Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

* 
Tagesbericht. 
Lübeck, 30. Oktober. 
git der öffentliche Arbeitsnachweis für Lübeck 
wirklich unentbehrlich? 
Die hiesigen Sirsch-Dunckerschen Gewerkvereine haben 
Senat und Bürgerschaft um die Einrichtung eines öffentuchen 
aritätischen Arbeitsnachweises ersucht, was die erneunte öffent⸗ 
iche Erörterung dieser Frage in Vereinen und Presse zur 
Folge gehabt hat. Dies veranlaßte bereits vor einiger Zeit 
len hiesigen Arbeitgeberverband, sich entschieden gegen einen 
ommunalen paritätischen Arbeitsnachweis auszusprechen. Auch 
er Industrie-Verein als berufener Vertreter der hiesigen In— 
»ustrie hat, obgleich er sich bereits im Februar 1911 nachdrück- 
lichst gegen einen Arbeitsnachweis erklärt hat, fich mit Rüchsicht 
auf die neuerliche Bewegung zugunsten eines kommunalen 
paritätischen Arbeitsnachweises erneut veranlaßt geseyen, zu 
dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen. Es geschah dies in 
einer gestern abend abgehaltenen Versammlung, an de:r auf 
kinladung auch die Handelskammer, die Gewerbekammer und 
der Arbeitgeberverband teilnahmen. Aber auch noch andere 
Fäste waren erschienen, wie sich im Laufe der Versammtung 
jerausstellte, nämlich Vertreter der girsch⸗Dundkerschen Gewerk⸗ 
ereine. Man war hiervon natürlich einigermaßen üb er rascht 
und daher die Frage des Vorsitzenden, auf Grund wercher 
Legitimation sie sich berechtigt glaubten, an der Versammlung 
reilzunehmen, durchaus berechtigt, und ebenso der Vorwurf, 
varum sie sich nicht bei Beginn der Versammlung zu erkennen 
zegeben hätten. Die Vertreter der Hirsch-Dunckerschen Gewerl⸗ 
ereine legten darauf eine Ausgabe des hiesigen General⸗An⸗ 
eigers vor, in der in einer Einladung zu dieser Veriammlung 
allerdings gesagt wird, daß „eine starke Beteiligung ver hiesigen 
Arbeiterschaft an der Debatte im Interesse der end: chen Er⸗ 
edigung der Frage dringend erwünscht“ ist. Der Vorsitzende 
rkiärte darauf, daß es sich bei dieser Mitteilung offensichtlich um 
inen Irrtum handle, der Industrie-Verein aber trotzdem nichts 
oagegen habe, wenn sich die Arbeitervertreter an der Aus— 
wagee peen sofern sie diese Vergünstigung nicht miß⸗ 
Herr Dr. Allendorf führte in einem eingehenden Vor—⸗ 
rag den Nachweis, daß ein kommunaler paritätischer Arbeits- 
nachweis für Lübeck nicht allein absolut kein Bedürfnis sei, 
sondern ein solcher Arbeitsnachweis auch nur dazu geeignet sei, 
den hier nach langen und schweren Kämpfen errungenen leidlichen 
Frieden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu stören. 
Ferner empfahl er den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen drin⸗ 
gend, von der Forderung eines tommunalen paritäãtischen 
Arbeitsnachweises in ihrem eigensten Interesse Abstand zu 
iehmen und sich den Arbeitsnachweisen der Arbeitgeber anzu⸗ 
chließen, da sie bei den kommunalen paritätischen Arbeits- 
iachweisen sicherlich von den sozialdemokratischen Gewerb⸗ 
chaften, welche die Arbeitsnachweise bekanntlich als parteipoli— 
ische Kampfmittel benutzten, an die Wand gedrückt und ins 
ozialdemokratische Fahrwasser gedrängt würden. 
Der Vortrag fand bei den erfreulicherweise recht zahlreich 
erschienenen Arbeitgebern ungeteilten lebhaften Beifall, bei den 
Vertretern der FSirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen natürlich 
Widerspruch. In der Aussprache nahm als erster Redner ihr für 
diese Versammlung besonders von Hamburg verschriebener 
Verbandsvorsitzender das Wort. Er wußte selbstredend * 
der zur Beratung gestellten Frage, nämlich ob für Lübed 
in kommunaler paritätischer Arbeitsnachweis erforderlich sei, 
nichts zu sagen. Seine Ausführungen liefen lediglich auf die 
Behauptungen hinaus, dak für die Arbeitsnachweise der Arbeit— 
geber die Arbeitsnachweisung nur Nebenzweck sei, man in 
anderen Städten Deutschlands mit den kommunalen paritä⸗ 
ischen Arbeitsnachweisen nur gute Erfahrungen gemacht habe 
uind daß die Sirsch-Dunckerschen Gewerkvereine von diesen 
Arbeitsnachweisen keinerlei Benachteiligungen zu befürchten 
zãtten, wohl aber von einem paritätischen Arbeitsnachweis, wie 
ruhier in Lübeck für das Holzbearbeitungsgewerbe er 
et worden sei, der nämlich, da er zwischen dem sozialdemo⸗ 
ratischen Holzarbeiterverband und dem Schutzverband der Hol— 
industriellen vereinbart worden sei die Mit ꝛ 
der Hirsch⸗Dunderschen Gewer kvereine von der 7 
vermittelung so gut wie ausschließe. Diese Behauptun b 
dem Vorsitzenden der Gewerbekammer Veranlassung, zu mandd 
daß es die eigene Schuid der Gewertoereiner sen dah sie 
am Arbeitsnachweis für das Holzbearbeitungsgewerbe teinen 
LTeil hätten. Sie hätten ihre Mitwirkung abgelehnt, weil ihre 
Wünsche nicht berückssichtigt worden wären. Das sei geschehen 
veil sie in der Minderheit gewesen seien und könnten auch 
niemals erwarten, daß sich die grohze Mehrheit ihren Wün— 
chen fügen solle. Daß der Arbeitsnachweis für das Holz⸗ 
gewerbe zunächst für die Mitglieder des an ihm beteiligt 
Arbeiterverbandes Arbeit besorge, sei ganz i ee 
Nass diesen Rusführungen wen sich die ¶ Versammmmng von 
'ommen klar darüber, warum die Gewerkvereinler einen ko 
nunalen paritätischen Arbeitsnachweis wünschen. Von ung, 
der Arbeitgeber wurde sodann darauf hingewiesen —— 
die gelernten Arbeiter hierorts durch die Fadcarbeitsn —* 
vollkommen ausreichende Arbeitsvermittelung e * 
rür die ungelernten Arbeiter auch hinreichend gesorgt sei 8* 
einen neuen Arbeitsnachweis sei auch nicht der ge R 
ind das leiseste Bedürfnis vorhanden, es sei denn a 
etzt bestehenden Arbeitsnachweise ounsten i toi 
e aufgehoben würden. Daran — — 
iger zu denken, als dieser zu der Zeit, i 
r — — — —A ee 
4 gänzli v 3 
cit — wenn er seine volle Un— 
vieder genötigt sein —S —— 
reifen. Schlieblich kam noch Abr — M 
deiters der hiesigen öffentlichen —E —— 
»ericht dieses Instituts für 19009/ 10 über 83 Ap 
en varitätischen Arbeitsnachweises zur eeun ihe 
ß es zu bedauern sei, daß ein allgemener off de. die be⸗ 
beitsnachweis in Lubeg noch feh Preneegien ry 
er Handelsklammer und e. Zie blehnende Saltung 
Schaffung eines solchen Arb d — 
JJ eitsnachweises in weite Ferne geruckt 
rufenen Vertreter von 5 ocaniber Dm Artein der be 
——— 
rit ganz andere erbeamter des Stadt- und Landa 
aanz n Problene e e andamtes 
»lbe Persönlichkeit sei es auch, die en babe, And die⸗ 
»aß der Arbeitsnachweis in e den Lüb. Bl. behaupte, 
ei. daß Lübeck zu den am meisten ine eee , 
ztädten in der Arbeitsnachweisbewe u andigen Sbanen und 
— , gehöre. Sehr son⸗ 
ee tsbetrieb der —8 eudiune 
eitsnachweise guf eine Stufe gestellt wü Dgen der Me 
e heinsegnt wirde ind so cin Visd 
* deits weis perhältnissen in Lübe zeich 
den Tatfahen mant im d e gt werde. 
Hie Arbeitgeber aber miußten gegen derartige Aeußerungen über 
yre Meinungen und Darstellungen über ihre Einrichtungen zur 
Irbeitsvermittlung entschiedensten Widerspruch erheben. Hier— 
jach wurde von den Mitgliedern des Industrie-Vereins einstimmig 
achstehende Entschließung gefaßt: Der Lubecker Industrie⸗ 
zerein vermag für die Errichtung eines öffentlichen Arbeitsn ach⸗ 
hzeises in Lübeck angesichts der großen Anzahl der hiersür be— 
— 
rfnis nicht anzuerkennen. Er sieht im Gegenteil mit jener 
finrichtung so viele schädliche Nebenwirkungen für die Industrie 
ind das Handwerk verknüpft. daß er sich bei Lage der Sache 
— DDD 
eitsnachweises aussprechen muß. — Diese Entschließung wird 
»urch die Handelslkammer dem Senat übermittelt werden. W 
Abschiedsardienz Dr. Klügmanns beim Kaiser. Der 
isherige hanseatische Gesandte, Dr. Klügmann, ist Mittwoch 
om Kaiser in Abschiedsaudienz empfangen worden. wobei 
ym der Rote Adlerorden 1. Kl. überreicht worden ist. 
zu gleicher Zeit wurde, wie schon telegraphisch gemeldet, der 
eue Vertreter der Hansestädte, Dr. Sie veking, dem Kaiser 
»orgestellt. Der Audienz wohnte Unterstaatssekretär Zimmer⸗ 
nann bei. — 
Seinen 80jährigen Geburtstag begeht Serr Theodor 
zager, früher Faktor der Eisenbahnzeitung, am morgigen 
zreilag. Am 2. April 1850 trat der Jubilar bei der 
iesjgen Buchdruckerei von H. G. Rahtgens in die Lehre und 
erblieb in dieser nach beendeter Lehrzeit bis zum Jahre 1867. 
zr wurde dann 1867 als Alkzidenzsetzer für die Offizin der 
isenbahnzeitung engagiert. 1870 rückte Herr Sager zum 
raktor auf und im selben Jahre wurde er auch Vorsteher der 
xpedition. Im Jahre 1900 konnte der Jubilar das 50jã hrige 
zerufsjubiläum begehen. Nach 36ijähriger Tätigkeit in der 
zisenbahnzeitung zog er sich im Jahre 1903 ins Privacleben 
urück. 
25jãhr. Amtsjubiläum. Am 1. Nov. werden 25 ZJahre 
»erflossen sein, seit Herr Inspektor Lorenz Haß als Rech— 
ungsführer in den Dienst der alten Irrenanstalt trat. Es 
oird dem verdienten Jubilar an seinem Ehrentage nicht an 
Aufmerksamkeifken und Glückwünschen fehlen. Mögen ihm noch 
iele Jahre erfolgreiche Arbeit an der neuen Herilanstalt 
Strednitz beschieden sein. 
Religisfe Herbstrorträge. Den dritten der diesjährigen 
religiösen Herbstvorträge hielt Dienstag abend Hauptpastor Evers 
iber das Thema „Jesus und die Arbeit“. Der Redner ging 
avon aus, daß es Stimmungen nicht bloß im Leben des Ein— 
elnen, sondern auch im Leben ganzer Zeitalter gebe. Eine solche 
ztimmung oder geistige Strömung sei jahrzehntelang in der 
rsten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Pessimismus gewesen; 
iie Dichtung Byrons, diese Poesie des Weltschmerzes, die 
hwermütige Lyrik Lenaus, die Unghickseligkeitslehre Schopen⸗ 
auers seien charakteristische Kemmzeichen gewesen; dann aber sei 
er Pessimismus zurückgedrängt und eine gegewarts⸗ 
rohe und zubunftsfreudige Stimmung, namentlich in 
Reutschland an seine Stelle getreten. Gleichzeitig 
nit dieser zukunftsfrohen Stimmung sei starl 
nd wuchtig das Wort Arbeit betont worden. Bismarcdk habe 
weReichsstage vom Recht auf Arbeit gesprochen; Maler und 
dichter hätten die Arbeit künstlerisch verherrlicht. Wie steht 
tun Jesus zur Arbeit? Stimmt er in den Lobpreis der Arbei1 
in? Hat er selber gearbeitet, und können wir Christusgeis 
aunserem heutigen Arbeitsleben gebrauchen? Dem Tatbe— 
and des neuen Testaments sind drei grundsätzlich wichtige Er⸗ 
enntnisse zu entnehmen: 1. Jesus hat einen grundsätzlichen 
lnterschied in der Wertschätzung körperlicher und geistiger Ar⸗ 
eit nicht gemacht, er hat selbst körperliche Arbeit mit seinen 
änden getan im Zimmermannsgewerbe; er hat aber auch 
eistige Arbeit geschätzt und als Verkündiger des Evangeliums 
Ibst ausgerichtet. 2. Jesus hat von der Arbeit geredet, ohne 
ie Stimmungswerte der Lust oder der Unlust hineinzutragen, 
r hat weder überschwenglich gesagt, es sei eine Freude für 
en Menschen, arbeiten zu dürfen, noch hat er geklagt über 
en Frondienst der Arbeit, über des Menschen trauriges Los, 
rbeiten zu müssen; er hat einfach die Pflicht der Arbeit 
s mit dem Menschenlos untrennbar verbunden behauptet. 
z. Jesus hat das, was wir Berufsarbeit zu nennen pflegen, in 
ollem Maße gekannt; er ist sich dessen bewußt gewesen, daß 
r zu seiner Arbeit als Bringer des Reiches Gottes und als 
krlöser der Welt von Gott berufen sei. Unser Denken, 
a selbst unser Sprachgebrauch ist durch diese Anschauung Jesu 
is auf den heutigen Tag beeinflußt. Wir reden auch von 
iner Berufsarbeit als von einer solchen, zu der uns der 
Bille Gottes ruft. Allerdings ist Jesu Berufsarbeit verschieden 
on der der allermeisten unter uns gewesen. Jesus hat in 
en letzten Jahren seines Lebens ein unstetes Wanderleben ge—⸗ 
ührt. von dem gelebt, was die Freundlichkeit anderer ihm 
arbot und auf die geregelte Ausubung seines Handwerks 
erzichtet. Aber er hat keineswegs gefordert, daß ablle seine 
zünger oder Jüngerinnen dies sein Leben äußerlich nachahmen 
ollten. sondern hat die Arbeit um des Lebensunterhalts willen 
tets als etwas Selbstverständliches angesehen. — Das Christen⸗ 
um ist also nicht nur Gesetzesreligion, nicht nur Erkenntnis-— 
eligion, auch nicht nur Trostreligion, sondern es ist auch Ar— 
eitsreligion: Das Vorbild und der Geist Jesu Christi beein— 
lussen unser Arbeitsleben auf das allerstärkste. Der Geist Jesu 
st der der Opferwilligkeit und der Selbstlosigkeit gewesen; Arbeit 
m Dienste der Selbstsucht ist nicht im Geiste Jesu, vielmehr 
Urbe't für andere, die unserer Fürforge zugewiesen sind, Arbeit 
ar das gemeinsame Beste, für das Wohl der Heimat, auch 
es Staates: Das ist Arbeitsleben im Geiste Jesu. Vor allem 
ber flutet vom Vorbild Jesu her stark der Gedanke an die Ewig⸗ 
eit in unser Arbeitsleben herein; es ist der ewige Goit, 
er uns ruft und vor dem wir Rechenschaft für unsere Arbeit 
huldig sind. So ordnen wir im Geiste Jesu Christi auch unser 
Irbeitsleben ein in die Tiefe und in den Reichtum ewiger Gottes⸗ 
edanken mit uns und mit der ganzen Welt. — Den nächsten 
hortrag hält am Dienstag, dem 4. November Vastor Lütqe 
ber das Thema „Jesus und die Sünde“. 
W Lübecker Indnustrie-Verein. In der gestrigen Ver— 
ammlung teilte der Vorsitzende, Hetr Senator Ewers, u. a. 
nit, daß auf Grund früherer staftgefundener kommissarischer Ver— 
andlungen dem Industrieausschuß des Finanzdepartements im 
zuli d. J. in Sachen der Lübeckischen Industriepolitik 
eitens des Lübecker Industrie-Vereins eine längere Eingabe 
nterbreitet worden ist, in welcher folgende Maßuahmen 
mofohlen worden sind: 1. Die, Schaffung geeigneter, fertig 
wliertet und eingerichteter Industriegelände, inshesondere den 
Tushau des Vorwmerker Induistriehafens. 2. Die Ausacbeitung 
ertiger Voranschläge und Normalien für die baureife Her— 
ellung aller für die Bebauung besonders in Frage kommenden 
ngatlichen Industriegelände. 3. Die Erteilung möglichst weit— 
ehender Mschlußvollmachten für die zur Verwertung der fZn—⸗ 
nitriegeiände bestellten staatlichen, Unterhändler. — 314 dem 
orliegenden Gefetzentwurf über die gutsherrlich-bauer— 
ichen Verhältnifse uiw. hat der Vorstand ves Lübecker 
ndustrie-Vereins der digen Kommission des Rüärqger, 
usschusses eine Reihe von Abünderunzz3. gen 
interbreitet welche gewisse Erleichterungen rugunsten 
er Industrie bei der Regelung der ogenannten 
Varzellierungsabgabe sowie bei der Zulässigkeit der 
zarzellierung überhaupt und der Zusammenlegung von Grunda 
ücken zum Gegenstand haben — Mit dankenswerter Unter⸗ 
tützung des Finanzdepartements und der beteiligten hiesigen 
ndustriellen Werke ist im Laufe dieses Sommers in der Köl⸗ 
uschen Ztg. unter Benutzung der Klischees des bekannten Lübecker 
Industrieführers eine fünfmalige ganzseitige Reklame, betr, 
Lübeck alrs, Industrieplatz, erschienen. Gleichzeitig ist 
m redaktionellen Teil der Kölnischen Zeitung eine längere Reihe 
»on Artikeln unter, der Ueberschrift „Aus der Industrie 
»er Hansesstädite“ veröffentlicht worden, bei deren Vorbe— 
eitung, soweit Lübeck in Frage kommt, der Schriftführer des 
übedder Industrie-Vereins mitgewirkt hat Wegen des allge— 
neinen Interesses, welches diese Artikel gefunden haben, hat 
der Industrie-Verein Veranlassung genommen, sich wegen des 
Zezuges dieser interessanten Artikel an alle Mitglieder des In⸗ 
austrie-Vereins mit der Kölnischen Zeitung in Berbindung zu 
etzen Ferner wird beabfsichtigt, eine größere Anzahl von Son⸗ 
derabdruücken der obengenannten Reklame industriellen Firmen 
ind Großbanken des Binnenlandes zu üersenden. — Von der 
*tadt Krefeld ist eine Reklamebroschüre, Krefeld als Handels-, 
industrie- und Gartenstadt“ herausgegeben worden, die sich in 
Format und Ausstattung sehr eng an den vom Industrie-Verein 
einerzeit hexausgegebenen roten Lübecker Industrie-Führer an— 
ehnt — Ueber die Baltische Ausstellung in Malmö 
514 sind dem Lübecker Industrie-Verein eine Reihe von sehr 
nteressanten Zuschriften und Unterlagen von der Ausstellungs- 
eitung zugegangen. Eine möglichst wirksame, Vertretung der 
keder Industrie auf jener wichtigen Ausstellung, für welche 
nicht nur, in Schweden, sondern auch in Deutschland sehr um— 
affende Vorbereitungen getroffen werden, erscheint dringend er— 
dünscht. Interessenten werden gebeten, sich deswegen baldmög— 
ichst mit der Geschäftsstelle des Lübecker Industrie-Vereins in 
derbindung zu setzen —, Nach einer Mitteilung der Handels⸗ 
ammer wird im übernächsten Jahre in Dresden eine Ausstele 
ung „Das deutscheHandwerk Dresden1815 statt- 
inden, für werche von dem Arbeitsausschuß unter Vorsitz des 
Dresdner Oberbürgermeisters lebhafte Prsoaganda getrieben 
vird. Diese Ausstellung ist nicht nur für das Handwerk, sondern 
zuch sür die Industrie von erheblicher Bedeusung insofern die 
Ausstellung Gelegenheit geben wird, industrielle Erzeugnisse aller 
Art, namentlich Maschinen und Werkzeuge, welche das Hand⸗ 
verk benstigt, wirksam zur Ausstellung zu bringen. Die Mit— 
ieder des Lübecker Industrie-Vereins werden hierdurch auf 
ziese Veranstaltung ausdrücklich hingewlesen. Wegen Beteiligung 
in. dicser Ausstellung wollen sich die Interessenten an die Ge—⸗ 
chãstsstelle des Industrie-Vereins wenden. 
⸗* Gewerbe⸗ Gesellschaft. Im Saale der Bauhütte sprach 
gestern, Mittwoch, abend der Vogelwart des Lübecher Vereis 
ür Heimatschutz, Herr F. Peckelhoff, über Maturschutz“ 
nor den Mitgliedern der Lübecker Gewerbegesellschaft und deren 
damen. Die idealen Bestrebungen Pedelhofis um den Natur— 
chutz im allgemeinen und den, Vogelschutz im speziellen sind 
ckannt genug und finden in immer weiteren Kreisen Unter— 
tützung und Anerkennung, da eine erhebliche Gefahr für den 
Untergang der unsere Städte umgebenden Pflanzen- und Vogel— 
welt vorhanden war und trotz aller Bemühungen zum Teil noch 
vorhanden ist. Gerade Vorträge wie der gestzige, in 
»em in höchst anschaulicher, von manchem Fünkchen öttlichen 
humors gewürzter Weise dem einzelnen Volksgenofsen nahe 
»ebrach? wird, mie er durch eigenes Beispiel und Einwitkung aruf 
eine Umgebung an einer Besserung des feindlichen Vechattens 
es Menschen gegen, Tier und Pflanze mitzuhelfen in der 
age ist. Herr Pedelhoff führte seine zahlreichen Sörer im 
Feiste ins Wakenitzgebiet, ins Lauerholz, ins Wesloer Moor, 
iuf die Valinger Heide und alle schönen Punkte unserer hecr⸗ 
ichen Umgebung, schilderte in glühenden Farben einen Sonnen— 
ufgang und das Weben, und Walten im Walde. Erx Ze'gte. 
oie urmütz das Abreißen der bunten Pflanzenwelt des Waldes, 
Nie verwerflich die Vertilgung unserer schönen Vogelwelt ei. 
Die Freude, eine Pflanze im Walde und im Farten itehen 
zu sehen, den Vogel in seinem Element bewundern zu können 
ei weit größer, als wenn wir sie mit rauher Hand in unset 
Pohnung verpflanzen, wo nach kurzer Zeit das ichöne Natur⸗ 
ind, vertrodnet oder verstaubt, verworfen wird. Ka die 
rthlreichen Schwalben wurde erinnert, die früher die Straßen 
inserer Stadt belebten, und an die großen Siedlungen am 
rodlener Ufer. Aber auch weiter hinaus führte der Redner 
n tropische Gefilde, und, zeigte insbesondere der Damenwelt, 
vie schwer bei der Inanspruchnahme der Vogelfeder alz Sut— 
eforation gefündigt werde. — Der Vortrag, der durch rahlreiche 
Zilder und Gegenstände erläutert wurde, fand lebhaften Beifall. 
0 Eine Amsstellung aus Meckenburg. veranstaltet von 
der Gesellschaft Lübecker Kunstfreundinnen, wurde heute morgen 
m Hause Mühlenstraße 71 eröffnet. Die Ausstellung gewährt 
iberaus interessante Einblide in medlenburgische Trachten und 
Sitten früherer Jahrhunderte. Es ist erstaunlich, welch eine 
Fülle kostbarer, zum Teil nirgends mehr vorhandener Alter⸗ 
ümer hier zu Tage gefördert wurden. Kostbare altmecklenbur⸗ 
sische Schätze, die bisher verborgen sich im Privalbelitz be— 
anden, sind hier von den Damen der Gesellschaft Lübecker 
tunstfreundinnen mit vieler Mühe zusammengetragen worden 
md dürften sicherlich das Auge eines jeden Besuchers ent— 
ücken. Diese wieder für die Allgemeinheit nur eine Zeit— 
ang zugängigen mannigfachen Schätze altmecklenburgischer Kunst 
ind Kultur nehmen sich in dem alten malerischen Hause, in 
»em sie zur Ausstellung gelangten und das durch den Stadt—⸗ 
ärtner eine hübsche Ausstattung erfahren, besonders reizvoll 
mus. Eine Reihe Originalbauerntrachten aus verschiedenen Ge— 
zjenden Medlenburgs, eine alte Spinnstube, ein Schlafzim mer 
rus früheren Jahrhunderten, der Kochherd eines alten Bauern— 
auses mit Küchengeschirr uswp. fallen bei einem NRundgang 
urch die Ausstellung vor allem auf. Aber auch wertvoller 
ltmedlenburgischer Bauernschmuchk, echte alte Ernsekronen. male— 
ische Hauben, Tücher und Bänder, eine Reihe Bilder mit 
Ansichten von Altmeclenburg und noch eine Fülle anderer 
vertvoller Altertümer wird der Besucher dieser Ausstellung 
inden. Auch die letzten Exemplare des Reuter-Kalenders so— 
die sehr originelle Mecklenburger Spielkarten sind dort er— 
ältlich. Die Ausstellung ist nur bis einschließlich Sonntag 
jeöffnet, da dann die einzelnen Sachen wieder den Eigentümern 
urückerstattet werden müssen. Es sollte niemand versãumen, 
»er Ausstellung einen Besuch abzustatten, um so die große 
MNühe und Liebe, die die Damen auf das Zustandekommen 
erseshen vernandfen zu sohnen 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
Der „. Ate nd . Zz. 
Der Absche d des Regentenprar!s ron Vraumscyneg. 
W. Braunschweig. 30. Okt.“ Nachdem gestern nachmittag 
ie Studentenschaft der Technischen Hochschule dem Regenten⸗ 
»aare Huldigungen durch eine Auffahrt der Chargierten im 
»ollen Wichs darbrachten, wobei der Rektor der Hochschule, 
Beckurts. und der Vorsitzende der Studentenschaft. Stud. Ing. 
Meyer, im Ballsaale des Schlosses Ansprachen an den Herzog— 
egenten hielten, in welchen sie den Dank für die der Hoch— 
chule jederzeit bewiesene Förderung zum Ausdrud brachten, 
olgte abends eine Huldigung der Bürgerschaft auj dem grohden 
Korplotz vor dem Schlosse. Nach dem Vortrege zweier Chöre 
urch die Sängerschaft der nationalen Vereine hielt Stadirat 
Frankenberg eine Ansprache an das Regentenvaar, in welcher 
er den Dank der Braumschweiger Bürgerichaft für die jeder— 
zeit und puf ason Geshieten »rwiesene Fsirsorge custnrach
	        
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