Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
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Reilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Larerdurg, die 
heiblatt: Gesetz und Verordnungsblatt 8 — —— Fürstentümer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
OSSCσSöↄIσσο ERan —— —õãä — zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
Hrud und Verlaa: Gebrüden 8* orchers G. m. b. S. m Lüũbed. — Geschaͤftsstelle Adr⸗ν- Gõnigstr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
Freitag, den 7. November 1913. 
Ausoo 
Ahend⸗-Blatt KRr. 566. 
—— 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
———————'— ———,—— —— — — ———————., — 
Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. 
sPs s e c eeG G ůαα 
Nichtamtlicher TCeil. 
Arbeitslosenversicherung. 
Bei Gelegenheit einer kleinen Abrechnung mit der Sozuͤal-⸗ 
vemokratie hatten wir schon Gelegenheit genommen, auf diele 
yrage einzugehen und die mangelnde Qualifikation der Sozial- 
zemokratie zur Beschäftigung mit diesem Problem. das wir 
us ernst und schwierig bezeichneten, nachguweisen. Wie recht 
vir damit hatten, erweist auf der einen Seite die über das 
onst abliche Maß von persönlicher Gehässigkeit hinausgehende 
og. „Antwort“ des hiesigen Volksboten, auf der anderen Seite 
verden unsere Ausfirhrungen durch Darlegungen bekräftigt, die 
dr. Wagner im Organ der Vereinigung der Deutschen Arbeit⸗ 
zeberverbãnde „Der Arbeitgeber“ erscheinen läht. Da 
die Angelegenheit demnächst dse Bürgerschaft beschäftigen 
on, durfte es angebracht sein, die objektiven Ausfuͤhrungen 
ves Versassers, der sich auch mit den einzelnen bommunglen 
Eystemen beschäftigt, hier wiederzugeben. Dr. Wagner schreibt: 
Die Frage der Arbeitslosenversicherung ist wieder einmal afut 
zeworden. Das geschieht jedesmal, wenn die Konjunktur irgend⸗ 
vie abflaut, oder wem in einem bestimmten Gewerbe größeren 
Imfangs, auch wenn dasselbe nur Saisongewerbe ist, 
eine größere Arbeitslosigkett eingetreten ist. Zweifellos 
oieten die Ziffern über die herrschende Arbeiltslosig- 
deit das beste Barometer ũber die allgemeine 
volkswirtschaftliche Konjunktur oder über die Konjunktur in einem 
zestimmten Gewerbe. Niemand bedauert mehr die abflauende 
tonjunktur und die damit verbundene Arbeitslosigkeit ais die 
Arbeitgeber selber. Denn sie werden in allererster Linie hier— 
oon betroffen und sie sind es gerade, die infolge der in ihren 
Betrieben angelegten Kapitalien das größte finanzie!le Risiko 
ragen müssen. Damit ist zugleich gesagt, daß auch die 
Arbeitgeber selbst die Arbeitslosigkeit ihrer Arbeiter am meisten 
bedauern und die deutschen Arbeitgeber sind sozial einsichtig 
enug, bei vorübergehender Geschäftsflaue nicht sofort zu Ent—⸗ 
affungen zu greifen, sondern in sehr vielen Fällen lassen die 
Arbeitgeber gerade im Interesse der Arbeiter selber schichtweise 
urbeiten, was bedauerlicherweise von den sozialdemokratischen 
ßewerkschaften auch nicht immer gewürdigt wird. Während alle 
ibrigen Zweige der Arbeiterve rsicherung auf einer versicherungs⸗ 
echnischen Basis aufgebaut werden können, ist dies bei der 
Arbeitslosenversicherung nicht der Fall. Jeder Zweig unserer 
»eutschen Arbeiterversicherung ist imstande, den Versicherungs⸗ 
all genau zu fixieren und so abzugrenzen, daß Zweifel nicht 
mtstehen können Gana andors liegt der Fals hei der Arheite- 
osenversicherung, die eine versicherungstechnische 
Basis Überhaupt nicht haben kann und bei welcher 
ie Frage der unverschuldeten Arbeitslosigkein 
er springende Punkt bleibt, eine Frage, die nur in den 
lerwenigsten Fällen einwandfrei gelöst wer- 
en kann. Die Frage, wer verschuldet arbeitslbos 
t, ist das schwierigste Problem, das unsere Sozialpolitik und 
eziell die Arbeitslosenversicherung zu beschäftigen hat. Die 
ozialdemoktratischen Gewerkschaften tragen durch 
hre Streiktaktik zweifellos dazu bei, daß die Zahl der 
brbeitslosen stets größer ist, als dies nach nor⸗ 
ralen Verhältnissen der Fall sein würde. Wir wollen ganz 
bsehen von den momentanen Wirkungen von Streiks und 
onstigen Arbeitsunruhen, die zahlenmäßig erfaßt werden können. 
ber es ist zu bedenken, daß durch die fortgesetzten Streils 
hlreiche Aufträge ins Ausland wandern und so auch, wenn 
Arbeitsstreitigkeiten beendet sind, zahlreiche Arbeiter noch 
r längere Zeit arbeitslos bleiben müssen, eine Tatsache, die 
Ubstverständlich auf das Konto der sozialdemo— 
ratischen Sktreiktaktik zurückzustthren ist. Wenn es 
ach dem Wunsche der sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer 
inge, dann würden im Sinne einer Arbeitslosenversicherung 
uch Streikende und Ausgesperrte als arbeitslos, d. h. als 
nterstũützungsberechtigt anerkannt werden. Der bekannte sozial⸗ 
mokratische Kommunalpolitiker F. Zietsch hat in seinem Buche 
dommunale Arbeitslosenfürsorge“ die Arbeitslosigkeit gewisser⸗ 
aßen als eine Krankheit des heutigen Wirtschaftssystems dar⸗ 
stellt, und der Referent über die Arbeitslosenfürsorge auf dem 
zialdemokratischen Parteitag hat die Behauptung aufgestellt, 
aß die wirtschaftlichen Krisen untrennbat mit der „kapitali 
ischen regellosen Produktionsweises verbunden seien und die 
zehauptung aufgestellt, die „Verwandlung des kapitalistischen 
zrivateigentums und der Produktionsmittel in Gesellschafts⸗ 
gentum und die Umwandlung der Warenproduktion in sozia- 
stische für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion 
erde die Arbeitslosigkeit beseitigen: „Die Arbeitslosigkeit als 
as notwendige Produkt der kapitalistischen Gesellschaft wird 
idgültig erst mit der Umwandlung dieser Gesellschaft in die 
Zzialistische verschwinden“, so hat der Referent Timm in Jena 
usgerufen, ohne zu bedenken, daß auch der sozialistische Zu— 
unftsitaat, wenn er nicht in den ersten Wochen bankerott 
achen will, genau so wirtschaften muß wie alle Betriebe 
es verhaßten „bapitalistischen Klassenstaates“. Schon heute 
rüssen rein sozialdemokratische Parteibetriebe im Zeichen der 
eschäftsflaue genau so zu Entlassungen resp. Einlegung von 
eierschichten schreiten, wie die „bürgerlichen“ Arbeitgeber. 
,sie Sozialdemokratie mit ihrer Streiktaktik i st 
ber daranschuld, daß die Zahl der Arbeitslosen 
röhßer wird, eine Begleiterscheinung der von der Sozial- 
emokralie inszenierten Streiks und sonstigen Arbeitsunruhen. 
Nan kann zweifellos beobachten, daß die Mitglieder 
103101d morrotishor GGewertshaftften hiüu f3z 
ind länger arbeitslos sind als diejenigen Aræ« 
heiter, welcheeiner Organisationangehören, die 
icht die Bekämpfung des Arbeitgebers als des 
odfeindes der Wrbeiter aufihre Fahnegeschrise— 
jen hat. Es ist auch nichts selbstverständlicher als das, daß 
in Arbeitgeber, der zu Entlassungen schreiten muß, lieber die 
ozialdemokratisch organisierten Arbeiter entläßt als solche, welche 
u würdigen wissen, daß die Interessen der Arbeitgeber und 
Arbeitnebmmer die gleichen sind. Der oben erwähnte sozial- 
emokroatische Kommunalpolitiker hat in seinem Buche sogar 
ei Erörterung der Arbeitsnachweisfrage dem Arbeitsnachweis 
s erste Aufgabe zugewiesen, „daß in erster Linie organisierte 
Irbeiter die offenen Stellen besetzen“. Und er bezeichnet es 
veiter gewissermahen als absurd, dah „alle Streikenden und aus« 
esperrten Arbeiter in den Augen der meisten bürgerlichen Sozial« 
eformer als freiwillige Arbeitslose, für deren Notlage aufa 
ukommen die Gesellschaft nicht verpflichtet sei,“ gelten. 
Zu der außerordentlichen Schwierigkeit, zu entscheiden, ob 
ind wer verschuldet resp. unverschuldet arbeitslos ist, kommt 
yor allen Dingen noch die Schwierigkeit hinzu, daß für die 
atsächlich herrschende Arbeitslosigkeit eine einwandfreie Statistil 
nicht existiert. Seit Jahren veröffentlicht das Reichsarbeits⸗ 
zlatt eine Arbeitslosenstatistik, die unter Mitwirkung der sozial⸗ 
»emokratischen Gewerkschaften, der christlichen Gewerkschaften, 
»er Hirsch⸗-Dunckerschen Gewerkvereine und anderer Arbeiter⸗ 
ereine zustande kommt. Die Abteilung für Arbeiterstatistik im 
deichsstatistischen Amt, welche das Reichzarbeitsblatt herausgibt, 
st sich aber wohl selbst darüber klar, daß die von ihr bearbeitete 
Ixbeitslosenstatistsit den Anspruch auf statistische Genauigkeit 
icht erheben kann. Der bekannte Sozialpolitiker Jastrow sowie 
der Statistiker Most haben — letzterer in einem viel beach« 
eten in Conrads Jahrbüchern erschienenen Aufsaß — wieder—⸗ 
jolt ausgesprochen, daß die Arbeitslosenstatistik das schwierigte 
ßebiet der Statistik überhaupt darstellt. Die gelegentlich 
»on den sozialdemokratischen Gewerkschafte 
eranstalteten Erhebungen über die Zahl de 
krbeitslosen haben gar keinen Wert, da sie vor 
ornherein eine bestimmte Tendenz verfolgen, in ähnlichem 
Naße gilt dies von den von einigen Großstädten veranstalteten 
krhebungen. So lange nicht eine einwandfreie Methode für 
ie Arbeitslosenstatistik erfunden und angewendet ist und so 
ange nicht vor allem eine einwandfreie edeltalenatet 
leichzeitig einer einwandfreien Statistik der wirklich Beschäf⸗ 
igten gegenübergestellt werden kann, können die Unteriaen 
d die Frage der Arbeitslosenversicheruna nicht als geschlossen 
zjelten. h 
Zu den Proiekten, die zur Regelung der Frage der Arbeits⸗ 
osenversicherung neuerdings am meisten erörtert und zum Teil 
nich schon in die Praxis übersetzt sind, gehört in allererster Linie 
»as sogenannte Genter System, das auch von den sozial⸗ꝰ 
»emokratischen Gewerkschaften mit Vorlisebe propagiert wird. 
Hieses Sutem das ⸗»um erfftenmal in der gade Gent 
Irrlichter des Gluͤcks. 
Ein Gesellschaftsroman von der Riviera. 
Von Erich Friesen. 
110. Fortsetzung.) Machdruck verboten.) 
Wohin? Zu welchem Zweckꝰ?.... 
Plötzlich hält das Automobil an einer Straßenecke. Mit 
jerschmitztem Lächeln deutet der Chauffeur auf ein Hotel mitt⸗ 
eren Ranges, in dem die Dunkelgraue soeben verschwindet. 
zr ist ähnliche Abenteuer seines Herrn augenscheinlich gewöhnt. 
Noch ein kleines Weilchen wartet der Fürst. Dann läßt er 
vor dem Hotel vorfahren und ersucht den diensteifrig herbei— 
ailenden VPortier mit seiner hochmütigsten Miene, ihn Einsicht 
n das Fremdenbuch nehmen zu lassen, da ⸗er einen Boa— 
'annten erwarte. 
Mit seiner tiefsten Verbeugung vor dem vornehmen Herrn 
n Frack, Lack und Claque, der, die Zigarette nachlässig zwischen 
den Lippen, in seinem Privatautomobil das Hotel mit seinem 
dede beehrt, schleypt der Vortier das dige Fremdenbuch 
erbei. 
Ein Blick — und Fürst Orloff weiß, daß die Dame, der 
folgte, die Marquise dEsterre war. Denn: als einer der 
uletzt eingezeichneten Namen figuriert Madame Koso Alsen 
us Kopenhagen“ — Irenes Mutter. 
Mit der gelassensten Miene von der Welt, hinter der der 
AMrit —— Triumph verbirgt, reicht er dem in De⸗ 
»otion fast ersterbenden Porlier ein Funffrankstnce Dann rattert 
as Automobil wieder davon in der Richtung nach der Grand 
)pera“. 
Welch seltsames Zusammentreffen! 
MNichts konnte dem Fürsten gelegener bommen, als die Ent⸗ 
»edung von Madame Lolos gegenwärtigem Wafenthalt. Nie 
r ihr vor ein paar Tagen, einer Taune solgend, in Monte 
larlo den Haufen Banknoten in die Bande dracte und sie da 
ßeld mit der ihr eigenen Unüberlegtheit binnen wenigen Mi— 
uten verspielt hatte — da wollte sie ihm nicht sagen, wo 
e ch aufhielt. Nus Ritterlichteit, die diefer sonn staeu⸗ 
lebemann den Frauen gegennber stets wahrt, drang er nicht 
n sie. Er würde fie ohnehin bald wieder treffen. Ma 
Koulettetisch in Monte Cart. vas pußte — 
Jetzt enthob ihn der Zufall sogar der kleinen Mühe, 
nn den Spielsälen zu suchen. In Nizza hält sie sich auf. In 
einer nächsten Nähe. Bequemer kann er es ja gar nicht haben, 
um sie, ohne daß sie es merkt. seinen Plänen gefũgig au 
nachen. 
Als er kaum zehn Minuten später das Theater betritt, 
nilt sein erster Blick der Loge des Marquis dEsterre. 
Der ausdrucksvolle, edelgeschnittene Kopf des Marquis hebt 
ich klar von dem dunklen Hintergrund ab, neben dem frischen, 
ärtigen Gesicht seines Neffen. 
Ein triumphierendes Lächeln umspielt die Lippen des 
Fürsten. 
Irene ist nicht da. 
* * 
Inzwischen sitzen in dem mit aufdringlicher Talmi⸗Eleganz 
nöblierten Hotelzimmer Mutter und Tochter einander gegenüber. 
Noch immer ist sie schön, die beinahe Sechzigjährige — 
venigstens in dem matten Licht der verhüllten Hotellampe. 
doch jetzt lassen ihre Reize ahnen, wie verführerisch sie früher 
ewesen sein mochte: abwechselnd strahlend in leidenschaftlicher 
zlut oder in gesühlvoller Sentimentalifät — wie es die Rolle 
erade erforderte. Auf sie pakt ienes Mort der KGindu-Legende 
iber das Weib: 
„Mit der Geschmeidigkert der Schlange verbindet es die 
zärte des Steins, mit der Heiterkeit der Sonnenstrahlen das 
ränende Leid der, Wolken und die Unbeständigkeit des Windes, 
uit dem scheuen Blick des Rehs die Eitelkeit des Pfauen, mit 
em wütenden Schnauben des Kampfhahns das Girren der 
urteltaube. die Geschwätzigkeit der Elster, die Dickköpfigkeit 
es Esels und die Grausamkeit des Tigers.“ 
So ist Madame Lolo Alsen. der frühere Stern am 
werettenhimmel. 
Soeben springt sie mit der Geschmeidigleit einer Sechzehn⸗ 
aͤhrigen von ihrem Sessel auf, in dem sie, zusammengedudt wie 
ine »um Sprung bereite Katze, gehockt. 
Lächerlich, Irene! Eine Frau wie du, die einen Mann 
jat mit ungezähltem Vermögen — und nicht die paar Kröten 
villst du für mich beschaffen?“ 
Flüchtiges Rot steigt in Irenes bleiche Wangen, als sie 
tach einer Meile entgecnete 
„Ich sagte dir bereits, daß ich über die Gelder meines 
vatten kein Verfügungsrecht besitze. Die letzte Summe, die, 
u von mir fordertest — vor etwa einem Jahre, zu einem, 
ihnlichen Zwed wie diesmal, nur, daß sie weit geringer wan 
— hat mich manche schlaflofe Nacht gekostet, ehe ich sie zu— 
ammenbrachte.“ 
„Jit er ein solcher Geizkragen?“ höhnt Madame Lolo, in⸗ 
chrem erregten Auf und Ab innehaltend. 
Es ist, als wolle die schlanke Gestalt, die dort mude in? 
v»en Polstern lehnt, auffahren. Doch nur einen Augenblick 
Dann erwibdert sie ruhig: 3 
„Der Marquis ist die Güte selbst. Aber bei all seinen 
vüte ist er ein praktischer, pernünfliger Mann. Wenn ich 
hun um eine größere Summe bäte, würde er selbstverständlich 
wissen wollen, wofür ich sie bendtige.“ 
„Und für mich würde er sie nicht geben?“ 2 
„Nein, Mutter. Besonders nicht fur — Spielschulden!“ 
Die Röte einer flüchtigen Verlegenheit huscht über Madame 
dolos gepudertes Gesicht. R 
„Du solltest dir ein eigenes Bankbonto erzwingen —“ 4 
„Wozu? Mein Gatte gibt mir alles, was ich brauche. 
Uuherdem — 
Irene macht eine kleine Pause und wischt sich mit dem 
Spitzentaschentuch ũber die Augen. Dann fahrt fie in verbaltenenß 
Erregung fort: 
„Als ich dir vor einem Jahr die zweitausend Francs 
chickte. da versprachst du mir, es solle das letztemal sein, 
atz du spieltest. Jetzt verlangst du zehntausend Francs. Wer 
veiß, was noch dommen mag! Siehst du nicht selbst ein, 
as für eine Qual du mir damit bereitest, Mutter? .... 
Ind es ist nicht allein das Geld“ — sie steht auf und atmet rasch 
nd schwer —, „es ist die Herzensangst, die ich empfinde, das 
rniedrigende Bewußtsein, daß ich vor meinem Gatten etwas 
zerheimliche, daß ich ihn zu täuschen suche —“ 
„Es ist ja nicht das erstemal. daß du ihn täuschest!“ fällt 
Madame Lolo hart ein. * 
Irene zuckt zusammen wie unter einem Peitschenhieb. — 
„Du hast recht, Mutter,“ murmelt sie tonlos. „Es war, 
Zeit. daz du mich daran erinnertest. Ich hatte schon bea 
Jonnen. es zu vergessen“
	        
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