Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

rat Tr. Lanffeld in seinem Amte bleiben. Der Aufforderung 
des Großherzogs emssprechend, wird das Staatsministerium in 
seiner jetzigen Zusammensetzung die Geschäfte noch bis zum 
. April des nächsten Jahres fortführen 
Argentinsche Offiziere im dentschen Heere. 
Berlin, 6. Nov. Zum ersten Male ist zwei fremden Offi⸗ 
neren. den argentinischen Majoren Peracca und Garcia. vom 
Kriegsministerium gestattet worden. einen Studiumsgang auf 
der Artillerieschießschule zu Jüterbog durchzumachen. Ferner 
wurden argentinische Oberleutnants zur militärischen Ausbil⸗ 
dung auf ein Jahr deutschen Truppenteilen zugeteilt, u. a. 
Sierra innd Soldini dem 15. Husaren-Regiment in Wandsbek, 
Calderon und Barrera dem Lauenburgischen Feldartillerie-Regi- 
ment Nr. 45, Styrle dem Holsteinischen Infanterie-Regiment 
Nr. 163 in Neumünster, Monferrini dem Infanterie-Regiment 
Nr. 85 in Rendsburg. 
Flugvorführungen deutscher Offiziere in Wien. 
Wien, 6. Nov. Die deutschen Fliegeroffiziere, Leutnant 
Targonico und Leutnant Criedberg führten gestern ouf dem 
Flugfelde Aspern ihre Doppeldecker den ölterreichischen Flie- 
geroffizieren vor. Sie unternahmen mehrere Aufstiege mit 
oͤsterreichschen Offizieren als VPassagiere und zeigten glänzende 
Spiral- und Sturzflüge. Ihre Leistungen erregten großes 
Aufsehen. Die beiden Militärflieger haben heute vormittag 
den Rückflug angetreten. 
Die Wirren in Mexilo. 
W. Newyork, 6. Nov. Nach einem Telegramm aus Mexiko 
veröffentlichte Huerta einen Erlaß, durch den Silberstücke von 
fünfzig Cents als gesetzliches Zahlungsmittel erklärt werden und 
perfügt wird daß die Noten der mexifanischen Rationalbank 
nicht vor Wlauf eines Jalhres eingelöft werden. 
W. Vera CErus, 6. Nos. Das deutsche Schulschiff 
„Sertha“ verließ den Hafen, nachdem der Kreuzer 
„Bremen“ eingetroffen war. Dieser bleibt bis auf weiteres 
n Vera CEruz. 
China rerliert die noördbliche Mongolei. 
BZD. London, 6. Nov. Das russischchinesische Abkommen 
bezüglich der außeren (Gnördlichen Mongolei wurde gestern 
in Peking unterzeichnet. Der Vertrag kommt einer völligen 
Preisgabe dieser Provinz seitens Chinas gleich. Rußland 
anerkennt zwar die chinefische Suzeränität“ über die Mon— 
zolei, China aber willigt in die Autonomie dieser Provinz 
ein, die ja schon seit langem nur nominell unter chinessscher 
Oberhoheit stand. Die chinesische Regierung verpflichtet sich, 
in Zukunft keine Truppen oder Beamte in der äußeren Mon— 
golei zu unterhalten mit Ausnahme eines Vertreters in Urga 
and einiger Konsular⸗Agenten in anderen Orten. Beide Mächte 
ind ũbereingekommen, keine Schritte zu einer Kolonisierung 
n der äußeren Mongolei zu unternehmen. Rußland verpflichtet 
ich, kein Militär in der inneren (üdlichen) Mongolei zu unter⸗ 
halten, mit Ausnahme der Konsularwachen, und sich nicht in 
die Verwaltung einzumischen. Die Grenzlinien sind in großen 
Umrissen festgesetzt. aber die eigentliche Grenze wird erst in 
weiteren Verhandlungen bestimmt werden. 
WV. Berlin, 8. Nop. Die Linienschiffe „Katfern 
und „König Albert“, begleitet vom kleinen Kreuzer 
„Strabßburg“ werden Anfang Dezember d. J. zum Zweck 
jhrer Erprobung auf langer Fahrt eine Reise von drer bis 
vier Monaten nach dem Atlantischen Ozean antreten. 
Sie werden dabei unsere westafrikanischen Kolonien besuchen 
und in den südamerikanischen Gewässern die Flagge zeigen. 
IJy. Vetlin. 6. Nov. Die Privatbeleidigungsklage des 
Zeugen vornn Metzen gegen den Rechtsanwalt Kurt 
Ulrich wegen seiner Verteidigungsrede in dem triegsgericht⸗ 
lichen Vrozeh gegen die Zeugoffiziere Tilian und Genossen wurde 
bon der Beschlußkammer des Schöffengerichts Berun⸗-Mitte 
lostenpflichig abgewiesen mit dem Bemerken, daß Rechts- 
anwalt UAlrich in Wahrnehmung berechtigter Interefsen ge⸗ 
handelt habe. 
W. Wien, 6. Nov. Dem Fremdenblatt zufolge stattete der 
Minikker des Aeusdern Graf Berchtold heute 
bormittag dem König der Bulgaren im Palais Koburg 
einen Besuch ab, der über eine Stunde dauerte. 
W. Wien. 68. Nov. Kaifer Fran z Josef von Oester⸗ 
reich Ungatn empfing den König der Bulgaren in 
einstündiger Audienz. 
* 
Furchthare Brandkatastrophe im Hafen. 
W. Kaltutia. 6. No. Der Betroleumdamufer 
„Twingone'“ ist im Hafen von Tutikorin an der Ostküste 
Indiens in Flammen aufgegangen. Fast de ganze 
Besatzung von 50 Köpfen. das Töchterchen des 
Kapitäns und eine große Anzahl Kulis, die sich an 
Bord besauden, sind in den Flammen umgekommen. 
Der Brand brach aus, als man damit beschäftigt war, das 
Petroleum in die Hasentanks überzuleiten. Das Feuer guiff 
o schnell um sich, daß alle Aussichten, es erfolgreich zu be⸗ 
kämpfen, hoffnungslos erschienen und aufgegeben wurden. Die 
Besatzung des Schiffes und die an Bord befindlichen Kulis 
türztien sich ouf die Rettungsboote. Doch gelang es nur einem 
Teil der Mannschaft, sich auf diese Weise zu retten. Nur 
»in Rettungsboot, das der Hafenbehörde, has in der 
Nähe des Dampfers lag, erreichte glückhbich das Land, 
die anderen schlugen um und ihre Besatzung fiel in das 
Wasser, aus dessen Oberfläche das aus1zmende 
Jetrolenm brannte. In diesemn Flammenmeer spiel⸗ 
ten sich schredliche Szenen ab. Vergebens bemühten 
sich Leute der Besatzung unter Aufbietung aller Kräfte durch, 
den Flanmengürtel hindurch ins freie Meer zu gelangen. Der 
Sohn des Hafenkontrolleurs, der an Bord des Schiffes zu—⸗ 
rüdgelassen worden war, wurde von einem auf das Schiff zurück⸗ 
gekehrten Ingenieur fortgeschleppt. Beide wurden gesehen, 
wie sie sich durch die Flammen hindurchzukämpfen suchten, es 
fehlt aber von ihnen iede Spur. Auf der Reede stand eine 
Anzahl von Menschen versammelt, die versuchten, Hilfe zu 
bringen. Verschiedene Boote gingen auch in See, mußten aber 
unverrichteter Sache umlehren, da fie infolge der großen 
Hitze und hoch aufschlagenden Flammen nicht vorwärts tommen 
sonnten. In einiger Entfernung von dem brennenden Wrad 
hatten sich im Nu zahlreiche Haifische verlammelt, 
bie nach den Leichnamen suchten. Ein Kuli, dem 
es gelungen war, das Meer zu erreichen, wurde ein Opfer 
der Tiere, bevor es waqlich war, ihn in ein Roaat auf—⸗ 
utebw· 
VWV. London, 6. Nov. Gegenüber den Meldungen, bei 
»em Brand des Oeldampfers „Twingone“ im Hafen von Tuti— 
orin an der Ostküste von Indien die gesamte Besatzung don 
O Mann umgekommen sei, teilt die Besitzerin des Dampfers, 
ie Burmah Oil Company in Glasgow mit, daß nur hechs 
Bersonen den Tod gefunden haben sollen. 
Sprechsaal. 
Die unter dieser Rubrik abgedrudten Artikel sind völlig 
unabhängig vom Standpunkt der Redaktion. 
Eingesandt.) 
Der Lärm vorm Gewerlschaftshause. 
Ueber den im Eingesandt der Lübeckischen Anzeigen ver⸗ 
ffentlichten Artikel wegen des die Nachtruhe der Anwohner 
es Gewerlschgftshauses störenden Lärms und der damit ver⸗ 
undenen sonstigen Ungelegenheit entrüstet sich der im Geweri⸗ 
chaftshause gedrudte Volksbote in sehr erheblicher Weire. Er 
slaubt durch Verhöhnung meiner Person und partetoolitiüiche 
Ungriffe, die gar nicht in Betracht kommen können, über die 
Tatsache der Ruhestörung hinwegzukommen und bestätigt gecade 
vurch seine Ausführungen die Richtigkeit meiner Angaben. 
Wemnn ich dem Blatte auch keine Rechenschaft schuldig bin, so 
ziitte ich doch die Redaktion freundlichst, bestätigen zu wollen, 
aß der Artikel von mir bereits vor etwa 8—-10 Tagn ein⸗ 
eliefert ist. (Die Aufnahme konnte wegen Raummangels 
icht früher erfolgen. D. Red.) 
Meine Absicht war und bleibt nur die, Schutz gegen eine 
ästige Unsitte zu suchen, die dem von ihr betroffenen Bürger 
te Nachtruhe raubt, nicht ausnahmsweise einmal, sondern in 
er Woche mindeftens dreimal, eine Tatsache, die nicht wegzu—⸗ 
eugnen ist. Allerdings muß ich zugeben, daß in der' letzten 
zeit eine Besserung zu merken war, die ich sehr wohl empfunden 
Jabe und hoffentlich auch noch weiter empfinden können werde. 
Der „brave nationale Philister“. 
(Dieser Zuschrift sei noch hinzugefügt, daß wiederhoit Be⸗ 
chwerden wegen nächtlicher Störungen vor größeren Lokalen 
Ausdruck gegeben ist; wie da die Folgernng möglich ist, 
inser Blatt verfolge arbeiterfeindliche Tendenzen, erscheint 
merfindlich. Wenn die Besucher des Gewerkschaftshauses 
euhig und ohne Beläftigung der Rachbarschaft das Lokal ver— 
sassen, wird sie geriß niemand — wir am allerletzten — in 
hrem Vergnügen stören. Es würde also aut sein, das 
Blatt des Gewerkschaftshauses würde sich etwas zurück⸗ 
entrüsten. D. Red) 
Das französische Eisenbahnunglück vor der Kammer. 
Paris, 6. Nov. Der sozialistische Abgeordnete Colly hat sich 
zeranlaßt gesehen, in der heutigen Kammersitzung eine Inter— 
»ellation einzubringen, in der Aufklärung darüber gefordert 
wird, ob die Ursache der Katastrophe in der Minderwertig⸗ 
leit des Materials zu suchen ist 
Der Untergang der Sñdpolexpedition Scotis. 
London, 6. Nov. Eine heute veröffentlichte aktenmäßige 
darstellung der Scottschen Südpol⸗Expedition jichildert, wie die 
Teilnehmer beim Mablick der norwegischen Flagge am End⸗ 
iel den Mut verloren und beschlossen, ihrem Leben durch Gift 
in Ende zu machen. Es kamen auf jedem Mann 30 Opium—⸗ 
illen, so heißt es in dem hinterlassenen Tagebuch, aber ous 
en letzten Einkragungen geht hervor, daß man sich entischloß, 
inen natürlichen Tod vorzuziehen, nümlich so lange zu wan⸗ 
ern, bis Erschöpfung und Hunger dem Leben der Männer ein 
Ende gemacht haben würde. 
Mi. Berlin, 6. Nopv. Die an der Waifsenbruͤcke auf⸗ 
sefundene Leiche ist als die der 1883 geborenen Frieda 
ßerlach erlannt worden, die in Neukölln mit dem Schlosser 
tulius Hodske zusemmenlebte; diesem Verhältnis sind zwei 
dinder entsprossen. Die Gerlach stand unter Kontrolle. Nach 
zodskes Aussagen verlietz die Gerlach in der Nacht zum 
7. Oklober die Wohnung und kehrte nicht zurück. 
W. Stochholm, 6. Nov. Dagens Nyheter meidet, daß 
der österreichishe Dichter Peter Rosegger die besten 
Aussichten für den Nobelpreis der Literatur habe. Die 
chwedische Alademie hat den endgültigen Beschluß æuf den 
13. November festgesetzt. 
W. Trieft. 6. Nov. Ein Verlader des Dampfers der 
Austro⸗ Americana, „Sophie Hohenberg“, namens Johann Pla—⸗ 
pelia, ist nach viertägiger Krankheit geftorben. Der Ob— 
duktionsbefund hat Beulenpest ergeben. Der Dampfer 
vurde sofort desinfiziert. 
Aus den Nachbargebieten. 
Hanjeta bie. 
Samburg, 7. Nop. Versaugungspark Hagen⸗ 
zeck. In Verfolg unserer Mesdung, daß d'e Weltfirmen Karl 
zagenbed und Hugo Hnase An. eine Inseressengemeinschaft 
eschlossen haben, um neben dem Hagenbed'chen Tierpark einen 
Vergnügungspark allergrößten Stils zu erricaten, ist noch mitzu 
eilen, daß die Firma Hagenbeck bereits eige Anzahl Grund- 
tücke angekauft hat, die in den Vark hineinbezogen werden. 
Die Straußenfarm soll verkleinert und daran anschliehend der 
gergnügungspark in einer gewa'tigen Ausdehnung errichtet 
derden. Der Charakter des Tierpanks bleibt aber auch bei der 
euen Ausführung in allen Teilen streng gewahrt, so daß der 
kierpark nur um eine neue große Sehenswũrdigkeit bereichert 
hird. Die Hugo Haase A-Gbant nvornebme, groß ũgine Attrak⸗ 
ionen, die dem Publikum ur Unterhaiteng end zum Vergnuũgen 
jenen. Es sind bereits lünstlerische Kräfte zu Rate gezogen, 
im der gesamten Anlaze nask jeder Richtung hin ein Geprãge 
llerersten Ranges zu geben. Es soll ein Park geschaffen werden, 
er das Beste auf der ganzen Welt dastelit, der eine allererste 
Sehenswürdigkeit wird usd der die großzen amerikanischen Ver⸗ 
mügungsparks weit in den Schatten stellen soll. Die Eröff— 
— 3ö3ö—&⏑“», —— —— — 
M. Kaiserliche Marine. König Albert“ ist am 5. Nov. 
jon Neufahrwasser in See gegangen. — Postrege— 
ung für das Kommando des 3. Geschwaders, ome füt 
Kaiser“ und „Friedrich der Große“ bis 8. Nov. Milhelms⸗ 
javen, dann Kiel. — Telegramme sind bis 9. Noo. morgens 
nach Wilhelmshaven, vom 12. Nov. ab nach Kiel zu richten; 
ür 10 bis 11 Uhr abends erfolgt die Beförderung durch die 
Küstenfunkenstation Neumünster. — Voststation für „Kai— 
erin“ Neufahrwasser, für „König Albert“ und. Vrinzregent 
zuitpold'“ Kiel. — Privpatpakete an die Besatzung von 
„Goeben“ können zu den bekannten Versendungsbedinaungen, 
LBeihnachtspakete kostenfrei, versckict werden, wenn sie mit der 
Bost porto⸗ und bestellgeldfrei bis spätestens 13. Nov. 1913 
bei der Speditionsfirma Matthias Rohde C To., Hamburg, 
Sandtorkai 35. eintreffen. Für Verpackungs- und Lagedebühr 
ünd 830 Pfs. bei der annehmenden Postanstalt zu entrichten. 
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