Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abenbs, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
dreis für das Vierteljahr 3,30 Mark einschließlich 
Bringgeld in Lũbeck. DBurch die Post bezogen ohne 
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ilungen 1 Met. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Zatz den Anforderungen eutsprechend hoͤher. 00 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Imtsblatt der freien und hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachrichten sur das herzogtum Tauenburg, die 
ßeiblatt: Gesetze und Verordnungsblattte Zegenz urstentümer Katz eburg, Lübeck und das angren 
σσ——οο b Aan —— ——— zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
Orud und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. 8. m Lubedc. — Geschäftsstelle Adrez-⸗Aus (Köniastr. 46). Fernspre cher 8000 u. 00oi. 
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zonnabend, den 15. November 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 581. 
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Erstes Blatt. hierzu 2. Biatt. 
—PW—D2w n unlte betenu ιν 
Umfang der herctig eiten. 
nichtamtlicher Teil. 
Großadmiral v. Koester über den 
Flottenausbau. 
Im Flottenverein zu Wiesbaden hielt Großadmiral von 
Koester eine Rede, der wir solgendes entnehmen: Ver— 
leichen wir die Schiffsklassen der deutschen und 
englischen Flotte gegeneinander, so wird bei den Linien⸗ 
chiffen, bei denen 41 englische den 18 deutschen gegensiber⸗ 
tehen. das Verhältnis von 2:1 wenigstens annähernd gewahrt. 
ßanz anders sieht es aber bei den Kreuzern aus; hier stehen 
O englischen, selbst wenn wir unseren 8 zur Flotte gehörigen noch 
die amtlichen in der Seimat in Dienst befindlichen, zu Schul⸗ und 
Aebungszwecken verwendeten 9 hinzuzählen, mur 17 Kreuzer gegen⸗ 
Wer, so daß man hier nur eben von einem Verhalinis 
non 4: 1 zu sprechen vermag. Und doch sollte ich meinen, daß 
zerade für die schwächere, in Verteidigungsstellung befindliche 
Flotte, die jede sich ihr durch Teilung des Feindes oder durch 
die Möglichkeit für einen Nachtangrißf durch Torpedoboote 
ich darbietende günstige Situation als eine erfreuliche Ge— 
egenheit zur Aktion ausnützen sollte. eine gut durchgebildete 
tarke Aufllärung Lebensbedingung sein muß 
Wenn auch die Linienschiffe, das Rückgrat der Flotte, in 
erfreulicher Weise an Zahl zunehmen, do daß wir nach zwei Jahren, 
ilso im Jahre 1915. darauf rechnen können, die durch das 
Hesetz vorgesehene Zahl von 25 Schiffen in den Flottenverband 
eingereiht zu sehen, so werden wir dann an die größere 
Schlagfertigkeit unserer Referpeformattfonen zu 
»enlen haben, da der Zustand derselben den Bestimmungen des 
vbesetzes und der zu erstrebenden Kriegsbereitschaft noch beines⸗ 
vegs entspricht. Aber auch sonst wird der Personalfrage 
eine erhöhte Bedeutung beizumessen sein, damit unsere Mann— 
cchaften und Offiziere nicht bereits in Friedenszeiten über Ge— 
hr angestrengt werden und dadurch an ihrer Leistungsfühigkeit 
kinbuße erleiden könnten. Es handelt fich hier natürlich nur 
tm eine Geldfrage. Vor allen Dingen liegt aber die 
Anzulänglichkeit der für den Kriegsfall brauchbaren 
Kreuzer, wie bereits angedeutet, auf der Hand. Durch das 
Flottengesetz vom vorigen Jahre — 1912 — sind von der Ma— 
meverwaltung als notwendig anerkannt worden: erstens 8 große 
Kreuzer, 18 kleine Kreuzer als Mufklärungsschiffe für 
die Hochseeflotte: zweitens 4 große Kreuzer, 12 kleine Kreuzer 
ur die Reserveflotte; drittens 8 große Kreuger, 10 kleine 
xreuzer als WMuslandsflotte. Demgegenüber sind lat⸗ 
chlich vorhanden: für den erstgenannten Zwech 4 große Kreuzer, 
3 Heine Kreuzer ayy noch nicht 50 Prozent. von donen ahor 
in großer Kreuzer, „Goeben“, und 8 kleine Kreuzer, Straße 
urg“. „Breslau“ unde, Dresden“, Verwendung im Mittelmeer 
nden bezw. gefunden haben. Wenn wir diese Schwächung 
nserer heimischen Aufklärung auch bedauern, so 
ürfen wir uns andererseits vielleicht der Hoffnung hingeben, 
mdieser Division den Kern für das für unseren weltweiten 
»andelsschutz notwendige, von uns stets mit besonderer Wärme 
ertretene „Fliegende Geschwader“ zu erblicken. Für 
ie Reserveflotte besitzen wir 5 große Kreuzer und 2 kleine 
treuzer. Von den großen Kreuzern ist einer, „Blücher“, als für 
iesen Zwed vollwertiges Schiff anzusehen, zwei derselben, 
Friedrich Karl“ und, Prinz Adalbert“, werden von nicht allzu 
rohem Nutzen und nur beschränkt verwendbar sein. Zwei weitere, 
Roon“ und „VYorck“, befinden sich nicht einmal im Reservever- 
ältnis und würden voraussichtlich erst nach der Entscheidung 
w Kriegsfalle zur Verwendung gelangen können. Als Aus— 
indsschiffe sind einschließlich der inn Mittelmeer zur Verwen⸗ 
ung gelangenden Schiffe der Hochseeflotte vorhanden: 3 große 
— 
Aus diesen unbestreitbaren Zahlen ersehen wir, daß es 
amentlich an großen Kreuzern, sowohl bei der Flotte, wie 
œ Auslandsdienst, trotz unserer sich von Jahr zu Jahr steigernden 
beltinteressen wangelt. Ein vor wenigen Monaten gemachter 
ersuch, unfer Kreuzergeschwader in die australischen 
schutzgebiete zu entsenden, scheiterte daran, daß die Schiffe 
folge der in China ausgebrochenen Wirren Hals über Kopf 
ach Schanghai zurückkehren mußten. Noch immer steht zur 
ertretung unserer weitverbreiteten, fich ständig mehrenden ame⸗ 
kanischen Interessen — unsere Ausfuhr nach Argentinien und 
zrasilien hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verfünf- 
icht und unsere Interessen in Mexiko sind sicherlich nicht zurluck⸗ 
egangen — nur der kleine Kreuzer „Bremen“ zur Verfügung, 
er zeitweise, wenn die Not am größten ist, durch einige See— 
dettenschulschiffe unterstützt wird, die für den auswärtigen Dienst 
erhaupt keine Verwendung finden sollten, da sie als „schwim— 
ende Lehranstalten“ für Seekadetten und Schiffsfsungen und 
ach wegen ihrer sonstigen Eigenschaften sür jede ernstere Mtion 
ageeignet sind. Unter diesen Umständen mußte sich die Re— 
erung entschließen, den kleinen Kreuzer , RPürnberg“ vom 
reuzergeschwader in Ostasien, wo er schwer entbehrt werden 
ird, noch der Westküste von Mexiko zu entsenden. 
ranrkreich entsandte kürzlich dorthin den 10000 Tonnen 
rohen, zehn Jahre alten Panzerkreuzer ‚Comn dé“. Das sind 
erhältnisse, die dringend der Abhilfe bedürfen und die 
ch nur beseitigen lassen, wenn wir an dem für die laufende 
rneuerung unseres Flottenmaterials unbedingt notwendigen 
reischiffs⸗-Bautempo festhalten. Es würde dies, außer 
en durch das Schiffbauprogramm sestgelegten Neubauten, die 
eitere Anforderung von zwei Schlachtkreuzern bis zum Jahre 
317 bedingen. Diese würden rund 100 Willionen bosten 
id somit, da sich ihre Bauzeit auf vier Jahre verteilen würde, 
as jährliche Budget mit 25 Millionen belasten, von denen 
O Prozent in Arbeitslohn umzusetzen hind 
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Entschließen wir uns nicht zu dieser, bei dem wachsenden 
Wohlstand unseres Volkes verhältnismähßig geringen laufenden 
Mehrausgabe, so könnte es sich wohl ereignen, daß wir, 
mm uns die zweite, uns zukommende Stelle unter den 
uropäischen Marinen zu erhalten, im Laufe der Jahre 
u einer extraordinären Forderung veranlaßt werden könnten, 
ie im Interesse der ständigen Kriegsbereitschaft, der Wirtschaft- 
ichkeit und des weiteren Entwicklungsganges unserer Industric 
esser zu vermeiden wäre. 
Das von Churchill wieder aus der Versenkung hervor-⸗ 
eholte Flottenfeterjahr hat in England wie bei uns 
ine gleich scharfe Abfertigung gefunden. Wir wollen 
eine Kompromißflotte, sondern so viel Schiffe bauen, wie zur 
Herteidigung unserer Küste und zur Vertretung unserer Seeinter⸗ 
ssen erforderlich find. Ihr Ausbau im Rahmen des Flotten 
esetzes ist den maritimen Bestrebungen aller Staaten gegenüber, 
ie überhaupt einen Anspruch auf Seegeltung erheben können, und 
amentlich auch unter Bezugnahme auf energischen Bestre⸗ 
ungen der Allianz, nicht weniger dringlich geworden. Nod 
mmer bietet sie zwar einem Teile der englischen Presse Grund, 
ich in Angriffen gegen Deutschland zu ergehen, wenn auch 
chon mit ihrem Erstarken in weite ren Kreisen des eng⸗ 
ischen Volkes die Achtung vor uns zunimmt und das bisher 
sestandene Mißtrauen etwas im Schwinden begriffen ist, da sich 
ie Anschauung weiter Bahn bricht. daß uns die Ten— 
zenz eines Wettrüstens mit. England fernliegt, 
s sich vielmehr bei der Schaffung unferer Flotte lediglich um 
»en Standpunkt der Vertretung berechtigter Interessen gehan—⸗ 
relt hat. 
Das uns gebührende Ansehen im Erdenrund werden wir 
ins aber erst erringen können, wenn wir durch eine ange⸗ 
nessene Auslandsvertretung unserer schwarz-weiß- 
qAten Flagge diejenige Achtungsstellung zu erringen in der 
zage sein werden, die deutscher Kraft und deutscher Macht 
ukommt Mit dem Wachsen unseres Weltverkehrs muß der 
eutsche Aar seine Schwingen weiter ausbreiten; unsere Flagge 
nuß überall da, wo es deutsche Interessen zu vertreten gilt, 
eben derjenigen anderer Länder wehen. Der Schutz, den wir 
nseren tatkräftigen Landsleuten in fernen Landen schulden, 
ie vielfach als Pioniere für deutsche Interessen wirken, stellt 
ie ernste Forderung an uns, daß wir neben einer ausreichen⸗ 
en Zahl vonStationären“ auch ein dauerndes „Fliegen⸗— 
es Geschwader“ haben. In dieser Anschauung, die sich 
mmer mehr Bahn bricht, stehen uns die Hansestädte und 
veite Reedereikreise zur Seite. Darum werden Inlands⸗ und 
buslandsdeutsche die Nachricht mit Freuden begrüßen, daß die 
inienschiffe „Kaiser“ und „König Albert“ mit Kreuzer 
Straßburg“ zum Zwede ihrer Erprobung auf langer Fahrt 
ine mehrmonatige Reise nach dem Atlantischen Ozean 
intreten sollen; denn „Kriegsschiffe haben nicht nur 
Schlachten zu schlagen, sondernauch das Ansehen 
er Nation in aller Welt zu stärken!“ 
Irrlichter des Glücks. l 
Ein Gesellscheftsroman von der Riviera. 
Von Erich Friesen. 
17. Fortsetzung.) Machdruck verboten.) 
Wie mag das Medaillon in den Besitz des Fürsten ge— 
ommen sein? Warum will die Mutter ihr durchaus nicht 
ie Adresse der Leute nennen, denen sie das Kind seinerzeit in 
dflege gegeben? Weshalb regte die Mutter sich so seltsam 
auf bei dem Gedanken, daß die Tochter die Angelegenheit von 
run an selbst in die Hand nehmen will? Müßte sie sich nicht 
reuen. der Mũhe enthoben zu sein? 
Noch schleicht sich kein Mißtrauen gegen die Mutter in 
renes Herz. Nur Verwunderung. Und Unbehagen. Aber sie 
st fest entschlossen, fich Klarhert zu erzwingen — über alles. 
Rasch schreibt sie ein paar Zeilen an Madame Lolo und 
bergibt sie Jeanette zur lofortigen Besorgung. 
Das so lange eingedämmte Pflichtgefühl bricht sich mit 
lementarer Gewalt Bahn. Die Mutiebinstinkte sind in ihr 
rwacht und drängen alle Bedenken zurück 
vracht, vor dem spitzenbesetzten Lager. Ihre schwarzen Brauen, 
iie sich über der kräftigen Nase fast berühren und dem dunklen 
besicht etwas Tragisches geben, sind finster zusammengezogen. 
„Armes Kind,“ murmelt sie leise vor sich hin. „Was hat 
r mit ihrt vor?? Sie ist noch so jung, so unerfahren! Sie 
zeiß noch nichts von der Schlechtigkeit der Welt. Sie sieht aus 
ie ein verschüchtertes Vögelchen, das sich instinktiv vor den 
drallen eines großen Raubvogels duckt.“ 
Näber tritt sie an die Schläferin heran. Dann zieht sie 
us den Falten ihres weiten Wollrocks das Medaillon, mit dem 
e gestern abend Mirjams leisen Widerstand so rasch in will— 
ährigen Gehorsam verwandelte, und untersucht es sorgsam. 
Nach längerem Bemühen gelingt es ihr, es zu öffnen. 
Ein wunderbar schönes blondes Frauenantlitz blickt sie aus 
rohen, fragenden Augen an. Und daneben ein tiefbrünetter 
MNännerkops mit dem unwwerkembaren Typus des Südländers 
nd einem bestrickenden Lächeln um die bärtigen Lippen. Auf—⸗ 
rerlsam vergleicht die Frau die Züge der Schlafenden mt 
enen des Frauenbildnisses. Eine gewisse Mehnlichkeit ist un— 
erkennbar; doch erscheint das Geficht des schlafenden Mädchens 
igendlicher und zarter, gewissermaßen unberührter. 
In Nachdenken verfunken, blickt sie lange auf die beiden 
zhotograrhien. Stehen sie in irgend welchem Zusammenhang 
cit dem armen Kinde dort, das sie auf Befehl des Fürsten 
ierherlocken mußte? .... 
Plötzlich schließt sie das Medaillon fast heftig. 
„Wie komme ich dazu, den Handhungen meines Herrn nach⸗ 
uspüren?“ murmelt fsie finster vor sich hin. „Ich, die ihm 
ient mit humdischer Treue, danrit er ihr ihrer Seele Seligkeit 
urucdgãbe! Freilich, wemm er mich täuschte! Wenn —“ sie 
allt die Faust und schwingt sie drohend, um gleich darauf wieder 
a unterwürfiger Haltung zusammenzafinken. „Sei stille, mein 
herz! Er hat es mir versprochen. Und ich muß ihm glauben. 
Mir bleibt ja keine Wahl!“ 
Noch einen mitleidigen Blick wirft fie auf das liebliche, im 
ẽ„chlummer sanft lächelnde Madchengesicht. Dann verläßt sie 
asch das Zimmer. — 
Als Mirjam am nächsten Morgen erwacht, fühlt sie sich 
isch und kraftig, wie seit langem nicht. Mit hellen, klaren 
sugen blickt fie um sich. Im Moment entsinnt sie sich gar 
— 
nicht. wie sie hierher gekommen in dieles elegant ausgestattete, 
behagliche Zinrmer mit der zartblauen Tapete, den weißlackierten. 
ierlichen Möbeln und den duftigen Spitzenvorhängen — 
Dam fällt es ihr ein. Und damit das Ungewöhnliche, 
kigentümliche ihrer Situation. Suchend schweift ihr Blick nach 
»er Tür, die sich soeben leise öffnet. 
Die Frau tritt ein, die sie gestern abend hierher gebracht, 
n der Hand ein Tablett mit einer Tasse Schobolade und Keks. 
Mirjam richtet sich ein wenig in den Kissen auͤf und streckt 
»er Frau die Hand entgegen. 
„Wo bin ich?“ 
Wieder breitet sich jener weiche, mütterliche Ausdruck über 
groben Zuge der Frau, der sie so seltsam verschönt. 
„Bei Freunden, liebes Kind.“ 
„Bei Freunden?“ wiederholt Mirjam, während es in ihren 
Uugen freudig aufleuchtet. „Hat man aus dem Kloster „Sacrs 
roeur“ nach mir geschickt?“ 
„Nein, mein Herzblatt.“ * 
„Nicht? ... Wer sind Sie denn?“ 
„Ich heiße Maruschka.“ 
Forschend blicken die grostzen blauen Augen in die dustern 
chwarzen der Frau. 
„Was haben Sie mit mir vor, Maruschla?““ 
Ein bitteres Lächeln umspielt Maruschkas Lippen. 
„Ich bin nur die Dienerin einer anderen Person, liebes Kind, 
ind habe keinen eigenen Willen.“ 
„Wer ist diese andere Person?“ 
„Das wird sie dir felbst sagen. Jetzt steh' auf! Es ist 
hon swät am Tage. Beinahe zehn Uhr.“ 
Mit einem lbeisen Seufzer erbhebt sich Mirijam aus den 
Kissen! Wie ist das alles doch so seltsam! Ste möchte sich 
o gern freuen, daß fie dem unruhigen Nomadenleben entflohen 
st. Aber es will keine rechte Freude aufkommen. 
Wem fsie nur wüßte, wer ihre unbekannte Beschüutzerin ist! 
Während Mirjam langsam Toilette macht und dazwischen an 
er Schokolade ninpt, schweifeid Maruschlas Blicke wiederholt 
mruhig durchs Fenster auf die Straße. 
Endlich vernimmt ihr scharfes Ohr in der Ferne Pferde« 
etrappel. Rasch eilt sie hinaus. 
Vor der kleinen gußeisernen Pforte prinat soeben Wirst 
Fast willenlos hatte sich Mirjam der fremden Frau, die 
ie dem verhaßten Zirkusleben entflührte, überlassen. Die Auf- 
egungen der letzten Tage waren zu viel gewesen für ihren 
arten Körper. Die Natur *ordert ihre Rechte. Mit ge⸗ 
hlossenen Augen ruht das Madchen in den Polftern des 
Wagens, ohne zu denken, ohne ein Wort zu sprechen. Sie 
uhlt nur, wie die kraͤftigen Hände ihrer Begleiterin die ihren 
mspannt halten und die wohltätige Ruhe sich auf ihre er— 
egten Nerven herabsenkt. 
Als der Wagen nach etwa halbstündiger Fahrt hält und 
Nirjam schlafbefangen die Augen öffnet, gewahrt sie ein 
leines villenartiges Haus, das halb versteckt ist hinter ver⸗ 
vorrenen Hecken wilder Rosen. 
Wie im Traum läßt sie sich aus dem Wagen heben und in 
das Haus geleiten. Wie im Traum auch nimmt fie ein paar 
Bissen zu sich, die ihre Begleiterin ihr sanft aufdrängt. Wie 
m Traum läßt sie sich entkleiden und schlääft gleich darauf tief 
end fest — den Schlaf völliger Erschöpfung. 
Mit gefalteten Händen steht die Frau, die sie hierher ge⸗
	        
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