Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

mf eine Reform des Strafvollzuges hin. Einleitend führte der 
RFedner aus, daß die Gefangenenfürsorge eine Aufgabe sei, 
bie auf der einen Seite vom Vublikum aufs wärmste vertei— 
digt, aus. der anderen Seite aufs schäcsste angegrissen würde 
Tatfache sei es, daß die Früchte und Erfolge, der Gefangenen 
fürsorge sehr gering sind, so daß die Frage berechtigt erschien. 
obe die aufgewendete Viühe und die ganz bedeutenden, Kosten 
in irgend einem Verhältnis zu den erzielten Erfolgen ständen. 
Die Gefangenenfürsorgle dürfte überhaupt nicht nur von einigen 
interssierten Privatpersonen wahrgenommen werden, sondern 
es mußlte in unserem Zeitalter, das von neuen sozialen Ideen 
aur so getragen Hist, eine Pflicht des Slaates Jein, für den 
nach der Straspollstreckung wieder in die nadte Wirklichkeit des 
Lebens Hnaustretenden zu sorgen. Die Bedingungen, unter 
denen die verschiedenen Kategorien der Gefangenen wieder in 
die burgerliche Rechtsordnung zurückkehren, seien ja rund— 
Serschie den. Während der Arbeiter leicht wieder in Verhält 
uüfse kommt, die ihm eine Beschäftigung ermöglichen, fällt 
dies dem selbständigen Mittelstand schon schwerer, während 
dem Gebildelen kaum noch die Möglichkeit verbleibt, sich wie der 
rin neues, geordnetes Leben aufzubauen. Ein wunder Punkt 
der Gefangenenfürsorge sei es, daß sie mangels der erforder⸗ 
ichen Mittei, immer, nur, an einzeine herantreten könne, daß 
je fkeine große, umfassende Organisation sei, die alle in den 
Bereich ihrer Fürsorge aufnehmen könne. Aus dem reichen 
Schatz seiner Erfahrungen und Beobachtungen heraus schil— 
derte, der Vortragende dann die bunte Welt von Charakteren, 
bdie sich zwischen den beiden Extremen der ganz gefährlichen 
and der von Natur aus eigentlich harmsosen, Sträflinge 
bewegt, Für viele Gefangene sei nicht die eigentliche Strafe. 
die Entziehung der Freiheit, sondern der quälende und, peini- 
jende Gedante der Entehrung das Allerschlimmste. Bei allen 
iber, denen dieses Gefühl für Scham und Ehre noch nicht ver— 
oren ging. dürfte die Fürsorgearbeit das Vertrauen heben, 
daß der sittliche Ehrgeiz des Gefangenen die Kraft haben wird, 
ich nach der Entlassung wieder ein neues, geordnetes Leben 
zun schaffen, während übérall dort, wo man dumyfer Resignation 
segenüberltele, jegliche Hoffnung auf Errettung schwinden müsse 
Dder Redner wies auch auf, das, Elend der Frauen und Kinder 
von Sträflingen hin, die eigentlich die am schwersten Bestraften 
ind. Zu ihrer Fürsorge werden jährlich Millionen gaufgewendet. 
vaͤhrend andererseits wieder die Kosten der Strafpollitredung 
benfails Miillionen, beanspruchen, so im Jahre 1900 3. B. 
9 Püullionen Mark. Weiter streifte der Vortragende das 
Problem der Gefängnisarbeit, die der freien Industrie Kon— 
uurrenz macht,. Sie sei aber ais das beste Mittel zur Erziehung 
unbedingt erforderlich; je grobßer, die Arbeit sei, um so besser 
seies um die Disßzipfin der Anstalt bestellt. In Jeinem— 
weiteren Ausführungen forderte Herr Pastor Reuß eine Reform 
des Strasvollzuges, da' die Voilstredung einer Strafe inner⸗ 
halb der engen Gefängnismauern etwas Gekünsteltes und Un— 
aatürliches sei. So babe in Amerika zuweilen die Lynch 
ustiz eine gewisse Berechtigung. da, der seitens des Staates 
eũbte Strafvollzug innerhalb der Gefängnismauern dem Rechts— 
npfinden des Volkes gegenüber oft eine lächerliche Farce fei 
Wenn der Staat irgend eine große Domäne zur Bewirt 
chaftung für den Strafvollzug öffnen würde, wäre das viel⸗ 
eicht ein gangbarer, Wea. Aber in unserem dicht, bepölkerten 
Lande würde insbesondere mit den schweren Verbrechern ein 
olches Experiment doch kaum durcheuführen sein und für kurz— 
ristige Strafen müßten daher die Gefängnisanstalten ein not⸗ 
vendiges Uebel bleiben. Für die mit langiährigen oder lebens— 
änglich mit Zuchthaus Bestraften aber, füxr die unverbefserlichen 
Insalfen der Korrektionsanstalten sei die Deportation in unsere 
dolonien der gegebene Weg, wo die Sträflinge nicht mehr der 
eimischen Industrie Konkurrenz, sondern dem ganzen deutschen 
deiche durch die Kolonifalion eines Landes großen Nutzen 
chaffen koͤnnten. Die englische Strafvollstreckung des 18. und 
zu Anpfang, des 19. Jahrhunderts habe den glänzenden Beweis 
der Durchführbarkeit dieses Strafvollzuges, sowie den großen 
Putzen den er für den Stagt im Gefolge habe, klar erbrocht. 
Den zahlreichen jungen Leuten aher. deren Lehen im Zucht— 
haus ein langsamer Prozeß der Vermoderung sei, sollte man 
Helegenheit, geben, in einer Kolonialarmee dem, Staate zu 
dienen. dort ihr Vergehen zu fühnen und die Scharte wieder 
ruszuweten. An der Erfüllung eines solchen Zieles Fitzu— 
virken, sei für unsere Zeit, die immer neue Gesetze schaffe, 
die vor sauter Sozialismus immer unsozialer werde, eine Auf— 
zabe, pon der das Dichterwort Geltung bätte, daß sie des 
Schweißes der Edlen wert gewesen sei. Für seine warm, 
heg Ausführungen wurde der Redner mit reichem Beifall 
ielohnt. 
DDie Abteiluug Lübeck des Frauenbrndes der Deutschen 
olvnialgeselschaft teilt mit, daß am 19. d. M. mit dem 
Dampfer, Gudrun“ der Woermann⸗-Linie in diesem Jahre die 
dritte Bücherei in unsere airikanischen Kolonien abgesandt worden 
ist. Die erste ging im April nach Swakopmund und umfaßte 
ta. 2000 Bände und Schriften, die zweite wurde im Juli nach 
Hobabis abgesandt und umfaßte ebenfalls ca. 2000 Bände und 
Schriften, die letzte ist sür Outio bestimmt und zählt 1038 Bände 
Die Bücher wurden in ganz Deutsch'and gesammelt und an die 
Zentralstelle für die Büchereien des Frauenbundes der Deutschen 
Kolonialgesellschaft, Abteilung Lübeck, gesandt. Die Lübed— 
Büchener Eisenbahngesellschaft hat die frachtfreie Beförderung 
jür diese drei Büchereien nach Hamburg, die Woermann⸗Linie 
den frachtfreien Seetransport in dankenswerter Weise übernom— 
men. Der nächsten Bücherei, die bereits in Angriff genommen 
und für Gibeon bestimmt ist, wird eine Jugendbücherei angeglie— 
dert, die die Schüler des Katharineums auf Anregung von Herrn 
Direktor Prof. Dr. Reuter gesammelt haben. Jedes Buch 
zieser Spende krägt in Form einer gedrudten Widmung einen 
Gruß der Schüler des Katharineums an unsere Landsleute ins 
terne Afrika hinüber. 
EDampfichiffs⸗Verläufe. Der bisherige Lübeder, jetzt 
nach Persien verkaufte Dampfer „Bussard“ hat den Namen 
„Kermen“ erhalten. Er wird heute vormittag die Kochsche 
Schiffswerft werlaiĩsen, um, gesührt vom Kapitän Emanuel Cailis, 
unter persischer Flagge in Ballast nach Rotterdam in See zu 
gehen. Ferner ist der gegenwärtig im Hafen liegende finnische 
Dampfer „Porthan“, der lange Jahre unter schwedischer Flaage 
und dem Namen „L. Torstenson“ zwischen Lübeck und Schweden 
yerkehrt hat, nach Frankreich verkauft worden und mird hald 
rach seiner Entlösching von hier nach Boulogne abgehen. — 
der im Ostseebäderdienst bisher beschäftigt gewesene hiesige 
Damrfer „Steinmann“ ist von seinem Besihßer, Herrn Kapitän 
5. Weiterich, nach Assens verkauft worden und wird demnächst 
nach dort überführt werden. 
Z. Einsiͤhr engl scher Steink hle. Für die hiesigen Gas— 
anstalten wird in nächster Zeit wieder eine Ladung Steinkohlen 
nit dem Flensburger Dampfer „J. L. Lassen“ von England er— 
vartet und in der Schlachthausbucht im äußeren Hafen entlöscht 
verden. 
E. Zwei Alpenlerchen sind kürzlich auf dem Priwall be— 
bachtet. Diese hübschen Vögel, sind von unsern Feld- und 
zaubenlerchen durch die schwefelgelbe Stirn und Kehle und 
as Schwarz der Bagen und des Kropfes leicht zu erkennen. 
Zie bewohnen die Gebirge vom nördlichsten Europa, Asien und 
Amerika und streichen im Herbste südlich, wurden in Deutsch— 
and jedoch nur frärlich festgestellt. Am häufigsten werden sie 
zuf Helgoland gesehen, wo ailherbstlich kleine Trupps bis, zu 
20 Stück, mehrfach zur Beobachtung kommen. Bei uns snd 
ie vor fast 50 Jahren mit Sicherheit nachgewiesen. Am 
14. Nov. und 2. Dez. 1864 wurde ein Pärchen vom, däger⸗ 
neister Hebich und pom Partikulier Warncke an der PValinger 
heide geschossen. Ein Exemplar ist nach Meckenburg ge— 
pmmen, das zweite steht im hiesigen Museum. Warnde sah 
inige Tage fräter am selben Orte noch eine Schar von ca. 20 
Stück. Seit jener Zeitf sind Beobachtungen aus, unserem Ge— 
iete nicht mehr bekannt geworden. Ich kann diese allerliebsten 
ßögelchen mit, dem feinen Stimmchen, die ich auf der Helgo— 
änder Düne eingehend kennen lernte, jedem Vogelliebhaber, der 
twas Besonderes käfigen will, angelegentlichst empfehlen. Nach 
»en Erfkahrungen eines bekannten Helgoländer Vogelstuben- 
zesitzers halten sie sich ausgezeichnet. 
ePreußisch⸗ Süddeutche Klassenlotterie. In der Vor 
wittagsziehung am Sonnabend entfielen folgende Gewinne: 
50 000 Mauf Nummer 198637, 30 000 Maauf Nummer 
99 148, 15 000 Meauf Nummer 309 231, 10 000 Maauf Nummer 
170 732, 5000 Mauf die Nummern 40 160 und 55 183. 
S Gru d'ülsderkäufe. Die Terraingesel'schaft Strohkat.n 
»erkaufte die Einfamilien-Vilsa Wakenitzstraße Nr. 50 an 
zerrn Archivar Dr. F. H. Rörig und vor kurzem das Neben 
zrundstück Wakenitzstraße Nr. 52 an Herrn Verleger und Chef— 
edakteur Otto Waelde, hier. Die Verhandlungen fühtte die 
Firma M. Heinberg, Breite Straße 31. 
*Weihsachts⸗ciänf: sollen frähzeitig çemacht wer— 
den, wie der Deutsche Käuferbund empfiehlt. Es ist gute 
Zäufersitte, Festgeschenke spätestens in der ersten Hälfte des 
Ddezembers zu kaufen, Bestellungen und dergleichen aber schon 
m November aufzugeben. Weihnahtseinkäufe sind noch vor den 
reiertagen, jedenfalls vor Ncujahr, zu bezahlen, denn die 
mselige Sitte des Borgkaufens bereitet vielen Kaufleuten 
„ittere Sorgen. Man bedenke auch, daß das leidige Umtauschen 
ine arge Beläsfti-cung der Geschäftsleute bedeutet. Wer Weih 
rzachtsgeschenke kauft, muß nicht minderwertige, sondern stets 
Zualitätswaren kaufen. Das gilt nicht nur bei Geschenken, die 
ür Angehörige und Freunde bestimmt sind, sondern auch bei 
heschenken für Dienstboten und Schutzbefohlene. Wer seiven 
Ingestellten Weihnachtsgratifikationen gibt, so'l das so recht 
eitig tun, daß die Empfänger noch zeitig und in Ruhe ihre 
Weihnachtseinköufe besorgen örnen. Ten Dienstboten und den 
heschäftsangestellten sind M'tée Dezember ein paar frühe Tages— 
tunden freizugeben, damit sie nicht darauf angewiesen sind, ihre 
kinkäufe während des abendlichen Gedränges oder am Sonntaq 
u besorgen. Wer diese Ratschläge befolgt und sie wöeiter— 
libt, bereitet sich selbst und anderen Weihnachtsruhe und 
Freude! 
Obstbaumzäühlinag am 1. Dez. d. J. ZBufolge Be⸗ 
chlusses des Bundesrates hat in diesem Sahre eine Obsthuum— 
ählung stattzufinden. Im Landgebiet, in den neuen Stadt— 
eilen, sowie bei den Besitzern größerer Landflächen (insbesondere 
ñärtner) in den Vorstädten ist diese Zählung bereits im Juni 
rorgenoiinen. In der inneren Stadt und dem übrigen Teil 
er Vorstädte soll sie in den nächsten Wochen geschehen. Die 
Jufnahme hat sich auf Aepfel. Birnen, Pflaumen einschließlich 
Zwerschen) Kirschen, Aprikosen. Pfirsiche und Wallnüsse zu 
rstreden; Zwergobsi- und Sralierobstbäume sind mitzuzählen. 
Fs sind jedoch nur die auf dauerndem Standort befindlichen 
Zäume zu zählen, also nicht solche. die noch zum Verpflanzen 
essüimmt sind. In Baumschulen werden nur die Staudbäume 
Sortimentsbäume) mitgezählt. Die Obstbäume sind nach „trag, 
ahigen“ und noch nicht tragfähigen“ zu unterscheiden. — Bei 
der Wichtigkeit dieser Zählung ergeht an die Grundstückbe'itzer 
»der deren Vertreter die Bitte, den Zählern ihre Arbeit da⸗ 
zurch zu erleichtern. daß sie sich hereits vor der Zählung 
zengu über ihre Obstbäume orientieren. Zur Beruhigung 
ingfllichet Gemüter sei noch bemerkt, daß die Aufnahme mit 
Sreuerzwecken nicht das Mindeste zu tun hat. 
OD Straftammer TJ. Sitzung vom 21. Noo. Wegen 
Ueberfretung der Verordnung betr. das Dienzt- 
nannswefen wurde der Möbeltransporteur Johannes Br. 
zom Schöffengericht in erschwerender Berüchsichtigung Jeiner vie! 
sachen Vorstrafen wegen gleicher Uebertretungen zu 1 Woche Haft 
berurteilt. Es wurde gegen ihn festgestellt, daß er am 1. und 
3. Angust in der Personenhalle des hiesigen Bahnhofes sidh 
zewerbsmähßig angeboten, habe, ohne dazu durch die Polizei— 
hehörde ermächtigt gewesen zu sein, troß seiner, Behauptung, 
aß er seine Dienste nicht angeboten habe, sondern daß die 
hetreifenden Reisenden, denen er Dienste geleistet, ihn dazu 
ufgefordert, hätlten. Mit seiner gegen das schösfengerichtliche 
ürteil eingelegten Berufung hat, der Angeklagte insofern Erfolg, 
As die Strafe auf 3 Tage Haft ermäßigt wird — Wegen 
Unterschlagung wird gegen den Lehrer Karl Gr. ver— 
andelt. Im Suli 1912 machte der Angeklagte mit drei anderen 
zersonen vom Pfadfinderkorps eine Fahrt nach Stodholm. 
zon verschiedenen Seiten waren dem Angeklagten und seinen 
zegleitern zu dieser Fahrt insgesamt 208 Mzur Verfügung 
sestellt. Der Betrag wurde dem Angeklagten alzs Führer aus— 
jehändigt und konnte er nach Belieben über das Geld ver—⸗ 
Ffioe Zeif nach heendeter Fohrt fühlten üich einige 
Te'lnehmer derselben beschwert, daf, sie von dem gelpendetet 
He!de nicht genügend erhalten hätten. In der dann einge, 
eiteten Untersuchung konnte der Angetklagte nur recht unvöll— 
tändige Angaben über die Verwendung der Gelder machen. 
Die Folge war, daß er vom Schosffengericht wegen Unterschlagung 
bon 56 M zu 1 Monat Gefängnis verurteilt wurde. Die Folgen 
waren schon sehr hart, denn der Angeklagte wurde vom Amte 
uspendiert und ihm nur, das halbe Gehalt gezahlt. Gegen 
das schöffengerichtliche Urteile wutde Bexusung eingelegt. Mit 
Hilfe seines Verteibigers und guter Freunde, die nicht an 
eine strafbare Handlung des Angeklagten glauben konnten, 
vurde versucht, die Sache aufzuklären. Das ist gelungen. 
Der Angetlagte hat außer viermal 837, MüReisekosten mindesteus 
73 Mi18 Pfg. für genieinsame Bedürfnisse bezw. im Interesse 
der Fahrteilnehmer verausgabt, so daß von einer begangenen 
Unterschlagung nicht die Rede sein kann. Direktor Reuter 
tellt dent Angeklägten das Zeugnis aus, daß er sich in 
tneigennützigster Weise um die Pfadfinderbewegung sehr ver— 
dient, gemacht habe. Der Verteidiger beantragt Freisprechung 
)»es Angeklagten und Uebernahme der Kosten, einschließlich 
derienigen der Verteidigung, auf die Staatskasse. Der Staats- 
inwalt beantragt ebenfalls Freisprechung, wendet sich aber 
zegen die Uebernahme der Kosten der Verteidigung. Der An— 
jeklagte hätte selbst rechtzeitig für Aufklärung der Sache sorgen 
ollen, das habe er nicht getan. Das Gericht spricht den An— 
nzeklagten frei, nicht, weis seine Schuld nicht erwiesen sei, 
ondern weil seine Unschuld dargetan sei. Die Kosten, ein— 
chließlich derjenigen der Verteidigung. werden auf die Staats— 
asse übernommen. — Wegen Uebertretung des 8 3866 
ziff. 8 des Str.«G.-B. in zZwei Fällen und wegen gefährlicher 
Zrperverletzungen in zwei Fällen wurde die Ehefrau Anna 
vᷣl. zu 5 Mäeb. 2 Tagen Haft und zu 50 Meepv,. 10 Tagen 
Hefängnis vom hiesigen Schöffengericht verurteilt. Die An— 
getlagse lebte mit ihren, Miteinwohnern. den Eheleuten Mu. 
n Unfrieden, weil die Angeklagte oft Futter für Katzen auf 
den Hef warf und dadurch die Katzen der Nachbarschaft an— 
ochte, die dann den Hof, den die Eheleute Mu. zu reinigen 
zatten, verunreinigten; hierüber kam es oft zu Streitigkeiten. 
die Angeklagte sollte nun die Frau Mu. und, den Musschen 
zohn gelegentlich solcher Streitigkeiten mit Wasser begossen, 
iuch den Mu.schen Sohn einmal mit einem Stock, in dem sich 
iine Stahlstange befand, über den Arm geschlagen, auch ihn 
nit einem Stein an den linken Oberarm geworfen haben. Die 
Angeklagte hat Berufung erhoben mit dem Erfolge, daß sie 
vegen der einen Uebertretung freigesprochen wird. Im übrigen 
vird die Berufung verworfen. 
d. Stadttheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man uns: 
ks fei noch einmal auf die Lohengrin⸗Aufführung am 
Plontag hingewiefen, für welche, wie schon bekannt ist, der be— 
rühmte Wagner-Tenor Kammersänger Heinrich Hensel für ein 
inmaliges Gastspiel gewonnen ist. In „Lohengrin“ singt der 
zünstler eine seiner Glanzpartien. — Den übrigen Haupt— 
artien ist die bewährte Besetzung der ersten Aufführung ge— 
lieben: Fr. Schmidt und Fr. Offenberg als „Elsa“ und 
Ortrud“, „Telramund“ Herr de Garmo, am Dirigentenpult 
Herr Kapellmeister Pfeiffer. 
d. Von den „Mieisterfinger“⸗Aufführungen. Wir werden 
uinter Bezugnahme auf eine Bemerkung in der Besprechung der 
ersten „Meisterfinger“-Aufführung am 16. Nov. gebeten, dar— 
uf hinzuweisen, daß bereits vor Beginn der Spielzeit ein 
hastvertrag, der Stadtthegater-Direktion mit Hexrn Kapell⸗ 
eister Furtwängler, auf Neueinstudierung und Leitung der 
Meistersinger von Nürnberg“, wie im Prospekt am 40. Aug. 
ingekündigt, vorlag. Nachträglich hat Herr Kapellmeister Furt⸗ 
vängler in kollegialer Weise die Hälfte der Aufführungen an 
zerrn Kapellmeister Pfeiffer abgetreten. 
b. Eincn Familienabend veranstaltet der Christliche Verein 
Junger Männer am heutigen Abend 8 Uhr in der Aula 
es Johanneums. Jedermann hat freien Zutritt. Die Haupt— 
—3253 hat Herr Missionsinspektor P. Braker. Breklum, zu— 
resagt. 
b. Vortragsabend. Am, Montag abend findet in der 
Stadthalle der 2. Abonnements-Vortrag der Copcordia, Hauf⸗ 
nännischer Verein, ftatt, und zwar wird Herr Admiral Holz⸗ 
uer Berlin, über „Das Leben und Treiben an Bord deutscher 
Zriegsschiffe“ fprechen und seinen Vortrag durch Lichtbilder 
jsufern. Bei' dein Interesse, welches allseitig dem Thema 
enfgegengebracht wird. und bei dem Ruf, welcher dem Vortragen⸗— 
deit als“ Redner voraufgeht, wird der Besuch voraussichtlich 
der gleiche sein, wie bei dem ersten Abonnements-Vortrag, 
welcher vor ausverkauftem Hause stattfand. Besonders möchten 
wir noch die heranwachsende Jugend auf diesen, für sie inter— 
essanten Vortrag aufmerksam machen. 
b. Geistliches Konzert. Die Vereinigung für kirchl. Chor— 
gesang veranstaltet am Sonntag, dem 7. Dez., wieder ein 
arbßetes geistliches Konzert in der St. Marienkirche und hat 
sich zut Hauptaufgabe die Wiedergabe von Seb. Bachs ge— 
valtiger oachtstimmiger Motette: „Fürchte dich nicht“ gestellt. 
Daneben geiangen noch Chorwerke von, Senfl. Schein und 
Foundiniel zur KNufführung. Saͤmtliche Werke. werden von der 
Vereinigung zum erften Male gesungen. Die Orgelvorträge be— 
ehen aus Bachschen Sätzen, die besonders geeignet, sind. den 
jrößen Reichtum der St. Marienorgel an charakteristischen 
Zlangfarben zur Entfaltung zu bringen. Als Solistin ist Frl. 
Molsbergen aus Utrecht, Holland, gewonnen. Da der Rein⸗ 
ertrag des Konzerts, wie üblich, für wohltätige Zwecke be⸗ 
immt ijt, so sei der, Besuch allen empfoblen. die edle geistliche 
Musik zu schätzen wissen. 
. Stenographisches. Unter den 28 Teilnehmerinnen, die 
am 17. Nov. zum Rechtschreiben für die Schulerinnenabteilung 
es Stenographenvereins Stoize⸗Schrey zu LübedGegr. 
EeTosg erschienen waren, lieferte Herta Durich die 
heste Arbeit. Außer ihr erhielten 1. Preise: Anna Riedmann 
ind Franziska Schweder; 2. Preife: Henny Haase, Frieda 
Hiese, Grete Utermarck, Grete, Dahnde und Nora Bartels. 
Jetter vucden 8 lobende Anerkennungen zugesprochen. — Die 
ßreisverteilung findet in der Uebung Montga nachmittag von 
6 Uhr in Evangelischen Vereinshause, Fischstr. 171, statt. 
dort der beim Vörfitzenden. Herrn Ernst Braune, Mühlen⸗ 
zrüde 1 werden Neuanmeldungen entgegengenommen. 
b. Kaifer⸗Panorama. In dieser Woche sind Bilder vom 
Tomb-Eee der Stadte Tomo, den Orten Torna. Blevio und 
ellagie ausgestellt, sowie prächtige Aufnahmen, von der Villa 
arlssia mit ihren großartigen gärtnerischen Anlagen und wun—⸗ 
erbaen Stulpluren.Wir empfehlen den Besuch des Pano— 
ramas aufs ange⸗l⸗- 
— ⸗ 
Folgende Zeitschristen liegen ständig in unserem Lesezimmer, Breite Strasse 31. 
aar freion Benutzung aus 
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egante Welt. 
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ꝛr Fðrderer. 
ie Frau. 
30 Freie wort 
ranenstimmrecht. 
egenwart. 
zreik. 
üũldenkammer. 
ochland. 
anus. 
igend. 
mustr. Sport. 
«unstwart. 
Re Kunst. 
Jeue Kunst. 
umst und Künstletr. 
ese. 
icht und Schatten. 
us tige Blatter. 
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ren⸗Artikel 
enNhirme, Unterzeuge 
MEAXIRMNDIS 
Ohbete Wahmstr. 17 ⸗ernt 
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