Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe A. 
Die Lebegräfin vor Gericht. 
II. 
v btgnPthee e ehe 
ie heutige Verhandlung begann mit der Vernehmung 
— — der Heiratsvermittler sei. Regierungsbaumeister 
dinkenbach und mehrere andere Persönlichkeiten hatten sig um 
Berschaffung, einer Frau an ihn gewandt. Er, habe sich deshalb 
nit der Gräfin Treuberg in Verbindung gesetzt. Die Gräfin 
habe ihm gesagt, daß sie in Frankfurt g, M. vier, Heipats- 
sandidatinnen hafte, die sämtlich mehrere Millkonen Mar! Mit⸗ 
zift erhalten. An Einzelheiten konne er sich nicht mehr er⸗ 
nnern, da er jetzt nicht mehr Heiratsvermittler sei. Auf Be⸗ 
ragen der Angetlagten gibt her Jeuge die Möglichkeit zu. daß 
r bei ihr die Briefe der Vrinzessin VYsenburg gelesen und sich 
ie Namen der SHeiratskandidatinnen abgeschrieben habe. Er 
gebe zu, so bekundet der Zeuge auf Befragen weiter, daß er der 
Angeklagten 150 Mzur, RKeise nach Frankfurt g. M. gegeben 
abe., Regierungsbaumeister Linfenbach habe sich später bef 
hm, beklagt, daß. ihm eine Seiratskandidatin nicht vorgestellt 
vorden sei. Rechtsanwalt Bahn beantragt wiederholt, die 
brinzessin Ysenburg zu laden epentuell die Vorführung zu be— 
chließen. Der Staatsanwalt wird die Prinzessin Ysenburg noch 
inmal telegraphisch laden. Verteidiger Rechtsanwalt Bahn: 
herx Katz, Sie sagten, die Herren, die sich an Sie um Be— 
chaffung einer Frau wandten, haben, eine Frau überhaupt 
uicht gesehen, dann haben Sie doch wohl die Spesen den Hexren 
urückgezahlt. Zeuge: Spesen sind nicht rückzahlbar. Ver— 
eidiger; Welche Schritte haben Sie getan, um den Bewerbern 
eine Frau zu verschaffen? Zeuge: Das weiß ich w mehr. 
Kerteidiger; Sie können doch nicht bloß die Spesen ein⸗ 
treichen. ohne etwas dafür zu tun. Die Leute wollen doch, 
venn sie zu einem Heiratsvermittler Ammen und Spesen be— 
zahlen, eine Frau sehen. (Heiterkeit. Zeuge: In diesen 
peziellen Jällen habe ich mich an die Gräfin Treuberg ge— 
vandt. Verteidiger: Die Angeklagte ist allerdings nur des⸗ 
jalb nach oaeth a. M. gefahren. — Museumsddirekt or 
termann⸗Darmstadt hat sich ebenfalls infolge einer Zeitungs— 
Annonce an Katz gewandt. Dieser habe ihn, so bekundet 
der Zeuge, an die Angeklagte empfohlen. Er habe 250 M 
uind qußerdem 500 Mugezahlt und sei mit der Angeklagten 
nach Frankfurt g. M. allein gefahren. Die Angeklagte habe 
hn der Prinzessin Vsenburg vorgestellt. Leztere habe ihm vier 
heiratskandidatinnen empfohlen. die sämtlich mehrere Millionen 
Mark, besitzen sohhten, und unter diesen Kandidatinnen sollte 
ich eine Jüdin umnd eine Spanierin befinden. Die Sache sei 
hm aber dergartig unsympathisch gewesen, daß er auf die Vor— 
telhung der Heirotskandidatinnen verzichtet habe. — Darauf 
Jelangt, ein Erpressungsfall zur Erörterung den die Angeklagte 
jegen den Oberlt. Riedel verübt haben soll. Oberltt Riedei 
otte die Angeklagte in der Nollendorfbar kennen gelernt, — 
die Angelogte beantragt. während der Verhandsung dieses 
valles die Oeffentlichkeit auszuschlietzen. Der Staatsanwalt 
chließt sich diesem Antrage an. Die Deffentlichkeit wird Wiee 
ich gusgeschlossen, doch wird den Vertretern der Presse gestattet, 
n SEgal zu verbleiben. — Die VAngetlagte destreiten sich der 
krpressung schuldig gemacht F haben. Sie habe mit dem 
ZRberlt. Riedel Jängere Zeit intim verkehrt. Schließzlich habe 
ich Oberlt. Riedel mit einer anderen Dame verlobt und er 
ollte der Angeklagten deshalb eine Abfindungsfumme zahlen. 
Die Einzelheiten dieses Fafles werden aus Schiclichkeiisgründen 
in der Berichterstattung nicht wiedergegeben. Es sei nur be⸗ 
nerkt, daß die Angeklagte fselbst von verheiratelen Frauen ge— 
chriebene Liebesbriefe im Bett und im Schrank Riedels ge— 
unden habe. Riedel habe zweimal, und zwar einmal in seiner 
Wohnung und das zweitemnal im Walde. auf, die Angeklagte 
Jeschossen. Die Angeklagte habe Oberlt. Riedel sehr viel Geld 
zegeben sie habe ihn lange Zeit fast vollständig unterhalten 
ind trotzdem hat er unaufhörssch mit anderen Frauen verkehrt. 
Die Angeklagte bricht hierbei in Tränen Staatsanwalt: 
ngekllagte, ist Oberlt. Riedel derselbe Liebhaber, der auf der 
ettvorlage geschlafen hat? Angeklagte: Mir ist davon nichts 
kannt. Staatsonwalt: Einer ihrer Liebhaber soll vor dem 
ett geschlafen und wie ein Hund gehellt haben. Angeklagte: 
as verstehe ich nicht. Stagtsanwalt: Der betreffende Lieb— 
aber soli gewissermaken den Sklaven markiert und gleich einem 
— — 
Welt und Wissen. 
Das beste Licht für die Augen. 
Interessante neue Experimente über die Art und Stärke des 
Lichtes, die dem Auge am zuträglichsten ist, hat der amerika— 
nische Professor C. E. Ferree angestellt und seine Resultate auf 
dem internationalen Kongreß für Schulhygiene in Buffalo 
dekannt gegeben. Für ein kurzes scharfes Hinsehen, bei dem 
leine Einzelheiten erkannt werden sollen, ist sehr helles Licht 
notwendig; doch verursacht dieses leicht Ermüdung. Wenn man 
»ie Augen lange Zeit zu gebrauchen wünscht, so sollte die 
velligkeit schwach sein, viel schwächer, als man gewöhnlich für 
erforderlich zu einer guten Beleuchtung hält. Die Versuche von 
Prof. Ferree gingen darauf hinaus, die Wirkungen des Tages— 
lichtes und dreier künstlicher Licht-Einrichtungen, die er als 
ireltes, indirektes und halbindirektes Licht klassifiziert, mitein⸗ 
mnder zu vergleichen. Diese vier Formen der Beleuchtung 
wurden zunächst in der gleichen Lichtstärke beobachtet. Dabei 
ergab sich, daß am Ende einer Dauer von drei Stunden, wäh— 
rend deren das Auge unter diesen besonderen Lichtbedinaungen 
zum Lesen verwendet wurde, die Sehfähigkeit in dem Falle des 
Tageslichtes und des indirekten Lichtes nur wenig beeintrachtict 
war, wãhrend bei den beiden anderen künstlichen Beleuchtungz 
formen eine starke Ermüdung und Abnahme der Scpat 
konstatiert wurde. In seiner zweiten Gruppe von Beo vach⸗ 
ungen wurde die Lichtstärke bei jeden der verschiedenen 
Systeme in verschiedenen Graden angewendet. Auch hier waren 
die Resultate bei Tageslicht am günstigsten und bei indirektem 
Licht fast ebenso günstig. Bei dem sogen. halbindirekten Licht 
ergab sich, daß die Sehstärke sich nur bei einer sehr geringen 
Reihe von Intensitätsstufen gleich stark erhält; bei —X 
hwächerer Beleuchtung tritt die Abnahme der Sehstärke nach 
Ablauf der drei Stunden sehr deutlich hervor. Verwend te man 
die direkte Lichtform, so wurde ihre Wirkung bei allen Hel⸗ 
igkeitsgraden als gering festgestellt, obwohl auch hier ein 
Maximum bei einer ganz bestimmten Stärke der Belichtung 
gefunden wurde. Die günstigiten Helligkeitsgrade, die für die 
Sehstärke des Auges die besten Resultate ergaben und beim 
Lesen am vorteilhaftesten wirkten, lagen weit unter der Licht 
tärke, bei der die Schärfe des Sehens am größten ist und sind 
Neringer, als man im allgemeinen zu jeder Arbeit, bei der die 
Augen auf einen nahen Gedenstand gerichte? sind, bizher für 
rforderlich gehalten hat. Nach der Ansicht des Gelehrten ist 
her bei der Wahl des besten Lichtes für die Augen weniger 
ie grode Helligkeit a's die günstige Form der Belichtung, wie 
ie sich im indirekten Licht darbietet, zu beobachten. Die 
esultate der Unter'uchungen Prof. Ferrees wurden in ihrer 
Wichtigkeit auf dem Kongteß für Schulhygiene anerkannt. und 
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Abend⸗Blatt Nr. 592. 
Fdonnabend, den 22. November 1913. 
Runte geschlafen und gebellt haben. „Angerlagte, A8Bit ir 
avon nichts bekannt. — Zu Oberlt. Riedel, der hierauf als 
euge vernommen wird, bemerkt der Vorsitzende, daß er das 
decht habe, das Zeugnis zu verweigern, wenn er befürchtet, 
urch eine Aussage sich selbst zu belgsten. Der Jeuge be⸗ 
undet, daß er lange Zeit mit der Angeklagten ein intimes 
iebesverhaͤltnis unterhalten habe. Er, habe sich schließzlich 
nit, eitner jungen Dame verloht. Die Angeklagte drohte ihm 
eshalb, ihn beim Regiment und bei seiner Mutter anzuzeigen, 
henn er ihr nicht 20000. Mzahle, d. h, sich notariell ver 
flichte. die 20 000 Munach seiner Verheiratung zu zahlen. Er 
abe sich schließlich dazu bereit erklärt, zumal die Augeklagte 
ie Forderung auf 15000 Mäermäßigt habe. Auf Befragen 
es Verteidigers Rechtsanwalt Bahn bemerkt der Zeuge, er 
abe allerdings von der Angeklagten Geld erhalten, es sei 
»m aber ungemein peinlich gewesen, aus ihrer Tasche zu 
en, deshalb habe er das Verhälinis abgebrochen. Er, habe 
. aber nicht léediglich von der AÄngeklagten unterhalten lafsen. 
lußer seinem Gehalt erhielt er vomn Hause etwa 5000 M 
nd hat auch mehrere Tausend Mark Darlehen von Freunden 
rholten. Rechtsanwalt, Bahn: Weshalb fühlten Sie sich 
eranlazt der Angeklagten 15 000 Munotariell zu versprechen, 
umal die Angeklagte damals nicht verheiratet war und Sie 
ichts zu befürchten hatten? Der Umstand, daß Sie wit einer 
ame ein intimes Verhältnis unterhielten, konnte Sie doch 
icht schädigen. Zeuge; Ich befürchtete die Anzeige beim 
egiment. Rechtsquwalt Bahn: Sollten Sie nicht befürchtet 
aben, es könnte Ihnen etwas passteren, da Sie sich von der 
ngeklagten unterhalten ließen und auch wußten, daß das 
eld vron anderen Liebhabern war? Zeuge: Daß das Geld 
»n anderen Liebhabern gewesen ist, wußte ich nicht. Ich 
zbe in der Hauptsache mich zu dem notariellen Verfrag ent— 
ylassen, da mir die Angeklagte eine große Anzahl Briefe ge— 
hlen hatte. Verteidiger: Die Briefe hat die Angeklagte 
cht gestohlen. sondern aus Eifersucht Ihnen weggenommen, da 
ie mit anderen Frauen verkehrten. Zeuge: Ich habe den 
otarielien Vertrag hauptsächlich unter einem gewisfen Drud 
etan. Ich habe auch die Liebesbriefe an die Ängeklagte 
ater einem „gewissen Druck geschrieben. Verteidiger: Der 
uahalt der Briefe läßt darauf nicht schließen. Ich werde die 
riefe vorlegen. Rechtsanwalt Bahn hält darauf dem Zeugen 
berlt. Riedel eine Aufstellung vor wonagch die Angeklagte für 
n im Laufe, der Zeit über 3000 Meausgegeben habe, Ber 
euge bestreitet die Richtigkeit dieser Liste. Sopviel sei es 
dendalls nicht gewesen. Der Zeuge gibt jedoch zu, daß er 
it der Angeklagten, beim Rennen in Baden-Baden gewesen 
i und daß die Angeklagte alle Ankosten bestritten habe. 
)araus überreichte der Verteidiger dem Gerichtshof eine An— 
ihl Briefe. die der Zeuge an die Angeklagte aus Koblenz ge—⸗ 
rieben hat, wo er in Garnison stand. Der Zeuge 
ar damals aktiver Offizier. Die Briefbogen sind zu meist 
it. dem Bildnis des Kaisers geziert. In den Briefen heißt 
u. .: „Ich kann ohne dich nicht leben. Wenn du die 
erbindung aufhebst, dann muß ich meinem Leben ein Ende 
achen.“ Der Zeuge hemerkt, er habe allerdings die Briefe 
eschrieben, jedoch zu einer Zeit. als er sich mit der Ange- 
aglen git, vertragen habe. Vorsender: Ver u 
irdbelchließen, ob die Briefe zu verlesen sind. Hierauf irit 
ie Mittagspause ein. J 
In der Nachmittagssitzung wird die Vernehmung oes 2ber⸗ 
utnants Riedel fortgeseßt. Wegen der Briefe Niebelsa 
ie Angeklagte kommt es zwischen dem Verteidiger und den 
eugen einer Kontroverse. Als der Zeuge erklärt, dak 
an in Briefen vielfach das Gegenteil von dem schreibe, was 
nan denke, repliziert Rechtsanwalt Bahn: Ich bin der An 
cht. daß ein Offizier stets die Wahrheit sagt. Ich frage Sie, 
err Zeuge, geschehen Ihre Aussagen hier unter einem Drud, 
der sagen Sie die Wahrheit⸗ 
Irnde: Ich stehe hier unter meinem Eide, Herr Rechts⸗ 
nwalt!“ 
Dex Verteidiger stellt sodann an den Zeugen die Frage, ob 
eine Versetzung nach Koblenz erfolgt. sei, weil er zu einer 
erheirateten Frau in Beziehungen gestanden habe, vder oib 
eine Versetzung beantragt habe, weil er befürchtete, ihm 
önnten aus seinem Verkehr mit der Angeklagten Unannehmüch 
eiten entstehen. Der Zeuge hätte doch bon der Ängetlagte, 
— 2— 
Anterstützungen erhalten uno zwar von dem Gelde, das die 
zräfin von ihren Liebhabern empfangen hatte. Der Zeuge 
estreitet entschieden, gewußt zu haben, daß die Herren Lieb⸗ 
aber der Gräfin gewesen seien, er habe vielmehr angenonimen, 
ie habe mit den Leuten geschäftlich zu tun gehabt. 
Des weiteren kommen das Zusammenleben und die Streitig— 
eiten zwischen dem Zeugen und der Angeklagten zur Sprache. 
u diesem Punkt wird noch das frühere Dienstmädchen der 
zräfin vernommen, die bekundet, daß die gemeinsame Woh— 
ung auf den Namen des Oberlts. Riedel ging, daß die An— 
eklagte aber noch zwei weitere Wohnungen, und zwar in der 
kanthenerstraßze und, in der Hollmannstraße innehatte. Riedel 
ind die Gräfin hätten wie ein Ehepaar zusammen gelebt; sie 
„ätten sich häufig geschlagen. Ob die Angeklagte Riedel be— 
roht habe, wisse sie nicht. 
Angeklagte: Herr Riedel, Sie wissen doch, daß ich alle 
Ihre Anzüge und in den Restaurants für Sie bezahlt habe und 
aß Sie noch heute eine Anzahl Möbel von mir besitzen. 
Der Zeuge erwidert darauf, daß dies nicht der Fall sei. 
kr habe sediglich noch einen Kluübsessel der Angeklagten. Auch 
iesen hätte er ihr wieder zugestellt, wenn er gewußt hätte, 
»ohin er ihn hätte schaffen sollen. 
Darauf wurde Graf Günther von Königsmarck als Zeuge 
ufgerufen, seine Vereidigung aber auf Antrag des Staats- 
nwalts ausgesetzt. Der Zeuge gibt an, daß die Angeklagte 
uit Riedel lange, zusammengelebt habe. Riedel habe der 
zräfin eine notarielle Urkunde über 15000 Mugegeben. Der 
zeuge bestreitet jedoch, daß er im Auftrage der Angeklagten 
diedel gegenüber eine Drohung habe fallen lassen. Das Ge— 
icht beschließt darauf, den Zeugen zu vereidigen. 
Nachdem die Oeffentlichkeit wieder hergestellt worden ist, 
ommt der Fall Kirchhoff zur Verhandlung. Kirchhoff, ein 
ioch junger Herr, der einen Steinbruch und ein Vermögen 
on 280 800 Ni vbesiht, hat die Angetiaate durch Vermittlung 
einer Geliebten, der Büfettdame Just, im Café Excelsior kennen 
—DV0 
lagte habe ihm 1000 Mugegen 2 Wechsel von je 6650 M 
jegeben. Außerdem habe die Angeklagte von seiner Geliebten 
O 0 Provision verlangt. 
Frl. Just, die gleichfalls als Zeugin vernommen wird und 
etzt Büfettdame in der Moulin Rouge-Bar ist, und die Putz-— 
racherin Paula Cahn machen einige für den Verlauf des 
ßrozesses unwesentliche Aussagen. Darauf wird die Verhand—⸗ 
ung auf Sonnabend vormittag vertagt. 
Aus den Nachbargebieten. 
Grokßherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lubed. 
Eutin, 22. Non. Von unserer Garnison. Don— 
erstag war Generalleutnant vom 9. Armeekorps, 17. Dipision, 
on Winterfeld, Exz. von Schwerin kommend, hier anwesend, 
mm unsere Garnison einer Inspektion zu unterr'iehen. Auf dem 
zolksfestplatze nahm der Generalleutnant den Parademarsch der 
Sztammannschaften ab. * 
Dorf Gleschendor!, 22. Nov. Besitzve rän de⸗ 
ung. Die Erben des Hofbesitzers Frank verkauften den 
101 To. umfassenden Hofbesitz mit totem und lebendem Inven— 
ar und neuen massiven Gebäuden an Hofbesitzer Heiken, 
Wõobs bei Gremsmühlen, zum J1. Febr. 1914. Der Kaufpreis 
st unbekannt. 
J Grosherzoatüũmer Medlenburga. 
Stargard, 21. Noo. Ein Großfeuer vernichtete 
Mittwoch abend die Scheune des Burgpächters und die Scheune 
»es Gestüts. Es ist viel Vieh mit umgekommen. Es wird 
Brandstiftung angenommen. 
Grabow, 21. Nop. Brandstiftung. Nachts nach 
1 Uhr brannte die Scheune des Pferdeschlachiers Ellert nieder, 
ie aus Lehmfachwerk hestand. Rußer Seu und Stroh ver⸗ 
rannten eine gröhere Menge Holz und vier Wagen. davon 
iner von „dem Schlachtermeister Muͤller. Man vermutet 
BRrandstiftung 
nan betonte, daß noch eine g õhere Anzahl von Beobachtungen 
ngestellt werden müßte, um die güũnstigften Lichtbedingungen 
ür die verschiedenen Arten der Arbeit, nicht nur in Schulen, 
ondern auch in Kontors und Fabriken, festzustellen. K. C. 
⸗ — 
obte 
Die Rehabilitierung des Blinddarms. 
In der letzten Sitzung der Pariser Akademie erstattete Ed⸗ 
rond Perrier im Auftrage des Dr. R. Robinson Bericht über 
ine Feststellung, die im Lager der zu Blinddarm⸗Operationen 
neigten Chirurgen nicht ohne Widerspruch und jedenfalls ohne 
ꝛsondere Freude entgegengenommen werden wird. Die Entfer- 
ing des Blinddarms ist in den letzten Jahren faft zu einer 
dodeoperation geworden, wobei man sich auf die Annahme stutzte, 
ubß der Blinddarm ein verkümmertes Organ sei, der seine 
gentliche Funktion im menschlichen Organismus verloren habe 
ad somit im Grunde überflüfßig sei. Die Untersuchungen 
nd Experimente, die Dr. Robinson in langwieriger Arbeit in 
inem Laboratorium vorgenommen hat, scheinen bestimmt, diese 
inschauung zu widerlegen und als einen Irrtum der modernen 
eittunde zu enthüllen. Die Ergebnisse der von dem Gelehrten 
otgenommenen Versuche erbringen jedenfalls den Nachweis, 
aß dem Blinddarm im Gegensatz zu den bisher von der 
hirurgie vertretenen Anschauungen eine wichtige und bedeutungs- 
olle Funktion im menschlichen Körper zukommt. Dr. Robinfon 
at arus operativ entfernten Blinddarmen ein Sekret gewonnen, 
er, um den vor einigen Jahren von den englischen Phyfio⸗ 
gen Starling und Bayliß geprägten Fachausdrud zu benutzen, 
m Hormon. Unter Hormon versteht man die von einem Organ 
gesonderte Substanz, die geeignet ist, die Funktion der 
rgane anzuregen. Das Hormon des menschlichen Blinddarmes, 
essen Wesen der Gegenstand von Dr. Robinsons Untersuchungen 
ildete. wurde von den Forschern in Laboratorien Verfuchs— 
eren zugeführt, und die Beobachtung ergab, daß das Sekret 
es Blinddarmes gesteigerte Muskelbewegungen des Großdarmes 
ervorrust. Die Injektivn von einem halben Kubikzentimeter 
linddarmsekretes rief bei den Tieren eine völlige Darment⸗ 
ꝛerung hervor. Diese Feststellung ist von hohem praktischem 
nteresse. Man weiß, daß Blinddarmkranke oft unter langen 
törungen der Darmtätigkeit zu ieiden haben. Die Entfer— 
ung des Blinddarms beraubt die Verdauungsorgane eines Saf⸗ 
s, der ihre Funktionen steigert, mit anderen Worten: die 
gende von der Ueberflüssigkeit des Blinddarms ist erschüttert. 
ie Folgerungen des französischen Gelehrten gipfeln auch in 
er Feststeillung: „Man soll es mit allen Kräften vermeiden, 
en Blinddarm zu entfernen oder zu beschnelden. Der Blind— 
arm. den man bisher als funktionslos ansah, ist ganz im 
ßegenteil ein Organ, das im menschlichen Organismus eine 
ichtige Rolle zu verlehen bat“ 
Ueber die ärztliche Kunst im alten China. 
Dr. Paul Diepgen läßt demnächst bei Göschen eine „Geschichte 
»er Medizin“ erscheinen. Wie wir der Nerztlichen Nundfschau ent⸗ 
iehmen, schildert er darin auch die ärztliche Kunst im alten 
china. Danach gilt der halbmythische Kaiser Shinong, dessen 
legierungszeit man zwischen 2838 und 2699 v. Chr. setzt, als 
gegründer der medizinischen Literatur; jede Weiterentwicklung 
ind Fortbildung dieser alten Schriften wurde dadurch verhin— 
ert, daß der vom Althergebrachten abweichende Arzt die 
reugste Strafe, ja sogar den Tod zu gewärtigen hatte, wenn 
ine Behandlung unglücklich verlief. Da nach dem Glauben 
er Chinesen es für jeden Verstorbenen das Entfetzlichste ist, 
nit einem verstümmelten Körper das Totenreich zu betreten, 
o waren auch Sektionen nur sehr selten, höchstens an Verbrecher⸗ 
ichen möglich. Die chinesische Medizin hat daher von ben 
inzelnen Organen höchst merkwürdige Vorstellungen. Wie in 
em ganzen Weltbild der Himmelssöhne die Fünfzahl vorherrscht. 
o untericheidet man auch fünf Hauptorgane: Herz, Lunge, 
diere, Leber und Milz, zu denen fünf andere Organe: Dünn— 
ind Dickdarm. Harnleiter, Gallenblase und Magen in dem 
zerhältnis von Gehilfen stehen. Die fünf Hauptorgane stehen 
u dem ganzen Weltall in einer mrstischen Beziehung der Har— 
aonie oder, wenn sie erkrankt sind, der Disharmonie. Jedes 
»er fünf Elemente herrscht in einem dieser Hauptorgane vor, 
. B. im Herzen das Feuer, in der Niere das Wasser usw. Und 
edes Hauptorgan hat wieder einen bestimmten Zusammenhang 
nit jedem der fünf Planeten, der fünf Geschmadsarten, mit 
eder der fünf Jahres⸗ und Tageszertten, der funf Farben usw. 
Diele phantastische Gemeinschaft findet ihre Verwertung in 
er chinesijchen Diagnose, z. B. in der Beobachtung der Zunge. 
da schließt der Arzt etwa folgendermahen: Geht die dem 
herzen entsvrechende rote Farbe der Zunge in die schwarze, 
jarbe der Niere uber, so ist dies ein Beweis dafür, dah der 
jeind des Herzens (des Feuers), die Niere (das Wasser), den 
dieg errungen hat und der Tod bevorsteht. Jedes Organ 
erhält sich zu einem andern wie zu feiner Mutter, zu seinem 
*ohne, zu seinem Freunde oder Feinde, und die Fimktion der 
dauptorgane wird bedingt durch ein ganz fabethaftes, aus drei 
keilen bestehendes Organ, San⸗tfiao genanmt, das fich von 
er Herzaegend bis einen Zoll unter dem Nabel erftrecken solf. 
cine krankhafte Veränderung der Organe erkennt der chinesiche 
Arzt außer an der Beobachtung des Gefichts, der Zunge, der 
aare ujw. vor allen au der Prufung des VPulsses, die umendlich 
ompliziert ijt. m.
	        
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