Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Akvattim vtganisiert. Die englische Schwerindustrie, die Bank⸗ 
deil. die Sciffahrfswelt, die Textilindustrie usw. sind in dem 
nitee starte vertreten, Es scheint, daß die, englische Be⸗ 
ligung in San Franzisko sehr bedeutend werden wird. 
Amerila. 
Kein Ultemaktum an Mexiko. Wie verlautet, hat Staats- 
ekretär Bryan betannt, gegeben, daß kein Ultimatum,an Mexito 
erichtet worden sei. Es sei, bedauerlich, daß die Presse einer 
ichene Meldung Glauben Feschentt habe. — Wie amtlich wit 
seleilt wird, wurde die Regierung benachrichtigt, daß beigahe 
ile in Mexiko diplomatisch vertretenen Mächte geneigt sind, 
en Vereinigten Slagten die Wiederherstellung der verfassungs- 
näßigen Regierung in Mexiko zu überlassen, In einem wei⸗ 
ren' Telegramm wird die Meidung, es sei kein Ultimgtum 
an Mexiko gerichtet worden, bestätigt. Bryan, fügte hinzu, 
rfühle sich veranlaßt, ein solches Dementi zu geben, da Miß— 
eiständnifse über internationale Fragen leicht zu ernsten 
Folgen sühren könnten. — Die Stellung,der deutüchen 
degierung zu den Ereignissen in Mexiko wird, wie der 
deussche Telegraph von autoritativer Seite erfährt, in leiner 
Weise Rudsichten auf die Politik, Englands nehmen. Die 
eutsche Regierung behält sich vor, lediglich so zu handeln, wie 
ie deutschen Inferessen es ihr vorschreiben. Man erwartet. 
aß dieser Standpunkt sewohl in Amerifag wie in England 
eine zichtige Würdigung finden wird. Diese Politik bedeutet. 
⸗aß Deutschland nicht gewillt ist, die gegenwärtigen mexikani— 
hen Machthaber Huerta und Blanquet zu stützen. sondern 
aß lediglich der Schutz der deutschen Staatsangehseigen in 
reichender Meise ausdgeüht werden wird 
Taaesbericht. 
Lübed, 5. November. 
Seine Köonigliche Hoheit der Herzog Ernst August von 
Braunschweig und Seine Majestät der König Ludwig von 
hayern haben dem Senate durch nachstehende Telegramme 
hre Thronbesteigung angezeigt: 
Braunschweig, den 3. November 1913. 
Melde dem Senat, daß ich die mir angefallene Re— 
zierung des Herzogtums Braunschweig am 1. November 
angetreten und meine Residenz heute im hiesigen Schlosse 
nenommen habe. Ernst August. 
München, den 5. November 1913. 
Dem Senat der freien und Hansestadt Lübeck gestatte 
ch mir zur Kenntnis zu bringen, daß ich die Regentschaft 
zemäh den Bestimmungen der Verfassung für beendigt er—⸗ 
Jlärt und den Thron meiner Väter als nächster Agnat be— 
stiegen habe. Ludwig. 
Der Senat hat beiden Herrschern telegraphisch seine Glück— 
ȟnsche ausgesprochen. 
Der Bürgerausschuhn hat in seiner heutigen außerordent⸗ 
ichen Sitzung die Senatsvorlage betr. Erlaß einer neuen 
Friedhofsund Begräbnisordnnung, nachdem eine 
tommission den Entwurf bereits durchberaten hatte, der Bürger— 
schaft zur Mitgenehmigung empfohlen. Nach dieser wird die 
Einführung der Progression bei den Abgaben für Beerdigungen 
nach der Einkommensteuer beabsichligt. Gutachtlich der Bürger— 
schaft zur Mitgenehmigung empfohlen wurden ferner die Se— 
natsanträge betr. Anlage von Wasserhauptrohren 
in der Einsiedelstrake und einigen anderen Straßen, 
owie die Herstellung einer Rampe bei dem Brügmannschen Holz— 
agerplatz und der Anschluß der mit Ofenheizung versehenen Ge— 
zäude des Allgemeinen Krankenhauses an die Fernheizung des 
Erweiterungsbaues mit einem Kostenaufwande von 88300 M, 
dem auf der anderen Seite erhebliche Ersparnisse in den laufen— 
oen Ausgaben gegenüberstehen werden. Außer diesen Vorlagen 
wurden noch mehrere Anträge auf Arealverkäufe sowie kleinere 
Bauten erledigt. Die Beratung des Erlasses eines Gesetzes, 
zetr. die Versorgung der Angestellten und Arbeiter des lübecki— 
chen Staates und der Stadtgemeinde Lübeck, wurde auf die nachste 
ordentliche Sitzung vertagt. 
V. St. Lorenz⸗-Verein. Der gestrigen Versammlung 
unächst ein Gesuch des Vereins Oeffentliche Bücher⸗ und Le 
zalle vor, in welchhem um Gewährung eines Beitrages sür di 
kinrichtung der Zweigstelle der Bücher- und Lesehnlfe in der 
Borstadt St. Lorenz gebeten wurde. Die Versammsfung be⸗ 
villigte für das laufende Jahr einen Beitrag von 20 V. So— 
dann wurden Wünsche zum nächstjährigen Staatsbudget er—⸗ 
Ttert und zwar zunächfst die Eingaben der Anwohner der 
Jarlstraße usw. an die Baudeputation um Pflasterung des 
rußweges der Karlstraße zwischen Echwartauer VUflee 
und Katharinenstrahe, sowie an die Verwaltungs 
behörde, für ftädtische Gemeindeanstalten umbessere 
Beleuchtung dieses Straßenteiles. Die Versammlung 
war der Ansicht, daß beide Gefuche ihre volle Berechtigung 
hätten und beschloß deswegen ihre Unterstützung. Des weiteren 
vurde der Ausbau der St. Lorenz Badeanstalt zu einer Doppel— 
Badeanstalt angeregt, mit der Begründung, daß ihre jetzige 
Benutzung dadurch erheblich beeinträchtigt werde, datßz Frauen 
ind Männer sich mit einer Badeanstalt behelfen müßten. Der 
Ausbau der Badeanstalt zu einer Doppelanstalt werde nur 
twa 70008000 Mi erfordern und der Pächter sei bereit, 
ine um so viel höhere Vacht zu zahlen, daß eine angemessene 
Verzinsung der Kosten gewährleistet sei. Die Versammlung be⸗— 
schloß, an die Baudeputation das Ersuchen zu richten, die 
ür den Ausbau der Badeanstalt St. Lorenz zu einer von Frauen 
uind Männern gleichzeitig zu benutzenden Doppel⸗Bado instalt 
rforderlichen Kosten in den nächstiährigen Haushee: oplan 
einzustellen. Zur Sprache kamen sodann eine Reihe von Wün—⸗ 
chen auf Verbesserung der Beleuchtung der Hansastraße, des 
rrummen Kreuzweges, der Lindenstraße, der Schwartauer Allee 
usw. Nach dem allbekannten alten Kirchengebet: „Greitz, Schleitz 
ind Lobenstein bitten Gott den Herrn um Regen und Sonnenschen, 
— und wenn die andern auch etwas wollen haben, mögen sie's 
hm selber sagen“ beschloß die Versammlung, die Verwaltungs— 
ehörde um Verbesserung der Beleuchtung der Hansastraße, ins⸗ 
esondere der Einmündung des Kreuzweges in die Hansastraße, 
owie der Lindenstraße zu ersuchen. Erörtert wurden auch tech— 
nische Vorschläge zur Verbesserung der Beleuchtung der Straßen. 
UVdan sah aber in der Erkenntnis, „daß alles, was nicht in 
er Alktenstube ausgebrütet wäre, bekanntermaßen doch nichts 
ei“, von der Befürwortung irgendwelcher Vorschlãge nach dieser 
Richtung hin ab. Sckhließlich gelangten noch die mangelhaften 
Zielverhältnisse in der unteren Lindenstraße und der Moislinger 
Allee zur Sprache. Die hierunter leidenden Anwohner der ge— 
iannten Straßen haben sich Anfang Juni beschwerdeführend an 
ne Baudeputation gewandt und um Abflellung der Mängel ge⸗ 
eten. Es ist ihnen erwidert worden, daß die Baudeputaton 
die Siele prüfen, in Erwägungen über ihre Verbesserungen ein⸗ 
reten und den Anwohnern von den in Aussicht zu nehmenden 
Verbesserungen Anzeige machen werde. Inzwischen sei über ein 
bierteliahr vergangen und die Anwohner hätten noch immer 
uichts wieder von der ESache gehört. Dem wurde entgegen⸗ 
jehalten. daß die Sielanlagen in der Vorstadt St. Lorenz 
begen des geringen Gefälles des Terrains ganz besondere Schwie⸗ 
igkeiten böten und es darum nicht verwunderlich sei, daß noch 
Ine Plane zur Verbesserung derselben fertig waren. Es wurde 
ber dennoch beschloffen, de Baudeputation zu bitten. die An— 
ecleaaheit möglichst zu bachlangat 
0 Niels Sörnfen, der jetzt alljährlich in Lübed wieder⸗ 
ehrende Lautensfänger, gab gestern im grünen Saal des 
tädtischen Saalbaues einen Liederabend. In der Aussicht 
uf einen genußreichen Abend hatte sich ein verhältnistnähßig 
ahlreiches Publikum eingefunden, im voraus dankerfüllt gegen— 
ber den zu erwartenden Liedervorträgen. Eine äußerst be— 
agliche. heilere Stimmung hält stets die Hörer umfangen, 
»enn Niels Sörnsen zum schönen Saitenschlag seiner Laute seine 
rnsten oder fröhlichen Weisen erklingen läzt. Die Vortrags⸗ 
»lge trug mit alten, neueren und niederdeutschen Liedern 
wie einem bunten Teil wohl jedem Geschmack des Publilums 
echnung. Sehr ansprechend wirkten die neu aufgenommenen 
emper⸗Lieder, besonders wirksam waren die plattdeut'chen 
ieder aus Schleswig-Holstein, aber auch die anderen, teils 
nsten, besonders die seinem Temperament am besten liegenden 
dhlichen und von sonnigem Humor erfüllten, mehrfach nach 
er eigenen Singweise des Künstlers dargebotenen Lieder fanden 
eichen Anklang im Publikum. Bei der Fülle der zu Gehör 
ebrachten Lieder wonen wir einzelner nicht Erwähnung tun sie 
urden alle mit rauschendem Beifall ausgezeichnet, so daß der 
zänger wiederholt Zugaben spenden mußte. Was den ohne— 
in poesiereichen Lautengesang bei Niels Sörnsen besonders 
aziehend macht, ist sein geistvoll belebter, lebendiger Vortrag, 
er, von reizvoller Schalkhaftigkeit erfüllt, den speziellen In— 
alt eines jeden Liedes fein zu charakterisieren weiß. Seine 
mpathische Persönlichkeit und sein frisches, liebenswürdiges 
luftreten lassen ihn schnell mit dem Publikum in engste 
rühlung treten. Daß er auch sein Instrument, das einst in 
zeigessenheit geraten, heute aber in manchen Kreisen wieder 
ↄpulär geworden, mit erstaunlicher Meisterschaft beherrscht, 
ewies der effektvolle Vortrag eines reizenden Solostückchens: 
Zapfenstreich“, das auf allgemeinen Wunsch wiederholt werden 
nißste. Der reiche Beifall und die ihm gespendeten Blumen 
derden dem Künstler bewiesen haben, wie sehr die Freunde 
iner heiteren Kunst ihm für den genukreichen Abend dankbar 
aren. 
SDie gesundheitlich wichtigen Verhä'tnisse und Einrich- 
magen der deutschen Seebad:orte, mit Ausnahme der medlen⸗ 
urgischen Seebäder, hat Herr Geheimer Ober-Medizinalrat 
r. R. Abel in Berlin unter Mitwirkung einer Reihe von 
erzten in einem dieser Tage im Verlage von August Hirsch-— 
zald in Berlin erschienenen Buche zusammengestellt. Travee— 
ründe behandelt in diesem Werke Herr Medizinalrat 
zhysikus Dr. Riedel hierselbst. Nach einer kurzen histo— 
ischen Einleitung folgen Erörterungen der Verwaltung Trave— 
ründes, seiner Verkehrsverbindungen, seiner geographischen 
'age und Klima, seiner Kureinrichtungen, der Pflege der 
m Orte Erkrankenden, des Wohnungswesens, der Gast—⸗ 
zfe, der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung des Ortes 
ud zum Schluß kurze Betrachtungen über besondere Heil— 
rfolge und Krankheitsindikationen. Die Aufnahme dieser Ab— 
andlung von berufener Seite in diesem Werke dürfte für 
ravemünde von guter Werbekraft sein, da das Buch sowohl 
on Aerzten wie auch Erholungsbedürftigen für die Auswahl 
nes Badeortes sicherlich eine starke Benutzung finden wird. 
Der Lokalvperband Lübed der Deutschen Bühnengenossen⸗ 
haft sendet uns folgende Zeilen mit der Bitte um Rufnahme: 
in diesem Jahre ist — ebenso wie in den beiden vorher— 
egangenen — vom hiesigen Lokalverbande der Deutschen 
zühnengenossenschaft wieder eine Prüfungskommission, be— 
ehend aus 5 Mitgliedern des Schauspiels und der Oper, 
egründet worden; an diese können sich junge Leute, weiche 
ch der Bühnenlaufbahn widmen wollen, zweckks einer 
zrüfung wenden. Gesuche find zu richten an den Obmann des 
okalverbandes Edgar Pauly, Fischergrube 23. Hauptzweck dieser 
zrüfungskommission ist es, den Andrang zu einer Laufbahn, die 
ohl eine der schwierigsten ist, möglichst einzudämmen! Sie 
iird nur denen dazu raten, welche nach ihrem Dafürhalten Aus— 
icht haben, etwas Großes zu erreichen! Sie hält es aber ebenso 
ür ihre moralische Pflicht, an dieser Stelle auf das dringendite 
1warnen vor der Unmenge von , Lehrern“, die sich in den 
ogeszeitungen anpreisen! Eben diese Lehrer — nur höchst 
lten durch Können dazu berechtigt — sind es meistens, die in 
nverantwortlichster Weise jungen Leuten Illussonen machen, nur 
m Geld zu verdienen, oft auch den Schülern durch Aussicht auf 
genanntes „Einspielen“ an einer von dem betr. Lehrer geleiteten 
zühne Sand in die Augen streuen. Endzwecd ist selbstredend 
ur, billigste oder völlig „gagefreie“ Mitglieder zu erwerben. 
- Siergegen kämpft unsere Bühnengenofssenschaft mit größter 
znergie und bittet Eltern und Kunstfreunde, sie darin möalichst 
u unterstützen. 
uc. Die Witterung im Noveniber soll nach den Mond— 
ierteln sein: Erstes Viertel (S. Nov.) trübe. — Vollmond (13.) 
auh und kalt. — Letztes Viertel (21.) deutet auf Schnee und 
rost. — Neumond (28) gelinde. 
— — — 
eueste Nachrichten und Telegramme 
der „L. A. und . Z., 
Die Königsproklamation in Bayern. 
.T. C. München, 5. Ner. GPrivalt lar. der Lubed schen 
uͤnzeigen. Eine Proklamation des Königs Lud⸗ 
»ig III. erklärt: Bayerns Herrscherhaus und Volk einpfiu⸗ 
en mit Mir seit mehr als 27 Jahren mit tiefer Betrübnis, 
afn König Otto durch schwere Krankheit an der Regierung 
erhindert ist. Die Art des Leidens schließt jede Möglichkeit 
mer Besserung aus. Die ernste Sorge um das Wohl des 
andes bestimmt Uns zu dem schweren Entschlutßz, auf Grimd 
er Verfassung die Regentschaft sür beendet und 
»en Thron für erledigt zu erllären. Wir haben daher 
ils Könia die Regierung des Landes ange, 
reten. 
M. Müuchen, 5. Nov. Die heutige Morgennummer der 
Nünchener Neuesten Nachrichten meldet: Heute vormittag gegen 
Uhr wird Prinzregent Ludwig von Bayern die Regentschaft 
ir beendet und den Thron erledigt erllären. Damit ist der 
hron frei und fällt ihm als König Ludwig IIIT. an. Dies wird 
fort durch eine feierliche Kundgebung bekannt gegeben werden. 
die Proklamation erfolat durch Anschlag, wie sie 1886 geschehen 
t. Die Eidesleistung des Königs erfolgt aller Voraus— 
cht nach am Sonnabend, nachdem sich die beiden Kammern 
1 dem ihnen unterbreiteten Material über den Geisteszustand 
ꝛs Königs Otto verfassungsmäßig geäußert haben. Die Eides— 
iftung geschieht in einer feierlichen Versammlung der Staats— 
cinister und der übrigen Mitglieder des Staatsrates, sowie 
ner Abordnung des Landtages. Der Eid des Königs 
autet: „Ich schwöre, nach der Verfassung und den Geseßen 
es Landes zu regieren, so wahr mir Gott helfe und sein heiliges 
zvangelium!“ Die Vereidigung der Truppen findet im Anschluß 
nn die Eidesleistung des Königs statt, wahrscheinlich am Sonntag. 
Nitte der nächsten Woche — der Tag wird noch bestimmt — 
it ein Landeshuldigungsakt in der Residenz in Aussicht genommen. 
Die griechische Antwortnote. 
PO. Athen, 5. Nov. Die griechische Regierung hat durch 
en Minister des Auswärtigen, Panas, ihre Antwort auf die 
stert eichischitalienische Note ũberreichen lassen. 
PCO. Rom, 5. Nov. Die Nachricht, daß Italien eine energische 
wonderaktion gegen Griechenland in der Frage der Räumung 
züdalbaniens unternehmen wolle, wird offiziell dementiert. 
„talien wird sich bei seinem Vorgehen gegen die griechische Re— 
ierung immer im Einvernehmen mit seinen Bundesgenolsen 
lfen 
Berlin 5. Nop. Der Gesetzent wurf über die Kona— 
essionierung von Buchmachern und die Zilassung 
ranzösischer Rennwetten ist im Reichsschatzamt fertigaestellt 
rorden. Augenblicklich finden Beratungen mit den zuständigen 
reußischen Ressorts über die einzelnen Bestimmungen des 
zesetzentwurfes statt. Im Reichsschatzamt hoffe man, den 
zesetzentwurf in der folaenden Tagung dem Reichstag vor— 
egen zu können. 
W. Lüneburg, 85. Nod. Der Könis der Beldier ist 
eute morgen, von Hamburg kommend, auf dem hiesigen Bakn⸗ 
ofe eingetroffen und hat sich zunächst nach der Kasecne des 
)Rragonerregiments Nr. 16, dessen Chef er ist, begeben. 
W. Washington, 5. Nov. In wohlunterrichteten Kreisen 
vird zugegeben, daß im Einklang mit Wilsons Ent- 
chlossenheit, den Anschluß Huertas herbeizu— 
ühren, Verhandlungen im Gange find. Im Zusammen⸗ 
ange damit sei eine weitere Mitteilung in der merikanischen 
zauptstadt übergeben worden. Es wird ijedoch erklärt, daß viese 
Mitteilung nicht den Charakter eines UIfimatums 
Jatte. 
* 
Eine ganze Familie ermordet. 
W. Wien, 5. Nov. Das Neue Wiener Tagblatt meldek 
us Krakau: In der Ortschaft Jamnischki bei Wilna ermordeten 
Banditen die aus 12 Personen bestehende Familie 
es jüdischen Kaufmanns Monczewski. 20 Ver— 
Ȋchtige sind verhaftet worden. 
Die Tochter jeines Chefs aus Rache erstochen. 
PC. Belfort, 5. Nov. Ein deutscher Untertan namens 
josef Kirstetter, der im Alter von 40 Jahren steht, hat eine 
urchtbare Bluttat begangen. Kirstetter war seit einem Monai 
m Café „Zum weißen Rößl“ als Kellner angestellt gewesen, 
ber Montag entlassen worden. Aus Wut über diese Ent— 
assung überfiel er Dienstag vormittag die 20 Jahre alte 
kochter seines bisherigen Arbeitgebers, Martha König, und 
rachte ihr zahllose schwere Messerstiche bei. Die Ueberfallene 
tarb wenige Minuten später an den Folgen der ihr beigebrachten 
Zerletzungen. Es ist bisher noch nicht gelungen, eine Sput 
es flüchtigen Kirstetter ausfindig zu machen. 
PC. Belfort, 5. Nov. Der deutsche Kellner Kirstetter, 
er gesfkern abend die Tochter seines früheren Arbeitgebers, 
»es Inhabers des Cafés „Zum weißen Rößl“, Martha Kö— 
rig, ermordete, ist kurz nach Mitternacht in Brevillieres 
erhaftet worden. Der Mörder liekß sich obhne Mider— 
tand verhaften. 
svchwere Eisenbahnkatastrophe in Frankreich. 
M. Melun, 5. Nov. Dicht vor dem Bahnhof Melun ist 
in Eilzug mit einem Postzug zusammengestoßen. Die 
drümmer gerieten in Brand. Mehrere Personen sind 
etötet und verletzt worden. Die Rettungsarbeiten sind im 
hange. 
W. Melun, 5. Nov. Bei dem Eisenbahnzusammenstoß sind 
rei Wagen des Eilzuges, wovon zwei der zweiten Wagenkla'se 
ngehörten, vollständig zertrümmert worden. Der Postzug setzte 
ich aus sieben Wagen zusammen, die ebenfalls zertrümmert 
urden. Dieser Zug führte zwei Pachkwagen mit, in welchen 
ich etwa 50 Beamte befanden. Der Postzug, der nach Marseille 
ing, fuhr dem von Marseille kommenden Eilzug schräg in die 
deite. Um Mitternacht brannten die Wagen noch. Etwa 
ünfzehn Opfer wurden aus den Trümmern 
eroßrgezogen. Zehn Personen sollen getötet worden 
ein. Der Lokomotivführer des Eilzuges, der die Haltesignale 
ibersohren haben soll. ist verhaftet worden. 
W. Varis, 5. Nov. Zu dem Eisenbahnunglück bei Melun 
vird gemeldet: Es scheint, daß die Mehrzahl der Verunglücktten 
Lostbeamte sind. In den beiden Postwagen des überrannten 
Bostzuges befanden sich 21 Postbeamte, die insgesamt ver— 
chwunden sind. Man hält es zwar für möglich, daß einige 
von ihnen, von panischem Schrecken ersaßt, ver— 
chwunden sind. Man befürchtet jedoch, daß die meisten 
»erbrannt sind. Unter den Verletzten ist ein Ham⸗— 
Uurger namens Max Aberbach aufgeführt. In dem Marseiller 
kxpreßzug befanden sich zahlreiche holländische Reisende, die 
neist nur unbedeutende Quetschwunden durch herabstürzende Ge— 
äckstüde erlitten. 
W. Melun, 5. Nov. Das Cisenbahnunglück wird auf Fahr— 
äsfigkeit des Lokomotivführers des Schnellzuges Dumaine 
urũckgesührt, der den von Marseille mit einer Fahrgeschwindig 
eit von 90 km in der Stunde kommenden Zug, trotzdem die 
zignale ihm die Durchfahrt durch Melun nicht fresgegeben hatten. 
uf das Geleise fahren ließ, auf dem der Postzug ankam. 
dach dem Zusammenstoß explodiertendie Gasbehälter 
nd setzten die Trümmer in Brand. Hilfszüge wurden 
ofort abgeschict, aber das Rettungswerk gestaältete 
ich außerordentlich schwierig, da die Ungluͤds⸗ 
telle nur von dem Scheine von Petroleumlampen und den 
rennenden Trümmern erhellt waren. Die Lokomotive des 
zchnellzuges, die dem Postzuge in die Seite gefahren war, 
atte sich über einen Meter tief in den Boden eingewühlt. Um— 
Nitternacht sind noch 13 Leichen geborgen morden; 14 
Ferletzte wurden ins Hospital gebracht. Um 224 Uhr traf 
zer Handelsminister an der Unfallstelle ein. Um 3 Uhr nachts 
Aurden noch zwei verkohlte Leichen unter den Trümmern her⸗ 
orgezogen. Die Flammen waren erloschen, so daß vollstän— 
ige Finsternis herrschte. Die Verwirrung war unbe— 
hreiblich und die Rettung der Verletzten war außer— 
rdentlich schwierig. Eine junge Frau war unter den Tender der 
okomotive des Schnellzuges geraten. Sie hatte das Le— 
»ußtsein nicht verroren und rief verzweifelt um Hitffe. Ihr 
zatte, ein Hauptmann der Infanterie, starb im Hosoitai. Em 
zostbeamter sagte aus, daß der Zug bei dem Zusammenstoß 
ine Geschwindigkeit von 40 km hatte, als der Wagen, in 
em er fich befand. zerschmettert wurde. Et sah Meiichen 
»ie wahnsinnig davonstürzen. Dann hörte er zuwer 
kxplosionen. Er glaubt, daß etwa 20 seiner Kameraden 43- 
ötet wurden. 9 Leichen fsind noch nicht ertaanzt. 
der Zugführer Dumaine ist leicht am Kopf verletzt. Er be— 
Cuptet, das Signal habe auf „Frei“ gestanden. Der Heiter 
ik unverlekt 
4
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.