23. Fortsetzung.) Machdruck verboten.) 
„Bitte, bitte! Ist gern geschehen. Wenn du nur immer 
auf deine Mutter hören wolltest!.. . Du willst schon gehen? 
Kannst du nicht mit mir zu Mittag speisen? Ich lasse ein 
zweites Gedeck auftragen.... Wirklich nicht? Na. dann mnif 
Wiedersehen!“ 
Mit einer großen Geste schwenkt sie die beringte Hand 
hinter der hohen Frauengestart, die, ohne sich noch einmal 
umzublicken, mit müden Schritten das Zimmer verläßt. 
Dann setzt lie sich wieder an den Tisch, um endlich ihr 
Mittagsmahl zu beenden. 
„Das wäre glüdlich vorbei!“ denkt sie befriedigt. „Wie 
ein Gespenst stand dieser Moment, der einmal kommen imußte, 
tets vor mir. Bah! Mitt ein bißchen List, ein bißchen Leicht⸗ 
inn und ein bißchen Schauspielerkunst erreicht man alles. Nur 
leine Schwerfälligkeit! Und — keine Grundsätze! Das ist un— 
rötiger Ballast im Leben.“ 
Und lachend leert sie ihr Glas mit rotem Buraunder in 
nem 2u0⸗ 
Jeinen Kunstreiterin schreiben zu dürfen. Doch die Russin wehrte 
tets mit solcher Bestimmtheit ab, daß Miriam schwieg und 
ich scheu in sich selbst zurückzog. Und unwillkürlich bemäch⸗ 
igt sich ihrer die drückende Empfindung, daß sie nicht frei ist, 
»aß man sie als Gefangene hier hält — als Gefangene zwar 
n Rosenketten, aber immerhin doch als Gefangene. 
Seltsamerweise taucht bei diesen Selbstvorwürfen Blanches 
chmales Gesichtchen häufiger vor ihrem geistigen Auge auf, 
ils Madame Artemisias starres Totenantlitz. Jetzt erst fühlt 
»as junge Wesen fso recht, wie unendlich fern ihr die Frau 
estanden, die sie Mutter nannte. 
So lange Mirjam denken kann, schwebt der Schleier eines 
ßeheimnisses über ihr. Nicht wie andere Kinder wuchs sie 
m Schoße der Familie auf. Nie sah sie etwas von ihren 
cltern oder Verwandten oder sonstigen Personen, zu denen sie 
ehörte. Und als plötzlich, gänzlich unerwartet, eine Frau 
uftauchte, die sich ihre Mutter nannte und sie mit sich 
zaahm — da starb etwas in dem Herzen des vereinsamten 
ungen Geschöpfes, das sie seit Jahren gehegt und gepflegt 
ind mit dem Glorienschein heißer Kindesliebe umgeben: das 
rtiäumte Idealbild, das sie sich von der unbekannten Mutfter 
emacht. 
Was Wunder, daß nach all diesen Enttäufchungen Miriam 
ichts mehr überrascht, daß sie es in ihrer Weltunerfahren⸗ 
ʒeit für selbstverständlich hält, wenn Unvorhergefehenes, Selt⸗ 
ames, Unbegreifliches in ihr Leben hereinschneit, dem sie sich 
indlinas zu unterwerfen hat. 
Sie begreift selbst nicht, weshalb sich plötlich etwas in 
ihr auflehnt gegen ihre unbekannte Beschützerin. Denn, dakß 
»s ein Mann sein könnte, der sie in diesen goldenen 
zäfia gelodt, kommt ihr nicht in den Sinn. 
Und endlich erträgt sie diesen Zustand des Bangens, des 
zweifelns nicht mehr. Sie beschließt, Mavruschla zu fragen, 
iich, wenn nötig, Mufklärung zu erzwingen. 
Marxuschka fitzt in dem kleinen, einfach aber behaglich aus⸗ 
gestatteten Wohnzimmer und näht an einem weißen Mullkleid, 
das für ihren Schützling bestimmt ist. 
Als Mirjam sich ihr nähert — bleich, ernst, mit einer dem 
ungen sylphenhaften Gelchöpf ganz fremden Würde, erhebt 
ie sich lLanosa 
Zwei Augenpaare beicken ineinander — in stummer Frage. 
Die Frau ist es, die das beklommene Schweigen bricht. 
„Du willst mich zur Rede stellen, mein Kind!! Nun wohl: 
rage!“ 
Mirjiam fährt sich mit der Hand über die Stirn, als 
ammle fie ihre Gedanken. 
„Ich weiß nicht, wo beginnen,“ erwidert sie leise. „Wer 
ind Sie eigentlich? Wer beauftragte Sie, mich hierher zu 
zringen? Und aus welchem Grunde? Wie lange soll ich noch 
jier bleiben? Was hat man mit mir vor?“ 
Maruschkas Kopf sinli auf die Brust herab. Ein bitterer 
lusdruck tritt in ihre dunklen Züge. 
„Du fragst mich, wer ich bin? So viel wie eine Skladin... 
Wer mich beauftragte, dich hierher zu bringen? Mein hoher 
ßebieter.. .. Du fragst, aus welchem Grunde du hier bist? Wie 
ange du noch hier bleiben sollst und was niein Gebieter 
mit dir vor hat? Darauf antworte ich dir: das weiß ich 
nicht.“ 
Ein Zittern überfliegt Miriams Körper. 
„Ihr Gebieter — sagen Sie? Es ist also ein Mann, der 
nich hier gefangen hält?“ 
Aufschluchzend bedeckt sie das Gesicht mit den Händen 
ind sinkt auf einen Stuhkf. 
„O Maruschka, Marusichka! Wie haben Sie mein Vertrauen 
nißbraucht!“ l 
Wieder huscht jener muͤtterliche, weiche Ausdrudcd über die 
‚arten Züge der Russin. Mit einer unendlich zärtlichen Gebärde 
chlingt sie die Arme urm das unglückliche junge Geschöpf. 
„Vertraue mir auch ferner. mein Kind!“ flüstert sie bebend 
»or innerer Erregung. „Wende dein liebes Gesicht nicht fort 
»on mir! Wenn du meine Lebensgeschichte kenntest, würdest du 
nich eher bemitleiden. Aber das schwöre ich dir: so lange 
vl in meiner Obhut bist, soll dir nichts geschehen. Nichts!“ 
Mirjam hebt die feuchten Lider zu dem erregten dunklen 
ỹrauengesicht. Träͤnen schimmern in dem klaren Blau ihrer! 
ugen; aber hinter den schmerzlichen Tropfen leuchtet felsen- 
estes Vertrauen. 
„Ich glaube Ihnen, Maruschba.“ 
Mit einem Jubelruf sinkt die Frau vor dem Mädchen nieder 
und preßt die kleinen Hände an ihre Lippen 
9. 
Die erste Zeit in der kleinen Villa hinter der Rosen— 
jede versliegt Miriam wie im Traum. Das Neue, gänzlich 
Veränderte in ihrem Leben, die sorgsame Pflege, die Maruschka 
hr zuteil werden läßt. lullen alle aufsteigenden Fragen und 
Zweifel ein. Ohne zu grübeln, gibt fie sich dem Zauber 
»es verkfeinerten Geschmackis hin, der so vorteilhaft mit der 
ohen Umgebung, in der sie während der Jekten Jahre z5 
hausen gezwungen war, kontrastiert. 
Als jedoch mehr Tage ins Land ziehen und keine Verän⸗ 
derung eintritt, Maruschla sich auch nach wie vor in Sweigen 
züllt über die geheimnisvolle Person, die so urplötzlich Mirjams 
Schichsal in die Hand genommen — da beginnen doch in dem 
derzen des jungen Geschöpfes sich allerhand Zweifel zu regen, 
und mit einer Art Bangen blickt sie in die Zukunft. 
Anch, daß sie ohne Abschied von der guten Blanche Durand 
rweqangen. beunrublgt sie. Wiederholt baf ße-Maruschke der
	        
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