Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wo 
Wöchentlich Bmal (Wochentags morgens un' 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs 
preis für das Vierteljahr 3,30 Mark einschließlich 
Bringgelb in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Bestellgeld 330 Mark. Einzelnummern 10 Pfg. 
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Anzeigenpreis (Ausgabe 4 und B) für di« 
Zeile 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
15 Pfg., für Auswartige 30 Pfg. f. Geschäftl. Mit⸗ 
teilungen 1M. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Satz den Anforderungen entsprechend höher. o 0 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familient wend. 
Amtsblaͤtt der freien und hansestadt Lubed 163. Jahrgang achrichten für oas herzogtum Tauenburg, die 
beiblatt: Gefetz⸗ und Verordnungsblatt Bet —— gzürstentümer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
ιασιοσ—αν αιισσσσσισεσασαο ι rende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
Oruc und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. s5. m Lubed. — Geschäftsstelle Abrbeonus (önigstr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. J — 
Sonnabend, den 8. November 1913. Morgen⸗Blatt Nr. 567. 
Aus 
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Erfjtes Blatt. hierzu 2. Blatt 
o wie z 
Gesetz⸗ und Verordnungsblat 
der freien und Hansestadt Lübeck, Nr. 47. 
enthaltend: 
Dritter Nachtrag zu dem Gefseße vom 14. November 1906, 
die Zufschläge zur Reichserbschaftssteuer und die Erb⸗ 
schaftzabgabe betreffend. — Bekanntmachung, betreffend 
die Wenergeltung des lübeckischen Wertzuwachssteuer- 
desetzes vom 24. Februar 1909. —, Nachtrag gum Aus 
— vom 9. Dezember 1911 zum Reichsgesetz 
uber den Unterstützungswohnsißz vom 80. Mai 1908 
und die Feuilletonbeiiage Der Familienfreund“. 
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Amfang oer heungen »dummer 8 Seiten. 
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nichtamtlicher Teil. 
Arbeitslos si 
itslosenversicherung. 
iSchlußk aus dem Ahendblat— 
Las Genter System hat in Deutschland Nachahmung gefunden 
A der bekannten Arheitslofenversicherung der Stadt ung 
zurg, die, bereits seit dem Jahre 1807 existiert. Zunächst 
ꝛewilligte hier die Gemeindeverwaltung für die ersten Jahre 
e einen Betrag von 5000 M. Jeder Arbeitslose, der einer 
Arheiterorganisation mit Arbeitslosenunterstützung angehört, er— 
zält 50 0 des Unterstützungssatzes seiner Organisation als Zu— 
chußß, höchstens gber. J Mefür den Tag. Der Zuschuß hört 
ruf, wenn dem Arbeitslosen passende Arbeit im Berufe nach 
zewiesen wird, ledige Arbeiter müfsen auch nach auswärts AIrbeit 
innehmen. Die angeschlossenen Arbeiterverbände sind verpflichtet, 
die Arbeitslosenkasse von ihren übrigen Geldern getrennt au 
derwalten. Die Kontrolle der Arbeitslosigkeit sowie die Ar 
zeitsbeschaffung erfolgt durch den städtischen Arbeitsnachweis 
Aus dem Geschäftsbericht der Straßburger Kasse ist zu ersehen 
daß gerade die am besten orggnisierten Arbeiter und die am 
hesten entlohnten Arbeiter die Einrichtung am allermeisten in 
Anspruch nehmen, während die ungelernten Arbeiter, welche 
doch am, meisten unter, der Arbeitslosigkeit zu leiden haben 
von der Einrichtung nicht im geringsten profitieren. So standen 
911/12 die Buchdrucker mit 153 n welche den städtischen 
Zuschuß in Anspruch nahmen, an der Spitze, die Metallarbeiter 
nit 131, die Holzarbeiter mit 89. Die Buchdrucker allein be— 
inspruchten von dem städtischen Zuschuß fast 46 0, d. h,bei— 
iahe die Hälfte desselben. Bekauntlich wird gerade der Buch— 
druckertarif, von den sozialdemokratischen Gewerkschaften als 
ger beste Tarif gepriesen, sowohl was die Arheitszeit als auch 
be des Vohnes und die sonstigen Bedingungen an— 
elangt. 
Dieselbe Erfahrung kann man auch vei der Arbets r⸗ 
tũtzungskasse der Stadt Stuttgartt machen. die durch Be— 
schluß der Gemeindevertretung vom J. August 1912 ins Leben 
gerufen wurde. Auch hier wurde das Genter System befolgt, der 
zus huß für die Mitglieder der Berufspereine beträgt 50 90 der 
leistungen der Berufspereine, höchstens jedoch 1M täglich. Dieser 
Zuschuß, erhöhe sich für jedes Kind, unter 15 Jahren um 5 00 
er Lesstung des Berufsvereins, höchstens jedoch um 25 20. Der 
Hesamtbetrag des täglichen Zuschusses darf 1,80 M nicht über⸗ 
teigen. Die Einrichtung tral am 1 Oktober 1912 ins Leben 
ar⸗ — 
gheater, Kunst und Mißenschaft. 
Ellsabethh Schneider 7. Elisabeth Schneider, das hervor—⸗ 
cagende Mitglied des Hamburger Schauspielhauses, ist Don— 
nerstag im Münchener Krankenhaus links der Isar, 31 Jahre 
alt, einem langwierigen Leiden (Streptokokkenvergiftung) er— 
legen. Sie war das einzige Kind des unvergehßlichen Helden— 
tenors der Münchener Hofbühne, an der sie auch neben dem 
Vater nach einem kurzen Anfangsengagement am Schweriner 
HSoftheater ihre große Begabung entwickelte. In Weimar aber 
reifte sie völlig heran. Sie wurde dort in jugendlichen Hel— 
dinnenrollen ein Liebling des Publikums, und der Erfolg blieb 
ihr auch nach ihrer Berusung an die Hamburger Bühne treu, 
wo sie noch in den letzten Monaten ihres künstlerischen Wirkens 
als Belinde und Gudrun vom Publikum außerordentlich ge— 
feiert wurde. Seit dem Frühijahr kränkelte sie und suchte ver⸗ 
gebens Genesung in einem Sanatorium in der Nähe ihrer 
Vaterstadt. Hoffnungslos lag sie dann seit Wochen im 
Krankenhaus, in welchem der noch immer im Aufsteigen begrif⸗ 
fene Stern dieser echten Künstlernatur zu frh erloschen ist. Sie 
vird in München an der Seite ihres geliebten Vaters ihre 
etzte Ruhe finden. 
Die erste bisher unveröffentlichte Jugend-Oper Richard 
Wagners. Im Nachlaß von Felix Mottl fand sich, wie den 
damburger Nachrichten geschrieben wird, die von Richard Wag⸗ 
ner selbstgeschriebene Originalpartitur zu seinem unvollendelen 
Jugendwerk „Die Hochzeit“. Diese Handschrift ist um so 
interessanter, weil sie mancherlei Schicssale gehabt hat. Schon 
die Entstehungsgeschichte der Oper ist merfwürdig. Wagnet 
zãhlt darüber in seiner Selbstbiographie, daß er das Wert 
n völliger Heimlichkeit im Jahre 1833 zu Prag bei seinem 
ortigen Gastfreunde herstellte. Dies hatte große Schwierig 
eiten. In seinem unheizbaren kieinen Gasthofzimmer hinder de 
hn die Kälte am Schreiben, und in der Wohnung seines Gast⸗ 
sreundes sah er sich fortwährend gestört. Sobald dieser zu— 
ällig in das Zimmer trat, verbarg Wagner das Manuskript 
chnell hinter dem Kanapee. Wagner war, als er die Oper 
Die Hochzeit“ schrieb, zwanzig Jahre alt. Die vorliegende 
dartitur schrieb et als Reinschrift mit größter Sorgfalt und 
chenkte fie als Chordirektor in Würzburg dem dortigen Musit. 
erein. Bald darauf wurde der Verein aufgelöst, und das 
und wurde mit dem Arbeitsamt verbunden, welches „e „ↄun— 
srolle der Arbeitslosen auszuuben hat. In Stuttgart stehen 
die Buchdrucer an zweiter Stelle, also auch hier wirkt der Um— 
fang und der. Ausbau der sozialdemokratischen Organisationen 
am besten. Die Einrichtung für einzelne Sparer, die in Stutt⸗ 
jart, eingeführt worden ist hat trotz zahlreicher Kufforderungen 
m städtifchen Amtsblatt, wie der staͤdtische Bericht zugeben mutßz, 
isher dei der großen Zahl der unorganssierten und unge 
ernten Arheiter wenig Beachtung gefunden dagegen stellt der 
Zericht fest, daß die Einrichtung gerade hei der organisterten 
Arbeiterschaft, d. h. bei den sozialdemofratischen Gemerfichaite- 
Anklang gefunden hat. 
Die Stadt Schöneberg hat ebenfalls eine & 
icherungskasse nach Genter Muster ins Leben gerufen. Der S 
chuß beträgt für die Mitglieder von Berufsvereinen hier au 
M täglich und wird nur dann gewähet, wenn die Arbeitslosig 
eit unverschuldet entstanden ist. Nicht gewährt wird der Zu 
huß bei Streiks oder Aussperrungen und nur für die Tgge 
in denen das Mitglied die Kontrollvorschriften erfüllt. Mi 
»em Tage, für welchen, ihm durch, den städtischen Arbeits 
achweis Arbeit nachgewiesen wird, hört die Verpflichtung au 
9bdem Arbeitslosen die Unterstützung gewährt werden spli 
ariber hat der städtische Arbeitsnachweis zu entscheiden. Die 
tadt Schöneberg hat auch Zuschüsse an Nichtorganisierte ein— 
aeführt, indem Fup maãnnliche Arbeiter und Angestellte, welche 
er Invalidenversicherungspflicht unterliegen, in die beim städti— 
chen Arbeitsnachweis zu führende Liste der Sparer eingetragen 
oerden mussen, Solche Sparer erhalten zu den Ahhebungen 
ne sie während der Zeit der Arbeitslosigkeit von ihrem Gut— 
aben machen, einen Zuschufz, welcher der Hälfte der von den 
Zparern abhgehobenen Summe ensspricht und, täglich nicht eine 
MNark übersteigen darf. Insgesamt sich in Schöneberg 
m Jahre 1912 768 unterstützungsberechtigte- Personen als 
irbeitslos gemeldet, von denen 33 den Zuschuß nicht erhielten, 
veil sie vör Eintritt der Berechtigung Arbeit nachgewiesen er— 
elten oder aus anderen Grunden nicht mehr erschienen. Die 
Nitglieder von Berufsvereinigungen erhielten im ganzen einen 
zuschutz von rund 18 000 M die Sparer rund 1000 M. Aucdh 
n Echöneberg standen die sozialdentokratischen Gewerlschaften 
d. h. die Buͤchdrucker, die Holzarbeiter und die Metallärbeiter 
owohl was die Zahl der Unterstützungstage als auch was 
ie Höhe der ausgezahlten Zuschüsse anbelangt, an der Spitze. 
FJür die Metallarbeiter betrug die Zahl der Unterstützungstage 
illein 3757, für die Buchdrucker 26053, für die, Holzarbeiter 2837. 
Nach dem Genter System sind im übrigen auchh die Ge— 
neinden —y— i. Breisgau sowie Schwäbisch— 
ßmand und Müslhausen vorgegangen. 
Eine andere Einrichtung auf. kommunaler Grundlage stellt 
ie, Stftadtkölnische Versicherungskasse, gegen 
Lrbeitslosigkeit dar, die bereits im, Jahre 1886 
ns Leben, gerufen wurde und lediglich bezweckte, die winter⸗ 
iche Arbeitslosigkeit, die zwischen dem 1. Dezember und dem 
i Mars jeden Jahres liegt. zu treffen, Ürsprünglich wurden 
rur die Saisonarheiter betroffen, die Einrichtung wurde mehr— 
nals reorganisiert und stellt neuerdings eine Versicherungs- 
kasse sür die nichtorganisierten Arbeiter und eine Rücyversiche— 
rung, für die organisierten dar. In Köln beginnt die Bezugs— 
zerechtigung nach Leistung, von zwölf Wochenbeiträgen, die 
iach zwei Tarifen gestaffelt sind, ebenso sind die gewährten 
Interstützungen in zwei Tarifen gestaffelt. Die Zahl der 
inmittelbar Versicherten betrug 1912/183 189, 31 den rüd—⸗ 
ersicherten Vereinen gehörten 18 freie Gewerkschaften mit 8622 
Nitgliedern, 5 christliche Gewerkschaften mit 2065 Mitgliedern 
ind 2 Birsch-Dunckersche Gewerkvereine mit 418 Mitgliedern. 
Die freien Gewerkschaften zahlten in den 11 Monalen des 
Wagner-WMianuftkript fiel einem Wusikalienhändler zu. Wagner 
nachte große Anstrengungen, um zu der Handschrist, die er 
ils sein Eigentum betrachtete, zu kommen. Er strengte sogar 
inen Prozeß darunt an, er verlor ihn jedoch, und die Partitur 
»lieb in den Händen des Musikalienhändlers. Später kam das 
Manuskript nach England in die Sammlung einer englischen 
Pagner-Verehrerin in London. Aus deren Familie wanderte 
nie Handschrift wieder nach Deutschland zurück. Hier kommt 
ie nun mit dem Nachlaß Mottls und Widmanns zusammen zum 
zerkauf. Das Manuskript trägt von Wagners Hand den Titel: 
Fragment einer unvollendeten Oper: „Die Hochzeit“ von 
sichard Wagner. Dem Würzburger Musikverein zum Andenken 
»erehrt. Introduktion: Chor und Septett.“ Am Ende findef? 
ich die eigenhändige Datierung: „Würzburg, 1. März 1833 
kichard Wagner.“ Der Umfang des Mamuskripts beträgt 
6 Seiten in Folio. Die Musik der Oper bewegt sich in den 
zahnen der auf Webers und Marschners Spuren wandelnden 
dapellmeistermusik. 
„Parsifal“ in Wien. Die Erstaufführung des „Parsifal“ in 
der Wiener Hofoper ist für den 2. Febr. in Aussicht ge— 
nommen. Direktor Gregor plant, die Aufführungen um 4 Uhr 
achmittags beginnen zu lassen. Jede Vorstellung wird fünf 
ztunden — die Pausen nicht eingerechnet — dauern. Die 
Direktion hat für die Dekbrationsrequisiten und den für die 
Lufführung notwendigen Umbau der Bühne 160000 Kr. 
pewilligt. 
Ludwig Barnay hat soeben im Verlag von Otto Elsner—⸗ 
Berlin ein Buch veröffentlicht „eber Theater und 
anderes“. Wir kommen auf die Sammlung von Aufsätzen 
und Humoresken. die der greise Theatermann seiner Tochter 
widmet, noch zurück. 
Ueber 550 000 für die Samnlung Beckerath. Wie aus 
Zerlin berichtet wird, hatte die Auktion der Sammlung Becke— 
ath bei Lepke ein Gesamtergebnis von über 550 000 M. Dem 
usgebot der Quattrocento-Maijoliken und der Bildwerke in 
Ton folgte die Versteigerung der italienischen Maioliken des 
6. Jahrhunderts. In dieser Serie erzielten: ein flacher 
Sieneser Teller 9900 M, ein flacher lüstrierter Gabbio-Teller 
7800 M, ein vom Masëstro Giorgio aus Gabbio lüstrierter 
Irbino-Teller des Xanto Avelli 5100 M, eine tiefe Deruta— 
Schũüssel 5200 M, eine Schnabelkanne aus Deruta 3700 M. 
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21900 M;ʒ die christlichen Gewerkschaften zahlten 3454 und 
rhielten 1660 M die Hirsch Dunckerschen Gewerkvereine zahlten 
igs Mund erhielten 190 M. Die unmittelbar Versicherten 
ahlten 5120 Mund erhielten 6001 M. Die Stadt Koln keistete 
ruf den Kopf. der Versicherten einen Zuschuß von 5,20 M, im 
zanzen über 60 000 M. Reuerdings ist eine Statutenänderung 
nfosern dorgenommen worden. als die Karenzzeit von 52 auj 
30 Wochen herabgesetzt worden ist. Der Unterstützungssatz n 
ie dyersigeten Vereine wurde von 75 Pfg. auf 1,20 
»ro Tag erhöht; aus den drei Gefahrenklassen sind nunmehr 
Rer gebildet worden. Bemerkenswert ist, daß der Vorwärts 
n seiner Nummer vom 17. Oktoher gelegentlich einer Besprechung 
des neuesten Kölner Berichtes bemerkt: Nach den bisherigen 
ktfahrungen Jann wohl vesagt werden, daß die Kölner Kailse 
Jestrebi ist. im Interesse der Arbeitslosen Nemenswertes zu 
eisten, Boffentlich gelinagt es unseren Genossen. guch in Zu⸗ 
unft Mangei, die sich herausstellen, zu beseitigen.“ 
Im allgemeinen kann man sagen. daß die kommunalt 
Arbeitslosenversicherung, für die in Veutschland gegenwärtig 
yheflig Propaganda gemacht wird. wenigstens was, die Höhe 
ʒer deaen Ünterstüßzungen, und, Zuschüfse aus Gemeinde— 
nitteln anlangt, nicht Jo viel geleistet hat, als es nach den 
hefprechungen in der Oeffentlichkeit scheinen mag. Jedoch steht 
u befürchfen, daß bei der heftigen und zähen Organisation, 
e die Sozialdemokratie und namentlich, die Zahlreichen 
ozialdemokratischen Gemeindevertreter entfalten. die Sache 
Schule macht. Vor allem kommt es aber auf, das Prinzip 
n. auf die Frage, ob eine Arbeitslosenversicherung über⸗ 
haupf durchführbar ist und ob man nicht gerade das Gegentei 
zamut erreicht. was man erreichen will. 
Neueste Vachrichten und Telegramme 
der „l A. uud Z.6. 
Die Ausführungsbestemnungen sür den Wehebeatrag. 
Bertlin, 7. Noop. Die aus 86 Paragraphen bestehenden 
Ausführnngsbestimmungen über den einmaligen Weyhroeitrag 
etzen nach dem gestrigen Beschluß des Bundesrates die De— 
larationsfrist im allgemeinen für die Zeit vom 2. bis 
15. Januar nächsten Jahres fest, doch steht den obersten Landesaæ 
inanzdehörden das Recht zu, hierfür auch andere ZSanuartage 
zu beitimmen, die aber den Zeitraum von mindestens 14 Tage 
umfafsen müssen. 
—Für Preußen ist diese Frist vom 4. bis 20. Sanuar 
hestinmmt. Auch sollen die obersten Landesfinanzbehörden für 
aufmännische und gewerbliche Betriebe, die ihre Vermögens— 
tklärunrg erst, auf Grund der abgeschlossenen Geschäftshilanz 
des Jahres 1913 abgeben können, die Deklarationsfrist bis 
zum 15. April 1914 verlängern. 
Dem Reichskanzler wird überdies die Ermächtigung 
erteilt, für Bundesstaaten, die noch keine Vermögenssteuer haben. 
und in denen die Aufstellung der, Wehrbeitragslistten bis' 
31. Dezember noch nicht bewerkstelligt werden konnce, eins 
swätere Deklarationsfrist, aber nicht über den 30. Aupril 1814 
hinaus, zu gewähren. Endlich ist den Veranlagungsoehörden 
gestattet, den Beitragspflichtigen. die nicht in der Lage find 
eine zuverlässige Vermögenserklärung rechtzeitig abzugeben, auf 
hr Ersuchen eine angemessene Verlängerurng der 
Detflarationsfrist zu gewähren 
Welsers Jesus⸗Tetraipgie in Eiferach. Die Eisenacher 
Stadtverordneten haben beschlossen, das Stadttheater der 
Witwe des verstorbenen Weimarer Oberregisseurs Kerl Weisern 
ur Aufführung seiner Jesus-Tetralogie zur Versügung— 
u stellen. Weiter haben sie das Gesuch des Direktors Erust 
Wachler, um Ueberlassung des Stadttheaters für Auffüh— 
ungen, die in dem von Wachler in Eisenach geplanten Frei— 
ichttheater wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse nicht statt— 
inden können, abgelehnt. Ferner beschlossen die Stadtverord⸗ 
ieten, dem Stadttheater für das kommende Jahr eine st ä d 
tische Subvention von 4000 Mi zu gewähren. 
Antrittsyorlesreng der Austaufchyrofesforen. In der Aula den 
Berliner Universität wurden Sonnabend mittag die beiden ame i⸗ 
lanischen Austauschprofessoren Mr. Paul Shorey und Archibald 
Fary Coolidge, die in diesem Semester an der Berliner Univer 
ität Vorlesungen halten werden, eingeführt. Der Feiec hal' 
Prinz August Wilhelm beigewohnt. Nach der Einführung durch 
den Rektor Geheimtat Planok hat zuerst Professor Coolidge das 
Wort ergriffen. Das Thema, das er für seine Ant ittsred 
zjewählt hatte, lautete: „Der Amerikaner und sein Hoifen“, 
ann sprach der Roosevelt-Professor Shorey über „Zeitgenös—⸗ 
ische Geschichtsforschung“. 
Kleine Mitteilungen. Für die Restaurierung des 
Thorwaldsen-Museums, daos sich bekanntlich im Ver— 
iall befindet, bewilligten die Stadtverordneten von Kopenhagen 
400 000 M. Insbesondere sollen die Freslen an den Außen— 
wänden nach einem neuen Verfahren des Malers A. Johansen 
vieder erneuert werden. — Das Freskogemä'de „Narziß“ von 
Pellegrini in der Brunnennische am Kunstgebäude in Stuttaartk 
st abermals so schwer beschädigt worden, daß das Vind 
inrettbar verloren scheint. Der Täter hat offenbar einen 
Kolben mit Tusche gegen das Gemälde geschleudert, so daß der 
jzanze Inhalt sich über das Bild ergossen hat. — Die Erin—⸗ 
terungen an Beethoven von 140 seiner Zeitgenossen 
ind von dem Musikschriftfteller Friedrich Kerst neu gesammell 
vorden und sollen demnächst im Verlage von Julius Hoffmann 
n Stuttgart erscheinen. Wie man hört, hat der Herausgeber 
ieben bekannten Quellen viele unbekannte oder vergesseng 
rufzufinden gewußt, so daß wir einen äußerst wertvollen Bei— 
rag zur BeethovenLiteratur erwarten dürfen.
	        
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