Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Die deutschen Stüdte und San Framisko. 
W. Verlin, 22. Nov., Der Vorstand des Deutschen Städte— 
tages hat, zur Weltausstellung in San Franzisko in seiner 
heutigen Sitzung sihgrundsätlich bereit erklärt, seiner⸗ 
seits eine einheitliche deutsche Städteabteisfung 
zu oxganisßieren. Eine einheitliche Städteabteilung komme 
deshalb in Frage, weil es sich nicht um die Interessen 
rinzelner Städte, sondern um deutsche Volls und Kulturinteressen 
handelt. Der Verfuch zur Organsation der Abteilung kann aber 
nach dem Beschlutßz des Vorstandes nur dann unternommen 
werden, wenn von Reichs wegen so viel Mittel zur Verfügung 
gestellt werden, daß nicht bioß eine würdige Vertretung des 
deutschen Wirtschaftslebens, sondern auch des deutschen Kultur— 
ebens sichergestellt, wird und wenn auch die deutschen Städte 
daraus einen bcß erhalten, der die gemeinsamen Unkosten 
der deutschen Städteabteilung decdt. 
Der Kautfschulzoll in Kamerun. 
Berlin, 22. Nop. Zu den, Gerluchten, die von einer völligen 
Aushehung des Kautfchufausfuhrzolles in Kametun wissen wollen, 
verlautet von zuständiger Stelle, daß es sich lediglich um 
eine Herabsetzung des Zolles handelt, die sich nach der Lage 
des Marktes richtet. Soslte diese es erfordern, so ist es mög⸗ 
lich daß der Zoell zeifweise ganz aufgehoben wird. Bei einer 
Besserung der Marktlage wird er aber wieder automatisch in 
Kraft treien. Wann die geplante Maßnahme durchgeführt werden 
wird, steht noch nicht fest, da dies von dem Ergebnis der Be— 
Zrechungen mit dem auverneur von Kamerun, der nächstens in 
Berlin eintrifft, abhangt. 
Ein politischer Seitensprung. 
London, 22. Nov. Ein arger politischer Seitensprung des an 
der zuglischen Kirche in BadeHombur7g angestellten 
Heist lich en des Kapians üstac Lulich, wird, heute gemeldei. 
Wenn die hiesigen Zeitungen recht berichtet sind. so hat sid, 
der Kaplan in einer Asomstischen Verfammlung in Freshwater 
guf der Insel Wight folgendermaßen, gusgelassen: Ich lebe 
seit fünf Jahren in Deutschland und bin in enge Beziehungen 
zu nflußreichen Persönlichteitensgetreten. So tkann 
ich Sie versichern, daß nach Ansicht alier Gebisdeten in Deutsch— 
sand die Zeit gekommen ist wo Deuischland um bdie er 
herrschaft zur See kämpfen muß. Ein Freund des 
Kaisers hat mir die Versicherung gegeben, daß einzig der 
persönliche Einfluß des Kaisers verhindert hat, daß Deuifnland 
v or zwei, Jahren Frankreich angriff. England muß Frankreich 
zu Hilfe kommen. Ich zweifle. daß bei der müchsten Gelegenheit 
der Einfluß, des Kaisers noch ausreichen wird, einen Kreg zu 
erhüten,. Man wartet nur, auf, den Moment, wo man auf 
einen sicheren Erfolg rechnen kann.“ 
Neuer Anschlag auf den Vizekönig von Indien. 
London, 22. Noy. In Kalkutta ist gestern ein An— 
schlag auf das Keb'en des Vizekönigs vonIndien 
entdeckt worden. Eine Abteilung Deteltivs und, Poligeibeamte 
nahm in einem Haufe in Redscha eine unerwarlete Haussuchung 
por. In einem Zimmer des ersten Stodwerfes fanden sie vier 
junge Leute darunter einen chinesischen Arzt namens Seoshan— 
kar der schon seit einiger Zeit von der Polizei gesucht 
vurde. Dieser hatte das, Zimmer gemietet, und die ganderen 
drei Bengalen waren anscheinend bei ihm zu Befuch. In dem 
Zimmer wurden außer mehreren leeren Blechkisten guͤch Bom 
wen gefunden, wie sie bei den letzten Attentaäten, so bei dem 
Pordversuch aus, den Vizekönig in Delhi und bei der Ermor— 
ung des Polizeünspektors in Imeningi verwendet worden waren. 
Viele Bomben waren vollständig für den Gebrauch fertig und 
mit Zündschnüren versehen. Die Beamten beschlagnahmten vine 
umsangreiche Korrespondenz. aus der hervorgeht daß die Ver— 
chwörer beabsichtigten, den Vizekönig bei seiner bebor— 
ichenden Antunften Kalfutta zu ermorden 
Die Eingeborenenunruhen in Süda'rika. 
PPO. London, 22. Nov. Die Unruhen unter den Einge— 
»erenen in Südafrika sind einer Meldung des Daily Telegraph 
ufolge Jtark in der Zunahme begrifsen. Fas überall,sitesten 
die Farbigen und besonders die Besißer der Zugerplautagen 
sind durch die ständigen Drohungen der streikenden Arbeiter, 
Fezter an die Plantagen zu legen. aufs höchste beunruhigt. Sie 
haben jetzt zu einem kostspieligen Bilfel gegriffen. um ihr 
Figentum zu schützen, indem sie mit Hilfe englischer Arbeiter 
ihre Pflanzungen mit einem Drahtgitter umgehen. das mit 
einerelektrischen Kraftstation in Verbindung steht. Auch in 
der Stadt Durban siebht man dem Lauf der Dinge mit großer 
Besergnis entgegen. Alle Weißen haben sich mit Waffen ver— 
sehen. da man schwere Irbereise der streikenden Eingebare⸗ 
nen erwartet, denen bereits die Rahrungsmittel ausgehen. Die 
Palizei hat umfassende Vorkehrungen getroffen, um etwaigen 
Ueberraschungen gegenüber gewappnet zu sein. Seitens der in— 
diichen Arbeiter wird stürmisch die Freilassung hres verhafte— 
ten Fübrers Ghandi verlangt. 
Kolowtzow über seine Reise. 
Retersburg. 22. Nov. Kokowzow hat seinen nschsten Mit— 
arbeitern, seine grohe Befriedjgung ausgesprochen üher die Er⸗ 
gebnisse seiner Besprechung mil den Bertretern' der Pariser Fi⸗ 
uanzixeise. Große Bedeutung segt Kokowtzom dem Berliner Be— 
ud bei. In der nächsten Woche wird er dem Zaren Bericht 
äber soeine Auslandsreise erstatten. 
Berlin, 22. Nov, In der hiesigen Diplomatie verlautet 
nach der militärischen Korrespondenz. daß der russische Premier⸗ 
mirister einen baldigen Besuch des Reichsskaänzlers in 
Betersburg angeregt' haben soll. Die Frage der Aus— 
führung eines derartigen Schrittes solf nach einer Mitteilung aus 
Bundesrolskreisen vorläufig dilgtorisch bdehaudelt werden. Zu 
erwarten stehe jedoch. daß die Aussprache des Kanzlers 
über unsers auswärfigen Beziehungen bei Ge— 
legenhein der ersten Etatslesung, wesentlich treundlicher als damals 
usfallen werde, als der Kanzler die befkonnte anlipanslawistische 
Rede im Frühiahr hielt. 
Sas mexikanische Chaos. 
PC. Nemvort, 22. Nop. In Mexito herrscht, einer Mel⸗ 
dung des Newyork Herald zuͤfolge, flebe hafte Auftegung. Die 
Amerikaner perlassen scharenweise die Städt und flüchten nach 
Vergcruz. Bisher sind Demonstrationen gegen die Fremden— 
oienie zwar unterblieben, doch erwartet man jeden Augenblick 
en Ausbruch schwerer Unruhen. Die freinden Diplomgten haben 
hrer Ansicht dahin Ausdruck gegeben, daß man in Anbetracht 
der Haltung des mexikanischen Kongresses, der vollkommen unteß 
Lintluß Huertas stehe und es nicht wage, dem Präsidenten zur 
Albantung, zu raten, mit einem sofortigen Eingreifen der Ver— 
ꝛinigten Staaten rechnen müsse. 
PC. London, 22. Noo. Drei amerikanische Schlachtschiffe 
egen nach einer, Meldung der Daily Mail aus Mexiko vor 
Tucran und sind bereit, ein Detachement Seesoldaten zum Schutze 
der englischen Petroleumguellen vor den mexikanischen Rebellen 
zu landen. Präsident Huerta hab den mexikanischen Truppen 
den Befehl zugehen lassen, einer Landung amerifanischer Truppen, 
gleichviel aus welchen Gründen sie erfolgen sollte, Widerstand 
zu leisten, In Mexiko selbst läuft das Gerücht, daß —R& 
wärtig Verhandlungen zwischen. Washington und Mexitoe ge— 
pssagen werden. Präsident Wisson soll dereit sein, die gegen— 
wärtige mexikanische Regierung anzuerkennen, da er ausführliche 
Informationen, über die fürchterlichen Ausschreitungen erhaälten 
yat, die von seiten der Rebellen verübt worden sind. 
Die mexikanischen Militärbehörden haben eine Zwangs⸗ 
anleihe von einer Million Mark bei ausländischen Geschäflsleuten 
erhoben. Die Stinmmung des Landes ist Präsident Huerla sehr 
günstig. Bei seiner, Fahrt zum Kongreß, sowie im Kongreß 
selbst wurden ihm stürmische Ovationen bereitet. 
U. London, 22. Nop. (Meldunged. Reuterschen Bureaus.) 
Wie aus, Miexiko gemeldet wird, erklärte der Präsident des 
gestern zusammengetretenen Kongresses, nachdem die Namen auf— 
gerufen worden waren, daß das Haus nicht beschlußfähig sei, 
trotzdem es deutlich war, daß genügend Mitglieder anwesend 
waren. Es wurde von niemandem Einspruch erhoben und der 
Kongreß wurde auf heute vertagt. Einige erblicken in der 
Vertagung die Absicht, dem Kongreß ein Ende zu machen, da 
nach dem Gesetz drei, aufeinander folgende Vertagungen, die 
wegen, Belchlußunfähigkeit des Hauses erfolgen, infoige Fehlens 
7* Mitglie dern, die Auflösunag der Kammer herbei 
uhren. 
Das Arteil im Ohmprozeß. 
W. Dorimund, 22. Novp. Im Ohmprozeß Miederdeutsche 
zZanh wurde heute mittag Iu⸗ꝛ Uhr nach 104 Verhandlungstagen 
das Urteil gesällt. Bankdirektor Ohm erhielt fieben Jahre 
sefängnis unter, Einschliehßung der bereits gegen ihn erkannten 
icht Monate Gefängnis und 3300 Mark Geidstrafe, zwei Jahre 
icht Mongte werden durch die Untersuchungshaft als verbübl 
zrachtet. Bücherrevisor Hartwig wurde zu drei Jahren Gefäüng— 
nis unter Anrechnung von einem Jahr neun Monaten Unter⸗ 
uchungshaft und zu 20000 NGeldstrafe verurteilt. Die übri— 
—J 
und 180- 13 000, M Geldstrafe. Drei Angeklagte erzielten Frei 
rcuns Die Begründung des Urteils nahm 3124 Stunden in 
nspruch. 
Verhaftungen in Zabern. 
W. Straßburg, 22. Nop. Von sonst gut unterrichteter 
Seite wird mitgeteilt, daß der Feldwebel uünd neun gandere 
Elsässer der fünften Kompagnie des InfanterieRegiments 
sr. 99 in Zabern unter dem Verdacht verhaftet worden sind, 
»aß sie Mifteilungen über die schwebende Angelegenheit nach 
rgend einer Seite weitergegeben haben. Oberst von Reuter 
hat bekanntlich das Hinauskragen der Sache in die Oeffent— 
—O 
Straßburg, 22. Nov. Vom hiesigen Generalkom- 
mando wird die Verhaftung des Feldwebels Baillet und 
der neun onderen Soldaten von der 5. Kompagnie des 99. 
Infanterieregiments in Zabern bestätigt. Die Untersuchung 
ist bereits im Gange. Es soll das Delikt des militärischen 
Komplotts in Frage kommen. 
Der Redakteur des Zaberner Anzeigers ist vor das Regi— 
nentskommando geladen; Les ist ihm nahegelegt worden, die 
Zaberner Angelegenheit in anderer Weise zu erörtern als 
zisher. Er hat es abgelehnt. 
Die Straudumg des „San Giorgio“. 
PC. Rem, 22. Nov. Die Ursahe sür die Strandung des 
Zreuzers „San Giorgio“, der sich auf der Fahrt von Reagio di 
falabria nach Messind befand, ist darin zu suchen, daß der 
dommandant des Schiffes gezwungen war, einem Dampfer aus⸗ 
uweichen, der, statt wie üblich, rechts, links passierte. Um einen 
zusanmenstoß zu vermeiden. muße er das Schiff mit Volldampf 
uf den Strand fahren lassen. Zur Stunde sieht es noch nicht 
est, ob der Kreuzer auf Sand oder auf Felsen aufgelaufen ist. 
Sollte das letztere der Fall sein, dann ist das Schiff unbedingt 
perloren, da es fast seiner ganzen Länge nach festsitzt. Die 
Taucherarbeiten haben in der Nacht bereits begonnen. 
W. Kasserlsche Mortune. Eingetroffen: „Tiger“ am 
21. Nov. in Swatau. — In See gegangen: „Zieten“ am 
21. Nov. von Wilhelmsbaven. 
Aus den Nachbargebieten. 
Schleswig⸗Holsftein. 
Oldesloe, 22. Nop. Eine Bauberatungsstelle 
jat der Magistrat hier errichtet; ihr Zweck ist, zur Pflege und 
Förderung der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bau— 
veise in allen technischen und künstlerischen Fragen, namentlich 
ves Kleinwohnungsbaues, Rat zu erteilen und Hilfe zu leisten. 
Grohherrogtümer Mecklenburg. 
»Rehna, 23. Nov. Schöffengericht. Zu drei 
Wochen Gefängnis wurde der Sch'ach'ergeselle Wilh. M. ver—⸗ 
rteilt, der in der Naht zum 2. Jan. auf dem. gm Neuen Stein⸗ 
deg gelegenen Grundück des Arbeisers Behrens durch Beilhiebe 
die Haustür und Nahmen, die Fen'terläden und Glasscheiben 
zertrümmert hatte. 
—Schönberg, 22. Non. Der Martini-Roggen— 
preis, nach dem die Haurwirle des Fürstentums ihren Grund— 
ins zu zahlen haben, ist am 10. Nov. in Lübeck für den 
oortigen Scheffel (62 Pfd) auf 3,95 Meäfestoesetzt. Die Haus— 
wirte der Vogtei Mannhadgen entrichten ihre Abgaben nach dem 
Möllner Marktpreis. Der dortige Scheffel (52 Pfd.) ist mit 
1,62 Muberahlt. — An der Abendmusik, die am Toten— 
'onntag vom Orgçanisten Budd'n hierselbst veranstaltet wird, 
»aben die Konzertsängerin Frl. Boldt-Lübed und das hiesige 
Streichguartett ihre Mitwirkung zugesagt. — Geschäfts- 
ibernahm'ie. Das Geschäft des verstorbenen Zimmermeisters 
Westphal hierselbst hat der bisherige Geschästsführer Otto aus 
Wismar käuflich übernommen 
Eine Ueberbrückung des Strelasundes. 
Die der pommerschen Küste vorgelagerte Insel Rügen hat 
zekanntlich bis jetzt mit dem Festlande eine Verbindung nur 
urch eine Dampffähre, die sich zwischen Stralsund und dem 
egenüberliegenden Ort Altefähr bewegt, bezw. durch einen 
Trajekt, Der den Eisenbahnverkehr der Linie Berlin—Stral—⸗ 
und — Stockholm vermittelt. Von Jahre 1915 ab wird nun 
der Inselcharakter Rügens in Fortfall kommen, da dann mit 
dem Bau einer Brücke begonnen werden soll, die über den 
Strelasfund hinweg das Eiland beständig mit der Küste in 
ester Verbindung erhalten wird. Dieses Bauwerk, das dem 
jesamten Verkehr für Fußgänger, Automobile und Eisenbahn 
ienen soll, wird die größte Brücke der Welt sein und die 
etzt noch bedeutendste Verkehrsverbindung gleicher Art, die 
zuangho⸗Brücke (3247 m) an Länge noch bedeutend übertreffen. 
Ansere Kartenstizzen zeigen die jetzige und die proiektierte Ver— 
bindung zwischen Rügen und Stralsund 
5 
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Sprechsaal. 
(Die unter dieser Rubrit abgedrudten Artikel sind völlig 
unabhängig vom Standpuntt der Redaältion.) 
Eingesandit.) 
Zu den Bürgerschaftsiwahlen. 
Der nationalliberale Obmann schreibt uns: 
Die Nationalliberalen sind immer die ersten ge 
vesen, die ein gutes Einvernehmen unter den bürgerlichen 
barteien gewünscht haben und haben sich deshalb auch von jeher 
chrlich von einer Einmischung in die Bürgerschaftswahlen fern— 
jehalten. Wäre dasselbe auch beim Freissinn der Fall ge— 
vesen, so wäre ein Eingreifen des nationalliberalen Obmanns 
nicht nötig gewesen. Wie liegen aber die Verhältnisse tatsächlich? 
Der Freisinn erklärt, wie immer, so sei es auch diesmal von 
ihm abgelehnt worden, sich in den Bürgerschaftswahlkampf ein⸗ 
zumischen. Als Partei hat er das vielleicht äußerlich ver« 
nieden. aber um so mehr hat er schon seit Jahren bestimmte 
ßruppen prolongiert, die ihm die Geschäfte machen und unter 
eren Mitwirlung der beste Teil des Lübeder Bürgertums aus— 
Jeschaltet und niedergestimmt wird, bewährte Buͤrgerschafts— 
nitglieder abgesägt und dem Lübedeer Bürgertum Kandidaten 
ils Bürgerschaftsmitglieder aufgedrängt werden, die unseren 
Rwährten, Männern gegenüber, unbeschriebene Blätter sind. 
ZDem Hambg. Fremdenbl. schreibt sein Lübeder Korrespondent: 
‚Unter, den 33 Gewählten sind 18 neue Leute. Da sich die 
Bbürgerschaftswahlen ohne Mitwirkung der politischen Parteien 
pollziehen, so läßt sich sicheres über den e Stand⸗ 
punkt der neuen Herren nicht sagen. Uns will aber scheinen, 
ils ob das Wahlergebnis fürden fortschrittlichen 
Liberglismus eigen Fortschritt bedeütet“ Man 
indet also hier den Erfolg aus dem eigenen Parteilager be— 
tätigt. Aber durch diese, schon seit Jahren vom Freisinn be— 
triebene Hintertürenpolitik bei den, Bürgerschaftswahlen, um 
in der, Bürgerschaft allmählich das Uebergewicht in der Man— 
datszahl zu gewinnen, ist eine Minß sst im mung und Unzu⸗— 
friedenheitinsgesamte Lübecker Bürgerstum hin— 
ingetragen worden, deren Nichtbeachtung geradezu unverantwort⸗ 
ich sein würde. Wie will man da, die Scheinheiligkeit in der 
zotenz, von, Versuchen anderer auf Zersplitterung unseres 
zürgertums, sprechen? Wer der Einigkeit des politischen Bürger— 
ums in unserer Vaterstadt den schwersten Schlag versetzt hat, 
zas ist nicht der nationasliberale Obmann, sondern diese vom 
Freisinn,begünstigte Cliguenwirtschaft, die, wie 
ie letzten Wahlen bewiesen haben, nicht mehr nach der Tüchtig⸗ 
eit der Kandidaten fragt, sondern die Wahl nur von der Zu⸗ 
gehörigkeit zu einem Verein abhängig macht, der zum politischen 
Vordrängen der Partei in der Buͤrgerschaft benutzt wird. Der 
Freisinn macht also seine politischen Geschäfte bei den Bürger— 
chaftswahlen, auf, Umwegen, und, benutzt dazu die anderen 
zürgerlichen Parteien, die bis jetzt ehrlich den Bürgerschafts— 
wahlen ferngeblieben find, noch als Schleppenträger, weil sie sich 
jeden Eingreifens in die Wahlen enthalten haben. 
Der Freisinn möge daher vor allem ein ehrliches Spiel 
treiben bei den Bürgerschaftswahlen, sich von diesem Cliquen— 
uinwesen frei machen und dem Unrecht entgegentreten, mit 
dem der für die Vertretung des Wohles unserer Vaterstadt 
besonders befähigte Teil unseres Bürgertums ausgeschaltet 
ind niedergestimmt wird, dann wird auch der Zeitpunkt wieder 
ommen. wo sich die Mißstimmung im Bürgertum legt und 
as erwünschte gute Einvernehmen auch unter den bürgerlichen 
Parfeien wieder hergestellt wird. 
Die Nationalliberalen aber müßten. angesichts solch' offen⸗ 
undiger Mißstände in unserem öffentlichen politischen Leben, 
hre ganze Stellung und Vergangenheit der Partei verkennen. 
venn sie sich nicht dazu veryflichtet fühlten, künftighin energisch 
zafür einzutreten, daß dieser jetzt in den Hintergrund ge— 
rängte. staatserhaltende Teil unseres Bürgersums wieder zu 
einem Rechte lommt. 
Statistix der Lehensmittelpreise in Lüheck. 
Nachden Ermitterungen des StatistischenAmte 
vom 21. und 22 November 1913 
Detailpreis — Detailpreis 
für 16fd. in Pfg. far 1 Ffd. in Pfig 
Beꝛeichnung der Ware — 35 4Fe Bezeichnung der ware R58 33 *5 
Brot. 38 38 3 Gemüse. 33 3378 
Schwarzbrot . ....... 1 13 10 Botkohl .... 1Kopt 15 20 715 
Fe'nhrot ...... ..... 17 19 16 31lumenkonl, 
demme' f. 10 Pt. ęr. 180 146 225 l. Qualitat. 40 65 30 
Flesseh. il. .15 30 30 20 
—X dosenkoni. 
von der Keule..... 110 140 100 l. Qualitat. I Pfd. 20 25 18 
vom Bauch ....... 90 90 78 it. 12 15 20 15 
Kalbfleisch v. d. Kaulse 120 140 1I11. Zrünkohl ... 1⸗ 8 10 8 
Karbonade 130 140 12 z3pinat ...... 1⸗ 20 20 29 
nuũuchternes 70 70 68 opfsalat... I Kopt 19 20 5 
Hammelfleisch Aohlrabi .... 1 Bund 10 15 10 
von der Keule..... 120 1720 110 2nhabarber ·. TI — — — 
von der Brust..... 100 110 100 ellerie ..... 1 Kopt 10 15 10 
e weinefleiseh ꝰorree...... IStck. 5 5 5 
v.d. KeusesSehinken) 99 100 858 zchwarzwurz. 1Pfd. 30 40 20 
Kotel tte......... 1I10 110 100 7wieben. 1Bund 5 58 
vom Batich ....... 90 90 80 ... PPfd. 100 5 
— 
Haelkfleisech 50 50 50 französische 10 2 50 50 40 
Fle sehwaren 1d2 600 700 580 
Leberwurst, 1. Sorte. 120 140 100 Magn. bon.. IO Ptd. 30 40 20 
J 2 Sorte. 100 20 90 1d72 400 500 400 
Mei twurst Zervelatw. 160 180 140 Fruũnhkartoff 10 Pfd. 40 50 40 
cewöhni.. 140 150 100 . 1042500 550 450 
perauen.. 140 160 1320 Moöhren ..... 1Bimd 5s 5 5 
dehweinslopf, 60 60 6 ... Pfro 5 10 3 
peck, gerüucherter, 100 115 900 arotten. ... lI Bund 5 10 5 
⁊chweineschmasz, hies. 00 110 80 .... IPid. — — — 
J (amerik. ꝛdote Beete.. 1Sch. 49 50 30 
Spezial“ la.) ..... 80 90 70 teckrtihen.. 18tck. 19 10 8 
Sü wassersiscehe. reltow. Rübhen l Pfd. O 30 15 
ʒehleie Portions⸗) .. 159 160 j14. 2odieschen. IBund5 8 5 
eErqßere) ... 140 150 130 ꝛettieh .... IStick. 5 5 5 
Karpfen (IGBere) .. 110 110 110 ⁊2rbsen(Schot.), 
cxleinere) ..* 1I0 100 qQuasität Pfd. — — — 
dJal (größere) .. ... 130 110 5 15 — — — 
cnmittlere. ...... 1000 100 839 Ir Bonnen. 11 — — — 
Hechte (röbere) ... 80 85 65 3rechhohnen 14 — — — 
cmittlere) ... 80 90 80 dJalhreif. Bohn. a5. 35 30 
Barsche ............ 70 80 60 —R 
Brachsen (grôtere). 70 70 70 5e 
ccleinere). 50 60 50 sommer-...1 — — — 
Mand.............. 70 70 70 Tafel- ...1* 30 60 85 
—V il..15 25 50 20 
Seefisehe Wirtschafts- 17 20 39 10 
Dorsche (lebende) .. 40 4 40 auslandische 1 40 590 30 
»tfrische). ... 30 4) 30 irnen, 
Butt (grobere) ..... 485 30 rilh· .....1 — 2 7— 
(cleinere) ..... 30 525 20 —A— 40 50 25 
Steinhutt (lebende) . 100 100 90 —E— — 2W 25 15 
Heringe (orũne) Stek. saumen, 
für 10 Pfg........ 32 wetschen .8 — — — 
Butter und Eier. rũh· ¶Mad.) * — — — 
ßbutter (Meiereib.). 150 155 145 irschen. 
(Landhutter) ......130 140 12. nies. Wein⸗ — — — 
Eier (frische Land-) uswärtige] 2— 
Sick. 12 13 1* eintraiuben 0 60 45 
sruss. soꝑ. Kisten. rdheeren... — * — 
eier ....... Stek. 10 11 814 tachelheeren — — — 
Gemüse. Detailpr. In Pfe hannisbeer. ! — — — 
Tomaten ... EPfd. 30 50 2 uimheeren .. 12 — — — 
Jurken ..... IStck. 602 JeidelBick·) 
sparge, beeren .... — — — 
I. Qualitat IPfd. — — — rreisel(Ktons-) 
1 — — — heeren ..... 1 — — — 
li. 1 — — — liederbeeren 1⸗ 20 13 
Veißkanl, chlehe ..... 18 10 10 109 
sriühkohl.. 1 Kopt 10 10 10 Wfelsinen .. 1Dt-. 120 120 120 
5pätkohl... I10 15 5 32a4n1nanen. .. 1Pid. 40 45 30 
Virsmg. 
Frütkon ..1 10 10— 
Spätkohl.. 1 10 15 10
	        
Waiting...

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