Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Tagesbericht. 
Lübeck, 8. November. 
Großfeuer am Hafen. 
Wiederum wurden, wie schon im Morgenblatt gemeldet, 
„urch ein Großfeuer erhebliche Lagerbestände der Holzhan diuna 
dampfsägerei und Hobelwerk von W. Brügmann K Sohn 
am Sonntag nachmittag in Rauch und Asche verwandelt. 
NRiedergebrannt sind vier große Lagerschnppen, 
in denen insgesamt zwischen sechs⸗ und siebentausend Standard 
Pitchpine⸗ und Teakholz-Bretter und -Bohlen dowie schwedische 
und finnische Hölzer lagerten, ferner das Wohnhaus des 
Wächters der Firma und ein zwei Wohnungen 
enthaltendes Arbeiterwohnhaus der Firma an der 
Einsiedelstraße; zwei weitere Arbeiterwohnhäuser der Firma 
an derselben Straße mußten geräumt werden, da sie durch 
Hitze und Wasser stark beschädigt wurden. Endlich ist ein 
fleiner Teil des an das abgebrannte Lager angrenzenden Holz- 
lagers der Firma Jost. Hinr. Havemann & Sohn durch Wasser 
leicht beschädigt worden. Das gesamte Lübecker Lager der 
Firma Brügmann E Sohn ist mit etwa 82850000 M bei 21 
in⸗ und ausländischen Versicherungsgesellschaften versichert, die 
mit Versicherungssummen von 700 000 Mubis herab zu 30 900 
Martk beteiligt sind. Der Gesamtschaden wird auf etwa 3324 bis 
40 0/0 geschätzt. 
Die Ursache des Brandes ist wiederum zweifellos Brand⸗ 
stiftung. Wie sie hat begangen werden können, hat auch 
bei diesem Brande nicht aufgeklärt werden können. Das ganze 
Lager isl landseitig eingefriedigt und die Zugänge zum Lager 
sind von der Einsiedelstraße zu übersehen und werden so be— 
wacht, daß Unbefugte das Lager nicht betreten können; von 
der Trave her wäre ein Einschleichen zwar möglich; um aber 
auch dem vorzubeugen, wird das Lager Sonntags und nachts 
von einem Wächter und einem Hilfsschutzmann bewacht. Trotz 
aller dieser Vorsichtsmaßregeln ist die Brandstiftung aber 
dennoch möglich gewesen. Beobachtungen des zufällig in Lübeck 
weilenden Mitinhabers der Firma, Herrn Brügmann, des 
Lübeder Vertreters der Firma, Herrn B. Peters, und 
dessen Sohn, die beim Ausbruch des Feuers sich auf dem Wege 
zum Lager befanden, sowie der beiden Wächter lassen keinen Zweifel 
darüber, daß der Brandstifter eine starke Hitze entwickelnde Zun d⸗ 
masse benutzt, denn der Brand entstand in einem Schuppen, in 
welchem amerikanische Harthölzer lagerten und es entwickelte 
sich bei der Entzündung eine mit großer Schnelligkeit in die Höhe 
steigende dicke schwarze Rauchsäule. Endlich kommt hinzu, daß 
der Wächter und der Hilfsschutzmann keine 10 Minuten vor 
Ausbruch des Feuers den Schuppen revidiert und nichts ver⸗ 
dächtiges gefunden haben. Die Zündmasse muß bereits vor— 
her, und zwar anscheinend an mehreren Stellen 
niedergelegt worden sein. Die Polizei hat infolgedessen 
auch jetzt wieder keine Spur des Verbrechers entdecken können. 
Obgleich erhebliche Lagervorräte vernichtet worden sind, han— 
delt es sich doch nur um den kleineren Teil des Lagers, Sägerei 
und Hobelwerk sind völlig unversehrt geblieben. Da in aller— 
nächster Zeit wieder große Zufuhren eintreffen, glaubt die 
Firma den Betrieb uneingeschränkt aufrecht erhalten zu können. 
Wie bei den früheren Brandstiftungen machte man auch hier 
wieder die Ersahrung, daß die Flammen in ganz unglaublich 
kurzer Zeit eine gewaltige Ausdehnung erlangten. 
Besonders wirlsame Hilfe bei der Bekämpfung des Brandes 
leistete die Mannschaft der gestern im Hafen weilenden Minen⸗ 
such⸗Division. Unter Leitung dreier Offiziere griff sie von der 
Wasserseite sofort recht erfolgreich ein. Mit den maschinellen 
Löschvorrichtungen der Schiffe war allerdings nicht viel auszu— 
richten, aber um so wirksamer war die Kleinarbeit mit den 
Sandlsschgeräten. Mit katzenartiger Gewandtheit, ungeachtet 
aller Gefahr und großen Sitze, bearbeiteten die Mannschaften 
die einzelnen Holzstapel mit so gutem Erfolge, daß die Flammen 
sich nicht weiter traveabwärts auszudehnen vermochten. Auch 
die Spritzendampfer der Kaufmanmschaft leisteten von der Wasser- 
seite her unschätzbare Hilfe, vor allem, als der dritte Dampfer 
von Travemünde eintraf, war es ihnen möglich, einen großen 
Lagerschuppen mit sehr wertvollem Inhalt vor der Vernichtung 
zu bewahren. Von der Landseite bemuühte sich die Berufs- 
feuerwehr, unterstützt von einer ganzen Anzahl freiwilliger 
Wehren aus der Umgegend und etwa 200 Mann vom Re— 
aiment Lübeck um die Bekämpfung des Brandes. Alle hatten 
einen sehr schweren Stand, Rauch und Sitze setzten ihnen arg 
zu; leider hatten sie sehr mit Wassermangel zu kämpfen. Eine 
Dampfspritze mußte in der Josephinenstrahe, die 
Motorsprihe bei dem ersten Senkbrunnen auf den 
Borwerker Wiesen, eine zweite Dampfspritze auf dem 
kagerplat von Gossmann & Jürgens aufgestellt werden, also 
allesamt in Entfernungen von 500 bis 800 Meter von der 
Brandstelle, wodurch die Wirksamkeit der Wasserstrahlen natürlich 
abgeschwächt wurden. Mit den Handdrudspritzen konnte bei dem 
Fehlen der Hydranten in der Einsiedelstraße zunächst auch 
wenig Hilfe geleistet werden, sonst hätten wohl die Häuset 
an dieser Straße gerettet werden können. Trotzdem aber 
gelang es doch den vereinten Bemühummgen der Wehren und 
der Soldaten, auch landseitig die Flammen nach und nach 
einzudãmmen und die Sägereien, das Hobelwerk und die vor 
diesen liegenden, seit dem letzten, gleichfalls auf Brandslif— 
tung zurüchzuführenden Brande ertichteten neuen Schuppen zu 
erhalten. 
. Der gewaltige Brand war meilenweit um Lübedck herum 
lichtbar namentlich nach Eintritt der Dunkelheit. In Rein— 
eld, Oldesloe, Segeberg, Travemunde, Schönberg, Ratzeburg 
usw. wurde der Feuerschein bis spät in die Nacht hinein beob⸗ 
ichtet. Unser Ratzeburger S-Mitarbeiter berichtet ims: In⸗— 
folge des Großfeuers in Lubed erglänzte der gane nou 
liche Himmel wie ein Feuermeer. Man sah die Feuergarben 
Weoe und trotz des abstehenden Windes war die Luft 
ich von Qualm und man merkte den brenzlichen Geruch. 
Ueberall sah man Gruppen von Menschen, die das schreclich⸗ 
chöne Schauspiel beobachteten. 
Im Laufe der Nacht setzte Regen ein, der die Löscharbeiten 
—F gut unterstũtzte, aber den aus ihren Wohnungen geflũchte ten 
de geche unerwũnscht lam. Ihre sämtlichen Hausgeräte 
mei ehdns ,— westseitige Feld der Einsiedelstraße 
en, i 
nitgenommen wurden. wo sie nun durch den Regen ars 
Frage dier Riesenbrand hat wieder zur Erörterung der 
geführt, wie Brandstiftungen und dem Umsichgreifen 
r Flammen am zweckmäßigsten vorgeleugt werden kann. 
D ——— * Seite wird dazu erklärt. daß vor allem 
n ehihe 
ß iche au i 
eht e wre re ern in kleine Abteilungen 
F a ѻz nach Ausbruch des Feuers, etwa 315 Ahr, durchflog 
indeseile die Nachricht, daß am Hafen ein neuer Holp 
agerbrand zum Ausbruch gekommen sei, die Stadt und deren 
Imgebung. Tausende pilgerten zum Holstentor zur Einsiedel- 
traße oder zum Burgtor hinaus zur Hafenstrahe und Konstim 
traße und zum Konstinplatz, um das Riesenfeuer zu beobachten. 
Um stadtseitigen Ufer hatten in fast einen halben Kilometer 
anger Ausdehnung viele Tausende Aufstellung genommen; dabei 
varen Einfriedigungen, kleine Schuppen, die hohen Lade— 
gestelle für die Kohlenverladungen, leere Lastwagen und was sich 
onst an Erhöhungen bot, als Tribünen benutzt. Die Dächer der 
Warenschuppen der Kaufmannschaft wurden von dem eigenen Per—⸗ 
onal der Hafenverwaltung auch an der Stadtseite unter Wasser 
zehalten. Dabei passierte es denn auch wohl mal, daß ein 
Wasserstrahl Uber das Dach hinaus quf die untenstehende 
Menge sich ergoß und dann gab es nafürlich lautes Gekreische 
ind alles stob auseinander. Eine natürliche Tribüne für die 
Heobachtung des Feuers bot auch die zum Jerusalemsberg hin— 
zufführende Konstinstraße. Dieser vom Publikum vollständig 
»esetzte Hügel sowie die Fortsetzung nach der Luisenstraße, boten 
hei der bald eintretenden Dunkelheit eigenartige gelbrote, feu— 
rige Beleuchtungseffekte, jedes Blatt schien an den noch herbst— 
ich belaubten Bäumen zu leuchten, jedes Gesicht der Zu— 
chauer in feurige Lohe getaucht. Auch die Kirchen 
ind städtischen Gebäude gaben gegen den feurigen, 
wie vom Nordlicht beleuchteten Abendhimmel ge— 
penstige Silhouetten ab. Während des Feuers flitzten 
hie flinken Boote der Lübecker Ruder-Gesellschaft auf 
»er Trave unter den sengenden Feuerstrahlen vorüber, auch 
ahlreiche Motorboote und Schleppdampfer flogen auf 
er Trave hin und her. Eigenartige Bilder von 
‚üsterer Schönheit fesselten immer aufs neue das Auge der 
rus den Vorstädten dem Brandplatze Zueilenden. Durch die 
ßzäume der Anlagen am Kanal leuchtete der fahlrote Himmel 
;zald hell bald dunkler — silbrige Töne hafteten auf den 
chwebenden Wolken und spiegelten sich in den Wassern des 
tanals, des Klughafens, der Wakenitz und des Krähenteiches 
Von wehmütiger, zärtlicher Schönheit war das äungstlich 
Flattern der Möwen in der Nähe der Brandstätte, die ihr helles 
richt weit in die Lande sandte, so daß man schon hinter Oldesloe 
den Schein wahrnahm. Eigenartig ist auch das Verhalten der 
HNenschen, die plötzlich durch ein solches Elementarereignis aus 
»er gewohnten Ruhe gerissen werden. Jedes kleine unbe— 
»eutende Ereignis gewinnt an Wert, in harmlosen, etwas 
chneller gehenden Passanten einsamer Straßen, in die der rote 
zimmel scheint, argwöhnt man den Verbrecher, die Gefährte, die 
inen zur Stätte des Unglücks tragen sollen, scheinen plötzlich 
Zcchneckentempp angenommen zu daben, und die Füße konnen 
licht schnell genug ihren Dienst tun. Es ist nicht bloße Neu— 
tier, die die Menschen in endlosen Scharen zusammeriströmen 
äßt, nicht allein das Gefühl des Grausens und der Chrfuccht 
or der cigenactigen Schönheit, es ist auch das in allen lebende 
ßefühl des Zusammengehörens, das Gefühl des Kleinen, des 
Iufeinanderangewiesenseins, das angesichts der entfesselten 
Elemente neu auflebt und helfen will, felbst wenn Silfe nich! 
mnöglich eischeint. 
H. 1. Kammermusikabend von Frl. Serrmann. Zur großen 
Freude aller Verehrer intimer Kanmermusik erschien am Sonn⸗ 
ibend in dem 1. Konzert Frlk. Klara Herrmanns das St. 
Betersburger Streichquartett wieder. Nach dem grotßzen Er—⸗ 
olge, den diese ausgezeichnete, von dem in Rußlands Saupt⸗ 
tadt lebenden Herzog Friedrich zu Meckleenburg gegründete 
Künstlergemeinschaft im vorigen Jahre errungen hatte, durfte 
nan von vornherein erwarten, daß ein voller Saal das Unter⸗ 
nehmen der Konzertgeberin lohnte. Die Herren spielten zu 
Beginn des Abends Borodins D-Dur-Quartett, das für Lübed 
ine Novität war, zum Schlußz Beethowens gewaltiges Cis-Moll—- 
Wuartett op. 131, das gleichfalls hier zum ersten Male gehört 
vurde. Zwischen beiden Werken stand Arenskys D-Dur-Quinteti 
»p. 51, in dem sich Fri. Herrmann mit den russischen Gästen 
ut einem Klangkörper von erlesener Geschlossenheit vereinigte 
Ddie Fülle des mit ehrlicher Begeisterung gezollten Beifalls 
ntsprach nur der Bedeutung der Kunst, die an diesem Abend 
den Hörern vermittelt wurde. 
Das neue Luftjchiff , P. L. 16*, das Sonnabend morgen 
über Lübed gesichtet wurde, ist bei Neustrelitz Sonnabend 
iachmittag 5 Uhr wegen starker Böen unbeschädigt gelandet. 
Die Ballonhülle ist durch Reißvorrichtung entleert worden. Das 
Luftschiff wird mit der Eisenbahn nach Bitterfeld gebracht 
werdem. 
Ueber die Zuwverlãssigleit der Wetterprognosen. Bei dem 
seutigen Stand der Witterungskunde ist es den mit der Wetter⸗ 
rognosen betrauten Institutuen nicht möglich, bei je der Witte— 
unaslage eine treffsichere Prognose für den nächsten Tag aus— 
ugeben. Wenngleich die Wettervorhersage immer weiter aus— 
jebaut wird und alle neuen Erkenntnisse der Meteorologie heran— 
jezogen werden, so kommen doch Fehlprognosen vor. Dies 
jat zur Folge, daß einerseits der Wert der Prognose herabge⸗ 
nindert wird, indem das große Publikum das Zutrauen ver⸗ 
äert, andererseits wissen auch diejenigen, die sich regelmähig — wie 
iele Landwirte — nach der Prognose richten, nicht, ob die aus⸗ 
segebene Prognose eine große oder eine geringe Treffficherheit 
ꝛesitzt. Dies können aber in den „nmeisten“ Fällen die betreffenden 
Betterdienststellen beurteilen. Frhr. v. Myrbach schlägt nun 
n der Meteorologischen Zeitschrift vor, bei jeder Prognose 
urz anzugeben, welcher Grad von Wahrscheinlichkteit oder Un— 
icherheit ihr beigemessen wird. Es soll dadurch dem Publikum 
helegenheit gegeben werden, die sicheren von den unsicheren 
Brognosen zu trennen. Zum Teil geschieht dies heute schon 
n bestimmten Fällen, indem die Prognosenstelle z. B. vermerkt: 
Gewitter nicht ausgeschlossen“, „keine oder geringe Nieder. 
hläge“. Der weitergehende Vorschlag v. Mirbachs ha 
edoch eine schwache Seite. Wird eine Prognofe ausgegeben, 
.B. an einem der Feiertage, an denen die Prognosen be— 
onders beachtet werden, und sie trifft nicht ein, trotzdem die 
Brognosenstelle fie als treffsicher gekennzeichnet hat, so wird leicht 
ie öffentliche Meinung erregt, und diese richtet sich dann gegen 
ocs betreffende Institut. das die Prognose ausgegeben hat. 
dies wird wohl die Wetterdienststellen veranlassen, es bei der 
isherigen Art der Prognosen bewenden zu lassen. Das einzige 
dilfsmittel ist zurzeit, daß in immer weiteren Kreisen ein 
Lerständnis für die Wetterkarte angebahnt wird, so daß jeder 
elbst mit Hilfe der Prognose die Wetterlage beurteilen lernt 
ind aus der Wetterkarte ersieht, ob die ausgegebene Pro—⸗ 
znose Treffficherheit besitzt. 
Sturmwarnung. Tiefdruckgebiet 778 Nordmeer. Aus— 
äufer Nordsee. Gefahr stürmischer südwestlicher und weost— 
icher Winde. Signalball. 
o- Eine Brosche verloren. Auf dem Wege von der Effen—⸗ 
rube, über den Bauhof, Parade, Pferdemarkt, Klingenberg, 
Zandstraße, Breite Strahe nach dem Warenhaus Rudoloh Kar— 
tadt. oder in den Geschäftsräumen des letzteren, ist eine 
ßZrosche, hestehend aus inem goldenen 5-Mi-Stuͤck, mit godenet 
Finfassung, abhandengekommen 
- Fahrtaddiebstahl. Am J1. d. M., nachmittags gegen 
125 Uhr, ist vor dem Hauptpostgebäude am Markt, ein Fahr⸗ 
ad, Marke „Adler“, mit schwarzem Gestell. ebensolchen Feigen, 
Freilauf, Rücktritthremse, nach oben gebogener Lentstange, 
weißen Zellulodidgriffen und der vom Polizeiamt geliefecten Er— 
ennungsenummer 13817 abhandengekommen und vermutlich ge— 
stohlen worden. 
- Verhaftet wurde ein Sandlungsgehilfe aus Hamburg 
wegen eines dort begangenen Betruges. 
Neueßte Nachrichten und Telegramme 
der A. nuο Z.α, 
Die Thronbesteigung in Braunschweig. 
W. Braunmschweig, 3. Noo. Aus Anlaß des heute statt⸗ 
indenden Einzuges des Herzogas Ernst August und 
einer Gemahlin ist die ganze Stadt festlich geschmückt. 
Von allen öffentlichen und privaten Gebäuden wehen Flaggen 
n den deutschen, preußischen und braunschweigischen Farben. 
Tannengirlanden, mit farbigen Bändern durchflochten, winden 
ich von Haus zu Haus. Auf den Plätzen erheben sich Ehren⸗ 
»forten. Die Schaufenster zeigen inmitten prachtvoller Blu— 
nenarrangements die Büsten des neuen Landesherrn und der 
herzogin. Durch besonders reichen Schmuck zeichnen sich aus 
»as Landschaftliche Haus, die Herzogliche Kammer, das Land⸗ 
zericht und die Polizeidirektion. Den Bahnhofsplatz zieren 
‚ahlreiche Flaggenmasten. Auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz, Vo 
die Begrühung seitens der städtischen Körperschaften erfolgt, 
ist ein prächtiges Zelt errichtet. 
— 
München, 3. Nop. Die Königsproklamation wird 
sicheren Vernehmen nach am nächsten Mittwohch siattfinden. 
Alle Vorbereitungen sind bereits getroffen. König Otto bleibt 
der Raug eines Königs erhalten, auch sein Hofstaat bleibt un- 
erandert. 
w 
Die Bluttat eines Vaters. 
W. Dresden, 3. Nov. Ein stellungsloser Maler, deßen Frau 
zum Zeitungsgaustragen ausgegangen war, zog zestern morgen 
in aller Frühe seine beiden Töchter im Alter von 
fünf und jseche Jahren aus den Betten und erträntte 
rzie in elner mit Wasser gefüllten Wanne. Sein 
aAchtjähriger Sohn, an dem er dieselbe Untat vollbringen 
vollte, wehrte sich und schrie so laut, daß die dehnjäheige 
Tochter und ein dreijähriger Knabe erwachten. Daraufhin 
ieß der Unhold von weiteren Mordversuchen ab ad er— 
hängte sich. 
Familientraaödie in einer Münchener Arztfamilie. 
München, 3. Nov. Eine furchtbare Familientragödie trug 
sich Sonnabend mittag in der Winzerstraße in München zu. 
Der praktische Arzt Dr. Heilmayer hat mittags seiner Frau, 
einen beiden Kindern und dann sich selbst die 
Kehle durchgeschnitten. Aus einem hinterlassenen Brief 
zeht hervor, daß Dr. Heilmayer große Verluste infolge 
von Spekulationen erlitten hat und seine Familie nicht 
dem Elend preisgeben wollte. Die Familie, die erst vor kurzem 
nach München kdam, stammt aus der Rheinpfalz. 
Ein neuer Suffragetienstreich. 
PO. Edinburg, 3. Nov. Eine neue Art Unfug zu stiften 
haben die Edinburger Suffragetten entdekt. In der vergan— 
jenen Nacht zerschnitten sie mit Hilfe von Diamanten Dutzende 
oon Schaufensterscheiben in der ganzen Stadt. Die Scheiben 
ind völlig unbrauchbar. Der Schaden ilst sehr bedeutend und 
zeträgt mehrere 1000 M. 
Schiffsunfälle. 
W. Kronftadt, 3. Nov. In der Einfahrt zum Handelzhafen 
tietß gestern der deutsche Dampfer „Darahorn“ (72) mit der 
Breitseite gegen einen Kohlenleichter, der daraufhin kenterte. 
W. Simrishamum (Schweden), 3. Nov. Der Lübeder 
Dampfer „Kydonia“, Kapt. Junge, mit »ꝛiner Erz— 
ladung von Stockholm nach Emden bestimmt, ist gestern morgen 
an der Südostküste Schonens, zwischen Skillinge und 
Sandhamnar, gestrandet. Das Schiff steht sehr jest, aber es 
ist keine Gefahr vorhanden. Bergungsdampfer sind von Karle- 
krone abgegangen. 
—4 
n 
W. Berlin, 3. November. Im Laufe des Sonnabends und 
Sonntags sind mehrere Familien im Osten der Stadt 
unter schweren Vergiftungserscheinungen er— 
erkrankt. In der Dolziger- und in der Samariterstraße 
rkrankten mehr als zwanzig Versonen an heftigem Fieber und 
Erhrechen. Die Vergiftungen werden auf den Genuß don Hack⸗ 
leisch zurückgeführt. Reste des Fleisches sind beschlagnahmt 
ind zur Untersuchung dem Institut für Infektionskrankheiten 
ugeführt worden. 
— In der Nacht zum Sonntag wollte eine 3wanzigfährige 
Buchhalterin auf dem Bahnhofe Weidmannslust den Vor ortszug 
derlassen. Aus Versehen stieg sie auf der verkehrten Seite 
aus und stürzte neben den Trennungszaun. Durch den wieder 
n Bewegung gesetzten Zug wurden ihr beide Füßze ab⸗ 
gefahren. Auf dem Transport ins Krankenhaus ist sie 
gestorben. 
— Als ein Wagen der Bornim Bornstedter Motoromnibus- 
hesellschaft gestern abend mit Passagieren in der Richtung nach 
Potsdam fuhr, erlosch plötzlich das Licht. Der Chauffeur 
derlor in der Dunkelheit die Orientierung und fauste 
ein den Straßengraben. Strauchwerk milderte die Wucht 
des Sturzes. Der Schaffner, der auf dem Verded stand, hat 
im Gesicht Verletzungen erlitten, auch einige Fahrgäste haben 
durch Glassplitter leichte Verletzungen davongetragen. 
— Das Zeppelinkuftschiff „Hanfsa“ hat gestern von 
Potsdam aus zwei Fahrten unternommen. die zweite Fahrt des 
Luftschiffes war die dreihundertste. 
W. Rastatt, 3. Nov. Gestern nacht 1 Uhr gab der Ar⸗ 
heiter Hermann Scham aus einer Browningpistole auf 
ffener Straßze mehrere Schüsse ab, die zwei Schutz— 
eute sowie einen Pafsanten namens Koch schwer ver— 
letzten. Scham, von dem man anninmnt. daß er die Tat 
in Trunfenheit begangen hat, wurde verhaftet. Die Verletzten 
wurden in das Krankenhaus geschafft. 
PC. New-Castlt, 3. Nod. Eine Massenerkrankung 
an Fleischvergiftung ereignete sich gestern auf der 
ziesigen Polizeistation. Sieben unverheiratete Schutz— 
eute, die in der Nähe der Station in Baracken wohnen und die 
n einer Kantie verpflegt werden, mußten, da sich schwere 
Vergiftungserscheinungen bei ihnen zeigten, ins Krankenhaus 
zebracht werden. Auch zwei Kinder des Kantinenwietes und 
ein Aufwärter zeigten Spuren von Fleischvergiftung. Bisher 
ist noch lein Todesfall zu verzeichnen, doch schweben drei Volizei— 
heamte in Lebensgefahr
	        
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