Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

αe 
—2 
— —4 
—æ 3 6 7 — 
—135 JI 6463— 
—58 3 —— 8 
, 
Woöchentlich 28mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
preis für das Vierteljahr 3,30 Wark einschließlich 
Bringgelb in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Besteligeld 3330 Mark. Einzelnummern 10 Pfg. 
Anzeigenpreis (Ausgabe 4 und 98) für die 
Zeile 0 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
1s Pfg. für Auswãrtige 30 Pfg., f. Geschaͤftl. Mit⸗ 
teilungen 1Mk. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Satz den Anforderungen entsprechend höher. o 0 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
163. Jahrgang Nachrichten für das Hherzogtum Lauenburg, die 
ede cr gürstentũmer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
— J——— Jende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlaga: Gebrüder Borchers G. m. b. 8. m Lubed. — Geschãftsstelle Adrebeuus (Königstr. 46).. Fernspre cher —V — 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübecdd 
Beiblatt: Gesetz, und Verordnungsblatt te 
—EXEE 5σο 
D 
A 
Sonnabend, den J1. November 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 555. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. 
nichtamtlicher Teil. 
entsetzlichsten Qualen zurückschredende LTodesfreudigkeit o5 
Kämpfer. Kein Wort von der glühenden Vaterlandsliebe 
und der frommen Ergriffenheit der deutscher Streiter. Zum 
Schluß des Aufsatzes wird ein Brief des Sozialisten Friedrich 
Engels, der die Zeit nach 1815 behandelt, zitiert, der u. a. 
folgende Schimpfworte enthält: „derselbe lumpige, hunds 
föttische, gottverfluchte König“, „unsere maiestätische Rotznase 
»on Berlin“. Der Aufsatz schließt mit dem Zitat von Engels 
Worten: „Ich erwarte bloß von dem Fürsten etwas gutes, dem 
„ie Ohrfeigen seines Volkes um den Kopf schwirren, und 
dessen Palastfenster von den Steinwürfen der Revolution zer⸗ 
chmettert werden“ Wie lange werden deutsche Ar—⸗ 
zeiter sich solche Gemeinheiten gefallen lassen? 
— g8sier in Lubed wollte man natürlich nicht zurücksstehen, man 
ieh sich aus Berlin einen der verhaßten Akademiker kommen, 
»er dann unter dem Mantel der Wissenschaftlichkeit der Ge⸗ 
hichte das Wort im Munde herumdrehte. Aber das klang 
och noch zu sachlich, irgend eine kleine Gemeinheit mußte 
och noch hinein und die leistete sich der Berichterstatter des 
Kolksboten, der über den Vortrag des „Genossen“ Dr. Weilf 
eferierte. Der Vortragende fühlte sich bemüßigt, die 
ragische Reise der Dulder-Königin Luise nach Memel 
ils ein Märchen hinzustellen, flugs macht der sozial⸗ 
emokratische Schmod ein Paar Klammern und schreibt hinein: 
(Eine Vergnügungsreise! Der B.)“. Das ist sozialdemokratische 
lchtung vor dem Unglück der gebeugten Vaterlandsliebe einer 
dlen Frau! Das Widerlichste leistet sich aber wohl in diesem 
zusammenhang die Bremer Bürgerzeitung. Das Organ der 
zremer Genossen spricht von der Königin Luife als einer 
oketten und oberflächlichen und niedlichen Grisette, deren 
Vesen sich am deutlichsten in ihrer Ehe gezeigt habe, und fährt 
ann fort: „Der König Friedrich Wilhelm III. gehörte zu 
en unglaublichsten Individuen, von denen selbst die deutsche 
Fürstengeschichte zu erzählen weiß; es war ein so eigen⸗ wie 
rumpfsinniger Trottel, und man kann es der Königin nicht 
»Rsehr verargen, wenn sie sich gelegentlich kleine Extratouren 
trlaubte. zumal da sie aus diesen Fährnissen ihre „anato— 
nissse Unschuld“ gerettet zu haben scheint. Aber mit einem 
hatten dieses Kalibers 16 Jahre hausgehalten, ihm zehn Kinder 
eboren und ihn sozusagen ein wenig menschlich auffrisiert zu 
aben, das ist ebenso ein Beweis dafür, daß die Königin ein 
utmütiges Herz besessen hat, als auch dafür, daß sie eine 
echt flache Natur gewesen sein muß.“ Und eine solche Rotte 
pagt, von Idealen zu reden, wagt, von Vaterlandsliebe zu 
eden, von Jugenderziehung, sie, die wie Gassenbuben alles mit 
Ddred bewerfen, was dem Deutschen heilig ist, die schamlos 
eden Anstand fallen lassen, wo es nur gilt, deutschen Frauen 
ind Männern ins Gesicht zu speien. Und dann treten diese 
elben Menschen auf und schauspielern helle Empörung, wenn 
nan auf ihren Mangel an Vaterlandsliebe hinweist, 
ind bemühen sich eifrig (allzu eifrig!“ zu versichern, daß sie 
hr Vaterlond genau so hebten wie andere Leute. ihr Wider— 
stand richte sich nur gegen die herrschende Regierungsform. 
Welche Heuchelei darin liegt, beweist ein uns nicht fernliegenden 
Jall aus dem letzten Reichstagswahlkampfe. Danach bekannte 
ich in Travemünde „Genosse“ Radden offen zur Vater⸗ 
andslosigkeit, indem er erklärte: „Es ist einerlei, o b 
Ddeutschland unter einem englischen oder 
ranzösischen Gouverneur stehe. Wo es dem 
Arbeiter gut geht, da ist sein Vaterland.“ Wollte man sich 
nach beliebtem Muster dahin herausreden, daß in der Hitze 
des Wahlkampfes wohl mal solch ein vorschnelles Wort fallen 
tönne, so sei darauf hingewiesen, daß gerade diese Aeuße⸗ 
rung noch nachher in verschiedenen Versammlungen mit sicht⸗ 
lichem Behagen breitgetreten wurde. Aber man braucht 
zar nicht soweit zurũüdzugehen. „Genosse“ Radden steht nicht 
Alein, er wie andere geben eben nur der inneren Ge— 
innung der Sozialdemokratie Ausdruck, die, wo es nõ tig 
st, sorgfältig verschleiert wird. Als zum Beispiel die Krieger— 
ameradschaft die Stadtverwaltung von Kaiserslautern um Be⸗ 
eiligung und Bewilligung eines Zuschusses zur Veranstaltung 
einer Erinnerungsfeier an die große Zeit vor hundert Jahren 
ersuchte wurde der Antrag in der Stadtverordnetenversamm⸗ 
lung mit 13 sozialdemokratischen gegen 12 bürgerlichen Stimmen 
abgelehnt. Als der Oberbürgermeister darauf hinwies, daß 
gerade die Pfalz allen Grund habe, die Erinnerung an die 
Befreiung vom korsischen Joche feierlich zu begehen, leistete 
ich der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Klement den 
Zwischenruf: „Ob wir bei Deutschland besser ge— 
ahren sind als bei Frankreich, ist die Frage 
Süddeutsche Zeitung Nr. 24 vom 9. 10. 13). Der Fraktions—⸗ 
zenosse Klements, der Reichstagsabgeordnete Johannes Hoffmann, 
der Vertreter des Wahlkreises Kaiserslautern (nicht zu ver⸗ 
pechseln mit dem bekannten „Zehngebote-Hoffmann'“), suchte 
ie Aeußerung, die lebhaften Widerspruch hervorrief, dadurch 
Wzuschwächen, daß er erklärte, die Sozialdemokraten hätten 
zrundsätzlich gegen die Feier der Befreiung vom französischen 
Joche nichts einzuwenden, nur die Art der Feier gefiele ihnen 
icht. Alles Leugnen hilft nichts, die Beweise über die 
Vaterlandslosigkeit der Sozialdemokratie vermehren sich eben 
ortwährend, und das Verhalten der Genossen zur Jahrhundert- 
eier ist nur ein Glied in der Kette ihrer undeutschen Ge— 
innungen. Es würde dieser Partei ja auch ein wesentlicher 
Zug fehlen, wenn sie sich bemühte, in die Herzen der Arbeiter 
die Liebe zum Vaterlande, zum deutschen Wesen, von dem 
ein Großer sagte, das an ihm noch einmal die Welt 
genesen solle, zu säen, statt Haß und Verachtung. Die Vater—⸗ 
landsliebe ist eben nur eine Maske, die sie sich vor das 
aßverzerrte Gesicht halten. Denn wo Liebe ist, da ist Zufrieden⸗ 
heit, ist Vertrauen. Von Unzufriedenheit aber und Mißtrauen, 
davon lebt die Partei. Ihre Agitationssucht, durch die allein 
sie ständig die deutsche Arbeiterschaft nicht zur Ruhe kommen 
läht. die ihr schadet, politisch, wirtschaftlich und lulturell, 
zeigt sie jetzt wieder so recht in den wie Pilze nach einem 
taumelnden Erdball, ut. alle Schmerzen und all das Leid der 
schlummerlosen Nächte.... 
Auf ihrem lichten Schimmel reitet Irene dicht neben dem 
alänzend schwarzen Rappen ihres Gatten. 
Man sieht sojort, die Marquise dEsterre ist eine der be4 
iebtesten Erscheinungen der internationalen Gesellschaft Nizzas. 
Kaum eine Equipage, aus der ihr nicht ein herzlicher Blick 
zuftiegt oder ein heiterer Gruß oder ein scherzendes Wort. Und 
mmer wieder sprengen elegante Reiter herbei, um der schönen, in 
hrem prailen dunkelblauen Reitkleid wie angegossen auf ihrer 
weißen Stute sitzenden Amazone ihre Aufwartung zu machen. 
Jetzt nähert sich inmitten der schier endlosen, sich langsam 
borwärtsschlängelnden Wagenreihe ein eleganter zweisitziger Bucky, 
auf dessen hohem Sitz eine graubagarige, gütig blikende Dame und 
ein glattrasierter. etwas blasßiert dreinschauender Jüngling 
thronen. 
Mit einem leisen Freudenruf begrüßt Irene die Contessa 
duisa Bertinetti und bald ist eine angeregte Unterhaltung, 
an der auch der Marquis sich beteiligt, im Gange, während 
der junge Conte Marco Mühe hat, mit sicherer Hand die feurigen 
Apfelschimmel im Zaum zu halten. 
Dann reitet nach herzlichem Abschiedsgruß Irene weiter, 
ndes ihr Gatte den Bucky noch eine Welle eskortiert. 
Die Contessa LQuisa Bertinetti ist eine Jugendgelpielin des 
Marquis, und beide haben e'nander, obgleich ihre Lebenswege 
ahrelang auseinandergingen, herzliche Freundschaft bewahrt. Die 
Lontessa war es, die allen anderen voran der jungen Mar— 
zuise Irene warme Sympathien entgegenbrachte. Und da die 
alte Dame die einzige Tochter des Herzogs von Torlonia ist, also 
dem ältesten Adel der Gegend angehört, und ihr Takt und 
Heschmack zumeist in ihren Kreisen als Vorbild dienen, so folgte 
man auch hier der gegebenen Richtung und alzeptierte die „von 
irgendwoher eingeschneite“ Marquise als völlig zu ihnen gehörig. 
Auch heute dreht sich das Gefpräch der beiden alten Ju—⸗ 
zendfreunde fast nur um Irene. 
„Wie reizend sie wieder ausfieht! Und wie taden 
ie zu Pferde fitzt! Wahrlich — die Welt beneidet Sie i 
Unrecht, lieber Freund!“ 
Die guten Augen des Marauis strahlen vor Sinsa 
Dabei weiß sie gar nicht, wie schön sie ist“ 
Rote Masken. 
Dr. K. Lübed, 1. Nop. 
Wenn man es auch aus angeborenem Reinlichkeitsgefühl 
so lange irgend angängig, vermeidet, sich mit der Partei der 
persönlichen Gehässigkeit und der Undsachlichkeit, genannt 
Sozialdemokratie, zu beschäftigen, treten doch zuweilen Mo— 
mente ein, wo einem die Galle überläuft und es nötig wird, 
diesem auf Verhetzung, Verführung und Verdummung der 
deutschen Arbeiterschaft ausgehenden Gebilde einige der beliebten 
Masken vom Gesichte zu reißen. Solche Momente haben sich 
m letzter Zeit wieder einmal recht gehäuft. Wenn man im 
allgemeinen absieht von den Albernheiten, mit denen die 
sozialdemokratische Presse, z. B. auch der hiesige Vollsbote, 
sogenannte politische Kämpfe zu führen beliebt — sie muß ja 
wissen, wie niedrig sie ihre Leser einschätzen darß — so 
finden sich in ihr doch zuweilen Sudeleien, die niedriger gehängt 
zu werden verdienen. Was sich die ihr Vaterland angeblich 
liebende Sozialdemokratie in Entstellung, Verhöhnung und 
Beschimpfung der deutschen Ideale anläßlich der Jaher— 
hundertfeiern des deutschen Volkes geleistet hat, 
geht dann doch — gut deutsch gesagt — auf keine Kuhhaut 
mehr. Sammelte man all diese ekelhaften Wutausbrüche, so 
wäre man geneigt, zu glauben, Veröffentlichungen einer 
Gesellschaft zur Verbreitung von Schmutz in Wort und Bild 
vor sich zu haben. Nur einiges Kleine sei hier niedriger 
jehängt: Die sozialdemokratische Volksstimme in Chemnitz 
schrieb am 17. Oktober: „In Leipzig erhebt sich roh und 
plump das Lotteriedenkmal der Völkerschlacht. Wie ein riesiger 
Briefbeschwerer, ein steinernes Reklameplakat. Der phantasielos 
gefügte Steinhaufen wirkt in der Urgestalt nicht gröher als auf 
den Ansichtskarten... Nicht weit von diesem Steinhaufen 
glänzt in den Himmel die goldene Kuppel einer russischen Kirche. 
Man möchte sie aus der Ferne für eine Attrappe halten aus 
dem Vergnügungspark der benachbarten Baufachausstellung, 
wenn man nicht wüßte, daß es wirklich eine russische Kirche ist.“ 
Hübsch, nicht wahr! — Dann folgt unter dem Abschnitt „Was 
feiert man?“ eine Schilderung der kulturellen Errungenschaften 
unter Napoleons Kaiserherrschaft und eine kurze Darstellung 
der Leipziger Schlacht, aus der man herausliest, Napoleon und 
die Franzosen sollen geehrt, die Verbündeten und das deutsche 
Volk verkleinert werden. Kein Wort in jenem empörenden 
Aufsatz über die Hesdenhaftigkeit. über die auch nicht vor den 
Irrlichter des Glücks. 
Ein Gesellschaftsroman von der Riviera. 
Von Erich Friesen. 
(5. Fortsetzung.) Machdrudk verboten.) 
Irene fühlt, wie ihre Augen sich verdunkeln vor aufstei— 
genden Tränen. Ach, sie kennt ja die unerschöpfliche Herzens-— 
güte ihres Gatten, die in jedem Menschen nur das Gute sieht 
und jeden Charakterfehler zu entschuldigen sucht. Impulsiv 
faßt sie seine beiden Hände und drückt sie an ihr Herz. Doch 
weicht der gespannte Ausdrudk nicht von ihren Zügen. 
„Schon längst habe ich es mir vorgenommen, bei der 
ersten passenden Gelegenheit Adeline mitzuteilen, daß ich es 
war, der die Verbindung mit allen Fasern seines Herzens er— 
strebte,.“ sährt der Marquis etwas erregt fort. „Daß ich dir 
und deiner Mutter von Ort zu Ort folgte und mich nicht zurück— 
weisen ließ — auch nicht durch cinen zarten Korb von deinen 
schönen Händen. Daß ich dich beschwor, dich anflehte, mein 
Weib zu werden. . . . Denn sieh, Irene: Liebe, wahre Herzens⸗ 
liebe it wie ein Magnet. Mit unwiderstehlicher Kraft zieht 
fie ein gleiches Gefühl hervor, erwedt sie Gegenliebe. Darauf 
etzte ich meine Hoffnung — ich, der alternde Mann, von dem 
es vielleicht eine Vermessenheit war. dein junges Leben an das 
meine zu ketten.“ 
„Du weißt, ich habe die berüchtigten Dreißig längst hinter 
mir, gehöre also nicht mehr zu den Jungen,.“ fallt fie leise 
lächelnd ein. 
„Immerhin. Im Verhältnis zu mir bist du jung — ganz 
sung,“ erwidert er lebhaft, „und ich wundere mich jetzt selbst 
über meine Kühnheit, mit der ich fest an meinen Storn 
dlaubte. . . Komm, liebste Irene“ — sanft geleitet er sein Weib 
wieder zu ihrem Stuhl und setzt äich neben sie —, „beende dein 
Frühstück und die Brieflektüre! Der Morgen ist herrlich. Ein 
Ritt die Promenade des Anglais entlang, hinauf zum Schlotz⸗ 
berg. wird uns beiden gut tun. Er wird die trübe Stim— 
mung verscheuchen, die mein teures Weib heute wie ein Schleter 
umfangen hält, und das gewohnte Grübchenlächeln wieder 
qduf ihre Wangen zaubern.... Uebrigens“ — er zieht ein 
Telearamm aus der Tasche, das er vor kaum einer halben 
-Ztunde erhalten —, „zu Mittag kommt Reginald von vVille— 
ranche herüber. Hoffentlich bleibt er wieder ein paar Tage! 
den guten Jungen mit seinem fröhlichen Gesicht und seinem 
rischen Lachen habe ich gar zu gern um mich! Ilst es dir recht 
iebe Irene ? 
„Deine Freunde sind auch meine Freunde,“ erwidert sie 
erzlich. 
„Gut also!. .. Und nun werde ich Befehl zum Satteln 
der Pserde geben.“ 
Jovial nickt er ihr zu und verläßt mit seinem gewohnten, 
»uhig festen Schritt das Zimmer. 
Irene blickt ihm mit einem seltsamen Ausdruck nach, bis 
zie Tür hinter seiner markigen Gestalt zugefallen ist. Dann 
hließt sie die Augen und preßt die Hand aufs Herz, wie in 
inem Ansall von Schwäche. 
„Wie gut er ist!“ murmelt sie in verhaltener Erregung. 
‚Wie gut und edelimilstig!... Und wie ich ihn liebe!... 
Gott, allmächtiger Gott, erhalte mir seine Liebe! Laß 
tichts zwischen uns kommen, das uns trennt!“ 
Sie inn in ihren Stuhl zurückgesunken und verharrt einige 
zekunden bewegungslos. Dann rafft sie sich leise aufseufzend 
mif. Rasch packt fie ihre Briese zusamnen und folgt ihrem 
Hatten, um sich für den Spazierritt fertig zu machen. 
* 
Auf der Promenade des Anglais, dem weiten, sich das Meer 
mntliangziehenden Kai, alles Leben und Bewegung. 
Es ist zwölf Uhr mittags — die Zeit, da „ganz Nizza“ sich 
zier unter den schattenden Bäumen, angefichts der blauen 
Meereswogen, bei den schmelzenden Weisen einer wohlgeschulten 
zapelle, ein Rendezvous gibt. 
So ziemlich alles, was die „Königin des Mittelmeers“ 
in Rang und Geist und Schönheit und Geld zurzeit beherbergt 
— es findet sich hier ein, entweder hingeschmiegt in die leuch— 
enden Seidenpolster gummiberäderter Karossen .. oder, um— 
üllt von duftigen Schleierwolken. in mit fabelhafter Ge 
chwindigkeit dahinsausenden Automobilen .... oder mit ele— 
janter Grazie hoch zu Roßz .. oder in schicken Promenaden. 
ostümen und hochhackigen französischen Stiefeletten ganz ple— 
zejisch zu Fuß. Aber immer heiter, lebensfroh, strahlenden 
Luges, als ob alle Tränen ünweggewischt wären von unserem
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.