Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

zentralvereinigung für handel und Gewerbe. 
Den gestrigen zweiten und letzten Beratungstag der 
3. Generalversammlung der Zenttalvereinigung deutscher Ver- 
eine für Handel und Gewerbe eröffnete der Vorsitzende Linke 
Berlin) mit verschiedenen geschäftlichen Mitteilungen. Hierauf 
eferierte Doßke (Gransee) über den Antrag des Kaufmännischen 
Vereins Gransee (Mark) betr. „Die Stellung der preußischen 
Regierung zu dem Beschluß des Abgeordnetenhauses bezüglich 
Aenderung des Warenhaussteuergesetzes“. Der 
Referent schlug eine Resolution vor, in der es heißt: 
„Die Generalversammlung der Zentralvereinigung deutscher 
Vereine für Handel und Gewerbe, Sitz Berlin, beklagt es 
lebhaft, daß die Königl. Staatsregierung dem Beschluß des 
Abgeordnetenhauses betreffend eine tunlichst baldige Vorlegung 
eines Gesetzentwurfes zur Erhöhung der Warenhaussteuer und 
zetreffend Verwendung der Warenhaussteuererträge keine Rech- 
rung getragen hat. Bezüglich der Verwendung der Erträge 
cchlägt die Versammlung vor, über die Klasse IV der Gewerbe— 
teuer hinausgehende Beträge den Kommunen zu überweisen. 
Der Vorstand wird beauftragt, bei der preußischen Regierung 
»on neuem dringende Vorstellungen zu erheben.“ Die Resolu— 
ion wurde einstimmig angenommen. Sodann be— 
handelte man die Klagenüber die Spirituszentrale, 
vorauf Bürgermeister Eberle Mossen) einen Vortrag über 
„Welchen Zweck soll die Gemeinschaftsarbeit 
zwischen Industrie, Landwirtschaft und selbst— 
tändigem Mittelstand haben?“ hielt. Der Redner 
sührte aus: Die Einflußlosigkeit des Bürgertums resultiert 
daraus, daß der Mittelstand heute noch aus ungezählten ein— 
zelnen Teilen besteht, die keine feste und klare Bindung haben. 
zhnen fehlt noch der feste Wille, ihre Organisation zu einer 
Kampf-Organisation zu machen. Nach und nach hat 
nan freilich eingesehen, daß man bestrebt sein wuß, die 
ßSrundlage der Kraft unseres Volkes, die selbst- 
tändigen Exristenzen, wo sie noch da sind, zu erhalten. 
dem Mittelstand fällt es nicht ein, durch eine Uebertreibung 
»es Produzentenstandpunktes Schätze zu sammeln; wir wollen 
nur eine Gewähr, daß der Mittelstand nicht weiter verelendet. 
Es war das Elend des Mittelstandes, daß er es nicht ver—⸗ 
tanden hat, allen denjenigen, die ihn mit politischen Redens⸗ 
irten an der Nase herumführten, zu sagen: Wir folgen euch 
nicht! Wer uns von dem Bündnis der drei produktiven 
MNittelstandsgruppen entfernen will, denen müssen wir sagen: 
du bist unser Feind! Wir haben gelernt zu begreifen, daß 
vir uns nur selbst helfen können: folgen Sie uns, dann ist 
»er Sieg unser. (Anhaltender lebhafter Beifall) Sodann 
Jelangte ein Antrag des Vereins der Kolonialwarenhändler zu 
Zöniasberg i. Pr. und des Verbandes der Detaillisten- und 
handelsvereine in Schleswig-Holstein, Sitz Neumünster, be— 
reffend die sogenannte Voltsfürsorgeversicherung 
ind der Mittelstand zur Erörterung. Es wurde hierzu eine 
zesolution angenommen, in der die Unterstützung der 
Bolksversicherung auf nationalem Boden, wie sie geplant ist, 
mpfohlen wird. — Weiter wurde auf Antrag des 
zieler Detaillistenvereins die Krankenversicherung 
rer Jelbständigen Kaufleute empfohlen. — 
Ein Antrag des Verbandes der Vereine zum Schutz des Han⸗ 
dels und des Gewerbes in der Provinz Schlesien über die 
Steuerhinterziehung der Konfumvereine wird 
mit einem Antrage des Gesamtvorstandes über die Besteuerung 
des Wareneinkaufs im großen und Abfatzes im kleinen nach 
dem Unmlatz zusammen beraten. — Vogel Greslau) schlägt 
ine Resolution vor, in der es heißt: „Die Generalver— 
ammlung beauftragt den Vorstand, bei der Regierung vor— 
tellig zu merden. daß es den Konsumvereinen unlichst bold 
»urch Cesetz unmöglich gemacht werde, sich der gerechtfertigten 
Besteuerung zu entziehen. Die Versammlung sedauert, daß 
richt alle bürgerlichen Parteien dem 8 15 des Einkommen— 
teuergesetzentwurfes ihre Zustimmung gegeben haben, decr durch⸗ 
ius geeignet war. der Steuerhinterziehung der Konsumvereine 
in Ende zu bereiten.“ Generalsekretär Bergmann referiert 
odann über die Bestenerungdes Wareneinkanfs nach 
dem Umsatz. Redner gibt der Hoffnung Ausdruck, daß das 
zentrum seine Ansicht in Sachen der Konsumvereinsbesteuerung 
soch reoidieren werde. Er schlägt folgende Resolution 
»or: „Die Generalversammlung hält die Besteuecung der 
zleinhandelsbetriebe nach dem Ertrag für durchaus berechtigt. 
kine Steuer nach dem Umsatz kann mit Rücdsicht auf die 
zroßen Verschiedenheiten der Erträge der einzelnen Branchen—⸗ 
geschäfte keineswegs als wünschenswerte oder zerechte Be— 
teuerung bezeichnet werden. Dagegen erklärt die Verßamm— 
ung, daß entsprechend dem Entschluß aller Mittelstandsorgeni— 
ationen vom Jahre 1910, daß eine Besteuerung der Konsum— 
vereine Werkkonsumanstalten, deren Warenverteilung durchweg 
nebeitimmten Warengruppen erfolgt, die sich jeder gerechten 
Besteuerung entziehen können, in gerechter Weise nur nach 
Umfatz erfsolgen kann.“ Beide Resolutionen fanden die Zu— 
timmung der Versammlung 
IR 
Bei der ehrgeizigen Schwägerin stöhßt er dabei auf offenen 
Widerstand. Reginald dagegen erwidert das ihm stets aufs 
eue bewiesene Wohlwollen des verehrten Onkels durch innige 
zuneigung. — 
Es ist an dem Abend jenes Tages, an dem Irene den ver— 
aängnisvollen Brief ihrer Mutter erhielt. 
In fieberhafter Erregung geht sie in ihrem Boudoir auf und 
ab, dabei von Zeit zu Zeit hinaushorchend, ob noch immer 
nicht unten der Magen, der ihren Gatten und Reginald nach 
ver „Grand Opera“ bringen soll, davonrollt. 
Es hatte schwer gehalten, die beiden zu bewegen, ohne sie 
zu fahren. Erst, als Irene versicherte, sie werde nachkommen, 
sobald ihr Kopfweh sich gebessert habe, gaben die Herren 
hrent dringenden Wunsche nach. 
ssfortsetzung folqt.) 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
D. Die neuen Herren der Grotzen Oper. Aus Paris 
ichreibt uns unser Korrespondent: Franzslische Mi— 
tister haben manchmal eigenartige Einfälle. Die Ernennung 
Jatques Rouchés zum Direktor der Großen Oper it ein 
olcher Einfall des Ministerpräsidenten Barthou gewesen. Wird 
er sich als gut erweisen? Rouchs ist, trotz seiner 53 ahre, ein 
unbeschriebenes Blatt ohne musikalische Vergangenheit. Er 
jat wie sein Vater, der bekannte Geometer Rvuché, Mathematik 
tudiert, ist inmal im Jahre 1885 einige Monate Kabinettschef 
»es Handelsministers Dautresme gewesen, und hat darauf 
in der Großindustrie angsam ein Vermögen erworben, das ihm 
gestattete, nebenbei deinen künstlerischen Neigungen zu leben. 
Zo löste er vor einigen Jahren den aus dem Dreyfus-Prozeß 
velannten Anwalt Labori in der Leitung der Zeitschrift La 
Hrande Nebne ab und schuf das „Théatre des Arts“ als eine 
Die Versammlung erörterte dann gemeinsam drei An— 
träge, die sch auf den Warenbezug durch die Be— 
iumten, die Entwicklung der Konfsumvereine und 
»ie Bekämpfung des irregulären Detailhan—-— 
»els bezogen. Landtagsabgeordneter Hiller (Stuttgart) be— 
andelte die gefahrdrohende Entwicklung der Konsumvereine 
ller Art. Die Führer der Konsumvereine sind natürlich 
eutral. Es ist nur Zu fall, daß ihr Führer in Württemberg 
in Sozialdemokrat ist, und Zufall, daß ihre Bilanzen 
llein in der sozialdemokratischen Tagwacht ver— 
ffentiicht werden. (Große Heiterkeit, Das Bürgertum hat 
len Anlaß. seine Stellung zur Konsumvereinsfrage einer 
devision zu unterziehen. Selbsthilfe und Staatshilfe müssen 
a eingreifen. Der Referent bringt in seiner Resolution zum 
susdruck, daß die Konsumvereine Macht mittel der So— 
ialdemokratie find, die unser Volk in seiner Gesamt— 
eit bedrohen. 
Die einschlägigen Resolutionen werden sodann von der 
Versammlung nach einer Aussprache gebilligt. 
In später Abendstunde schloß der Vorsitzende die Ver— 
ammlung mit Dankesworten an die Teilnehmer. sh. 
* 
Deutsches Reich. 
Daͤe Beendigung der Regentschaft in Bayern. Die Kammer 
»er Abgeordneten wird am Freitag vormittag den Zust i m⸗ 
nungsabkt zu vollziehen haben und zuvor in geheimer Sitzung 
arüber beraten und beschließen, ob die Gründe zur Beendigung 
er Regentschaft ausreichend sind. Der Zustimmungsakt der 
ẽrsten Kammer ist für Freitag nachmittag in Aussicht ge— 
ommen. Zu den gehe'men S'itzungen der beiden Kammern wird 
ls Regierungskommissar eine psychiatrische Autorität entsandt 
yerden. Außerdem werden beiden Kammern die ärztlichen Gut— 
chten über den Gesundheitszustand des Königs Otto vorgelegt 
verden. 
Herzog Ernst August und die Welsen. Die Köln. Zig. 
neldet offiziöss aus Berlin: Von einzelnen Blättern ist eine Er— 
lärung des Herzogs von Braunschweig über seine 
ztellung zur hannoverschen Welfenbewegung vermißt 
„orden. Die amtliche Kundgebung des Herzogs beim Regie— 
ungsantritt habe zu einer solchen Erklärung kaum den geeig— 
eten Anlak geboten. Es ist aber beachtenswert, daß in seiner 
Thronrede der junge Herzog erklärte, er fühle sich in jeder 
zeziehung als Braunschweiger. Darin liegt in einer 
ür niemand verletzenden Form die Erklärung, dakß er sich 
richt als Harnnoveraner fühle. Zu einer ausdrücd- 
chen Zurückweisung von Bestrebungen der Welfen war auch 
eshalb kein Anlak gegeben, weil diese Bestrebungen an den 
ungen Herzog vor und nach semer Thronbesteigung bisher nicht 
erangetreten sind. 
Die Kard'datur des Prinzen zu Wied. Zu der Nachricht, 
er Prinz Wilhelm zu Wied habe die Kandidatur für den alba— 
ischen Thron angetreten, meldet die Köln. Ztg. aus Berlin: 
Bahrscheinlich liegen vom Prinzen zu Wied schon Erklärungen 
or, die eine grundsätzliche Bereitwilligkeit zur 
mnnahme der Anwartschaft auf den Thron erkennen lassen. 
s sei aber darauf hingewiesen, dak der Prinz, bevor er die 
degierung in Albanien anrete, gewisse Vo fragen erledigt sehen 
nöchte. Ueber die Erfüllung dieser Voraussetzung schweben 
urzeit noch Verhandlungen. 
Eine russ sche Bedrohung der deuisch m Land rir Rchast. Seit 
iniger Zeit weilt, wie die Tägl. Rundsch. erfährt, ein russischer 
andarbeiterkommissar in Berlin, dessen Aufgabe es sein soll, 
ie Lage der russisch-polnischen Landarbeiter, die alljährlich zur 
rntezeit nach Deutschland kommen, zu untersuchen und der rus— 
schen Regierung die Ergebnisse seiner Untersuchung mitzu—⸗ 
eilen. Der russische Kommissar, ein baltischer Gutsbe'itzer, hat 
mfangreiche Erhebungen darüber angestellt, inwieweit die 
eutsche Landwirtschaft von den russischen 
zaisonarbeitern abhängig ist. Nach den bisherigen 
feststellungen beträgt die Zahl der russischen Landarbeiter, die 
lliährlich in der deutschen Landwirtschaft Beschäftigung finden, 
twa 225 000. Noch größer ist die Zahl der polnisch-ruthenischen 
randarbeiter aus Galizien. Offiziell wird die Aufgabe des 
ussischen Kommissars als Studienreise zur Erforschung der 
irtschaftlichen Lage der russischen Arbeiter bezeichnet; tat— 
ächlich will Herr v. Schulz feststelsen, welche Folgen fär 
ie deutsche Landwirtschaft entstehen würden, wenn die rus— 
sche Regierung künftighin den Erntearbeitern das 
leberschreiten der deutschen Grenze verböte. 
Die russische Regierung hat nämlich die ernstliche Absicht, die'e 
Baffe gelegentlich der künftigen Handelsver— 
räge zu verwenden, um bestimmte russische Forderungen durch— 
udrücken. In erster Linie will die russische Regierung die voll— 
tändige Beseitigung der Einfuhrscheine durchsetzen. Der Kom— 
nissar, der sich Herr v. Schulz nennt, hat nun die Aufgabe, 
einer Regierung das Material in dieser Frage an die Hand 
u geben, damit diese in der Lage ist, es bei den Handelsver— 
raasverhandlungen als Druckmittel zu benuten 
Art Versuchsbühne für seine dramatischen und musidalischen 
zIdeen. Die Vergangenheit Rouchés ist also, wenn man mit dem 
ewöhnlichen Maß messen will, sicher keine, die ihn zur Lei— 
ung der größten musikalischen Bühne Frankreichs berechtigen 
önnte. Aber die Regierung scheint weniger auf Rouchés Ver— 
angenheit, als auf seine Pläne geachtet zu haben. 
Ich kannte“ — so erzählt der neue Direktor 
»er Großen Oper — „den Ministerprässdenten Barthou 
sis vor zwei Monaten nicht. Da lernte ich ihn bei einer 
esellschaftlichen Veranstaltung der „Gesellsschaft der Musik 
reunde“ kennen und hatte wenige Tage später Gelegenheit, 
hm meine Pläne über die Leitung der Großen Oper zu unter⸗ 
reiten. Er hörte mir aufmerksam zu, und sie scheinen seine 
zeistimmung gefunden zu haben.“ Auf die Frage nach diesen 
zlänen erwiderte Rouchs: „Ich verfolge ein sehr einfaches 
ziel: ich will an der Wiedergeburt der französischen Kunst 
nitarbeiten. Wir werden mit einer „Münchnerischen“ Kunst 
-Rouché meinte wohl „Bayreuther“ Kunst — überschwemmt, 
ie jedoch größtenteils aus Frankreich selbst kommt (72) und 
erwässert ist. Wir müssen den französischen Künstlern wieder 
zren alten Platz und ihre alte Achtung erkämpfen und die 
zroße Oper den Komponisten, Sängern und Dekorateuren 
xrankreichs weihen. Das ist mein Ziel.“ Kampf gegen 
Vagner lautet ass-o der Ruf Rouchés. Die klassischen Werke 
es großen deutschen Meisters, die hier eine zweite Heimat 
efunden hatten, sollen verdrängt und durch national⸗-franzö— 
sche Stücke ersetzt werden. Ob dies der Entwicklung zum 
zorteil gereichen, vor allem aber, ob es die Kassen der 
)per während der sieben Direktionsjahre Rouchés füllen wird, 
t noch sehr fraglich. Wagner kann aus Frankreich nicht 
dieder verdrängt werden, wenngleich selbst ein Kümftler, wie 
er jetzt 70jährige Saint-Saens, seinen Einfluß auf die franzö— 
ische Musik für verderblich hält. Vielleicht kommt Rouchés 
Ausland. 
Desterreich⸗ Ungarn. 
PC. Sturmfzenen im ungarischen Abgeordnetenhause. In 
der gestrigen Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses kam 
s zu großen Sturmszenen, so daß fsich der Präsident veranlaßt 
ah, die Parlamentswache wieder in Aktion treten zu lassen. 
zu Beginn der Sitzung protestierte die Opposition durch einen 
hrer Redner gegen das Einschreiten der Parlamentswache. Nach 
zerlesung der Erklärung der Opposition durch den Grafen 
lpponyi sprach der Abgeordnete Benedekt gegen die Schwur— 
Jerichtsreform. Da es nach der Rede Benedekts bereits 2 Uhr 
zeworden war, schritt der Präsident zur Festseßzung der Tages 
»rdnung der nächsten Sitzung. Sowohl nach der alten wie 
»er neuen Geschäftsordnung haben vier Redner das Recht, zu 
jesem Punkt zu sprechen, und zwar werden in der Regel e 
nedner der Majorität und zwei der Opposition berücksichtigt. 
bgeordneter Lovaszy, der von seiten der Opposition als 
rster Redner das Wort ergriff, erklärte, daß er der vorge— 
hlagenen Tagesordnung „nicht zustimme, weil dieses Abge— 
rdnetenhaus nicht das Recht habe, Gesetze zu schaffen, und 
veil die Majorität keine Berechtigung habe, hier zu sitzen. 
Der Präsident erteilte dem Abgeordneten einen Ordnungsruf 
ind sorderte ihn auf, zur Tagesordnung zu sprechen. Lovaszy 
uhr ed in seiner Rede fort. Schließlich entzog der Präsi— 
ent dem Abgeordneten das Wort und suͤspendierte die Sißung. 
s erhob sich ein ungeheurer Krawali Nach einiger 
„eit, als sich der Lärm etwas gelegt hatte, erteilte der Praͤsi— 
ent dem Abgeordneten Illos von der Regierungspartei das 
Vort. Gleichzeitig mit dem Redner erhob sich Lobaszy und 
uhr, unbekümmert um die Wortentziehung, in seiner Rede 
ort. Beide Redner sprachen jetzt gleichzeitig unter großem 
ären des Hauses, so daß kein Wort zu verstehen war. Der 
Jräsidem suspendierte daher abermals die Sißung. Bei Wieder— 
röffnung das gleiche Schauspiel! Die Unruhe und der 
Lärem wurden immer größer, so daß die Sitzung zum 
»ritten Male, suspendiert wurde. Als nach Wieder— 
röffnung abhermals beide Redner gleichzeitig zu sprechen an— 
ingen, iet der Präsident die Parlamentswache herbei, 
ie unter Führung eines Offiziers den Sitzungssgal betrat. Als 
ie Parlamentswache erschien, erhob sich die Opposition und 
»erließ unter dem Ruf: „In einer Kaserne verhandeln 
vir nicht!“ den Saal. Sodann wurde von der Wiaiorität 
ie Tagesordnung angenommen und die Sitzung gegen 34 Uhr 
inter großer Erregung geschlossen. 
Kossuth schwer erkrankt. Der 72jährige Führer der Oppo— 
iition in Ungarn, Franz Kossuth, ist so schwer erkrankt, daß 
an seinem Aufkommen gezweifelt wird. 
RNiAicu 
Ver KiuppeProzeß. Auf eine Anfrage des Liberalen 
Fléchet, ob der Krieasminister nicht Veranlassung, neh— 
nen wolle, eine Untersuchung einzuleiten, weil im 
drunp⸗Prozeb der Zeuge vp. Metzen erklärt habe, er habe als 
belgischer Vertreter der Firma Krupp bedeutende Summen 
zusgegeben, antwortete der Kriegsminister, es liege für ihn 
keine Veranlassung dazu vor. 
Frankreich. 
WMarlamen!serss5fnung. Das Parlament hat seineSitzungen 
pieder aufgenommen. In der Kammer legte der Finanzminister 
den Etatsentwurf für 1914 vor. Trotzdem Ministerpräsident 
3arthou erklärte, daß es unmöglich sei, die Wahlreform in 
„eiden Kammern vor dem Ende der Legislaturperiode zum Ab— 
hluß zu bringen, beschloß die Kammer mit 291 „egen 273 
ztimmen an erster Stelle die Wahlreform zu er— 
rtern. Ministerpräsident Barthou trat für eine Erörterung 
»es Entwurfs zur Verteidigung der Laienschule ein. Im Senat 
rachte der Kriegsminister einen Ergänzungsentwurf zum Ge⸗— 
etz über die dreijährige Dienstzeit ein. Die Gesamtsumme der 
m Budget für 18914 geforderten Kredite beträgt rund 
373 300 000 Irs.: die Vermehrung der Ausgaben wird auf 
ingefähr 681 Millionen, die durch die Einnahmen nicht ge— 
»echte Summe auf 794 Millionen ges,chätzt. Der 
Finanzminister schlägt vor, vorläufig 404 Millionen Aus 
zaben für Marokko einzuseßen, für deren Aufbringung ein 
Tnleiheentwurf vorgelegt werden wird. Der Ueberschuß von 
00 Millionen aus den Einnahmen von 1912 wird auf das 
zudget für 1914 übertragen und der noch aufzubringende Nest 
son ungefähr 288 Millionen soll durch Taxberichtigungen 
ind neue Steuern beschafft werden. Darunter sind herpor—⸗ 
uheben: eine Zusatzsteuer für den Verkauf von Stein— 
ohlen, Verdoppelung der Steuer auf Börsen— 
perationen, eine einprozentige Herabsetzung des Passier— 
ewichtes in den Zollerklärungen und Ausdehnung der Stemnpel⸗ 
euer auf fremde, an der Börse nicht gehandelte Wercpapiere. 
)die Kammer beschlok mit 441 gegen 123 Stimmen, die Be— 
atung der Schulgefetze an die zweite Stelle der 
TR zu setzen. Darauf wurde die Sihung gea⸗ 
hlossen. 
Einführung der Erbfchaftssteuer. In der gestrigen Sitzung 
es Ministerrates verlas der Finanzminister ein Exposé zur 
zegründung des Haushaltsplanes von 1914, den er der 
dammer „orlegen wird. Der Ministerrat billigte den Gesen— 
ntwurf betresfend die Erbschaftssteuer auf Kapitalvermögen. 
England. 
Somerule und Ulster. In einer Versammlung von über 
3000 Geschãstsleuten in Belfast, die ein Kapital von fast hun⸗ 
ert,Willionen Pfund vertraten, wurde einstimmig eine 
eẽntschließung angenommen, in der die Zahlung samtliher 
Steuern verweigert wird, sobald irgendein Versuch zur 
Iuwendung der Somerul,e gemacht werde, und in der die 
S„ympathie mit der Organisation der Freiwilligen für Uister 
rusgedrückt wird. 
Die Beteiligung an der Weltausstellung in San Xtanzisdo. 
ks wird jetzt Näheres über das engllische Komitee, be⸗ 
rannt, das ähnlich wie das auf Balsins Initigtive gebildete 
deutsche die Beschickung der Weltausstellung in San Franzisko 
— —— — — 
Plan nur dem Elysee-Theater des Herrn Astruo zugute, der 
zererts eine Spielzeit lang durch sein klassisches Opernprogramm, 
as selbst „Freischütz“Aufführungen unter Weingartners 
eitung brachte, manchen Freund der großen Oper an sich 
essekte. Jacques Rouché weiß, daß große Pläne allein einen 
iusikalischen Dilettanten nicht an der Spitze von Frankreichs 
)Rpernbühne halten können. Er hat daher Camille Chevillard 
ls Unterdirektor gewonnen. Chevillard, der als Professor des 
omnervatoriums eine ersprießliche Lehrtätigkeit entwickelt, hat 
ch als Schöpfer und Dirigent der Lamoureux-Konzerte einen 
damen gemacht. Einige seiner Kammermusikstücke und Sonaten, 
»wie die Musik zu Eduard Schurés „La Roussalka“ sind bei 
sten Aufführungen beifällig aqufgenommen worden und zeichnen 
ch durch saubere Technik und feines Empfinden aus. Die Be—⸗ 
ufung Rouchés an die Spitze der Großen Oper bleibt selbst 
nit der Unterstützung Chevillards ein gewagtes Experiment. 
dur erhofft man von ihm, gerade weil er ein unbeschriebenes 
zlatt ist, daß er seine Pläne durchsetzen und eine französische 
dationaloper entstehen lassen wird. Die musikalische Welt 
In Paris sieht jedenfalls seinen Taten mit Erwartung ent— 
egen. 
Kleine Mitteilungen. Siegfried Wagner wird sich in 
en nächsten Tagen den Chemnitzer Theaterfreunden als Diri— 
ent und Komponist vorstellen. Er dirigiert am 9. Nop. im 
deuen Stadttheater Richard Wagners „Rien⸗ei“, der die'er 
'age neu inszeniert wurde, und leitet die Chemnitzer Erstauf— 
ihrung seiner eigenen Oper „Herzog Wildfang“. — In 
zisenach hat sich ein finanzkräftiges Kon'sortsum geridet, das 
nuden nächsten Jahren große „Tannhäuser“ Aufifüh— 
ungen im Freien veranitalten will. — Das ichle— 
ische Musikfest in Görlitz hat mit eitenn Fehebetrag 
von über 8000 Muabgeschlossen. Das nächste Feit soll im 
zahre 1916 stattfinden.
	        
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