Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

bachten, aufrechterhalten und beschützen 
woöollen. Als deutscher Fürst werden Wir stets in uner« 
schütterlicher Treue zum Reiche und seinem er— 
habenen Oberhaupte stehen, im Verhältnisse zu Unseren 
»ohen Verbündeten allezeit Unsere Verpflichtungen erfüllen, die 
Uns durch die Reichsverfassung und die ihr zu— 
drunde liegenden Bündnisverträge auferlegt 
ind. Wir gelohen, auf dieser Grundlage Gerechtigkeit und 
Fürsorge und alle unsere Kräfte dem Wohle des Landes zu 
veihen und bitten Gott um seinen gnädigen Beistand, danit 
Unsere Regierung dem Herzogtum zum Segen gereiche. Mit 
Hher Freude haben Wir aus den vielseitigen bedeutungsvollen 
Anzeichen entnommen, daß die Herzen der Braunschweiger Uns 
und der Herzogin, Unserer vielgeliebten Gemahlin, entgegen⸗ 
schlagen. Auch Unsere Herzen emrfinden warm für das Braun⸗ 
chweiger Volk. Wir hoffen zuversichtlich, daß aus diesem Ge— 
ühle ein unzerstörbares Band gegenseitiger Liebe und Treue 
rwachsen werde. Wir gewärtigen von allen öffentlichen Be— 
iten, allen Geistlichen und ferner von allen Angehörigen des 
zerzogtums, daß sie Uns als ihrem rechtmäßigen Landesherrn 
Treue und Gehorsam erweisen und Uns nach Kräften in der Er⸗ 
ülkung Unserer Pflichten zur Wohlfahrt der Gesamtheit unter⸗ 
tützen werden. Wegen Ableiftung der verfassungsmäßigen Hul⸗ 
igung behalten Wir Uns das Erforderliche in besonderen Ver⸗ 
üoungen vor. 
Urkundlich Anserer eigenhändigen Unterschrift mit beige— 
rucktem Siegel. 
Gegeben Rathenow, am 1. November 19013. 
Frnst August, Hartwieg, O. Wolff, Radkau. 
WV. Verlin, J1. Novemnber. Die Norddeutsche All—⸗ 
jemeine Zeitung schreibte Ein ehrender Rüdblick gebührt 
zer nun abgeschlossenen treuen Verwesung des Serzog— 
„ums Braunschweig durch Herzog Johann Al— 
recht von Mecklenburg. Den Interessen des ihm an— 
ertrauten Landes und seiner Stellung unter den Bundes⸗ 
taaten, somie seiner inneren Entwicklung hat der scheidende 
degent mit der gleichen hingebenden Pflichterfüllung gedient, 
zie vordem seine Führung des landesfürstlichen Amtes in 
Mecklenburg ausgezeichnet hat. Dafür ist ihm neben der lebhaft 
ekundeten Erkenntlichkeit der Regierung und der Bevölkerung 
Sraunschmeigs der Dank des Kaisers gewiß. Seine Maiestät hat 
neinem berzlichen Telegramm an Herzog Jobann Albrecht 
icsem Ausdrud verliehen. 
Der Kolonialgerichtshof. 
Berlin. J. Nop. Dem Reichstage ist erneut der Gesetz⸗ 
mtwurf über die Errichtung eines Kolonialgerichtshofes zuge— 
IAngen. Die Regierung hat von der Einbeziehung der Konsurar⸗ 
jerichtsbarkeit Alustand genommen, hat aber in ihren Vorschlägen 
iber die Schaffung des neuen Kolonialgerichtshofes die Beschlüsse 
»es Reichstages bexüchsichtigt. So sollen durch den Kaiser auf 
Zorschlag der, Präsident und die neun Mitglieder des Gerichts- 
hofes auf Lebenszeit ernannt werden. Der Gerichtshof ist Be— 
cufungsinstanz für alle von den Gerichten der Schutzgeb:ete 
rlassenen Uiteilsle. Der neue Kolonsosaerichtshof soll seinen 
zitz in Betlin ethalten. 
Dom VKala 
Die deutschetürkischt pͤ—gen. 
Berlin, J Noy. Der frühere ur? sche Finanzminister⸗ 
RAschewid Bei, der mit den Verhandlungen zwischen den 
ürkischen und deutschen finanziellen und politischen Kreise be— 
—D — 
en. Er wurde am Bahnhof von dem tärkischen Botschafter 
MNahmud Muftar Pascha empfangen und ins Hotel Nolon ge⸗— 
eitet, wo er cEbgestiegen ist. 
Die dentsche Militäriission für die Türkei. 
T. Köln, 1. Nov. Der Vertrag für die neue Militär⸗ 
nission siebt die Uebernahme von zunächst drei Stabsoffizieren 
un einigen JInstruftionsoffizieren vor. Der hiefige Mitlitär— 
ache, Maior von Strempel, ist aestern in dieler Angelegen- 
geit nach Berlin abgereist. 
Ernente Tagung der Votschafterkonferenz. 
London. 1. Nov. Die Londoner Botschafterkonferenz, die 
ich in Augult auf längere Zeit vertagt hatte, wird Egde dieses 
Nenats wmieder ihre Verhändlungen aufnehmen. Vermutlich 
bird fie sich zunüchst hauptsächlich mit der ägsischen SBaseifrage 
u beschaftigen haben. 
Ein neuer Albanefeneinfall in Serbien? 
PC. London. 1. Nov. Die serbische Regierung soll nach 
iesigen Zeitnresmesdungen davon in Kenninis gesetzt worden 
ein. daßk sie große Massen wohlhewaffneter Albanesen an der 
erbishen Sñodoreuze versammelt hätten und einen reuen Ein⸗ 
all in serhisches Gohiet vorbereiten 
u 
Die Lage in Mexilko 
w. Newnork, 1. Nov. Nach einem gestern abend aus 
Merits eipgetrossenen Telegramm hat die Regiecumng die 
zerräge für die Gelter erhalten und diese vall 
rTusgneralist, 
Eine Diltatur Juanschilais? 
pC Reling, 1. Nov. Präasident Juanschkai, hat der Var— 
amenfekonmüistion den Vorschlag unterbreitet, bei Ausarbeitung 
der seuen Verfassung deme Präfidenten der chinesischen Ru— 
zublik das Recht einzuräumen, —0 
Parlamen? Krieg zu erklären. Minister zu elassen, inter—⸗ 
iationale Verrräge abruschließen und in den VParlamentsferien 
robiforische Borichriflen u erlassen, die pvom Parlament, nach— 
üprüfen sind. Dieier Antrag Juanfschikais findet bei den 
Hüterten roßen Widerstand, da man die Befürchtung hegt. 
ich z :t—3for mocheon mill 
V. Samhurg, J1. Noo. Bargermeister Dr. Schreß⸗ 
zer, Vorsitzender des Kransenhauskollegiums, wurde auãß lich 
cr Erkffnung des dritten allgemeinen Krankeubauses in Barm— 
ed m hrendoktor der medizinischen Faklultät der Uni— 
ersität Marbura ernannt. 
1 
Eine Riefenwasserhose im Atlantic. 
pc. London. 1. Noo. Einer riesigen Master— 
sose ist der Vaketdampfer „Eedric“, der gestern, von Pew⸗— 
ort sommend, in Queenstown eingetroffen ist, guf seinen Reise 
degret. Nach den Angaben des Kapitäns befend sich die 
Zzpikeder Wasserhode 240 Meter über dem Mee— 
esßiregel . Die Erscheinung war voꝝ starkem 6G—zwitter 
d Bifhen beneet, mährend nach dem Berschwinden der 
Kass-hode din heftiger Sturm ausbrach. 
We. Stettin, 1. Nob. Der französische 7lieger 
efeore landete gestern nachiftage3 Uhr, bei Damgarten in 
zommetn. Er brauschte zun dem Fluge, Pariz aaguen 
Siunden 23 Minuten 25 Ze'unden. „Er Brabsichtiat, hoyte 
nirea gegen 1 Ahr über Verlin und Köln nach Naris irückzu⸗ 
— 
DT. Petersbura. J. Nov. Das Unalit vas ich itinast 
uuf der Wladikawkas-Bahn ereignete, wird Anlaß zu 
iner Infterpellation in der Reichsduma geben, da man 
ꝛer Ansicht ist, daß die häufigen Unglücksfälle auf verfauhte 
Ichwellen“ zurückzuführen sind, die wegen der belannten 
lnuterfschleife nicht rechtzeitig ersetzt worden sind. Die 
isenbahnverwaltung behauptet bei jedem Unglück, es handele 
ich um einen Anschlag auf die Postsendungen. Des— 
aib sandsen wegen des neuen Unglücks eine Anzahl Reisender 
es verunglüdten Zuges ein Telegramm an den Eifenbahn- 
ninister, worin es heibt, sie könnten als Augenzeugen bestätigen, 
aß die Behauptung, es handele sich um einen Anschlag, 
öilig unbaltbar sei. Die Ursache bildeten vielmehr die ver⸗ 
aulten Schwellen, wovon sie sich Stücke aufgehoben hätten. 
PG. Rom. 1. Novr. Eine Bombe ist, gestern m Hofe 
»es Ursulerinnenklhosters in Cesto Galende, gefunden 
borden. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß die Bombe 
ehr stark geladen war und daß eine Explosion ein fürchterliches 
snglück hätte hervorrusen können. Man vermutet in dem 
ttentat das Werf eines Anarchisten. Die polizeilichen Nach⸗ 
disGoen hoch dem Atfentäter sind his jiekt erfolalos geblieben. 
W. Kaiferliche Marine. Eingetroffen: „Bremen“ am 
1. Olt. in Vera Cruz, „Goeben“ mit dem Chef der Mittelmeer—⸗ 
iwvifion und Breslain“ am 31. Okt. in Mersina, „Jaguat“ 
im 1. Nop. in Kiukiang. — In See gegangen: „Pelt— 
n“ am 30. Okt. von Kiel nach Cuxhaven, „Zieten“ am 
9: Oll. nach Rotterdam, „Bülow“ mit dem Rekrutentrausport 
ir die Marinefeldbatterie des dritten Seebataillons, Trans— 
ortführer Leutnant Martin, am 29. Okt. von Bremerhaven. — 
rlefregelung: Poststation für das Kommando des, zwei⸗ 
en Admirals des ersten Geschwaders sowie für „Ostfriesland“, 
Thüringen“, Helgoland“, Oldenburg“, „Posen“, „West⸗ 
alen“ und „Blitz“ vom 11. bis zum 20. November Kiel. dann 
Nilhelmshaben. — Telegramme: Bis zum 10. November 
bends Wilhelmshaven, bis zum 13. November durch Fund⸗ 
pruch Nenmünsiter, bis zum 17. November morgens Kiel, bis 
um 23. Rovember abends durch Funkstation Neumünster, dann 
bieder Wilhelmshaben. Poststatlion für „Rbeinland“ und 
Nassau* bleibt MWifkhelmshaven. 
Dder neue Krupp⸗Prozeß. 
Telegraphischer Bericht.) 
W. Werlin, 1. Noo. Es wird mit der Ver nehmumng 
res Zeugen Kaufmann Wingen begonnen. Er bekun— 
et, von NMetzen habe, bald nachdem sie sich in Italien kennen 
elernt hätten, von ben großen Chancen gesprochen. die der 
alienische Vertreter Krupps habe und bemerkt, er führe nach 
Fasen. um dort Anregung zu geben, durch die das itglienische 
heschäfi noch weiter gehoben werden würde. In einer Unter⸗ 
edung in Rom, an der auch sein Vertreter. Herr Fabres 
eildenonmmen habe habe Serr von Metzen für den Verkauf 
er italienischhen Vertretung 100000 Francs gefordert. Der 
zeuge läft fich dann eingehend über die weiteren Verhand- 
uͤngen bis zum Abschluß des Vertrages gus. Er bemerkt, 
xhabe nicht die AÄbsicht gehabt, von Metzen wegen des 
ZJertrages bei, der Firnia zu dengnziereg, Nun erfolat 
ine Gegenüberstellung der —— Zeugen. von 
Netzen“ bleibt dabei. daß Wingen zuerst an ihn herangetreten 
A. Es sei aber mögiich, daß Wingen eine von ihm gemachte 
leußerung, über die Gewährung einer Provision so aufgefaßt 
abe. als wolle er vielleicht die italienische Vertretung ver— 
gufen. Ein Verkauf sei zunächst deswegen gar nicht in Frage 
ekommen, weil er damass einen Auftrag von 17 Millionen 
Mark. der ihm eine Provision von 170 000 M äeingebracht hätte, 
dgut wie in der Sand gehabt habe. Zeuge Wingen hält 
agegen mit Bestimmtheit seine Aussage aufrecht. Es 
RAate die Bernehmung weiterer Zeugen. Die Ver— 
ehmung des Ingenieurs Fabres aus Rom ergibt. daß 
ie Frage der finanziellen Entschädigung von v. Metzen aus— 
egangen sei. Dann wird der von der Staatsanwaltschaft ge— 
adene frühere Direttor der Kruppschen Werke, 
tziger Rechtsanwalt Marquardt, vernommen.. Der Zeuge 
at in einem an Herrn von Meßtzen gerichteten Brief auf dessen 
infrage, wer das Kornwalzermaterial in die Hände bekam, 
eantwortet, die Kornwalzer würden regelmäßig dem Direk⸗ 
rium der Geheimabteilung, und zwar dem und den Herren, 
rgeleqi. Der Zeuge bekundet diesen Ausdrucdjetzt für falsch 
nde ertlärt dies damit. daß er nicht an die Kornwalzer in 
ngerem Sinne gedacht habe, sondern an das ganze Geheim⸗ 
aerial. Er habe nur alle Personen aufgezählt, die in Frage 
Immen konnten. Zeuge KLandrata. D. Roetger bemerkt, 
ah ihm diese Kornwalzer zu Gesicht gekommen seien, weil er 
ngeordnet hatte, daß ihin das ganze Material vorgelegt werde. 
zur auf diefe Weise sei er in die Sache hineingezogen worden. 
jsenge Marauardt erklärt, von der spezielien Tätigkeit 
zrandts noch nichts gewußt zu haben. Er habe zwischen den 
dornwalzern und einfachen vertraulichen Berichten leinen Un⸗ 
erschied gemacht. Es wird nun 
Direktor Mühlon 
ernommen, der seit 1907 in Kruppschen Diensten steht. Im 
ahre 1912 vertrat er zur fraglichen Zeit. etwa 6 Monate 
ang. Direftor Ecciuns. Der Zeuge hat' Brandt versprochen, 
denn die Geschäfte der Berliner Vertretung lünftig in der vor— 
esklagenen Weife gefnhrt würden, ihn im Gehalt beher zu 
elen Eine Gehbaltserhöhung für Brandt erfolate auch bald 
ach der Räückkehr des Zeugen nach Essen. Die Gehalts, 
rhöhung war nicht wegen der Kornwalzer erfolgt. 
enn damals habe er noch nichts von seiner Tätigkeit gewußt. 
lbuch von Metzen habe ihm bis zu seiner Rückkehr aus Italien 
eewas dovon gesagt. daß Brandts Tätigkeit ihm nicht 
ebage. Er bhabe aber zu perstehen gegeben, daß er eigentlich 
nBerlin überflüssig sei, da Brandt sozusagen alles mache. 
s wird min das Schreiben,voem 22. Ju li. eröar tegt, 
Vdem von Megßen sich ausfübrlich über die Brandtsche Tätigkeit 
ußert und von einer sprunghaften Erhöhung der Bezũge 
zrandts abrät, da sonst die Erklärung nicht mehr aufcecht zu 
rhalten sei. daß die Jirma mit den Aufwendungen Braudts 
jcas zu iun habe. Der Zeuge erklärt, daß dieser Brief 
shm einen fehr üblen Eindruck gemacht habe. Er szi darauf- 
in sofort nach Berlin abgereist, ohne jedoh porher die Sache 
Direktorium zur Sprache gehracht zu haben. In Berlin 
atte der Zeuge aunächst eine Unterredung mit Herrn von 
Nehen. Diefer fagie, er habe den Brief schreiben müssen., 
eitin Berlin sehr üüble Dinge vor sich gingen 
ad er Brandt nicht traue. Er, wolle mit der Sache nichts 
u un haben. Brandt gber wolle ihn in die Sache hineinziehen. 
zJleibe et aus dem Spiel, so habe er gegen die Tätigkeit Brandts 
ichts einzuwenden. v. Matzen hahe weiter gesagt, Brandt be— 
nse sich nur mit der Einholung von Informationen 
id es sei am beiten, wesin er bon Berlin weggehe. v. Metzen 
iate weiter, Brandt sei im Besitze eines Nachschlüsßsels 
id man nisdte Schritte dagegen tun, damit er der Firxria 
uvp feine Unannehnstechkeiten bereiten koönne. In seiner Un— 
erredung mit Brandt erklärte dieser, von Metzen hehandle ihn 
hlecht. Er sei froh, wonn er weggehen könne. Denn er wolle 
ein auf seine repräsentativen Zusagen verzichten, wenn er 
e Geheimbeichte micht mehr zu liefern, hrauchte. Auf die 
rage des Zeugen, was er denn eigentlich mache, sagte er, 
erfehr'e'mit Kameraden und erflärte meiter, was 
t aetan habe. habe er 
im Einverständnis mit der Firma 
etan. Er selbst finde nichts darin, aber Herr v. Meßtzen 
ahe ihm das Herz schwer gemacht. Vrandt hahe dann guch 
on Nochrichten gesprochen, die er von Zeugseldwebeln und WMii— 
ilärbeamten erhalten habe. 
Um 123 Uhr wird die Sitzung auf 1 Uhr vertagt. 
Die Berhandlung wird um 1 Uhr 20 Minuten q;eder aufae 
omsmaen. DTet Borfitende erflärt. wenn Herr v. Mazen gegen 
ie Erhöhung der NRebenbezuge war. wel dann die Erklärung, 
aß die Firma Krinp init den Aufnrndungen Brandts nichls 
atun habe, vernichtet würde, so heiße das doch, daß die 
herren mit der Tätigkeit Brandts genau Beschend 
ßten, daß dies aber verdeckt werden sollte. 
Dder Zeuge Direktor Mühlon, erklärte aber, er halte 
s ür cu—“Olofsen, daß etwas Unrechtes geschehen W Die 
gebörden münten der Firma doch schon im eigenen Interelie 
Berichte zugehen lassen. Es habe also leinen Anlaß gegeben, 
darauf einzugehen. Auch Brandt habe jedenfalls derneun 
nwas Untechtes begangen zu haben. Der Zeuge erklärt weiter 
er habe Brandt gesagt, er solle die 
Geheimberichte lassen und den Verkehr lang—⸗ 
sam abbrechen. 
krx set ein g pacher Beamter, wenn er nichts Unrechtes tue. 
Mit Bezug au⸗ ie Unterredung in Essen mit Brandt und 
herrn v. Meßzen erklärte der Zeuge, ex habe Brandt neet 
zas eigentlich los sei. Er habe erwidert, er wolle mit den 
zeheimberichten nichts mehr zu tun haben. Darauf verlangte 
»er Zeuge, daß die Sache durchaus sauber sein mnüsse, sonst 
tte sie überhaupt keinen Wert. Brandt sei, darguf einiger— 
nafen umgefallen und habe erklärt, er werde die Sache weite; 
nachen. Es sei nichts dabei, wenn er auständig behandelt 
verde. Von Metzen habe erklärt, er wolle nichts davon wissen, 
wie Brandt, die Berichte zustande bringe. Er habe ihm, aber 
esagt, die Geheimberichte, sollen unter,allen Um 
änden aufhoöͤren. Damit sei aber nicht gesagt. daß er sofort 
einen häuslichen Verkehr mit den Zeugfeldweheln abbrechen 
ollte. In dieser Hinficht habe sich eine falsche Vorstellung in 
»er öffentlichen Meinung gehildet als ob er dafür, eine Funk⸗ 
rionszulage erhalten habe. Diese Funktionszulage habe er für 
xen gesamten Verkehr erhalten, wie ihn ein Kaufmann in dem 
eueren Berlin haben müsse. Von Anfang August an sollte 
Zrandt, beurlaubt werden, bis eine neue Beschäftigung für 
— 
n Berlin diese Feststellung getroffen hätte, brachte er die 
tngelegenheit Brandts in,einer Dizeltorial— 
ißüng zur Sprache. Des Jubiläums der Firma Krupp 
pegen wurde die Sache zunächst nicht weiter verhandelt. In 
er nächsten Direktorialfitzung kam man üherein, daß Brandt 
»On Berkin weg masse, über das Wann war man ver— 
chiedener Aufsallung. Man sagte sich; Wird Brandt sofort 
vberufen werden, dann hätte es den Anschein, als hätte man 
in schlechtes Gewissen. Läßt man ihn aber weiter auf 
einem Posien, so ist es ebenfalls nicht in der Ordnung. „Es 
vurden nun in der Folgezeit Verhandlungen über die Ver— 
ehung Brandts an das Grusonwerk eingeleitet. 
—EV 
E — — — — — 
Die Architekten und der Fall Ihne. 
(Machdr. verb.) 8. &H. Berlin, 31. Okt. 
Im Architektenhause fand eine vom Ausschuß zur Wahrung 
emeinsamer Interessen, der von der Vereinigung Berliner Archi⸗ 
ekten, dem Architektenverein und der Ortsgruppe Berlin des 
zundes Deutscher Architekten gebildet wird, einberufene Ver- 
ammlung siatt, die sich mit dem Fall Ihne beschäftigte. Für das 
eue Botschaftspalais in Washington war bekanntlich ein Wetta 
ewerb ausgeschrieben und aus diesem Wettbewerbe ging der 
zntwurf des Professors Bruno Möhring als Sieger hervor, 
essen Entwurf mit dem erften Preise gekrönt wurde. Alle 
Belt nahm nun an, daß ihm nun auch der Auftrag zuteil werden 
ȟrde. das neue Palais zu bauen, und so wirkte es wie ein 
zlitz aus heiterem Himmel, als der Kaiser, ohne sich um den 
Vettbewerb zu kümmern, den Horarchitekten Ihne, der sich nicht 
inmal an dem Wettibewerb beteiligt hatte, mit dem Neubau 
eauftragte. Diese Maßnahme erregte natürlich in den beteiligten 
Architektenkreisen lebhaften Unwillen. In der Sitzung im 
frchitektenhause, die sich mit dieser Angelegenheit besaßte, führte 
er Geh. Oberbaurat Dr.-Ing. Stübben den Vorsitz. Von 
ekannten Architekten nahmen ferner an der Konferenz teil Stadt⸗ 
aurat a. D. Knehn, Regierungsrat Blunck, Geh. Baurat 
BPolffenstein, Baurat Spindler sowie die Profchsoren Mõöhring, 
Ir. Seeßelberg und Seel teil. In der Besprechung der Ange⸗ 
egenheit, an der sich auch der am meisten davon betroffene 
Zrofessor Möhring beteiligte, wurde vor allem die merkwür dige 
ztellungnahme des Auswärtigen Amtes beleuchtet. Nach mehr⸗ 
lundiger Debatte beschloß der Ausschuh, durch Vermittlung der 
zereinsvorslände eine Tagung der Architelten Deutschlands so⸗ 
ald wie möglich in Berlin zu veranstalten. die zu der Konkur 
eenzangelegenheit Stostuna nehmen fof 
—— —— — — 
Vermischtes. 
Kleine Tagesereignisse. A. In München wurde ein italienischen 
Irbeiter am Ostbahnhof von einem Mann, der als Legitima⸗ 
jon seine Photographie in Polizeiuniform vorwies, für ver⸗ 
aftet erklärt. Er führte den Italiener abseits und beraubte ihn 
einer Barschaft; auch verprügelte er ihn noch und drohte ihm 
u erschießen. Der Jialiener hielt schließ ich den Verbrecher fest, 
is Schutzleute kamen und beide mit zur Wache nahmen, da 
er Italiener nicht Deutsch verstand. — W. Im Kreise Kischi- 
iew (Besiarabien) sind seit dem Ausbruch der Choleraepi— 
emie⸗ 329 Poripnen erkrankt und 15 geitorhen 
Schlechte Weinernte an Rhein und Moen 
Nach neueren Feststellungen hat, nachdem die Traubenlefe ũbe r⸗ 
ul beendet innn der dießährige Weinertrageüc Rhein- 
id Maoösclwinzer taischtich enttäusscht. Weniger in den 
eringeren als gerade in den besseren Lagen ist der Stdrag 
ehr minimal. In einzelnen Distrikten wurde uberhaupt 
eine Traubenlese veranstaltet. In Manschoß Ahrtal) wird 
er dertige Winzerverein, der im Vorjahre 300 Fuder erntete, 
ur Lein Sehntel des voriährigen Ertrages bekommen. 
Dr. Selbstmord eines Susaren., Ein Susax des 
daderborner 8. Husaren Regiments dat sich wahrend des Stall⸗ 
ienstes erhängt, Die Tat ist um, so weniger zu begreifen. 
zeil er bei seinen Vorgesetzten als tüchtioe und zuverlässio 
giu. Das Moöotio ist unbekannt
	        
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