Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

reter des Jisagdeutschlandbundes dringend ermahnte, die 
ationale Zugendbewegung gufs wärmste zu pflegen. Sodann 
burde ein Vortrag von Dr. Cruger-Breslau über die 
dzialdemokratische Volksfürsorge beifällig aufgenommen. 
Im Anfchluß an diese Sibung fand eine, außerordentliche 
Tagung des Gesamtausschusses des Reichsverbandes statt. 
An Stelle des erkrankten eeeede Generalleutnant 3. D. 
Lieberu m. d. R., führte Landtagsabgeordneter Geheimer 
ommerzienrat BorsterKöln den Vorsitz. Der Ausschuß 
pählte an Steile des verstorbenen Landtagsabgeordneten 
ammerherrn 6.Arnim-Züfedom. dessen Andenten vom, Vor⸗ 
ihenden in herzlichen Worten geehrt wurde. den Landtags- 
ögeort neten a. D v G ler-Schätz b. Guhrau, und, Als 
ieues Mitglied den Fürsten von Pleb. Die reeg 
na hrien die Wahl an Eine Reibe von hervorragenden Mit— 
arbeitern des Reichsverbandes in allen, Teilen des Reiches 
wurde in den Ausschuß gewählt. Den Geschäfts⸗ und Tätig⸗ 
eitsberxicht erstatiete Dr. Lud wig⸗Berlin, der ein anschau⸗— 
iches Bild von der durch die Hauptstelle geleiteten Arbeit 
enswarf und auch die rolitische Lage in den Kreis seiner 
Beirachtung zog. Er besprach die schmachvolle Haltung der 
Soↄztasbemokratie bei den vaterländischen Festen dieses Jahres, 
ie“ Verhandiungen des sozialdemotratischen Varteitages in 
Jena, auf dem der Massenstreit nicht abgelehnt wurde, weil 
retwas Verwerfliches sei. ein Verbrechen an Volk und an 
inserer, Voltswirtschaft, sondern weil man glaube, vorerst mit 
dem Massenstreik keine politischen Geschäfte zu machen, und 
peil man die Abwanderung aus den freien Gewerlschaften 
ürchte wenn es schief ginge. Als Anzeichen der Besserung 
ezeichnete Redner das Aufblühen der bürgerlichen Zugende 
ewegundg. den Stimmenverlust der Sozialdemokratie bei dem 
Zampf um das politische Erbe Bebels im Wahlkreise Ham⸗ 
urg I. die Riederlage des Großblocks bei den badischen 
dandtagswahlen, die der Reichsverband nach Kräften gefördert 
abe und aus der hervorgehe, daß selbst im Großblodlande 
ßaden sich in der Wahlerschaft ein Rud nach rechts hemerlbar 
mache. In die Mahming, in vaterländischer Arbeit fortzu— 
sahren, kang der sehr beifällig aufgenommene Bericht aus. 
Der Abend wurde durch eine Begrühßungsfeier der Bres— 
auer Ortsgruppe im großen Saale des St. Vincenzhauf?s aus⸗ 
gefüllt. Das stimmungsvolle Fest wurde durch Trinkfyhrüche 
derschönt, die Reanungsrat Hübner als Vorsitzender der Orts- 
zruppe Breslau, Landtagsabgeordneter Dr. Wagner⸗Breslau, 
Landtagsabgeortoeneter Vorster-⸗Köln. Generglsekretär Dacrr⸗ 
Breslau und Wirklicher Geheimer Rat von Dirksen-Groͤditzberg 
tusbrachten. 
Am 26. Oll. wurde im Kammermusiksaale des Konzert⸗ 
hauses die Algemeine Mitgliederpersammilung des 
Reichsverbandes abgehalten. Den Vorsitz führte Wirilicher Ge— 
seimer Rat von Dirksen, der in schwungvoller Weise den 
rzaiser feierte. 
Der Reichsverband wurde durch Begrüßungsansprachen ver⸗ 
chiedenet Organisationen ausgezeichnet, und zwar durch den 
Alldeutsfchen Verband, den Bund der Landwirte, den Teutschen 
xlottenverein den Deutschen Ostmarkenverein für Schledien, die 
Landwirtschaftskammer für die Provinz Schlesien, den Pro— 
inzialverband des Deutschen Mittelstandsverbandes, die Hand⸗ 
verlskammer in Oppeln, den Verband der, Metallindustriellen, 
den Verband, reichsstreuer Bergarbeiterpereine in Mardenburg, 
)en, Verein für das Deutschtum im Auslande, den Deutsch- 
onservaliven Verein für Schlesien, den Jungdeutschlandbund 
ind den Deutschnationalen Verband der Festbesoldeten. Begrü— 
zungstelegramme sandten die Ortsgruppe Dresden und Fürst 
u Isenburg und Bädingen-Birstein. 
Londtaasabgeordneter Freiherr von Zedlitz war leider ver⸗ 
hzindert, über die jüngste Steuer- und Heeresgesetzgebung zu 
prechen. Das Hauptinteresse nahm der Vortrag des Landtags— 
ibgeordneten Graef-Anklam in Anspruch, der über den 
virischaftlichen Zusammenschluß der produktiven Stände gegen 
die Sozialdemorratie einen packenden Vortrag hielt. Der Red— 
ner verwarf die Anschauung, daß die Sozialdemokratie sich 
nausern könne, er erhofft neben dem Erstarken der nationgalen 
Irbeiterbewegung das Herausheben des Einzelnen gous dem 
domylez von Massenempfindungen, die die Zugehdrigkeit zur 
»roletarischen Schicht in sich schließen. Konsequente Mittel- 
landsponitit in Land und Stadt, Erhaltung der alten ung 
zchaffung neuer seibständiger Existenzen, das sei letzten Endes 
der, aussichtsreichste Weg zur Ueberwindung der Sozialdemo⸗ 
ratie. Die mit großem Beifall aufgenommenen Darlegungen 
des Redners wurden wirkungsvoll ergänzt durch Herrn Land- 
agcabseordneten Syndikus Hirsch-Essen, der vom Stand⸗ 
punkte der Industrie fein Einverständnis kundaab. An der 
Jussprache die vornehmlich die Arbeitslosenversicherung be— 
handelte, beteiligten sich noch Landtagsabgeordneter Dr. Wag⸗- 
er⸗-Breslau. Dr. Ludwig-Berlin und Bergrat Knochen⸗ 
danerKattowitz. 
Noch der dreistündigen, glänzend verlaufenen Ver'anmlung 
oereinigte ein Schlußmahl die Erschienenen in den Räumen 
der Zwingergesellschaft. 
E 
— 
Deutsches Reich. 
Die erste Tagung des Reichsicges. Der Reichstag, der am 
25. Nov. zu seiner Herbsttagung zusamment itt, wird in seiner 
ersten Sitzung eine Reihe von Vetitionen erledigen. Damm wird 
»as Haus in die erste Lesung zweier Gesetzentwürfe betreffend 
zie Beschäftigung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht und 
Jenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverstän— 
dige treten 
⏑⏑ 
um alle kleinen Orte abzukleppern. Und Mirjam muß mit — 
mmer mit? Und als „Heilseberin“ weiter einem harmlosen 
Vublikunt die Zeit vertreiben! In Gesellschaft ungebildeter, 
umeist roher Artisten! Untier dem fragwürdigen Schutz einer 
Pdutter. die sich fait gar nicht um sie kümmert! 
WForfsezung folaf) 
Theater. Kunst und mMissenschaft. 
Lübeck, 29. Okt. 
Stadttheater. 
„Hamlet, Prinz von Dänemark.“ 
Tragödie von Sratespeare. Bearbeitung von Dr. Leverkühn. 
Im allgemeinen kam man die Beobachtung machen: je 
ilter ein Stüch wird, desto klüger werden seine Kritiker und im 
elben Verhältnis sein Dichter dümmer. „Hamlet“ ist eins 
»on den wenigen Werken der Weltliteratur, wo es sich um— 
jekehrt verhält. Je öfter man es liest oder fsieht, desto über⸗ 
Jüfsiger, schaler, störender erscheint einem alles, was darüber 
gesagt oder geschrieben ist: zur Einordnung, zur Wertbe— 
timmung oder gar zur Deutung. Es ist ja alles in der Dich— 
sjung selbst, was man wünschen mag: die Buntheit der Gescheh— 
risse als Geistererscheinung, Mord, Wahnsinn, Schaufpiel und 
Begräbnis: ein vielfältiges Geftaltenwandeln von Königen, 
Hofleuten, Soldaten, Komödianten, Totengräbern; flache Deut⸗ 
lichkeit und Kef heraufgähnende Unbegreiflichkeiten; fpielender 
Unfinn. bürgerlich ernste Verständigkeit und ahnungsschwerer 
Tiefs'nn — es ist das Leben selbst, ist selbst eine Welt, nur 
nicht eine, die sich in eine sogenannte „Weltanschauung“ pressen 
iäßt, sondern eine, die selbst Gesetz ist; nicht eine, die sich 
erklären“ lätßt, sondern eine, die Geheimnis bleibt, und deren 
zrößtes und dichterischstes gerade darin besteht, daß sie Ge—⸗ 
»eimnis bleibt. Aljo seien wir still, sehen wir und hören, 
taunen wir und schaudern! Also gilt es sich vor dem 
Hamlet“ zu verhalten. 
Die Bearbeitung von Dr. Leverkühn unternimmt es 
nicht, zu deuten und zu deuteln. Sie beschneidet lediglich ein 
daar Ranken, die vielleicht ein wenig zu geil und üppig ins 
Kraut geschossen sind; sie führt damit das Werk auf das 
Maßk eines Thbeaterabends unserer Zeit zurüch und schafft die 
Diae Zivilliste des Herzogs von Braunschweig. Die Vor— 
age über die Zivilliste des Herzogs von Braunschweig ist der 
andesversammlung zugegangen und lautet: Artikel 1. Die 
ur Bestreitung der Bedürfnisse des Landesfürsten und des 
serzoglichen Hauses durch Artiklel 1 des Finanznebenvertrages, 
oom 12. Okt. 1832 von dem Reinertrage des Kammergutes 
orbehalten auf 19 000 Taler in Golbd und 218 000 in Konven⸗ 
jonalmünzen festgesetzte und durch Artikel 1 der zwischen der 
erzoglichen Regierung und der Landesversammlung unter dem 
5. März 1873 getroffenen Uebereinkunft (Anlage à des Land⸗ 
ages, Abstimmung des 14. ordentlichen Landtages vom 
2. Juni 1874 Nr. 31 der Gesetzes- und Verordnungssammlung 
on 1874) auf jährlich 30 000 Taler erhöhte Summe wird auf 
ährlich 1125 32223 Mark festgesetzt und soll zu diesem 
zZetrage vom 1. Nov. des Jahres an in monatlichen 
daten aus der herzoglichen Kammerkasse an die herzogliche 
ofstaatskasse eingezahlt werden. — Artikel 2. Im übrigen 
rleiden die Bestimmungen des Finanznebenvertrages vom 
12. Okt. 1832 keine Veränderung. 
Eine WMiilitärmission für die Türkei. Die Ver— 
ndlungen, die seit einiger Zeit zwischen der 
ürkischen und der deutschen Regierung wegen der 
zntsendung einer deutschen Militärmission zum Zwecke der 
deorganisation des türkischen Heeres schweben, sind nunmehr 
um Abschluß gelangt. Montag abend hat die türkische Regierung 
ung mit dem Konstantinopeler deutschen Botschafter den Ver—⸗ 
rag, der die Verhältnisse der Militärmission regelt, unter⸗ 
eichnet. Als Chef der Mission ist ein General ausersehen, dem 
on der türkischen Regierung die ausgedehntesten Vollmachten 
ugesprochen werden. 
Der Bumd der Industriellen hält in den Tagen vom 8. bis 
1. Nov. in Berlin mehrere Sitzungen seiner Ausschüsse ab. 
diesen geht am Freitag, dem 7. Nov., eine Vorstandssitzung 
es Bundes der Industriellen voraus, welche insbesondere 
5tellung nehmen wird zu den Beschlüssen der Reichstags⸗ 
ommission zur Neuregelung der Konkurrenzklausel, zu dem 
zesetzentwurf über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, zu 
er von der Reichsregierung geplanten gesetzlichen Regelung des 
zerkehrs mit Waffen und Munition, zu den verschiedenen 
ßolksversicherungsbestrebungen, sowie zu einer Anzahl Aus— 
ellungsfragen. Am 8. Nov. tritt der Handelspolitische Aus— 
huß des Bundes der Industriellen zusammen. Auf Grund 
ines Referates von Handelskammersyndikus Dr. Dietrich- 
zlauen über „Deutschlands gegenwärtige handelspolitische Lage 
ind die Vorbereitung der nächsten Handelsverträge“ soll im 
inzelnen über die Maßnahmen beraten werden, welche zur 
Lorbereitung künftiger Handelsverträge und zur Ermittelung 
er Zollwünsche der Mitglieder des Bundes der Industriellen 
u ergreifen sind. Vor allem handelt es sich um die Bestre—⸗ 
zungen weiter Kreise der verarbeitenden Industrie auf orga— 
uüschen Ausbau des Wirtschaftlichen Ausschusses, welchen die 
Reichsregierung seit Mitte der neunziger Jahre gebildet hat. 
Tuf der Tagesordnung steht ferner die Stellungnahme zu An— 
rägen auf Zollerhöhung für grobe Garne, worüber Herr 
andtagsabgeordneter Ernst Stephan Clauss-Flöha i. Sa. be— 
ichten wird. Alsdann tritt am 10. und 11. Nov. der vom 
zunde der Industriellen gebildete Ausschuß für gewerblichen 
dechtsschutz zur erneuten Beratung der von der Reichsregierung 
m JZuli veröffentlichten Gesetzentwürfe zusammen. Am 
10. Nov. werden Herr Justizrat Dr. Waldschmidt von der 
firma Ludwig Loewe & Co., Akt.Ges. Berlin, und der 
ziyndikus des Bundes, Herr Dr. R. Schneider, über der 
intwurf eines Patentgesetzes referieren. Für den 11. Nov. has 
zerr Direktor Schloßmacher-Frankfurt a. M. den Bericht über 
en Entwurf eines neuen Warenzeichengesetzes übernommen, 
ind im Anschluß daran wird Herr Syndilus Greiert-Dresden 
in Referat über den Entwurf eines neuen Gebrauchsmuster⸗ 
esetzes erstatten. — 
Eme sehr beachtenswerte Erschtinmug ist die soeben vom 
deutschen Wehrverein herausgegebene Schrift Nr. 9 „Wehr⸗ 
ragen und Sorgen“, die durch den Verlag von A. Bath, 
Zerlin SW. 11 vertrieben wird. Der geringe Preis der 
zchrift, 60 Pfg., gestattet es auch dem Unbemittelten, sich in 
»eren Besitz zu setzen. Wir geben nachstehend kurz einige Mit— 
eilungen über den Inhalt: Der Vorsitzende des Deutschen 
Wehrvereins Herr Generalmaior Keim schreibt über „Franzö— 
ische Gedankengänge“. Er beleuchtet die Haltung Frankreichs 
n den letzten Jahren und schließt seine Ausführungen mit den 
Porten: „Es muß deshalb die vornehmste Aufgabe der deutschen 
Bolitik sein, Tatsachen zu schaffen, die für Frankreich einen 
Angriffskrieg als ein allzu großes Risiko erscheinen ließen.“ An 
·senheit der vandlung, nach der unser Geschmad verlangt. 
So dient sie dem Dichter reines Herzens und meistert ihn nicht. 
d Es ist ganz außerordentlich dankenswert, daß Herr Direktor 
Fuchs nunmehr mit der vereinfachten Bühne Ernst macht 
Dieses Prinzip feierte gestern wahre Triumphe. Nicht nur 
»aß die Szenenfolge schnell und pünktlich abrollte; diese 
fFinrichtung mit ihren wenigen aber charakteristischen Einzel— 
jeiten zwang in Wahrheit das Publikum, sich die Umwelt der 
Hestalten in seiner eigenen Phantasie nachzuschaffen, zwang es 
n Wahrheit zu künstlerischer Mitarbeit. Und es ist eine große 
Freude für den Berichterstatter, sagen zu können, daß das sehr 
tark besetzte Haus in d'eser Arbeit den Genuß zu finden wußte. 
Die Einzelleistungen sügten sich dem vornehmen Rahmen 
neist giüdlich ein. Herr Drach, der den Hamlet spielte, weiß 
ehr genau, was er will; und lann schon sehr viel von dem, 
vas er will. Wenn im ersten Alt Vorsicht und Zurüchhaltung 
och eine gewisse Kühle um ihn breiteten, so riß er uns vom 
weiten Akt ab immer aufs neue in seinen Bann. Im Aus— 
ruck der ganz großen Erregung bleibt eine dampfe Hohlheit 
es Stimmklanges, gelegentlich auch eine allzu spröde Schärfe 
och zu belämpfen. Fr. La u di enn gab der Konigin ihre kristall⸗ 
lare Diltion, der König des Herrn Pruß hätte wohl noch 
iehr Größe, auch der Schurkerei, vertragen. Miusgezeichnet 
prach Herr Brunow das Gespenst. Der Polonius des Herrn 
7ch weisguth war eine treffliche Mischung von Gutherzigkeit 
nd Torheit. Sehr angenehm berührt das Temperament unseres 
igendlichen Helden, des Herrn Lerch (Laertes), zu der Ophelia 
es Fri. Wall muß ich ein kleines Fragezeichen machen. So 
ut einzelne Momente herauslamen: die Gefahr, in eine be— 
limmte Manier des Sprechens zu verfallen. die alles andere, 
rur nicht natürlich ist, liegt sehr nahe. Um die übrigen 
dollen machten sich die Herren Tröndle (Soratio), Sil bert 
Rosenkranz), KRowale ws ki (Guldenstern), Ro bert (1. Schau-⸗ 
pieler), und Pauly (IJ1. Totengräber) wohl verdient. 
Als ein Ganzes betrachtet, war die Aufführung ein Fest 
ur unsere Sinne und Seelen. Feststimmung lag über dem Haus 
ind festlicher Jubel erbrauste zum Echluß von allen Plätzen. 
Otto Anthes. 
weiter Stelle beleuchtet Generalleutnant z. D. Litzmann die 
Einjãhrig⸗Freiwilligen⸗Frage und kommt zu dem Ergebnis, daß 
das deutsche Volk nicht umhin kann, dieser Frage in nächster 
Zeit große Aufmerksamkeit zu widmen. „Wir müssen der Aus— 
hildung unseres Reserveoffizierkorps in zweijähriger Dienstzeit 
eine wirklich ausreichende, sichere Grundlage geben. Dafür 
zrauchen die nach erfolgreicher zweijähriger Dienstzeit zu Leut 
nants der Reserve beförderten jungen Leute in den folgender 
Jahren nicht zu achtwöchigen Uebungen wie jetzt herangezogen 
zu werden. Kürzere Dienstleistungen von zwei bis vier Wochen 
genügen, um das Erlernte aufzufrischen und weitere Fortschritte 
u erzielen.“ Den Kampf um die dreijährige Dienstzeit in der 
ranzösischen Volksvertretung beleuchtet der „18-Mitarbeiter 
»er Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine in seinem 
Iufsatz „Von Frankreichs dreijähriger Dienstzeit“, dem sich eine 
tatistische Arbeit über „Die Heeresstärken der großen Militär—⸗ 
nächte“ von Müller-Brandenburg anschließt. Hier wird der 
stachweis geführt, daß 1913/14 die stehenden Heere der Militär— 
nächte folgende Stärken haben werden: Deutschland 746 700 
Mann, Frankreich 911000 Mann, Oesterreich 440 7509 Mann, 
Rußland 1184 000 Mann (berechnet nur für den europäischen 
triegsschauplatz). Die Arbeit geht auch auf die taktischen Ein— 
jeiten Deutschlands und Frankreichs eingehend ein, ebenso wie 
oie Etatstärken berücksichtigt werden. Der Schlußaufsatz ist 
von Pfarrer Wurm in Ravensburg geschrieben und wendet sich 
zegen die Friedensbewegung im Pfarrerstande. Er wird wohl 
einiges Aufsehen erregen. 
— * v 
Ausland. 
Engaland. 
England und die mexikanischen Wirren. Die Frankf. Z3tg. 
neldet: Die britische Regierung soll ihre Haltung in der 
nexitanischen Frage geändert und erklärt haben, die Anerkentiung 
huertas habe mit den Wahlen ihr Ende erreicht und die zu— 
ünftige Haltung Englands werde diejenige der Veremigten 
Staaten sein. — Die Meldung klingt so unglaublich, daß eine 
Bestätigung abgewartet werden muß. 
XX 
PC. Das Chaos. Nach den letzten Nachrichten aus Mexiko 
hatten auf Grtund der jetzt stattgefundenen Zählung der 
Stimmen in Veracruz im ganzen nur 2000 Wahlberechtigte ihre 
Stimmen abgegeben. Hiervon entfallen auf Huerta 1500 
ind auf Diaz 300 Stimmen. Nach einer weiteren Meldung 
oll Felix Diaz im Laufe der vorvergangenen Nacht vom 
imerikanischen Konsulat Schutz und Hilfe verlangt haben. In— 
'olge dieses Ersuchens sei ihm an Bord des Kanonenboot— 
„Wheelin“ Asyl gewährt worden. 
Neuseeland. 
Neufeelands Marinepolitik. Premierminister Massey gab 
gestern die Entschiune, der Regierung über die tünftige Mocine— 
ßolitik Neuseelands, bekannt. Er erklärte, es sei beab'lichtigt, 
das jetzige Subsidien-System aufzugeben und eine 
arößere Veranfwortung zu übernehmen. Die Regierung habe 
zehefft, daß die britische Admiralität imstande sein 
würde. das Abkommen von 1909 auszuführen und in den Ge— 
wässern Neuseelands zwei Kreuzer der Bristolklasse zu 
tationieren, für die Neuseeland die Unterhaltungskosten kragen 
olle. Die Admiralität habe indessen erklärt, daß es ihr 
icht möglich sei, das Abkommen auszuführen, und habe die 
deiden Kreuzer der Bristolklasse durch die leichten Kreuzer 
„Psyche“ und „Pyramus“ ersetßt. Damit sei ReuseAand nicht 
ufrteden Der Kreuzer „Philomel“ werde als Schulschiff über— 
iommen werden, und mit der Ausbildung junger Leute werde 
fort begonnen werden. Es sei beabsichtigt, glle Kriegsishiffe. 
die das Dominium erwerben sollte, in Friedenszeiten seiner 
Verwaltung zu unterstellen, während sie bei einem Klriege 
uinter die direkte Verfügung der Admiralität übergehen wüt— 
den. Sie sollten der Admiralität auch zu anderen Zeiten zur 
Jerfügung stehen. wenn immer sie dringend benstigt würden. 
er Premierminister erklärte, die britischen Dominien 
m Stiller Ozean hätten sich kein geringeres Ziel gesetzt, 
As in ihren Gewässern dieselbe Supremalie zu erlangen, welche 
Stammesverwandten auf der anderen Seite der Meit be— 
1 
die französische Fremdenlegion. 
Auf Veranlassung des Deutschen Wehrvereins., 
Landesverband Lübechk hielt Dienstag abend in den 
zentralhallen Serr Dr. Ferd. v. Papen, Dresden, 
einen Lichtbisdervortrag über die französische Fremdenlegion. 
Wie sehr sich allmählich in Deutschland auch die große Masse 
»es Volkes gegen diese schmachvolle Einrichtung Frankreichs 
aur Wehr zu setzen beginnt, zeigte der beängstigend gefüllte, 
vicht besetzte Saal der Zentralhallen, in dem sich noch Hunderte 
nit einem Stehplatz begnügen mußten, zeigte auch die be— 
zeisterte Aufnahme der Ausführungen des Redners, die von 
ellflammender Entrüstung gegen diesen Schandfleck der großen 
ranzssischen Nation getragen waren. Der Vorsitzende des 
deutschen Wehrvereins, Landesverband Lübeck, Herr Direktor 
Prot. Dr. Reuter, dankte eingangs den Anwesenden für das 
ahlreiche Erscheinen und führte aus, wie freudig man überall 
ie Tätigkeit des Deutschen Wehrvereins anerkannt habe, als 
ne Reichsregierung die neue Wehrvorlage ankündigte. Aber 
amit, daß die Forderungen des Wehrvereins in der Haupt—⸗ 
ache bewilligt seien, vor allem die Durchführung der allge— 
aeinen Wehrpflicht, dürfte sich der Wehrverein nicht beruhigen, 
»ürfte das deutsche Volk nicht wieder die Zipfelmütze über die 
Ihren ziehen. Ungeheure Anstrengungen mache die französische 
segierung, um das Volk wieder stark und gesund zu machen. 
Wenn dort das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit zur 
Durchführung komme, würde die Ausbildung der franzößischen 
deserveoffiziere wieder besser als die der deutschen aktiven 
Iffiziere sein. Frankreich strebe danach, das wiederzuge— 
vinnen, was es vor 40 Jahren verloren habe. Darum müsse 
das deutsche Volk sich stark, einen dienst- und opferfreudigen 
Heist lebendig erhalten. Das sei die Aufgabe des Deutschen 
Wehrvereins, der die Stärkung des vaterländischen Bewußt- 
eins sowie die Erhaltung des mannhaften Geistes im deutschen 
Bolke erstrebe. Wenn diese Forderungen erfüllt seien, würde 
s auch keine deutschen Fremdenlegionäre mehr geben. 
Hierauf erteilte Herr Prof. Dr. Reuter Herrn Dr. Ferd. 
). Papen zu seinem Vortrage das Wort, der durch vor⸗ 
reffliche, in der Fremdenlegion persönlich aufgenommene Licht— 
hilder eine wirksame Unterstützung erfuhr. Mit dem Augen⸗ 
plich da der Dampfer den Hafen von Marseille verlähßt, um 
ie angehenden Fremdenlegionäre nach Nordafrika zu bringen., 
etzte die Schilderung des Vortragenden ein. Aus allen Stätten 
furopas sind sie zusammengekommen, die Unglüclichen, die sich 
ur fünf Jahre mit Leib und Seele der Fremdenlegion ver— 
chrieben haben. Sie ist eine Zufluchtsstätte gescheiterter Existenzen 
nach einem verfehlten Leben, eine Stätte des Austobens 
ur Abenteuerlustige, ein Schlupfwinkel für sich dem Arm der 
Gerechtigkeit entziehende Verbrecher, ein Grab für alle Hoif— 
aungen und Jugendträume und auch ein Grab für die allec⸗ 
meisten im heißen Sande der Wüste. Wenige Tage nach des
	        
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