Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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J4AI 
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Ausgabe 
4 
—E 4J— 
ena, dem 3. November. — 
ESchluß) 
2 
Aenderungen des Gesetzes über die Zuschläge 
zur Reichserbschaftssteuer 
Es sollen die Zuschläge für Abkömmlinge ersten Grades 
don Geschwistern von 100 60 auf 60 90 und die Zuschläge für 
Abkömmlinge zweiten Grades von Geschwistern von 668 6 
wuf 28 60 ermähigt werden. Diese Ermäßigungen entsprechen 
den durch das Reichsgesetz über Aenderungen im Finanzwege 
»om 3. Juli d. J. getroffenen Erhöhungen. Die Ermäßigung 
nußte vorgenommen werden, weil die Reichserbschaftssteuer und 
die lübeckischen Zuschläge zusammen nicht höher sein sollen, 
als die Sätze des früheren lübeckischen Erbschaftssteuergesetzes. 
B.M. Löowigt bittet, den Antrag abzulehnen. Diese 
ehr gerechte Steuer solle jetzt eine Ermäßigung erfahren. 
weil die Reichserbschaftssteuer eine Veränderung erfahren 
abe Die Sätze für Abkömmlinge ersten und zweiten Grades 
ollten daher herabgesetzt werden. Aus finanziellen Grün— 
den stimme er dagegen, weil durch den entstehenden Einnahmne⸗ 
hn die Allgemeinheit mit anderen Steuern belastet werden 
würde. 
Senator Dr Vermehren: Es sei natütlich zu be— 
dauern,. daß I die reichsgesetzlichen Bestimmungen ein Aus— 
all an Erbschaftssteuer von Ib 000 M. iährlich eintreten werde. 
Aber trotzdem habe der Senat geglaubt, eine Ermäßigung 
des Zucage zur Reichserbschaftssteuer vorschlagen zu sollen, 
veil durch die Beibehaltung der jetzigen Sätze außerordentlich 
ohe Steuersätze erhoben werden, müßten, die uns wirtschaftlich 
Nachteile bringen könnten. Diese hohen Sätze seien auch in 
nancher Hinficht mit schuld daran, daß der Zuzug nach Lübed 
ticht so großz sei, wie es wohl wünschenswerf wäre. Es 
en nur die alten Sätze des ursprünglichen Geletzes bestehen 
erben. 
BeM. Dahms hält die Begründungen des Senatskom- 
missars Herrn Senator Dr. Vermehren gegenüher den vorge— 
brachten Einwänden für durchaus berechtigt. Man müsse das 
Besetz guf seine Wirkung nach außen ansehen, es würden heute 
zar leicht Vergleiche mit umliegenden Staaten gezogen. Würde 
nan nur mit Personen zu rechnen haben, die hier auf den 
Platz angewiesen seien, hier ihren Berdienst und ihren Wirkungs- 
deis haben, so, könne man sich ja quf, den Standpunkt eines der 
VBorredner slellen, wenn man prinzipiell dazu neige; aber es 
zandle sich jetzt vor allem darum. Personen, die nicht auf Lübed 
ingewiesen seien, hier zu halten und nicht fortzutreiben. Die 
Senatsvorlage suche einen Ausgleich und sei daher zu begrüßen. 
7., Das Gesetz bedürfe aber guch noch nach einer weiteren 
Richtung der Beobgchtung. nämlich in bezug auf die Wirkung 
des 84, von der Abgabe von Deszendenten, ehelichen Kindern 
handelnd. Der Senafskommissar habe bereits im Bürgeraus- 
chutz mitgeteilt, daß der Senat diesen Punkt des Gesetzes wohl 
beachte, aber die Zeit zu einer Veränderung, noch nicht für 
erachte. Er halte es doch für richtig, eine solche 
eränderung nicht gar so weit, hinauszuschieben und bitte um 
Ausfunft, ob eine solche in absehbarer Zeit zu erwarten sei 
Senator Dr Vermehren: Das neue Besißfleuergeletz 
Jabe Anlab gegeben, auch die von dem Herrn Vorredner an— 
Uchnitten⸗ Frage einer neuen Prüfung, zu unterziehen. Es, sei 
nn aud der Steuerbehörde der spezielle LAuftrag erteist 
worden, diese Frage zu prüfen, Er möchte daher bitten, heute 
die Vorlage damit nicht zu belasten und auf diefe doch immerhin 
echt pietis Frage nicht näher einzugehen, sondern das 
Ergebnis der Beratung der Steuerbehörde abzuwarten. Die 
Vorlage habe eine gewisse Eile und Dringlichkeit. da die 
ieuen Res nngen bereits mit dem 12. Juli 1913 in Kraft 
zetreten seien und bei Nichtperabschiedung des Antrages even⸗ 
die sehr hohen Zuschläge schon zur Erbebundg kommen 
en. 
BeM Dahme führt aus, daß er ppn bei einer frũheren 
Vorlage darguf hingewiesen habe, wie sehr wir uns zu hüten 
hätten, eine Steuer gegenüber denen der Nachbarssaaten besonders 
zoch zu gestalten. Der Schluß, daß das ganze Steuersystem 
tark angezogen sei, wenn ein'e Steuer hoͤch sei, liege sehr 
rahe Ein sprechendes Beispiel fur solche Auffassung sei das 
Inserat einer Terraingefellschaft, in der Nähe einer grohen, Stadi 
elegen. diese biete ihre Grundstücke an mit der Motivicrung, 
ab die Hundesteuer dort mur 5 WM etrege wãhrend sie in der 
Stadt 30,M koste, und schließe daran die Folgerung, alle 
Fteuern seien infolgedefsen, biflig. (iterkeit. Ruf⸗ Das 
ist ia unlauterer Weitbewerb!) 
Hierauf wurde die Sengisporlage in erster Lesung end⸗ 
rũltig angenommen 
1. 
Aenderung des 3des Ausführungsgesetzes aum 
Unterstützungswohnsitzgesetz 
vahingehend, daß eingefügt werden soll die Bestimmung, daß 
z 17 der Armenordnung fur die Stadtgemeinde Lübeck auch auf 
solche Fälle Anwendung zu finden hat, in denen auswärtige (nicht 
lũbedischee Armenverbãnde beim Polizeiamt Anträge auf Erlaß 
don Auflagen gegen solche zum Unterhalt eines Unterstũtzten 
zesetzlich verpflichtete Personen stellen, die sich im lubeckischen 
Staatsgebiet aufhalten 
Der Antrag wurde debattelos in erster Lesung endaültig 
genehmiagt 
8. 
Weitere Bewilligung von 7000 Mauf die Kosten 
der Einrichtung eines Asnlsfür Obdachloseso wi⸗e 
einer Kinder- und Wöchnerinnenstation im ehe⸗ 
maligen Zuchthaus zu St. Anmen. 
Die bisher bewilligte Sumnne von 9500 M reicht wegen der 
hei dem Umbau sich als notwendig herausgestellten Ausbesse⸗ 
rungen, Ergänzungen oder völligen Neuerungen bei weitem nicht 
nus. Es ist ein fernerer Betrag von 7000 M erforderlich. 
Der Antrag wurde debattelos in eriter Lesung endaültiq 
renehmiaot 
v. 
Bewilligung von 16900 Mefür die Errichtung 
, eines Anbaues an die HSauptfeuerwache, 
estehend in einer Wagen⸗Waschhalle, Pferdeputzstand neben einer 
leineren und grökeren Wagenhalle mit daneben liegendem Merf. 
tattraum. 
.B. M. Kö hen wendet sich gegen die Sengisvorlage. Selbst 
Zenat und Finanzdepartement erklaͤrten in derselben, daß die 
Ausführung der beantragten Arbeiten nicht so dringiid fe 
Die Begründung seitens der Feuerwehr stehe auf recht schwachen 
Jun Ihm sei gesagt. daß in allernächster Zeit duch ein 
usbau der St. LorenzFeuerwache vorgenommen, werden soll. 
Daß die Pferde in eigene Regie genommen seien, habe sich nicht 
ewahrt Es müsse quch einmal erwogen werben, ob nidi 
nntliche Spritzen⸗ und Mannschaftswagen durch Automobiie 
w hehen sind Er bitte jedenfalls die Senotsporiage ab— 
ulehnen 
Senator Dr. Neumann:, Die Vorlage sei qufgebaut guf 
den sachverständigen Angaben des Herrn Branddirektors. Die 
bandenen 23 — G 9 8 zu klein. 
gezeigt, er Beschlu ie Pferde in eigene Regie zu 
nehmen, durchaus richtia vewesen sei dem man bhabe dadur— 
2 
— ⸗ 5 2* — 244 * — * * — c 21 2 
J — — 43444 
Dienstag, den 4. November 1913. 
Abend⸗Blatt Nr. 560. 
rsparungen erzien. Selbstverständng, wärte es sehr angenehm, 
venn samtliche Fahrzeuge, durch Autonrobile ersetzt werden bönn⸗ 
en. Das könne doch aber nur nach und nach geschehen. don 
sald die jeßt vorhandenen Fahrzeuge aufgebrauchz wären. 
sei richtig. daß die Behörde den Antrag gestellt habe, 
ie Et. Lorenz-Feuerwache zu vergröhern. Es werde in aller⸗ 
achsser Zeit ein dahingehender Antrag an Bürgerausschuß und 
rgerschafi gelangen. Das habe, aber mit der gegenwärtigen 
zorlage absolut nichis zu tun. Die Einrichtungen der Haupt⸗ 
euerwache müßten so ausgestaltet sein, dah sie allen qu sie 
estellten Anforderungen genügen könnten. Der Sengat habe, 
ur um in finanzieller Beziehung sicher zu gehen, die Aus- 
ührung der Berbefferungen erst zum nächsten Jahre beantragt. 
Biem. s einfohn: Der Senatsantrag habe lseine volle 
Zerechtigunge Arbeits- und Eßräume könnten nicht, wie dies 
irder Faln sei. usammen vereinigt werden Auch die Schlaf— 
zume selen sehr, beengt Für die Krankenwagen müßten gleich- 
alis Raume geschaffen werdent Er bitte daher, dem Antrag 
uzustimmen 
B.aM. Hen kBultwisch fragt gn, ob nicht die Feuerwehren 
er ideten Gebiete snen entschaͤdigt werden 
onnten. ... 
Senator Dr. Neu'wann: An der Regelung der Verhältnisse 
er Feuerwehren im Eingemeindungsgebiet werde gegenwärtig 
earbeitet und die Verhandlungen dürften sich nicht mehr 
Uzulange hinziehen 
BiM. Dr. Ziehl bezweifelt, daß die Vorlage absolut 
otwendig und von ihrer Bewilligung die Schlagfähigkeit der 
feuerwehr abhängig sei, Es sei am richtigsten, wenn, die 
zuncme vorläufig bewifligt und mit zwei Sternen versehen 
n den Voranschlag eingeseßzt werde, so daß dann noch einmal 
ber die Angelegenheit verhandelt werden könne. Dies sei 
deen weil man später die Budaetverhältnisse besser über- 
ehen könne 
B.—“M. Förster: Er glaube, daß die Bewilligung der 
Forderung für die Schlagfähigkeit der Feuerwehr ersforderlich 
ei, und bitte, dem Senatsantrage zuzustimmen. 
Senator Dr. Neumann: Gerade das Finanzdepartement, 
»as das Budget aufzustellen habe, habe voll und ganz den 
Intrag der Behörde gutgeheitzen und die Vorlage, weil sie 
ringend sei, der Bürgerschaft entgegenzubringen beschlossen. 
„BeM. Kahns bittet auch, dem Antrage des Senates zu⸗ 
usti mmen 
Senator Dr. Neumann erwidert nochmals Herrn Dr. 
ziehl, daß man einen dringlichen Antrag einer Behörde, die um 
ofortige Bewilligung ersuche, den überdies das Finanzdeparte— 
nent als vollauf berechtigt anerkannt habe. doch heute nicht 
us finanziellen Gründen ablehnen könne. Ein solcher Vorschlag 
ei mit einer praktischen Geschäftsführung nicht mehr zu ver— 
inigen. J 
B.M. DrZiehl weist darauf hin, daß der Senat in 
einem Bericht selbst den Anbau nicht für so dringlich erachtet, 
aß f nicht noch bis zum nächsten Jahre zurüdsgestellt wer— 
en lönne. 
Senator Dr Neumann: Verschiedene Unzuträglichkeiten 
n der Hauptfeuerwache seien schon jetzt derartig. daß eine 
hleunige, Abhilfe erforderlich sei. Da aber Abänderungen 
gt einzelnen nicht vorgenommen werden könnten. habe wan 
ben die whnd des neuen Anbaues beantragen müssen, 
. BeM Dr. Ih 'de unterstütßzt Herrn Dr. Ziehl in jeiner An— 
icht, daß es, möglich sei, heute, vorläufig den Antrag des 
Zengtes abzulehnen uind erst bei der Budgetberalung einen 
ndgültigen Beschluß zu faffen. 
ESenator Dr. Neumann seilt auf eine Anfrage von Herrn 
38bs mit. daß zweifellos im Laufe der Jahre, die Hauptfeuer 
vache eine Erweiterung erfahren müsse und daß hierfür das 
ahinterliegende Grundstück in Frage komme,. Daß dadurch die 
deitere Ausgestaltung der Feuerwache St. Vorenz nicht ausge— 
hlossen „werde. sei selbstverständlich. 
B—eMDr. Ziehl bittet erneut, heute den Senatsantrag 
ibzulehnen und bei der Bubgetberatung weiter über ihn zu 
WWedeir De. R 
Senator Dr. Reumann führt aus, daß doch unmöglich 
lle Antrãge des Senates für die Budgetberatung aufgehäuft 
verden könnten. da dann eine sachliche Beratung der Vorlagen 
ar gicht mehr möglich sei. 
. BeM. Kommerzienrat Scharff bittet dringend, heute den 
zenats antrao anzunehmen. 
BamM. Jenne: Die Ausgaben für unsere Feuerwehr feien 
n den letzten Jahren, in gamz unverhältnismähiger Weise ge— 
iegen. so daß man in der Tat Bedenten tragen muͤsse noch 
veitere Mittel zu bewilligen. Dieser Antrag haͤtte rit der 
n Aussicht stehenden Vorlage auf Erwesserung der St. Lorenß 
Feuermache vereinigt werden müssen. damite man ein kigres 
Bild gewonnen hätte. Auch darin würden wieder ganz bedeu- 
ende Aufwendungen für die Feuerwehr beantragt Er bitte 
eshalb. heute die Senatsvorlage abzulehnen. * 
.Senator Dr. Neumann: Praktisch sei es gar nicht durch⸗ 
ührbar. daß die Bürgerschaft sich mit grohßen orgamsatori— 
chen Vorlagen erst bei dem Budget beschäftige und fie in⸗ 
ach gblehne. wenn der Sengt eher damit komme. Wie lange 
olle dann wohl die, Budgetberatung dauern und wie sollee 
berhaupt gehandhabt werden? Sehr oft werde doch auch 
nt die kommissarische, Prufung der Voriggen beanttagt Wenn 
ie Bürgerschaft sich heute auf, diesen Slamdpunkt sielle, verde 
ede praktische Arbeit unmöglich werden. 
.Die Senatsvorlage wurde hierauf angenommen, doch war 
zine Zweidrittel- Mehrheit nicht porhonden, soe daß die wene 
Lesung erforderlich wird. 
Schluß der Ebung 10 Uhr 45 Min. 
Aus den Nachbargeb'eten. 
S 
Rauchverbrennungsanlage einzurechten und dadurch die Be— 
ästiguung zu beseitigen, die der Rauch den Spaziergängern in 
»em der Anftalt unmittelbar benachbarten Hohenzollernpark be⸗ 
eitet. — Den Charakter eines Sanitätsrats haben 
ie hiefigen praktischen Aerzte Dr. Dose, Dr. Schirmer und 
Dr. Tetens erhalten. — Eine mühsame Lebensreteung 
vurde am Sonntag früh gegen 5 Uhr am Hafen bei der 
?chuhmacherstraße ausgeführt. Man hörte aus dem Wasser 
»ilferufe, und es zeigte sich, daß dort ein Mann in Gefahr 
es Untergehens schwebte. Man reichte ihm einen Bootshaken, 
in dem er sich anfangs festhielt. Dann verließen ihn aber 
zie Kräfte, so daß er nicht hochgezogen werden konnte. Die 
settung gelang vielmehr erst von einem schleunigst klarge— 
nachten Boot aus. Am Lande wurden dem Verunglückten, der 
rugenscheinlich in der Trunkenheit in den Hafen gelaufen war, 
ꝛie Oberkleider abgezogen und dann mit Erfolg Wieder— 
elebungsversuche gemacht. Als der Gerettete wieder zu sich 
jelommen war, lief er, Rock und Weste usw. im Stiche lassend. 
avon. 
Flensburg. 4. Nop. Die Beschaffung zweiter 
dypotheken wird auch hier nach dem Vorgehen anderer 
Städte städtischerseits in Erwägung gezogen. — Die neu— 
»rbaute städtische Uebungsmittelschule wurde 
Zamnabend in Gegenwart von Vertretern der königlichen Regie— 
ung in Schleswig, sowie Mitgliedern des Magistrats und des 
Stadtverordnetenkollegiums feierlich eingeweiht. 
Grokherzoatum Olbenbura und Fürstentum Lubed. 
ESa Eutin, 4. Nonp. Prinz und Prinzefsin Eitel 
friedrich fuhren Montag nachmittag 4,08 Uhr mit dem fahr⸗ 
nanmäßigen Zuge nach Potsdam. Zur Verabschiedung hatten 
ich auf dem Eutiner Bahnhof eingefunden Regierungs-Präsfident 
Dr. Meyer. Bürgermeister Mahlstedt und Major Freiherr von 
Forster mit dem Adiutanten Lt. Peters. Die hohen Herr— 
chaften verweilten längere Zeit mit den einzelnen Herren im 
hespräch. 
ea. Eutin, 4. Noo. Von unserer Garnifon— 
Sonnabend den 8. Nov. findet die Vereidigung der Rekruden 
katt, und zwar in der evangelischen Kirche um 9/ und in der 
ratholischen Kirche um 1012 Uhr. — Eine große Hofiagd 
zat Sonnabend im Lensahner Revier stattgefunden. Im Schloß— 
ofe hierselbst wurden 36 Hasen und 36 Fasanen zur Ablieferung 
gebrocht 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Schwerin, 4. Noo. Zum Baudes Moltke-Denk— 
wals auf dem Ruhtzerberg. In einer Sitzung des Preis- 
ichteramtes die unter Vorsitz des Staatsministers Grafen Base⸗ 
witz in Schwerin stattfand. wurden Sonnabend die Preise für 
die Entwürfe zum Moltkedenkmal auf dem Ruhnerberag fest— 
jesetzt. Es waren 74 Entwürfe von mecklenburgischen oder in Med— 
enburg geborenen Architekten eingegangen, die meistens einen Ent⸗ 
ourf in Gestalt eines Aussichtsturmes brachten. Den ersten 
Preis erhielt der kal. Regierungsbaumeisser in Köslin Vird. aus 
Malchow gebürtig. 
Rostock, a. Noy. Zur Errichtung eines John- 
Brindman-Brunnens hierselbst sind bis jetzt 18 600 M 
ingezahlt. Es wurde beschlossen, dem Künstler die acht Mosaik- 
eliefs des Denkmals in Arbeit zu geben. Im Laufe des Win— 
ers soll durch verschiedene Veranstaltungen, Konzerte und Vor— 
rãge, für das Denkmal geworben werden. — Ein seltenes 
zeichen der warmen Serbsttage ist augenblidlich im 
harten des Hauses Graf-Schack Straße 5 zu sehen. Dort steh— 
in Apfelbaum in voller Blüte, eine sonderbare Laune der Natur 
dielleicht noch wenige Tage und der erise Schnee liegt in dem 
lühenden Apfelbaum. 
0 Dafsow. 4. Nor. Gewerbeschulbesichtigunsg. 
Nontag nahmen Amtsverwalter von Bülow-⸗Trummer-Greves⸗ 
nühlen und Generalschulinspektor Martens-Schwerin cine Re— 
„ifion der Gewerbeschnne vor. — Mit der Neupflasterung 
ver Moritzstraße ist die Regulierung der Straßen jetzt poisende?. 
-Der geplante Durchbau des alten Vorwerker Schul— 
zaufes soll dem Vernehmen nach wieder unterbleiben. Daraus 
vird geschlossen, daß die seit längerer Zeit ruhenden Verhand— 
ungen zweclks Eingemeindung Norwerks nach Dassow demnächft 
wieder aufgenommen werden. 
Vermischtes. 
C.K. Was Amerika für Eis ausgibt. Einen interessanten 
Tinbi'd in den gewaltigen Eisverbrauch der Vereinigten Staaten 
zewäbrt eine neue Statistik. aus der hervorgeht, daß in einet 
Reibe von amerikanischen Großzstädten der jährliche Eiskonfum 
für den Kopf der Vevölkerung über 1000 Kilo hinausgeht. 
der Gesamtverbrauch des Landes erreicht 4500 Millstonen Kilo—⸗ 
iranm. Trotz des gewaltigen Aufschwunges der Kunsteisen⸗ 
udustrie werden noch immer 2250 Mislionen Kilogramm, olso 
nebr als die Silite de MNerbran8. deerch Motureis bottritten. 
da im Großhandel für das Kilogramm Eis durchschitilich 
P'ennig bezahlt wird, erreichen die Ausgaben sür Eis im 
daus haltungsbuch des Volles die stattliche Gesamtsumme von 
ährlich 408 Millionen Mark. Das in den großen Eis werken 
ind Fabriken festgelegte Kapital wird auf über 600 Millionen 
MNart geschätzt. Dabei bewegt sich der Verbrauch in einer außer⸗ 
rdentlich schnell aufsteigenden Linie; in der Tat hat sich die 
kisproduttion allein in den sieben Jahren von 1904 1911 
ahezu verdoppelt. Die Stadt Newyork mit ihren 4,3 Millionen 
inwohnern hat vom Juni 1911 bis zum Juni 1912 48500 
könner Eis verbraucht. In ähnlich riesenhaften Ziffern be— 
vegt sich der Verbrauch von Gefrorenem, der 1906 noch rund 
00 000 Liter betrug und 1912 bereits 455 Millionen Liter 
m Werte von 344 Millionen Mark erreichte. Allein im Monat 
juni 1912 verbrauchte Newyork im Durchschnitt täqlich 150 000 
riter Gefrorenes, wogegen — um einen Vergleich mit einer 
uropäischen Großstadt zu ziehen — Partis in der gleichen Jeit 
ur MHONo Liter fãdlich verbrauchte. 
W. Zur Leipziger Ordensaffäre. Gegenüber den 
inzutreffenden Meldungen verschiedener Tagesblätter wird der 
Zächsische Landesdienst in Dresden zu der Mitteilung ermäch— 
igt, daß die Verleihung der preußischen Ordensauszeichnungen 
m den Oberbürgermeister Dr. Dittrich und den Geh. Hofrat 
Tlemens Thieme anläßlich der Einweihung des Völkerschlacht- 
dentmals nach den Vorschlägen der sächsischen Reqierung er—⸗ 
—XR 
Sansestädte. 
Hamburg, 4. Noo. Ein schweres Verbrechen ist 
Montag morgen hier entdedt worden. In der Anlage am 
Nillerntor fand man die 8ijährige Tochter Gertrus des Post⸗ 
eamten Siegert, deren Eltern in der Peterstraße wohnen, mit 
ufgeschnittenem Leib tot auf. Das Kind ist höchst⸗ 
vahrscheinlich an einer anderen Stelle ermordet worden, da die 
leiche vollständig blutlerer war und in der Umgebung keine 
zlutspuren gefunden wurden. Verschiedene Anzeichen deuten 
arauf hin, daß der Mörder sein Opfer am Millerntor he⸗ 
raben wollte; er scheint aber dabei gestört worden zu sein. 
rreundinnen des ermordeten Mädchens bekunden, daß es von 
inem etwa 30jährigen Mann aus der Petersgasse. wo es 
nit anderen Kindern spielte unter dem Versprechen, Schokolade 
u erhalten, fortgelockt wurde. Auf die Ergreifung des Mörders 
st eine Belohnung von 1000 Mäausgesetzt worden. Im Laufe 
es Montags haben bereits verschiedene Sistierungen und 
donfrontationen mit der Schwester der Ermordeten stattge— 
unden, doch ohne Erfolg. U. a. befand sich darunter ein 
bdachloser Arbeiter Travitzlit, von dem ein Zettel mit Namen 
n der Nähe der Leiche gefunden worden war. Er bestreitet 
intschieden, der Täter zu sein, und will sein Alibi nachweisen. 
Fr ist übrigens bereits gestern morgen zwischen 2 und 3 Uhr 
nei einem Einbruch in der Niedernstrake überrascht und ver— 
fteft morden 
Schleswig⸗Holstein 
Kiel. 4. Noo. In der Bekämpfung der Rauch⸗ 
plage hat die Kieler Stadtverwaltung die Initiative er— 
ariffen, indem sie beichlossen hat. im Elektrizitätswerk ein⸗
	        
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