Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe A- 
1 
Tagesbericht. 
Luabecdc, 31. Oktober. 
Aus dem lubedischen Justizdienst enilassen hat der Senat 
zuf seinen Antrag den Herrn Assessor 8S. Aschermann. 
Misssonsvortrag. Am vergangenen Mittwoch tagten 
die beiden Zweigvereine des Niederfächsischen Lehrer⸗Missions⸗ 
zundes und des Evangelischen Lehrerbundes in einer gemein— 
amen Sitzung. Im Franckejahr hielt Herr Hauptlehrer K. 
dampe einen zweiten Vortrag über Aug. Herm. Froncke. 
är schilderte in lebendiger Weise diesen aroßen Sanseaten 
diesmal als Missionsmann. — Der Gedanke, Seidenmi sion zu 
treiben, ist in der evang. Christenheit Deutschlands nicht aus⸗ 
zegangen von den berufenen Vertretern der Kirche, sondern 
»on Laien. Der Freiherr Justinian von Weltz und der Pyilo— 
oph Leibr.itz haben in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts 
die ersten Anregungen gegeben. Zur Ausführung kamen diese 
Fedanken aber erst im Jahre 1705 durch den König Friedrich IV. 
»on Dänemarl. In Dänemark waren keine Missionare. Man 
vandle sich nach Deutschland. Hier fanden sich Ziegenbalg und 
Plũtschau, ehemalige Schüler Franckes, dazu bereit. Francke war 
s, der das ohne sein Zutun begonnene Missionswerk vor dem 
Untergang bewahrte. In Dänemark hatten die beiden 
Missionare mit der Geistlichkeit und in Trankebar mit der 
nissionsfeindlichen Handelskompagnie zu kämpfen. Frande ver—⸗ 
zffentlichte die Briefe der Missionare und erhielt dadurch zahl⸗ 
reiche Geldipenden. Durch Wort und Schrift wirkte er ferner 
und sundte immer von neuem Missionare aus. Seine Schriften 
wurden ins Englische übersetzt, Englands Missionsinteresse warde 
jo auch auf Trankebar hingelenkt. Postsendungen wurden durch 
England vermittelt. Bis in sein hohes Alter ist Francke die 
Seeie des Ganzen geblieben. Er war Missionsmann von 
janz hervorragender Bedeutung. —' Dann wurde von Herrn 
Lehrer Wilh. Ketel angeregt, einen öffentlichen Vortrag zu ver⸗ 
anstalten, dem beigestimmt wurde. Alles weitere wurde dem 
Vorstande überlassen. Man beschloß, in nächster Zeit häufiger 
zusammenzukommen, da im nächsten Jahre die Generalversamm⸗ 
lung des Evangelischen Lehrerbundes nach Lübeck kommen wird. 
D— Exrangelischee Bund. Der Evangelische Bund ver— 
instaltete am 28. Okltober unter dem Vorfitßz des Pastors 
fFarsten in Genin eine Versammlung, die gaus der dortigen 
Hemeinde zahlreich besucht war. Lie. Bräunlich hatte den 
Vortrag, übernommen und führte aus: Schon seit den ersen 
Tagen, in denen die Germanen in der Geschichte eine Rolle 
pielen, hat der Gegensatz zwischen römischem und deutschem 
Wesen die Geister beherrscht, schon in der Schlacht am Teuto⸗ 
zurger Walde steht dem Cheruskersürsten Arminius sein Bruder 
Flavbus gegenüber, der sich freiwillig in den Dienst der Römer 
egeben hatte. Seit der Reformation ist dieser Widerstreit 
in Kampf zwischen Rom und Wittenberg geworden, der über 
Deutschland viel Ungemach gebracht hat, und unter bem wenn 
ex auch jetzt mehr ein Kampf der Geister geworden ist, unser 
Vaterland noch jetzt schwer leidet. Nur um die Wende des 
8. und 18. Jahrhunderts schien mehr und mehr Friede 
herrschen zu sollen; da wurde der Jesuiten⸗-Orden neu ins 
Leben gerufen und der Kampf von uüultramontaner Seite von 
teuem 3zu ungeahnter Heftigkeit wieder entfacht. An, zahl⸗ 
teichen eindrudsvollen Beifpielen zeigte der Redner, wie der 
Fatholizismus vnd in ihm gerade der herrschbegierige Ulra— 
nontanismus in Deutschland während der letzten Sahrzehnte 
»orgedrungen, ist Die katholischen Organisationen, die sich 
m den Dienst des Ultramontanismus stellen, sind zu grober 
Macht in Deutschland ne Der katholische Vollksverein 
ommt an Zahl feiner Mitglieder gleich nach der sozialdemo⸗ 
ratischen Partei und bildet somit die zweitgröhte Massenorgani— 
atien. Um dem Machthunger des Ultramontanismus ent⸗ 
gegenzusreten, muß ihm eine Organisation entgegengesetzt wer⸗ 
»en, die zielbewußt die protestantischen Interessen vertritt. So 
ei man zur Grundung des Evangelischen Bundes gekommen, 
er „uunmehr mit über 500 000 Mitgliedern die drittgrößte 
Kolksorganisation darstellt. Auf manche Erfolge könne der 
Bund fschon zurückblicen. Je machtvoller er dastehe,. defto 
hefser würden die deutschen und protestantischen Interessen in 
inserem Vaterlande, dem Geburtslande der Reformation, ge— 
vahrt. — Herr Hauptpastor Evers richtete noch eine kurze 
ündende Ansprache an die Versammlung, in der er besonders 
den Gedanken betonte: Die Anerkennung und Achtung. die 
der Katholizismus dem Vrotestantismus verweigere, müßte 
»on uns durch die Bundesorganisation erzwungen werden, um 
vieder zu friedlichem Zusammenleben mit unseren katholischen 
Bolksgenofsen zu kommen. — Die Versammlung deschloß darguf 
die Gründung eines Zweigyereins des Evangelischen Vundes 
für Cenin und es schlossen sich ihm bereits 27 det Anwelenden 
aus Milglieder an. — Möge dieser Gründung ein reges und 
erfolgreiches Wirlien beschieden sein. 
IA. Dampfschiffs⸗Verläufe. Der seit einer langen Reihe 
von Jahren zwischen Lübeck und Finnland in der Stücgüter⸗ 
und Passagierfahrt beschäftigte finnische Dampfer „Storfursten“, 
der im vergangenen Jahre auch als Viehtransportdampfer 
wischen Dänemark, bezw. Schweden und Lübed Verwendung 
fand, ist nach Bremen verkauft worden. Der Dampfer hat, 
nach Beendigung seines Umbaues an der Schiffswerft von 
denry Koch A.«G., diese am Dienstag vormittag unter dem 
Namen „Großfurst verlassen, um leer nach Bremen in See zu 
gehen. Ebenso ist der hiesige Dampfer . Bussard', der fruher 
— dem Namen „Marie Louise“ jahrelang unter Lübecker 
ea gefahren hat, dann an die Dampfschiffahrts-Gesellschaft 
rgo“ in Bremen verkauft wurde und später wieder in den 
Befitz der Hanseatischen Dampfschiffahrts-Gefellschaft in Lübed 
übergegangen ist. dieser Tage nach Griechenland verkauft 
vorden. 
ECEine Huber tusfeier der Jaadreiter⸗ Vereinigung des 
Nbed⸗Trav: mũ⸗der Rennklubs findet am Mittwoch, dem 5. Nov. 
313. nachmittags 2 Uhr, auf dem Flugplate an der Ifraels⸗ 
dorfer Thaussee staft Das Programm saufet: 1 —, 
—A— Einsatz M.Zu 
pringen find fünf Sindernisse, micht über 10o m boh“ gureitn 
dep Damen. die an, den Jagben eilgenonmen haneng 
rege ringeonkuürtenz. 8Ehrenpreisee Einsch 
N, gu springen find funf Sindernsse, miht be onehe 
Offen für SHerren, die an mindestens zwei Jagden uͤn Indee 
13813 teilgenommen haben 38 r reraere 
Ehrenpreis dem Sicher. gestifter vonnt Boctend den Tben 
Travemünder Rennklubs, de —— 
2, und 3. Pferdes. Einsatz 3 M. Offen fur Herten. die na 
pündestens drei Jagden im Jahre 7013 teilgenontten haüben 
Vollblut und Pferde, die seit dem Apra zre 
dand gewesen oder in öffentlichen Rennen, geiaufen side ng 
usgeschiossen Ohne Gewichtsausgleich. Distängeetaoe 
—— Ehrenpreis dem Sieger ge— 
tiftet. von Herrn Generas von Morgen. ferner Surenrait 
NeNeitern des 2. und 3 ierden Einsatz 3 M. Herren- 
en. Offen fur Herren, die an mindestens drei Jagden im 
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9 — 55 4 —e— 
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Freitag, den 31. Oktober 19135. Morgen⸗Blatt Nr. 552. 
ahre 1813 teilgenommen haben und fur Winziere der 81, In⸗ 
anterie⸗Brigade und des Jäger⸗Bataillons, Nr. 9. Pferde, 
ie seit 1. April 1813 in Trainers Hand gewesen oder in öffent⸗ 
ichen Rennen gelaufen sind, find ausgeschlossen. Ohne' Gewichts- 
usgieich Duͤtanz etwan 28500 m. 5. Subertus⸗Jagd 
inter dem Fuch sschwanz. Ehrenpreis dem Sieger, ger 
liflet von den Damen Kein Einsaß Am Greifen des Juch 
chwanzes duͤrfen sich mur die Herren beteiligen, welche fämtliche 
kprünge genommen und mindestens zwei Jagden im Jahre 1913 
ritgernten haben. Allen mitreitenden Damen eine Erinnerungs- 
abe RNennungsschluß mit Einzablung der Einsätze für alle Kon— 
urrenzen am Rode 1913 mittags 12 Uhr, im Sekretariat des 
bed · Travemũnder Rennklubs zu Händen des Serrn Hans 
Schunze Lübeg, Nengftraähe 64. Die Leitung, bestehend aus 
en Herren J. E, Fehling, Haupfmann Stavenhagen, Kurt 
ziessing, Bans Schulze, entscheidet in gllen Fällen endültig und 
ehatt ich, das Recht vor, Neimungen vhne Angabe von Gründen 
rüczuweisen. Aenderungen im Programm, Ausfallen einzelnet 
lonkurrenzen wegen ungenügender Nennungen vorbehalten. 
sbends 8 Uhr schließt sich ein HubertusEssen mit Damen im 
otel Stadt Hamburg an. 
o Güterberaubung. — Unterschlagung. Ermittelt und 
estgenommen wurde ein hiesiger Hafenarbeiter, der dringend 
erdächtig ist, sich der Güterberaubung schuldig geiaacht zu 
aben. Er hat an einen hiesigen Kaufmann eine größere 
zuantität Wachs verkauft, auch wurden in feiner Wohnung 
zutter und, sonstige Nahrungsmittel gefunden, die zweifellos 
us Schiffsdiehstählen herrühren. — Festgenommen wurde ein 
Zulscher, der sich in Ronnau einer Unterschlagung zum Nach- 
eil seines Dienstherrn schuldig gemacht hat. 
70. Diebstãähle. Am 29. d. M., vormittags, ist aus einer am 
Zolt belegenen Wirtschaft ein graubrauner Ülster mit ausge⸗ 
chlagenen Aermeln und großen Hornknöpfen abhandenzgekommen 
ind vermutlich gestohlen worden. In dem schwarz⸗ und weiß— 
estreisten Futter des Kleidungsstückes befinden sich zwei braune, 
on Mostrich herrührende Flecke — Am 28. d. M. wurde 
in an einem Geschäftshaufe der Holstenstraße angebrachter 
-Zchaulasten erbrochen und aus demselben 3 Taschenspiegel im Ge— 
amtwerte von 5 Mugestohlen. Als Täter wurden zwei Schul—⸗ 
naben ermittelt. 
n 
der sie unter Salzpackung nach Frankreich exportiert. Dort 
sollen die Fische zu Sardinen verarbeitet werden. Wenn sich 
iese Nachricht bewahrheitet, ist die Zeit der billigen Sprotten für 
riel vorbei. Dagegen wird man damn vielleicht vorteilhaft 
Ehte Wanee Sardinen in Oel“ kaufen können, die von 
kllerbeler Fischern gefangen sind. 
Oldesloe, 31. Ott. Eisenbahn Oldesloe— 
Ahrensbök. Vor einigen Tagen hatten Bürgermeister 
Mühller und H. Hirsch, der Vorsitzende des Komitees für das 
grojekt der genannten Bahn, sich nach Berlin begeben, um die 
Stellung des Eisenbahnministers zu dieser Angelegenheit zu 
rfahren. Wie verlautet, ist ihnen die staatliche Unterstützung 
»es Proiekts in Aussicht gestellt worden. 
Burg a. F., 31. Okt. Der sehmarnsche Hafen 
Orth soll im neuen Jahre erweitert werden. Wenn auch die 
regelmäßig eintreffenden Dampfer „Fehmarn“ und „Meta“ 
sich ganz gut in dem Hafen bewegen können, so hat sich doch 
ils großer Uebelstand erwiesen, dah größere Dampfer, die in 
den letzten Jahren in dem kleinen fehmarnschen Hafen eintrafen, 
ich dort in ganz unglückseliger Lage befanden. Die Arbeiten 
zum Orther Hafenerweiterungsbau dürsten schon ba!d vergeber 
werden 
Großthherzogtümer Medlenburg. 
88 Grevesmühlen, 31. Okt. Mit militärischen 
Ehren wurde am Mitiwoch der verstorbene Hausmeister Fr. 
Ssodenrath zur letzten Ruhe bestattet. Der Kriegerverein gab 
einem Kameraden mit umflorter Fahne und Trauermusik das 
ßeleite und feuerte über dem offenen Grabe die üblichen Ehren⸗ 
alven ab. G. war Teilnehmer an den Kriegen 1866 und 1870/71. 
— Die Gewerbeschule wird imWintersemester, das Mittwoch 
einen Anfang genommen hat, von rund 100 Lehrlingen befucht. 
88 Grevesmühlen, 31. Okt. Neuer Verein. 
Im Anschluß an einen Vortrag, den der Vorsitzende des Steno 
zraphenbundes Mecklenburg-Lübeck, Schnoor-Schwerin, im Hotel 
sum Großherzog hielt, wurde hier ein Stenographenverein 
System Stolze-Schrey) gegründet, dem sofort 23 Mitglieder 
heitraten. In den Vorstand wurden gewählt: Ratsprotoko' lif 
Belg, Vorsitzender, Lehrer Buh und Amtsgerichtsaltuar Melms. 
“Rehna, 31. Okt. Die hiesige Ortsgruppe 
des deutschen Flottenvereins hielt eine Mitglieder— 
zersammlung ab. Nach dem vom Kassierer erstalteten Rechn⸗ 
chaftsbericht verblieb ein Kassenbestand von 40 M. Der Vor— 
itzende, Arzt Elpers, erstattete einen eingehenden Bericht übet 
zie Entwicklung und den Siand des Vercins. Bei der Ergän— 
ungswahl für den statutenmähig ausscheidenden Vorstand wur— 
den neu⸗ bezw. wiedergewählt: Arzt Elvers, Apothekenbesit er 
Riehl und Postsekretär Bartel. Beschlossen wurde, am 4. oder 
. Nov. im Schũtzenhause einen Familienabend mit Ball abzu— 
halten. Der frühere Burenkommandant Jooste wird hierbei 
I Vortrag über „Das Deutschtum südlich vom Aequator“ 
halten. 
b. Stadttheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man uns: 
Ehre der Stadt, die sich einem ringenden Dichter nicht ver—⸗ 
chließt“ schreibt die Weser-Zeitung anläßlich der Aufführung 
»es Koragllenkettlin“ von Franz Dülberg in Bremen. Be— 
annilich ist das Stüc, fseines stark erotischen Inhaltes wegen, 
n ganz Preußen und den meisten deutschen Städten verboten 
vorden. Der gemaßregelte Dichter kämpft vergebens, ch Ge⸗ 
ör zu verschaffen, obgleich die Presse aufs wärmste für das 
;genartige, hochpoetische Werk eingetreten ist. Das Verbot, ist 
er literarisch gebildeten Welt unverständlich geblieben. Die 
»andlung ist gewagt, zugegeben: Ein junges Mädchen flichtet 
sch aus Angst, vor dem Kloster in ein Freudenhaus. Es sucht 
in Leben voll Liebe und findet den Ekel. Aus dießem Ekel 
hergus ersticht das Mädchen einen alten Woll-Lüstling und mußz 
iefes mit dem Tode büßen. — Trotz dieses heiklen Stoffes 
ehört die Dichtung zu den poetisch bedeutendsten Erscheinungen 
er Neuzeit. Hier wird diefes Werk am kommenden Mirtwoch 
ur Aufführung gelangen. Es hat einen langen Leidensweg 
inter sich! Hoffen wir, daß es im Gegensatz zu Preußen 
nLuͤbed eine gunftige AÄufnahme finden wird 
b. ‚Cines“⸗Hanfatheater, Lübedl. Aus dem Direktions- 
ureau wird uns berichtet: Bis zur Einführung einer lünst— 
erischen Neuerung, die sich die Direltion für die nächste Zeit 
„orbehält, werden im Hansatheater erstklassige Lichtspiele vor—⸗ 
eführt und zwar täglich ununterbrochen von 5 his 11 Ahr 
nit laufendem Programm, welche Einführung sicherlich den Bei— 
all des Publisums finden wird, da sich dieses neurendvierte, 
legante und bestventilierte Theater auch für Kinovorführungen 
usgezeichnet bewährt hat. Die PVreise, die siich, wye be— 
annt, zwischen 25 und 95 Pfg. bewegen, sind icherlich dazu 
—V das Haus alltäglich mit Freunden wirklicher Kinolunst 
u en. 
b. Konzerthaus Flora. Am Dienstag. 4. Novy., iindet im 
tunzerthaus Florg der zweite Familienball statt. Er wird 
m Rahmen eines Alyenfestes gefeiert. Der Befitzer, Herr Max 
ziems, der keine Kosten gescheut, hat sich aus dem Atelier von 
Iphn Chretin, Hamburg, eine wunderbare Dekoration kommen 
afsen, um seinen Gästen etwas Neues zu bieten. Der Erfolg 
vird jedenfsalls nicht ausbleiben. 
Sch leswia⸗Holstein. 
DT. Altona, 31. Okt. Ein entsetzlicher Unglücks- 
all ereignete sich Dienstag abend beim Hafenbau in Neumühlen. 
zeim Bau des Neumühlener Fließ stürzte eine Holzbrücke ein, 
iuf der ein mit Baumateriak beladener Zug zur Entladung 
ufgefahren war. 8 Arbeiter wurden dabei in die Tiefe ge— 
isfen, von denen einer ertrank. Die übrigen 7 Arbeiter 
onnten gerettet werden. 
Kiel 31. Okt. Eine Gasdebatte in den Stadt- 
ollegien. Stadtrat Rauscher führte solgendes aus: Ueber die 
sbüte des Gases ist vor einiger Zeit geklagt worden und ebenso 
iber einen angeblichen Mehrverbrauch gegenüber dem Vorjahre. 
)er Magistrat hat Feststellungen getroffen, deren Ergebnis 
ereits durch die Presse bekannt geworden ist. Aus diesen 
jeststellungen ergibt sich aber auch, daß die Stadtverordneten 
üttiohann, Claassen und Biskupek, die in der letzten Sitzung 
zeschwerde führten, in ihren eigenen Hausständen keinen Mehr⸗ 
erbrauch. sondern einen Minderverbrauch gehabt haben. (Hei—⸗ 
erleit. Seit dem Jahre 1906 hören die Klagen über einen 
u starken Gasverbrauch nicht auf, und fast jedesmal zeigt sich, 
venn wir den Dingen auf den Grund gehen, daß die Kon— 
umenten selbbst Schuld haben, daß jedenfalls kein Ver— 
chulden der Verwaltung vorliegt. Jetzt liegt es auf der Hand, 
»aß alle Bemängelungen der Inbetriebnahme des neuen Werkes 
ugeschrieben werden. 
Kiel, 31 Okt, Zu den Mord- und Raubtaten 
n Schleswig. Die Kieler Kriminalpolizei war um Hilfe 
rfucht worden, wegen der Mordtaten bei Friedrichstadt und 
ei Tondern, sowie wegen des Raubes in Nieder⸗Seif Auf— 
ꝛzärung Zzu schaffen. Die Spuren der Täter zu finden hat 
ür die Kieler Beamten, die unter Führung des Kriminga fom⸗ 
nissars v. Kulil in dieser Sache kätig waren, große Mühe 
jemacht. Die, Nachforschungen wurden teils zu Rad, teils 
nit einem Autemobil, dann aber, auch wieder zu Fuß unter— 
dmmen. Die Fragen find jetzt soweit geklärt, daß mit ziem— 
icher Bestimmtheit, die Namen der Mörder, und Raubgefellen 
rmittelt sind. Hiernach kommt in Frage, der am 11. Nov. 
891 zu Votsdam, geborene Knecht Erich Kähne und ein Ar⸗ 
eiter Krünelke. Ein Fund, der nachträglich in einem Abort 
nRendsburg gemacht wurde, Bestärkt diesen Verdacht. Dort 
ourden nämlich die Papiere des Kähne gefunden, worgus ge— 
olgert wird, daß Kähne sich seiner Papiere entledigt hat und 
inter einem fremden, Namen reist. Beide Personen konnten 
isher noch nicht ermittelt werden. — „Fieler Sprotten“ 
ach Frankreich. Die Fischer der Kieler Förde und der 
dachbarförden, haben für ihre Sprottenfänge, wenn sie so 
eichlich ausfallen, datz die Preise zu weit heruntergehen, ein 
teues Abfatzgebiet gefunden. Wie berichtet wird. werden die 
Sprotten, sobald hier der Preis von 285 Pfa. für das Pfund 
mün nicht erreicht wird, von einem Kommissionär aufgekauft 
Bunte Chronik. 
DT. Selbstword emes Studenten. Der Studem 
der Medizin Christian Knoll aus Bamberg schoß sich auf dem 
ßahngleis bei Erlangen eine Kugel in die Brust und 
ieß sich dann vom Münchener Schnellzug überfahren. Die 
deiche wurde gräßlich verstümmelt. Knoll stand vor dem 
Examen. 
DT. Unter Meineidsverdacht verhaftet. In 
5tolberg am Rhein wurde der christliche Gewerkschaftssekretär 
zchümme und ein Arbeiter unter dem Verdacht des Meineid; 
nerhaftet und in das Aachener Untersuchungsgefängnis einge— 
iefert. 
DT. Altertumsfund. Bei Erdarbeiten im Kaiser 
Vilhelmspark in Krefeld stiez man auf einige Urnen, die von 
Zachverständigen auf die Bronzezeit, etwa 1000 v. Chr. zurüd⸗ 
eführt werden. Die Urnen enthalten Knochenreste, sind aber 
chwer beschädigt. Weitere Nachforschungen werden angestellt 
PD. Russische Studenten in Straßburg. dDie 
Immatrikulation von Russen an der Üniverfitän in Straße 
Rurg ist einstweilen suspendiert worden da neue Bestimmungen 
eingetroffen sind. Diejenigen. die die Reifezeugnisse von Real- 
und Handelsschulen aufzuweisen haben, sollen grundsählich micht 
mehr fer Immatrikulation zugelaffen werden. 
D. Massengustrittdus der Landeskirche. In 
Berlin fanden Dienstag abend vier große Versammlungen 
tatt, die vom Komitee „Konfessionslogeeinberufen waren. 
Prof. Oswald und der“ sozialdemotratische Reichstagsbge— 
dnete Dr. Liebknecht hallen die Referate übernonimen. 
Wie mitgeteilt wird. erfolgten im Anschluß an die Versammlung 
—3333333* als 1328 Austritte aus der Landes“ 
irche. 
Die Begnadigungvon Sanchezabgelehnt. Das 
eue spanische Kabinett erwog imn Minisierrat die —5* — der 
Begnadigung des Hauptnanns Sanchez. Na lãngerer 
I wurde die Ablehnung des Gnadengesuches be— 
ichbossen. 
Fyn Zirkus Buschin Berlin. Die Direktion des 
Zirkus Busch teilte mit, daß der gesamte Zirtusbetrieb in 
woller Sohe bis 1, April. 1914 aufrecht erhalten wirde Ob 
er nach diesem Zeitpunkt definitiv aufgegeben wird, seht noqh 
nicht endgültiag fef— 
3 
Zer Odol konsequent fäglich an⸗ 
idet, übt nach unseren heutigen 
enntnissen die denkbar beste Zahn⸗ 
Munddpflege aus. 
eis: 2/. Flasche (Monote ausreichend) M. 1,50. 
Flasche M. —85. 11994
	        
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