Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

so weit, daß sie von Reparaturen zum Bau von Eisenbahn— 
vagen übergegangen find. Es ist gewiß nicht unbeträchtlich, daß 
nitten in Kleinasien in einer nicht sehr bedeutenden Stadt. 
Fisenbahnwagen in deutscher Ausstattung gebaut werden. 
Außer im imeren Betrieb dieser Werkstätten wird nur 
ioch bei der sogenannten „Konstruktion“ der Bahn Deutsch im 
Ddienstwege gesprochen. Unter „Konstruktion“ ist der Weiter— 
hau zu verstehen. Hierbei sind vorwiegend deutsche In— 
— 
»aben. Sie haben die Erlaubnis, mit der Generaldirektion in 
donstantinopel deutsch zu verlehren. Sobald aber einmal die 
Strecke fertig ist und der geregelte Betrieb beginnt, beginnt 
zuch fogleich der französische Briefwechsel. Es ist dem stell— 
ertretenden Generaldirektor Günther hoch anzurechnen, daß er, 
oweit es in den einmal gezogenen Schranken überhaupt möglich 
st, der deutschen Sprache Einfluß bei der Bahn zu verschaffen 
ucht. So genial der ordentliche Generaldirektor Huguenin auch 
st, er steht leider als französischer Schweizer deutschem Wesen 
und deutscher Sprache kühl gegenüber. Sehr geklagt wird in 
deutschen Kreisen der Levante darüber, daß Huquenin bei 
der Besetzung der Stellen seine Landsleute besonders be—⸗ 
zünstigt. Diesem Vorwurf kann ich mich aber nur bedingt 
inschließen. Die Schweizer haben ja nun einmal alle die 
kigenschaft, sehr zusammenzuhalten und sich gegenseitig, soviel 
s geht, zu stützen. Wenn Huquenin also wirklich seine Lands⸗ 
eute bevorzugt, so ist das kein persönlicher Zug, sondern ein 
— sogar sehr schöner Charakterzug seines Volkes. Ich kemme 
uber keinen Fall, woraus sich ergibt, daß ein fähiger Deutscher 
emals bei der Bahn nicht angenommen oder zurüdgesetzt wor⸗ 
den wäre. Die Schweizer empfehlen sich jedoch — das ist 
riicht zu leugnen — durch ihre Sprachenkenntnisse und ihre 
Gewandtheit für den Orient besonders. ESchluß folgt.) 
* * 
Deutsches Reich. 
Eine leichte Erkältung des Kaifers. Der Kaiser ist in—⸗ 
olge einer leichten Erkältung genötigt, sich einige Tage zu 
chonen. 
Prinz Wilhelm zu Wied ist Mittwoch zu einer Audienz 
zeim Kaiser nach Votsdam gefahren. Aus sicherem diplo— 
matischem Kreise erfährt der Korrespondent des Berl. Tabl., 
daß in einigen Tagen die Großmächte dem Prinzen den albani— 
chen Thron anbieten und dieser die Annahme öffentlich er— 
lären wird, so diaß er noch vor Neujahr als Souverän in 
Valona einziehen wird. 
PC. Besuch des Reichskanzlers beim Fürsten Lichnowskn 
uuf Schlotz Graetz. Der Reichskanzler, Herr von Beihmann— 
vollweg, trifft heute zum zweitägigen Besuch beim Londoner 
Botschafter Fürsten Lichnowsky auf Schloß Graetz ein. Von 
RßRatibor aus geht die Weiterfahrt im Automobil des Fürsten 
ꝛichnowsky vor sich. 
dt. Kaifermanörer 1914. Vor einigen Tagen ging durch 
»ie Vrefsse eine Meldung, wonach die Kaisermanöver 1914 
zwischen dem 7. und 8. Armeekorps stattfinden sollen. Wie 
uns hierzu jetzt aus guter militärischer Quelle mitgeteilt wird, 
intspricht diese Meldung nicht den Tatsachen. Von preußischen 
Armeekorps werden, wie jetzt bestimmt ist, das 7. 8. 11. und 
8. an den Mansvern teilnehmen, außerdem ist das 2. und 
. Bayerische Korps zur Teilnahme bestimmt worden. Als 
Mansövergelände sind die Gemarkungen um Fulda, Friedberg, 
Sessen, Gießen und Niederlahnstein vorgesehen. Parade wird 
»er Kaiser nur über das 7. und 8. Korps abhalten, da die 
ibrigen preußischen Korps hereits in letzter Zeit vor dem 
daiser paradiert haben. 
Der neue Heeresetat. Der Reichsetat für 1914 enthält unter 
»en fortdauernden Ausgaben eine ganze Reihe von Neu— 
orderungen für die Armee infolge der Wehrvorlage von 1913. 
om ganzen sind für Preuben bei den fortdauernden Aus— 
aben 84 Miillionen gegen das vorige Jahr mehr gefordert: 
64 Millionen gegen 680 Millionen. Bei den einmaligen 
Tusgaben bleibt die Forderung um 217 Millionen gegen 
»as vorige Jahr zurück: 304 Millionen gegen 251 Millionen 
m Etat und Nachtragsetat 1913. Den Löwenanteil an den 
innialigen Ausgaben trägt das Garnisonverwaltungswesen mit 
342 Titeln für Bauten usw. im Gesamtbetrage von 
114 Mill. Mark. Als besonders interessanter Posten ist 
er von 4,96 Millionen als zweite Rate für die Erwerbung 
ines Truppenübungsplatzes für das zweite 
rmeehoros zu erwähnen. Im vorigen Jahre figurierten 
in dicser Stelle 40000 Mi für Vorarbeiten zur Erwerbung 
ines Platzes im Osten des Reiches. Es folgen nach der Höhe 
Bei dem Wort „Hausnädchen“ war Irene zusammengezuckt. 
doch saßte sie fich bald wieder. Auch Jeanette, die jetzige 
zose, entstammt einer angesehenen Familie und wurde nur durch 
Unglück in dienende Stiellung getrieben. 
Den schönen Kopf in die Polster zurückgelehnt, vergegen— 
värtigt Irene sich mit geschlossenen Augen den Moment, da 
ije ihrem Kinde zum erstenmal gegenüberstehen wird. ... 
Duich Tunnel auf Tunnel keucht der Zug ... vorbei an 
ochragenden Felsabhängen ... entlang an der im blendenden 
Sonnenlicht funkelnden blauen Meeresküste. Irene merkte nichts 
pavon. Sie weiß kaum, daß der Jug in Monte Carlo hält und 
ine Masie eleganter Spielertypen ausspeit und wieder auf— 
immt. ... 
„Mentone!“ 
Wie elektrisiert fährt Irene empor. Fast mechanisch er— 
zreift sie ihr juchtenledernes Handtäschchen und springt aus dem 
soupé. 
Ein Rudel von Hotelportiers und Kofferträgern stürmt auf 
ie ein. Sie jedoch wehrt hastig ab und winkt eine Droschke 
u sich heran. 
„Rue du Moulin Nr. 20.“ — 
Der Kutscher nickt, während ein verwunderter Blid die ele— 
zante DTame streift. Was hat die in der Gegend zu suchen? 
(Fortsekung folqt.) 
Theater, Kunfst und Wißsenschaft. 
Aus dem Leben einer agroßen Gesangspädagogin. Im An— 
chlup an unsere telegraphische Mesdung, datz Mathilde Mar— 
hesi in London gestorben sei. berichtet uns unser 
J.KXK. Korrespondent aussührliches über diese große Ge— 
angspädagogin: Manu:l Earc'a, Pauline Viardot, Mathide 
Marchesi — mm ist auch die letzte dieses weltberühmten Drei⸗— 
jestirns am Gesangshimmel dahingegangen, die Frankfurter 
Batriziertochter, die als Signora Marchesi neben dem vor 
ieben Jahren verstorbenen Manuel Garc'a den Ruhm genoß, 
als die größte Gesangsmeisterin der Welt zu gesten. 87 Lebens— 
jahre lagen hinter ihr, als sie jetzt, in dem Londoner Heim ihrer 
Tochter Blanche, dem Rufe des Todes folgte, 87 Jahre, von 
ꝛeen sieben Jahrzehnte eine lückenlose Kette unergüdlicher auf— 
»er Forderungen die Festungen mi rund 64 Mill., das JIu⸗ 
enieur⸗, VPionier- und Verkehrswesen mit rund 42 Mill., das 
ürtillerie, und Waffenwesen mit 38 Mill., das Remontewesen 
nit 9 Mill. und das Militär-Medizinalwesen mit 7,3 Millionen 
Nark. 
Demonstrations⸗Interpellationen. Mit Ausnahme der So— 
iaidemokratie haben alle anderen Parteien den Grundsatz auf—⸗ 
zestellt, nur aus wichtigen, allgemein interessierenden Gründen 
Interpellationen im Reichstag einzubringen, im übrigen aber 
ich mit den kleinen Anfragen zu begnügen. Die Einbringung 
von Interpellationen kann namentlich entbehrt werden, wenn 
»er Reichstag vor der Generaldebatte zum Etat steht, in der 
ich wirklich alles behandeln läßt. Trotzdem wird der Reichs⸗ 
ag, wie aus Reichstagskreisen geschrieben wird, in der nächsten 
Voche durch eine Reihe sozialdemokratischer Demonstrations— 
interpellationen wieder einige Tage nutzlos verlieren, die 
»esser für andere Materien, vor allem für längst spruchreife 
Vahlprüfungen, verwendet werden könnten. Sowohl bei der 
lIrbeitslosen-Interpellation als bei der Lieb— 
necht-Interpella tion handelt es sich um parteitaktische 
)emonstrationen, die Ablehnungsgründe der Regierung in bezug 
uf Liebknecht konnten auch durch eine kurze Anfrage er— 
ahren werden. Wie es heißt, beabsichtigt aber die sozial— 
emokratische Fraktion im Anschluß an die Interpellation dem 
neichskanzler ein Mißtrauensvotum zu erteilen — d. h. 
inen dementsprechenden Antrag zu stellen. 
Falsche statistische Annahmen für die Angeftelltenversiche⸗ 
ung? Die Angestelltenversicherung blickt demnächst auf das 
rste Jahr ihres Bestehens zurück. Mit großer Erwartung fieht 
nan dem ersten Jahresbericht entgegen, der so viele Rätsel 
õsen soll. Zu diesen Rätseln gehört auch folgende Betrachtung: 
sdach den Ergebnissen der Berufszählung von 1907 gab es vor 
echs Jahren 20609637 Angestellte. Die Zahl der Angestellten 
jatte sich seit 1888 um 85 90 oder 952 795 Personen ver— 
nehrt. Bei gleichmäßig steigender Zunahme kann man heute 
isgesamt wohl mit 2600000 Angestellten rechnen. Nach den 
zerechnungen der Regierung kamen am 1. Januar 1912 fur 
ie Angestelltenversicherung 1836 236 Personen in Betracht, 
a alle über 8000 MeGehalt und unter 16 und über 60 Jahre 
cusblieben. Man darf also wohl annehmen, daß die runde 
zahl 2 Millionen für die Angestelltenversicherung heute unbe— 
ingt zutreffen mußte. Auf Grund der Regierungsberechnungen 
ollten also heute 2 Millionen Angestellte Beiträge zahlen. 
diese Zahl ist durch die Wirklichkeit aber bei weitem nicht 
rreicht worden. Die Aufnahmelarten sind in dieser Zahl 
veder eingegangen, noch sind erhebliche Zugänge zu erwarten, 
zie Zahl der Karten ist viel kleiner. Auch die errechnete Zahl 
er Arbeitgeber, die versicherungspflichtiges Personal beschäf— 
igen, ist nicht annähernd erreicht. Da man nicht annehmen 
rann, daß sich zahlreiche Angestellte und Chefs der Versiche— 
ungspflicht entziehen, müssen eben die auf Grund der Statistik 
erechneten Annahmen ganz falsch gewesen sein. Oder Statistik 
ind Gesetz haben verschiedene Begriffe bezüglich der Angestellten 
oalten lassen. Die Verwaltungsbehörden geben sich zurzeit 
Mühe, hinter diesen sehr merkwürdigen Fehler zu kommen. 
Emne neue Enteignuung in der Ostmark? Die Gazeta 
Istrowska berichtet: „Die Ansiedlungskommission 
orderte den polnischen Bauern Tyrakowski in Ocions bei 
Ntrowo auf, die unlängst von einem Deutschen erworbene Wirt— 
chaft wie der an einen Deutschen abzugeben. Im 
Veigerungsfalle würde die Wirtschaft abgeschätzt und ent— 
ignet werden.“ Es wäre sehr erfreulich, wenn endlich dieer 
icheren Erfolg gegen das Vordringen der Polen versprechende 
Weg eingeschlagen würde. Man wüßte diese Maßnahmen dann 
allerdings auch konsequent durchführen. 
Der Verkauf der Vossischen Zeitung. Die Tägl. Rundschau 
neldet, daß die Verhandlungen zwischen dem Verlage der 
ßossischen Zeitung (Bankhaus Speyer und Ellissen in Frank 
urt a. M.) und dem Ullsteinschen Verlage wegen Uebernahme 
er Vossischen Zeitung in den Ullsteinschen Verlag nunmehr 
um Abschluß gelangt sind. Wie es heißt, hat die 
tirma Ullstein die Vossische Zeitung samt den mit ihr verbun— 
enen Grundstücken in der Breiten Straße in Berlin für 
»98s Millionen gekauft. Speyer und Ellissen hatten vor zwei 
Fahren 795. Millionen bezahlt. Der Uebergang in den neuen 
Kerlag soll am 1. Jan. erfolgen. 
Rerzte ud Kraufenkassfen. Zur Verständigung zwischen den 
Nerzten und den Krankenkassen ist in Dresden für Sonn— 
bend, den 22. Nov., in den Sitzungssaal des sächsischen 
Ninisteriums des Imern eine gemeinsame Sitzung von Ver— 
crretern der AMerzteschaft und der Krankenkassen einherufen 
»pfernder Arbeit und reicher großer Erfolge wurden. Die 
Melba, die Eames, die Caldé und wie viele andere noch — 
ver will es heute sagen, welcher Weg der ihre geworden wäre, 
zenn sie nicht unter der Hand dieser wahrhaft großen Päda— 
ogin des Gesanges zu Primadonnen emporgewachsen wären! 
dem jungen Frankfurter Mädchen, der kleinen Tochter des 
eichen Kaufmanns Johann Friedrich Graumann, war es nicht 
in der Wiege gesungen worden, daß sie dereinst ihre liebste 
freude, ihre Neigung zur Musik, zu ihrem Lebenserwerb machen 
niühte. Aber Mathilde Graumann zählte kaum 17 Lenze, als 
sas Schicksal mit rauher und doch im letzten Ende wohl— 
ieinender Hand in ihr Leben eingriff. Ihr Vater verlor durch 
nglückliche Spekulation sein Vermögen, und eines schönen 
Norgens mußte das verwöhnte, in Sorglosigkeit erzogene junge 
Nädel der Notwendigkeit ins Auge sehen, sich selbst sein Dasein 
4 zimmern. Die schönen Tage, da sie in der 
jrankfurter Oper in der Loge der Rothschilds oder 
m Konzertsaal Musik genoß und die größten 
tünstler ihrer Zeit hören durfte, waren vor⸗ 
‚ber. Es lag nahe genug, daß sie, das ungewöhnlich musika— 
sche Geschöpf und die glückliche Besitzerin einer bezaubernden 
ztimme, zuerst daran dachte, die Musik und den Gesang zu 
zrem Berufe zu machen, aber die Angehörigen sträubten 
ch gegen den Gedanken, ein Mitglied der altangesehenen 
rankfurter Patrizierfamilie für Geld in der Oeffentlichkeit 
ngen zu hören, und so entstand der Plan, sie nach Wien, 
u ihren Tanten, zu schicken, wo sie bleiben sollte, bis sich 
nirgend einer vornehmen österreichischen Familie vielleicht 
ine passende Stellung als Gesellschafterin oder Erzieherin ge— 
unden haben würde. Aber man ermöglichte es Mathilde 
och, ihre musikalischen Studien dabei fortzusetzen. Kein Ge— 
ingerer als Otto Nicolai, damals bescheidener Kapellmeister 
im Kärnthnertor-Theater, ward ihr Lehrer., und im Frühjahr 
344 trat der musikalische Schöpfer der „Lustigen Weiber von 
Vindsor“ an seine Schülerin mit dem Vorschlag heran, seine 
debensgejährtin zu werden. Mathilde lehnte ab, kehrte nach 
rank*urt zurück, und nun gelang es ihr, von den Eltern die 
?rlaubnis zu erwirken, in Paris bei Garcia ihre gesangliche 
rziehung zu vollenden. Nur das Geld fehlte, und das durch 
igene Arbeit zu erobern, ward ihr Entichluß und ihr Ziel. 
vorden. An der Versammlung nehmen Vertreter der fünh 
Aerztekammern in Sachsen, Vertreter des Verbandes der 
Ortskrankenkassen, der Vereinigten Botriebskranken'assen Dres⸗ 
dens und Umgebung und der Ortsgruppe Leip'g und Umgebung 
des Verbandes zur Wahrung der Interessen der deutscher 
Betriebskrankenkassen teil. Die Einladung zu der Versammlung 
ging vom Ministerium des Innern aus. 
Die bayerische Zivilliskse. Zu der heute im Psenum der baye 
rischen Abgeordnetenkammer staftfindenden Beralung der Vor—⸗ 
iage über die Erhöhung der bayerischen Zivilliste werden von 
en 33 Mitgliedern der liberalen Landtagsfraktion 24 einen 
Amendementantrag einbringen, die Zivilliste statt von 4731 000 
Mark auf 5 400 000 Menur auf 4800 000 Mezu erhöhen. Es 
ist anzunehmen, daß von den Mitgliedern des Bunbes der 
Landwirte und des Bayerischen Bauernbundes eine größere 
Anzahl ebenfalls für dieses Amendement eintreten. Wird der 
Antrag abgelehnt, so werden von den Antragstellern ein Teil 
für die Regierungsvorlage eintreten, so da anzunehmen ist, daß 
sie bei der Abstimmung zur Annahme kommt. 
Em Sieg des Fraumnssimmrechtes. Die bayerische Abgeord 
netenkammer hat den Antrag Casselmann betr. Einsührung des 
Frauenstimmrechtes für die Wahlen zu den Kaufmanns⸗ und 
Gewerbegerichten und zu den Handelskammern- und Gewerbe⸗ 
wahlen mit grokßker Mehrheit angenommen, während die 
Regierung nur für Handelskammer- und Gewerbewahlen ein 
Entgegenkommen in Aussicht gelstelst katte 
Schutzgebiete. 
Ene Turchlöcherung dis deutscheenglischen Ko onda abkom 
nens? Zufolge des deutscheeng!ischen Koonialgeheimvertrages 
von 1898 sollte in Angola die Scheidelinie zwischen der deutschen 
ind englischen politischen Interessensphäre der 14. Breitengrad 
ein, alio etwa 80 Kilometer nördlich von Mossamedes oder 180 
tilometer südlich von Benguella. Nach den jetzt gepflogenen 
Berhandlungen bezüglich der Abgrenzung der wirtschaftlichen 
Interessensphären in Angola sollte die Grenze nach einigen Quellen 
veiter nördlich gerückt werden, nach anderen Quellen ganz 
Angola in die deutsche Interessensphäre geraten. Wie dem 
ruch sei, jedenfalls ist der Süden Angolas unzweifelhaft seitens 
Englands der deutschen Interefsensphäre Ubergeben; und da muß 
s eigenartig berühren, wenn in der letzten Nummer der Deut- 
chen Kolonialzeitung, welche in den letzten Monaten wiederholt 
ängere und kürzere Berichte aus Angola brachte, zu lesen ist, 
aß Londoner, Liverpooler und portugiesische Kapitalisten daran 
ind, nur 200 Kilometer nördlich von der Grenze Deutsch- 
Züdwestafrikas, in der Nähe des Hafens von Mossamedes und 
ver Shellaxisenbahn, zwei Millionen Morgen Land zum Baum— 
vollbau sich von der portugiesischen Regierung konzessionieren 
u lassen. Sicher geben die Londoner und Liverpooler das 
veld und die Portugiesen nur die Namen dazu. In diesem 
nglischen Vorgehen können wir leider nur eine Bestätigung 
er Befürchtung erblicken, daß wir an Stelle geschlofsener Ab— 
undung eine Fortsetzung der Zipfelpolitik erleben 
verden, indem England sich auch in Angola wertvolle Küsten— 
treifen usp. vorbehält. Die neuerdings-erweckte Hoffnung, daß 
zanze Arbeit gemacht und einer unvorteilhaften kolonialen „Ge— 
mengelage“ entgegengearbeitet werden würde, erweist sich nach 
ohiger Meldung als hinfällig. 
aAusiand. 
Defierre:ch⸗ Angarn. 
VPVrinz Heinrich von Preußen in Ungarn. Vom Sekretarial 
des Erzherzogs Josef, wird auf Anfrage offiziell bekannt ge— 
geben, daß eine Nachricht, Prinz Heinrich von Preußen befindet 
sich auf dem ungarischen Gut des Erzherzogs Josef, auf Richtig— 
keit beruhe. Die Meldung, Prinz Heinrich sei in Paris, be— 
Aht auf einer Verwechselung mit Prinz Friedrich Heinrich von 
Preußen, dem ältesten Sohne des ehemgligen Regenten, von 
Braunschweig, Prinzen Albrecht; Prinz Friedrich Heinrich lebt 
chon seit mehreren Jahren in Florenz unter dem Namen eines 
Barons von Rogan. Der Prinz hat seinerzeit verschiedener 
Vorkommnisse wegen Deutschland verlassen. Der Pariser Auf⸗ 
enthalt des Prinzen, der in der Rue Lulli wohnt, ist lediglich 
privater Natur. 
Frankreich. 
Kongreß für die Regelung des Zollwefens. Der Inter— 
nationale Kongreß für die Regelung des Zollwesens sprach sich 
ür die Festsetzung einheitlicher Bestimmungen über die Zollfrei— 
jeit der zeitweilig zugelassenen für den Reexport bestimmten 
Waren aus. Ferner wurde eine Resolution zugunsten ein⸗ 
heitlicher Bestimmungen über die Steuerfreiheit der Geschäfts— 
eisenden angenommen Schließlich fand auch eine von den 
Sie begann, Gesangstunden zu geben, debütierte erfolgreich 
in einem Konzert, das die Brüder Hellmesberger gaben, Felix 
Mendelssohn wurde auf sie aufmerksam, sorgte, daß sie zu 
»en Rheinischen Festspielen im Mai 1845 engagiert wurde, er 
elbst studierte mit ihr ihre Rollen, und nun war das Eis 
gebrochen. In kurzer Zeit hatte sie genug erfpart, um die 
lebersiedelungs nach Paris wagen zu können, Garcia war ent— 
ückt von der ungewöhnlichen Begabung seiner neuen Schülerin, 
und Mathilde war kaum 21, als der Meister sie zu seiner 
Vertreterin bestellte. Was folgt, gehört der Musikgeschichte 
in: ihre Triumphe auf dem Konzertpodium und ihre noch grö— 
zeren und bedeutungsvolleren Triumphe als Pädagogin der Ger 
'angskunst. Bald wurde Mathilde, die durch ihre Ehe mit 
dem Bariton Marchesi aus einem Fräulein Graumann zur Signora 
Marchesi geworden war, die beste Freundin und zugleich die 
zrößte Rivalin von Pauline Viardot. In London, in Wien, 
n Köln und schließlich in Paris ward fie Führerin und Mittela 
»unkt eines Kreises begeisterter Schülerinnen, und alle, die 
zurch sie den Weg der Berühmtheit fanden, betrauern heute 
ucht nur die große Künstlerin und die große Lehrerin, sondern 
ruch einen seltenen, groß angelegten Menschen. 
C.X. Der neut Flügel des Britischen Museuns, zu dem noch 
Aönig Eduard am 27. Juni 1907 den Grundstein legte, ist 
etzt, wie aus London berichtet wird, so weit vollendet, daß die 
Nuseumsverwaltung in diesen Tagen den Bau von der Bau— 
eitung übernommen hat. Die innere Ausstattung der Räume, 
ie den Namen „King Edward VII. Galleries“ erhalten hat, hat 
zereits begonnen; ihr wird so schnell als möglich die Unter— 
»ringung und Aufhängung der Kunstwerke folgen. Anfang Maũ 
vird der neue Flügel des Britischen Museums dem Publikum 
geöffnet werden können, nach einer feierlichen Einweihung, an 
der König Georg und Königin Mary teilzunehmen beabsichtigen. 
Zum Fall Ihe. Eine große Anzahl Architekten ist mit dem 
Beschlußß des gemeinsamen Ausschusses der Berliner Architekten⸗ 
»ereine, die Angelegenheit wegen des Washingtoner Botschafter⸗ 
ebäudes nicht in der allgemeinen Versammlung zu erledigen, 
richt einverstanden. Man wird von dem Ausschuß Reschen—⸗ 
schaft über die Gründe verlangen, die ihn zu seiner 
Futscheidung veranlaßt haben.
	        
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