Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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eilungen 1M. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübed 63. Jahrgang Nachrichten sur das herzogtum Tauendurg, d. 
beiblatt: Gesetz und Verordnungsblatt t xc rene Fürstentümer Ratzeburg, Lubeck und das angren⸗ 
ůασσσοσσσσετο—σσσοσο —* —— —S& VE— zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
Druck und Verlaga: Gebrüder Borchers G. m. b. H. m Lübed. — Geschaͤftsstelle Adrenouus (Kõnigstr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
Morgen⸗Blatt Ur. 569. 
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Erstes Blatt. hierzu 2. und 3. Blatt 
sowie „Vaterstädtische Blätter“ Nr. 6 
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Umfang der herutigen Nummer 12 Seiten. 
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nichtamtlicher Teil. IJ 
Politische Wochenschau. 
Die mexikanische Krisis ist durch das Vorgehen der 
Vereinigten Staaten der Entscheidung nahe gebracht. Zwar 
hat die Union an Huerta ein förmliches Ultimatum nicht ge— 
richtet, aber es besteht trotzdem kein Zweifel daran, daß sie 
Huerta und seine Anhänger von der Präsidentschaft ausschließen 
will. Augenscheinlich zͤgert Huerta, dem amerikanischen Drängen 
nachzugeben, und es ist möglich, daß er sich von irgendwelchen 
Vermittlungsversuchen einen Erfolg verspricht. Aber in der 
Haltung der euro päischen Mächte müßte ein vollständiger 
Wandel eintreten, wenn eine unter ihnen die Vermittlung zu—⸗ 
gunsten Huertas ũbernehmen sollte. Stützt sich doch das Vor—⸗ 
gehen der Union gerade auf den Umstand, daß keine europäl—⸗ 
sche Macht Lust hat, gegen den ausgesprochenen Willen der 
Vereinigten Staaten Huerta zu unterstützen. Wäll also Huerta 
trotzdem der amerikanischen Forderung sich widersetzen, dann 
bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Aufnahme des 
Kampfes. Wie dessen Ausgang sein würde, kann bei der Stärke 
der revolutionären Bewegung in Mexriko selbst nicht zweifel— 
haft erscheinen. mögen die amerikanischen Streitkräfte quch 
zunãchst außerstande sein, sofort einen entscheidenden Schlag 
zu ftun. 
Hat die Nachricht von dem angeblichen Ultimatum ßSer Ver⸗ 
einigten Staaten an Mexiko die aus wirtschaftlichen Gründen 
vhnehin sehr empfindlichen Weltbörsen beunruhigt. so übten 
bie jüngsten Zwischenfälle am Balkan auf sie keinen Einfluß 
mehr aus. Die Börse rechnet offenbar mit Sicherheit darauf, 
daß die Verzögerung des türkisch-griechischen 
Friedensschlusses nicht zu neuen Kämpfen, sondern 
schließsich doch zum Frieden führen wird, und nimmt die säüd⸗- 
albanische Grenzfrage nicht tragisch. Was in letzterer Be— 
ziehung Oesterreich- Ungarn und Italien gegenüber Griechenland 
zur Sprache brachten. steht durchaus im Einklange mit den Be⸗ 
stimmungen des Londoner Vertrages und den internafionalen 
Bedürfnissen der Stunde. Dem so lange Teile Albaniens 
doon griechischen Truppen besetzt sind, ist an die Regierungs— 
libernahme des Prinzen von Wied nicht zu denken. Die 
Begründung eines fürstlichen Regimencts in Alhanien bildet aber 
die Vorbedingung dazu, Albanien in die Bahnen einer fried⸗ 
iichen. gesetzlichen Entwicklung einlenken zu lassen und Störungen 
des Balskkanfriedens von albanischer Seite her hintanzuhalten. 
Bei dieser Sachlage hat Deutschland den Schritt seiner 
Verbündeten in freundschaftlicher Weise unterstützt. während 
ein Widerspruch von den Mächten des Dreiperhandes weder 
erfolgt noch zu erwarten ist. Gebärdet sich trotzdem ein 
Teil der Pariser Presse. als ob Oesterreich und Italien sich 
wieder einmal an „Europa“ versündigt hätten. so gehört 
das ganze Uebelwollen der Pariser Lärmmacher gegen jene 
Dreibundmächte dazu, um solche Ausstreuungen verständlich zu 
machen. Die Antwort Griechenlands auf den österreichisch— 
italienischen Schritt wahrt der Form nach das Gesicht, schließzt 
jedoch die Nachgiebigkeit in der Sache nicht aus. 
Das Ansehen der Donaumonarchie auf dem Balkan muß 
unter den Skandalszenen leiden, deren ständiger Schau⸗ 
platz die Parlamente sowohl in Wien wie in Pest geponden 
sind. Was hier seit Jahr und Tag eingerissen ist nt fso 
stark nach Halbasien, daß nur der Varteifanati-—blind 
gegen die schädlichen Folgen des kulturwidrigen Treibens sein 
lann. Much der Befriedigung der starken finanziellen Bedürf— 
nisse Oesterreich- Ungarns gereichen die wüsten Auftritte in den 
Parlamenten Zis⸗ und Transleithaniens nicht zum Vorteil. 
Für die Entspannung der internationalen Lage im allge—⸗ 
meinen und für die Besserung des deutsch⸗englischen Verhaãlt⸗ 
nifses im besonderen spricht die Tatsache, dak zwei deutsHe 
Linfenschiffe auf die Dauer von 3 bis 4 Mongten der 
heimischen Schlachtflotte entzogen werden konnten, un unsere 
vestafrikanischen Kolonien zu besuchen und die deutsche Flagge 
n südamerikanischen Gewässern zu zeigen. Als ein efreuse 
Zeichen der Aufhellung des politischen Himmel— ist dieses 
Noment darum doppeit zu begrühen. well es der Belebung 
der wirtschaftlichen Konfunktur zustatten kommt S wãre sehr 
cchön. wenn auch betreffs der inneren Lage gleich gunstige 
Anzeichen wahrgenommen werden könnten. Aber gerade auf 
dem Gebiet der nationalen Politik zeigt der Verlauf der 
——— 
dereinigten Konservativen Posens, wie ernste Be— 
Archtungen wegen der welfischen Frage und der Gefahr 
eines Rüdfalles in die Tapribishe Polenpolitik ge— 
heat werden. Die Braunfschweiger Einzugeseirliße 
en hrachten keine einzige Kundgebung des Herzogs Ernst 
* gust, die in Wahrheit als eine Absage an die hannoverschen 
elfen hätte gelten können. So klammerten sich denn die 
iden an die nichtssagende Wendung des Herzogs baß er 
ganz als Braunschweiger fühle, um den Glauben hervorzu⸗ 
en der neue Bundesfürst habe wirklich einen Strich zwischen 
h und den hannoverschen Welfen gezogon. Das Orqan der 
setzteren aber hielt selbst die Zeit der Braunschweiger Einzugs⸗ 
eierlichkeiten für geeignet, eine preußenfeindliche Reimerei aus⸗ 
ugraben, und verdrehte eine gegen die hannoverschen Storen⸗ 
riede gerichtete Mendung des Stadtrats von Frankenberg dahin, 
‚aßz sie auf die Alldeutschen gemünzt sei! 
Die Annahme der Königswürde durch den bisherigen Prinz⸗ 
egenten Ludwig von Bayern hat nirgends die Be— 
orgnis gewectt, datz der neue König auf dem Thron der 
Wittelsbacher dem Reiche etwas versagen werde, was es zu 
zeanspruchen hat. Weiß man doch von Ludwig III. längst. 
vie sehr ihm das nationale Pflichtgefühl gegen Kaiser und 
seich, bei allem wittelsbachisch-bayerischen Selbstbewußtsein. in 
Fleisch und Blut übergegangen ist. 
Das Scheitern einer Verfassungsfrage anderer Art, die als 
olche von Rechts wegen schon lange gelöst sein mügte, hat? in 
Mecklenburg-Schwerin zu einer Ministerkrisis geführt. 
Nach den bisherigen Erfahrungen besteht wenig Hoffnung, dah 
ie mecklenburgischen Stände von sich aus die Aufgabe, dem 
rande eine zeitgemäße Verfassung zu geben, lösen werden. Es 
rürfte daher schließlich das Eingreifen des Reiches, so abgeneigt 
ie mecklenburgischen Regierungen ihm auch sind, der einzige 
Weg sein. auf dem den unhaltbaren Zuständen ein Ende ge— 
nacht wird. 
Bei Betrachtung des Krupp-Prozesses dürfte die 
Wberwiegende Mehrheit der Unbefangenen sich darin einig sein, 
vaß die Firma Krupp aus den langwierigen Verhandlungen 
»er letzten Wochen anders hervorgegangen ist, als es ihr zu 
vünschen war. Denn die Berliner Tätigkeit ihres Angestellten 
Brandt. die auf einen bestimmten Kreis von Beamten eine 
arrumpierende Wirkung ausübte, ist in der Direktion des 
tdruppschen Unternehmens in einem Maße bekannt gewesen, das 
vas Ausbleiben einer Maßregelung Brandts durch die Geschäfts— 
eitung unverständlich macht. Daran ändert auch die Persön— 
ichkeit des Hauptbelastungszeugen v. Metzen nichts. Es bleibt 
ben die beklagenswerte Tatsache bestehen, daß die Firma 
trupp die ihr nützliche Tätigkeit des Brandt fortdauern ließ, 
»bwohl ihrer Leitung das Bedenkliche dieser Tätigkeit nicht 
ntgangen war. Wurden also der Firma Krupp durch die 
dätigkeit Brandts auch keine militärischen Geheimnisse zum 
S„chaden des Reiches verraten, so hätte doch das korrum— 
erende Vorgehen Brandts von der Geschäftsleitung nicht ge⸗ 
uldet werden dürfen. Das Gegenteil ist geschehen, und 
arum hat der Ruf der Firma Kruppa auch in den Augen 
erer Schaden gelitten, die mit dem gehässigen Kesseltreiben der 
ozialdemokratie gegen Krupp nicht das Mindeste gemein haben. 
die schon bekannte und geahndete Tatsache, daß Beamte sich 
zurch Gastereien und Kneipereien auf den Weg der Pflicht⸗ 
vidrigkeit locken ließen, ist eine betrübende Erscheinung, die 
darum nichts von ihrer Gefährlichkeit verliert, weil sie mit 
dem unserer Zeit eigentümlichen allgemeinen Hange zum Wohl⸗ 
eben eng zusammenhängt. Aber dieser Hang ist es nicht 
illein, der den Fehltritt der schuldigen Beamten erklärt. Es 
ommt vielmehr ein übertriebener Respekt vor der Firma 
drupp als solcher hinzu, und diesen übertriebenen Respekt 
aben unabsichtlich andere Faktoren gefördert. Es sei mur 
rwähnt, daß berufene Kritiker an der zuweitgehenden Höflich⸗ 
eit Anstoß nehmen, der hohe Reichs⸗- und Staatsdiener im 
ersönlichen Verkehr mit dem Inhaber der Firma Krupp und 
einem Direktionsstabe sich befleißigen. Solche Erfahrungen 
aahnen daran, daß die amtlichen Vertreter des Staates auch 
zegenüber der kapitalgewaltigen Firma, deren Verdienste um 
»ie nationale Wehrhaftigkeit und um die soziale Hebung ihrer 
Arbeiterschaft nicht im mindesten bestritten werden sollen, die 
Würde des Staates bei jeder Gelegenheit besonders peinlich 
vahren müssen, um dem Beamtentum unterer Grade ein vor⸗ 
lildliches Beispiel selbstbewußten Staatsdienertums 
u geben. In dieser Richtung enthält der Krupp⸗Prozeß für 
ie Staatsverwaltung Lehren, die, zu den Imponderabllien 
ählend. für die Erhaltung der Integrität des 
ßeamtentums von nicht geringer Michtiakeit find hypt. 
v 
nicht rechtzeitig durch entsprechende Maßnahmen der Entstehung 
eines Zustandes vorgebeugt worden ist, der als auf die Daue 
invereinbar mit dem monarchischen Gedanken ist. Nur die Er⸗ 
enntnis, daß die Sorge für das Wohl der Monarchie und des 
Vaterlandes eine Beendigung dieses Zustandes dringend er⸗ 
heischt, hat in mir den schweren Entschluß reifen lassen, den 
Schritt zu tun, der im diesem feierlichen Alte seinen Ablschluh 
indet. 
Es hat mich mit Befriedigung erfüllt, daß es dem ein⸗ 
mütigen Zunmmenwirken meiner Regierunsg und des Landtages 
gelungen ist, in verfassungsmäßiger Form die Wiederherstellung 
des Zustandes zu ermöglichen, der dem Gedanken der Erb⸗ 
momarchie dem Geiste der bayerischen Verfassung und dem 
ßImpfinden des Vollkes in gleicher Weise entspricht. Möge 
s mir beschieden sein, die erfreuliche kulturelle und wirt⸗ 
chaftüche Entwicklung, die Bayern in den letzten Jahrzehnten 
ꝛenommen hat. in gemeinsamer Arbeit mit der Volksvertretung 
ortzufũühren. Für all mein Tun aber wird das Wohl meines 
jeuren Volkes die Richtlinie bilden. 
Ich ersuche nun den Herrn Staatsminister der Justiz 
den in 8 1 des 10. Titels dier Verfassungsurkunde bestimmten 
id vorzusprechen.“ 
Nach dem Verlesen des Eides, welcher lautet: Ich 
chwöre nach der Verfassung und den Gesetzen des Reiches zu 
cegieren, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangeltum“, 
prach der König mit erhobener rechter Hand: „Ich schwö re!“ 
Im Anschluß hieran hielt Ministerpräsident v. Hertling eine 
Ansprache an den König. „in dieser für Bayern so bedeutungs⸗ 
»olien Stunde die allerehrfurchtsvollste Huldigung des Gesamt⸗ 
ninisserrums und des Kollegiums der Staatsräte sowie das Ge— 
löbnis der unverbrüchlichen Treue in Gnaden entgegennehmen 
zu wolsen.“ 
Der Welfenfchatz in Braunschweig. 
PO. Wien, 8. Nov. Wie das Wiener Neue Tagsblati 
rus Gmunden erfährt, werden dort Vorbereitungen getroffen, 
uim den Welfenschatz, der seit 1906 im Gmundener Schlosse 
»es Berzogs von Cumberland sich befindet, demnächst nach 
Braunschweig, der neuen Residenz des Serzogs oon Braun— 
schweig, des Sohnes des Herzogs von Cumberland, zu üÜber⸗ 
iahren. wa er dauernd bleihen dosl. 
Zberstleutnants von Winterfeldts Nachfolger in Paris. 
Bersin 8. Nov. Oberstleutnant von Wintecfeldt wird 
ach seinet Wiederherstellung, die kaum vor dem Beginn des 
nächsten Jahres zu erwarten steht, nicht auf deinen Pariser 
Bosten zurückkehren, sondern im Großen Generaurstabin 
berlin Verwendung finden. Zu seinem Nachfolger ist nach 
einer hiesigen Korrespondenz der jetzige Militärattachs bei den 
öniglichen Gesandtschaften in Brüssel und im Haag, Major von 
Rhüber in Aussicht genommen. Auch Oberstleutnant von 
Winterfeldt war in der gleichen Stellung tätig, che er nach 
Zaris geschickt wurde. Major von Klüber ist Kavallerie— 
nifizier und seit dem J. Okiober 1912 dem Stabe azuerteiit. 
J— 
Der Reichskanzler und der Abgeordnete Liebenecht. 
Berlin. 8. Nov. Bei den Verhandlungen ber die Zu⸗ 
ammensetzung der Kommission zur Prufung der Rũstungs⸗ 
jeferungen wurde von sozialdemokratischer Seite der Ads. 
Liebknecht neben dem Abgeordneken Noske als Mitglied an⸗ 
deboten. Wie der Lokalanzeiger erfährt. wurde der Abge⸗ 
ordnete Noske angenommen. Gegen die Berufung des Abge— 
ordneten Liebknecht erhob der Reichskanzler Be— 
denken wegen der ößrononcierten Stellung dieses Abgeord⸗ 
ieten gerade in dieser Angelegenheit, und die so zialde mu⸗ 
fratische Fraktion ist vom Reichsamt des Innern aufgefordert 
vorden, einen anderen Abgeordneten namhaft zu machen. Die 
Antwort der soaialdemokratischen Fraktion steht noch aus. 
Das Sanfibar⸗Gerücht. 
London. 8. Nov. Der englische Staatssekretĩr des Aus— 
vär gen Grey, richtete an einen Bekannken einen Brief. 
in dem die Gerüchte von einer Abtretung Sansibars an Deutsch- 
and Erwäbnung finden. Sir Eward Grey schreibt: „Far dieses 
ßerücht besteht kein Grund. Wenn eine solche Trans⸗ 
aktion beabsichtigt wäre, so würde vermutlich, was das Parla—⸗ 
ment angeht, das gleiche Verfahren beobachtet werden, wie 
bei der Abtretung von HSelgoland an Deutschland.“ Der 
Londoner Vertreter der Frankfurter Zeitung sagt zu dieser 
Meldung: Man wird bemerken, daß das Demenri des 
Staatsfelreiärs nicht gerade in sehr entschiedene 
Werte gekleidet ist. 
Der unnachgiebige Huerta. 
PC. Paris, 8. Novd. Die letzten hier aus Meriko ein⸗ 
jerroffenen Nachrichten bestätigen in bestimmter Weise. daß 
Huerta durchaus nicht gewillt ist, der Aufforderung des Prä—⸗ 
identen Wilson nachzugeben. Der Diktator trifft im Gegen⸗ 
leil Vorbereitungen, sich einer bewaffneten Intervention der 
Vereinigten Staaten mit Waffengewalt zu widersetzen. 
Die am Nachmittag hier umlaufenden Gerüchte von einer 
Ermordung Huertas haben bis zur Stunde keine Boltãtiaung 
defunden. 
Hier herischt der Eindrud vor, daß die Krisis ihren Höshe— 
vunkt etreicht hat und daß die Regierung der Verenigten 
Staaten unbedingt ihre Zuflucht zu enerqischen Mabnahnen 
vird nehmen müllen 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der Ae Ze, 
Die Eidesleistung König Ludwigs III. 
München, 8. Nov. Die Eidesleistung König Ludwigs III. 
don Bayern hat heute vormittag in feierlicher Weise im Thron⸗ 
aale des Königshauses der Residenz stattgefunden. Schen um 
3 Uhr herrschte in den Straßen der Refidenz Mũnchen ein 
eges Leben. Vor dem Wittelsbacher Palais und dem Max— 
zosef⸗Platz staute sich die Menge. Die anfahrenden Prinzen, 
lesonders der Kronprinz Rupprecht, wurden lebhaft be— 
rüßt. Die Staatsminister, die obersten Hofchargen, Generäle, 
Flügeladiutanten, die Deputationen der Reichsräͤte in Uniform 
ind die Deputation des Landtags, bestehend aus 24 Abge— 
dneten aller Parteien einschließlich der Sozialdemokraten. im 
chwarzen Frack waren anwesen 
Kurz nach 10 Uhr erschien der König im Thronsaale und 
ichtete folgende Unsprache an die Anwesenden: 
„Ich habe Sie hier als Zeugen einer bedeutungsvollen 
handlung versammelt, eine mit der Zeit fortschreitende vund 
hren Ansorderungen entsprechende Entwiclelung unseres Ver— 
assungslebens ist stets Gegenstand der ernsten Sorge der 
hertscher Baperns gewesen. Es ist dahber zu beklagen. dakß
	        
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