Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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55 
sFB5— 
Ausgabe 4. 
Sonnabend, den 8. November 1913. 
Abend-Blatt Ur. 568. 
der neue Krupp·rozeß. 
(Schluß aus dem Morgenblatt. 
In der Nachmittagssitzung ergriff das Wart 
der Verteidiger Brandts, 
Rechtsanwalt Dr. Löwenstein. Er formulierte seinen An⸗ 
trag dahin. den Angeklagten Brandt bezüglich beider ihm zur 
Last gelegten Straftaten von Strafe und Kosten freizu⸗ 
prechen, für den Fall, daß Brandt dem Antrage des 
Staatsanwalts gemäß der Bestechung schuldig gesprochen werden 
lollte, bitte er um Annahme mildernder Umst ände und 
die Strase nicht anders zu bemessen, als daß 'ie durch die 
Unterhuchungshaft von 454 Monaten als verbüßt erachtet 
wird. Er fährt dann fort: Die strafrechtliche Ausbeute der 
vierzehntägigen Verhandlung sei geringer, als ihre sonstige 
Bedeutung. Der Abgeordnete Liebknecht habe von einem 
„Bestechungs- und Spionagebureau“ der Firma 
Kruvp gesprochen und angedeuset. als ständen Militär und 
Industrie des Deutschen Reiches vor einem gewaltigen 
Panama. Dieser so schweren Beschuldigung gegenüber habe 
man durchgegriffen und die Untersuchung habe deshalb solch 
Dimensionen angenommen. Er könne aber diese gJanze An—⸗ 
zelegenheit nur als Bagatelle anfsehen. Als 
m ersten Krupp⸗Prozeß alles aufgedeckt worden war, war in 
der öffentlichen Meinung ein Umschwung eingetreten. In der 
gegenwärtigen Verhandlung habe sich abermals gezeigt, daß 
nichts Ungeheuerliches, sondern etwas ganz Alltägiliches 
vorgekommen sei. Brandt sei bei seiner Ueber— 
iedlung nach Berun ein gut beleumundeter Beamter 
zewesen, der seinen Platz ausfüllte. Herr v Schütz 
jei ein Ehrenmann durch und durch gewesen, aber seiner Auf— 
gabe nicht gewachsen. v. Metzenn habe bekundet, Brandt habe 
in den ersten drei Jahren seiner Berliner Tätigkeit nichts anderes 
zetan, als spioniert. Damit habe er bewußt die Unwahr—⸗ 
heit gesagt. Brandt habe sich muir neben seiner Buregu— 
ätigkeit mit der Beschaffung von Nachrichten befaht und, die er 
zugegeben habe, dabei nicht offizielle Wege benutzt, aber nicht 
aus eigener Initiative. Herr v. Schütz habe ihm gesagt, er solle 
im Verkehr mit seinen Kameraden etwas zu erfahren fuchen, 
was für die Firma Krupp von Interesse sei. Nicht in einem ein— 
zigen Fall aber sei Brandt an seine Kameraden herangetreten, 
um sie durch Geschenke gefügig zu machen, wie dies ia die ehe⸗ 
mnaligen Angeklagten bei dem Militärgericht, jetzt Zeugen, be 
cundet hãtten. Sie hätten Brandt freiwillig ohne vorherige Auf⸗ 
forderung die Nachtichten gegeben in der Ueberzeu—⸗ 
gung, damit der Heeresverwaltung und der Firma 
Krupp einen Dienst zu erweisen. Eine Bestechung 
liege nicht vor, denen der Wille, Brandt das Material zu geben. 
var da. als man di* on seiner Vertrauenswürdigkeit überzeugi 
hatte. Niemand wWer mache sich strafbar, wenn er die Mitteilsam- 
leit von Beamten ausnutze, auch wenn er dafür ein Glas Bier 
oder auch einen Tausendmarkschein ausgebe. v. Metzen habe 
Brandt verleiten wollen, auch seinerseits Material gegen die 
Firma Krupp zu sammeln. Auch habe v. Metzen das Material 
benutzen wollen, um sein Schweigen erkaufen zu lassen. Die 
Firma Krupp habe sich durch solche Drohungen wicht ein 
chüchtern dassen. Er glaube den Beweis geführt zu haben, 
daß das Zeugnis v. Metzens als Beweismittel vollig ausscheide 
Was Brandt tat, sollte der Firma Krupp und damit auch 
Deutschland zugute fkommen. Auch das aufrichtige Verhalten 
Brandts von der ersten bis zur letzten Stunde spreche zu 
seinen Gunsten. Wie auch das Urteil lauten möge, das siehe fest, 
Brandt könne erhobenen Hauptes den Saal verlassen. Er habe 
nicht aufgehört, ein aufrichtiger und ehrlicher Mensch zu bleiben, 
denn er habe stets das Gute gewollt. 
Um 42 Uhr wird die Verhandlung auf Sonnabend 9 Uhr 
vertagt. 
— 
C 
und Plastiken von Hubatsch und oem Luübecder Pagels bilden 
in diesem Raum ein Denktmal deutscher Gegenwaärtskunst und 
zeigen, daß das blaue königliche Zepter heute noch so gut 
wie vor 150 Jahren diese Werke mit Stolz zieren d p 
r. 
Aus den Nachbargebieten. 
Hansestãdte. 
— Samburg, 8. Nov. Die Bürgerschaft erledigte 
Mittwoch die erste Lesung des Budgets für 1914 und überwies 
dieses dem Budgetausschuß. Wenn bei dem Erscheinen des 
Budgets. das bei einer Gesamteinnahme von 179 632 8855 Mund 
iner Gesamtausgabe von 193 162 154 Mumit einem Fehlbetrage 
bon 1314 Mill. Muschließt, auf allen Seiten bedenkliche Ge⸗ 
ichter gemacht wurden, so erscheint die finanzielle Lage Ham— 
urgs nach den Darlegungen des Vorsitzenden der Finanzdepu⸗ 
ation, Senators Dr. Diestel, sehr viel günstiger. In geradezu 
ruffallend günstiger Weise schilderte Senator Dr. Diestel die 
Finanzlage, wofür die Erklärung allerdings sehr naheliegend 
st. Während Senator Dr. Diestel noch im vorigen und vor—⸗ 
»origen Jahre sehr schwarz gemalt hatte, stellte er sich jetzt 
ruf den Standpunkt, daß kein Grund vorliege, binsichtlich 
inserer finanziellen Entwicklung mit Besorgnis in die Zukunft 
u blicken. Seit über 60 Jahren habe der Senat nur einmal, 
ind zwar in den 6er Jahren, ein Budget ohne Fehlbetrag 
»orgelegt. In den Jahren 1909 und 1910 habe der Fehlbetrag 
einschließlich der Nachbewilligungen 18 Mill. Mubetragen, bei 
der Abrechnung sei dann ein Ueberschuß erzielt worden. 1911 
jabe es sich um einen Fehlbetrag von 30 Mill. Mugehandelt, 
der durch die Abrechnung auf 4 Mill. Mereduziert worden sei. 
Für 1912 ergebe das Budget einen Fehlbetrag von 21 Mill. M, 
die Abrechnung werde ihn aber bis auf 15 Mill. Muverschwinden 
lassen. Die Abrechnung für 1913 werde hoffentlich ohne 
eden Fehlbetrag abschließen. Dann verblieben im ganzen immer 
noch etwa 12 Mill. Muan Ueberschüfsen früherer Jahre. Da 
ei kein Anlaß, von einer schlechten Finanzlage zu reden. 
habe man doch trotz der sinkenden Konjunktur die Einnahmen 
im 9 Mill. Miuhõher veranschlagen können und die Beträge für 
die Amortisation der Staatsschuld stark erhöht. Der Grund 
ür diese rofige Schilderung der Finanzlage, die vom Hause mit 
roßem Staunen entgegengenommen wurde, liegt in der Lage 
»er Universitätsporlage. Senator Dr. Diestel erklärte auch gan? 
iffen, daß er beabsichtige, die bei der Beratung der Universitäts⸗ 
porlage zutage getretene ungünstige Auffassung über die ham— 
durgischen Finanzen zu bekämpfen. Der Senat hofft nämlich, 
daßz der zur Prüfung der Frage des Ausbaues des Kolonial-— 
instituts niedergesetzte Ausschuß doch noch zu einer Wiederaufnahme 
und Bewilligung der abgelehnten Universitätsvorlage gelangen 
wird. Von dem Redner der Linken wurde indessen hervorge⸗ 
woben, daß es nach den günstigen Darlegungen des Finanzsenators 
außerordentlich schwer fallen werde, die beantragten 793 Ein⸗— 
veiten der Einkonmensteuer zu bewilligen, daß man vielmehr dieste 
Zabk erentl. herabsetzen müfse. 
Schleswia⸗Solstein. 
—Flensburg, 8. Non. Stad thalle. Die Stadt⸗ 
kollegien beschäftigten sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Bau 
einer Stadthalle. Diese soll auf dem kleinen Mühlenteichgelände, 
in der Nähe des dorthin zu verlegenden neuen Hauptbahnhoss. 
rrichtet werden und Platz füur 3000 Personen bieten. Das 
Projekt wird etwa 14 Millionen Mark erfordern. Zur Ren— 
tabilität sollen etwa zehn Läden. darin untergebracht werden. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Rost och, 8. Noo. Todesfall. Geh. Medizinalrat 
Prof. Dr. Feodor Schuchardt, der berühmte Psychiater und Di⸗ 
rektor der Irrenanstalt Gehlsheim, ist, 658 Jahre alt, gestorben. 
Ddas blaue Zepter. — 
(cEine Jubiläums-Ausstellung der Berliner 
Porzellanmanufaktur.) 
Manschreibt uns aus Berlin: 
Fur 225 000 Taler erwarb im Jahre 1763 Friedrich der 
hrohe die Vorzestanfabrik des Kausmianns Goßkowski, die 
ieser an der Leipziger Straße, an der Stelle des Herren. 
aufes. vetrieb. und damit vbeginnt die Geschichte der König- 
ichen Porzellannianufaktur, die sich als Zeichen ein blaues 
Zepter, in AUnterglasurmalerei wählte und das Berliner 
Porzellan erst eigentlich zu Ehren gebracht hat. 
Es gehörte zu den Wünschen aller damaligen Potentaten. 
mochten sie über große oder kleine Länder herrschen, Porcellaine 
u sabrizieren, und die merkwürdigsten Versuche wurden ange⸗ 
dellt, das Arcaynum, das in Meißen ängstlich gehütet wurde, 
u finden. Fürstenberg, Höchst, Frankental. Kudwigsburg ent— 
sanden auf diese Weise, und letzten Endes auch Berlin, 
Friedrich II. war darauf bedacht, eine „Porcellgine-Fabrique“ 
uch rentabel zu machen. Er tat das auf sehr originelle 
Weise, indem er verfügte, daß die Lotteriepachtssocietät jährlich 
ur 66000 Taler und jeder Jude in Preußen, der die Erlaubnis 
ur Ehefchliekung. zum Betrieb eines Gewerbes und zum, Kauf 
ines Grundstückes Wen wollte, für 300 Taler Porzellan kaufen 
nußte. Während der Regierung Friebrichs IL. konnte dice 
hangfaktue, meht als eine halde, Vlillion Taler Ueberchuß 
bliefern. Vorwiegend war es aber doch wohl die Qualität. 
ie, den Hauplanteil an diesen Erfolgen des Berliner Vorzellans 
atte und die. abgesehen von einer Zeit von etwa fünfzit 
Jahren im 19. Jahrhundert, — auf sehr respektabler Höh 
zehalten hat. Die Jubiläums-Ausstellung der Manufabktur. die 
m Lichthof und in den Ausstellungssälen des Berliner Kunst— 
ewerbemuseums von Geheimrat v. Falke und, leinen 
TNistenten veranstaltet ist — eine ungeheure Arbeit, denn 
s handelte sich um mehr aͤls 2800 Stück — beweist das 
rufs Schlagendsie, und es scheint. daß wir unser Gesamturteil 
iber die Produktion Berlins, das bisher das Berliner Porzellan 
8 zweiter Hand einschätzte, dementsprechend korrigieren 
nüssen. 
Daß man Meißen auch jetzt noch die erste Stelle lassen 
nuß, da es die Typen der deutschen Porzellankunst über haupt 
erst schus. ist selbstverständlich, aber Berlin hat daneben gute 
ind eigene Leistungen aufzuweisen. Das gilt nicht nur von 
inigen Dekormustern, die nicht Meißen nachempfunden wurden,. 
ilso etwa dem reizvollen Gotzkowskischen „Reliefzierat“, dem 
neuglatten und fönigsglatten Muster“. sondern vor allen 
)ingen von der Blumenmalerei, die in Berlin eine erstaun— 
sche künstlerische Höhe erreicht hat, und von der Plastik. 
die Berliner Modelleure der Rokokozeit, Friedrich Elias Meyer, 
yon dessen Hand das berühmteste plastische Werk der Manufaktur 
zerrührt. der Tafelgufsatz für Katharina II. von Rußland, 
ind sein Bruder, Wilhelm Meyer, auch der zweite Moödell— 
neister. J. G. Müller, hahen Kunstwerke von durchaus 
ndividuellem Charakter geschaffen, und dem Modelleur der 
Jassischen Zeit. Karl Friedrich Riese, hat Meißen kaum einen 
zieichwertigen Plastiker entgegenzustellen. 
Die Zeit des Empire und des Biedermeier hatte für die 
besonderen Qualitäten des Porzellans wenig Verständnis. Eine 
Zuriosität sei erwähnt, eine Vase nach dem Entwurf Schinkels, 
ie der Künstler selbst Iiepe Vase“ nannte. Die Zeiit 
iach Schinkel, von etwa 1850 bis 1890, ist die am wenigsten 
rfreulsiche Evoche der Fabrik; und man, hat die Erzeugnisse 
ieser Zeit auch mehr, um der historischen Wahrhaftigkeit 
u dienen, als um stark darguf hinzuweisen, ausgestellt. Diese 
brodukte in einem lolossalischen Rokokostii sind leider nur 
Ilzu oft als Monstra zu bezeichnen, und es ist sehr bedauer— 
ich. daß die Fabrik von hoher Stelle gezwungen wird, in 
erselben Art noch heute Werke auszuführen. Daß die neuen 
zjdeen, wie sie von Kopenhagen ausgingen, nicht ohne weiteres 
ufgenymmen werden konnten, versteht sich bei einer lönig 
ichen Manufaktur ohne weiteres. Aber daß man sich dem 
udernen Geist, wie er in Kopenhagen wirkte und aus dem 
Nten, kam, nicht verschloß, zeigen, die Probleme gus den 
eunziger Jahren mit Scharffenerglasuren, die zum Teil auf 
apanische Anregungen zurudgehen. und die Kleinplastiken und 
emalten Gebrauchsporzellane. Unter der Leitung des Malers 
zchmuz⸗Baudiß hat die Manufaktur die alte künstlerische Höhe 
Rieder erreicht, und die Werle in dem letzten der Aussteilungs 
äle legen davon Kunde ab; hier sind mit wenigen Aus— 
ahmen von Geschmackskonzessionen — die notwendig vutden —, 
rur Prachtstüge ausgestellt. Teller und, Potpourri-Vasen, die 
Echmuz⸗Baudikß bemalte, ein prächtiger Tafelaufsatz Katharinas 
des kürzlich verstorbenen Amberg ein Brautzug, der in seiner 
Art ein Gegenstück zu dem Taäfelaufsaß Katharinas darslesu 
— J 
Welt und Wifsen. 
Der Püsterich. 
Aus den Anfängen der Technik, über den Werdegang der 
Dampfapparate geben die Forschungen von F. M. Feldhaus, 
die er im „Prometheus“ veröffentlicht, interessante Auffchlüsse. 
Der älteste erhaltene Dampfapparet ist der kleine Sonders— 
häuser Pusterich, ein kleines nadtes Männchen von kaum drei 
Spannen Höhe. Es kniet auf dem rechten Bein, stützt die linke 
Sand auf das porgestreckte äinke Knie und hält die rechte 
hand flach ausgestrectt guf seinen diden Kopf. Zwei große 
starre Augen, eine riesig breite und stumpfe Naße, darunter ein 
winziges aufgeworfenes Mundchen zwischen did aufgeblasenen 
Baden und weiter unten ein sleischiges Kinn. Das sind ohne 
Uebertreibungen die Schönheitsmerlmale im Gesicht des Puste⸗ 
cichs. Und dieser dicke Kopf ruht auf einem schweren Stier⸗ 
nacen. auf einem mächtigen Brustkasten und inem aufge⸗ 
chwollenen Leib. Im Gegenfatz zu diesen Körperteilen des 
einen Mannes stehen die mageren, faft flachen Aerichen und 
die nicht besser gestasteten Beinchen. Diefer Püsterich ist das 
Mitglied einer ehemals recht verbreiteten Puüsterichfamilie, von 
der wir heute nicht nur sichere — 
auch noch andere Angehdrige und aus kriegstechnischen Hand⸗ 
chriften Bilder, gewisermaßen Porträts kennen. Albertus Magꝙ⸗ 
nus, das Universalgenie des 13. Jahrhunderts, erzählt uns 
bpon einem Gefäh aus Erz. das innen möglichst gewölbt sei, 
„Sufflator“ hieß, und sagt, „man pflegt es nach der Gestalt 
eines blasenden Mannes zu sormen“. Das Gefäß habe zwei 
Deffnungen, die eine oben, die andere im Bauch. Es werde 
mit Wasser gefüllt und nachher durch Holzpfropfen fest ver⸗ 
schlossen. Setße man sie guf ein starkes Feuer. „dann entsteht 
Dampf im Gefähß, dessen Kraft durch eine der beiden ver⸗ 
ichlossenen Oeffnungen hervorbricht in. 
„Höher geht's nimmer!“ 
Der soeben erschienene Bericht der Newworker Kommisston 
sur die Höhe von Bauwerken bringt den Wolkenkratßer Enihu, 
iasten eine herbe Enttäufchung: das Ergebnis einer Umfrage bei 
3 fuhrenden Fachleuten der Ingenieurkunst und der Bautechnmit 
il. daß nicht weniger als 41 d'eser Autoritäten es als dringend 
vunschenswert bezeichnet haden, eme gesetßzuiche Grenze für die 
döhe von Bauwerken zu schaffen. So werden denn in ab— 
ehbarer Zeit die Behörden der Rekordlust amerikanischer Bau— 
ünstler einen Riegel vorschieben und allen kühnen Träumen mit 
inene tategorischen „Höher geht's nimmer“ begegnen. Als das 
7 Stod hohe WoolwortheGebäude errichtet wurde, prophe 
ie Wolkenkratzer-Freunde bereits das nahende Erstehen eines 
OO-Etagen⸗Hauses. Die Architeiten und Ingenieure erklären 
»uch, daß dies technisch durchaus möglich sei, aber praktische 
zründe sprechen dagegen, Rentabilitätsrüchsichten, die Abnei— 
sung des Publikums gegen die allzu hohen Wollkenkratzer und 
etzt auch das Verlangen der Feuerwehr. In der Tat haben die 
dewyorler Feuerwehrbehörden den Antrag gestellt, die Höhe der 
Vollenkratzer zu begrenzen, aus Gruünden der Feuersicherheit 
ind bei den Brandverhältnissen Newyorks wird zweifellos diese 
Nahnung der Feuerwehr alsbald befolgt werden. Der Europäer, 
er die Wolkenkratzer mur aus Photographien kennt, macht 
ich schwer einen Begriff von der Menschenanhäufung, die ein 
olches Riesengebäude von der Art des Woolworth-Building mif 
ich bringt; eine erst kürzlich vorgenommene Untersuchung hal 
rgeben, daß nicht weniger als 36 000 Menschen täglich die 
zforten dieses Gebäudes betreten. Ain Sonntag gab es übri 
jens im Woolworth⸗Gebäude einen Unfall, der zeigt, wie 
iusgezeichnet die Vorkehrungen gegen Liftkatastrophen sind 
kin mit 3 Tonnen Eisen vbeladener Fahrstuhl stürzte ohne 
daltseile mit einer Geschwindigkeit von 180 Fuß in der Sekunde 
vom 47. Stockwerk herab. Als er beim Sturz die 11. Etagt 
erreichte. stieß er auf das „Luftkissen“, eine Vorrichtung 
die durch komprimierte Luft Unfälle aufhebt. Der Fahrstuhl 
verlangsamte durch den Luftdruck den Sturz und landete schliekz⸗ 
ich leicht wie eine Feder, ohne Schaden. K.C. 
Neue Entdedungen in den Caracalla-Thermen. 
Eine Entdeckung von weittragender archäologischer Be— 
dveutung ist in diesen Tagen dem italienischen Forscher Prof. 
rerri in unmittelbarer Nachbarschaft des Gebietes gelungen, 
mf dem sich die berühmten antoninischen Thermen, die sog. 
Thermen des Caracalla in Rom erheben. Ferri fand die 
interirdischen Gänge, Stollen und Aquädukte, die in ihrer 
ßesanrtheit einen Einblick in das meisterhafte Kanalisaticats- 
— — 
jystem dieser berühmten Badestätte des alten Roms gewährt. 
Der unterirdische Hauptgang hat eine Länge von nicht weniger 
als 1 Km bei einer durchschnitlichen Breite von 8,9 m; nur 
en bestimmten Stellen wird der Gang schmäler und verengt sich 
zis zu 7 m. Die Seitenstollen, die teilweise die gleiche Länge 
ꝛrreichen, weisen 1,20 m Breite bei 2,30 m Höhe auf. Die 
nächtigen Abflußstollen, durch die das Wasser abgelassen wurde, 
rreichen 2 und 3 Kmm Länge, alles in allem haben die jetz! 
itdedten unterirdischen Gänge und Abflußstollen eine Strecken- 
änge von 5 Km. Die meisten dieser unterirdischen Bauten 
iind verschüttet, der Durchgang zurzeit unmöglich, denn bei 
den mamigfachen Ausgrabungen auf dem Stadion wurden 
die Träger der unterirdischen Galerien durch die Erdarbeiten 
und damit verbundenen Gewichtsverschiebungen überlastet. Die 
reigelegten grozen Gänge ziehen sich durch das ganze Gelände 
anter den Thermen und dem antoninischen Stadion, begleiten 
»ie Hauptfront und die hintere Front der Bauten und durch— 
chneiden kreuz und quer den Mittelbau, während die Abfluk⸗ 
ohren die Richtung nach einem mächtigen großen gemein 
amen Abfluß nehmen, der alles Wasser dem Tiber zuführt. 
Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß diese Röhren viele 
Gegenstände bergen, die Interesse haben, aber wahrscheinlich 
vird die Mehrzahl verloren gegeben werden müssen, denn 
es erscheint kaum möglich, die Stollen vom Wasser zu be— 
jfreien. Ein Teil der großen Galerie war für den Verlehr der 
Sklaven eingerichtet, in einer anderen befanden sich Wäsche⸗ 
vorräte mufgestapelt und auch Holz, um die großen Kessel zu 
heizen. In den Mauerwänden sind zahlreiche Stufen einge— 
schlagen, so daß es jederzeit möglich war, von den Thermen 
mius in die tiefsten unterirdischen Gänge und Kanalisations- 
tollen hinabzusteigen. Der wichtigste Fund, der einstweilen 
zemacht wurde, stammt aus einer Kloake und besteht aus den 
Fragmenten einer großen Marmorgruppe. Sie stellte den Gott 
Dlitra dar, der einen Stier tötet; das Blut des Stieres wird 
non einem Hunde und einer Schlange aufgeleckt, während ein 
Skorpion den Stier sticht. Auf den bisher aufgefunmdenen 
Fragmenten sieht man, in zwei Bruchstücden, den Kopf des 
hundes, zwei Beine des Stieres, zwei Fuhße des Gottes, die 
Schlange, den Skorpion, die Scheide des Messers, sowie die 
nesamte Basis der ungewöhnlich grohzen Gruppe. KR5
	        
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