Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Tagesbericht. 
Lübeck, 13. November. 
Die Zuggeschwindigkeit im Ausland. v 
die Technit saeht na ch Uangen. eebabenden 
ßahnlinien. England an erster Stelle 
den europäischen Staaten. 
Man schreibt uns: In der Zeitung Järnvägen per· 
offentlicht Herr Eric Hallström einen Artikel über die Zugs— 
geschwindigkeit in Deutschland, England und Frankreich, in 
welchem die neuen Bestrebungen, nach Möglichkeit 3 eit zu 
paren, geschildert werden. Eingangs weist er auf die ge⸗ 
inge Siabilität der Fahrpläne hin, welche auf die Schwierig- 
deit zurũczuführen ist, die mit der Abwägung der verschiedenen 
Faltoren, welche für die Zuggeschwindigkeit maßgebend sind, 
verbunden ist. Man hat ja nicht nur mit der „Maximal⸗ 
geschwindigkeit“ des Zuges zu rechnen, die er zu Anfang und 
am Ende einer Strecke nicht innehalten kann, sondern auch mit 
einer Durchschnittsgeschwindig keit, seinem Aufenthalt usw. um 
die „Reisegeschwindigkeit“ zu erhalten, d. h. die Zeit, welche 
in Wirklichkeit zum Durchfahren einer Strecke erforderlich ist. 
Henau genommen ist die Reisegeschwindigkett gleich der Bahn⸗ 
uedte zwischen zwei Stationen, dividiert durch die Zeit vom 
Augenblick der Inbewegungsetzung des Zuges bis zum Schluß 
der Bremsperiode, eingerechnet der Aufenthalt auf den Zwischen⸗ 
tationen. 
Die „Reisegeschwindigkeit“ beruht auf einer Menge ver⸗ 
jschiedener Umstände. Das Vorhandensein gröhßerer Städte 
nahe hintereinander, die allgemeine Verkehrsstärke, die Not 
wendigleit, Postwagen mitzuführen usw., alles dies sind Sachen, 
die nachteirig einwirken können. In dicht bevölkerten Gegenden, 
wo der Zug vielleicht jeden Kilometer halten muß, tann die 
Reifegeschwindigkeit trotz der großen Durchschnittss And Maximal- 
geschwindigkeit nicht über eine gewisse Grenze kommen. Die 
wiederholten langen Inbewegungsetzungs⸗ und Bremsperio den 
bilden schwere Hindernisse für die Erreichung einer zufrieden— 
itellenden Reißegeschwindigkeit. 
Seit einiger Zeit lassen die deutschen Eilenbahn— 
direktionen anerkennenswerte Bestrebungen erkennen, um 
die für die Augemeinheit so wichtige Reisegeschwendigleit zu 
erhöhen. Da indes die Durchschnitts⸗ und Maximalgeschwin dig⸗ 
leit schon sehr auf die Spitze getrieben ist, so kann die Reise⸗ 
geschwindigkeit nur durch andere Mittel erhöht werden. In 
Deuischland, Frankreich und England geschieht dies durch Auf— 
hebung des Aufenthalts auf den Zwischenstationen. In den 
beiden letztgenannten Staaten legen die Züge auf den großen 
Hauptlinien ohne Aufenthalt lange Strecken zurück, die nicht 
annähernd in Deutschland erreicht werden! 
Die im täglichen Verkehr angewandten „Maximalgeschwin— 
digleiten“ in den einzelnen Ländern sind natürlich sehr ver— 
schieden. In England und auch in den Vereinigten Staaren 
ist überhaupt durch Gesetz irgendeine Maximalgrenze nicht 
festgelegt. Die Grenze von 1285— 130 xm in der Stunde, ja 
vrelleicht noch mehr, wird seit 1850 fast täglich erreicht, 
vesonders auf den englischen und schottischen Eisenbahnen. Hier— 
bei ist interessant zu wissen, daß man sehr oft, um hohe 
Reisegeschwindigkeit zu erreichen, mit vollem Dampf auch auf 
Neigungs⸗Strecken fährt, was vielleicht nicht do ganz unge⸗ 
fährlich ist. 
In Frankreich ist die „Maximalgeschwindigkeit“ auf 
120 km die Stunde festgesetzt. Hier verkehrt auch Europas 
gegenwärtig schnellster Zug, ein zweiklassiger D-Zug Paris — 
St. Quentin. In Oesterreich-Ungarn und in den 
Niederlanden beläuft sich die festgelegte Schnellzugs⸗ 
Maximalgeschwindigkett auf 90 kKm die Stunde und in Ruß⸗ 
and nur auf 80 kKm. In Deutschland auf 100 km. doch 
mit der Erlaubnis, daß die Geschwindigkeit unter gewissen 
Umständen erhöht werden kann. 
Der preußische D⸗Zug auf der Linie Hamburg Berlin ist 
gegenwärtig Deutschlands schnellster Zug. 
Die Entwicklung in verkehrstechnifcher Hinsicht, die gegen⸗ 
värtig schnell vorwärts schreitet, hat sich, wie erwähnt, in 
ver Hauptsache darauf eingerichtet, lange, durchgehende Ver⸗ 
kehrslinien zu schaffen. In England hat man dies schon 
lange erreicht. Dort gibt es 11 Linien von je über 250 km 
Länge, in Deutschland vier und in Frankreich nur eine. 
Die längste durchgehende Eisenbahnfahrt auf 
der Erde kann man zwischen London und Plymouth machen, 
eine Bahnlänge von 3632 km. Nicht einmal in den Ver— 
einigten Staaten wird dieser Rekord geschlagen! 
(Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht unterlassen, zu 
vemerken, daß es wirklich sehr interessant sein würde, zu er— 
fahren, mit welchen tatsächlichen Geschwindigkeiten auf den 
Strecken der Lübeck-Büchener Bahn gefahren wird. D. Red) 
»Der kommandierende General des 9. Armeekorps, 
Seneralleutnant v. Quast, trat Mittwoch einen mehrwöchigen 
Urlaub an. Die Vertretung übernahm der Generallt. von 
Winterfeld, Kommandeur der 17. Division. 
*VLiterarische Gesellschaft in Lübed. Zur Feier des 
MGiãhrigen Bestehens der Literarischen Gesellschast fand gestern, 
Mittwoch, abend 62 Uhr eine Festvorstellung im Stadttheater 
tatt. Das vollkommen übersüllte Haus sah eine glänzende 
Festgesellschaft, die Damen in großer Toilette. Gegeben wurde 
„Die Hochzeit der Sobeĩde“, Schauspiel in 3 Akten 
von Sugo von Sofmannsthal, welches Stüch für Lübedh neu 
mar. Eine Besprechung des Stũdes werden vir wegen Platz 
mangels in unserer Morgenausgabe vom Freitag veröffent⸗ 
lichen. An die Festvorstellung schloß sich in den Räumen des 
tädtischen Saalbaues ein Festmahl kleinen Tischen, das 
die Mitglieder der Gesellschaft, unter dem Vorsitzenden Herrn 
Professor Otto Anthes, noch einige Stunden in angenehmer 
Unterhaltung zusammenhielt. 
v. Daurch den Zentral⸗Flscherei⸗Verein sür Schleswig⸗Hol⸗ 
tein e. V. sind auch in diesem Jahre größere Mengen von 
Ldachs⸗ und Meerforellensetzlingen in die Küstengewässer unserer 
Ostseeküste zur Ausfehung gebracht. So wurde in diefen 
Tagen dem Gebiet der Trate ein Quantum von rund 1500 
Stück Setzlingen ũberwiesen. Die Fische kamen in ladelloser 
Verfassung au und wurden sofort dem Gewässer übergeben. 
Durch diese Mahnahmen ist es nicht nur möglich, den Salmo— 
nidenbestand unserer Gewäfser zu erhalten, sondern denselben 
wesentlich zu vermehren. 
TNeuregenmg der Sonntagsruhe. Zur Neur?gelung der 
Sonntagsruhe im Handelsgewerbe gab der „Große Ausschuß“ 
des „Verbandes deutscher Detailgeschäfte der Tertilbrong,e“ 
Sitz Samhurg) folgende Erklärung ab! „Die bisher bekannt 
ewordenen Grundlagen der Neuregelung der Sonntagsruhe im 
dandelsgewerbe werden als eine dem Ausgleich dee be— 
teiligten Interessen der Geschäftsinhaber und der Gehilfen 
ienende und daher angemessene Regelung angesehen werden 
önnen. Es ist jedoch zu fordern, daß den beteiligten Ge— 
chaftsinhabern entsprechend dem 8 1395f 6GO. bei der orts⸗ 
iatutarischen Regelung innerhalb des gesetzlichen Rahmens ein 
Nitwirkungsrecht in der Form der Abstimmung hinsichtlich der 
u lressenden Beschränkungen, Untersagungen und Erweiterungen 
»er Sonnfagsarbeit sowie über die Lage der Beschäftigungszeit 
sewährt wird; daß weiter — entsprechend der für die Wochen⸗ 
age geltenden Bestimmung in 8 1380 Abs. 1 GO. — das 
decht des Zuendebedienens der beim Ladenschluß im Laden 
nwesenden Kunden auch für die Sonntage ausgesprochen wird; 
aß schließlich der Anspruch auf Gewährung einer angemesjenen 
Mittagspause an die Gehilfen ( 1390 Abs. 3 GO.) für 
bie Beschästigung an Sonntagen in Fortfall kommt“ 
Inm deutschen Totalisatorbetrieb wird sich nächstes Jahr 
bielleicht insofern eine Wandlung vollziehen, als die Regierungen 
heabsichtigen, auf den billigen Plätzen Wetteinheiten von 3 M 
ür den Sieg und 5 Mifür den Platz zuzuerkennen, vielleicht 
ogar noch niedriger. Es ist auch ein Mittel, mit dem man 
»ersuchen will, diejenigen Kreise, die außerhalb der Rennbahn 
mit ganz unbedeutenden Beträgen zu wetten lieben, ihren 
hisherigen Verbindungen abspenstig zu machen. 
* Wird das Brot billiger werden? Die seit Monaten 
zu verzeichnen gewesene Abwärtsbewegung der Getreidepreise 
hält noch immer an. Der Hauptgrund für diese Rückgänge ist 
in den Berichten über die günstige Entwicklung der argentinischen, 
australischen und indischen Ernte zu suchen. In Deutichland ist 
zesonders die reichliche Kartoffelernte dem Brotverbrauch ab— 
träglich gewesen. Hoffentlich machen nun auch die Brotvpreise 
die Abwärtsbewegung der Getreidepreise mit. 
»Die Ausstellung „Gas und Elektrizität“ ist bisher dem 
Publikum bei freiem Eintritt zugänglich gewesen. Es haben 
sich jedoch gerade infolge des freien Eintritts Unzuträglichkeiten 
eingestellt, welche im Interesse des ganzen Unternehmens nicht 
änger geduldet werden können. Abgesehen davon, daß die 
Leberfüllung der Ausstellungshallen zeitweise geradezu lebens⸗ 
zefährlich war. daß die Hallen vorübergehend polizeilich ge— 
chlossen werden mußten u. a. m., sind auch allerlei andere 
Mißstände hervorgetreten, welchen vorgebeugt werden möchte. 
ẽs ist deshalb in Aussicht genommen, für die Folge ein be— 
heidenes Eintrittsgeld von 10 bis 20 Pfq. ↄro Person zu 
rheben, und es ist anzunehmen, daß diese Maßnahme für das 
Publikum, die Aussteller und die Ausstellung selbst geordnete 
Verhältnisse schaffen wird. 
Erlechterung für den Einfährig⸗Freiwi Tigen-Dienst. Der 
preußische Kriegsminister und das Ministerium des Innern 
haben in einem gemeinsamen Erlaß eine Bestimmung getroffen, 
nach der der Unterhaltungsnachweis beim Nachsuchen der Be— 
rechtigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst eine Erleichterung 
rfährt. Es soll künftig bei jungen Leuten, die vor dem 
7. Lebensjahr die Berechtigung nachsuchen, die Vorlage eines 
Nilitärdienstversicherungsscheines nebst Quittung über die letzte 
brämie ebenfalls als Unterhaltungsnachweis genügen. Aller— 
odings muß der Versicherungsbeitrag beim Eintritt ins Heer 
ällig sein, was nachzuweisen ist. Bei den Fußtruppen ge⸗ 
nügt eine Versicherung auf 1800 M. 
*Einen recht schlechten Scherz hat man sich in der ver— 
lossenen Nacht in Travemünde geleistet. Man fand in der 
Rose, Vorderreihe und der Marktstraße Telegramm-Aufgabe— 
ormulare ausgehängt, auf denen geschrieben stand: „Der Brand 
tifter in Form eines Pferdehändlers gefaht.“ Die für diesen 
Anfug benutzten Formulare sind auf dem Postamt an der Rose 
jestohlen. Der Urheber des Unfugs scheint sich offenbar nicht 
lar darüber gwesen zu sein, daß er sich nicht nur einen recht rüpel⸗ 
aften Scherz geleistet hat, sondern auch zum Dieb geworden ist, 
der ins Gefängnis gehört. Seine Ermittelung dürfte durch die 
Handschrift nicht allzu »schwer fallen. 
0- Ein Beiboot agestohlen. In der Zeit vom Mitt— 
voch, dem 5. bis Freitag, dem 7. d. M. ist aus dem Jacht-⸗ 
jafen des Seglervereins Lubeca“ im alten Fahrwasser der 
Trave ein kleines Beiboot gestohlen worden. Dasselbe ist eichen⸗ 
olzfarbig lackiert und hat zwei Sitzbretter aus Fichtenholz 
0 Berhaftet wurden ein hiesiger Bäckerknecht, der fich 
ver Unterschlagung zum Nachteil seines Meilters schusdig gemach 
zat, und ein Steward aus Schwansdorf, der seitens des Amts⸗ 
jerichts in Bremen wegen Diebstahls und Unterschlagung steck⸗ 
rieflich verfolgt wird. 
0- Diebstahl. Unter dem Vorwande, einen dort woh⸗ 
ienden Einlogierer besuchen zu wollen, erschien am 12. d. M. 
zegen 5 Uhr nachmittags in einer Wohnung am Langen Loh- 
jerg ein etwa 20jähriger unbekannter Mann. Die Logis— 
zermieterin ließ ihn in das Zimmer des nicht anwesenden Ein⸗ 
ogierer treten, weil der Unbekannte erklärte, er wolle warten, 
ʒis er zurückkomme und dann mit ihm das Theater besuchen. 
sach einer Viertelstunde entfernte sich der Mann, ohne die Ruck⸗ 
unft des Einlogierers abzuwarten. Mit ihm ist aber duch 
ein guter blauer, dem Einlogierer gehöriger Jackettanzug ver⸗ 
schwunden 
Neueste Rachrichten und Telegramme 
der l A. uud . Z, 4 
Regierung und Arbeitswilligenschutzgesetz. 
Berlin, 13. Nov. Die Entschließung des Industrie«- 
rats des Sansabundes, die ein Arbeitswilligenschutz⸗ 
jedetz fordert, bildet, wie verlautet, den Gegenstand von Er⸗ 
wägungen im Reichsamte des Innern, gemeinsam 
mit ähnlichen Ersuchen anderer industrieller Körperschaften. Die 
Frage scheint unsere Regierungsstellen lebhaft zu beschäftigen, 
denn, wie weiter verlautet, sind auch die zuständ: gen 
preubischen Ressorts zu den Beratungen über ein Echutz— 
gesetz für Arbeitswillige herangezogen worden. Bekanntlich hat 
ich die Reichsseitung bisher gegen ein Arbeifswinigen— 
chutzgesetz ablehnend verhalten mit der Begründung. daß die 
zestehenden Bestimmungen bei energischer Handhabung qdus—⸗ 
reichen. Rinzelne Bundesregierungen stehen auf 
einem anderen Standpunkt, zum Beispiel die sächsissche Ne— 
zierung, die schen vor Jahren im Bundesrate ein Arbeits- 
villigenschutzgesetz gefordert hat. 
Ein Gesetz zur Gleichberechtigung der russischen Juden. 
PC. Petersburga. 13. Nop. Der Duma ist gestern ein 
bon der Kadettenpartei ausgearbeiteter Gesetzentwurf vorge— 
legt worden, in dem die Ernemung einer Kommission zur 
Schaffung eines Gesetzes gefordert wird, das allen russischen 
Staatsangehörigen die gleichen Rechte gewähren soll. In der 
zegründung wird erklärt, daß Rußzland solange kein Rechts— 
taat sei, bis nicht die Juden die gleichen Rechte hätten, wie 
ille russischen Staatsbürger 
Suerta lehnt das Ultimatum ab J 
M. Mexito, 13. Nov. (Meldung der Associated Preß.) 
Präsident Huerta hat das von Lind übermitteite ameri— 
tbanifsche Ultimatum nicht beantwortet und damit ab— 
gelehnt.“ In dem Ultimatum wurde Huerta bas gesrern 
abend 6 Uhr Zeit gegeben, zu erklären, daß er den neuen Kon—⸗ 
greß nicht zusammentreten lassen werde. Im Falle e ner Ab— 
lehnung dieser Forderung, würden die Vereinigten Staaten 
nicht mehr mit ihm verhandeln. 
PC. Nemyorlk, 13. Nov. Die Zusammenkunft De. Hales 
mit dem Führer der Konstitutionalisten, General Carranza, 
vird hier als ein Symptom dafür angesehen, daß die ameri— 
anische Regierung sich für die Sache der Revolutionäre zu inter—⸗ 
ssieren beginnt. Es scheint sicher, daß sich Präsident Wilson 
zales bedienen will, um eine Versöhnung unter den seindlichen 
Parteien in Mexiko herbeizuführen. Es verlautet, daß Huerta 
ich zur Abdankung bereit erklärt hat, falls sich ein Mann 
indet der die Stimmen aller mexikanischen Bürger ohne 
Interschied der Vartei auf sich vereinigt. 
Die Rache der Toten. 
W. Berlin, 18. Nop. Ein vierschrötiger Mann. 
»em die Hände auf den Rücken gefesselt waren, sollte sich 
jestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts 3 ver— 
intworten, weil er im Grabgewölbe der alten Kicche zu Blum— 
erg bei Potsdam die Särge geöffnet und die Leichen be— 
aubit hatte. Nach der Tat bemächtigte sich seiner eine große 
Aufregung und dies fiel auf. Als er die Sachen verkaufen 
wollte, wurde er verhaftet und gestand das Verbrechen ein. 
Dann kam eine lange Untersuchungshaft. Seine Schreckhaftigkeit 
sahm zu, die Totten, die er beraubte, standen aufge— 
reiht neben seinem Bette und klagten ihn an; 
hald brach bei ihm Verfolgungswahnsinn aus. Bevor 
nan den Gefangenen vor den Richter führte, stellte sich bei ihm 
in Tobsuchtsanfall ein, er schrie und Fämpfte gegen 
Rie Toten, so daß er gefesselt werden mußte. Da der 
achverständige Gerichtsarzt den Angeklagten sür verhandlungs⸗ 
unfählg erklärte, wurde der Fall vertagt. 
Schrecenstat im Wahnsinn. 
München. 13. Nov. Der Schauplatz einer furchtbaren 
Tat war heute die Postmeisterei im Dorfe Boba in Tirol, 
die von der Postmeisterin Helene Milvius geleitet wurde. Die 
Mutter der Postmeisterin, die seit langem geistesgestört 
st, überfiel heute früh ihre schlaäfende Tochter und versetzte 
ihr 38 Axthiebe und Messerstiche. Dam lief die 
ßeisteskranke auf den Boden, schnitt sich die Kehle 
durch und stürzte sich aus der Bodenluke auf 
ven Hof. Man fand sie in einer großen Blutlache bewußt⸗ 
os vor. Mutter und Tochter wurden in ein Krankenhaus ge— 
zracht, wo die schwerverletzte Tochter bat, die geisteskranke 
Mutter zu schonen. Die alte Frau hatte sich, wie die Tochtet 
»ekundete, in ihrem Wahn immer darüber bek'agt, daß sie keine 
Lebensmittel habe, und daß sie dem größten Elend entgegen— 
gehen müsse. 
Der Blizzard. 
PC. Newyork, 13. Nov. Die Nachrichten, die aus allen 
Teilsen des Landes eintreffen, berichten von enormen 
Schäden, die durch den Schneesturm angerichtet sind: Be— 
onders in der Gegend der Oberen Seen hat der Sturm furcht⸗ 
ar gewütet. Zahlreiche Leichen sind an Land gespül⸗ 
vorden. Neun Schiffe sind gescheitert, 14 Per— 
wonen sind umgekommen, as weitere werden noch ver— 
nißf. 
W. Berlin, 13. Nopv. Abwechselnd in der Maske 
»iner Sausiererin und in der einer vornehmen 
Dame führte eine erst 19jährige Schwindlerin seit 
xielen Monaten in dieen westlichen Vororten und im Zentrum 
zreist angelegte Diebstähle aus. bei denen sie insgesamt für 
twa 50 000 M Juwelen erbeutete. Jetzt ist sie endlich auf 
rischer Tat ergriffen und dem Untersuchunasgefängnis zuge— 
führt worden. 
DP. Berlin, 13. Nov. Der Kutsscher Friedrich Bogan, der 
»ie mit ihm zusammen lebende Frau Brusseit und deren Tochter 
erdrosselt hat, konnte Mittwoch nachmittag dingfest gemacht 
verden. Eine Frau, die den Bogan kannte, sah ihn in der Glasow- 
traße vor Riem Schaufenster stehen und machte einen Schu tz⸗ 
nann daraus aufmerksam. Der Beamte nahmn den Mörder 
sest und brachte ihn auf die nächste Polizeiwache, von wo aus 
er nach dem Polizeipräsidium übergeführt wurde. 
— Der Mörder Bogan wurde gestern einem fünfstündigen 
Berhör unterworfen, dabei stellte sich heraus, daß er ein 
inglaublich roher Patron ist. Den Pferden seines 
dienstherrn stach er aus Rache beide Augen aus. Die 
ilteste Tochler der gemordeten Frau Brusseit, die mit dem Un⸗ 
—D— brach, als lie seiner ansichtig 
wurde, in Schreikrämpfe aus. 
DT. Frankfurt (Main), 13. Nor. Ein frecher Raub⸗— 
überfal—l! wurde gestern nachmittag in der Filiale einer Offen⸗ 
jacher Juwelenfabrik in der Kronprinzenstraße verübt. Wäh— 
end der Mittagspause erschienen plötzlich vier permummte Ge⸗ 
talten. überfielen zwei junge Leute, die während der Mittags⸗ 
»ause allein waren, knebelten sie und verschwanden unter 
Mitnahme von etwa 5000 M Gold- und Silberwaren im Auso— 
mobil. Von den Verbrechern fehlt bis jetzt jede Spur. 
PC. Brüssel, 13. Nov. Ein schwerer Unfall hat fsich gestern 
rachmittag auf der Kleinbahn Poix⸗Libin in Belgisch-Luxemburg 
reignet. Ein Güterzug entgleiste auf einer Eisenbahn⸗ 
leberführung und stürzte von der Brücke herunter auf die 
arunter liegenden Geleise. Der Lokomotivführer ist tot, ein 
zugbegleiter ist schwer verletzt. Der Heizer des Zuges liegt 
toch lebend unter der Maschine. Man befürchtet jedoch, daß 
zuch er nicht mit dem Leben davonkomnten wird, wenn es 
nicht rechtzeitig gelingt, die Maschine zu heben. Die Rettungs⸗ 
arbeiten wurden in der Nacht noch bei Fackelbeleuchtung mit 
zxroßem Eifer fortgesetzt. Der Zugverkehr auf der Strecke ist 
bis auf weiteres unterbrochen. 
DT. Rom, 18. Nop. Ein in französischen Diensten 
tehender Spion sowie dessen Helfershelfer, ein Sergeamt. 
vurden gestern hier verhaftet. Man fand bei ihnen eine 
Menge nhotographierter Dokumente über die Mobilisierung 
der Kavallerie, die Formierung neuer Regimenter und das In— 
tendgturpeen 13. Nov. In Lausanne wurde der Pariser 
Kausmann Guillerand tot, und seine Begleiterin, Frau Mazze, 
terbend aufgefunden. Man glaubt, daß das Paarssich mit 
Morphium vergiftete. Die Beweggründe der Tat sind 
noch nicht aufgeklärt. 
DT. Kairo, 13. Nop. Der japanische Dampfer „Ma— 
dasen Maru“, der mit Kohlen nach Port Said unterwegs 
war, ist im Roten Meer gesunken. Die gesamte Be— 
ratzung ertranf
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.