Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausqabe 4. 
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die Lebegräfin vor Gericht. 
II. 
DT. Berlin, 20. Nov. 
Die heutige Verhandlung gegen die Gräfin von Treubers 
hbeginnt mit der Vernehmung einer Telephonistin. Als die 
Angeklagte ein Gespräch von Berlin nach Frankfurt hatte, soll 
ie der Telephonistin , Sie freches Frguenzimmer“, zugerufen 
haben. Die Angeklagte giht zu daß sie dvamals sehr, erregt 
gewesen qzh weil fie den dreifachen Betrag zahlen sollte, da 
fie zwei Minuten über die Zeit gesprochen haite. Es sei auch 
möglich, daß fie diese Worte, in den Fernsprecher hineingerufen 
hatte, sie bestreitet aber mit den Worten, die, Telephonistin 
zemeint zu haben. Die Telephonistin bekundet, ste hatte keinen 
Zweifel. dah diefe Beleidigung ihr gegolten habe, — Als, 
dann werden der Angeklagten eine Reihe von Protestwechsel 
porgehalten. Der Regisanwalt Bahn bemerkt, er werde den 
ahweis führen daß die Wegset vollständig mit Ünrect 
protestiert wurden,. da die Angeklagte zumeist die Wechsel be— 
ahlt hat. Ferner wird der Angeklagten vorgehalten, daß 
ie im Sahre 1809 den Offenbarungsesd geleistet habe. — 
Es erscheint darauf ein Fräusein Kiehßlef als Zeugin, die be— 
undet, sie war Verkäuferin in dem, Hutverkaufsmagazin von 
Balle in der Leipziger Stratze. Eines Tages erschien die 
Angeklagte im Magazin in hocheleganter Toilette. mit vielen 
Brillanten geschmüdt. und stelite sich als Fräfin von Treuberg 
dor. Sie suchte sich einen Hut für 180 Maus mit der Bitte. 
zen Hut nach ihrer Wohnung. Lützowstraße, zu schicken. Die 
Zeugin erinnert sich jedoch nicht mehr, ob die Aelogie die 
uittierte Rechnung verlangt hat; iedenfalls 6 der Hut 
ucht bezahlt worden. — In dem Verzeichnis des ffenharungs⸗ 
eides hat die Angeklagte eine hohe Forderung angegeben, die 
sie von der Prinzessin Luise pon Belgien noch bekommen 
zabe. Die Angeklagte bemerkt, 8 noch heute der Ueber⸗ 
zeugung. daß die Prinzessin den Wechselbetrag, den sie für 
Vermittelung zu erhalten habe, bezahlen werde. — Der 
Stagtsanwalt teilt mit, es sei ihm heute geschrieben worden, 
die Angeklagte habe einem Manne namens Birnbaum, der ihr 
einen Wecsel über entliehene Möbel präsentierte, gesagt, sie 
bezahle überhaupt nicht, er soll mit dem Wechsel machen. was 
er wolle. — Es erscheint alsdann als Zeuge ein Landwirt 
Fritz Lüdke, der bekundet, er sei Einjährig-Freiwilliger beim 
Garde⸗Husaren⸗Regiment in Poisdam gewesen. Er habe von 
seinem Vater einen Mongatswechsei von 1000 Neerhalten, hatte 
aber hei einem Kameraden eine Schuld von 750 M, die er 
gern bezahlen wollte. Außerdem wolite er mehr Geld baben 
Im seinen Kameraden nicht nachzußehen. Auf eine Zeitungs⸗ 
Annonce wandte er sich an einen Geldverleiher namens Fuds. 
Dieser führte ihn zur Ängeklagten. Diese sagte ihm, sie konne 
hmm nicht bares Geld, wohl aber Brillanten geben, Er mußte 
einen Wechsel über 4000 Mu unterschreiben, das Tienssmädchen 
der Angeklagten ging mit den Brillanten zum Pfandleiher 
und kam mit, 800 Mazurüdk:. Von diesen 800 Mudbrachte die 
Angel agte sofort 400 Mefür ihre Bemuhungen in Abzug und 
er, hahe auf diese Weise nur 400 Maerhaften. Vorsiender: 
Die Angeklagte behauptet. diese 400 Miuhabe sie sich abge⸗ 
zogen für, hiebevolle Dienste. Haben Sie mit der Angeklagten 
intim verkehrt? Zeuge w5 längerem Zögern): Es ist nicht 
unmnhalich, daß ich eines Ahends infolge starker Einwirkung des 
Aikohols bei der Angeklagten gewesen bin. Angeklagfe: Sie 
zrinnenn sich, Sexr Zeuge, daß Sie einmal, die gamze, Nacht 
bei mir waren. Der Zeuge zögert mit einer Aniwort. Er wird 
vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß er berechtigt 
sei, die Antwort zu verweigern, da die Angeklagte verheiralel 
sei. Zeuge; Ich habe keine Veranlgssung, die Antwort n ver⸗ 
weigern. Ich erinnere mich nicht, Ich gebe aber die Moͤglich 
leit zu; ich habe eines Abends sehr viei getrunken. Auf Be— 
fragen des Beisitzenden Landrichter Dr. Kriener bemerkt der 
Zeuge, die Angelegenheit sei 1900 gewesen, zu welcher Zeit er 
19 Jahre alt, war. Die MAngeklagte habe bestimmt gewußt, 
wie alt er sei. Er habe damals den ersten Wechsel unter⸗ 
8 und habe von Wechselverpflichtungen keinerlei Kenntnis 
zehabt. 
Auf Befragen des Vorsitzenden bemerkt die Angeklagte, 
ie habe in Berlin in der Johannisthaler Straße und oater 
n der Beethoven⸗Straße gewohnt und fuͤr die letzte Wohnung 
über 2000 M Miete b Ihre Einnahmen erhielt sie von 
Freunden, außerdem habe sie Geldgeschäfte gemacht. Sie habe 
mit den Geldverleihern Pariser und Thomarus in Verbindung 
jestanden und betrieb auhßerdem Zuwelenverkäufe. Dadon habeẽ 
——— bezogen Einige Unterstützung habe sie auch 
vn ihrem Mann, dem Grafen Treubero, erhalten. Die Auge⸗ 
lagte, giht zu. des öfteren in Wonte Carlo gewesen zunfesn— 
Der Vorsitzende hält der Angeklagten vor, daß sie äährlich 
große Summen für Kostüme ausgegeben habe. Angeklage; 
uücherschau. 
„QOie Medlenburger 1818/15 in den Befrei— 
Angskriegen“ von Leutnant und Adjutant Werner Behm. 
kinbandzeichnung vom Schlachtenmaler Professor Richard Knötel. 
mit insgesamt 170 Abbildungen, davon 107 auf 88 Einschalt⸗ 
tafeln. 43 Federzeichnungen, 2Uebersichtskarten. 11 Karlenstißzen 
und. Shlachtenplänen. sowie.7 Fahimiles. 2. Aufl. Erfchienen 
in Richard Hermes, Verlag, Hamburgs.Preis geheftef 
42.80 M, in Feinem Geschenkband 580 MN. — Das Buͤch erzan 
ponda dem Erwachen Megfenburgs nach schmachwoffer Knecht. 
schaft. unter dem Korsen, von den inhnen Taten der meglen 
eet Freiwilligen Jäger in den Schlachten und Gesechter 
bei Retschow, Schlagbrüoge, Sehestedt und bei der Belagerun, 
non Julich, von Theodor Körners Tod und dem Raubsig da 
Franzosen unter Narschall, Dapout, von dem Heldentod des 
dauptmanne Brandt, von der Begeisterung und Opferwilligkeid 
er Veee Bürger, von den Ehrentggen Güstrows und 
dem Opfermit der angestammten Fuͤrstenfammie, von den Mech 
eeeet Husaren, die fsich, ebenso wie Prinz Karl 
wn kerhehe der Bruder der Königin Luise, zuͤerst in der 
Schlacht bei Goldbers in Schlesien auszeichneten dann an, der 
Fatzbach und unter dem essernen HYord auch bei Wartenburg 
in vordersten Reihen mitwirklen und dann vor allem dazu ben 
trugen. daß sich, in der biuitriefenden Echlacht bei Mödern 
I 16. Oft. 18138 der Sieg gIn die Fahnen der schlefissden 
Armee unter unserem alten Marschall “Binher deftete Bei 
Mocern gelang es, sogar dem Etreliter Husaren Ann einen 
Adler der franzoͤsischen Kaisergarde zu erbeuten, den einzigen, 
der im ganzen Feldzug erobert wurde, und der noh heute 
als Siegestrophäe in der Garnisontirche in Polsdam aufbewaört 
wird. ANuch die Rubmesgeschichte des Mealesburger Feiden 
wädchens Auguste Krüger aus Friedland, das uner dem Ramen 
Schneider Auguft Lübed am Fesdzug teilnahm, findet eine ein— 
gehende und fesselnde Darsteiiung, —vVas Hedenkbuch hat 
guch für Lübeck besonderes Imeresse, dan die Sanfcatisthe 
Legion mit den medlenburgischen Jaͤnern Schuter n CTultet 
gefochten hat. 
Die Ritter vom Geiste. Roman von Karl Gutzkow. 
In drei Teilen hergusgegeben, mit Einleitung und, Anmerkungen 
bersehen von Reinhold Gensel. (Goldene Klassiker⸗Bibliothek. 
Deutsches Verlagshaus Bong' K Eo. Berin und Leipzig.) 
—Mit bewundernswerter Kunst ist es Gußkow in seinen 
Rittern vom Geiste“ gelungen, die verschiedenen Geseilschaste, 
an untereinander aufs natürlichste zu verknüpfen und ihre 
Wechselbezjehungen, die gegenseisige Beeinflussung in Drug und 
Segendruck anschaulich zu machen. Als ständig wacher Beob⸗ 
achtex betlopfte und behorchte, er wie ein gewissenhafter Arzt 
»en Gesellschastsorganismis, und mit. der so Fewonnenen Keunn 
uis der Kräfte und Säfte,, der gesunden und franken Stenen 
huf er frisch und unmittelbar an so umfassendes Bild von 
Zerlin aus der Zeit um 18860. wie es leitdem nicht mehr erteicht 
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Freitag, den 21. November 1913. 
Abend⸗Blatt Nr. 590. 
Jert Sorsitzender, wenn man in der vVehewelt verkehrt, dann 
nuß man sich doch entsprechend kleiden. Sektgelage, Hummern⸗ 
ind Austernessen haben bei mir nicht stattgefunden. Es ist 
ine hohe Rechnung über Hummern bei der Angeklagten vor— 
zefunden worden. Der Vorsitzende hält darauf der Ange— 
ogten eine Rechnung vor über eine Krone für das Spesse— 
immer, ferner für. Salonmsbel. Bilder, Toiletten-Gegenstände, 
inen Pelzmantel, seidene Strümpfe usw. — Verteidiger Rechts- 
inwalt Bahn: Ich bitte anzugeben, ob das Aufwand sein soll, 
amit wir juristisch dazu Stellung nehmen können. Sollen etwa 
wölf Paar seidene Strümpfe einen Aufwand be— 
euten? — Staatsqnwalt: Ich halte das für 
inen Aufwand, und ich bin der Ansicht, daß drei Paar 
elbsrgestrichte wollene Strümpfe im Jahr ge— 
ügen. (KGroße Heiterkeit im Zuhöbrerraum) — 
dechtsanwalt Bahn: Man muß die Dinge auf Grund der ge— 
ebenen Verhältnisse ausehen. Es werden der Angeklagtken 
erner über Brillant-Ohrringe und anderen Brillantschmud 
Jechnungen vorgehalten. Die Angeklagte bemerkt hierzu, diese 
Zachen seien ihr zumeist als Provision gegeben worden. Sic 
zabe u. a. den Kammerherrn des Prinzen Leopold der Juwelen— 
irma Koch empfohlen und dafür naturgemäß eine hohe Pro— 
ision erhalten. Die Gesamtrechnungen belaufen sich aqusf 
nehrete 1000 M. Rechtsanwalt Bahn beantragt, den Inhaber 
des Garderobengeschäfts Hermann Hoffmann, den Juwelien 
kobert Koch und die Putzmacherin Paula Cahn als Zeuger. 
u laden. Er müsse bemerken, daß, wenn bei der Angeklagten 
er Kammerherr des Prinzen Leopold verkehre, sie dann doch 
icht in wollenen Strümpfen angetanzt kommen kann. (Heiter- 
it. Es werden dann noch einige andere Rechnungen zur 
prache gebracht. Bei der, Ersrterung der Rechnung einer 
riseuse bemerkt Rechtsanwalt Klee: Unter 10 Wi monatlid 
elommt man keine Friseuse ins Haus. — Stiaatsanwalt; ZJa 
ain der Ansicht, daß eine Dame sich nur dann frisieren laffen 
darf, wenn sie bezahlen kann. — Rechtsanwalt Bahn: vic 
Angellagte hat auch nach den Pfändungen und dem Offen 
arungseid. und zwar selbst, als sie schon in Haft war. 
ahlungen geleistet, so daß sie jetzt nur noch etwa 1200 M 
hulden hat. — Der Vorsitzende hält, der Anoetlagten vor, 
aß, sie vielfach Automobil gefahren, in Monte Carlo hoch ge— 
pielt und in den teuersten Hotels gewohnt habe. Die Ange— 
lagte gibt das zu, —,Oberlt. a. D. Riedel, bekundet als 
geuge, die Angeklaägte habe einmal an der Spielbank in Monte 
Aarlo 20 000 Muverloren. Ueber einen weiteren Aufwand der 
Ingeklagten könne er nichts sagen. — Der Gerichtshof beschloß 
ann. den Grafen Günther von Königsmarch, den Kaufmann 
hermann Hoffmann, den Juwelier Koch und die Putzmacherin 
Vahn als Zeugen zu laden. Sodann wurde die Sißung auf 
reitag vormittag vertadt. 
— 4 
Geweßen sind Sie wißen ja was Sie Geprochen haben das Im 
uu jeder zeit wieder Annemmen wohlen Wen Sie zig Nun Nich 
Mitwogen den 5. August Bei Uns Anfinden und hohlen das 
Ferke wieder ab Oder Lifert uns Eine Wieder Was Eben sofiehl 
st oder uns Gehld wieder den sinnd fie Ferklagt eerter Herr 
Jul Achtung Fohl (Unterschrifty 
Lauenburg. 
F. Lauenburg, 21. Noo. Der Konkurs der FArma 
sade EeCo. G. m. b. H. die hier bekanntlich m vorigen 
Jahre ein Schälmühlenwerk errichtete, mit diefem aher gar wcht 
rst in Betrieb kam, ist beendet und es findet die Schlußverteilung 
tatt. An nichtbevorrechtigten Forderungen, soweit solche be⸗ 
üdhsichtigt wurden, sfind 458 728,31 Muvorhanden, zur Ver— 
eiluna gelangen 23853 M, so dakß 5.2 Prozent ausbezahlt 
werden 
Großherzoatmer Medlenburga. 
Schönberg, 21. Nopd. Eine unerhörte Revokver— 
chießerei veranstaltete Sonnabend abend gegen 9 Uhr ein 
unger Mann. Nichts Böses ahnend, gingen zwei Herren in der 
beren Marienstraße spazieren, als sie hinter sich das Knipsen 
ines Revolvers hörten. In demselben Augenblick krachte auch 
chon ein scharfer Schuß. Die Kugel flog den jungen Leuten 
n Hüfthöhe dicht am Leibe vorbei. Die Anwohner sitürzten 
rschrocken auf die Straße. Glücklicherweise war aber kein Un— 
luck passiert. Die Kugel hatte ihren Weg über die freie Straße 
senommen. Als man den Schützen auf seine Ungehörigkeit hin— 
vies, glaubte er in seiner angeheiterten Stimmung in vollem 
secht zu sein und gab etwas weiter nach der Allee zu noch einen 
Schuß ab. 
Neukalen, 21. Noo. An Vergiftung durch Nah— 
ungsmittel starb in Wüstenfelde Frl. Kunst. Auch die Wirt⸗ 
chafterin und das Stubenmädchen erkrankten nach dem Gericht, 
doch soll bei ihnen keine Lebensgefahr vorhanden sein. 
Woldegk, 21. Nop. Vor Schrech sprachlos ge— 
vorden ist der Kaufmann Alfred Reinhold. Er wurde durch 
Feuersionale munter, und da er Rauchgeruch wahrnahm, glaubte 
er, daß sein Haus brenne. Kaum war er aus dem Bett ge— 
sprungen, fiel er auch schon zu Boden und verlor die Sprache. 
Parchim, 21. Nov. Besitzwechfel. Das Hotel, Graf 
Moltke“ hierselbst ist für 75000 Muvon Frau Jentzen an Fischer, 
Pritzier, verkauft. 
Friedland, 21. Noy. Vom Zuge zermalmt. Auf 
dem Bahnhof des Dorfes Ducherow wurde der Bahnarbeiter 
Hagemann nachts beim Ueberschreiten der Geleife von dem letzten 
Füͤterzuge übersahren und getötet. Er hinterläßt Frau und 
drei kleine Kinder 
Aus den Nachbargebieten. 
Hanfeftadte. 
Hamburg, 21. Noy. Seinen neunzigsten Ge— 
zurtstag feiert heute, Freitag, Obergeometer a. D. H. Stünck 
in noch vollständiger Geistesfrische und bei recht guter Ge— 
undheit. Stück hat sich aus den bescheidensten Ansängen — 
r genoß nur Dorfschu bildu ig in seinem Heimatsort Gr.Schlam 
nien in Holstein — durch eifrige Selbstbildung, eiserne Energie 
ind unermüdlichen Fleiß zum Obergeometer Hamburgs emvor⸗ 
earbeitet, als solcher das hiesige Vermessungsbureau auf den 
zeutigen hohen Standpunkt gebracht und sich hohe Verdienste 
rworben. Nach 47jähriger Tätigkett im hamburgischen Staats— 
ienst trat er 18909 in den Ruhestand. Stüd ist der älteste 
roch lebende Offizier aus den 1848er schles wig—⸗ 
olsteinischen Kämpfen. Er war Leutnant im 5. Inf 
Bataillon der schlesw.-holst. Armee und trat dann in das 
. Bataillon des holst. Bundeskontingents über, aus dem er im 
November 1851 seinen Abschied erhielt. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürftentum Lübed. 
Eutin, 21. Nop. Der Großherzog hat dem Forstrat 
. D. Ohrt den Titel Forstmeister verliehen. — Ein drigi— 
eller Brief. Nachstehender Brief wurde dem Anz. s. d. 
fürstentum Lübeck von einem Viehgeschäft zur Verfügung gestellt: 
Ig Benachrigtige zie, Das Sie mene Frau und mein Schwieger⸗ 
ohn Ein Ferkel ferkauf haben Einem Schwartzen Baug. Das 
it Aber Ein Ueber das Bezäugen Mihr mit die Leutte die da bei 
— 
eujtfahrt. 
Auf dem Flug nach Konftantinopel abgestürzt. Paris, 
19. Nop. Der Ballon „Icare“, mit dem die französischen 
Luftschiffer Bienaims, Pierron und Schneider am Freitag zu 
rdamotte-Breuil aufgestiegen waren, um den Distanz-Welt- 
relord zu schlagen. landeten bei Aitos in Rumelien unweit 
der Küste des Schwarzen Meeres. Die Strecdee, die sie zurüd- 
zelegt haben. beträgt 2100 km, während der Weltrekord auf 
3400 km sich beläuft. — Die drei französischen Flieger 
Jacques Schneider, Bienaime und Pierron sind auf dem 
Fluge nach Konstantinopel in einem Walde bei Burgas abge⸗ 
sttürzt. Das Flugzeug ist beschädigt, die Flieger unverletzt. 
Ein neuer Luftschifftyy. PCO. London, 18. Nov. 
Die hiesigen Blätter bringen Depeschen aus New— 
gork über eine neue Art von UAeroplanen. deren 
Typ von einem Amerikaner erfunden worden ist. Diese 
jeue Erfindung stellt eine Luftjacht dar; sie hat die ansehnliche 
Zreite von 74 Fuß und besitzt nicht weniger als 12 Flügel. 
irka 30-40 Passagiere können in dem neuen KLuftgefähri 
latz nehmen. — Der Erfinder beabsichtigt, im nächsten Früh— 
jahr eine Ueberfahrt über den Atlantischen Ozean mit seinem 
Fluqzeug zu versuchen 
a nicht einmal versucht worden ist. Diefes grotze Wert 
eiten Kreisen wieder zugänglich zu. machen, ist, der Iwes der 
orliegenden Ausgabe, die der Fude erer Reinhold Gensel 
enntnisreich und sorgfältig veranstaltet, dersfelbe, der bereits 
ie ausgezeichnete vierb andige Auswahl von Gußkows Werken 
n der Goldenen Klassifer Biblioshek beforgt hat In einer 
igenehm lesbaren Einleitung wird das Entstehen des Werkes 
ufaegzeigt. Ein sorgfältiger Kommentar Feigt, wie der Dichter 
ft bis auf Kleinigkeiten Einzeltatsachen, Beobachtungen, Dut 
ebtes und Durchdachtes zusammentrug, um durch geschidte Ver⸗ 
rbeitung dieser Bausteine dem Werke Farbe.— Echtheit und 
rrische zu verleihen. Anspielungen auf Zenereignfse, Zustãnde 
nd Persönlichkeiten werden erslärt und die zahlreichen Mo— 
elle. nach dengen Gutzkow arbeitele, festgestelit. Vie dre statt⸗ 
ichen Bände, sind, wie alle Ausgaben der Goldenen Klgfüter. 
aibriothet. sorgfältig, gedruckt und geschmagvoll ausgestattet. 
)er Vreig betfrägt troßdem nicht, mehr wie 2 Misur jeden 
er drei Bände. In der Flut schnell vergänglicher moderner 
domanliteratur wird dieses großartige Zeitbild nicht nur als 
—B ——— 
ortan seinen festen Platz behaupten. 
Ein Stephanus in deutschen Landen. ßFistorische 
krzählung aus den Tagen duthers. Von Johs Ddose. Isnstun 
on Kunstmaler Georg Barlösius, Verlgg des Hofbuchhaändlers 
rriedrich Bahmn in Schwerini. M. Gehes Ri in Briginas 
inhand ach Entwurf von Georg Barlösius 6 V. — JIn ge⸗ 
hickter Weise ist hier die Geschichte eines der ersten evaigeli— 
hen Märtyrer, wieder lebendig gemacht. Kein Geringerer“als 
uther hatte bekanntlich die Geschicht und Marter des feligen 
ßruder Heinrichs“ (d. i. Heinrich Molier, gen. von Zülphen) 
nach genauer Erkundung der Tatsachen 1525, ein Jahr nach der 
Tat.in einer eigenen Schrift dein deutschen Boike zu Rug 
ind Frommen erzählt und in Druch ausgehen lassen. Pose hat sig 
»urch gründliches Studium in die Zeit und ihre Zustände versenki 
ind uns ein sebenspoiles Kulturbisd der Dithmarschen und des 
»ort erwachenden religiösen Lebens gezeichnet. Auf diesem gn; 
ergrunde hebt, sich die Gestalt seines, Helden, dieses Ste— 
»hanus in deutschen Landen, dessen Schicksale er von seiner Ge— 
rurt bis zu seinem Märtyrertode verfolgt, kräftig ab, so daß 
ir. der Erzählung mit regem Interesse folgen. Was in dem 
Kirchhertn von Westernohld“ schon so gelungen war, ist hier 
anz rreicht: die, einzelnen Szenen, hald aus dem Leben und 
en Freiheitskämpfen der Batlern (Schlacht bei Hemmingstedt 
orzüglich). bald aus dem Kloster⸗ und Familienseben, sind 
hig und in künstlerischer Abrundung geschildert, und die ange— 
blagenen Motive lingen voll aus. Die Ausstaftung des Buches 
nd die herrlichen Bilder des leider zu früh versforbenen Georg 
zarlösuus verdienen besonders genannt zu werden. Ein waun— 
erhübsches Geschenk, ein echt deutiches Buch! 
Iie Leben und Tod „RNoman einer Priogt- 
hwester. Von, Schwester Eäcilie Wolff. Preis geb. 4MN. 
Wismar i. M.: Sinstorffsche Verlaasbuchhandlung.) — 
ů 
Ueberzeugend behandelt Verfasserin in threm neuen Roman 
Zwischen Leben und Tod“ das interessante Problem von dem 
Wellen zum Leben, wie dieser zur Genefung des Patienten bei⸗ 
ragen lann. wenn er im Patienten wie in der Pflegerin gleich 
ebendig ist, und wo diesem Willen die Grenze gerogen in. 
Auch das neue Werk wird in, weitesten Kreisen Interefie er 
pecken, nicht etwa nur in demienigen der Krankenschwestern selbu. 
Mehr und mehr ttritt die Gestalt der tapfer kämpfenden, un— 
rmüudlichen Krankenpflegerin. deren aufopferungsschwerer Beruf 
nicht überall und immer in verdientem Maße gewürdigt wird, 
in unserem Leben in die Erscheinung. Und gar, zu oft vergißi 
nan ũber ihr wie eine Selbstverständlichkeit erscheinendes und 
o oft unschätzbares Wirken, daß,. sie dieseiben Anspruche an 
das Lebhen hat, wie wir alle. und ihre Seele das Kecht. sich 
rufzubäumen, wenn die aufreibende Tätigkeit für andere sie 
zu ersticken und zu verkümmern droht. Nicht alle vermögen 
es, sich in dem Voft niederdrückenden, ebenso oft aber auch 
rhebenden Kampf, um die kryerliche Gesundung der ihrei 
Pflege, Anvertrauten eine seelische Freiheit zu erobern. wie 
die Heldin dieses Romans. 
Heimatbilder deutscher Kunst. Unter diesem Na— 
men bringt der Verlag Franz Schneider, Berlin⸗Schzne 
berg. im Verein mit, ersten und bekannsen Künstlexn emne Reihe 
schöner, stimmungspoller und farbenreicher Wandbilder in der 
tattlien Blattgröße von 62 80 em. von, denen iedes nur 
80. M.kostet. An, diesen Heimatbildern ist alles votzüglich; 
Junstlerische Originalarbeit, sauberz Technik, Farbenpracht, Stim— 
nungsgehalt und strenge Auswahl der Stofse, die für die Unter— 
chiedlichleit der Landschaften und der schaffenden Künstier gleich 
harakteristishh fsind. Das erstaunlichste von gallem aber ist, daß 
nan jetzt ein so großes, schönes Wandbild zu dem unerhört 
iligen Preis von 1,80 Mäbekommen kann, während bislang 
zilder in der Größe und annahernd in der Guüͤte 4 bis6 M 
osteten. Das bedeutet, in der Tat, für die Popularisierung 
er Kunst und des künstlerischen Geschnades außerordentlich 
jel. Nun kann der Kampf gegen den Bildschund auch in den 
Pobnungen, der, Minderbemitlelten auf der ganzen Vinie ent⸗ 
rennen und erfolgreich durchgeführt werden zumal da der 
Berlag guch besorgt, war, die leidigen Rahmenkosten so viei 
vie nur irgend möglich herunter zu drüden. Seine Wechseltahmen 
at 2,00 M, zu 5 Miuund zu 9 M sind materiglecht und 
bön. dazu aber vor allem auch so Leingerichtei, d auch der 
Besitzer oder Liebhaber mehrerer Bisder nur zur Anschaffung 
ines einzigen Rahmens genoͤtigt n Erschienen sind bisher 
ier Heimatbilder: Kaxl, Biese: Meeresbrandung gan 
Zer, Nordsee und Winterstille im Schwarzwald, 
Kallmorgen: Sommersonnenschein in der Mari 
ind Sans Hartig: Wänteridyllin einem pom— 
negheg Staädetchen. Alee vier Bilder bieten sehr charat- 
eristische Naturausschnitte, qus der e der Heimat und sind 
Is Weihnachtsgeschenke sehr zu empfehlen.
	        
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