Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

5 
— 
Ausgabe A. 
Tagesbericht. 
Lüäbeck, 11. November. — 
Aus der Bürgerschaft. 
Die Vorlage für die Erbauung eines Konversationshauses in 
Travemunde hatte die Aufmerksamkeit mehr als gewõhnlich 
wuf die Beratungen der Bürgerschaft des gestrigen Tages hin⸗ 
gezogen. Die Tribünen waren stark besetzt und die Burgerschaft 
vwar früher als gewöhnlich „in beschlußfähiger Anzahl ver⸗ 
sammelt“. Man sah den Wortführer, Herrn Dr. Görtz als⸗ 
hald »nach Eröffnung der Sitzung das Präsidentenpodium ver⸗ 
jassen, um in der Reihe der Mitglieder Platz zu nehmen. 
Wortmeldungen gingen in großker Zahl ein, Freunde und Gegner 
nachten sich bereit. für und wider die Vorlage zu sprechen. 
Als erster Redner sprach Herr Dr. Görtz in temperamentvoller 
Weise für die Vorlage, dann folgte Herr August 
Pape als Gegner und diesem erwiderte Herr 
Senator Dr. Stooss. In gFroßer Reihe — wir zählten nicht 
weniger als 36 Redner für und gegen die Vorlage — folgten 
nun bald Worte für, bald gegen die Vorlage, bald von starken 
Grünben begleitet. bald auf schwachen Füßen stehende Aus— 
Ahrungen. Und nicht nur auf das Konversationshaus in Trave⸗ 
nünde beschränkte sich die Beratung, man zog auch bei dieser 
rünstigen Gelegenheit mehrere nicht mit dieser in direkter Ver⸗ 
hindung stehende Gegenstände in die Beratung hinein. So 
rug Kommerzienrat Scharff mit der Parallelstellung der 
Schwimmhallenfrage“ nicht unwesentlich zur Verbesserung der 
zeutteilung dieses Dornröschens der Bürgerschaftsberatung bei 
und Dr. Wittern versuchte die Ablösungsfrage und die Boden— 
politik in die Beratung zu ziehen. Doch auch zur Sache selbst 
zehörende Fragen, so die Eintrittsgelder, die Lage des Ge— 
zaͤudes, die Ausgestaltung der Anlagen und manches andere 
vurde bei den Besprechungen erwähnt. Ein nach Anhörung des 
unfzehnten Redners gestellter Schlußantrag fand nicht die Mehr⸗ 
ʒert und dann hatten noch 21 Redner das Wort, bis der Wort⸗ 
ũhrer ium 105 Uhr verkünden konnte: „Meine Herren, die 
Rednerliste ist erschöpft.“ — Die erste Abstimmung bezog sich 
utf den von August Pape gestellten Antrag auf Verweisung 
m eine Kommission. Der Antrag wurde abgelehnt. Dann 
olgte namentliche Abstimmung über den Senatsantrag, dessen 
Annahme mit einfacher Mehrheit. 59 gegen 36 Stimmen, er⸗ 
olgte. Der Wortführer verkündete, daß am Mittwoch abend 
De in einer neuen Sikung die zweite Lesung erfolgen 
ver 
m· Zur Bürgerschaftswahl. Sonnabend abend hielten 
die gemeinnützigen Vereine Siems-Dänischburg und 
KüäcknitzeHerrenwyrk im Stadtteil Kücknitz eine gemein— 
ame Versammlung ab, zu der alle Wähler des Bezirks Trave— 
nüũnde⸗Land eingeladen maren. Nach einer Begrühßung der 
Fäste durch HSerrn Pastor Ziesenitz-Kücknitz ergriff Hecr General— 
direktor Dr. Neumark, der von den beiden Vereinen als Kandidat 
für die bevorstehende Bürgerschaftswahl aufgestellt worden war, 
das Wort und führte etwa folgendes aus: Er habe anfangs 
zezögert die ihm angetragene Kandidatur anzunehmen, da 
er beruflich stark in Anspruch genommen sei; aber die Notwendig⸗ 
leit, der am Unterlauf der Trave angesiedelten Industrie bei 
»en maßgebenden Stellen Gehör zu verschaffen, habe ihn ver⸗ 
anlaßt, dem Wunsche der Vereine zu entsprechen. Die hinter 
uins liegenden 8 Jahre hätten gezeigt, daß die aufstrebende 
Industrie dnich die gesetzgebenden Körperschaften ridhbr immer 
gefördert worden sei, wie es für das Industriegebiet wünschens— 
wert erscheine. Gesunde Arbeiterverhältnisse seien die Vor⸗ 
bedingung für die Entwickelung der Industrie. Er woile des⸗ 
halb die Schaffung eines festen, seßhaften Arbeiterstammes 
durch eine vernünftige Siedelungspolitik. Billige Wohnungen 
und billiges Ackerland seien dringend erforderlich. Dazu sei 
aber wiederum nötig, daß das Land von den auf ihm ruyenden 
Lasten frei sei. An einer schnellen und allen billigen Wünschen 
Rechnung tragenden Lösung der Ablösungsfrage der Reallaßten 
sei die Industrie also ebensosehr interessiert, wie die Land— 
wirtschaft, und es gehen also in diesem Punkte die Bestcebungen 
von Industrie und Dandwirtschaft parallel. Er schloß mit 
hem Wunsche, daß der von den Vereinen vorgeschlagene Kom— 
»romiß zwischen Industrie und Landwirtschaft zustande lommen 
möge dergestalt, daß je ein Kandidat der Industrie und der 
Landwirtschaft gemeinsam gewählt werde. Er verkenne zwar 
nicht, daß dieser Kompromiß gegenwärtig für die Landwirt— 
chaft ein großes Opfer bedeute, daß er für die Zukunft aber 
ich als varteishaft erweisen werde; denn, wenn sich jetzt die 
Landwirtfchaft zur Unterstützung seiner Kandidatur en'schließen 
önne, so dürfe sie versichert sein, daß nach zwei Dahren der 
Kandidat der Landwirtschaft auch von der gesamten pdustrie 
ver de aewãhlt werden. Herr Hans Henk-Pöppendorf untetr- 
tützte diesen Einigungsvorschlag auf das wärmste, derin das 
ei der inzige Weg, der Landwirtschaft auch fur die Zufunft 
aAe deegrpueien für die Bürgerschaft zu erhaiten. Herr 
p nt. der jetzt der Bürgerschaft angehört, gab seinem 
edauern Ausdruck, daß dieser Einigungsvorschlag nicht früher 
jemacht worden sei. Gerade bei der bevorstehenden Ablösung 
er Reallasten sei die Landwirtschaft aber in so hohem Maße 
nteressiert, daß er, so gern er sonst auch dem Kompromiß zu⸗ 
timmen möchte, es jetzt nicht für angängig hielte, dem Ankrage 
zuzustimmen. Schon seit Jahren habe er sich mit der Ab— 
dfungsfrage beschäftigt, und deshalb halte er sich idr ver— 
Dine din Kandidatur aufrecht zu erhalten. — Naͤwydem 
er Vorsitzende nochmals den Einigungsvorschla 
hatte, schloß er die Versammlung. —— 
BVetriebsEinnanmen der Eutin-⸗Lübecker Eifenbahn für 
»en Monat Oktober 1913 Die Einnahmen betrugen: 
aus dem aus dem 
Bersonen- Güter⸗ Sonstige in Summe 
Verlehr Verkehr Einnahmen 
m w m m 
1913 56012 27 9860 31680 87 452 
1912 498758 27 960 3560 gi 383 
Unterschied gegen denselben Monat 
des Vorjahres 46069 
kinnahme vom 1. Januar bis Ende Oktober 1913 A Sb 
A VD— 1912, 847 041 
Anterslchied gegen das Vorsahr A 17 424 
Die vorstedenden Zbien ind geschäkt 
. * 
2 — 3—ν 
⏑— 
Dier stag, den IU. November 1913. 
2 
Morgen⸗Blatt Ur. 572. 
VGewertkschaft Martashall Gotha Lübed. Die gestern hier 
bgehaltene Gewerkenversammlung zur Besprechung und Beschuß— 
assung über die durch die Konkurseröffnung geschaffene Lage 
er Gewerkschaft war zunächst beschlußunfähig, da sich ergab. 
ak von den noch bestehenden 889 Kuxen nur 367, also nicht die 
Nehrheit, vertreten war. Doch man wußte sich zu helfen. Durch 
ie Anerkennung älterer Vollmachten wurde die Versammlung 
infach beschlußfähig gemacht. Der Verwaltungsrat erklärte 
odann, daß er bei Lage der Sache und mangels jeglicher Mittel, 
a die Maßnahme zur Aufbringung solcher für die Fortführung 
er Verwaltung kläglich gescheitert sei, auf seinem schon in der 
origen Versammlung kundgegebenen Entschluß, sein Amt nieder⸗ 
ulegen, bestehen müsse und deswegen nunmehr seine Ent— 
assung auch formell bei der Versammlung beantrage. Der 
intrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Alle weiteren 
qunkte der Tagesordnung, als Entlastung des Repräsentanten, 
tlassung und event. vorläufige Wiederanstellung desselben, 
ahlung einer Vergũtung an den Verwaltungsrat, Beschluß⸗ 
assung über eine event. Neugestaltung und Fortführung des 
lnternehmens in anderer Form, wurden von der Tagesordnung 
bgesetzt, zumal seitens verschiedener Aktionäre erklärt wurde, 
ak sie bei einer Beschlußfassung über die Entlastung des 
depräsentanten uswp. die Versammlung durch Verlassen der⸗ 
elben beschlußunfähig machen würden. Die Neuwahl eines 
zerwaltungsrates wurde abgelehnt. Streitig war zunächst die 
rage, ob man zur Liquidation der Gewerkschaft schreiten solle. 
dazu führte Rechtsanwalt Dr. Levn-Hamburg aus, daß er aufs 
ebhafteste bedauern müsse, daß infolge geheimer Treibereien die 
ßewerke durch die Konkurseröffnung überrumpelt worden seien, 
enn jetzt sei das ganze Geld der Gewerke rettungslos verloren. 
Nit der Eröffnung des Konkurses Höre sie auf, eine rechtsfähige 
zerson zu sein und bestehe nur noch so lange fort, als es zur 
lbwickelung der Geschäfte erforderlich sei. Eine Beschlußfassung 
iber die Einleitung der Liquidation erübrige sich daher, da die 
donkurseröffnung bereits den Beginn der Liquidation darstelle. 
Was nach Abwickelung des Konkurses geschehen solle, müsse 
ibgewartet werden. Sicher sei für ihn, daß Gotha zur Grün- 
ung einer neuen Gewerkschaft niemals seine Einwilligung geben 
verde. Die jetzige Gewerkschaft sei ein für allemal tot. Es 
ei ein schlechter Streich gewesen von einer Lübecker Firma, die 
ür Tausende von Mark an die Gewerklschaft geliefert und be— 
ahlt bekommen habe, und die wegen einer kleinen Forderung den 
zenker gespielt habe. Dies sei um so bedauerlicher, als die 
firma Göhrig E Leusch-Dortmund sich inzwischen entschlossen 
zehabt habe, das Werk auf ihre Kosten in Betrieb zu setzen. 
Das wäre die einzige mögliche Rettung der Gesellschaft gewesen, 
enn für die Phantasiepläne des Verwaltungsrates hätte sicher- 
ich kein Gewerke Geld hergegeben. Das vom Verwaltungsrat 
en Gewerken vorgelegte Gutachten über die Kayserschen Salz⸗ 
ewinnungsapparate hätten nicht den allermindesten Wert, denn 
em Ingenieur, der es erstattet habe, sei vom Verwaltungs 
at zugesichert worden, den Auftrag auf Ausarbeitung des 
Jlanes für ein neues Werk und den Bau desselben zu erhalten. 
ber bei der Verwertung der Aktiven werde schon aufgepaßt 
erden, daß nicht gemuschelt werde und irgend wer im Trüben 
sche. Dem wurde vom Verwaltungsrat entgegen gehalten, 
aß er die Konkurseröffnung nur dahin zu beeinflussen ver- 
uicht habe, daß sie wenigstens bis zu dieser Versammlung 
inaus eschoben werde. Diese Bemühungen aber seien erfolglos 
ewesen. Von einer Ueberrumpelung der Gewerke durch den 
Zonkurs könne keine Rede sein, dem daß dieser ziemlich unver⸗ 
neidlich sei, habe allen Gewerken seit langem nicht mehr zweifel⸗ 
jaft sein können. Bedauern könne man höchstens, daß die Firma 
zöhria K Leusch nicht so schnell wie möglich mit ihrem Aner— 
ieten an die Gewerkschaft herangetreten sei, sondern fie so 
inge hingehalten habe. Das vom Verwaltungsrat vorgelegte 
zutachten sei von einem beim Landgericht und Amtsgericht 
)resden bestellten Sachverständigen erstattet, so daß man von 
er völligen Objeltivität und Unparteilichkeit der Darlegungen 
berzeugt sein dürfe. Irgend welche Aufträge deien dem Sach— 
erständigen nicht zugesichert worden, nur das habe der Ver— 
altungsrat mit ihm ausgemacht, daß er nicht nur für diesen 
inen Fall, sondern auch fernerhin der kechnische Berater der 
zewerkschaft bleiben solle. Mit Rechtsanwalt Dr. Levy war 
ie Versammlung der Ueberzeugung, daß mit der Konkurseröff- 
ung die Liquidation der Gewerkschaft eingetreten sei, sich also 
ine Beschlußfafsung hierüber erübrige. Erörtert wurde sodann 
och kurz die Frage, ob eine Möglichkeit bestehe, das Konkurs— 
erfahren wieder aufzuheben. Man bham aber zu der Ueber— 
eugung, daß dies mangels jeglicher Mittel nicht durchführbar 
»i worouf dꝛe Versammluno ageschlossen mirde 
— — —— — 
den Wettschreibern in den höheren Abteilungen das Forta 
kommen zu erleichtern. Auf die in dieser Woche slattfindenden 
Wettichreiben sei auch an dieser Stelle nochmals hingewiesen. 
—ADDD 
win Fräulein Freese. Wie wir erfahren, haben nach einem 
mit dem königlich preußischen Herrn Minister der geistlichen 
ind Unterrichtsangelegenheiten getroffenen Abkommen über die 
Lnerkennung der Lyzealzeugnisse die von der Freeseschen Schule 
uusgestellten Schluß⸗ und Versetzungszeugnisse künftig für das 
ßebiet der preußischen Monarchie dieselbe Geltung wie die 
er Ernestinenschule. 
DP. Kinder als Erwerbsmittel. Einen sehr interessanten 
Bortrag hielt Sonnabend abend Gerichtsassessor Tormin im 
zürgersaale des Berliner Rathaufses vor den Berliner 
emeinde-Waisenräten über das Theman, Kinder als Erwerbs⸗ 
nittel“. In 75 deutschen Zeitungen wurden 572 verschiedene 
lnnoncen gefunden über Weggabe von Kindern und 688 
ßesuche, die die Annahme kleiner Kinder als Kostkinder usw. 
zezwedten. Der Redner sprach sich sehr eingehend über di( 
zerufsmähigen Halte- und Pflegeeltern von kleinen Kindern 
us, namentlich gegen solche, die eine einmalige Abfindungs⸗ 
immme als Entgelt verlangen. Das Hauptinteresse sei natur 
emäß der Abfindungssumme zugewendet, während das Kind 
abei nur eine nebensächliche Bedeutung einnehme. Sehr zu 
egrüßen sei, daß einige deutsche Zeitungen die Aufnahme von 
Inseraten, die den Verdacht einer Kinderausnutzung auflommen 
assen, grundsätzlich ablehnen. 
Ballon „Lübed“ in Rostock. Der Aufstieg des Ballons 
Lübeck“ am Sonntag in Rostock nahm unter Leitung des 
vortlichen Leiters des Lübeder Vereins für Luftfahrt, Herrnw 
Nöller, einen sehr befriedigenden Verlauf. Die Füllung er— 
olgte unmittelbar bei der Gasanstalt und ging flott von 
natten, so daß der Aufstieg kurz nach 12 Uhr erfolgen konnte. 
rührer des Ballons war ein Rostocker Mitglied des Lübecken 
zereins für Luftfahrt, Herr Dr. Wirths, während als Unpar— 
eiischer Herr Leutnant Bels und als Depeschenträger Herr 
Or. Haun, Rostock, fungierten. An der kriegsmäßigen Ballon— 
erfolgung beteiligten sich 22 Automobile des Allgemeinen 
Zeutschen Automobil⸗-Klubs, Gau Mecklenburg, doch gelang es 
ur einem der Automobile, nämlich demjenigen des Herrn 
hristen, Rostock, den Ballon nach der Landung zu erreichen. 
die Landung erfolgte sehr glatt um 43 Uhr nachmittags bei 
tleinnikör, unweit Gnoien. Dem Depeschenträger gelang es, 
ie Depesche eine viertel Stunde später bei dem Postamt Gnoien 
ufzugeben. Preise erhielten: Herr Dr. Wirths als Balldn— 
ührer, Herr Dr. Haun als Depeschenträger und HSerr Christen 
„om Automobil⸗Klub. — Bemerkenswert ist, daß es der 
iberhaupt erste Aufstieg eines Vereinsfreiballons in Rostock 
var und erregte die Veranstaltung daher natürlich das größte 
Imnteresse bei der Rostocker Einwohnerschaft, welche dem Auf« 
tieg in grober Zahl beiwohnte. 
DDT. Gewerbevereins⸗Konferenzen. Neue Konferenzen mit 
Bertretern des Verbandes der Gewerbevereine uber die be— 
orstehende Reyision der Gewerbeordnung und zur Besorechuug; 
er Denkschrift des Deutschen Handwerker⸗ und Gewerbetammera 
ages sinden am 156. Nov. im Reichsamt des Innern in Berlim 
talt. Am 17. Nop. findet dann dort eine Konferenz wit Ver— 
retern der Handelskammern und Industrien zur Befrrechung 
on Handwerkerfragen statt. 
J Vom Arbeitsnachweis des Arbeitgeber⸗Verbaudes für 
as Baugewerbe zu Lübeck konnte im Monat Oftober d. J. 
19 Perfonen Arbeit nachgewiesen werden. Die in Arbet 
estellten Vesonen setzten sich aus folgenden Altersklassen zu⸗ 
ammen: WVon unter 21 Jahren waren es 10 Personen, von 
1-30 Jahren 36 Personen, von 31-40 Jahren 31 Per⸗ 
onen, von 41-450 Jahren 25 Personen, von 51 -60 Jahren 
6, Versonen und von 61-70 Jahren 1Person. Alle Eingen 
tellten wohnten schon längere Zeit hier in Lübed oder in dessen 
ächster Umgegend. Gemeldet hatten fich 437 Personen 
Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter). Außerdem sprachen 
wch 268 Personen als Passanten beim Arbeitsnachweis vor. 
Strafkammer II. Sitzung vom 8. Nop. Wegen 
zetruges hat sich der Werkmeister Eduard Me. aus Ham— 
urg zu verantworten. Der Angeklagte stand' vom 1. Dez. 
907 bis 31. Dez. 1912 bei der Lübecker Schwefelsäure- und 
zuperphosphat-Fabrik in Beschäftigung. Als solcher hatte er 
ie Lohnlisten für die unter seiner Aufsicht stehenden Betriebs⸗ 
eile seiner Arbeitgeberin zu führen. In den Listen hatte er 
ie Ergebnisse der fertiggestellten Arbeiten und die hierfür von 
»en in Betracht kommenden Arbeitern verdienten Akkord- und 
Stundenlöhne einzutragen. Nach den Listen wurden die Gesamt- 
bochenlöhne der Arbeiter berechnet. In den Jahren 1911 und 
912 hat der Angeklagte in die Lohnlisten, soweit sie die von 
Irbeitern an Sonntagen ausgeführten Arbeiten betrafen, fort— 
esetzt höhere Lohnbeträge eingetragen, als die Arbeiter zu 
eanspruchen hatten. Dadurch veranlaßte er die Fabrikleitung, 
den Arbeitern über ihren Verdienst hinaus Lohnbeträge auszu- 
ahlen. Den zuviel gezahlten Lohnbetrag ließ der Angeklagte si 
»on den Arbeitern wieder zurückzahlen, indem er diesen vor 
chwindelte, die Herren im Kontor hätten sich verrechnet. Au 
iese Weise hat der Angeklagte sich mindestens 416,46 M, wahr⸗ 
cheinlich aber viel mehr verschafft. Der Angeklagte behauptet, 
„er Betriebsleiter der Fabrik, Dr. R. habe sich mit den etwa 
00 Arbeitern der Fabrik schlecht gestanden. Die Arbeiter 
eien oft unzufrieden gewesen und hätten höhere Löhne ver— 
angt. Er habe dann zusehen müssen, mit ihnen auszukommen 
md hätten die Arbeiter so die auf obige Weise erworbenen 
ßelder von ihm wieder erhalten. Dr. R. ist der Ueberzeu— 
ung, daß die Unzufriedenheit unter den Arbeitern von dem 
Ingeklagten künstlich erzeugt sei. Die Arbeiter erinnern zwar, 
aß sie erhaltene Lohnbeträge an den Angeklagten haben 
urüczahlen müssen, nicht aber, daß der Angeklagte ihnen 
emals Geld gegeben hat. Der Staatsanwalt beantragt, den 
lngeklagten wegen fortgesetzten Betruges zu einem Jahr Ge— 
ängnis zu verurteilen und wegen Fluchtverdachts Haftbefehl zu 
rlassen. Das Gericht erkennt auf 9 Monate Gefängnis, lehnt 
ber den Haftbefehl ab. — Wegen Diebstahls im Rück— 
alle hat sich der Arbeiter Ernst We. von hier, der allein 
jegen Diebstahls dreimal bestraft ist, zu verantworten. Nach 
iner mit dem Tapezier B. gemeinschaftlich ausgeführten 
zneiptour gingen der Angeklagte und B. am Nachmittag des 
?9. Aug. in die Nähe der Klappbrüde und legten sich dort an 
»er Böschung des Stadtgrabens zum Schlafen nieder. Beide 
maren angetrunken. Als ein dritter Mann sich in ihre Näke 
In die Standesregister des Standesamisbezirks Lübed 1 
jurden vom 2. bis 8. November 1913 eingetragen: 43 Geburten 
21 Knaben und 22 Mädchen), 19 Aufgebote, 26 Eheschließungen 
ind 35 Sterbefälle. darunter 9 Kinder unter 14 Jahren. 
xX Zu lübeckischen Staatsbürgern sind vom Stadt- und 
andamt im Monat Oktober d. J. 110 Personen angenommen 
nvorden. Am 285. Oktober leisteten dieselben vor dem Senat 
ꝛen Bürgereid. 
x Doͤe lübecksche Staatsangehöriakeit erwarhen im Monaf 
Rktober d. J. 67 Personen 
DDer Stenographenverein Stolze⸗Schren von 1858 zu 
dübeck hielt am letzten Sonnabend in der „Bauhütte“ seine 
ut besuchte Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr 
rnst Braune, teilte zunächst die erfreuliche Tatsache mit, daß 
7 Mitglieder neu aufgenommen werden konnten. Der Verein 
ählt jetzt 386 Mitglieder gegen 335 zu Anfang des Vereinsjahres. 
zodann erstattete Herr Braune in anschaulicher Weise Bericht 
iber die diesjährigen Verhandlungen des Deutschen Steno— 
raphen⸗Verbandes Stolze⸗Schrey in Breslau, aus dem die Ver— 
ammlung entnahm, daß sowohl vom Verbandsvorsitzenden mit 
»em verdienten Max Bäckler an der Spitze als auch von den 
Rerbandsvertretern eine gewaltige Arbeit für die Schule Stolze— 
Schren geleistet worden ist. Ein Vortrag des Vorsitzenden über 
»as Theman„Warum beteilige ich mich am Wettschreiben?“ 
vurde sehr beifällig aufgenommen und wird sicher zu einer regen 
zeteil'gung an den bevorstehenden Wettschreiben heitragen. Der 
eue Uebungsplan wurde debattelos angenommen. Neu einge— 
ührt ist eine Mittwochs abends 9 Uhr stattfindende Oberab— 
eilung. in der nur über 160 Silben diktiert wird. um dadurch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.