Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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aAusgabe 
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vriese aus dem Paradies der Erde. 
Von Robert Saudel. 
V. 
„Tida Appa“r. 
Was der Berliner „auch noch so“ nennt, was die Herren 
oom Sausvoigteiplatz als „a Wichtigkeit“ bezeichnen, worüber 
der Russe mit einem „Nitschewo“ quittiert, was der Chinese 
der Freihäfen mit „maskee“ bezeichnet, dafür hat der 
Malaye das Wort: „Tida appa“. Tida ist die Verneinung. 
nein, kein nicht, appa heißt etwas; tida apa heikt also 
nichts“, wörtlich dasselbe wie das russische „Nitfchewo“.. Aber 
es bezeichnet viel mehr als das. Es malt die ganze Seelenstim⸗ 
umng dee Orientalen. „den jo m'en fiehe“-Standpunkt 
gegenüber jeder Tätigkeit, jeder Bewegung, jeder Reform, die 
dangeweile über die wechselnden Lebensformen, die uns andere 
m ewiger Spannung erhalten. 
Moͤm wollte ausfahren, es ist kein Wagen da — tida 
appa, — schön, man wird zu Hause bleiben. Man reiste 
50 Meilen über Land, um einen Freund zu besuchen; er ist 
eine halbe Stunde vorher für einen Monat verreist. Tida appa, 
wer weiß, wozu es gut ist. Man hat monatelang unter 
schwersten Entbehrungen und täglicher Gefahr drinnen im 
Binnenlande seine Plantage besorgt, nun bringt man seine 
Ernte, wie bei uns daheim der Kleinbauer, zur Stadt, will 
das Erträgnis zur Bank tragen. Da begegnet man Freunden 
aus dem Klub. „Hallo, wieder da! — Was zur Bank, hat 
bis morgen Zeit, heute wird gefeiert.“ Und am nächsten 
Morgen laden sie den Farmer schwer betrunklen auf den 
Wagen, auf dem es in wilder Jagd über holprige Straßen 
hinaus zu den Plantagen geht, wo ein neues halbes Jahr 
schwerer Arbeit den Mann erwartet. Tida appa, was liegt 
daran. Zum Teufel! foll man sich nicht einmaͤl nach sechsmonat⸗ 
licher schwerer Arbeit einen vergnügten Tag verschaffen? 
Man läht hier vieles gehen, wie es will, man wehrt sich 
zegen nichts, die hemmenden Kräfte im Menschen schalten 
allmählich aus, die schwerste der Tropenkrankheiten, die mora⸗ 
lische Widerstandslosigkeit nistet sich ein und wuchert fort. 
Tida appa ist eine Krankheit. Die Europäer hier leiden 
schwerer unter ihr als unter Malaria und gelbem Fieber. 
Tausende Weiße leben hier drauhzen, verdienen, so lange sie 
Angestellte sind, ein Vielfaches dessen, was ihre Alters- und 
Standesgenossen daheim erwerben, selbständige Unternehmer 
rarbeiten Reichtümer und doch sind es nur Dutzende unter den 
Tausenden, die als wohlhabende Leute in die Heimat zurück— 
kehren. Wo blieb das unter Entsagungen erworbene Geld? Hat 
die gleiche Münze hier weniger Kaufkraft als daheim? Nein, 
im Gegenteil. Nur wohnen bürgerliche Leute daheim in Etagen— 
wohnungen, hier aber bezieht jeder selbständige Europäer sein 
eigenes luxuriöses Haus, hier muß er von einem eigenen Park 
umgeben sein, hier ist es ihm Bedürfnis, zehn Bediente zu 
kommandieren. Die Hausfrauen denken nicht daran, ihre Küche 
zu betreten oder die Abrechnungen des Koches zu prüfen. Tida 
appa, wozu auch? Man ist zu mũde und zu schlaff, um kleinlich 
sein zu können. Man ist mit allem einveritanden, wenn man 
nur seine Ruhe hat. 
Wo immer man in Indien reist, verfolgt einen ein fonder— 
barer, würziger, dumpfer, schwüler, brenzliger Geruch. In 
den ersten Tagen verschlägt es einem den Atem. Allmählich 
gewöhnt man sich an ihn. Wenn man von Curora kommt, atmet 
man ihn zuerst in den Zimtgärten Colombos, dann auf dem 
Wege nach Mount Lavinia, in Candy, auf dem indischen Fest— 
iand, in den Strait Settlements, wo er in der engen Wasser—⸗ 
straße von Malakka oft vom Festlande oder von einer nahen 
Insel bis zum Schiff herübergeweht wird. Und auch hier auf 
Java nehmen wir ihn überall wahr. In Städten und Dörfern, 
auf dem flachen Lande oder im Gebirge, auf der Eisenbahn⸗ 
fahrt und während man durch die Urwälder reitet. Ueberall 
derselbe Geruch und überall dieselben russigen, blakenden Feuer, 
deren Rauch sich in der leichten heiken Luft nicht erheben kann 
und an der Erdscholle weiterkriecht. 
Jede Sondermühe scheuend, jeden nicht dringenden Trans— 
pvort vermeidend, schaffen so die Malayen und Singhalesen 
und Javanen welke Blätter und Stroh und Wurzelwerk und 
Abfälle jeder Art aus der Welt. Man scharrt alles lose auf 
einen Haufen zusammen, zündet es an und läüt es blaken, 
qualmen und brennen, bis es sich in ein Häufchen Asche ver— 
vandelt hat und als natürlicher Dung bis zum nächsten 
Regen liegen bleibt. 
Gemähte Reisfelder, beschnittene Zuckerrohrfelder, großke 
Flächen voller Maisstauden werden so abgebrannt. Manches 
vertvolle Material geht verloren. Hier und dort brennt auch 
etwas mit, was stehen bleiben sollte. Die Luft wird ver— 
estet. aber — tida appa. Es kommt nicht darauf an, was 
m Wege stand, ist aus der Welt geschafft. Was lieat daran. 
daß dabei manches verloren geht. 
Uns Fremden, die wir zwar wiederholt nach Indien kommen 
und dennoch immer wieder über Indien staumen können, uns 
cheint es manchmal. als ob der ganze Sinn dieses östlichen 
Lebens. die Hemmungslosigkeit, die Bequemlichkeit, die Sorg⸗ 
osigkeit, die Gleichgültigkeit, das Sichgehenlafssen. als ob dies 
janze tida appa in diesem ewigen brenzligen, rußigen Rauch 
Indiens versinnbildlicht wäare. Träge und müde wälzt er fich, 
dem langsamen und trägen Leben der Eingeborenen und der 
hier lebenden Europäer vergleichbar, dahin. Ein Feuer, das 
nichts neues schafft, einen Teil dessen, was die Natur so reich⸗ 
lich bietet, sinnlos verzehrt, dessen Qualm und Flammen sich 
nicht einmal als Wahrzeichen zum Himmel emporheben können. 
Wohl wechselt in Indien jeder Europäer feine Weltanschauung 
illmählich, wohl bleibt von einer flammenden, tatkräftigen 
Energie bestenfalls ein Stück zaͤher Beharrlichkeit bestehen; den— 
noch aber wirkt die tida appa-Stimmung auf die einzelnen 
europäischen Nationen grundverschieden. Der Engländer legt da⸗ 
heim auf die äußere Korrektheit seines Mitmenschen mehr Wert 
als auf seine innere Bildung und kebrt sich nicht im geringsten 
m das Glaubensbekenntnis eines Menschen mit Gentlemen⸗ 
Müren. Als Kolonisator hat er diefe für den gesellschaftlichen 
Berkehr glämzende Eigenschaft, die dem deutschen Gemut so 
ehr widersteht, zur vollsten Entfaltung gebracht. Wenn je ein 
Bolk auf der Erde jedes andere Vosk auf feine Faßon selig 
verden ließ. so waren und sind es die Engländer. Bis auf 
Stlavenhaltung Witwenverbrennung, etliche sanitäͤren Verhält⸗ 
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Montag, den 17. November 1913. 
Abend⸗Blatt Nr. 584. 
aisse haben die Engländer reine wesentlichen Veränderungen 
yer Urbedingungen des Eingeborenenlebens geschaffen. Sie setzen 
n indischen Kasten nicht die eigene Rangordnung gegenüber. 
»emmen niemanden in seiner religösen Betätigung und lassen 
e Inder, da sie nun mal auf diese Weise die Seligkeit zu 
rlangen überzeugt sind, unentwegt im Vestwasser des Ganges 
aden; tida appa, was liegt an ein paar Natives. So lange 
er Eingeborene kreuer Untertan bleibt, darf er tun, was er 
nill. Der Engländer lähßt alles geschehen, denn auch sein Leben 
n den Tropen kennt keine Schranke, bis auf eine: die Unan— 
astbarkeit seiner eigenen Rasse ist ihm oberstes Gesetz. Kein 
Maharadschah mit seinen märchenhaften Kronschätzen ist dem 
rmsten Engländer ebenbürtig. Wer von den Eingeborenen 
ich Verdienste um die Kolonie erwarb, wird an einem Tage 
es Jahres zum Empfang des Gouverneurs geladen. Zwei 
ztunden lang ist er dem Engländer gesellschaftlich ebenbürtig 
at er die Tore des Gouverneurpalastes hinter sich gelassen, 
d versinkt seine Herrlichkeit und er ist wieder für 388 Tage 
dative. Der Engländer läht sich in den Tropen viel weiter 
ehen als irgend ein anderer Europäer. So lange er nicht 
qehen wird, lebt er ganz so, als wäre tida appa sein Leit— 
iotiv. Die Farmer draußen leben recht galant und bunt. 
ztammt doch auch aus diesem englischen Plantagenleben das 
irze und deutliche Wort: „sleeping dictionary“, die Bezeich 
rung für ein braunes, weibliches, lebendes Wörterbuch der 
tingeb renensprache. 
Der Holländer läßt sich in seinem traumhaft schönen 
Aslonialreich auf Java, Sumatra und Celebes lange nicht 
»gehen. Darin ist er, so sehr der gegenteilige Eindruck 
eweckt wird, lange nicht so schrankenlos, so tida appas⸗isch 
je der Engländer. Aber ihm fehlt der Zwang des äußer⸗ 
chen gesellschaftlichen Lebens, und sonderbarerweise sind es 
erade die Frauen, die die Form nicht zu wahren wußten und 
ie Grenzen zwischen Europäertum und Eingeborenen als erste 
tverwischen begannen. In langgezogenen, niedrigen Bambus— 
äusern mit dünnen Strohwänden liegen draußen auf dem 
ande die holländischen Polizeikasernen; Eingeborenenmannschaft 
it europäischen Unteroffizieren. Mann, Weib und Kind hausen 
ier zusammen, und die weiße Frau des holländischen Feld— 
ebels trägt dieselbe Kleidung wie die Eingeborenen. Sie 
istwandelt barfuß und ist mit dem buntfarbigen Lenden—⸗ 
ich, dem sogenannten „Sarong“, umwickelt und einer dünnen, 
eitzen Nachtjacke bekleidet. Die Vertreterinnen der Reform— 
leidung würden mit der Korsettlosigkeit, die Propagatoren der 
dacktkultur mit der Macktfüßigkeit der Soldatenfrauen und 
er vornehmen weißen Damen in den großstädtischen javanischen 
zAels oder auf den Dampfern wohl zufrieden sein. Wir 
ndern aber sehen mit Bedauern, wie verschlampt das Wesen 
er weihen Frau auf Java wird und wie häßlich sie sich 
ehen lassen, weil bei der trapischen Hitze doch alles tida 
ppa ist. 
Ja ja, man hat sich hier im Osten die Gleichaültigkeit 
nallen Dingen angewöhnt, und selbst der Posttag, der wich— 
igste der Woche, der Tag. an dem der geschäftliche und 
ienschliche Zusammenhang mit der Heimat wieder aufgefrischt 
»ird, auch dieser Tag, nach dem sich der einzelne Europäer 
1seinem Privatleben, die Klubs in ihren Veranstaltungen. 
ie Geschäftshäuser in ihren Zeitdispositionen richten, auch der 
zosttag darf durch schwere Stürme oder andere Hindernisse 
inausgeschoben werden, ohne daß man sich daraüber aufregt, 
ida appa — auch noch so. 
Man muß diese Verhältnisse kennen, um das große Er— 
lsaunen zu verstehen. das alle Europäer nichtdeutscher Nation 
n den Häfen der Reichspostdampferlinie erfaßte, als man seiner— 
eit zum ersten Male die stramme Pünktlichleit und Zucht 
er deutschen Post im Osten kennen lernte. Da kam es nicht 
ur auf den fahrplanmäßigen Tag der Ankunft, sondern auf 
tunden und Mimtten der Ablieferung an. Puünktlichkeit, Diszi— 
lin und Zucht schienen den Deutschen selbst drautzen im Osten 
och Selbstzweck zu sein. Keine Bummelei, keine Gleichgültig— 
eit, kein tida appa. Die Deutschen, die sich fremder Um— 
ebung sonst so gerne anpassen, waren diesmal der gewissen— 
aften Gründlichkeit ihrer Rasse treu geblieben. Das imponierte. 
ind auch die Jahre seither, in denen in kurzen Intervallen 
ie großen deutschen stattlichen Lloyddampfer in den Häfen 
es Ostens lagen, sind nicht spurlos vorübergegangen. Direkt 
ind indirekt haben sie das meiste zur Hebung des deutschen 
Unsehens beigetragen. Und wenn heute der kleine chinesische 
der malayische Krämer außer englischem und holländischem 
zelde nur noch deutsches in Zahlung nimmt, so spricdot diese 
nscheinbare Tatsache Bände. Das russische „Nitschewo“, das 
ranzösische „je m'en fiche“ und das von den nichtdeutschen 
Auropäern angenommene „tida appa“ des Gebarens, dies alles 
piegelt sich in dieser kleinen Tatsache. Es ist unverkennbar, 
aß das Deutschtum im Osten (ich meine außerhalb des deutschen 
kolonialbesitzes; an Boden gewinnt und es ist kaum zu be— 
weifeln, daß daran der Umstand schuld ist, daß die Deutschen 
lärler und länger als andere Nationen der bequemen Re— 
ianc tionsstimmung des „tida appa“ Widerstand feiiten 
Aus den Nachbargebieten. 
Sansestãdte. 
Uramerhaven, 17. No. Zum Verkehrs- und 
zischerei-Direktor von Bremerhaven ist der Syn— 
„ikus der Geestenünder Handelskammer,. Dr. Reißner, gewählt 
vorden. 
⸗ 
vom Detaillisten-Verein eine entschiedene Bewegung ins Werl 
gesetzt worden. Durch Verfügung vom Jahre 19811 müssen die 
heschäfte seit zwei Jahren an dem genannten Sonntag ge— 
chlossen gehalten werden, wodurch den hiesigen Kaufleuten, 
zanz besonders aber den Vertretern der Textilbranche, ein 
mpfindlicher Schaden erwachsen ist, sofern die ländliche Be— 
öolkerung sich mit ihren Einkäufen an die kleineren Nachbar— 
ädte wendet. Demgemäß beschloß der Detaillisten-⸗Verein, die 
Viederherstellung der Verkaufsfreiheit an dem betreffenden 
donntag nachdrücklich zu betreiben, eine Abordnung an die 
ädtische Polizeibehörde zu entsenden und außerdem eine ent—⸗ 
prechende schriftliche Eingabe bei der Handelskammer zu machen. 
— Eine Zigeunerschlacht, an der 50 bis 60 Personen 
yeteiligt waren, spielte sich in der Muhliusstraße ab. Plötzlich 
uhr ein Zigeuner mit dem Revolver zwischen die Kämpfenden, 
zab mehrere Schüsse ab und verletzte einen älteren Zigeuner 
m Kopf. Als ietzt die Polizei anrückte, wurde der Revo lver⸗ 
eld schnell von seiner Frau und einem zweiten Zigeuner in 
eine Wohnung gebracht. Von dort gelang es ihm, zu ent⸗ 
vischen, ehe die Polizei in die Wohnung eindrang. Statt 
einer wurden zwei Männer verhaftet, die im Verdacht stehen, 
Rädelsführer bei dem Kampf gewesen zu sein. 
Neumänster, 17. Nob. Von der Eisenbahn. Eisen— 
hahnnmrinister v. Breitenbach trifft hier ein, um die Bahnhofs⸗ 
rnlagen kennen zu lernen und sich davon zu überzeugen, in 
velchem Maßstabe umfangreiche bauliche Aenderungen vorgenom⸗ 
nen werden müssen, denn daß sie notwendig sind, darüber kann 
zei dem von Jahr zu Jahr steigenden Verkehr gar kein Zweifel 
ein. Namentlich bedarf es eines neuen Empfangsgebäudes 
—. Totgedrürckt. Der Oberputzer Christian Blöcker wurde. 
als er zwischen den Puffern zweier Zugmaschinen stand, tot 
gaedrückt. Der Mann hinterläht seine Frau und fünf Kinder. 
— Segeberg, 17. Nopb. Die Kalkberghsöhlen haben., 
wie in der Sitzung der Stadtkollegien mitgeteilt wurde, im 
Laufe des Sommers 6000 MeEinnahmen gebracht. Die Aus⸗ 
gaben betrugen 3200 M, so daß 2800 Mials Ueberschuß zu 
derzeichnen sind. Es wurde beschlossen, elektrisches Licht ein⸗ 
uführen und eine Wartehalle mit Ankleideräumen und Toi— 
setten zu errichten, wofür 7000 Mubewilligt wurden. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
KX. Ahrensbök, 17. Nop. Geburtstagsfeier 
des Landesherrn im Militärverein am Sonntag. 
Die F strede hialt der Vorsitzerde, Lehrer Knoop. Zwei Theater— 
ttücke trugen zum Gelingen des Abends bei. — In den 
Schulen wurde schon am Sonnabend eine Feier abgehalten. 
Lau enbirr a. 
S Ratbeburs, 17. Noo. Spar- und Darlehns- 
rasse. Von einer der Sache nahestehenden Persönlichkeit 
vurden uns heute in liebenswürdigster Weise Mitteilungen 
iber den Stand der Angelegenheiten gemacht, die wiederunmt 
„eigen, daß sich ängstlichen, nicht genau informierten Inter- 
essenten unnötige Unruhe und Sorge bemächtigt hat. Die 
»isher mit Umsicht geführten Verhandlungen berechtigen zu 
»er Hoffmung, daß die Mitglieder gar nicht oder nur mit ganz 
jeringen Beiträgen zur Deckung der sich noch etwa ergebender 
Verluste herangezogen werden. Durch Verwaltung der Grund— 
tücke des einen und aus den Ueberschüssen der industriellen Anlagen 
des andern der beiden Hauptschuldner, werden deren Verbind— 
ichkeiten geregelt und die Kasse vor Schaden behütet werden 
önnen. Erfreulicherweise kehrt auch das Vertrauen der Einleger 
nehr und mehr zurück, so daß dieKasse dadurch die zu ihrem Fort⸗ 
»estehen wünschenswerte Unterstützung findet. Wir bemerken 
ioch, daß bisher nur persönliche Forderungen gelündigt sind, 
Verbindlichkeiten als Genossen'chafter der Geno'senschaft gegen. 
über sind nicht geltend gemacht. 
Ratzeburg, 17. Nop. Rekrutenvereidigung. Die 
Vereidigung der jungen Mannschaften unseres Jägerbataillons 
fand Freitag vormittag nach voraufgegangenem Gottesdienss 
n beiden Kirchen statt. 
Mölln, 17. Nov. Städtisches. Die auf den 18. Nov. 
inberaumte Wahl von zwei Stadtverordneten ist auf den 
9. Nov. verlegt worden. Ein Stadtverordneter hat der 
ztadt eine Summe von 350 Mefür wohltätige Zwecke zur 
gerfügung gestellt, die ihm vor längerer Zeit von dem Ver— 
reter einer Röhrenfirma zugestellt sein soll. Der Magistrat 
ijat sofort eine energische Untersuchuna eingeleitet, die noch 
nicht abgeschlossen ist. 
Großherzo atũmer Mecllenberra. 
ISchwerin, 17. Novp. Die Kirchenräuher setzen 
ihre Tätigkeit fort. In der Racht zun Sonnabend drangen 
ie in die Kirche in Satow ein erbrachen den Opferstoc und 
rbeuteten etwua 70 M. In derselben Racht verübten sie auch 
kinbrüche in die Kirchen in Behrenshagen und in Heiligen 
gagen bei Satow und erbeuteten hier 40 Mäund 60 M. 
Nachts zuvor waren sie in die Kirchen zu Tessin und Petschow 
ingedrungen. wo sie aus Aerger darüber. daß ie leine 
zZeute machten. allerlei Unfng trieben. Bücher zerrissen ufw 
Nur das Fahrrad des Pelschower Lehrers nahmen sie mit. 
lus der Kirche in Kirchstudk entwendeten sie die neue Altar 
Wuns. die später in einer Kornmiete veriteckt aufgefunden 
wurde. 
Doberan, 17. Nov. Erstickungstod. Dem kleinen 
Zohn des Statthalters Helmge in Steffenshagen geriet eine 
n den Mund genommene Erbse in die Luftröhre wodurch der 
Ersticungstod eintrat. 
88 Grevesmühlen, 17. Nob. In den Ruhesstand 
ritt zum 1. Jan. 1914 Stadtsekretär Bergmann, der schon 
yor mehreren Jahren sein s„0jähriges Amtsiubiläum feiern 
'onnte. Zu seinem Nachfolger ist der Ratsregistrator Evert vom 
vroßberzog ernannt worden. Das Gehalt des neuen Stadt⸗ 
ekretärs ist auf 2600 M äfestgefetzt, steigend in 15 Dienstiahren 
xꝛuf 3600 M. — Mit militärischen Ehren wurde Sonn— 
ag der Ober-Briefträger a. D. Henden zur Ruhe bestattet. 
der Kriegerverein gab seinem verst. Kameraden mit umflorter 
zahne und Trauermusik das letzte Geleite. Ueber dem offene; 
zrabe wurden die üblichen Ehrensalven abgegeben. Der vor 
ahrelangem Leiden erlöste Veteran war Teilnehmer am deutsch 
ranzösischen Kriege. — Der evangelische Arbeiter— 
»erein hatte Sonnabend im Deutschen Haufe einen Familien— 
ibend mit einer Feier des Reformationsfestes veranstaltet. 
kektor Schrader hielt einen Vortrag über „Mecklenburg und 
»ie Reformation“. Beschlofsen wutde, am 21. Dez. eine Fest⸗ 
ichkeit mit Weihnachtsaufführung und Kinderbescherung zu ver⸗ 
aunstalten 
Schleswig⸗ Hosftein. 
Kiel. 17. Noo. Prof. Ludwig Dettmann, aus 
bdelly⸗Flensburg gebürtig. der seinerzeit mit der künstlerischen 
busmalung des Treppenhauses im hiesigen neuen Rathaus 
eauftragt worden ist, beginnt, nachdem seine Entwürfe ge— 
ehmigt worden sind, mit der Ausführung seiner Arbeit in 
iesen Tagen. Dettmann wird zu beiden Seiten der Treppe 
e ein großes Wandgemälde. Stadtplanung und Stadtaufbau, 
haffen und dafür voraussichtlich eine Zeit von vier Wochen 
enßtigen. Während dieser Zeit wird der Haupteingang des 
kathauses gesperrt sein. — Eisenbahnminister von 
zreitenbach ist über Neumünster hier eingetroffen, um 
ie Arbeiten am Bau des neuen Güterbahnhofs und die 
zenkungen des Bahnkörpers bei Meinersdorf zu besichtigen. — 
rur Frage des Offenhaltens der hiesigen Ge— 
bäfte am dritten Sonntag vor Weihnachten ir
	        
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