Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachrichten für oas Hherzogtum Lauenburg, die 
beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt gürstentümer Ratzeburg, Lübeck und das angren 
— — — 5333 — —eSS— zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. B. m Lubeck. — Geschäftsstelle Adreßuuus (Köntaftr. 46). Fernspre cher 9000 u. gooꝛi. 
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Wochentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
preis für das Vierteljahr 83,30 Mark ein schließlich 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Besteligeld 3330 Mart. Einzelnummern 10 Pfg. 
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fAusgabo 
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donnerstag, den 13. November 1913. 
Aband⸗Blatt Kr. 577. 
Erftes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
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Umfang der heutigen Nummer 6 Setten. 
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stichtamtlicher TelI. 
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Ländlicher und städtischer Grund⸗ 
befitz. 
Das soziale Leben unserer Zeit steht heute im Zeichen wirt 
chaftlicher Interessentenorganisationen. Eine Zeitlang suchten die 
einzelnen Weltanschauungsparteien diesem Zuge der Entwicke⸗ 
ung gerecht zu werden, indem sie ihre ursprünglich vor— 
wiegend idealistischen Programme durch konkrete wirtschafts⸗ 
politische Grundsätze und Forderungen bereicherten. Trotzdem 
entstanden immer neue reine Interessenwerbände, die mehr 
oder weniger unabhängig von aller Parteipolitik die wirt⸗ 
schaftlichen Bestrebungen bestimmter Gruppen zu verteidigen 
und im öffentlichen Leben mit oder ohne die Hilfe der Par—⸗ 
leien zur Geltung zu bringen suchten. Es liegt in der Natur 
der Dinge, daß der Politik solcher Interessentenverbände 
eine gewisse Einseitigkeit anhaftet. Das schadet nicht, wenn 
auf parteipolitischem Boden allzu schroffe Gegensätze sich 
vieder abschleifen können. .3 
Die Grundbesitzer gehören zu den letzten, die sich in 
üngster Zeit zusammengeschlossen haben, und es ist nicht einzu⸗ 
ehen, warum nicht auch sie sich ihrer Haut kräftig wehren sollen, 
wenn alle anderen bedeutenden wirtschaftspolitischen Gruppen 
es tun. Die öffentliche Meinung ist jahrelang in Hinsicht auf 
die heimischen Grundbesitzverhältnissfe von den Bodenbesitz— 
reformern einseitig bearbeitet worden, dermaßen, dah nach- 
gerade Mut dazu gehört, öffentlich zu behaupten, auch die 
privaten Grundeigentümer hätten berechtigte Inteessen zu ver⸗ 
teidigen, die sich wohl mit dem Gemeinwohl in Einklang 
bringen ließen. Die rasche Entwickelung des Schutz ver⸗ 
handes für den deutschen Grundbesitz beweist am 
besten, wie zeitgemäß eine starke Gegenbewegung gegen die 
Bestrebungen der Bodenreformer war. In zunehmendem Maße 
yaben sich auch landwirtschaftliche Kreise dem Verbande ange— 
schlossen und es muß doch zu denken geben, daß in der Dele— 
giertenversammlung, die am 11. Nov. im Landwehrkasino zu 
Tharlottenburg abgehalten wurde, der ländliche Typus so stark 
hervortrat, daß man sich fast in eine Versammlung des Bundes 
der Landwirte versetzt glauben konnte. Das ist um so merk— 
vürdiger, als zwischen den Interessen der ländlichen und städ— 
tischen Grundbesitzer doch immerhin erhebliche Widersprüche ob⸗ 
valten. Die Entrüstung Aber die Erfolge der Bodenreformer 
nruß also in allen Kreisen des Grundbesitzes sehr stark sein, 
venn der Schutzverband trotz aller trennenden Kräfte awischen 
—R 
grohen und kleinen, sowie städtischen und ländlichen Eigen— 
rümern in kurzer Zeit eine einheitliche Kampffront all dieser 
Gruppen erzielen konnte. 
Man kann aus den Ansprachen, die in der Versammlung 
im Charlottenburger Landwehrkasino gehalten wurden und aus 
en vorgetragenen Leitsätzen leicht erkennen, worauf die Ein—⸗ 
nüũtigkeit des Grundbesitzes in Stadt und Land vorläufig 
eruht. Der Vorsitzende, Fürst zu Salm-Horstmar, sprach 
on dem „unheilvollen Einflusse, den Verwaltung und Gesetz⸗ 
sebung der letzten Zeit auf das Privateigentum ausgeübt 
jaben“, der Präsident des Verbandes, Dr. van der Borght, 
vies auf das „enorme Anwachsen der Gemeindeausgaben“ und 
„ie „gewaltige Steigerung der Kommunalschulden“ hin, worunter 
z»er Befitz in Stadt oder Land seufze, und in den Leitsätzen, 
zie der Versammlung vorgelegt wurden, wird betont, unsere 
esamte Volkswirtschaft treibe dem Kommunismus entgegen und 
ie Irrwege der bodenreformatorischen Bestrebungen unter⸗ 
rüben die Bodenständigkeit der Bevölkerung. 
Die Bodenreformer, die Gemeinde, Stadt und Staat an⸗ 
pornen, den „unverdienten Wertzuwachs“ der Grundbesitzer 
nöglichft wegzusteuern und das private Grundeigentum auf ver— 
chiedene andere Art mittel- oder unmittelbar einzuschränken, 
ibersehen, dak die Schwerfälligkeit und Kostspieligkeit des 
ureaukratischen Apparates oft die Vorteile wieder aufhebt, 
ie eine Erweiterung der Machtsphäre öffentlicher Gewalten auf 
dem Gebiete des Grundbesitzes für die Allgemeinheit mit sich 
ringen mag, sie übersehen, daß mit manchem Wertzuwachs 
ruch Kapital weggesteuert wird, das das wirtschaftliche Leben 
efruchtete, sie begreifen gar nicht, daß die Mittel, die Ge—⸗ 
neinde oder Staat als Steuern erhebt, nur soweit der Allge— 
ieinheit zugute kommen, als sie die öffentlichen Gewalten für 
vinklich gemeinnützige Zwecke anwenden; sie beachten ebenso 
benig, daß die steigenden Löhne fortgesetzt Wertzuwachs auf— 
rugen, und noch weniger, daß der Wertzuwachs des mobilen 
dapitals vielmals größer ist, als der des immobilen, ohne wie 
ieser heute oft mehrfach durch die Steuerpolitik erfaßt zu 
verden. Manche Bestrebungen der Bodenresormer ließen sich 
ehr wohl mit den Interessen der kleineren und mittleren 
Zesitzer, namentlich auf dem Lande, vereinigen, zumal diese 
inter der ungesunden Steigerung der Bodenpreise schwer zu 
eiden haben, der durch bodenreformerische Maßnahmen sehr 
vohl entgegengewirkt werden kamm. Das gleiche gilt von 
den kleinen Hausbesitzern in den Städten, deren Interessen 
vurch die von großen Spekulanten betriebene künstliche Steige⸗ 
ung der Bodenpreise in eben dem Maße geschädigt werden, 
vie solche die Interessen mancher Hausagrarier“ begunstigt. 
Indererseits hat der gesamte städtische Grundbesitz zum Teil 
gans andere Interessen als der gesamte ländliche, vor allem 
n Hinsicht auf die Freizügigkeit der Arbeiter, die den Städten 
rũtzt. dem Lande schadet: nicht weniger in bezug auf eine die 
debensmittel verteuernde Zollpolitiß Es ist bauptächlich nu— 
—— 
der gemeinsame Gegensatz wider einseitige gemeinde- und staats⸗ 
ozialistische Tendenzen in den bodenreformerischen Bestrebungen, 
vas den Grundbesitz in Stadt und Land zusammenhält. Ob 
die Eintracht standhalten wird, sobald der Schutzverband seine 
bezügliche Abwehrmission erssillt hat, ist noch die Frage. 
zrankreichs Unzufriedenheit mit England. 
(Von unserem Korrespondenten.) 
m. Paris, 11. Nov. 
Mißmutig klagen die französischen Blätter aller Partei⸗ 
richtungen darüber, daß der Dreiverband nicht mehr jene ge— 
estigte Mächtegruppe ist, die zur Zeit von Algeciras der 
Bolitik des Dreibundes überlegen war. Trotz des Besuches 
ussischer Staatsmänner in Paris ist seit dem russisch-franzö⸗ 
ischen Gegensatz bei der Frage von Kavalla ein nur ober⸗ 
lächlich verkitteter Riß im Bündnis zwischen der Republik 
ind dem Zarenreich geblieben. Die Unzufriedenheit mit der 
inglischen Politik können aber die Franzosen schon seit langem 
richt verbergen. Das gemeinsame Vorgehen Oesterreichs und 
Italiens zur endgültigen Beilegung der albanischen Angelegen⸗ 
yeit läßt in verstärktem Maße die Frage auftauchen: „Wo 
ind England, wo der Dreiverband geblieben?“ 
„In Wien und Rom“ — so antwortet die führende 
zeitung Sũüdfrankreichs, die Depéche de Toulouse — „weiß 
nan längst, was man von der Unbeständigkeit des Drei— 
erbandes zu halten hat. Erst kann man sich zwischen Paris, 
sondon und Petersburg nicht einigen; ist man aber einmal 
inig, dann weiß man wieder nicht, wie man den Willen in die 
Tat umsetzen soll. Von diplomatischem Standpunlt aus be— 
ehen ist der Dreiverband heute eine träge Masse 
»hne Willen und ohne Stoßkraft. Die Folge ist, 
»aß der Dreibund keine Opposition, kein Gegengewicht vor— 
indet, also Europa nach seinem Plan gestalten und die Balkan— 
ragen nach seinem Willen zu lösen vermag.“ 
Frankreich allein kann, selbst wenn es auf die diploma ische 
dilse des zwar schwerfälligen, aber von ihm finanziell ja 
ibhängigen Rußland rechnet, der Politik des Dreibundes nicht 
ntgegenarbeiten. Hierzu braucht es Englands Hilfe. In 
ahlreichen Ausführungen sucht man daher die britische Politik 
nuf die Gefahren, die angeblich der Herrschaft Großbritanniens 
m Mittelmeer drohen, hinzuweisen und Italien und Deutschland 
mzuschwärzen. Warnend schreibt Georges Lechartier in der 
adikalen Action: „Glaubt Sir Edward Grey wirklich, daß 
s nur eine Frage zweiter Ordnung ist, ob Italien Rhodos 
ind die anderen Inseln des Aegäischen Meeres räumt? Warum 
zält er Oesterreichs Intrigen, die in vollem Einverständnis 
nit Italien gespielt werden, für unbedeutend, wenngleich sie 
auf die Schwächung des serbisch-hellenischen Bündnisses durch 
ie vereinigten Turken und Bulgaren hinzielen? Wie leicht 
assen sich die ehrgeizigen und gefährlichen Pläne Wiens und 
Roms erkennen.“ Und an anderer Stefle heihßt es⸗ Wenn 
—2— 
— nur darüber nachsinnt, wie sie thre Schwägerin demütigen 
ann, wieder einmal ihrem Gesichtskreis enischwunden ist. 
Sie bleibt völlig bei der Wahrheit, als sie auch den Gatter 
hbittet, sFe allein zu lassen, da heftiges Kopfweh sie quäle und 
ie ein wenig ruhen wolle. Ihre Schläfen hämmern, ihre 
bulse fliegen. Sie hat momentan nur den einen Wunsch: 
allein sein! Allein!! Nicht konventionelle Redensarten aus 
n nicht Laͤcheln, sich nicht verstellen müssen! Mllein 
nl!! 
Und wieder befällt sie jene Sehnsucht, die sie während der 
wei Jahre ihrer Ehe enmer aufs neue zurückgedrängt, die 
Sehnsucht, ihrem Gatten das Geheimnis, das ihre erste Jugend 
emschwebt, zu enthülllen. Ihm anzuvertrauen, daß er nicht 
der Erste ist, dem ste angehörte!... Dak hdie — schon einmal 
zerheiratet war! ... 
Und wie stets, schredt sie auch diesmal davor zuruck. 
Vielle'cht — wem sie ihm die Mitteilung vor der Hoch 
zeit gemacht hätte — vielleicht, daß er darüber —SS 
hoben würde, selbst, wenn er erfuhr, daß sein Vorgänger! 
ꝛin Unwürdiger war, ein Abenteurer, ein Glücksiäger. Rie- 
mals aber würde er ihr verzeihen, daß sie ihn getäuscht, 
daß fie ihn die Jahre daher in dem Glauben gelassen, sie 
eii noch Irene Alsen gewesen, als er sie zum Altar führte.— — 
Irene begreift jetzt kaum mehr, weshalb sie jenen Betrug 
an ihrem Gatten beging. War sie nicht felbst schuldlos an 
dem Unglück ihrer ersten Ehe? Hatte jener Nichtswürdige mit 
einen lachenden, betörenden Augen und seinen honigsühen Wor— 
en nicht das Herz des kaum siebzehnjährigen Mädchens inr 
zturm zu erobern gewuht, so daß sie willenlos seinen Ränken 
„reisgegeben war?... Und als sie seinen Unwert erlannte, 
ils sie nach baum einjähriger Ehe zurückkehrte zur Mutter, 
ebrochen an Leib und Seele, ein Schatten ihres früheren 
Selbst — hatte sie sich damals nicht geschworen, jene traurige 
kpisode aus ihrem Leben weqzuwischen? War es ein Unrecht, 
»aß sie wieder als Irene Alsen mit der berühmten Mutter 
von Stadt zu Stadt, von Land zu Land zog — ein Kometen- 
chweif glänzender Kavaliere hinter ihnen her — —7 
Freilich, als sie den Entschluß faßte, ihren Frauennamen 
abzulegen und wieder Irene Alsen zu werden — da ahnte 
lie nicht. welch furchtbare Folgen dieier Schritt für sie baben) 
Irrlichter des Glücks. 
Fin Gesellschaftsrontan von der Rivierc. 
Von Erich Friesen. 
5. Fortsetzung.) Machdrud verboten.) 
Mit der ganzen ihr zu Gebote stehenden Schärfe berichtet 
Madame Adeline dEsterre die vor einer Stunde ftattgefundene 
Szene unten im blauen Salon, und spöttisches Lachen ver— 
zieht ihre dünnen Lippen, als Reginald seiner Sympathie 
sur seine schöne Tante und seiner Antipathie gegen den 
Fürsten durch wiederholte Ausrufe und heffige Gesten beredten 
aAnsdruck gibt. 
„Du benimmst dich wirklich manchmal wie ein unreifer 
Junge, der von der Welt keinen blauen Schimmer kennt,“ 
sahrt sie mrit beißendem Hohn fort. Von Anfong an hast du 
n deiner fast indischen Phantafie diese Frau mit einer 
Sloriole umgeben. die lacherich isn Wilst du venn icht n- 
ehen, daz dein armer Onfel einen beklagenswerten Irrtum be⸗ 
ring, als er diese Abenteurerin zu sih ene 
Mit einem scharfen Nuck wandi⸗ man 
—E Reginald sich der 
„Wir befinden uns in dem Hause der Dame, die de 
deine Worte beleidigst, Mutter!“ ruft er 888 in venh 
Auch Madame Adeltne It aufgestanden. In threr steifen, 
merbittlichen Lange steht sie vor dem erzürnten Sohne, 
„Ich verzichte auf deine Belehrungen. Wenn du absichtlich 
»eine Augen schliehest vor den offen zutage tretenden Schwãchen 
dieser Frau — wie du siehst, drücke ich mich sehr zart aus — 
werde ich mich doch nie durch Verstellungsinste und 
aniffe und Tricks uberrumpeln lassen. Der Grund meines 
ommens war der, daß ich dir von dem Inhalt eines Briefes 
Mntteilung machen wollte, den ich heute auf meine Erkundi⸗ 
vungen erbielt und der meine Vermutungen betreffs jener 
Dame da oben“ — mit einer verachtlichen Gebaͤrde deutet fie 
ach der Richtung, wo Irenes Gemächer liegen — vollauf be- 
tatiat. Wladimir Orloff, den du mit deinem Haß aus zugeichnen 
cheinst, der jedoch ein Gentleman in des Wortes vollkommenster 
Bedeutung ijt, scheint auch bereits allerlei aber diese veine 
o hochverehrte Tante zu wissen. Sicher ist, daß er jenes Me— 
vafllon kennt. Sicher ist quch. dak die Marguse ie2 
kennt, wenn sie es auch vielleicht nicht gestern verlor, sondern 
— früber einmal. Oder es verschenkte oder verkaufte oder ver 
setzte — gleichviel. Fahre nicht auf, mein Sohn, sondern 
wöre mich ruhig an! Als Mutter sage ich dir: je weniger 
du von dieser Frau fiehst, je mehr du ihre Gesellschaft meideit 
— um so besser für dich!“ 
Einen Augenblick sieht Reginald fseine Mutter, die sich 
nehr und mehr in Erregung hineingesprochen hat und deren 
onst gelbfahles Gesicht eine hektische Röte zeigt, starr an. 
Dann geht er auf sie zu und leat beschwichtigend die Hand 
auf ihren Arm. 
„Liebe Mutter, kannst du deine Antipathie gegen Tante 
Irene mit deinem sonstigen Gerechtigkeitsgefühl in Einklang 
»ringen? Ich weiß, dein Vorurteil entstand aus Liebe zu mir 
)u meinst, Onkel Rudolfs Heirat habe meine Zukunft eingeengt. 
sch versichere dich: ich mache mir aus dem Titel, Marquis“ 
icht so viel —“ er schnippt mit den Fingern in der Luft. 
Stelle dich nicht härter als du bift, Mutter! Ich kenne 
a dein gutes Herz, obgleich es sich manchmal durch Vorurteile 
in wenig beeinflussen läßt. Ich weiß aus Onkel Rudolfs 
igenem Munde, daß Tante Irene seine Werbung zuerst zursick⸗ 
vies, daß er ihr jahrelang durch die verschiedensten Länder 
olgte, bis sie schließlich seinem Drängen nachgab und seine 
Frau wurde. Widerspricht nicht schon dies allein all deinen 
Behauptungen über Tante Irene?“ 8 
„Nein. Sie hätte ihn überhaupt nicht heiraten dürfen.“ 
Weshalb nicht 7 
„Das wird sie selber am besten wissen.“ 
Reginald erwidert nichts mehr und zuckt mur die Achseln. 
Ein derartiges Gespräch mit leiner Mutter ist ihm nichts 
seues, wenn auch Madame AMelines Anschuldigungen ihrer 
Schwägerin sich bisher itets in gewissen Grenzen gebalten 
atten. 
Trotz der Verstimmung, die zwischen Mutter und Sohn 
ꝛerrscht, laßt Reginald es sich nicht nehmen, die Mutter in 
einem Automobil nach Ville⸗franche zuructzusahren. so energisch 
die Dame auch abwehrt. Und Irene atmet erleichtert auf, 
As das belkannte Töff-Täff draußen ihr die Gewißheit gibt 
vaß iene barmheraige Fraus die — Irene fühlt es deutGh
	        
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