Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

F * 
Tagesbericht. 
Lübeck, 17. November. 
—e 
8 Marinenachrichten. Personalveränderungen im 
eurlaubtenstande. Es ist befördert zum Leutnant zur See 
der Reserve des Seeoffizierkorps: Franssen im Landwehr⸗ 
bezirk Lübeck. — Der Abschied bewilligkt: dem Marineingenieur 
F Sywehr I. Aufgebois Scheteliag im Landwehrbezirk 
QAu b e 
chte bei Mölln gefallenen Hanfeaten. 
Ehruns der im eeee belegene Ruhestätte der im Be— 
Die im Hohen Holze bei 
freiunastriege gegen die Franzosen am 14. Nov. 1813 gefallenen 
esecen it anlablich des hundertiährigen Gedenktages mit 
Kränzen geschmückt worden. Die Stadt Mölln. der Lübeder 
Senat und der Samburg-St. Georger Kriegerverein von 
1874 ließen prachtvolle Kränze niederlegen. 
0 Konzert in der St. Matthaei⸗Kirche. Das am Solun⸗ 
tag zum Besten der Kindergottesdienste in der St. Matthaei⸗ 
Kirche veranstaltete Konzert hatte sich, wohl in Anbetracht des 
guten Zwedes und des von Herrn Organist Wilh. Stahl zu 
sammengestellten interessanten und vielseitigen Programms eines 
starken Besuches zu erfreuen, war doch das schlichte Gottes haus 
mit einer andächtigen Gemeinde bis auf den letzten Platz 
gefüllt. In dem Programm waren abwechselnd Choral⸗, Ge⸗ 
sang⸗ und Instrumentalvorträge vertreten. Eingeleitet wurde 
die Vortragsfolge mit der Choralfantasie Max Regers uber 
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“, die, von Herrn Organist 
Stahl unter Benutzung aller Ausdrucksmittel der Orgel zum 
eVortrag gebracht, durch eine geschmackvolle Registrierung und 
vpollendete Technik im Verein mit der Klangschönheit der Orgel 
in eindrucksvoller Weise zur Geltung kam. Es folgten zwei 
Lieder kirchlichen Inhalts für Sopran von Joh. Wolfgang 
Franck, der in der zweiten Hälste des 17. Jahrhunderts lebte 
und von Beruf Arzt, zugleich aber einer der fruchtbarsten und 
berühmtesten“ deutschen Komponisten seiner Zeit gewesen ist. 
Sie wurden ebenso wie die folgenden von Friedrich Mergner 
von Frau Pastor Sophie Charlotte Voss aus Zarpen mit kraft⸗ 
voller, wohlklingender Stimme und warmem Gefühlsausdruck 
gesungen. Die Orgelbegleitung wurde mit feinem Gefühl von 
Herrn Pastor Voss-Zarpen wahrgenommen. Herr Otto Voigt— 
Köslin bereicherte das Programm mit dem Adagio aus dem 
Violinkonzert Op. 77 von Johs. Brahms und dem Lento aus 
dem Violinkonzert Op. 8 von Rich. Strauß, und beide übten, in 
hübscher Reinheit und mit schöner Wirkung zu Gehör gebracht, 
einen nachhaltigen Eindruck auf das Gemüt des Hörers aus. 
Der aus einer Anzahl Damen und Herren bestehende Chor hatte 
sich Chöre aus Mendelssohns größten Oratorien „Elias“ und 
„Paulus“ zum Vortrag erwählt und namentlich der letztere 
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“, unter Trompeten⸗- und 
Orgelbegleitung zu Gehör gebracht, ist äußerst wirkungsvoll und 
dürfte den Weg zu manchem Herzen gefunden haben. Hier 
hatte die Orgelbegleitung Herr Organist P. Mäü:hel inne. Mit 
seinen rein singenden und feiner Schattichen fähigen Sän— 
gern wurde der Chor mit belebtem Ausdrud und in klang—⸗ 
schöner Weise seiner Aufgabe gerecht. Herr Organist Stahl, 
dem für die Oeitung noch besonderer Dank zu zollen ist, spendete 
ferner als Solonummer auf der Orgel die Legende Op. 132 Nr. 1 
von M. Enrico Bossi und wußte auch hier dem Instrument 
vortreffliche Klangschattierungen und -Schönheiten abzugewin— 
nen. Sämtliche Darbietungen wurden vom Vublikum dank— 
barlichst aufgenommen. 
M.s8t. Klavier⸗-Abend von Henry Bendfeldt. Sonnabend 
trat Herr Henry Bendfeldt, der Sohn des Klavier⸗ 
lehrers Herrn Bendfeldt hier, zum ersten Male an die Oeffent⸗ 
lichkeit und legte Proben eines bedeutenden Talentes, ge— 
paart mit eisernem Fleißbe, ab. Der junge angehende Künstler, 
ein Schüler des Herrn Musikdirektors Hofmeier, hat sich de'sen 
Methode in ernstem, fleißigem Studium zu eigen gemach! 
und fich ein hervorragendes technisches Können angeeignet. 
Das Programm wies einige der schwierigsten Stake der 
Klavierliteratur auf, u. a. die Sonate von Brahms in F⸗Moll, 
die Barkarole in Fis-Dur und das Scherzo in B-Mol. Bei 
den kleineren Stücken, namentlich den „Waldfzenen“ von Rob. 
Schumann, fehlte es noch an Verinnerlichung und Poesie, wie 
nauch in den Mendelsfohnschen Liedern („Frühlings⸗“ und 
„Spinnerlied“) die Begleitung zu stark hervortrat. Als beste 
Leistung des Abends ist die Brahmssche, sehr schwere Sonate 
zu bezeichnen. Ein begreifliches nervöses Ueberhasten der Tempi, 
namentlich der Chopinschen Kompositionen, zu denen noch der 
Walzer in As-Dur, op. 42, und das Impromptu in As-Dur 
hinzutraten, ließ in der Technik manchmal kleine Srrungen 
unterlaufen. Der Gebrauch des Pedals dürfte etwas einge⸗ 
schränlt werden. Immerhin legte Herr Bendfeldt eine starke 
Talentprobe ab, und darf Herr Musikdirektor Hofmeier stolz 
guf diesen Schüser soin 
- Auf der Suche nach dem Brandstifter. Vor einigen 
Tagen erschien eine Notiz einer hiesigen Zeitung, nach welcher 
bald nach Ausbruch des Feuers bei Brügmann & Sohn am 
2. d. M. ein Wächter der Firma Havemann & Sohn unter 
einer Hobelbank versteckt einen Menschen gefunden und diesen 
einem Schutzmann übergeben habe. Der Schutzmann habe den 
Mann aber nicht abgeliefert, auch sei der Schutzmann nicht zu 
ermitteln gewesen. — Die von der Kriminalpolizei angestellten 
eingehenden Ermittelungen haben folgendes Ergebnis gehabt: 
Richtig ist, daß etwa eine Stunde nach Ausbruch des Feuers 
bei Brügmann & Sohn am 2. d. M. also etwa um 5 Ahr nach— 
mittags. von einem Arbeiter der Firma Havemann & Sohn in 
einem Schuppen dieser Firma ein Mann gesehen wurde, der sich 
beim Anblick des Arbeiters hinter einem Holzstapel zu verbergen 
suchte. Auf die Frage des Arbeiters, was er dort wolle, er— 
widerte er in hochdeutscher Sprache: „Ich weiß, wer es getan 
hat, ich kenne ihn.“ Der Arbeiter ergriff darauf den Menschen, 
um ihn einem Schutzmann zu Abergeben. Der Unbekannte riß 
sich aber los und lief die kleine Treppe hinauf, welche sich am 
Ende der Einsiedelstraße neben der Inspektorrohnung der Firma 
Havemann & Sohn befindet. Gleichzeitig sah der Arbeiter einen 
Menschen in Uniform — ob es ein Schutzmann oder ein Mann 
in anderer Uniform war, bonnte der Arbeiter nicht genau unter— 
scheiden, da es schon etwas dunkel war —. Diesem Manne in 
Uniform rief der Arbeiter zu, er solle den fortlaufenden Menschen 
festnehmen, der wisse, wer es getan habe. Der Arbeiter hat 
dann noch gesehen, wie der Mann in Uniform mit dem Fliehen⸗ 
den sprach, künmerte sich aber nicht weiter um ihn, da er angeblich 
selbst Arbeiten zum Schutze der Läger seiner Firma verrichten 
wollte. Der Unbekannte, den der Arbeiter im Schuppen sah, 
war Anfang der dreißiger Jahre alt, etwa 1,70 -1,72 m groß 
hatte längliches, volles Gesicht und blonden Schnurrbart. Er trug 
dunklen Jackettanzug und wahrscheinlich weiße Wäsche. Dem 
Polizeiamt ist es äußerst wichtig, diesen Unbekannten zu ermitteln 
Unter Hinweis auf die hobe Belohnung werden daher alle bis— 
er nicht vernommenen Personen, die etwas über den erwãhnten 
Vorgang am Nachmittag des 2. d. M. bekunden können oder 
sar den Unbekannten zu kennen glauben, ersucht, sich umgehend bei 
»er Kriminalpolizei zu melden. 
Vom Wetter. Die Ausfichten auf Beendigung des 
trüben und regnerxischen Wetters, die vor acht Tagen „or 
sergehend beslanden, haben sich nicht erfüllt. Die Witte 
ung in Mittereuropa hal ihren bisherigen sehr milden Charatter 
abehalten und es vürfte auch vorlaufig, darin noch feige 
e derut zu rwarten sein Zutzett liegt der höchhste Luft⸗ 
d hbet dem Mitteimeer, die Witterung, wird infsigedelsen 
instweilen recht i Age eee 
i rschenden e 
r ——— e uhd ieh mit d Auftrefn von Süd⸗ 
veststürmen zu rechnen. 
Deutscher Seglertag in hamburg. 
Hamburg, 17. Nov. Das umfangreiche Material. das 
em deutschen Seglertag zur Beratung vorlag, wurde in der 
Sitzung am Sonnabend vollig aufgearbeitet. Geheimrat Prof 
8uslen eröffnete die Verhandlungen, zu denen 44 Vereine 
nit 258 Stimmen ihre Vertreter delegiert hatten, im Hamburger 
zof. Dr. Jansen erstattete den Jahresbericht, Geheimrat 
Zaxenst e in den Kaffenbericht, die beide debattelos geneh— 
riat wurden. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der 
zorsihende des verst. langiährigen Vorfitzenden Ad. Bur⸗ 
rester mit warmen Worten und feierte dessen Tãtigkeit fũn 
en Verband und Deutschlands Segelei. Von den Beschlüssen, 
ie von weittragender Bedeutung für die Entwicklung des deut⸗ 
hen Segelsports sind, ist zu bemerken, daß zunächst die 
ationalen Kreuzer während der Wettfahrten ihre Aus⸗ 
ustung an Bord haben müssen. Den nationalen Kreuzern wurde 
»as beantragte Stimmrecht zuerkannt. In Zukunft sollen 
lnions-, Verbands⸗- und Vereinswettfahrten 
nlerschieden werden. Bei den beiden ersteren dürfen Sonder 
lassen und nationale Klassen ausgeschrieben werden, die jedoch 
usfallen konnen, wenn nicht zwei oder drei Jachten gemeldet sind. 
die Handikapvorschriften verbleiben in ihrer alten Form, werden 
edoch für A-Klassen, Sonderklassen und nationale Klassen nicht 
enehmigt. Ueber die Ermöglichung eines Ueberschreitens der 
zisherigen Fahrtgrenze für nationale Kreuzer wird mit dem Ger⸗ 
nanischen Lloyd verhandelt. Ueber den Preis der Sonder-⸗ 
lassenboote wird der Vorstand unter Zuziehung der Technischen 
dommission mit den Werftbesitzern in Unterhandlungen ein⸗ 
reten. Die vom Vorstand beantragten deutschefkandi— 
avischen Klafsen werden abgelehnt, dagegen wurde 
er Antrag, daß der Seglerbund dem Deutschen Reichs au s 
chuß für Olympische Spiele mit einem jährlichen Bei⸗— 
rag von 500 Muobeitritt, angenommen. Geh. Kommerzienrat 
züxenstein, Direktor Ul rich und August Tobias, sämt 
ich in Berlin, äLegten ihre Aemter nieder. Die beiden 
rsteren, die seit der Gründung des Verbandes Mitglieder des 
Korstandes waren, wurden zu Ehrenmitglhiedern ernannt. 
ßeheimrat Prof. Buslen wurde durch Zuruf zum Vorsietz en⸗ 
»en wiedergewählt. Die Wahl der übrigen Mitglieder erfolate 
»urch Zettelwahl. Gewählt wurden: Graf Hahn-Kiel, Geheim— 
tat Mendelssohn⸗Potsdan, Oswald-Hamburg, Konsul Piehl— 
Zübeck, Rechtsanwalt Jansen⸗-Hamburg, v. Gemmingen⸗ 
Friedrichshafen, Allmeyer-München, Dr. Strack-Hamburg, Ge— 
heimrat Dr. Rieß-Berlin, Georg Belitz-Berlin und Kaufmamn. 
In die Technische Kommission wurden delegiert: Adolf Tiet-⸗ 
gens, Ilgenstein und Hein. Die Einführung ei ner deut— 
o b fIagge wurde im Vrinzip beschlossen. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der „ A. und cl Z.c. 
Die Wirren in Mexilo. I 
W. Mexiko, 17. Nov. Der Minister des Innern, Al⸗— 
dape ist zurückgetreten. Der Rücktritt hängt wahr— 
cheinlich mit seinen Versuchen zusammen, Huerta zur Erfüllung. 
er amerikanischen Forderungen zu bewegen. Aldape ist der 
etzte der Minister, die auf Grund eines Uebereinkommens 
rnannt wurden, das zwischen Huerta und Diaz nach zehn⸗ 
ägigen Kämpfen im Februar auf der amerikanischen Botichaff 
mterzeichnet wurde. 
W. Mexilo, 17. Nob. Die Lage ist gespannt. Die 
vattin des französischen Gesandten hat sich nach Vera Cruz 
hegeben. Der Leiter der Cowdrays Oilcompany ist angewiesen 
worden, alle Frauen und Kinder, auch Männer, 
die es verlangen, nach Vera Cruz zu senden. 
W. Washington, 17. Nov. Der amerikanische Geschäfts⸗ 
träger O'Shaughnessy sandte einen neuen Vorschlag des 
mexrikanischen Kabinetts nach Washington. Der 
Vorschlag soll eine Grundlage für die Wiedereröffnung der 
Berhandlungen abgeben. Sein Inhalt ist nicht bekannt gegeben, 
doch wird erklärt, daß er nicht bestimmt genug gehalten sei, 
um den von der Regierung in Walhington gestellten Forderungen 
zu genugen. 
W. Newyork, 17. Nov. Nach einem Telegramm aus 
El Paso begannen die mexikanischen Insurgenten, 
die bei der Einnahme von Juarez gefangen genommenen Bun. 
dessoldaten zu erschießen. 
— Wie aus Mexiko gemeldet wird, sammelt sich ein Teil 
der Insurgenten um Orizaba. Durch die Einnahme dieser 
Stadt würde der Bahnverkebr nach der Küite unter— 
70 89 
W. Berlin, 17. Nowo. Min isterpräsidvent Kokowtzo w 
und Gemahlin sind in Begleitung des Direktors im Finanz⸗ 
ministeriun,. Dawydow, hier eingetrofpfen. 
W. Kiel, 17. Nop. Das erste Geschwader der 
bochseeflotte ist heute morgen zu einer Uehung in die 
Dist Jee ausgelaufen. Das zweite Geschwader folat am Nach— 
mittag. 
W. Peking, 17. Nov. Die Regierung hat die Mitglieder 
des Parlaments wissen lassen, daß, wem sie Peking ver⸗ 
assen würden, sie dadurch das Parlament arbeitsun— 
kähig machten und selber die Verantwortung tragen müßten, 
and daß die Regierung den Ersatz der Abgeordneten der Kao⸗ 
wrintungpartei eilig betreibe. 
* v 
Brandung ũd in einem russischen Dorf. 
Petersburg, 17. Nov. In der Nähe von Petersburg, 
m Kreise Gdow, brach in einem Dorf ein Feuer aus, das 
dreißig Gehöfte vernichtete. Bei dem furchtbaren Brande 
anden drei Bäuerinnen und sechs Kinder den Tod 
n den Flammen. Eine Unmenge Vieh und Getteide ist 
zerbrannt. Ein Bauer verlor seinen Verstand, als 
nan unter den Trümmern se'nes Haufes die Leichen seiner ver⸗ 
tohlten Kinder herausscharrte. 
* 
W Berlin, 17. Nov. An der Ecke der Wiener Straße und 
des Görlitzer Ufers wollte gestern die 28jährige Verkäuferin 
Kniffte den Damm unmittelbar vor einem Zuge der elektrischen 
Straßenbahn überschreiten. Sie wurde jedoch zu Boden 
gerisssen und so heftig geschleudert, daß sie das Bewußtsein 
derlor. Vald nach dem Einliefern ins Krankenhaus islt die 
Verletzte gestorben. 
— Auf der Johanmisthaler Chaussee ist gestern in einem 
zroßen Auto mobil während der Fahrt ei Brandausge⸗ 
brochen, da im Vergaser ejne Explosion entstanden war. Be—⸗ 
vor die Johannisthaler Feuerwehr eingreifen konnte, war das 
Fahrzeug vollständig ausgebrannt. 
W. Hamburg, 17. Nor. Im Zoologischen Garten hat gestern 
mittag die feierliche Eröffnung der von der Abteilung Hamburg 
des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien 
zum Besten der Hamburger Kolonialschwesternstiftung vom Roten 
Kreuz veranstalteten Chrysanthemum-Ausstellung in 
Anwesenheit des Protektors der Ausstellung, Herzog Johann 
Albrecht zu Mecklenburg mit seiner Gemahlin, des Präfidenten 
des Senats, Bürgermeister Dr. Schröder, und vieler anderer 
hervorragender Persönlichkeiten stattgefunden. 
Cuchaven, 17. Noo. Ein schweres Sturmwetter 
herrscht seit gestern in der Nordsee und an der Elbmündung 
der ausgehende Schiffsverkehr stoct. Wegen des Ver— 
hleibs einer Reihe auf See befindlicher Segler herricht groß⸗ 
Besorgnis. 
M. Rathenow, 17. Nod. Auf der Rennbahn des 
Märkischen Reitpferdezuchtvereins ereigneten sich gestern nachmittag 
kfünf Stürze. Leutnant v. Behlendorf vom 3. Feldartillerie— 
regiment zog sich einen bomplizierten Bruch des linken Schien⸗ 
beines zu. Oberleutnant v. Hohberg vom 13. Jägerregiment 
zu Pferde und Leutnant von Platen rom 15. Husarenregiment 
haben Schlüsselbeinbrüche erlitten. Leutnant Graf Holk von 
den 9. Dragonern und Leutnant v. Roden von den 13. Ulanen 
haben beim Sturze keinen Schaden erlitten. 
W. Flensburg, 17. Nowo. Der Südpolentdecker Am und— 
sen hat am Sonnabend hier einen Vortrag in deutscher 
Sprache gehalten und gestern abend in norwegischer 
Sprache. Gestern war⸗ein großer Teil der Zuhörer aus dem 
Norden der Provinz gekommen. Der Vortrag verlief ohne jeden 
Zwischenfall. Der Beifall war ebenso freudig und stürmisch als 
im Tage zuvor, an dem das Publikum nur aus Deutschen, 
darunter vielen Offizieren des Herres und der Marine, sich zu⸗ 
ammensetzte. Amundsen entzog- sich allen Ovationen, indem 
er sofort nach Schluß des Vortrages durch eine Hintertür ver⸗ 
schwand. 
W. Dresden, 17. Nov. Mit vollständig neuer Ausstattunt 
hat gestern die fünfhundertste Aufführung von 
WVagners „Tannhäuser“ eine große Wirkung erzielt 
Schuch legte zum erstenmal wieder den einfachen ersten Schluß 
der Dresdener Uraufführung von 1845 zugrunde. 
W. Köln, 17. Nov. Der Rheinssteigt weiter. Bei 
Mainz hat er die Hochwassergrenze überjchritten. 
Gestern nachmittag sind im Großherzogtum Hessen und 
in den angrenzenden Teilen der Provinz Hessen-Nassau, der 
Pfalz und Badens schwere Wolkenbrüche niedergegangen 
die mit einem orkanartigen Sturm verbunden waren. 
W. Stockholm, 17. Nov. Der Sekretär der Schwedischen 
Akademie, Karlfeldt, erklärte dem Svenska Telegram Bureau, 
daß anläßlich der Kandidatur Roseggers sowohl ischechischer-. 
wie auch deutscherseits Telegramme für und gegen die Kandida— 
tur einliefen. Diese hätten keineswegs irgendwelche Bedeutung 
für die Wahl des Nobelpreisträgers. Die Wahl hat 
ausschließlich vom literarischen Gesichtspunkt stattgefunden. Die 
Akademie wurde von keinem auswärtigen Drucke irgendwie be— 
einflußt. 
PC. Parxis, 17. Nov. Der Oberstleutnant, der ßzon der 
Militärbehörde mit der Untersuchung des Vorfarles von 
Zabern beiraut ist, hat nach einer Meldung des Excelsor 
aus Straßburg den dortigen Korrespondenten des Biattes 
empfangen und ihm erklärt, daß eine strenge Unter'uchung 
über den Vorfall eröffnet worden sei. Leutnant von Torstner 
und die Rekruten seien vernommen worden. Der Offizier er— 
klärte, daß die dem Freiherrn von Forstner in den 
Mund gelegten Worte nicht den Tatbichen ent⸗ 
prächen. Allerdings habe er von der Fremdenegton ze— 
sprochen und vor dem Eintritt gewarnt, niemals iei aber die 
Rede von der französischen Fahne gewesen. Der Off'zier er⸗ 
tlärte weiter, daß die Unterfuchung ihren Fortzang nehine. 
Falls fich daraus für Leutnant von Forstner unzünst'ge Er— 
gebnisse herausstellen sollten. werde dieser genötigt sein, seinen 
Abschied aus der deutschen Armee zu nehmen. 
PC. Lissabon. 17. Nob. Zwei Straßenbahnwagen 
tießen gestern infolge falscher Weichenstellung m ädor Vorstadt 
Alcantara zusammen. Ein Fahrgast ist hot. die Führen 
der beiden Wagen und mehrere Passagiere erlitten schwere 
Verletzungen und mußten ins Krankenhaus geschafft werden. 
kFine Anzabl anderer Fabrafste wurde durch Glassoltter leicht 
dersok* 
Bunte Chronik. 
„Do. Ein frohes Ereignis im Sause Braun— 
sbweig⸗Lüneburg,., Die Herzogin Viktoria Luise zu 
Braunschweig⸗Lüneburg, die Tochter des Kaiserpagres, sieht einem 
freudigen Ereignis entgegen. Der Zeitpunkt der Miedorkunft 
dürfte der Monat März sein. 
PC. Ein frecher Einbruch in einem Variser 
Juwelengeschäft. — Juwelen im Werte von 
200 000 Frs. gestohlen., Ein unerhört kühner Einbruß 
ist in der Nacht zum Sonntag in einem der, größten Parise 
Zuweliergeschäfte verübt worden. Als Sonntag vormittag de 
Laden des Juweliers Aldebert in der Rue des Capucines 2 
geöffnet wurde, bemerkte das Personal zu seinem größten Ent 
seßten. das alle Futterale, die wertvolle Schmuchstücke enthielten 
am Boden zerstreut umherlagen. In einer Wand des Ge— 
schäftes, das den Juwelierladen von den Verkaufsräumen des 
Pelzhändlers Goldstein trennt, klaffte ein Loch. das die Dieb 
in die Mauer geschlagen hatten, um auf diesem Wege Ein— 
zp in den Juwelierlsaden zu finden, nachdem sie vorher au 
isher noch unaufgeklärte Weise in das Geschäft Goldsteine 
eingedrungen waren. Wie die nähere Untersuchung ergab 
müssen die Einbrecher mit der Oertlichkeit genau vertrautge 
wesen sein, denn, sie haben 3 auf, der, Stelle das Lod 
in die Mauer geschlagen, an sie allein in die Räume des 
Juwelijers gelangen konnten. Die Diebe sind bei der Aus 
wahl ihrer Beute mit großer Sachtkenntnißs zuu Werke gegangen 
Sie haben sich die wertvollsten Schmucstuͤcke ausgesucht und 
im ganzen Juwelen im Werte von annähernd 200000 Irs 
gestohlen. Der Umstand, daß der Einbruch mit größter Ge— 
chiclichkeit und Vorsicht ausgeführt worden ist, läßt darauf 
chließen, daß man es mit gewerbsmäßigen, schweren Ver— 
hrechern zu tun hat, die noch, andere Einbrüche auf dem 
Zerbholz haben. Die Polizei hat sofort die Untersuchung 
zufgenommen, die hicher iednch noch keine Mnhaltspuntte ge— 
eben hat. 
PCO. Ein Botschafts-⸗Attachs, wegen Engel— 
nacherei verurteilt. Der Attaché, der Botschaft, der 
Bereinigten Stagten in Paris, Walther Baker, erschien Sonn— 
rbend vor der Strafkammer in Versailles. Baker war in ein— 
Uffäre wegen Engelmacherei verwidelt und der Verlauf der 
Verhandlungen ergab auch wirklich, daß er an eine Engel— 
macherin 50 Frs. zu unlauteren Zwecken bezahlt hat. —* 
erde zu einem Jabhr Gefängnis umer Strafaufschu 
perur tei
	        
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