Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

die Erben Disraelis, Gladstones und Salisburys bis heute 
noch nicht Italien die Schaffung einer Jlottenstation im 
Aegäischen Meer verbieten konnten. dann hat das Land mit 
der sprichwörtlich beständigen Politik und großen Tradition 
eben jede Erimerung an die Vergangenheit verloren. Be— 
unruhigt es die Lords wirklich nicht, wenn sie unweit Zypern 
jegenüber dem Suezkanal ein Arsenal unter der Kreuzflagge 
der savoyischen Könige errichtet sehen, das die bisher wie 
iin Augapfel gehütete Straße nach Indien sperrt?“ 
Und worauf ist nach französischer Ansicht diese britische 
Untätigkelt und Gleichmütigkeit gegenüber Italien zurückzu⸗ 
führen? Das Echo de Varis meint: „ßFroßbritanniens 
Macht stir bt lLangsam in den Sänden der radi— 
kalen Regierung, die ständig von einer Au— 
räherung an Deutschland träumt. Es wird die Zeit 
rommen, wo England überhaupt keine auswärtige Poitik mehr 
treibt. Die unter dem verderblichen Einflußz Lloyd Geocrges in 
Angriff genommenen Reformen werden das Land vollständig 
beschäftigen und zerrütten, so daß es in der äußeren Politik 
Erniedrigungen erdulden muß, die stets der Beginn schwer—⸗ 
viegender politischer Veränderungen waren.“ Spricht schon 
n diesen Worten die Abneigung der klerikal-nationalist'schen 
treise Frankreichs gegen die auf eine Verständigung 
nit Deutschlond hinarbeitende Regierung mit, so noch mehr 
bei den folgenden Ausführungen, in denen derselbe Wäarbeiter 
des Echo de Paris, Jules de la Fofsse, die Wirkung dieser 
„ententefeindlichen“ Politik Englands auf Frankreich schitdert: 
„Im Mittelmeer entschlüpft uns die Herrschaft. Der Drei⸗ 
hund mit seinen Geschwadern bildet eine ständig wachsende 
Fefahr. Deutschland hat eine Mittelmeerflotte geschaffen; 
Desterreich und Italien vermehren von Jahr zu Jahr ihre 
Triegsmarinen, und die Verbindung beider legt unsere Flotte 
ahm. Im Orient haben wir mit dem Verlust des Proteltorats 
zie Schutzherrschaft verloren, die wir bisher über alue im 
ürkischen Reiche versprengt wohnenden anderen Nattonaufäten 
iusüblen. Der Rest, der uns noch geblieben It. wird bald 
in Italien fallen.“ 
Noch eine andere Maßnahme der britischen Regierung het 
n Paris beunruhigt: Die Verhandlungen mit Wa'hington 
über die mexitanische Frage. Frankreichs Industrie und Hondel 
zetrachten, soweit sie auf dem Weltmarkt als Konlurrenten 
»er Deutschen, Engländer und Amerikaner noch eine Rolle 
wielen, die lateinischen Republiken Südamerikas als ihr be— 
onderes Arbeitsfeld. Die Entwicklung der Dinge in dem 
encchharteit Mexiko kam also Frankreich nicht gleichgültig 
ralsen. Nicht mit Unrecht behauotete jüngst ein Parlamentarier, 
»ahß man sich in Paris über jede Veränderung auf der Balkan— 
halbinsel aufrege, während man die Veränderungen auf dem 
amerikansschen Erdteil, die von zehnmal größerer Bedeutung 
seien, unberücksichtigt lasse. Er machte der Regierung den 
Vorwurf. daß sie den Vorgängen in Mexiko gleichgültig zu— 
sehe: „Das Duell zwischen den Vereinigten Staaten und 
kFuropa übher den wirtschaftlichen Besitz von Mexiko wird augen⸗ 
licklich zwischen Washington üund London ausgefochten, als 
ob Franlreich gar nicht bestände. Großbritannien, das sich 
eisher immer damit entschuldigt hat, es sei durch die von 
loyd George in Angriff genommene soziale Gesetzgebung zu 
ehr beschäftigt, hat auf einmal Zeit für eine mexikanische 
Polireck. Grokbritannien verhandelt mit Präsident Wilson und 
unterstützt — wie man behauptet — die Regierung Suertas 
durch Celd. Sind wir denn schon tot?“ Man hat einen 
Bluff versucht indem vor einigen Tagen ein Pariser Mittags- 
blatt die Interventien der französischen Regierung ig Mexiko 
ankündigte. Serr Pichon sollte aus seiner Ruhe am Quai 
»Orsau ausgerüttelt werden. Doch die Regierung scheint die 
nnerpolitischen Schwierigkeiten der Wahl- und Finanzeeform 
ür groß genug zu halten, um fich nicht noch in ausßerpolitische 
lbenteuer zu stürzen. Der Erfolg ist, daß der, durch ein 
„herzliches Einvernehmen“ verbrüderte Nachbar jendeitz des 
zanals, der nicht für die Republik die Kastanien aus dem Feuer 
holen will, scheet angesehen und ob seines angeblichen Eigen— 
autßes gescholten wird. 
* w 
Balkanallerlei. 
Kein deuischer Vorichlag zur Einberufiing der Bot⸗ 
schafter⸗Kornferenz. 
DT. Die Kölnische Zeitung meldet offiziös aus Berlin? 
Dder Artikel der Belgrader Samouprawa, demzufolge von 
Deutschland eine Wiedereinberusung der Londoner Botschafter⸗ 
Bersammlung vorgeschlagen sein sollt, dürfte irr!üumlich sein. 
Bon deutscher Seite ist ebensowenia wie von seiten einer 
e· 
vpürde. Denn — ein Kind entsproß jener Ehe. Ein Kind, das 
ie nie gesehen. — —« 
Wild pocht Irenes Herz noch jetzt bei der Erinnerung an 
ene Zeit, da Fieberschauer ihren Körper durchzuckten, da sie 
vochenlang besinnungslos dalag, da sie von nichts etwas 
vusßte, was um sie her vorging. — — 
Und als endlich das klare Bewußtsein wiederkam und 
ie die Mutter fragte, was vorgefallen — da teilte Madame 
Lolo ihr gleichgültig mit, sie habe vor Wochen ein totes 
Kind zur Welt gebracht, das in Moskau beerdigt sei; sie 
solle aber nicht mehr daran denken. das Vergangene müsse 
eben vorbei sein. — — 
Fortsletzung folat.J 
Theater. Kunst und Wissenschaft. 
Der Beginn der Operispielzeit in London. Raymond Roze, 
zer diesen Winter die Opernspielzeit in Covent Garden in 
dondon leitet und vor allem die Oper in englischer Sprache 
oflegen will, begann die Spielzeit mit seinem eigenen Musik— 
drama „Joan of Arc“, das einen warmen Achtungserfolg 
errang. Die Oper in einem Prolog, drei Akten und sieben 
Bildern ist schwach an Handlung. Dagegen ist die Ausstattung, 
die über 14000 Pfund Sterling kostete, äußerst verschwende— 
risch. Die Musik ist voller weicher, manchmal süßer Melodien 
nicht immer zum Vorteil des Eifelts und gewiß eine höchst ernst⸗ 
hafte und respektable Arbeit, in der freilich starke Reminiszenzen, 
besonders an Wagner, anklingen. 
m. Ein Murillo sür das Staädeische Jastitut. Das Städelsche 
unstinstitut in Frankfurt a. M. hat durch Schenkung eine 
vertvolle Bereicherung erfahren. Wie der Cicerone mitzuteilen 
veißb, hat der Londoner Sammler Harry Pfungst dem Museum 
»um Andenken an seinen Vetter, den in Frankfurt verstorbenen 
Dr. Pfungst, ein Bild von Murillo, einen Straßenjungen, der 
Pfirsiche ißt, geschenkt. Das Bild gehört zu der Reihe der 
Straßeniungenbilder des in deutschen Galerien seltenen spanischen 
Meisters, von denen in der Münchener Pinakothek einige beson— 
ders bekannte Exemplare hängen. Frankfurt besaß bisher noch 
kein Werk Murillos. 
inderen Großmacht eine solche Anregung bisher gegeben wor⸗ 
»en. Es läßt sich zwar jetzt nicht übersehen, ob die Londoner 
Bersammlung ihre Beratungen überhaupt wieder aufnehmen 
vird oder eine andere Form der Fühlungnahme zwischen den 
Mächten des Dreiverbandes und des Dreibundes ins Auge 
jefahßt werden kann. 
Die griechisch⸗türtische Einigung. 
Der griechische Delegierte Levidis erklärte Journalisten 
gegenüber, er hoffe, daß der fürkisch-griechische Friedensvertrag 
im heutigen Donmnerstag endqültig unterzeichnet werden wird. 
Der türkische Ministerrat ist am Mittwech nachmittaz beim 
ßroßwesir zusammengetreten, um den paraphierten Text des 
riechisch⸗türkischen Friedensvertrages zu erörtern. Man hält 
s für wahrscheinlich, daß der Ministerrat die türkischen Dele— 
zjierten zur Unterzeichnung ermächtigen wird. Während des Minister⸗ 
ates empfing der Großwesir den griechischen Delegierten Levidis. 
zeide beglückwünschten einander zu dem glücklichen Ausgang der 
ßerhandlungen. 
Die Kreuzfahrt der Flotten im Mittelmeer. 
Das italienische und österreichische Geschwader sind nach 
thodos und den Häfen des östlichen Mittelmeeres abgegangen. 
zhre Anwesenheit soll dort nur den Zwech haben, als Gegen 
‚ewicht gegen den Besuch des französischen und englischen Ge— 
chwaders in diesen Meeren zu dienen. 
Türk s deutsche Esenbahnverhandlumgen. 
Wie die B. 3. a. M. erfährt, trifft der Direktor der tür— 
ischen Eisenbahnen Mukhtar Bei demnächst in Berlin ein. 
zwedck seines Aufenthalts in Berlin ist die Unterstützung Dscha⸗ 
nid Beis in seinen Verhandlungen mit der Deutschen Bank. 
Im Laufe dieser Verhandlungen sind finanzielle Fragen auf—⸗ 
etaucht, die sehr komplizierter Natur sind. Im übrigen, so wird 
on türkischer Seite versichert, gehen die Verhandlungen ohne 
odindernisse voran und dürften in etwa vierzehn Tagen bis 
rei Wochen beendet sein. Erst nach dem Abschluß der Verhand 
ungen mit der Deutschen Bank werden die Verhandlungen 
mit dem Auswärtigen Amt begimen. 
Carmen Sysvas 70. Geburistag. 
dok. Zur Feier des 70. Geburtstages der Königin 
klisabeth von Rumänien wird, wie man uns aus dem Haag 
nitteilt, der Internationale Schiedsgerichtshof der Königin und 
dichterin für ihr eifriges und nicht erfolgloses Eintreten sür 
ie Sache des Weltfriedens eine feierliche Adresse durch eine 
eputation überreichen lassen. Außerdem wird ein Komitee, 
as sich, wie schon gemeldet, in Holland gebildet hat, um den 
10. Geburtstag Carmen Sylvas festlich zu begehen, ihr ein 
prachtvolles Album mit kimstleriichen Darstellungen ubersenden. 
Deutsches Reich. 
Ein Gefetz betr. Sonntagsruhe im Sandelsgewerbe. Dem 
veichstag ging der Entwurf eines Gesetzes betr. die Sonn— 
agsruhe im Handelsgewerbe zu; der grundlegende 81 lautet: 
jm Handelsgewerbe dürfen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter, 
orbehaltlich besonderer Vorschriften ‚am ersten Weihnachts-, 
)stere und Pfingsttag überhaupt nicht, im übrigen an Sonn⸗ 
nd Festtagen nur wie folgt beschäftigt werden: Im Betriebe 
ind offenen Verkaufsstellen ist eine Beschäftigung bis drei 
ztunden zulössig. Die höhere Verwaltungsbehörde dann für 
Irte, in denen die Bevölkerung aus der Umgegend an Sonn— 
nd Festtagen die offenen Verkaufsstellen aufsucht, eine Be⸗ 
häftigung bis 4 Stunden zulassen. Die Gemeinde oder ein 
vbeiterer Kommunalverband kann durch eine statutarizche Be— 
immung die dreistündige Beschäftigung für alle oder ein zelne 
ßewerbezweige auf kürzere Zeit einschränken oder ganz unter— 
agen. Die Polizeibehörde kann für jährlich 6, mit Geneh 
nigung der höheren Verwaltungsbehörde für weitere Sonn-⸗ 
ind Festtage, an denen besondere Verhältnisse einen weiteren 
zeschäftsverlehr erforderlich machen, eine Beschäftigung bis 
O Stunden zucssen. Im übrigen Handelsgewerbe lann die 
õhere Verwaltungsbehörde sowie durch eine statutarische Be— 
timmung die Gemeinde oder ein weiterer Kommunaloerband 
ine Beschästigung bis 2 Stunden zulassen. Für das Spe— 
»itions- und Schiffsmaklergewerbe sowie andere Gewerbebetriebe, 
nfoweit in ihnen Güterversendungen mit Seeschiffen vorge— 
iommen werden, kann in gleicher Weise eine Beschaͤftigung 
is 5 Stunden zugelassen werden. Die höhere Verwaltungs- 
ehörde kann für jährlich höchstens 6 Sonn⸗ und Festtoge, an 
senen besondere Verhältnisse einen weiteren Geschäftsvelehr 
iferderlich machen. eine Beschäftigung bis 4 Stunden zu⸗ 
afsen. 
Verlängerung der Dienftzeit in Deutschland? Das Ber— 
iner Tageblatt verzeichnet folgendes, recht unglaubli hes Gerücht: 
„Das Kriegsministerium will einen Gesetzesvorschlag vorlegen 
iber die Verlängerung der Dienstzeit der Mannschaften u m 
rei Monate. Die Maßnahme wird begründet mit den 
on den westeuropäischen Mächten getroffenen Erhöhungen des 
ztandes ihrer Armeen.“ — Wir geben diese Nachricht mit 
Uem Vorbehalt wieder und müssen dem Blatte die volle 
zerantwortung dafür überlafsen. 
Sozialdemokratischer Terrorismus. Ein unerhörter Terro⸗ 
ismus wurde nach dem Deutschen Kurier von den dozial⸗ 
»emotratischen Mitgliedern des radikalen Textilarbeiterver⸗ 
»andes an dem Färbermeister Goller begangen, der in den 
dirsch- Dunckerschen Gewerkverein übergetreten war. Go ner 
vurde in Nürtiingen verschiedene Male belästigt, und am 
3. November kam es zu Taätlichkeiten, wobei Goller nieder—⸗ 
jeschlagen und schwer verletzt wurde. Der Hirsch⸗Tunckersche 
ßewerkvtrein hat Anzeige an die Staatsanwaltschaft ernattet 
Das Kanalprojett Wefser —, Ems. In Binsicht auf die 
roße wirtschaftliche Bedeutung der Schaffung einer Lerbindung 
on der Weser nach der Emsmündung sind von ver Reichs 
egierung Verichte der in Betracht kommenden Provinzial- 
ehörden, der Eisenbahndirektionen und des Oberbergamts ein 
sefordert wmorden, die sämtlich vorliegen. Auf Grund dieser 
zerichte haben Erörterungen zwischen den in Frage lommen— 
en Stellen Preußens und des Reiches stattgefunden, die 
azu führten, daß die Regierung selbst sich mit einer sehr ein— 
jehenden Prüfung der Kanalpläne befassen wird. Es soll, 
vie die Rhein.Westf. Z3tg. erklärt, in eine Prüfung der Ent— 
pürfe nach ihrer technischen, wirtschaftlichen und finanziellen 
zeite eingetrelen werden, um eine Klarheit über die Steilung— 
ahme der Regierung und über eine mögliche Fzrderung der 
kntwürfe zu erlangen. 
Wetterlé klagt. Vor dem Kolmarer Schöffengericht wurde 
mter starker Anteilnahme der auswärtigen Presse und der 
inheimischen Bevölkerung eine Beleidigungsklage des Abge—⸗ 
rdneten Wetterls gegen die Rheinisch-Westfälische 
zZeitung bezw. deren Verleger Dr. Reismann-Grone ver— 
zandelt. Die Zeitung hatte in einem Artikel vom 22. Mai. 
jetitelt: „Der politische Bankrott des Grafen Wedel“, folgende 
Satzwendung gebracht: „Jeder Fachmann weiß und sieht so⸗ 
sort, daß wohl alle französischen Blätter und Blättchen, die in 
Elsaß⸗Lothringen erscheinen, mit Verlust arbeiten. Sie müssen 
daher aus einer dunklen, zuweilen ganz hellen französischen 
Quelle gespeist werden. Entwoder man unterdrücke den 
chleichenden Hoch⸗ und Landesverrat in Elsaß-Lothringen, oder 
Jebe das ganze Land an Frankreich frei.“ Abgeordneter Abbé 
Wetterls Verleger und Herausgeber des Nouvelliste in Kolmar, 
bezog diese Sätze auf sich und interpretierte sie dahin, dah 
er für die Politik, die er in Elsaß-Lothringen vertrete, von 
Frankreich einen Judaslohn bekäme. Der Beweis der ver— 
lagten Partei, daß zwei Drittel der Abonnenten des Nouvelliste 
auf Frankreich kommen, gelang insofern, als nach Zeugnis des 
HBuchhalters Mercky vom Nouvelliste etwa 125 Abonnenten in 
Frankreich find, außerdem für 2000 MuInserate aus Frankreich 
tammen. Der Beklagte und sein Anwalt, Dr. Hertzer⸗Straß- 
zurg, betonten ihrerseits, daß diese Inserate 66 bis 8000 M 
musmachten. Der Verteidiger warf dem Abbé Wetterlé weiter 
»or, daß er deutschfeindlich sei und Elsaß-Lothringen Frank-— 
ꝛeich zuführen wolle. Dr. Hertzer stellte Wetterls als Ver—⸗ 
crreter der Revanche⸗-Idee und als Friedensstörer unter be— 
onderem Hinweis auf die Reden hin, die er zu Anfang dieses 
Jahres in Frankreich gehalten hat. Dr. Reismann-Grone 
egte dar. daß die Rheinisch-Westfälische Zeitung keine Feindin 
der elsaß⸗lothringischen Bevölkerung sei, sondern nur jener 
ẽlemente, welche die ruhige Weiterentwicklung des Landes 
tören. Die Zeitung habe niemals behauptet, Wetterls sei 
zestochen oder beeinflußt worden, sie halte ihn nur für einen 
sationalfranzosen, der das schreibe, was er denke. Das Urteil 
des Gerichts lautete: Dr. Reismann-Grone wird wegen Be— 
leidigung des Abgeordneten Wetterls zu einer Geldstrafe 
pon 400 Mark, in die Kosten des Verfahrens und Publika— 
fion des Urteils in der Straßburger Post, in dem Noupelliste 
uind der Rheinisch-Westfälischen Zeitung verurteilt. Das Ge— 
richt bezog die Stelle, daß alle französischen Blätter aus einen 
unklen oder hellen Quelle gespeist werden, auf den Nouvelliste 
und nahm an, Abgeordneter Wetterlsé als Leiter dieses Blattes 
önnte eine Beleidigung darin erblicken. Es liege ein indirekter 
Vorwurf darin, daß Wetterlé französischer Agent sei, der gegen 
seine Ueberzeugung handle. Die Rheinisch-Westfälische Zeitun« 
wird Berufung einlegen. 
Ausland. 
Frankreich. 
.. Der Bar eines neuen Dreadnoughts geplant. Die 
diberts veröffentlicht ein längeres Interview mit dem Marine— 
ninister Baudin über die Reuorganisationder Gorte. 
Der Minister wies in der Unterredung, die sich haub sachtich um 
»ije Dreadnought-Geschwader drehte, zunächst darauf 
hin, daß das Geschwader der 23 000-Tonnen-Klaste augen⸗ 
zlicklich nur aus den Großkampfschiffen , Courbet“ und Jean 
Bart“ bestehe, aber im Juli 1814 durch France“ und „varis 
rgänzt werde. Das zweite Geschwader bestehe aus dret 
zchlachlschiffen des Lorraine-Typs, das dritte Geschwader aus 
jer Einheiten des Normandie-Typs. Sodann erklärte Minifler 
zaudin. daß er beabsichtige, im Einverständnis mit dem 
Idmiralsstab dem Parlamente vorzuschlagen, ein weiteres 
chlachtschiff, das bisher im Budget nicht vorgeseben sei, auf 
ijel legen zu lassen. Mit dem Bau eines neuen Sclachtschiffes 
vird bezweckht. das zweite Dreadnought-Geschwader der 
dorraine-Klasse auf ebenfalls vier Einheiten zu bringen. 
England. 
Internationale Seekonferenz. Auf der internationalen Kon 
erenz für die Sicherheit des Lebens auf dem Meere sagte 
»er Präsident des Handelsamtes, Buxton, in seiner Begrüßunds 
ede, selten hätten internationale Konferenzen eine größere 
ind vornehmere Aufgabe gehabt. Es sei ratsam, um die 
dösung der dringtichen Fragen herbeizuführen, daß bdie Kon— 
erenz iht Augenmerk besonders auf die Ozeandamofer richte. 
In der Feit dem Untergang der „Titanic“ verflosienen Icit 
jätten viele seefahrende Nationen die Möglichkeit gehebt, die 
Fragen eingehend zu studieren, die fich durch das Ereiagn's er⸗ 
zeben haben. Buxton zählte fünf Fragen auf, die erörtert 
verden müßten und in dem Programm angegeben seien, das 
en auf dem Kongresse vertretenen Ländern vorgelegt wurde. 
Bburton sprach die Hoffnung aus, die auf dem Koöngretse 
vertretenen Länder würden ihr Moöglichstes ktun, um en Be— 
ichlüssen der Konferenz Geltung zu verschaffen. Er verlas 
dam eine Botschaft des Königs, in der der König die Dele— 
zierten herzlich willkomme heißt und hinzufügt; „SIch habe 
ils Seemann ein besen eres Interesse für die nter— 
rationale Vexrständigung über die Maßregeln zur 
Beseitigurg oder Verringerung der Gefahren zur See. Sie 
vwürde der ganzen Welt von unbeschreiblichem Nutzen sein.“ 
der deutsche Delegierte, Wirkl. Geh. Rat Tr. von 
dörner, dankte dem Präsidenten Buxton namens der Deie⸗ 
ierten für die liebenswürdigen Worte und insbesondere für 
eie huldvolle Botschaft des Königs. Dr. v. Körner wies auf 
ie schredliche „Titanic“-Katastrophe hin, wodurch die Frage 
ufgeworfen worden sei, wie die Wiederholung eines solchen 
Unglücks vermieden werden könne. In Deutschland sei es 
z»er Kaifer gewesen, der zuerst die Idee einer inter— 
zationalen Konferenz angeregt habe, um Schlusfo'gerungen 
rus der graufamen Lehre zu ziehen, die der Untergang der 
Titanic“ gegeben habe. Sein machtvoller Ruf an die am 
Zeeverlehr beteiligten Nationen sei einmütig willkommen ge— 
zeißen worden, an erster Stelle von der britischen Rezierung, 
bie ihre Bereitwilligkeit erklärt habe, die Konferenz :n VLondon 
inzuberufen. Die Verwirklichung des Gedankens des Deutschen 
Zaisers sei daher der britischen Regierung zu verdanken. Der 
Redner betonte die schwierige Aufgabe der Konf»renz, sowie 
die große Zahl und Bedeutung der zu lösenden Fragen. Er 
ei überzeugt, es werde dank der Weisheit der hier vertretenen 
egierungen und dem guten, Willen der Konferenz gelingen 
vie Schwierigkeiten zu überwinden und zu einer Beeit indigung 
über das für die Menschheit und für die friedlichen Beziegunge 
der Völker mitzliche Werk zu kommen. Auf Vorschlag Buxrton 
vurde Lord Mersey zum Präsidenten ernannt. Dieien 
dankte für die Ehre und erklärte, er werde keine Mühe scheuen, 
im die Delegierten in ihrer Aufgabe zu unterstützen. Ei 
weise jedoch auf die Unmöglichkeit hin, jede Gefahr zu be— 
eit gen. Alles, was möglich sei, sei das Streben, die Ge— 
fahr auf ihr Mindestmaß zu beschränken. 31 
iesem Zwed Mittel anzuwenden, sei dringend ötig. Doch 
oürfen sie nicht derartig sein, daß sie die vernünftige Führung 
des Schiffes verhinderten und den Verkehr vernichteten. Wo 
aber Zweifel sich erheben, werde immer die Sischerbeit 
über die Sparsamkeit zun stelleen sein. — Bei dem 
Frühstück in Auswärtigen Amt, zu Thren der Dele—⸗ 
zierten gedachhie Stgatssekretär Six Edward Grenyn 
eilnahmsvoll des Eisenbghnunglücks in, Frankreich und der 
Luftschiffslatastrophhe, in Deutschland. Dann sagte er, wenn 
auch die Konferenz sich nur mit den Gefahren der Szefahri be— 
affe, so habe doch eine sosche Konferenz, die aus Symnpatteee 
wischen allen Völkern entstanden sei und sie zusammenhritzge, 
uim etwas zum Nutzen der Menschheit zu seisten. auch Wir⸗ 
sung auf die Diplomatie. Sie sei dazüu geschaffen, für die 
Nafionen eine wohltätige Wirkung zu erzielen. 
Amerika. 
C. Mirkyng der angedrohten Blodade Merikos. Depeschen 
nus Mexiko, die Mittwoch vormittag auf, der Newyorkeg Börje 
eröffentlicht mwurden, melden, daß General Huerta anzenc:s der 
ingedrohten Blockade entschlossen sei, die Präsidentichaft end— 
zültig niederzulegen.
	        
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