Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

önig und die Königin unter Geschützsalut und unter, dem 
Juübel der Bolksmenge zur Residenz. Auch in allen übrigen 
kirchen fanden Festgottesdienste statt. 
Auf der Rückfahrt von der Kirche wurde das Königspgar 
quf dem Marienplatz von dem Oberbürgermeist,er Dr. 
Borscht und den Städtischen Kollegien begrüßt. 
der Oberbürgermeister hielt folgende Ansprache: 
Wenn je ein Ereignis in der Geschichte unseres Vater⸗ 
landes die Femüter tief ergriff und in den Herzen der ihrer 
moessammten Dynastie unwandelbar ergebenen Bayern die 
Telsten Regungen auslöste, dann war es die Erfüllung des 
eit Dezennten gehegten. innigen Wunsches, daß wieder ein 
König im Voilbefiß der Uebung aller beglückenden Herrscher⸗ 
ugenden über die Wohlfahrt des Volkes wache, daß die so 
ange verschleierle Königskrone auf dem Haupte eines in Woeis⸗ 
zeit und Güte, in Tatkfraft und Weitblick Varendn Fürsten 
ufs neue im alten Glanze leuchte. Vor allem aber begrüßt 
Münchens Bürgerschaft, in Leid und Freud wie Kraft des 
Naturrechts mit, dem Herrscherhaus unlöslich verbunden und 
von den Majestäten mit den mannigfachsten Beweisen ihrer 
znädigsten Gesinnung bedacht, diese Wendung durch Gottes 
Fügung mit Jubel. 
Nachdem der Oberbürgermeister die herzlichsten Glück- und 
Segenswünsche dargebracht und ewige Treue, Liebe und Ver— 
rauen geloht hatte, brachte er ein Hoch auf das Königspaar 
ius, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Der König 
vankte mit gnädigen Worten für die Huldigung. Darauf über⸗ 
eichte die sechsjährige Enkelin des Oberbürgermeisters der 
Königin einen prachtvollen Blumenstrauß. Dann ging die Fahrt 
nach der Residenz weiter. 
Bei. der Durchfahrt durch das Hofgartentor brachte die 
Schuljugend und die Wehrkraft dem Königspgagr, ihre 
Uldigungen dar. Auf dem Balkon über dem Odysseus- 
ore erwarteten die Töchter der Majestäten und Erbprinz Luit- 
vold das Nahen des königlichen Zuges. Im Apothekenhofß 
er Residenz hatte eine Ehrenkompagnie des Ingolstädter 
ehnten Infanterieregiments König Aufstellung genommen, deren 
Front der König abschritt, worauf er sie vorbeidefilieren ließ. 
sach der Ankunft in der Residenz begaben sich die Maiestäten 
n ihre Gemächer. 
Die Landeshuldigung. 
Neachmittags fand im Großen Thronsaale des Festbaues 
er Königlichen Residenz eine Landeshuldigung, statt. 
——— 
ichen Hauses, die Mitglieder des Diplomatischen Korps, der 
dammer der Reichsräte und der Kammer der Abgeordneten, 
ßertreter der Hof⸗ und Stagisbeamten, der Armee, der Geist⸗ 
ichteit, der Kreise, der Gemeindebehörden, der Kunst und 
Wissenschaft. des Handels, der Industrie und des Gewerbes, 
er Landwirtschaft, Vertreter von Korporationen und der Ar⸗ 
zeiterschaft aus dem ganzen Lande im Thronsagle und den an—⸗ 
toßenden Sälen versammelt. Um 23 Uhr betraten, der Fönig 
ind die Königin unter Vorantritt des Königlichen Großen 
Dienstes den Thronsaal und begaben sich an den Thron. Ge⸗— 
chützsalut und Fanfaren perkündeten den Eintritt der Maje⸗ 
täten. Die Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses 
rahmen darauf in der Nähe der Maiestäten um den Thron 
Aufstellung. Nachdem der König und die Königin am Throne 
Platz genommen hatten, nahte sich Graf Karl Ernst Fugger 
on Glött, der Präösident der Kammer der Reichsräte, dem 
Throne, um die Huldigung des Landes darzubringen. 
In seiner Ansprache verwies Graf, Fugger darauf, daß in 
illen Schichten der Bevölkerung es als Befreiung von einem, 
zen monarchischen Zielen fremden Zustand empfunden wurde, 
Us Prinzregent Ludwig die Regentschaft für beendet und den 
Thron als erledigt erklärte, um dann als der zur Königs— 
bürde zunächst berufene Agnat des königlichen Hauses von 
drone und Zepter Besitz zu ergreifen. Graf Fugger schil— 
zerte dann in warmen Worten die Berehrung der mensche 
ichen Persönlichketit des Königs und der Königin und brachte 
nas Hoch auf das HSerrscherpaagr aus, in das die 1500 
Zertreter des Landes begeistert einstimmten. 
Nachdem die Nationalhymne erklungen war, antwortete der 
König mit herzlichen und würdigen Worten. be 
Nach der Nede des Köniags folgten laute Brayorufe. Der 
Zönig zog den Ninisterpräsidenten v. Hertling sowie die ersten 
brässdenten der Kammer der Reichsräte und der Kammer der 
Tbaerdneten in ein Gespräch. Unter abermaligen Hochrufen 
ind Fanfarenklängen verließen die Majestäten den Saal. 
Abends von 8 bis 10 Uhr findet im Festsaglbau der 
esidenz beim Königspaar großer Empfang statt, . dem 
le Teilnehmer an der Landeshuldigung geladen sind. Margen 
Wend wird die Studentenschaft der Münchener Hoch— 
chulen, und zwar der Universität., der Technischen Hochschule 
zer Tierärztlichen Hochschule und der Handelshochschule, zu Ehren 
es Königs einen Fackelzug veranstalten. 
W. Mom, 12. Nov. Aus. Anlaß der Thronbesteigung des 
2önis Ludwig III. sand heute vormittag in der, Kirche Santa 
Maria del'Anima ein feierlicher Dankgottesdienst statt. Der 
Zischex von Warschau las die Messe. Zugegen waren u. a. 
Jarbinglstaatssekretär Merry del Val sowie eine Reihe anderer 
dardinäle. ferner die Geschäftsträger Vayerns heim Heiligen 
Stuhl und beim Quirinal init dem gesamten Vexrsonal der 
zeiden Gesandtschaften, der österreichischungarische Botschafter, 
ie Gesandten Preußens und Belgiens beim Heiligen Stuhl 
owie der Großmeister des Malteserordens. Nach der Messe 
wurde das Tedeum gesungen. 
Präsidentenwahl in der jächsisch n Kammer. 
V. Dresden, 12. Norv. Die Zweite Hammer der 
Ständeversammlung wahlte in ihrer heutigen Sitzung den Ab⸗ 
seordneten Dr. Vogel (n1), mit 62 von 89 abgegebenen Stim⸗ 
nen wieder zu ihrem Präsidenten. Zum ersten Vizepräsidenten 
wurde mit demselben, Stimmenverhältnis der Abgeordnete Opitz 
tons.) gewählt. Die Sozigldemokraten gaben, beide Male 
veiße Zettel ab. Bei der Wahl des zwoelten Vizepräsidenten 
ntfielen auf den Abgeordneten Baer (Fortschr. Vpt.) 61 
Stimmen und guf den Abgeordneten Fräßdorf (Soz.), der in 
er vorigen Session das Ant, des ersten Vizepräsidenten be— 
leidet hatte, 26 sozialdemokratische Stimmen. Die gewählten 
Ibgerrdneten Dr. Vogel, Opitz und Baer nahmen die Wahl an. 
Der Zeutralverband deutscher Industrieller. 
W. Berlin, 12. Norb. Das Direftorium des Zentrglver⸗ 
zandes deutscher Industrieller beschloß in der gestrigen Sitzung, 
in den Vorsitzenden Landrat a. D. Roetger folgendes Telegramm 
u senden: Das Direktorium des Zentralverbandes deutscher 
Industrieller nahm in seiner heutigen Sißung Gelegenheit, sich 
nit den Vorgängen im, Brandiprozeß zu beschäftigen, insoweit 
ie den Vorsitzenden betreffen. Das Direktorium spricht dem 
randrat, Roetger sein unbedingtes Vertrauen aus und hofft 
inter gleichzeitiger dantbarer Anerkennung der großen Ver— 
ienste Roetgers um die im Zentralverbande vereinigte In— 
ustrie, ihn noch lange an der Spitze zu sehen.“ 
Die Unruhen in Zabern. 
DT. Zabern, 12. Nop. Nachdem es am Montag noch einmal 
u einer Massenansammlung gelommen war, bei der die Gen— 
»armerie in die Menge hineinreiten mußte, verlief der gestrige 
Lbend ruhig. Es fanden zwar auch Menschenansammlungen statt, 
iie Gendarmerie brauchte aber nicht wieder einzugreifen. Das 
Militär wurde abermals in den Kasernen zurückgehalten. Der 
Zürgermeister hat nunmehr einen Aufruf erlassen, der überall 
ingeschlagen ist. Er weist darauf hin, daß durch die Ansamm- 
ungen leicht Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung 
atstehen können, so daß sich die Bevölkerung des Landfriedens— 
ruchs schuldig machen könnte. Gleichzeitig macht er darauf auf— 
ierksam, daß die Militärposten und Patrouillen mit scharfer 
Nunition ausgerüstet sind und strenge Anweisung erhalten 
zaben, bei der geringsten Zuwiderhandlung von der Waffe 
ßebrauch zu machen. Schließlich teilt er noch mit, die Aufsichts- 
ehörde habe ihn ermächtigt, der Bürgerschaft mitzuteilen, daß 
»er bedauerliche Anlaß zu den Unruhen streng und unparteiisch 
intersucht werden und der Schuldige seine Strafe erhalten wird. 
ks liegt im Interesse der Untersuchung, daß bis zu ihrer Be— 
ndigung die größte Ruhe erhalten wird. 
Angebliche Waffenlieferung für englische Suffragetten. 
2C. London, 12. Nov. Ein sonderbares Geschichtchen, 
Jas bei aller Interessantheit aber kaum den Vorzug der Wahr— 
eit haben dürfte, berichtet der Berliner Korrespondent der 
daily Mail seinem Blatte. Er will in einen Briefwechsel Em⸗ 
lick erhalten haben, der zwischen einer der bekanntesten deut⸗ 
chen Waffenfabriken und einer der Führerinnen der englischen 
zuffragetten. die augenblicklich in Berlin weilen sotl statt— 
‚efunden hat. Der Fabrikant bietet der Suffragette die 
dieferung einet unbegrenzten Menge von Repetiergewehren 
u dem merkwürdigen Preise von 5,50 M das Stück agu. Der 
ßrund zu der Offerte ist der, daß die Fabrik erfahren hat, 
aß die Suffragetten jetzt schärfer ins Zeug zu gehen beabsich- 
igken, und sie wäre bereit, ihnen zu diesem Zwecke die nörigen 
Vaffen zu liefern. — Bisher ist von dem Aufenthalt einer be— 
amiten englischen Suffragette in Berlin nichts bekannt und 
uuch der Preis für die Repetiergewehre dürfte den Tatsachen 
vohl laum entsprechen. 
Vom vBalkan. 
Drei italienische Kriegsschisfe nach den griechischen Gewüssern. 
PC. Rom, 12. Nov. Drei italienische Kriegsschiffe, die in 
seapel vor Anker liegen, haben telegraphisch den Befehl erhalten, 
ofort nach den griechischen Gewässern in See zu gehen. Das 
zeschwader nahm inmnerhalb dreier Stunden 200 Seesoldaten 
n Bord und dampfte nach Ergänzung der Kohlenvorräte 
ofort ab. 
Italiens Rũdtzug. 
PC. Paris, 12. Nov. Die italienische Regierung ist nach 
iner Information des Echo de Varis völlig von dem Gedanken 
bgekommen, in Gemeinschaft mit Oesterreich-Ungarn in der 
lbanischen Frage einen Druck auf Griechenland auszuũben. 
die italienische Regierung soll den Regierungen der Tripel⸗ 
ntente eine Erklärung abgegeben haben, die beinahe das Aus— 
ehen einer Entschuldigung hat, und es soll keineswegs mehr 
ie Rede von einem isolierten österreichisch-italienischen Vorgehen 
n Athen die Rede sein. Die Verantwortung für diese etwas 
igenartig klingende Nachricht muß dem Echo de Paris über⸗ 
afsen bleiben, dessen Absichten bei jeder wichtigen politischen 
Iktion, Differenzen imerhalb der Dreibundmächte festzustellen, 
ur Genũge bekannt sind. 
Noch kein endgültiger griechtsch⸗türkischer Friedensvertrag. 
PO. London, 12. Nov. Der Abschluß des griechisch-tiur⸗ 
ischen Friedens kann, wie der Daily Telegraph aus Athen 
eldet, noch nicht als endgültig angesehen werden. Der Fuhrer 
er türkischen Unterhändler hat erklärt, daß er wegen des 
zeiramfestes noch nicht in den Besitz der letzten Instruktionen 
mer Regierung gelangt sei. Er habe auf eigene Faust die 
zerankwortlichkeit auf sich genommen und die Unterschrift ge— 
eistet, um den Abschluß der Verhandlungen nicht länger 
inauszuschieben. Die drei Hauptfragen, um die sich die Dis— 
ussion in der letzten Zeit drehte, werden dem internationalen 
Ichiedsgerichtshof im Haag zur Begutachtung unterbreitet 
erden. 
LDZ. Köln, 12. Nov. Einer Meldung der Kölnischen Z3tg. 
ufolge ist es zwischen den türkischen und griechischen Unter⸗ 
ändlern soweit zu einer Einigung gekommen, daß die Unter⸗ 
eichnung des Friedens vor der Tür steht. Sämtliche Artikel 
es Friedensvertrages werden paraphiert. Nach Eintre fen der 
znstruktionen aus Konstantinopel wird der Friede vielleicht schon 
m heutigen Tage unterzeichnet werden. Take Jonescu hat 
eine Abreise verschoben. Es herrscht große Hoffnung und eine 
rohe Stimmung. 
M. Sofia, 12. Nov. (Meldung der Agence Bulgare.) 
die slawische Sociéts de mutualite“ in Bulgarien hat an ähnliche 
zesellschaften und an bekannte Persönlichkeiten der slawischen 
änder einen Appell gerichtet, in dem sie gegen das drakonische 
degiment protestiert, das jetzt in Mazedonien eingerichtet werde, 
velches die Serben zu entnationalisieren suchen, indem sie ihm 
hre Nationalität durch eine Schrecensherrschaft aufdrängen. 
die Gesellschaft bittet um Unterstützung, damit den Bulgaren 
Nazedoniens unter der serbischen Herrschaft wenigstens die ele— 
nentaren Freiheiken der Religion und des Unterrichts gewährt 
verden, die sie unter der türkischen Herrschaft besaßen. 
W. Sofia, 12. Nov. Das Geheimnis, das um das Schidg⸗ 
al der dbeim Russausch der beiderseitigen Gefangenen feh— 
den buigarischen Soldaten schwebte, lüftet sich allmählich. Es 
tietzt fellgestellt worden, daß, 80' gefesselte Soldaten, die auf 
em griechischen Tampfer Pelope“ nach Saloniki einge— 
chifft worden waren, um angeblich in Quarantäne gelegt zu 
herden während der Fahrt auf Befehl des Kapitäns Lebe— 
eis ins Meer gworbr worden sind. Elf andere Soldaten, 
benfalis Gefangene, die sich an Bord des gleichen Dampfers 
efanden, sind nach den schrecklichten Martern ermordet 
porden. Dies ist vor den Augen einiger Vassagiere geschehen. 
Die Reisfe des spanischen Königspaares. 
PC. Madrid. 12. Nov. Das spanische Königspaar wird 
m nãchsten Sonntag die Stadt perlassen und (h zu einem 
weitaͤgigen Ausenthalt nach Paris begeben. Von Varis werden 
er König und die Königin nach Wien weiterreisen. 
Kein Ueberfall auf den Sultan von Marolto. 
20. Tanget. 12. Nop. Die beunruhigenden Geruͤchte über 
en Verbleik Wulen Hafids haben eine günstige Aufflärung er 
ahren. Hier ist telegrayhisch Nachricht über seinen Verbleib 
ingeiroffen. Tangch hat der Suftan, gestern einen Einzug 
aMarokko gehalten. Die Gerüchte hatten ihren Ur!prung 
arin, daß tid die Landreise wegen der großen Dahl eines 
—8 nur mit außergewöhnlicher Lanasamkeit vollziehen 
onnte. 
Die merikanischen Wirren. 
W. Berlin, 12. Noo. Kreuzer „Nürnbegg“, der 
om eesh ede zum Echutze der deutschen Interessen 
ach der Westtüste pon Mexifo detachsert worden ilt, ist am 
J. November in Mazatlan eingetroffen. 
— —— — —⏑— 
W. Newyork, 12. Nov. Nach einer Meldung aus Wiexifo 
dauerten —X Zurücdziehungen der ——ã————— 
»er Bank von London und Mexilo gestern in voller' Siärke 
»is zum, Kassenschluß an, in geringerem Grade auch bei der 
sationalbank von Mexiko. 
— Nach einer Depesche aus Noga.les an der mesikanischen 
vrenze hatte Hale, der persönlische Vertreter des 
pbrasidenten Wilson, an der Grenze eine Besprechung 
mit General Carranza. 
Der Eindruck der Rede Asquiths in Mexilo. 
PCO. London, 12. Nov. Der Sturm auf die Banken in 
Mexiko dauert nach einer Mesdung des Daiiy Telegraph fori, 
at aber ein wenig nachgelaffen Die Banknoten werden jetl 
in Silber eee und es scheint, daß sich die Panik zu 
legen beginnt. 
Tie Rede Asquiths über Englands Stellung zur mexikani— 
chen Frage hat hier eine ungeheure Wirkung gehabt. In 
Mexiks war man vielfach der Ansicht, daß man eine Unter— 
ützung Europas gegen die Vereinigten Stagten erfahren würde. 
Die Erklärungen des englischen Winisterpräsidenten haben diesen 
chönen Traum zerstört und an Stelle der Hoffnungsfreudigkeit 
jerrscht überall starke Enttäuschung. 
Eine Blockade der mexilanischen Küste. 
0. Washinaton, 12. Nov. Die Vereinigten Staaten 
vollen, wie hier vielfach verlautet, zu dem Mittel einer 
— * der, mexikanischen Küste greifen, falls Huerta nicht 
endlich den Rüdzug antritt. Der Diktator soill nach hier vor— 
iegenden Nachrichten erklärt haben, daß er bereit sei, zurüc— 
utreten, falls ihm ein Weg dazu gewiesen würde, den er ohne 
»mpfindliche Verletzung seiner Eigenliebe gehen könne. 
WV. Washington, 12. Nov. Zwischen dem Staatsdepgrte— 
nent und den fremden Regierungen werden jetzt häufiger Mit— 
eilungen ausgetauscht. Die Regierung sucht die, Mitwirkung 
der Mächte für eine Balite zu gewinnen, durch welche die 
inanzielle Unterstützung Regierung Huertas seitens des Aus⸗ 
andes behindert würde; man 88 daß die fingnzielle 
MNo.lierung, in einigen Wochen den Rücktrittt Huertas 
erzwingen würde. 
Die neue chinesische Auleihe. 
MWe, London, 12. Nov. Das Reutersche Burequ erfährt 
iber die Anleihe von sechs Millionen Pfund, die die Banque 
Industrielle de Chine mit der chinesischen Regierung abge— 
chlossen hat, daß auch der Rest von 1,2 Mislionen Pfund, 
er nach den Beiträgen für den Hafen von Pukau und den 
brücenbau AV wey Hankau und Wutschau übrig bleibt, für 
ndustrielle Arbeiten und nicht, wie angenommen wurde, für 
Berwaltungszwede bestimmt ist. Nach Informattonen der fran⸗ 
ösischen Gruppe hätte demnach die Fünfmächtegruppe keinen 
Fhrund des Einspruches gegen die Anleihße 
Z. Budavest. 12. Nov. Kossuth hat, gestern einen 
Dhnmachtsanfall erlitten, Er ist seht schwach. Die Nahrungs 
mufnahme ist befriedigend; die Herztätigkeit schwach. 
M. LHondon. 12, Nov. Die internationale Kon—⸗ 
erenz für die Sicherheit des Lebens auf dem 
Meere wurde heute vormittag eroffnet. Der Vräsident 
er Handelskammer begrüßte die Delegierten im Namen der 
ritischen Regierung und sprach die Hoffnung, aus, daß ihre 
Arbeiten von Erfolg gekrönt sein möchten. Fast alle Nationen 
ind auf der Konferenz vertreten. 
2. Odessa. 12, Nov. Die Gerüchte von Pogromen 
n Verbindung, mit dem Schlusse des Kiewer Prozesses sind 
inbegründet. Die Maßnahmen der Verwaltung gewährleisten 
ie Ruhe. Einige Exzesse hier und in anderen Städten des 
züdens sind rasch unterdrückt worden. 
EZ. Teheran, 12. Nov. Gutem Vernehmen nach erklärte 
er Regent einer Deputation von Kaufleuten, Handwerkern und 
dotabeln. die ihn wegen der Verzögerung der Varlaments- 
röffnung interpellierten Rußland würde Nordpersien 
esezen, falls das Parlament einbexrufen würde. 
Ius der Mitte der Deputation wurde dem Regenten heftig 
oidersprochen und der angegebene Grund als unwahr bezeichnet. 
vorauf der Regent zornig fortging. 
Erdbeben. 
W. Newuork,. 12. Nov. Die Newyork Times bringt eine 
depesche aus Lima wonach laut amtlichen Meldungen am 
Freitag ein Erdbeben die Stadt Abancay, Provinz 
Apurimac (Peru) zerstört hat. Man zählte mehr als zwei— 
hundert Tote. Tausend Menschen seien obdachlos. 
W. Petersburg. 12. Nov. Die Kommission der Stadt-— 
erwaltung hat beschlossen, zur Bekämpfung, des Krebses 
in Gramm Radium für 200000 Rubel zu kaufen. 
P0. Genf. 12. Nop. Ein deutsches Liebespaar hat gestern 
n einem hiesigen Hotel Selbstmord verübt. Die beiden umgen 
Leute vergifteten sich mit Morphium. Während der Mann 
ot ist, wurde das Mädchen, das in Lebensgefahr schwebt, 
ach dem Krankenhause gebracht. Namen und Herkunft der 
zeiden haben sich bisher nicht ermitteln lassen. 
PC. Paris, 12. Nov. Eine aufregende, Szene spielte sich 
7 ahend wahrend des lebhaftesten Verkehrs auf, dem 
Rordbahnhofe ab. Vor einem zuge, der zur Abfahrt bereit 
tand. krachten plötzlich unmittelbar nach eingnder drei Re— 
oiperschüffe. Ein elegant, gekleideter Herr sank blutũberströmt 
u Boden und neben hm stand ein alter grguhärtiger Herr, den 
auchenden Revolver in der Hand. Das Publikum stürzte sich 
uf den alien Nann, um ihn zu lynchen, der nur durch die 
zwischenkunft der Polizei davor bewahrt wurde, übel zuge⸗ 
ichtet zu werden. Auf der Pobzei gab er an, Vierre Brie; zu 
ihen. Der Getötete sei sein Schwiegersohn, gewesen, Ueber 
ie Gründe zu seiner Tat verweigerte er hartnäckig jede Aus⸗ 
umft. Es heiht, daß es sich um Geidfragen gehandelt hat. Briez 
st 74 Jofre 414 
N. Kaiserliche Rarine. Einpgetroffen: Viltoria 
uise“ am 10. Novb. in Mersina, Nürnberg“ am 11. Nov. in 
Mazatlan e In See gegangen: „Kaiser“ und 
Friedrich der Große“ am 9. Nov. von Wilhelmshaven. 
— — — 
Sprechfaal. 
(Die unter dieser Rubrik abgedructten Artidel und, völlis 
nnabhängig vom Standpunkt der Redaltion.) 
Eingesandt.) 
Straßenbahn Marllaserne —Roedstraße. 
In einem hiesigen Blatte ertönt aus dem Kreise der zahl⸗ 
eichen Arbeiter und Handwerksleute, welche in dem Dreieck 
wischen Marlistraße und Arnimstraße wohnen, die dringende 
zitte um baldige Einführung der Linie Marli— Roedstrabe. 
der Notschrei nach dieser Bahn ist so oft aus diesem Viertel 
ind dus allen mit den dortigen Verkehrsverhältnissen bekannten 
reisen laut geworden, daß die Verwaltungsbehörde hoffentlich 
udlich ihren abwartenden Standpunkt aufgibt und den beiden 
ufeinander angewiesenen Stadtvierteln St. Gertrud und Hürter⸗ 
or⸗Marli die Verbindung bewilligt, welche die Straßenbahn⸗ 
ehörde länast beantragt hat. Einer für e. 
ur auf WMort 
ussen Sie bpeim inkauf achten:; Osram“ wmv 
er Lampe stehen. Hann — nur dann ist sie 
berall rkaluich. ergosellschalt. Berliv O.
	        
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