Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

iter dem Ruheum „See und Genossen“ vor dem Senat 
es Reich⸗⸗Militärgerichts unter Vorfitz des Senats präsideaten 
Thieimann geführt werden, doch ist, wie uns von dreige 
Slelie mitgeeili wird, Termin zur Hauptverhandlung noch nich 
anberaumt. 
* * v 
Ausland. 
Rußland. ; 
pPC. Die Konstitution. Die Gerüchte über weitere Ein⸗ 
chränfungen der Konstisution wollen nicht verstummen und be⸗ 
zinnen auch die Parlamentarier nervös zu. machen. Um der 
ZSach auf den Grund zu gehen, wandte sich der Führer der 
Nnatonausten. Dalatschew, an den Justizminister und fragte 
bn bee wahr sein daß ein Proiekt ausgearbeitet werde, 
ponach das Parlament nur gesetzberatende Stimme haben soll. 
er Zulminister antwortete, daß ihm davon nichts betannt sei. 
Amerila. 
PC. Bevorstehende Intervention in Mexilko. In untertich 
teten Kreisen Washingfons verlautet, dah Präsident Wilson 
ntschlossen ist, in Mexikgeinzuschreiten. Wilson 
oll beabsichtigen, Huerta zum Rüdctritt zu zwingen. Vier 
amerikanische Kriegsschiffe befinden sich untfer Volldamnpf 
dufs dem Wegenach Veracruz. Die fremden Diplomaten 
n Mexiko sollen die Ueberzeugung gewonnen haben, daß eine 
Intervention das einzige Mittel ist, die Fage in 
Mexiko zu klären. Präsfident Wilson hat infolgedessen die 
euroräischen Mächte ersucht, sie möchten Huerta nicht wie⸗ 
errennen bis die Situation in Mexziko vollkommen 
Jeklärt ist. 
China 
eunen Kabinetts. Das Programm 
es das rghnm dezgen lautet: Reorganisation der 
Armee, Gründung einer Marine-Akademie, Kürzung der Aus— 
zaben der Provinzialverwaltungen, Aufnahme einer Anleihe 
zon 300 Millionen zum Ankauf für die früheren Banknoten. — 
Zwischen dem Präsidenten und dem, Parlamznt ist 
28 zum ersten Konfllilt gekommen. Die Kommisnn zur 
Ausarbeitung der Konstitution versagte drei vom Präsidenten 
Juanschilat obgesandten Beamten den, Zutritt zu den Be— 
atungen. Der Präsident hat gegen dieses Vorgehen vrotestiert 
heer und Flotte. 
Der Kronprinz Kommandenr des ersten Garderegiments? 
In Potsdamer Militärkreisen wird davon gesprochen, daß der 
Kronprinz Anfang des nächsten Jahres — wahrscheinlich zum 
GFeburtstage des Kaisers, spätestens beim Frühjahrsrevirement 
— den Posten des Kommandeurs eines Gardeinfanterieregi⸗ 
nents erhalten soll. Der Kronprinz soll, so wird in einge— 
veihten Kreisen versichert, das Kommando des ersten Garde— 
regiments zu Fuß übernehmen. Da der Kronprinz jetzt als 
tangältester Kommandeur eines Kavallerieregiments steht, ist 
die Versetzung in eine andere Stellung in allernächster Zeit zu 
rwarten. Demgegenüber teilt das Hofmarschallamt des Kron—⸗ 
rinzen mit, daß sämtliche Mietsverträge vor kurzem bis zum 
Dttober 1914 verlängert worden sind. 
ageshericht. 
Läbeck, 31. Oktober. 
Synode. 
Nach fünfmonatlicher Pause versammelte sich gestern die 
Syode besonders vollzählig. Zunächst wurde die vom Kirchen⸗ 
rate vorgelegte Abrechnung über die Verwaltung der allge— 
neinen Kirchenkasse im Jahre 1912 debattelos genehmigt. 
Alsdann beantragte der Kirchenrat die Bewilligung von 46 000 
Mark zur Erbauung einer Amtswohnung für den dritten Geist— 
ichen der St. Lorenz-Kirchengemeinde nebst Konfirmandensaal 
auf dem vom Staat überlassenen Grundstück Moislinger 
Allee 96. Zur Erlangung von Plänen hat ein Wettbewerb statt 
jefunden. Acht Entwürfe gingen ein. Das aus den Herren 
Baudirektor Baltzer, Baurat Mühlenpfordt, Philipp 
Paulig, Vastor Mildenstein, Geh. Baurat Hossfeldt 
bestehende Preisgericht hat keinen der eingegangenen Entwürfe 
als eine reife Lösung erklärt, war aber der Ueberzeugung, daß 
ein von der Architektenfirna Glogner KVermehren vor— 
zelegter Entwurf durch Umarbeitung zu einer baureifen Lösung 
zebracht werden könne. Die daraufhin erfolgte Durcharbeitung 
ind Abänderung hat die Zustimmung des Vorstandes gefunden. 
Der einstimmige Beschluß der Synode, die geforderte Bau— 
summe und 993,54 Muzur Bestreitung der Kosten der Um—⸗ 
ichrift des Grundstüdes auf die St. Lorenz-Kirchengemeinde 
aus dem Baufonds der Allgemeinen Kirchenkasse zu bewilligen, 
bewies, wie sehr man von der Notwendigkeit, im Süden von 
St. Lorenz eine neue Kirchengemeinde ins Leben zu rufen, 
durchdrungen war. — Das Gebäude der Kirche zu Nusse 
»edarf umfassender Reparaturen. Als das Allernotwendigfte 
hat sich herausgestellt die Erneuerung des Kirchendaches, der 
Bau eines Glockenturmes, die Beschaffung eines neuen Ge— 
tühles, die Verbreiterung der Orgelempore, die Verbesse- 
uung der seitlichen Eingänge, die Herstellung eines neuen 
Zaupteinganges und die Beschaffung einer Niederdrucdampf—- 
jeizung. Die Kosten werden auf rund 51000 M veranschlagt. 
5000 Mestehen aus dem Baufonds der Kirche zur Verfügung. 
10 000 Musollen vom Senate als dem Patron der Kirche 
erbeten werden und es ist in Aussicht genommen, zur Bestrei—⸗ 
lung des Restes der Kosten in der Höhe von 31000 Midie 
Beihilfe des Staates in der Form in Anspruch zu nehmen, daß 
der Kirchengemeinde Nusse ein zinsfreies Darlehen etwa in 
dieser Höhe mit der Verpflichtung, zu dessen Rüdzahlung 
n 28 Jahren gewährt wird. — Ohne Debatte wurde 
der Antrag des Kirchenrates, aus der Allgemeinen Kirchen⸗ 
lasse einen einmaligen Beitrag von 5000 M zum Umbau der 
Nusser Kirche zu gewähren, angenommen. Nachbewilligt 
vurden 605,67 Mizu den Kosten de— Herstel ung einer Niederdruck⸗ 
Dampfheizungsanlage in der St. Aegidienkirche. — Da die 
Amtsdauer des Vorsitzenden, des stellvertretenden Vorsitzenden 
ind des Schriftführers der Synode abgelaufen war, wurde 
um Schluß der Sitzung eine Neuwahl vorgenommen. Ober— 
amtsrichter Dr. Leverkühn, Hauvbtvastor Evers und Pastor 
Lütae wurden wiedergewählt. 
Lubechker Segelwoche 1914. 
ome ge— —A Freitag, den 3. Juli 
mit der Wettfahrt von Kiel nach Travemünde und 
»er Entgegenfahrt der Milglieder des Luͤbeder Yacht⸗ Clubs 
n See zur Begrußung der von Kiel lommenden Jachten am 
Morgen desselben Tages ihren Anfang. — Der Sonnabend 
4. Juli) ist wie immer als Ruhetag vorbehalten, wo sich die 
Zegler im Ratskeller zu Labed zum Fruhstück vereinigen, waährend 
ibends im neuen Kurhause im Stadtteit Travemunde die Preis⸗ 
erteilung für die Segelwettfahrt Kiel Travemunde voraus⸗ 
ichtlich durch den Kaifer vorgenommen wird de— sich der 
Bierabend der drei Klubs, Kaiserlicher Jacht⸗Klub, Norddeutscher 
Regatta-⸗Verein und Lübecker Yacht-Club, anschließt. Am Sonn-— 
ig. dem 5. Juli, ist die Seewettfahrt vor Tra vemn nnde 
Kaiserregatta) geplant. Am Montag, dem 6. Juli, Dienstag, 
dem 7 Iun und Mitiwoch drnn . Juli solgen dann die R3 
atten des Lübecker VachtCubs fur die Jachten der einen 
Uassen und der Sonderklasse. — Am Dienstag, dem 7. Juli 
rũh ist die Wettfahrt von Travemüunde nach Warne«- 
rvünde, wo sich die an dieser beteiligt gewesenen Jachten am 
onnerstag noch ein Rennen unter dem Stander des Großherzog- 
ich Mecklenburgischen Jachtklubs liefern werden. Die Kieler 
Voche beginnt am Donnerstag, dem 25. Juni. 8 
Leerstehende Wohnungen im Oktober 1913. Die Ende 
IRttober vorgenommene Zählung der leerstehenden Wohnun—⸗ 
en ergab nach vorläufiger Feststellung, daß in der Stadt 
rübeck 372 Wohmungen leer standen, davon 138 in der inne⸗ 
en Stadt, 130 in den Vorstädten, 56 meist Sommerwohnungen) 
n Travemünde und 48 im übrigen Eingemeindungsgebiet. 
lußerdem wurden 62 leerstehende Geschäftslokale ermittelt. 
ßor einem Jahre belief sich die Zahl der leerstehenden Woh— 
sungen in der inneren Stadt und in den Vorstädten auf 
10, sie ist also seitdem um 142 zurückgegangen. Der Wohnungs- 
orrat Lübeds hat in den letzten 11 Jahren zwischen 941 4910) 
nd 299 (711908) betragen. Die diesiährige Ziffer ist die 
reringste, die seit 1903 festgestellt wurde. Es ist des halb 
dringend zu wünschen, daß die Bautätigkeit wie— 
der in Gang kommt. 
Oltoberfrühling. Kurz vor feinem Scheiden bat uns 
er Oktober, noch eine Wärme gebracht, die angelichts de 
veit vorgeschrittenen Jahreszeit vollkommen anormal, ist, 
ind die uns an der Schwelle des Spätherbstes nochmals einen 
Frühling vortäuscht. Seit dem Ende der vorigen Woche sind 
ast im ganzen Lande die Temperaturen ungemein hoch eimpor⸗ 
estiegen und haben tagsüber fast überall 15 Grad, Wärme 
berschritten, zum Teil sogar 20 Grad und mehr erreicht. In 
dübeck zeigte das Thermometer am Donnerstag nachmnittag 
Uhr als wärmsten Grad lt. Bericht der Sternwarte 18,3 Grad 
Lelsius bei Südwind, an. Den Anlaß zu dieser unzeitgenmähzen 
Pärme gibt die anhaltende südliche Windrichtung in Ver— 
indung mit, der Einstrahlung der, Sonnenwärme bei dem 
neist uüunbedechten Himmel. Denn die tiefe Depression, deren 
MNinimum unter 735 mmm schon mehrere Tage westlich von 
trland liegt, breitet ihren Bereich nur sehr Jangsam auf das 
Zinnenland aus, wo die Wetterlage daher andauernd unter den. 
kindruck des Hochdruckgebiets steht, das sich im Südosten und 
Isten des Erdteils befindet. Es ist das übrigens die einzige 
Wetterlage, die zu dieser Jahreszeit noch eine derartige Wärme 
rmöglicht. Wenn, die tiefe arlantische Depression erst völlin 
ns Binnenland gelangt sein wird, so wird zugleich mit den zu 
rwartenden Negenfällen auch die Wiederabkühlung nicht auf 
ich warten lassen, was allerdings noch einige Tage dauern 
»ürfte. Bemerkenswert ist der Umstand, daß es sowohl genau 
or sechs wie vor zwölf, Monaten, Ende April und, Ende 
Rtober vorigen Jahres, ebenfalls anormal warm gewesen ist. 
*Kamupftaktik gegen die Fehmarnlinie. Den Sbg. Nachr 
vird aus Kopenhagen geschrieben: Der Vorsitzende der dänischen 
ßruppe des Deutsch-Nordischen Verkehrsverbandes, Rechtsawalt 
lxel Olsen, wendet sich, nachdem bereits der Sekretär des 
eutschen Fehmarn-Komitees, Dr. Wallroth-Lübeck, dem von 
en Kieler Neuesten Nachrichten über die Stellungnahme des 
enannten Verbandes zum Plane der Rödby— Fehmarn-Linie 
uuf der lJetzten Kopenhagener Tagung veröffentlichten Bericht 
ntgegengetreten ist, gleichfalls gegen den Bericht der genannten 
zeitung und teilt in einer der Kopenhagener Presse zugesandten 
rklãrung über die Angelegenheit folgendes mit: 
Dr. Carl Jacobsen besprach außerhalb der Tages— 
rdnung den Plan der Fehmarn⸗-Linie in besonders 
iteressanter und äußerst wohlwollender Weise. Der Präsident 
er Tagung, Herr Krüger aus Hamburg, erklärte darauf, daß er 
en Augenblick noch nicht für gekommen halte, diese Frage im 
zerbande zu erörtern, da anzunehmen sei, daß sie gegenwärtig 
echt erheblichen Widerstand hervorrufen würde. Herr Krüger 
achte hierbei an den zu erwartenden Widerstand der anwesen⸗ 
en Vertreter ven Kiel und Rostock. Dr. Wallroth, der Syn⸗ 
ikus der Handelskammer von Lübeck, sprach nun in seiner 
igenschaft als Mitglied des deutschen Fehmarn⸗Komitees seine 
ollkommene Zustimmung zu den Ausführungen des Dr. Ja⸗ 
»bsen aus, schlug aber der Versammlung vor, die Erorte⸗ 
ung dieser Angelegenheit auf eine spätere Tagung des Ver— 
andes zu verschieben, da die Zeit nicht erlaube, auf Ge— 
enstände außerhalb der bereits sehr besetzten Tagesordnung 
ãher einzugehen. Der Vorschlag Dr. Wallroths wurde 
hne Debatte angenommen und das Vorgefallene in das Ver—⸗ 
andlungsprotokoll eingeführt. Wenn die Zeit nicht so knapp 
ind nicht im voraus von anderen Gegenständen ausgefüllt ge— 
oesen wäre, hätte jedenfalls die dänische Abteilung nichts lieber 
sesehen. als daß das für Verkehrsinteressen so ansprechende 
ind bedeutungsvolle Fehmarn⸗Projekt bei dieser Gelegenheit 
iner eingehenden Besprechung unterzogen worden wäre.“ Die 
Richtigkeit dieser Erklärung wird von dem Vorsitzenden des 
zournalistenverbandes in Kopenhagen, Redalteur Dahl, und dem 
—A des Journalistenvereins, Schriftsteller Muus- 
sne die beide der betreffenden Sikung beigewohnt haben, 
* 
8 
Lustfahrt. 
Kür die Sinterbliebenen der „L 1 und „L 201 Unter 
vem Proteltorat des Prinzen vdalbert von Preußen hat lich in 
Zerlin unter dem Vorsiß der Witwe, des früheren Staats- 
etretärs des Reichsmarincamts, Frau Admiral von Hollmann, 
in Damenkomitee gebildet, das zur Felchine von Spenden 
Ar die, Witweng und, Waisen der belden Marine 
uftschifffatastrophen Berunglüdten uifoöor— 
ert. Spenden nimmt entgegen Frau Admiral von Solimann, 
zerlin Y. Fafanenstraße 485. und Hauptmann Dr. viodper, 
Zerlin W. 885, Schöneberger Ufer 301. Ueber die ein⸗ 
egangenen Spenden wird in den Tageszeitungen seinerzeit 
uittiert werden. In, verschiedenen Orten sind zum Besten der 
»intetbliebenen Wohltätigkeitsveranstaltungen in Aussicht ge— 
so gmen; so findet in Berlin am 14. Nov. im Landwebroffizier⸗ 
afino cin Künstlerkonzert statt. 
DT. Schguflũge —ä— in Sambuarg. Sam⸗ 
urg 29. Olt. Der französische Fleger Pegond wird am 
Sonntag, dem 9. Nov., guf, der Groß⸗Borsteter Ren 
zahn Schaufluge veranfialten. 
Berlin. 31 Okt. Donnerstag morgen 824 Uhr startete in 
Johannisthal der Finet Karl Zrieger zu zinem Fern⸗ 
uge um die Nationalfsuaspende. Er gedentt nach Raris zu 
iegen. 
W Sarre. 30. Okt. Das hiesige deutsche Konsulat hat 
sem Freibaltonfahrer Afwin, und seinem Gehilfen 
e eu⸗ für einen Ballonaufstieg, den sie zwischen dem 
1. Ott. und dem 13. Nov. von Lille in der Richtung nach 
Deutschland zu unternehmen bheobsichtigen, ie einen Moarr 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der „L- A.“ und „L. Z.“. 9 
Der Apschied des letzten Regenten von Braunschweig. J 
W. Vrannschweig, 31. Okt. Gestern abend hat im Land—⸗ 
chaftsgehãude zu Ehren des Herzogregentenpaares ein Testmahl 
tattgefunden, zu welchem die Abgeordneten des Landtages 
ind die Spitzen der Behörden erschienen waren. Der Land⸗ 
agspräsident, Kreisdirektor Krüger-Wolfenbüttel, hielt eins 
Insprache, die in einem Hoch auf das hohe Paar ausklang, 
orauf der Herzogtedent erwiderte. Die kestsiche Vernaitastung 
vaͤhrte bis Mitternacht. Die Musik hatte das braunschweigüche 
zufarenregiment Nr. 17 gestellt. Der Landtag überreichte dem 
herzogregenten ein Abschiedsgeschent, eine Nachbildung des 
Brunnens auf dem Hagenmarkt mit dem Standbilde Heinrich— 
»es Löwen aus schwerem getriebenen Silber. 
Ein Skandal in der französischen Marineverwaltung. 
PC. Paris, 31. Okt. Eine Angelegenheit, die bezeichnend 
vaflur ist, mit welcher Nonchalence wichtige Fragen wirtschaftlicher 
statur in maßgebenden Kreisen der franzöfischen Marinever wal⸗ 
ung behandelt werden, erregt in Fachkreisen peinliches Aufsehen. 
Vor zwei Jahren verkaufte der Staat das Wrack des Panzer⸗ 
reuzers „Jena“ fsir 30 000 Irs. an den Präsidenten der Han—⸗ 
delskammer von Toulon, Nicolini, der es wieder an verschie⸗ 
»ene Alteisen-Firmen in Genua weiter verkaufte. Die Eißsen⸗ 
zãndler machten ein sehr gutes Geschäft, denn bis jetzt sollen 
bereits für mehr als 300 000 Frs. Alteisen und Stahl von 
dem Wradk nach Genuag transportiert worden sein. Die mit den 
Abbruchsarbeiten betrauten Werkmeister machten nun vor einigen 
Tagen im Kielraum des Schiffes eine außerordentliche Ent— 
deckung. Sie fanden im Kielraum des Schiffes 400 To. Kohlen, 
vie einen Wert von 8000 Fres. repräsentierten und die von 
der französischen Marineverwaltung bei der Abgabe des Schiffes 
versehentlich zurüchgelassen waren. Außerdem sollen sich, in 
den Munitionskammern der „Jena“ noch eine ganze Anzahl von 
Kanonenrohren sowie eine Menge Geschosse befunden baben. Die 
talienischen Kaufleute haben sich als Sachverständigen einen 
talienischen Artillerie-Leutnant Cafano kommen lassen, der ge— 
jenwärtig mit der Prüfung der Geschosse beschäftigt ist 
PC. Lissabon, 31. Olkt. Der Herausgeber der mon— 
irchistischen Zeitung „Dia Moreira Almeida“, der im 
VBerdacht steht, einer der Organisatoren des letzten monarchisti— 
chen Aufstandes zu sein, wucde an Bord des dänischen Tampfers 
— — 
Ausland flüchten wollte. Die Geschäfts- und Redak— 
ionsräume seiner Zeitung sind bei den letzten Unruhen durch 
Republikaner vollständig zerstört worden. 
. Newyork, 31. Ott. Wie der Newyork Herald er⸗ 
ährt, sind die Freunde des EXpräsidenten Castro über— 
eugt, daß Castro entweder tot oder in Venezuela gefangen jst; 
ie bhemühten sich jeit Monaten vergebens, Nachrichten über 
ihn 3zu erhalten. 
b 
J 
Die Stürme an der marollanischen Küste. 
Casablanca, 31. Okt. Die Zahl der beim Untergang dei 
Ddampfer „Mißploungi“ und „Martini“ beträgt 12, darunter 
»ier Deutsche. Der an einem Felsen bei Rabat gescheiterte, 
einer Reederei in Oran gehörige 1000-Tonnen-Dampfer gilt 
als verloren. 
Meisterflüge eines deutschen Feiegers. 
W. Berlin, 31. Okt. Gestern vollführte der Chefpilot 
der Sportfliegergesellschaft, AUfred Friedrich, mit einer 
chweren Etrichtaube zwei hervorragende Schauflüge 
Beim zweiten Aufstieg war er von einem Passagier begleitet. 
Zunächit stieg er allein auf, kletterte auf etwa 100 Meter 
zöhe und senkte sich dann in beängstigend scharfen 
Zpiralen, wobei die Flügel des Apparats fast senkrecht 
tanden, zur Erde nieder. Nachdem er einen Passagier auf— 
jenommen hatte, erhob er sich zu einer Höhe von etwa 700 
Metern, stellte den Apparat zum Sturzflug ein, so daß der 
Schwanz der Taube fast senkrecht gen Himmel zeigte und 
auste aus dieser Höhe mit rasender Geschwindigkeit 
ur Erde. Die Zuschauer glaubten, daß er und sein Begleiter 
n den nächsten Augenblicken unter der zertrümmerten Maschine 
erschmettert am Boden liegen müßten, als Friedrich mit starker 
zand in 100 Meter Höhe die Taube wieder emporriß und 
vwenige Minuten spöäter in elegantem Gleitflug vor den Tri— 
hünen landete. 
Eptgleifung des Erpreßzuges Paris — Nimes. 
PC. Nimes, 31. Okt. Ein schwerer Angegt ist dem 
kxpreßzug Paris — Nimes in der Nähe von Malboso im De— 
zartement Ardeche zugestoßen. Der Zug entgleiste in vollen 
Fahrt und die ersten beiden Wagen die Böschung herunter. 
Zwei Reisende wurden getötet, 10 andere sich wer 
perletzt; die übrigen Passagiere der entgleisten Wagen konnten 
rur mit greser Muühe gerettet werden. Der Inee auf 
der Strecke ist unterbrochen. Man führt das Unglüdcdk daraufß— 
zurück, daß die Schienen infolge der andauernden Regengüsse der 
iekten Tage unterwaschen waren. 
Eine neue Brandkatastrophe in Gent. 
PO. Geni. 31. Okt. Eine neue schwere Feuersbrunst hat 
zestertn abermals in Gent staltgefunden. Eine zroße Knochen⸗ 
nühle und acht dazu gehörige Arbeiterhäuser sind trotz der 
aröhßten Anstrenagungen der Feuerwehr ein Raub der Flammen 
zdeworden Menschenleben sind nicht zu beklagen, doch ist der 
Matexialschaden sehr bedeutend. In der Stigdi hertscht an— 
zesichts der sich so unheimlich häufenden Brandkatastrophen eine 
zroße Besorgnis. Die Bürgerschaft fordert dringend eineReform 
der Feuerwehr, deren unzulänglicher Organisation die Haupt⸗ 
sanid sür den bedeutenden Umfang der Brände zugeichrieben 
vird 
W. Berlin, 31. Okt. Der Flieger Ernst Stöfflet 
und sein Fahrgast Seekatz, die am 29. Oktober in Paris 
eingetroffen sind, gedenken heute früh zu einem Wett- 
»ewerb um die Nationalflugspende nach Berlin zu starten. 
ßestern sind beide Flieger von dem deuischen Botschafter in 
baris empfangen worden. Dieser ließ sich ihre Reiseerlebnisse 
childern und versicherte ihnen, daß demnächst eine Vereinfachung 
»er äus den Luftverkehr zwischen Deutschland und Frankreich 
hezügsichen Formalitäten erstrebt werde. 
W. Berlin, 31. Okt. Der Feuerwehrr war gestern eine 
chwierige Aufgabe gestellt worden. Die Bewohner eines Haufes 
in der Frankfurter Allee und der Nachbargrundstücke wurden 
war nicht durch Feuer, aber durch Ammoniakgase ge4- 
ährdet. Im Sofe des Hauses befindet sich die Borussia- 
Brauerei, welche umzog. In den Kellern lagerten noch große 
Vorräte von Ammoniak. Um dasselbe entweichen zu lassen, öffa⸗ 
iete man einfach den Hahn der Eismaschine auf dem Dache. 
ẽs dauerte nicht lange, so verbreitete sich ein unerträglicher Am- 
nonialgeruch. Die Sappeure der zu Hilfe gerufenen Feuerwehr 
angen, durch Rauchmasken geschützt, vor. Es dauerte geraume 
Zeit. bis der Hahn gefunden und abgedreht werden ronnte. 
Ein Feuerwehrmann ist dabei ohnmächtig geworden. 
W. Göttingen, 31. Okt. Der Stabsarzt Hoehne vom In- 
anterieregiment Nr. 82 ist auf dem Artillerieschießplatze bei Muͤl-⸗ 
xeim a. Rh. so unglücksich mit dem Pferde gestürzt, daß 
er sofort hot war. 
PC. Paris, 31. Olt. Ein Attentat auf der Strecke 
Paris — Lyon konnte gestern zur rechten Zeit verhindert 
werden. Bei der Revision der Gleise wurde eine Bombe 
mit brennender Zundschnur gesunden, die auf den 
Sleisen lag und die eine starke Dynamitz Wadung enthielt, 
urz bevor ein Schnellzug die Strede passieren sollte. Ueber 
die Bombe wurde Wasser gegossen und sie wurde auf das 
Bolizeikommissariat von Curis, Departement Rhone, gebracht. 
kzine Untersuchung nach den unbefonnten Tsetern ist eindeleitet
	        
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