Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Deutsches Reich. 
Von der Munchener Suldigungsfeier wird noch berichtet, 
daß der große Empfang, der am Abend der Huldigungsfeier 
mResidenzschloß stattfand, einen überaus glänzenden 
Verlauf nahm. Der König und die Königin unterhielten 
sich besonders freundlich mit den Deputationen der Unter— 
»ffiziere und der Arbeitervertreter, die bis von 
der Pfalz her gekommen waren. Der letzte Teil des Empfanges, 
»er bis 11 Uhr ausgedehnt wurde, gestaltete sich ungezwungen 
ind herzlich. Die Gäste wurden in den verschiedenen Sälen an 
eichbeseßten Büfetts mit königlicher Freigebigkeit bewirtet. 
Zu einem imposanten Festakt gestaltete sich gestern der Fadel⸗ 
ug, den abends die Studentenschaft der Münchener 
Zochschulen darbrachte. In den 3000 Teilnehmer umfassenden 
zug waren Musikkapellen eingereiht. Um 8 Uhr bog die 
Spitze des Zuges in den Max-⸗-Joseph-Platz ein, den ein zahl⸗ 
reiches Publikum umsäumte. Die Chargierten stellten sich mit 
»en Bannern vor dem Denkmal auf, dahinter die Facelträger, 
vährend die Chargierten zu Pferde den Denkmalsplatz um⸗ 
äumten. An den Fenstern des ersten Stockwerkes des Königs⸗ 
baues versammelten sich die Mitglieder der königlichen Familie. 
die Rektoren, Senatoren und Vorstände der hiesigen Hoch- 
chulen waren vom König eingeladen, der BSuldigung beizu⸗ 
vohnen. Als der König mit der Königin am Mittelfenfter er⸗ 
chien, brachte nach huldigenden Worten der Präsidierende ein 
reifaches Hoch aus, in das die Studenten begeistert einstimmten. 
Dder König empfing sodann eine Abordnung der Studenten⸗ 
schaft. Als das Königspdaar sich wieder am Fenster zeigte, 
zrauste ihnen erneut ein dreifaches Hoch entgegen. Unter Musik— 
klängen zog dann der Facdelzug durch die Straßen der Stadt 
nach der Theresienwiese, wo unter Absingen des Gaudeamus 
die Fackeln zusammengeworfen wurden. Der König und die 
zönigin blieben am offenen Fenster der Residenz stehen, bis der 
zug sich vollständig entfernt hatte. 
25jãhrige Zugehõrigkeit des Königs Viktor Emanuel zanr 
reußischen Armee. Der Präses der preuhschen Generalordens⸗ 
ommission, General der Infanterie von Jacobi, hat einen 
ängeren Urlaub nach Italien angetreten Anschliehend daran 
vird General von Jacobi im Auftrage des Kaisers dem 
König Viktor Emanuel von Italien das Dienstauszeichnungs⸗ 
reuz für 25jährige Zugehörigkeit zur preußischen Armee über⸗ 
reichen. König Viktor Emanuel ist bekanntlich Chef des König⸗ 
ich Preußischen Husaren-Regiments König Humbert von 
Italien (J. Kurhessischeß Nr. 13 und wird außerdem im 
kKöniglichen Infanterie-Regiment (6. Lothringisches) Nr. 1458, 
»essen Chef der Kalser ist, geführt. 
Kokowtzows Reise nach Berlin. Der russische Minister⸗ 
»räsident Koktowtzow trifft nach dem Lokal-Anzeiger erst 
uim nöchsten Muontag, olso um einen Tag später als anfänglich 
n Aussicht genommen war, in Berlin ein und gedenkt dort 
»is Donnerstag ahend zu verweilen. Da der Karser erst 
Dienstag nach Potsdam zurückkehrt, nimmt man an, daß 
herr Kokowßon. Donnerstag Gelegenheit haben wird, Kaiser 
Vilhelm zu sehen. 
Reiche rerficherungsanstalt für Angestellte übher Veleihung 
on Grunditücken. Bei der letzten Sitzung des Verwaltungsrats 
der Reichcnersicherungsanstalt für Angestellte hat bder Verwal⸗ 
ungsrat sich zu den allgemeinen Bedingungen der Anstalt für 
zie Beleihung von Grundstücken sowie über die Grundlaätze des 
Direktoriums für die Ermittelung des Wertes städtischer Grund⸗ 
tücke gutachtlich geäußert. Es wurde von einem Vertreter der 
Angestellten ein Antrag eingebracht, der die Förderung 
»es gemeinnützigen Wohnungswesens für Pri— 
»atangestel!lte bezwechte. Der Vorsitzende erklärte, dab er 
»en Anitag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des 
Herwaltungsrats steiien werde, damit er in der Lage kKi, die 
LTuffassung des Direktoriums mitzuteilen. Zu den allgememen 
Bedingaungen der Beleihung und den Grundsätzen der Wert⸗ 
»Tmittlung von Grundstücken wurden eine Reihe von Abände— 
uungen vorgeschlagen; das Direktorium wurde éeclucht, den 
ndaültigen Wortlaut der Beleihungsbedingungen ducch Ver—⸗ 
ffentliching in den amtlichen Nachrichten weiteten Kreisen 
hekannt zu machen. Der Verwaltungsrat sprach sich serner dahin 
ms, daß die Mitwirkung berufsmäßiger Vermittler auf dem 
ßeldmurkte auch für die Reichsversicherungsanstalt nicht zu 
utbehren sei, auf jeden Fall aber einem Monopol einzelner 
Lermistler sür bestimmte Plätze grundsätzlich vorgebeugt werden 
nöge. Der Vorsitzende erklärte namens des Direktoriums 
»efsen Uebereinstimmung mit diesem Standpunkte. Die gleiche 
ibereinstiremende Auffassung ergab sich über die Frage der 
zuziehung privater Grundstücdsschätzer. 
Die Russlösung der Braumischweigischewelfischen Partei. In 
ier letzten Sitzung der „Vaterländischen Vereinigung Braun⸗ 
⸗ —————— 
In diesem Glauben ließ Madame Lolo sie wenigstens. 
Wie hätte Irene auch der Gedanke kommen können, daß die 
Mutter selbst gar keine Ahnung hatte von dem Aufenthalt 
des Kindes, daß sie gar nicht wußte, ob es überhaupt noch 
ebte, daß sie das Geld einfach in ihre eigene Tasche wandern 
ieh! Ihre ganze Sorge ist nach wie vor darauf gerichtet, 
vie sie dem Gatten jene Jugendtorheit auch fernerhin verbergen 
önne, damit seine Liebe und Achtung ihr erhalten bleiben. 
Und jetzt, nachdem sie sich zu einem gewissen Seelenfrieden 
hat durchgerungen, nachdem sie glaubte, die dunklen Schatten 
seien endlich aus ihrem Leben geschwunden — jetzt taucht aufs 
ieue an dem Sonnenhimmel ihres Eheglücks eine Wolle auf, 
zröhßer, dunkler, dräuender denn je zuvor! 
Ja, sie hat es auf den ersten Blick erkannt, jenes Me⸗ 
aillon, das Fürst Orloff ihr entgegenhielt, wem sie 64* 
aicht eine Sekunde daran glaubt, daß er es in der Loge 
gefunden. Wer weiß, durch welch seltsame Verkettung von Ereig⸗ 
tissen es in seine Hände kam! 
Vor vielen Jahre⸗ hatte sie es nebst anderen Schmuchstücken 
zer Mutter übergeben. Nur nichts mehr sehen wollte sie von 
iII den Gegenständen, die stumme Zeugen ihres Unglücks, 
chrer Erniedrigung, ihrer Verzweiflung gewesen waren! Dann 
hatte sie das Geschmeide ganz vergessen — wie all das, was 
mit jener Zeit zusammenhing. 
Wie ein Alp bedrückt es fsie, daß das Medaillon, das 
e einst als Brautgeschenk jenes Mannes empfing, der aus ihrem 
Leben ausgelöscht ist, gerade jetzt wieder auftaucht. Auftaucht 
n den Händen des Fürsten Orloff, den sie — noch nie fühlte 
zie es so deutlich wie in diesem Augenblick — nicht mehr zu 
hren Freunden zählen darf. Nein, der sich in ihren Feind 
verwandelte. In ihren Todfeind. 
Eie grübelt und grübelt.... * 
— Fortlekuna folatJ.. 
hweig“ gelangte der bereits angekündigte Antrag auf Auf— 
zsung der Braunschweigisch-welfischen Partei zur Besorechung. 
ach kurzer Debatte erfolgte, wie die Braunschweiger Neuesten 
dachrichten mitteilen, nachstehender Beschluß zur Unnahme: 
Durch den Rogierungsantritt eines Mitgliedes des andestamm⸗ 
en Fürstenhyanses ist der Zweck der Braunschweigisch⸗welfischen 
zartet und das von ihr seit Jahrzehnten unerschroden und 
nit allen Kräften verfolgte Ziel aufs glücklichste und restlos 
rreicht Eine andere politische Aufgabe hat hr niemals vor⸗ 
eschwebt und son von ihr auch in Zukunft nicht erstrebt werden. 
die Partei erklärt sich deshalb mit aufrichtigem Danle gegen 
lle ihre treuen Mitkämpfer hiermit für aufgelöst, indem sie 
s den vaterländischen Vereinigungen überläht, zur Förderung 
aterländischer Geselligkeit und Pflege der Anhänglichkit an die 
raunschweigische Heimat und das angestammte Fürstenhaus 
zren Fortbestand zu wahren.“ Des weiteren wurde befschloß 
en Antrag der Vartei zu überweisen. Von den anwejenden 
zorstandsmitgliedern der Partei wurde darauf die Einberufung 
ines Parteitages zum 230. November beschlossen. Wir be— 
rühen diesen bemerkenswerten Beschluß als ein erfre Aliches 
eichen der Zeit, als den Ausdruck einer guten vat⸗lIändischen 
zesinnung der Braunschweiger. Die Deutsch-Hannoveraner wer—⸗ 
zen jetzt wohl endgültig zu der Einficht gelangt sein, daß ihre 
zonderbestrebungen im Herzogtum Braunschweig keinen Rüd⸗ 
alt mehr finden, und sich demgemäß beschränken müssen 
Sozialdenmolratische Wirtschaft in den Krankenkasen. Die 
zwzialdemokratie hat es immer abgestritten, daß Sozialdemo—⸗ 
caten ihre Eigenschaft als Krankenkassenbeamte zur Partei— 
aitation ausnutzen. Da ist eine Untersuchung lehrreich, welche 
er Rat der Stadt Leipzig gegen Pollender, den sozial⸗ 
emolratischen Vorsitzenden des Vorstandes der Ortskrankenkasse 
deipzig und Umgegend eingeleitet hat und auf Grund deren Herrn 
doslender eine Ruge erteilt wurde. Es wird darin feltgestellt, 
aß Pollender Kasseneinrichtungen und Kalsen— 
räfte zur Abfalsung einer sozialdemokratia- 
chen Zwecken dienenden Agitationsbroschüre für 
ie Kassenwahlen benutzt hat, und daß eine direkte 
zerwendung von Kassenmitteln zu dem aleichen 
Zwecke nur dadurch verhütet wurde, daß das Versicherungsamt 
och rechtzeitig die bereits angeordnete Versendung der 
Ruckschrift auf Kosten der Krankenkalle unterbin— 
en konnte. Die Herrn Pollender erteilte schriftliche Rüge 
chließt mit folgenden Sätzen: „Sie haben sich somit auch in 
inanzieller Hinsicht einer Verletzung Ihrer 
Umtspflicht schul dig gemacht. Sollten Sie in der einen 
der ondern Richtung zu einer Wiederholung schreiten, so würden 
zie auf Grund der Bestimmungen in 8 42 des Krankenversiche⸗ 
ungsgesetzes und 8 24 der Reichsverficherungsordnung Ihre 
1Imtsentsetz ung zu gewärtigen haben.“ 
Die Revision in dem Ersurter Aufruhrproze; gegen fünf 
heservisten und Landwehrleute, der so großes Aufsehen er⸗ 
egte, und den Anlaß zur Aenderung des Militärstrafgesetzbuches 
ab, wird noch in diesem Monat das Reichsmilitärgericht in 
harlottenburg beschäftigen. Gegen das Urteil des Oberkriegs— 
jzerichts in Erfurt hatte der kommandierende General des 
1. Armeekorps Revision angemeldet. Wie ijetzt bekannt wird, 
st in dieser Strafsache, die unter dem Rubrum „See und 
zenossen“ geführt wird, Termin zur Hauptverhandlung auf 
dienstag, den 25. Nov., vorm. 10 Uhr, angesetzt. Die Ver—⸗ 
zandlung findet vor dem ersten Senat des Reichsmilitärgerichts 
anter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Thielmann statt. 
schutzgebiete. 
Zum FJall Schleinitz. Die falschen Beschuldigungen des 
zentrums gegen den verdienten Schutztruppen-Kommandeur von 
)stafrika, Frhrn. v. Schleinitz, dürften, wie die Tägl. Rundsch. 
rfährt, den vom Zentrum erhofften Erfolg, den bewährten 
)ffizier abzusägen, nicht haben, und aller Voraussicht nach 
dird Herr v. Schleinitz in absehbarer Zeit wieder als Komman— 
eur der Schutztruppe nach Ostafrika zurückkehren. Dazu wird 
och folgendes mitgeteilt: Das Zentrum hat bekanntlich zwei 
Zorwürfe gegen Herrn v. Schleinitz erhoben: Schleinitz soll 
s unterlassen haben, eine Untersuchung über die auch im 
deichstag zur Sprache gekommenen Grausamkeiten eingeborener 
ilfstruppen gelegentlich der Urundi⸗Expedition einzuleiten. 
erner wurde behauptet, Herr v. Schleinitz habe seine Unter⸗ 
ffiziere gegen den früheren Gouverneur v. Rechenberg „auf—⸗ 
ehetzt“ und mit ihnen gewisse Meinungsverschiedenheiten 
wischen ihm und dem Gouverneur besprochen. Es hat sich 
run neuerlich herausgestellt, daß beide Anschuldigungen voll⸗ 
ändig haltlos sind, obwohl auf Grund der Ersbergerschen 
lIngriffe eine nochmalige genaue Untersuchung eingeleitet wurde. 
der Kommandeur der Schutztruppen, Herr v. Glasenapp, hat 
vas Verhalten Schleinitz' gelegentlich der Urundi-Expedition als 
Theater, Kunst und Missenschaft. 
Deutischer Buͤhnenspielplan, Verlag von Oesterheld & 
Fo., Berlin W., der mit Unterstützung des Deutschen Bühnen— 
ereins herausgegebene deutsche Bühnenspielplan aller deutschen 
Bühnen, liegt in Heft II, Monat Oktober vor. Er bietet 
ine ausgezeichnete Aebersicht über alle Urausführungen des 
Nonats, Nachträge und Berichligungen des Monats September 
owie eine alphabetische Zu'ammenstellung der deutschen Theater 
nit dem Spielplan des Monats Oktober 1913. Der Bezugs⸗ 
reis beträgt 12 M, die Einzelnummer kostet 1.25 M. 
Bg. 
Deaͤe Ausd⸗dung eines röwmishn Ampheth'iaters in Augsburg. 
In der Augsburger Stephansgasse, in einem an der Grenze 
»es alten „Augusta Vendelicorum“ liegenden Stadtteil, sührten 
1 diesen Tagen die im Zusammenhang mit dem geplanten Neu— 
au des Kinderheims und des Exerzitienhauses vorgenommenen 
erdarbeiten zu einer interessanten archäologischen Entdecung. 
zm Verlaufe der Arbeiten wurde, wie der Bauwelt von der 
zauleitung mitgeteilt wird, eine ganze Reihe römischer Bau— 
oerke freigelegt. Obgleich der Oberbau des ausgegrabenen 
Verkes naturgemäß fehlt, lieh der Unterbau sofort e kennen, 
ak man einer Schöpfung römischer Baukunst gegenüberstand. 
der Fund war dabei mit der Entdedung zahlreicher kleineret 
ßegenstände verknüpft, man fand Münzen, vendelinische Gesäß— 
este mit Graphitbezug, größere und kleinere Amphorenreste, 
kerrasigillatascherben, ein Stück von einer römischen Säule u'w. 
zei den angestellten Nachforschungen ergab es sich, daß man 
„er vor den Ueberresten, des Amphitheaters der römischen 
Kolonie stand. —A 
Bode über eine Kunftausstellumng in San Fra zisko. Gene— 
aldirektor Bode äußerte sich über die von neuem aufgetauchte 
rrage der Beteiligung deutscher Künstler an der Ausstellung in 
San Franzisko folgendermahen: „Den Bestrebungen, im San 
Franzisko eine Ausstellung deutscher Kunst zu veranstalten, kann 
mnan nur Erfolg wünschen. Es ist zu hoffen, daß Aussicht be— 
ollständig einwandfret erklärt und die gegen seinen Untergebenen 
‚erichteten Angriffe als unbegründet zurückgewiesen. Ebenso 
at sich herausgestellt, daß die Erzbergersche Beschuldigung, 
herr v. Schleinitz habe versucht. seine Unteroffiziere gegen den 
ßouverneur v. Rechenberg aufzubringen, einfach frei erfunden 
st. Der Fall Schleinitz ist der Entscheidung des Kaisers unter⸗ 
zreitet worden, die wohl schon in allernächster Zeit fallen dürfte. 
Da Staatssekretär Dr. Solf die Leitung des Kolonialamts 
vieder übernommen hat und die inzwischen geführte Unter— 
suchung die vollständige Schuldlosigkeit des Herrn v. Schleinitz 
engeben hat, ist an der Rückkehr des Freiherrn v. Schleinitz 
nach Ostafrika nicht mehr zu zweifeln 
Ausland. 
Franfkreich. 
Gerüũchte von deuisch-frauzös schem Difsferenzen hber die 
——DDDD— 
ischen Kammer als auch auf der Pariser Börse Gerüchte um, 
»akß es zu Schwierigkeiten zwischen Paris und Berlin in der 
Ingelegenheit der Kongo-Grenzbestimmung gekommen sei. Nach 
»en an maßgebender Stelle eingezogenen Erkundigungen sind 
oiese Gerüchte durchaus unbegründet. Es finden augenblicklich 
nicht einmal Verhandlungen über den Kongo zwischen Paris 
und Berlin statt. 
Rumnien. 
Ein Dementi. Das Journal des Debats halte am 7. Nov. 
die Zuschrift eines gelegentlichen Korrespondenten veröffent— 
icht, derzufolge Minister Jonescu der bu'garischen Regierung 
en Beitritt Rumäniens zum Balkanbund als 
ßegenleistung für die Abtretung der von Rumänien verlangten 
ßebiete angeboten hätte. Die offiziöse Politika ist zu der 
ẽrklärung ermächtigt, daß die rumänische Regierung niemals 
»arüber beraten habe, ob man Bulgarien ein Bündnis anbieten 
olle. Es sei auch unrichtiag, daß Ministerpräsident Majorescu 
»der die Minister Marghiloman oder Filipescu cinen Vorschlag, 
kumänien solle in den mit der Türkei Krieg führenden Balkan— 
„und eintreten, gebilligt hätten. 
Amerila. 
Die mexikanischen Wirren. Gestern, am späten Abend, 
eilte Präsident Wilson den Journalisten mit, in zwölfter Stunde 
zabe sich in der Angelegenheit der Abdankung Huertas etwas 
reignet, das ihm die Situation erheblich günstiger 
rscheinen basse. Mehr zu sagen, lehnte Wilson jedoch ab. — 
die Mehrzahl der Deutschen in Torreon hat trotz 
viederholter Warnungen amtlicherseits die Stadt noch nicht 
erlassen. Eine amerikanische Karawane ist am 1. November 
»n dort nach Saltillo abgegangen. Es befinden sich bei 
hr auch vier Deutsche. Die Gesandtschaft hat unter 
»inweis auf wahrscheinlich bevorstehende Kämpfe 
»en Deutschen in Torreon und in Durango erneut 
„ringend geraten, diese Orte zu verlassen, und Mittel 
ind Wege nachgewiesen. — Aus Nogales wird gemeldet, 
aß der Führer der Konstitutionalisten Carranza, erklärt 
abe, er würde keinerlei Vermittlung, weder von 
en Unionstaaten noch von einer anderen fremden Regierung, 
nnehmen. Carranza wiederholte seine frühere Erklärung, 
aß die Konstitutionalisten lediglich das Recht der Einfuhr 
won Waffen und Munition von den Unionstaaten aus wünschten. 
— Die Msociated Preß meldet aus Mexiko City: SHier sind 
eue Meldungen eingetroffen, daß Präsident Suerta 
efloahen sei. da er unauffindbar sei. Die Gerüchte, die 
eit ein paar Tagen umgehen, daß er beabsichtige, auf einem 
»eutschen Dampfer nach Europa abzureisen, finden keinen 
Slauben, da Huerta in seiner Lebensführung keine Regel⸗ 
näßigkeit beobachte; vielmehr sei es wahrscheinlich. daß er 
oieder aquftauchen werde. — Nach einer Meldung aus Mexiko 
Fity gaben die dortigen Bankiers bekannt, daß allwöchent⸗ 
ich Freitags den Geschäftsleuten Silber. werde zur Ver— 
ügung gestellt werden. Aber gleichzeitig verlangen sie, daß 
ie Geldgesuche schriftlich zwei Tage vorher unter Angabe des 
zesorderten Betrages ihnen eingereicht werden. Es ist nahezu 
inmsglich, gegenwärtig bei den kleinen Banken Silber zu er⸗ 
jalten, und nur in beschränktem Maße bei den Notenbanken. 
Die Bankiers kamen überein, die Regierung zum Einschreiten 
zegen diejenigen zu ersuchen, die Papiergeld diskontieren. — 
Japan entsendet den Kreuzer „Idzumo“ nach Mexiko. Im 
Zusammenhange damit ist ein wenig glaubhaftes Gerücht auf 
getreten. daß Mexiko Japan mit dem Bau von sechs 
Kriegsschiffen beauftragen werde, falls Suerta Prä⸗ 
ident bleibt. 
— — 
steht, die Amerikaner von ihrer bishesigen Nicht chtung der 
nodernen deutschen Kunst ab ubr'ngen. Alle dings mü'te man 
Werke zeigen können, die ein wirklich hohes Niveau haben. 
lnsere Jugend, die ja zunächst in Betracht käme, ist größten—⸗ 
eils dem Futurismus verfallen. Auch in die bedeuntenden 
tünstlervereinigungen, wie etwa in die Sezession in Berlin, 
ie sich ja leider aufgelöst hat, war er schon eingedrungen. Nie⸗ 
nand geht mehr in die Akademien. So wird es dringend nötig 
ein, sich bei Auswahl der Werke an die Schöpfungen guter alter 
dunst zu halten. Ob es gelingen wird, den Geschmack in den 
zereinigten Staaten, der jetzt in erster Linie moderne franzö— 
—— 
bzuwarten.“ Der Vorsteher ver kunstgewerblichen Abteilung 
es Newyorker Metropolitan-Kunstmussums, Dr. Valen— 
tiner, sagt von seinen Gesichtspunkten aus: „... Schon 
lein wegen des deutschen Kunstaewerbes, we'ches in einer von 
er ganzen übrigen Welt ungeahnten B'üte steht, ist der Ent— 
chluk der deutschen Regierung tief zu beklagen. Ich habe seit 
wei Monaten Deutschland, Rußland, Frankresch und Italien 
ereist ind mein Hauptaugenmerk auf das Kunstgewerbe dieser 
änder gerichtet, um die mir unterstehende Abteilumg des 
Netropolitan-Museums weiter auszubauen, und ich weiß, wovon 
ch spreche, wenn ich behaupte, daß das deutsche Kunstgewerbe 
em aller anderen Länder der Welt weit voraus ist.“ 
Die schwediiche Gradmessurgslommiffion auf Spitzbergen hat, 
»em Stockholmer Dagbladet zufolge, ihre Arbeiten fast be— 
ndet. Die Arbeiten der Kommission sind innerhalb 18 Jahren 
n 30 Abschnitten ausgeführt worden. Die Initiative zu den 
Irbeiten hat Prof. Jäderin im Jahre 1897 ergriffen. Die 
rste Expedition ist 1898 nach Spitzbergen abgegangen. Man 
laubt, daß die Gradmessungsarbeit es ermöglichen werde, 
enauer als bisher die Läuge der Rotationsachse der Erde, die 
jorm unseres Planeten, sowie andere, wissenschaftlich wichtige 
raktoren anzugeben.
	        
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