Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

* 
Tagesbericht. 
Lüubed, 1. November. 
Zestmahl der Hamburger handelskammer zu Ehren 
des deutschen Fehmarnbahn⸗Komitees. 
Wie schon im heutigen Morgenblatt mitgeteilt, hat der deutsche 
—553 * —R einer Eisenbahnverbindung Samburag 
dubee Fehmarn Sanland Kopenhagen gestern in Sambura 
me Sibung abgeholten. Die begeisterte, zunersichite Fine 
mung die die Verhandlungen des deutschen Fehmarnbahnaus⸗ 
schufses beherrschte, fand bei dem Festmahl, das am Abend 
amburger Sandelskammer aus Anlaß dieser Zu— 
sammenkunft im Hotel Atlantic gab, einen kräftigen Wider⸗ 
hall, der in den Reden und Tischgesprächen nachklang. Die 
Ehrentafel zeigte in ihrem sinnbildlichen Schmud die Verkehrs⸗ 
mittel des tarzesten Weges zwischen Hamburg und Dänemark.— 
Fisenbahn. Faͤhre und Brücke — und deutsche und dänische 
Flasgen ergänzten diese Darstellung der Verkehrsverbesserung. 
An der Ehrenlafel hatte neben dem Präsidenten der Handels- 
kammer. Herrn H. Edm. Bohlen, der Präsident des 
Senals, Buürgermeister Dr. Schröder, Platz genom- 
men. Reben ihm saß der Vertreter des Lübecer 
Senats, Senator J. 8. Eschenburg, dann folgten die 
Serren Rudolf Crasemann, Alb. Ballin, Eisenbahnpräsident Pape 
Ind Richd, C. Krogmann. Links von dem Präsidenten der Han— 
delskammer fahen Senator E. Possehl-Lübeck, Senator Dr. 
Sthomer, Herr H. Robinow, Oberpostdirektor Köhler und Syn— 
dikus Dr. Albrecht. Die übrigen Festteilnehmer waren haupt⸗ 
sächlich Vertreter der 27 westdeutschen Handelskammern, die sich 
dem Fehmarn-⸗Verkehrsausschuß angeschlossen haben, von ihnen 
seien genannt Geh. Kommerzienrat F. W. Deufsen-Krefeld, Geh. 
Kommerzienrat Weber-Duisburg, Geh. Kommerzienrat J. An⸗ 
drae⸗Frankfurt, Kommerzienrat Wilh. Weber-⸗Harburg und Kom— 
merzienrat Tonne-Magdeburg, ferner Geh. Baurat Cäsar-⸗Altona, 
Eisenbahadirektox von Alvensleben-Lübed. Bürgermeister 
Tauscher⸗-Neustadt i. H. und Bürgermeister Lafrenz-Burg a. F 
Der Präsident der Handelskammer, Herr B. Edm. Bohlen, 
begrüßte im Namen der Handelskammer insbesondere die Ver— 
treter der Senate der interesfierten Städte. Er sagte u. a.: 
Mit regem Eifer, vollem Verständnis, ich darf sagen, lebhaftem 
Enthusiasmus, hat das Komitee heute die vorliegenden Pro— 
spekte beraten und nach allen Seiten beleuchtet, so daß, wenn 
der Enthusiasmus dafür allein ausschlaggebend, die Fehmarn- 
route, der kürzeste Verbindungsweg mit Dänemark, auf dem 
albten Kongevej, bereits so gut wie fertig wäre. Und ent— 
schlossen tönte es aus Ihren Verhandlungen heraus: „Störe 
meine Kreise nicht“ und „Gebaut wird sie doch!“ Aber als eine 
besonders erfreuliche Aufmunterung Ihrer Bestrebungen wollen 
wir es betrachten, daß hier heute Vertreter unserer höchsten Lan- 
desbehörden erschienen sind, vor allem seine Magnifizenz Herr 
Bürgermeister Dr. Schröder, die die geplanten Ziele wohlwollend 
verfolgen 
Der Präsident des Senats, Bürger meister Dr. 
Schrö der, dankte im Namen der Senate der Hansestädte der 
Hamburger Handelskammer für ihre Gastfreundschaft. Nach- 
dem er den klaren Blid, die kühle Auffassung, die Zuverlässig— 
keit und Tüchtigkeit des hanseatifchen Kaufmanns, der schon 
vor der Gründung des Reiches deutsche Interessen in allen 
Erdteilen vertrat, gepriesen hatte, gedachte Bürgermeister Dr. 
Schröder der glücklichen Beziehungen, die zwischen den Senaten 
und den Handelskammern bestehen. Wenn auch Meinungsver— 
schiedenheiten in einzelnen Punkten vorgekommen seien und auch 
wohl fernerhin vorkommen würden, so herrsche doch ein gemein⸗ 
iamer Grundgedanke, das Wohl des Ganzen zu fördern und gegen⸗ 
seitiges Vertrauen regele die Beziehungen. Bürgermeister Dr. 
Schröder kam dann auf den besonderen Anlaß der Zusammen⸗ 
kunft zu sprechen und hob die eifrigen Bemühungen des Aus—⸗ 
schusses für die Errichtung der Fehmarnlinie hervor. Er schloß 
mit dem Wunsche, daß diesen Bestrebungen ein glückliches Ge⸗ 
lingen beschieden sein möge. 
Bald danach nahm Herr Senator Possehl⸗Lübed, einer 
der Hauptförderer der Fehmarnlinie, das Wort zu folgender 
Rede: Meine Herren. Die gütigen und ermumernden Worte, 
die Seine Magnifizenz fur die Bestrebungen des Fehmarn⸗ 
Komitees hatte, und die freundliche Begrüßung der anwesenden 
Mitglieder des Komitees seitens des Präsidenten der Hamburger 
Handelskammer geben mir Veranlassung. zunächst und vor allem 
den beiden Repräsentanten des hamburgischen Staates und der 
rasihen Kaufmannfchaft unseren wärmsten Dank auszu— 
sprechen. 
Die lebendige Versammlung, die wir heute morgen 
in Sachen der Fehmarnbahn gehabt haben, die Zu— 
stimmung aller anwesenden Herren, sowie die gehobene 
Stimmung hier lassen mich annehmen, daß wir uns in Sachen 
des Fehmarnprojektes ungeachtet des Berliner Widerstandes alle 
auf der gleichen Linie, auf der der Hoffnung für den schließ— 
lichen Erfolg befinden. 
Meine Herren. Es gilt nachzuholen, was längst hätte 
geschehen sollen. Seit fast 40 Jahren hat Hamburg keine neue 
Vollbahn zu verzeichnen gehabt. Und eine norwegische Zeitung, 
Norges Siofartstidende, schrieb kürzlich, indem sie über das 
Rrojekt berichtete: „För Hamborg er det en sag af honndör“, 
für Hamburg ist es eine Ehrensache, daß es durch 
Erreichung der Fehmarnbahn seine alte direkte Verbindung mil 
dem standinavischen Norden, die es seit Jahrhunderten ent— 
sprechend den damaligen Verkehrsbedingungen besessen und die 
es inzwischen verloren hat, wieder hergesteilt sieht. In der gleichen 
Vage wenn auqch in bescheidenerem Maße, befindet sich Du be 
Und Westdeutschland hat sich uns heute angeschlossen, das it 
uns eine besondere Freude. Nun werden wir reiten meine 
Herten, und wir werden in dem benachbarten Danemart wie 
die Reichstagsdebatten in Kopenhagen in den letzten Tagen —* 
lich gezeigt haben, ein volles Verständnis, einen rräftigen 
Widerhall und ein noch stärkeres naturliches JInleresse finden 
Das läßt uns hoffen, daß in nicht gar ferner Zeit Hanburg 
»er große und natürliche Schnittpunkt des Verkehrs zwischen 
ven drei standinavischen Staaten nebst Finnland und dem west⸗ 
lichen Deutschland, ja überhaupt West- und Südwest⸗Europa sein 
wird, und das wird der Fall sein, wenn man von H 
funf und von Labed u pe Wgeez 
au in vier Stunden mit der direkten 
e gelfluglinie, nach Kopenhagen gelangen kann. 
nd in noch höherem Maße steigen die Abkürzungen im Ver— 
lehr für den Westen Deutschlands und für Wesleuropo. So 
sind wir Ihnen, meine Herren aus Westdeutschland 
etbnne schland, besonders 
den, ie heute, durch 25 Handelskammern vertreten, 
ach hier gekommen und unserem Bunde beigetreten sind. Da— 
durch erreicht unser Komitee eine vergrößerte Werbe- und Stoß⸗ 
ctaft, die wir nicht einrosten lassen werden. 
— — wird die Fehmarn-Linie nicht wieder von 
— sagte vorausschauend selbst der Minister der 
en Arbeiten; bei unserem nunmehr sich vom Norden 
is zum Westen des Reiches erstreckenden Bunde ist das un⸗ 
nöglich. Meine Herren, auf ein glückliches Gelingen! und ein 
räftiges Hoch unsern westdeutschen Alliierten. Sie leben hoch!!! 
Auf die zielbewußte Rede Senator Possehls dankte Geh. 
dommerzienrat Deussen Grefeld) im Namen der westdeut⸗ 
chen Handelskammern, indem er den hanseatischen Kaufmann 
ils den wahren, echten Kaufmann pries. Nachdem noch Herr 
Nax M. Warburg in einer launigen Damenrede des Interesses 
er dämischen und deutschen Damen an dieser verbesserten Ver⸗ 
»indung zwischen den beiden Ländern gedacht hatte, sprach 
zeh. Kommerzienrat Andreae (Frankfurt) in humoristischer 
Veise, indem er allen wünschte, daß sie stets auf dem KNir zest en 
Pege ihr Ziel erreichen möchten. 
Als die Festtafel ihrem Ende nahte, verlas Senator 
Bosfehl-Lübeck ein Telegrammsdes dänischen Feh— 
rarnausschusses, in dem dieser dem erweiterten deutschen 
lusschufse sur fein tatkräst'ges Cistreten dank!e und die Hoff— 
ung aussprach, daß es bald gelingen werde, die gemeinsamen 
Jläne ihrer Durchführung näher zu bringen. 
Die in diesem Telegramm, wie auch in verschiedenen Reden 
m dänischen Reichsstag zum Ausdruck gekommene Stimmung er— 
vecken die Hoffnung, so schreiben die Hbg. Nachr. zu den Ver⸗ 
jandlungen des Ausschusses. daß nun auch nicht bloß auf Laa— 
and und in einzelnen besonders interefsierten Städten, sondern in 
veiteren Kreisen des Dänenlandes eine zielbewußte und tat— 
räftige Arbeit für den Fehmarnplan einsetzt. Wenn dies in 
Erfüllung gehen sollte, dann wird es auch den Handelskammern 
on Hamburg und Lübeck im Bunde mit den westdeutschen Han⸗— 
elskammern gelingen, den zum Teil von örtlichen Interessen be⸗ 
inilußten Widerstand des preußischen Staates zu befiegen. Denn 
iuch Preußzen wird sich der Einsicht nicht verschliehen können, 
daß die Fehmarnlinie, die kürzeste Verbindung zwischen dem 
Westen Deutschlands und Skandinavien, für seine westlichen Pro— 
bvinzen so wesentliche Vorteile bringen wird, daß sie die Nach- 
leile für eine einzelne Stadt aufwiegen, die nach unserer An— 
icht auch nicht in dem befürchteten Umfange eintreten werden. 
Für Hamburg wird jedenfalls dier Verlauf der Zusammenkunft 
ein Ansporn sein, weiter darauf hinzuarbeiten, daß der alte 
Königsweg nach Dänemark in moderner Form wieder aufersteht. 
Der Bürgerausschuß hat in seiner heutigen außerordent⸗ 
ichen Sitzung auf Grund eines Gutachtens seiner Kommission den 
Senatsantrag auf Erbauung eines Konversations— 
zauses in Travemünde der Bürgerschaft zur Mitgeneh 
nigung empfohlen und in einem Ersuchen an den Senat zum Aus⸗ 
)rudk gebracht daß das Gebäude 5 mn weiter nach dem Strande hin als 
vorgesehen erbaut und die Lieferungen und Arbeiten zu dem Bau 
möglichst Lübeckern überwiesen werden. Ferner begutachtete 
her Bürgerausschuß auf Grund eines Kommissionsberichtes den 
Senatsantrag auf Erlaß eines Gesetzes, betr. die Gesindekranken⸗ 
rasse. Nach mancherlei Abänderungen wurde die Vorlage der 
Bürgerschaft zur Mitgenehmigung empfohlen. 
DEhremnvolle Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der 
vBroßherzog Adolf Friedrich von Medlenburg— 
Sütrelitz überwies dem zweiten Vorsitzenden und sportlichen 
Leiter des Lübecker Vereins für Luftfahrt, Herrn 
MRöller, sein Bildnis mit eigenhändiger Unterschrift und 
Zegleitschreiben in Anerkennung seiner Verdienste um die För 
»erung der luftsportlichen Interessen in Mecklenburg-Strelitz 
W. Das Parfsevalluftschiff „P L 160 über Lübeck. Das 
ieuerbaute Porsevalluftschiff „P L 16“ ist heute früh 6 Uhr 
537 Min. in Bitterfeld unter Führung des Oberleutnants Stelling 
u einer längeren Werkstattfahrt aufgestiegen. An Bord befinden 
ich 7 Personen. Das Luftschiff hat die Richtung Hamburg ein— 
jeschlagen. Kurz nach 10 Uhr wurde über der Elbe ein Luft⸗ 
reuzer gesichtet, der sich der Stadt in rascher Fahrt näherte und 
iach einigen Schleifenfahrten die Richtung nach der Luftschiff- 
sjalle in Fuhlsbütte einschlug, aber nicht landete. Finige Zeit 
anach überflog das Luftschiff auch Lübeck. 
Berein gegen den Mißbrauch gaeistiger Getränke. In 
— wurden vom 1. bis 81. Oitbr. 1918 
Glaãser Tassen Stück — Tassen 
Buttermilch Suppe Brot Milch Kaffee 
Narkt — 670 2110 .470 5784 
ztruckfãhre 55 619 3895 1835 2387 
dastadie 435 484 3563 1618 4557 
Narkthalle —2 522 2057 842 5896 
Intertrave 4 259 1352 480 2724 
—R 11 s6 509 1369 33668 
698 3200 18036 66134 25226 
WIgherdem wurden abgegeben: 320 Portionen Speise, 2347 Portionen 
urst. 
—A——— Oktober 1913 
röffneten Konkurse ist nach einer Zusammenstellung der Finanz- 
eitschrift „Die Bank“ mit 763 gegen 671 im September nicht 
merheblich gestiegen. Die Steigerung beruht aber vielleicht 
deniger auf wirtschaftlichen Ursachen als vielmehr darauf, dah 
die Gerichtsferien beendet sind und daß der Oktober einen 
Werktag mehr als der September zählt. Im Oktober 1912 
vurden 809 Konkurse eröffnet. 
. Vethaftung eines Betrügers. Festgenommen wurde ein 
Felegenheitsarbeiter von hier, der einen Milchfuhrmann in 
Travemünde um 10 Mebettogen hat. 
0 Diebstahl. Von der Haustur eines am Kohlmarkt wohn⸗ 
jaften Kaufmannes ist, gestern, gegen 708 Uhr abends, ein 
zrünlicher Uister mit großen dunklen Hornknöpfen im Werte von 
29 M.abhandengekommen und vermutlich gestohlen worden. 
Als Täter kommf, ein, dem Arbeiterstande angehötiger Mann, 
tna 32, Jahre alt, 1,768 m groß, mit, blondem Haat, blondem 
herunterhängendem Schnurrbart, schmalem, rötlichem Gesicht und 
chlanker Ssatur, bekleidet mit blauer Schirmmüße, dunkeige— 
treiftem Jachett, hellgrauer Hose und schwarzen Schnallen— 
chuhen, in Frage. 
Verhaftung einer Schwindlerin. Ermittelt und fest— 
zenommen wurde gestern nachmittag eine Händlerin aus Kiel 
degen, Beihilse zum Betruge, sowie wegen Uebertrelung der 
ßewerberrdnung. Die Festgenommene hat mit ihrer in Ham— 
zurg wohnenden Stieftochter am 1. Sept. d. J. hei einem 
siesigen Kaufmann für 150 MeuSpitzen erschwindelt. 
O.. Verhaftung einer Diebin und Wahrfagerin. Ermittelt 
ind festgenammen wurde eine Frau aus Körlin, die neben dem 
dande. mit, Nähmaschinen auch hiesigen Frauen wahrsagen 
vollte. Diele Gelegenheit benutzte sie zur Ausführung mehrerer 
diebstätle. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der l- A.“ uund l X.“ æ 
Krankenkafsen und Nerzte. 
Berlin, 1. Nov. Aus Krankenkassenkreisen wird mitge— 
eilt. daß die Kassen im allgemeinen bereit seien, Verträge 
mit Aerzten abzuschliehßen auf der Grundlage der Berliner 
Vereinbarungen. Man glaubt, daß die Regierung ver— 
mitteln wird. 
Velgien und der Krupp-Prozeß. 
B.T. Brüssel, 1J. Noo. Mit großer Aufmerksamkeit ver—⸗ 
folgt man hier den Verlauf des Krupp-Prozesses, besonders 
oweit er die belgische Armee angeht. Eine sonst neutrale 
Zrüsseler Zeitung hatte nämlich jüngst gegen das belgische 
triegsministerium den Vorwurf erhoben, daß es bei dem Hause 
zrupp Geschütze und Munition zum Teil von veralteten Mo— 
ellen, zum Teil von minderer Qualität gekauft habe. Gegen- 
värtig ist eine besondere Kommission mit der Untersuchung 
der Angelegenheit beschäftigt. Nicht mit klaren Worten, aber 
»eutlich erkennbarer Absicht werden die Aussagen des Herrn 
». Metzen wiedergegeben, soweit sie dessen Stellung in Belgien 
hetreffen und von seiner guten Bezahlung auf dem Brüsseler 
Posten handeln. Man sucht die Frage zu ergründen, ob der 
herkehr des Kruppschen Bevollmächtigten mit den belgischen 
Militärbehörden ebenso umfassend gewesen ist, wie er sich in 
Berlin zwischen den Vertretern der Firma und den Heeres⸗ 
beamten entwicdelt hat. 
Die mexikanische Krise. 
PC. Mexiko, 1. Nov. Die allgemeine Situation im 
Lande beginnt sich immer schwieriger zu gestalten. Die 
Finanzkalamität der Regierung ist sehr groß, so haben 
eie Staatsbeamten gestern zum ersten Male seit dreißig Jahren 
ihre Gehälter nicht erhalten. Die Mißstimmung gegen Huerta 
ist start im Wachsen, auch in der Armee, die bisher das 
getreueste Werlkzeug des Diktators war, gärt es bedent⸗ 
ich,. Die Wahlen haben HuUerta und Blanquet im Lande 
ine bedeutende Mehrheit gebracht. Die Revolutios 
näre haben sich nach ihrer Niederlage bei Monterey auf 
ine eigenartige Weise gerächt. Vor ihrem Rückzuge setzten 
je alle Eisenbahnwerkstätten und Lagerschuppen in Brand. Außer- 
dem zerstörten sie 603 mit Gütern beladene Wagen und sprengten 
9 Lokomotiven mit Dynamit in die Luft. Mehrere Wagen, 
die Eigentum von Privatgesellschaften sind, fielen ebenfalls 
hrem Zerstörungswerk zum Opfer. Der Schaden beläuft sich 
auf über 8 Millionen Mark. Die Stadt Monterey selbst ist 
merkwürdigerweise der Mut der Rebellen entgangen. 
W. Newyork. 1. Nov. Nach einem Telegramm aus Sauluis 
Potosi (Mezitoß) hat eine Gruppe, Rebellen, von einer 
30 Mann statien Polizeiabteilung, die zum Schutze einer in 
der Nähe liegenden Farm, gusgesandt worden 
war, 47 gemartert und getötet 
W. Berlin, 1. Nov, Die Morgenpost schreibt: Den Post- 
unterbeanmnten' ist dieser Tage eine angenehme Ueber— 
raschung zuteil geworden. Es sind die Nange gewünschten 
Zusagen bekannt gegeben worden, uͤnd sie haben um so 
mehr Beifall gefunden, als sie nicht allzuknapp bemessen sind. 
W. Wildparkeb. Voisdam, 1. Novb. Der Kaiser und 
der Erzherzog Franz Ferdinand sowie die übrigen 
Jagdgäsise trafen gestern abend. wie schon kurz berichtet, um 
II Ahr' 40 Min. auf der Fürstenstation Wildpark ein. Der 
Kaiser und der Erzherzog verweilten im Fürstenzimmer, bis 
er Sonderzug des Erzherzogs in den Bahnhof einfuhr. Der 
Faiser geleitete seinen Gast nach dem Salonwagen und nach 
jerzlicher Verabschiedung vom Kaiser trat der Erzherzog 
curz nach 12 Uhr die Rückreise nach Wien an. Der 
Kanser begab sich ins Neue Palais. 
W. Berlin, 1. Noo. Das Militärwochenblatt 
meldet: Der Herzog zu Braunschweig und Lüne— 
burg, bisher Rittmeister und Eskadronschef des Husaren⸗ 
regiments Zieten, brandenburgisches Nr. 3, ist anläßlich seines 
segierungsantritts zum Obersten à la suite des genannten 
Regiments ernannt worden und wird außerdem an der Spitze 
ind in den Listen des braunschweigischen Infanterieregiments 
Rr. 92 und des braunschweigischen Husarenregiments Nr. 17, 
deren Uniform er anlegt, geführt. 
PCO. Rom, 1. Nov. Der Kriegsminister Spin—⸗ 
zardi erhielt vom König in Anerkennung seiner Verdienste 
um die Armee während des italienisch-türkischen Krieges den 
Tditel eines Grafen. Außerdem wird Spingardi 
bwohl er die Altersgrenze bereits erreicht hat, bis auf wei—⸗ 
ijeres im aktiven Dienst bleiben. — Die Vresse aller Partei— 
richtungen begrüßt die Auszeichnung des Kriegsministers mit 
zroßer Befriedigung und zollt seiner bisherigen Tätigkeit reiche 
Anerkennung. 
PC. Paris, 1. Nov. Der Füuhrer der spanischen konser— 
dativen Partei, Maura, beabsichtigt, nach einer Babas— 
Depesche aus Madrid, sich binnen kurzem vom politischen 
Leben zurücdzuziehen. 
Fliegerlandung auf einem Baum. 
WV. Btomberg. 1. Nov. Der gestern morgen 9. Uhr m 
Zönigsberg aus seiner Jeannin⸗Stahltaube aufgestiegene Flieger 
Stiefnater geriet bald in Nebel und verirrte sich. Gegen mittag 
nischloß et sich zu einer Landung und ging im Gleitflug nieder, 
Dabei versing sich sein Apparat in dichten Baumkronen. Bel— 
dem Anprall wurde Oberleutnant Zimmermann aus dem Flug— 
zeug herausgeschleudert und schwer verletzt. Stiefvater selbst 
hat keine Verleßungen erlitten. 
Der Löwe in den Alpen. 
MW. Gratz. 1. Nor. Das, Raubtier, das seit einiger 
Jeit das. Alpengebiet unsicher, macht, ist gestern bei der 
Stadt Veilsberg gesichtet und als ein Löwe erkannt worden. 
Die Jagd ist im Gange. 
Der beftohlene Polizeipräfekt. 
FC. Brũffel 1. Nov. Ein unangenehmes Abenteuer ist 
dem früheren Chef der Pariser Polizei, Lepine, zugestohen. 
derine, der sich augenblidlich auf einer Vergnuügungsreise durch 
Belgien befindet, erwartete gestern auf dem Bahnhofe von 
Elielen den Exprebzug Amsterdam-VParis. Bei dieter Ge— 
legenheit ist er das Opfer eines geschickten Taschendiebes ge— 
worden, der ihm aus seinem Jackeft eine Brieftasche mit meh— 
reren Tausend Franken Inhalt stahl. Er bemerkte seinen Ver— 
lust erst, als er im Zuge saß, und machte dem Zugführer davon 
Mitteilung, der qus der nächsten Station halten ließ und die 
Polizei von dem Diebstahl verständigte. 
Hochwasser in Oberitalien. 
PC. Mailand, 1. Novb. Der, Vo ist infolge der, Regen⸗ 
usse der, letzten Tage über die Ufer getreten und die ganze 
Poebene steht unter Wasser. Auch der Tessin führt Hochwasser. 
Die Fbet der Dörfer in der Ebene ist vom Wasser bereits 
umfpüllt, unde die Einwohner, derer sich eine große Panik 
bemächtigt hat, sind vom Verkehr untereinander völlig cbge— 
schnitten. Der Zugverkehr auf verschiedenen Strecken üt unter- 
brochen, da die Eisenbahndämme untersnpült sind. In Venedig 
steht der Marzkusplatz völlig unter Wasser. Das Wasser hat 
befonders in Piemonf großen Schaden angerichtet. 
W. Hambura, 1. Nov. In einer Korksteinfabrik 
in Billbrool ist heute morgen ein großes Schadenfeuer 
ausgebrochen. Vier Züge der Hamburger Feuerwehr beteiligen 
sich an den Löscharbeiten. 
Elberfelsld, JI. Noo. Ein geheimnisvoller Doppel— 
selbstmord beschäftigt die Staatsanwaltschaft in Barmen. 
kine 28jährige Gesangschülerin starb im Barmer städtischen 
Krankenhause an Sublimat-Vergiftung. Ein Photograph aus 
Barmen verübte an ihrem Totenbette Selbstmord durch Er— 
ichießken. 
Wattensche'd, 1J. Nop. Ein erschütternder Vor— 
fall hat sich in der Totenhalle der Zeche „Zentrum“ zuge— 
ragen. Die Witwe des vor einigen Tagen auf Schacht 1 
oerunglückten Steigers Muß hatte genünscht, vor der Beerdigung 
noch einmal von der Leiche Abschied zu nehmen. Als sie 
wenige Augenblicke an der Bahre verweilt hatte, brach sie 
lötzlich, von einem Herzschlag getroffen, tot zusammen
	        
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