Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Jahren doch immer wieder aufgekommen ist. so werden ihre 
Bosfes“ die Niederlage icht Far jo tragisch nehmen. Am 
seiften scheint ihnen Resmal der SulzerVrozeß geschadet zu 
aben; die Schuldfrage dieses Mannes ist offenbar, trotz seinen 
Zerurteilung, noch M wenig geklärt, datß man. den Abge⸗ 
i jt großer Mehrheit in die Staatsreprasentation ge⸗ 
vä 9 
China 
pc. Auf dem Wege zur. Dittatur Juanfchilais. Die Ab⸗ 
icht Zuanschifais, dem KHräsidenten bei Ausarbeitung der 
euen Verfaflung eine größere Macht einzuräumen, vird von 
en Gonverneuren der meisten Provinzen unterstũtzt. Auch im 
harlament stehen die Juanschikai ergebenen Abgeordneten die sem 
deanien symrathisch gegenüber, während ihm von seiten der 
Vebelen des Sudens, die Anhänger Suniatsens sind, 
auf das Entschiedenste entgegengetreten wird, um einer Diktatut 
Juanschilgis, der durch Verstärkung seiner Machtvollko mmen⸗ 
ilen leiht die Wege geebnet werden konnen, zu verhüten. — 
* 
Tagesbericht. 
J Lübeck, 6. November. 
für die Ermittelung des 
9* 
Brandftifters. 
Das Polizeiamt hat unter Aufhebung seiner srüher auf 
die Ermittelumg des Brandftifters in den Solziägern aus⸗ 
gesetzten Belohnung für die Aufklärung einer jeden Brand⸗ 
tiftung im verflossenen Halbjahr und Nachweisung des Täters 
eine Belohnung von 10 000 Mäausgefetzt, mit der Maßgabe 
edoch, dan der Höchstbetrag der insgefamt zu zahlenden Be⸗ 
lohnung auf 30 000 Miubegrenzt wird. Daneben bleiben die 
oon den durch die Brände gefchädigten Firmen ausgesetzten 
Belohnungen von insgefamt 10500 Mubestehen, so daß 
die Gesamtsumme der auf die Ermittelung des Brandjtifters 
nusgesetzten Belohnung sich nunmehr auf 40 500 Mubeläuft. 
S. amtlicher Teil.) 
ztijtungssest der Gesellschaft zur Beförderung 
gemeinnũtziger Tätigkeit. 
An die Erstattung des Jahresberichts und den Abendtee, 
wvorüber wir bereits berichteten. schioß lich ein Festmahl 
im großen Vortragssaale, der aus diesem Anlaß durch Blatt⸗ 
oflanzen und Teppiche besonders feierlich geschmuct worden 
war. Die Tafel von etwa. Jad Gedecken war recht geschmack⸗ 
boll hergerichtet und mit Aufsätzen sowie Blumen reich ge— 
iert. Und auch die kulingrischen Genüsse, die sie bot, üeßen 
an Güte wie an Reichhaltigkeit nichts zu wünschen übrig, sondern 
nachten dem Oekonomen der Gesellschaft wiederum alle Ehre. 
Die Zahl der Tischreven war in diesem Jahre eine etwas 
zrößere, wie sonst ühlich. Den Reigen eröffnete dem 
derkommen gemäß der Direktor der Gesellschaft, Herr Konsul 
Dimpker. Er begrüßte die zum Stiftungsfest versammelten 
Mitglieder der Gesellschaft, insbesondere Se. Magnifizenz Herrn 
Bürgermeister Dr. Eschenburge gedachte, sodann der im Laufe 
hes Jahres veranstalteten Erinnerungsfeiern an die Ereignisse 
Hr hundert Jahren. sowie der Weihe des Völkerschlacht⸗ 
Denkmals bei Leipzig, ferner des Wiedererstehens und Er— 
rarkens des Deutschen Reiches, des Ausschwunges von Gewerbe, 
Handel. Schiffahrt und Industrie während, der mehr, als 
ojährigen Friedenszeit, und sagte dann weiter; Mit Recht 
hat unser Kaiser bei seinem letzten Besuche in Lübed die Flotte 
als ein Kind seiner Schöpfung bezeichnet, und in unserem 
Rathause hat er das Versprechen abgegeben, daß geschehen soll, 
was dazu dienen kann, jetzt und in Zetunst. dem deutschen 
Zaufmann, der vom Hansageist beseest, im Ausland das 
Deutschtum vertritt und für Deutschland arbeitet, die nötige 
Stärkung und den nötigen Schutz zu verleihen, damit er den 
hm eidende Platz an, der Sonne hehauptet. Ich schütze 
»en Kaufmann! Sein Feind ist mein Feind“. Diese ernsten, 
edeutsamen Worte, gesprochen noch unter dem Eindrud der 
erhebenden Feier in unserer Marienkirche und der Begrüßungs- 
rede unseres Bürgermeisters, werden demienigen, welcher dabei 
n das leuchtende Auge unseres geliebten Herrschers blicken 
zurfte, unpergehlich bleiben, aber auch bei, unseren Bürgern, 
n, ganz Deutschland und weit hinaus über seine Grenzen 
haben sie lebhaften Widerhall gefünden. Mit fiefer Dankbar⸗ 
eit können wir cufhlicken diesem Herrscher. der seine ganze 
Kraft und sein viel ee Kommen und Wissen einseßzt 
zum Wohle seines Volkes und für die Größe und das An— 
—VI— 
erehrten Herren, zum Zeichen unserer Dankbarkeit und 
inweandelbaten Treue zu ünserem Kaiser unfere Gläser 
erhehen und stimmen Sise mt mir vin in deon Ruf Soi 
44 
Publitums beistimmen kann. Fast das gleiche ist von Car, 
LDerch als Prinz Aldewyn zu sagen. Er war von starker 
Begeisterungsfähigkeit. schäumender (manchmal fast zu 
ekstatischey) Jugendlichkeit und Kraft und müßte sich nur bann 
uind wann von einer leichten Theatralik zurückhhalten. Als sehr 
zute Darbietung sei noch der Prior Meister Williram des 
Dr. Erich Drach hervorgehoben, der in Haltung, Maske 
und plastische Gestaltung die mystisch gierige Seele dieses Kirchen— 
fürsten namentlich im dritten Akt zu ganz starker Wirckung 
brachte, » Die übrigen Mitspielenden hoben sich nicht über das 
Niveau (lieben aber auch meistens nicht darunter), das man 
als trefflich an unserem Theater gewöhnt ist. 
Dr. W. A. Krannhals. 
Die Einbringung des Reichs cheatergesetzes im Bundesrat 
dürfte, wie die Politischen Informationen melden, nach Weih⸗ 
nachten zu erwarten sein. Die Bestimmungen des Entwurfs sind 
sämtlich fertiggestellt und zurzeit ist man mit der Ausarbeitung 
der Begründung beschäftigt, die voraussichtlich in nicht ferner 
Zeit beendet sein wird und es ist anzunehmen, daß die Bera⸗ 
kungen im Bundesrat, da es sich um eine einschneidende und 
wichtige Materie handelt, sich längere Zeit hinziehen werden, 
so daß eine Vorlegung des Entwurfes voraussichtlich erst im 
oorgerückten Stadium der Reichstagstagung stattfinden könnte. 
Beim Engagementsvertrag durfte die Gehalts— 
rrage, die nach den Wünschen einzelner Kreise im Theater⸗ 
zesetz eine Regelung erfahren sollte. nich t bor u hrwerden 
.TDas Stralsunder Kaiferdeimal. Stralsuuder Blatter 
bringen die Mitteilung, dak dem geschäftsführenden Ausschuf 
des Komitees für die Errichtung eines Kaiser-Wilhelm-I.«Denk- 
mals auf die an den Minister des Innern erneut gerichtete Ein. 
gabe der Bescheid zugegangen ist, dan der Kaiser die von ver 
Akademie der Künste gelltend gemachten Bedenken gegen den 
Denkmalsen twurf des Professors Arthur Schulz teilt, und des⸗ 
halb die Genehmigung zur Ausführung dieses Entwurfs ver— 
agt hat. „Unter diesen Umsianden it daß Konnee auher⸗ 
tande, dem Serrn Professor Schutn die Ausführung des ge— 
planten Entwurfes zu übertragen.“ (Damit hat der „Fall“ 
eine Lösung gefunden 
Maiestät der Kaiser, Könia Wilhelm der II. von Preußen: 
zurra! Hurra! Hurra! 
Freudigst wurde diesem Wunsche entsprochen und darauf 
ie Vieder Heil dir im Siegerkranz“ sowie „Deutschland, 
deutschland über alles in der Welt“ gesungen. 
Auch Herr Senatoor Dr. Neumann, der als zweiter 
sedner ein Hoch auf die glückliche Zukunft unserer Vaterstadt 
uusbrachte, gab gleichfalls zunächst einen kurzen Rückblick auf 
ie Ereignisse vor hundert Jahren, in welchem er u, 9. der 
krmot dung Prahls gedachte und erwähnte, daß Lübeck bald 
anach wenn auch zähnetnirschend, eine glänzende Feier des 
zebnristages Kaiser Rapoleons habe deranstalten müssen. 
ieußerungen der Freude über den Sieg der deutschen Waffen 
ei Leipzig streng verboten gewesen seien, noch am, 14. Nov. 
bg Sohne Lübegs und Samburqs das Gelübde der 
ieauischen Legion Deutschland, oder, Tod im Gefecht bei 
Noölln mit ihrem Blute besiegelt hätten. das damals nur 
digefaähr 23 oo0 Einwohner daͤhlende und, sieben Jahre lans 
edezn cusgesogene Lübeck in den fechs Mongten der Wieder- 
efehung durch die Franzosen die ungeheure Kriegssteuer von 
ast8 Millionen Franken habe aufhringen — was unter 
sen heutigen Verhältnissen etwa 60 Millionen tark ausmachen 
bürde, und führte dann weiter aus: Was bedeuten umere 
aigen Sorgen im Verhaltnis zu dem furchtharen Elend 
ot hundert Zahren? Was bedeuten unsere Opfer im Ver⸗ 
leich zu den Opfern unserer Vorfahren? Gewiß, unsere Stadt 
at es, zumal in zegenwärtigen Zeitläuften, nicht leicht. Teilen 
ir schon die wirischaftlichen Schwierigkeiten unseres großen 
zaterlaͤndes, so hat unsere Stadt noch ganz besonders unter 
en Muühsalen und Bedraͤngnissen einer Uebergangszeit zu leiden. 
Re FEntwideiung aus dem Engen und Kleinen ins Größere 
nd Weilere, hedingt gewaltige Aufwendungen auf den ver— 
chie densten Gebleten des offentlichen Lebens. namentlich für 
zandel. Industrie und Verkehr; Aufwendungen, denen die 
nprechenden Einkuünfle heute noch nicht gegenüber stehen. 
Wir arheiten eben die Zukunft, aber, wir arbeiten ohne 
einmuf und voil VBertrauen auf, die Zulunft, und mit dem 
esten Glauben an den Erfolg. Wir Aen bewußt die mühe⸗ 
olle und opferreiche. aber unserer Vergangenheit und, des 
anjeatengeistes einzig würdige Bahn beschritten, Lübed aus 
einer Isolierung zu befreien und ihm eine eigene wir tschaft⸗ 
iche Junkftion in, der deutschen Volkswirtschaft zu sichern. 
uf dieser Bahn gibt des kein Zurüchk, sondern 
ur ein auerdings besonnenes Vorwärts. Heute gilt es, unsere 
Jerlehrcwege weiter auszubauen, die nähere und weitere Nach— 
arschaft intensiver mit dem Lübecker Platze zu vecbinden, 
iber hierüber hinaus an die großen Verkehrslinien und wo— 
nöglich an das Wasserstraßennetz unseres großen Vaterlandes 
inen engeren Anschluß in solcher Weise zu finden, daß damit 
aie Stellung Lübecks im deutschen Wirtschaftsleben eine dauernde 
Sicherung etfährt. Lübeck muß durch neue Verkehrsperbindungen 
vieder in dic Lage versetzt werden, wie einst im Mitteialter und 
ruch später die Vorteile seiner natürlichen Lage als födwest 
ichster Ostseeplatz gegenüber ganz Deutschland, namentlich autk 
zegenüber dem Westen und Süden unferes Vaterlandes zu ge— 
ießen. Tann wird es auch für eine bodenständige Industrie 
mmer mehr Anziehung bieten und sich damit die sicherste 
zürgschaft für eine blühende Entwickelung schaffen. Unsere 
Staatskörper haben das Ziel erkannt. Wir brauchen nicht 
aran zu zweiseln, daß der Senat mit kräftiger Initiative, wie 
ie ihm schon verfassungsmäßig obliegt, dieses Ziel verfolgen 
vird. Und von der Bürgerschaft wissen wir, daß ie, 'o reinlich 
ie jede neue Ausgabe auf ihre Notwendigkeit zu prüfen pfiegt, 
n den großen wirtschaftlichen und, Verkehrsfragen noch niemals 
nersagt hat. Darit, mögen wir eine Gewähr für die Zukunft 
rbliclken. Zum Schluß gedachte Redner der Stiftung des 
daiser-Wilhelm-Volfshauses als Zeichen dafür, daß auch im 
eutigen Lübeck noch ein offener Sinn und eine offene Hand 
ür die höchsten Ideale des Lebens, für Kunst, Wissenschaft 
ind wahre, Bildung vorhanden ist. 
Auf diefe Ausführungen erwiderte Se. Magnifizenz Herr 
Zürgermeister Dr. Eschenbur.g mit einem Boch auf die 
ßeiellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, m welchem 
xuu. a. nach, einem Rückblick auf die im Laufe des Jahres 
ier peranstalteten Gedenk⸗ und Hundertjahrfeiern ausführte: 
Ddie Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit war 
ine lebendige Zeugin der Nof, die vor 100 Jahren under 
Zaterland und unsere Vaterstadt bedrückte. Die Zahl ihrer 
Nitglieder, die ir Jahre 1806 noch 251 betrug, sank in den 
olgenden Jahren fortgesetzt, bis sie im Jahre 1813 mit 115 
en Tiefstand erreichte. In jenen Jahren wurden nur weniue 
Versammlungen abgehalten, die Beiträge der Mitglieder nicht 
ingefordert. Die ganzen Einnahmen der Gesellschaft beltefen 
ich da Zinsen, nicht eingingen. auf nur 300 M, so daß den 
Instituten Zushüsse nicht gewährt, ja nicht einmal das Gehalt 
»es Boten, dessen Tatigkeit man entbehren zu können glaubte, 
ezahlt werden konnte. Direktor der Gesellschaft war damals 
er würdige Peediger Petersen, derselbe, der im Sahre 1807 
as Schullehrer⸗Seminar, gegründet und, mit ihm eine Cin— 
ichtung ins Leben gerufen hatte, die fast ein Sahrhundert 
zindurch unserer Stadt den reichsten Segen gebracht hat. Voll 
estem Gotlnertrauen verlor er auch in schwerer Zeit den Glau— 
ben an eine bessere Zukunft nicht, und er ist in chönster Weise 
in Erfüllung egangen. Der Baum, den unsere VBäter pflanzten. 
chattet heute legenfpendend auf weitem Raum. Möge er auch 
serner wachsen und gedeihen, möge das Wort, das unsere Väter 
dor hundert Zahren in den Kampf geleitete, das von der 
dohe, des Völkerschiachtdenkmals herab mahnend an kommende 
ßeschlechter sich wendet, der Wahlspruch unserer Gelelssichaft 
zleiben: Gott mit uns! 
Hiernach brachte Herr Sauptlehrer Schulmerich ein Hoch 
nuf Lübeds Handel, Schiffahrf und Gewerbe aus, in welchem 
r darouf. hinwies daß diese Lübeck dereinst groß gewmacht 
tten und, von ihrem Gedeihen auch weiter Luͤbeds Bluhen 
bhänge. Erfreulicherwense wären die nach dieser Richtung hin 
cusgewandten Mittel nicht vergebens aufagewandt worden: es 
zehe Lorwärts. 
Weitere Reden, wurden gehalten von Herrn Baudtrektor 
zaltzer auf die Damen unker, Bezugnahme auf die moderne 
rauenhewegung. von Herrn Direktor Konsul Dimpker auf 
ie Senioren der Gesellschaft, von Herrn Senator Dr. Liendu 
uf den vom Aint zurücktretenden Direktor, wofür dieser so— 
ort mit einem Hoch auf die aus der Vorsteherschaft aus- 
cheidenden Herren Sengtor Dr. Neumann, ind Kaufmann 
5. Reimpell, danste. Serr Sengtor, Dr. Neusmanne er— 
viderte mit Worten des Dankes, wobei er Ge— 
egenheit nahm. über, die Ausgestaltung des Museums 
u fsprechen und mitteilte, daß dieses ein ganz her— 
orragendes zu werden verspreche. um das uns manche kon— 
inentale Großltädte würden beneiden können, und dem vor— 
usfichtlich aquch ein Heimatmufseum angegliedert verden würde. 
rerner dankte Herr Dr. Pabst für das den Senoren dar— 
ebrachte Hoch. sprach die Hoffnung aus, daß die sungen Mit— 
lieder der Gesellschaft sich ein Beilsdiel an ihnen nehmen 
vur den, und brachte ihnen in diesem Sinne ein volles Gios 
ar. Endlich dantte Herr Heinfohn sen. ür die dem 
Iltenheim für Handwerker gespendeten Gaben. 
Nach Beendigung des, dufs schönste und in der ange— 
tegtesten Stimmung verlaufenen Mahles vereinigte man sich in 
den vorderen Räumen zu einem Kaffee und einem Giase Bier, 
vomit die Feier ihren Abschluß fand. 
»Waterftãdtischer Verein. Die Quartiersversammlungen 
ur Aufstellung der endgültigen Kandidatenliste sür die dies— 
ährigen Bürgerschaftswahlen finden heute abend 81 Uhr im 
Zürgerverein, im Konzerthaus Fünfhausen, in der Flora und 
m Winshelntheater statt. Zutritt und Stimmrecht haben in 
iesen Versammlungen die in dem betreffenden Quartier wahl⸗ 
zerechtigten Mitqglieder des Vaterstädtischen Vereins. Die Le— 
zitimation erfolgt durch die Einladungskarte. 
Verein zur Hebung des Fremdenverlehrs, e. V. Der 
Vorstand des Vereins beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung 
ingehend mit der Vorlage betr. Erbanuung eines Konver⸗ 
sationshauses in Travemünde. Man war ein— 
t im mig der Meinung, daß von der Errichtung dieses Hauses 
iicht nur Travemünde, sondern auch Lübeck wirtschaftlichen 
sutzen ziehen werde. Travemünde dürfe im Wettbewerb mit 
den anderen Ostseebädern nicht rückständig bleiben. Das M 
iber zu befürchten, da die benachbarten Bäder große Anstren⸗ 
ungen machen. An einem steigenden Besuche Travemündes 
abe Lübeck ein erhebliches wirtschaftliches Interesse. Abgesehen 
»avon, daß seder Travemünder Kurgast während seines Bade— 
ufenthaltes sicher einigemal nach Lübeck kommt und dort Ein⸗ 
äufe macht, steigt der Konsum an Lebensmitteln usw., die doch 
vohl in der Hauptsache aus Lübeck bezogen werden. Man 
ollte deshalb bei der Berechnung der Anlagekosten und der 
zinnahmen und Ausgaben den indirekten wirtschastlichen Vor⸗ 
eil nicht vergessen, den uns diese erhebliche Verbesserung der 
Travemünder Badeeinrichtungen bringt. Ein Vergleich mit dem 
ngenügenden Pachtertrag beim Theaterrestaurant und dem 
Saalbau ist nicht angängig, denn diese Einrichtungen waren — 
bgesehen vom Theater selbst — 'nicht geeignet, den Fremden⸗ 
erkehr zu beeinflussen. Beschlossen wurde u. a. noch, den 
ngeren Ausschuß des Deutsch-Nordischen Verkehrsverbandes, 
em Herren aus Hamburg, Kopenhagen, Stockholm, Christiania 
ind Lübeck angehören, zu einer Sitzung am 19. November 
iach Lübecdh einzuladen. Anfang Dezember wird eine Mit— 
zliederversammlung stattfinden, in welcher über die Tätigkeit 
des Vereins im verflossenen Sonmer berichtet wird. 
Sternschnuppenschwärme begegnen der Erde am 14. und 
15. Nov., die aus dem Bilde des „Löwen“ ausstrahlenden 
Leoniden, und am 23. Nov., die aus dem Bilde der „Andro⸗ 
neda“ ausstrahlenden Bieliden oder Aogromediden. Beide 
Schwärme haben in manchen Jahren ein großartiges Himmels- 
euerwerk gezeitiat 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der „.A.“ und Z. 
Die finanziellen Forderungen des zukünftigen Fürsten 
von Albanien. 
DT Pofsdam. 5. Nov. Von einer dem albanifchen 
chronprãätendenten Prinzen Wilhelm zu Wied nahestehenden Seite 
rfährt der Deutsche Telegraph“, daß der Prinz alles in 
llem 10 VBedingungen an die Großmaͤchte gestellt hat, unter 
enen er bereit ist, den Thron von Albanien zu besteigen. 
Inter diesen 10 Bedingungen figurieren auch soiche finanzieller 
datur. Als Zuschuß zu seiner Zivilliste fordert der Prinz den 
ußerordentlich geringen Betrag von 150000 Miäiährlich, Da, 
egen ist nicht zutreffend, datz der Prinz nach dem Beisypiel 
es Prinzen Wilhelm von Daänemark, des späteren Königs 
Zeorg von Griechenland, von den Mächten irgendwelche fi— 
anziellen Zusicherungen für den Fall gefordert hahe. daß er 
Ubanien freiwillig oder gezwungen perlasse. Die Anleihe, die 
lsbanien seitens der Mächte garantiert werden soll, beläuft 
ich gquf annähernd 100 Millionen Franken. Nach den letzten 
nformationen jedoch dürfte es zweifelhaft sein. ob auzzer 
Aesterreich-Ungarn und Italien sich noch andere Mächte an der 
Garantie beteiligen werden. 
Französisch⸗tüürkische Freundlichkeit“. 
7FO. Baris, 6 Nov. La Tunisie francaise, ein in franzö⸗ 
ischen Kolonialtreisen viel, gelesenes Blatt, das den „weißen 
Vätern“ nahesteht, enthält folgende interessante Aeußerung: 
‚Bei ijeder Erschütterung im Islam wenden die Gläubigen 
en Blid nach Konstantinopel. zum Sultan, seiner Armee und 
einer Fiotte Taher erwarten fsie moralische Unterstützung und 
naterielle Hilfe. Darum haben die üher Mohammedaner 
herrschenden Mächte Europas mit geheimem Vergnügen die Nie— 
derlage der Türkei beobachtet, darum waren sie stark ent⸗ 
täuscht, als die Torheit Bulgariens es der Türkei möglich machte, 
inen, großen Teil des Verlorenen wiederzugewinnen. Nicht 
er Kuß auf die Kaaba, sondern die notwendige Berührung 
nit panislamischen Agenten, die absichtlich Religlon und Na— 
ionglität verquicen, bewirkt, daß die Pilger als Franzosen- 
einde aus Mekka zurückkehren.“ Die französische Reglerung 
immt bekanntlich eine ablehnende Haltung gegen die Mekka— 
bilgerfahrten ihrer nordafrikänischen Mohammedaner ein. An— 
eblich aus sanitären Gründen, in Wirklichkeit aus politischen, 
nie obige Auslassung beweist. Sie wirft aber auch ein inter— 
santes Schlaglicht quf, die angeblich so warmen Sympathien, 
ie man, in französischen Kreisen für die Türkei mridet 
»n Konstantinopel wird die Aufklärung, was, man von der 
ranzösischen Freundschaft zu erwarten hat, nicht unwillkommen 
ein 
Die Wirren in Mexilo. 
W. Washington, 6. Nop. (Meldung des Reuterschen Bur.) 
der schnelle Spähkreuzer „Chester“ erhielt Befehl, nach Vera 
rruz zu gehen, wahrscheinlich, um als Depeschenboot zwischen 
en dortigen Schlachtschiffen und Tampico zu fungieren. Der 
zreuzer hat die stärkste funkentelegraphische Anlage der ganzen 
merikanischen Flotte. Nach seiner Ankunft wird Vera Cruz 
n ständiger direkter Verbindung mit Washington stehen. 
W. Wafhington, 6. Nov. Der Marinesekretär gab bekannt, 
»aß der Panzerkreuzer „California“, der von dem ebennach 
er amerikanischen Westküste gehenden Kreuter „Piltsburg“ ab— 
gelöst werden sollte, zunächst in den mexilanischen Gewässern 
‚leiben wird. Folgende amerikanische Kriegsschiffe befinden 
ich jetzt an der Westküste: Die Panzerkreuzer „California“, 
„Pittsburg“ und „Maryland“, das Kanonenboot Annapolis“ 
und das Hilfsschiff „Glazier“. 
e 
W. Kopenhagen, 6. Nov. Wegen Niederlegung der Ar— 
heit in verschiedenen Gewerben, hat der dänische Arbeitgeber⸗ 
»erband die Aussperrung von etwa 30000 Arbei— 
bern beschlossen, die nach etwa 14 Tagen in Kraft treten soll— 
— 
* 
Ein Nachfolger Pegouds. 
PC. Paris, 6. Nov. Der Flieger Chevillard beabsichtigt, 
iachdem Pegoud seine Herausforderung zu einem Match abge- 
ehnt hat, heute vormittag auf dem Flugplatze der Farman— 
Besellschaft gleichfalls Sturzflüge vorzuführen. Er beabsichtigt 
aber, Pegoud noch zu übertrumpfen, da er seine Flüge nicht mit 
einem Eindecer, sondern mit einem Zweideder auszuführen ge— 
denkt. Außerdem will Chevillard ein Experiment versuchen, das 
Pegoud disher moch nicht geglüdt ist: das vollständige Ueber- 
chlagen des Apparates und die vollkommene Umdrehung des 
Apparates um einen Flügel. 
die Kataftrophe von Melun. 
W. Melun, 6. Nov. Gestern abend 7 Uhr dauerten die 
Bergunasarbeiten unter dem Schein von Azetylenlampen noch 
in. Aus Dijon ist ein mächtiger Kran herbeigeschafft worden, 
im den Lokomotivtender zu heben, unter welchem mehrere Leichen 
agen. Mit unendlicher Mühe gelang es den Soldaten, alle 
Dpfer des Eisenbahnunglücks aus den Trümmern zu befreien. 
ßendarmen beschlagnahmten alle Gegenstände, die zur Identi— 
izierung dienen konnten. 
— Bis gestern abend sind aus den Trümmern der Eisenbahn- 
vagen noch weitere sieben Leichen hervorgezogen worden, so 
daß bis jetzt vierzig Leichen geborgen sind. Man 
ürchtet, daß sich unter den Trümmern noch mehr Tote 
befinden. 
V 
W. Berlin, 6. Nov. Zwischen den Stationen Wildau und 
Köniaswusterhausen an der Görlitzer Bahn fuhr gestern abend 
ein Automobil eines Warenhauses gegen einen Vor— 
ortszug, nachdem es die heruntergelassene Schranke zertrüm— 
nert hatte. Der Kraftwagen wurde vollständig zerstört: der
	        
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