Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Woöchentlich TDmal (Wochentags morgens und 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und henengdt Lũbed 163. Jahrgang nachrichten sür das Herzogtum Lauenburg, die 
heiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt ꝛxt raex gurstentümer Ratzeburg, Lubed und das angren⸗ 
————————— ———0 — eee zende meclenburgische und holfteinische Gebiet. 
Prud und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. S. in —X — Geschäftsstelle Adreboaus (Konigstr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
Montaq, den 27. Oktober 1913. 
Abend⸗Blatt Nr. 545. 
Aus. 
ä : Ni es deutschen Volkes schäme ich 
gen 53 — os An — Genofsen, der 
— Aestere dabe die Zeit durdlebt, ch 
b e en ahren b die 1704 am Nhein; eht das 
it harte schuid, manwußßte es nicht Zzu 987 
ron chen; hatien die deuischen Könige und, Fürsten 
Zchudigleit getan, nimmer waͤre ein Irewes ũuber die Elbe, 
ber nand Waqhsel, gesweige über den Dnestr gekommen. 
Nachdem Stein von Napoleon geächtet worden war, hielt 
er fich zunächst in Brünn, Troppau und Prag auf; im Mai 
812 folgte er einer Einladung des Zaren Alexander nach 
ßetersburg, wo er den Widerstand gegen Napoleon för 
erte. Soweint die nun folgenden Ereignisse,“ schreibt Treitschle, 
von diem Willen einzelner Sterblicher abhingen, hat Stetn 
in der Befreiung Europas ein größeres Ver— 
Fienst als irgend ein Mensch.“ Sein welthistorischer 
Inteit an der weiteren Entwickkung der Lage bestand darin; 
vaß er den Zaren abhielt, mit Napoleon Frieden zu schlieken 
ind ihn zur Fortsetzung des Kampfes ermunterte. Nach dem 
Fertrag von Tauroggen sehen wir Stein bald da, bald dort; 
Wberall, wo ihm seine Anwesenheit nötig erscheint. Er organi⸗ 
iert den Aufstand in Ostpreußen, reist zwischen dem russischen 
ind dem preußzischen Hauptquartier hin und her und über— 
edet den zaudernden König zum Bündnis mit Rußland. Gleich 
eitig fördert er den Anschluß Oesterreichs und Schwedens; auch 
etreibt er eifrig die Allianz mit England. Mit den fũhren⸗ 
xen Männern der preußischen Erhebung steht er im regsten 
gerkehr; von allen Seiten wird sein Rat und seine Hilfe 
egehrt. Unermüdlich und ohne Rücdkficht auf seine angegriffene 
zesundheit harrt der große Mann aus, da zu raschen Ent⸗ 
chlüssen anspornend, dort vor halben Maßregeln warnend. 
erall die Seele des Ganzen und das gute Gewissen dex Ver— 
undeten. 
Und der Erfolg blieb nicht aus der Tag von Leipzig 
rachte die Befreiung und rechtfertigte zußleich die Mittel, 
»ie Stein angeraten hatte: „den Geist freizulassen 
und das Volk kriegsgeübt zu machen“, das waren 
»ie beiden Mittel, die nach Arndts Zeugnis von den Staats- 
männern vor hundert Jahren mit wahrer Umsicht angewandt 
vurden, um Preußen aus tiefstem Sturz zu erheben. Der na⸗ 
ionale Gedanke war erwacht und forderte von nun an oinmer 
lürmischer sein Recht. Aber Stein selbst und seine Gesinnungs⸗ 
enossen standen damit noch nicht am Ziel. Mur der erste 
Teil ihres Programms war erfüllt: die Befreiung vom 
sremden Joche. Jett galt es, auch die innere Freiheit 
zu sichern und die deutsche Frage z3u lösen. 
In einem Briefe an den Grafen Münster, den britisch— 
jannöverschen Minister, hat Stein bekannt: „Ich habe nur 
ziin Vaterland, das heißt Deutschland. Mein 
ßlaubensbekenntnis ist Einheit.“ „Als ob es in 
Deutschland darauf ankäme, ob ein Meclenburg usw. existiert, 
ind nicht, ob ein starkes, festes, kampffähiges deutsches Volk 
ruhmvoll im Krieg und Frieden dastehe!“ Die „kleinen Tn— 
— 
rannen“ mochten nur verschwinden; sie hatten nicht mehr 
Daseinsberechtigung als der Reichsfreiherr vom Stein, der 
much mediatisiert worden war. Aber das Opfer durfte nichl 
ainderen Herren, sondern nur dem einigen Reiche gebracht werden. 
Und diefem Ziele galt nach der Völkerschlacht das aanze Sinnen 
und Trachten Steins. * 
Damit aber hatte der edle Freiherr kein Gläad: als die 
Fürsten vom Joche des Eroberers befreit waren, vergaßen sie 
die Wunsche ihrer Völker. Mit dem Wiener Kongreß begann 
zie „Zeit der Kleinheiten, der mittelmähigen Menschen“, und 
der Ausspruch Blüchers ging in Erfüllung: die Federn der 
diplomaten verdarben, was das Schwert der Völker mit so 
roßen Anstrengungen errungen hatte. Der Bundestag, die 
vom Philistergeist durchdrungene politische Maschine“, be⸗ 
grub den deutschen Gedanken in einem Berg von Akten undð 
ereitelte auch die Verfassungswünsche des Volkes. Vergebens 
rinnerte Stein den König von Preußen an sein Versprechen? 
„Den durch die lautere Milch des Jesuitismus noch nicht ge⸗ 
rübten Menschenverstand wird man nicht überzeugen, daß 
es von dem Willen der Fürsten abhänge, ob und wie sie ihr 
Wort halten wollten.“ Einige Fürsten gaben ihren Ländern 
die verheißene Verfassung; in Preußen ward sie erst von der 
Revolution des Jahres 1848 erzwungen. — 
Stein hat die Erfüllung seines nationalen Sehnens nichl 
nehr erlebt, wohl aber die Zeit der finstersten Real—⸗ 
tüon mit ihrem schmachvollen Kampf gegen den Geist von 
1813. Arndt, Schleiermacher, Jahn und viele andere wurden 
emagogischer Umtriebe verdächtigt, ein Neudrud von Fichtes 
Reden an die deutsche Nation ward in Berlin untersagt und 
nicht einmal vor Stein machte die „schwarze Kommission“ des 
tBundestages halt.“ Das war der Dank für die beispiellosen 
Dpfer der Liebe und Treue in den vorausgegangenen Jahren! 
Nach dem Wiener Kongresse zog sich Stein ins Privatleben 
urück, zunächst nach Nassau, wo er, sich selbst zum Trost 
ind zum dauernden Andenken an die großartige Befreiungszeit, 
in sein Schloß einen gotischen Turm anbauen ließ, den er mit 
Frinnerungen an die Kriegsjahre schmücdte. Die Nassauische 
Bureaukratie vertrieb ihn nach Westfalen auf sein Gut 
Rappenberg. Dort ist er am 29. Juni 1831 hoch angesehen 
uind allgemein verehrt gestorben; die Leiche wurde in der 
vamiliengruft zu Frücht bei Bad Ems beigesetzt. Bis an sein 
Lebensende bewahrte sich der Freiherr das felsenfeste Ver— 
rauen auf die unverwüstliche Kraft und die zuversichtliche 
Soffnung auf eine glänzende Zukunft seines Volkes. 
e — 
Wie hoch Stein beim Volke in Ansehen gestanden, beweist 
die Tatsache, daß nach der Leipziger Schlacht Offiziere der 
»erbündeten Heere bei Nikolaus Vogt, Professor der Geschichke 
ind des Staatsrechtes in Frankfurt a. M., anfragten, ob 
Stein nach den Reichsgesetzen zum deutschen Kaiser 
ewãhlt werden könne; die Frage ward unbedenklich beiaht. 
Sogar Metternich bequemte sich dazu. seinem Widersacher die 
0 * 
Erftes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
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Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. I 
Nichtamtlicher Teil. 
3 
Stein. 
Zum Geburtstag des deutschen Befreiers. 
Von Eugen Foehr, HSeidelbera. 
Echluß. 
Wie Gneisenau berichtet, galt Stein im Kreise der fran⸗ 
zzfischen Partei am Hofe als „ein Verzweifelter, der sich 
mit demr König auf eine Pulvertonne setzen woslllte, um 
sich in die Luft zu sprengen“. Diese Leute atmeten erleichtert 
zuf, als Napoleoon — seine Späher hatten einen Brief 
Steins aufgefangen, worin der Fürst Wittgenstein ermahnt wurde, 
die Unzufriedenheit im Königreich Westfalen zu schüren — 
am 16. Dez. 1800 „le nommé Stein“ als einen Feind 
Frankreichs und des Rheinbundes ächtete und seine Güter 
cinzog. Der Ksnig mußte in die Entlassung Steins willigen. 
und ver Hofspartei gelang es, wie Pierson erzählt, wichtige 
Teile des Steinschen Reformplanes wieder auszumerzen. na⸗— 
mentlich die Einrichtung eines Staatsrates und die bestimmte 
Zusage einer reichsftändischen Verfassung. Aber die begonnene 
Reform trug auch in Zrer unvollendeten Gestalt reiche Früchte. 
Stein hatte für seine Pläne von der ,Weichlichkeit der oberen 
Shande und dem Mietlingsgeiste der Beamten“ nichts erwartet, 
dagegen alle Hoffnung auf die Kraft der Bauern gesetzt. 
Und darin sah er sich nicht getäuscht: aus Leibeigenen ward 
in wenigen Jahrem ein Freiheit und Vaterland liebendes Voll, 
das in den Jahren 1812 und 1813 die größten Opfer brachte 
und schließlich auch den Sieg bei Leipzig erfocht. 
Es itt nberhaupt ein hervorstechender Zug des Freiherrn 
vom Stein, dah er vom höchsten Vertrauen auf den 
artten Willen und die Kraft des Volkes beseelt 
war, während er über die herrschende Oberschicht und beson⸗ 
bers über die Fürsten allezeit das denkbar schärfste Urteil 
fällte. Bekannt ist, wie er der Kaiserin-Mutter von Rußland 
entgegentrat, als diese — eine württembergische Prinzessin — 
nach dem Abzug Napoleons aus Moskau zu EStein sagte: 
„Wenn jetzt noch ein franzölischer Soldat durch die deutschen 
Grenzen entrinnt, so werde ich mich schämen, eine Deutsche 
u sein.“ Bei diesen Worten, so berichtet Arndt, sah man 
Stein im Gesicht rot und längs seiner großen Nase vor Zorn weiß 
werden, sich erheben, verneigen und in geflügelter Rede also 
erwidern: 
Ew. Majestät haben sehr unrecht, solches hier auszu⸗ 
sprechen und zwar ũber ein so gxobes, treues,tapferes 
Boftn delchen anzuaebörenSie das Giñde haben. Sie 
ů— — 
Irrlichter des Glücksßs. 
Ein Gesellschaftsroman von der Riviera. 
Von Erich Friesen. 
(Machdruck verboten.) 
ein drastischer Witz des buntgekleideten Clowns — der Kon“tr 
wischen Publikum und Artisten ist wiederhergestellt. 
Soeben tänzelte ein kleines, scheckiges Pferd, auf dessen 
Rücken die Kunstreiterin der Gesellschaft in halsbrecherischen 
Stellungen paradierte, zu der improvisierten Pforte hinaus. 
Da plötzlich verlöschen die Lampen. Dunkelheit erfüllt 
den ganzen Raum, um sich gleich darauf in geheimnisvolles 
Dämmerlicht zu verwandeln. 
Und jetzt tritt eine majestätische Frauengestalt in bordeaux⸗ 
otem Schleppgewand langsam in die Arena, gefolgt von 
inem elsenhaft zarten, ganz weiß gekleideten jungen Wesen 
ind zwei martialisch drapierten, bärtigen Männern, die ein 
igenartig geformtes Tischchen hereintragen, auf dem ein durch 
in weißes Tuch verhüllter Gegenstand steht. 
Einer der. wenigen Zuschauer in der vordersten Reihe, wo 
in paar Stühle so etwas wie „Logen“ markieren, der soeben 
ersichtlich gelangweilt den Zirkus verlassen wollte, setzt sich wieder 
ruf seinen Platz. Sein Interesse erwacht. 
Und als der eine der Männer das Tuch von dem geheim⸗ 
tisvollen Gegenstand auf dem Tischchen wegzieht und eine große, 
ristallhelle Phiole sichtbar wird, von der aus ein magisches, 
Näulich schimmerndes Licht ausgeht — da mischt sich in Reginald 
»'Esterres Interesse etwas wie Neugierde. 
Nach einent raschen Blick auf das neben ihm liegende Pro— 
rramm. das die Nummer als „Produktion der phänomenalen 
»rientalischen Gedankenleferinnen Madame Artemisia und Made— 
roiselle Mirjam“ bezeichnet, versolgt er mit vorgebeugtem 
Oberkörper jede Bewegung der beiden. 
Er sieht, wie „Madame Artemisia“ mit ihren beringten 
S*änden allerhand myslische Gesten über der Kristallphiole macht, 
vie ihre Lippen sich bewegen, als murmele fie leise Be— 
chwörungsformeln; fieht, wie sie daraufhin das junge Ge— 
chöpf, das fich bisher im Hintergrund gehalten, zu sich heran— 
vinkt, wie dieses sich über das Tischchen beugt und längere 
Zeit fast bewegungslos in die geheimnisvolle Phiole starrt, 
pährend die Majestätische ihm etwas zu fuggerieren scheint. 
Jetzt wandert „Madame Artemisia“ langsam durch die 
Arena, dabei an diesen oder jenen aus dem Publikum in fremd 
lingendem Französisch die Aufforderung richtend, Fragen an 
„Mademosselle Miriam“ zu stellen, gleichviel. ob aus der Ver 
gangenheit oder Zukunft — die diese phänomenale Hellseherin 
sosort beantworten werde. 
Zuerst stummes Abwehren. Scheue Zurückhaltung. 
Nach und nach jedoch überwindet man die anfängliche 
Schüchternheit. Eine Frage nach der anderen wird Jaut, die das 
snlphenhafte Wesen dort hinter der Kristallphiole mit wohltönen4 
der, etwas verschleierter Stimme beantwortet. 
Der junge Mann vorn in der „Loge“ fühlt sich feltsam 
ergriffen durch diese weiche Mädchenstimme. Nicht beachtet 
er mehr die majestätische Frau, die langsam weiterschreitet, 
unr Fragen einzusammekn. An der zarten, kindlichen Gestalt, 
»ie von dem bläulichen Licht wie von einer Gloriole umstrahlt 
st, hängl sein Blick. Mit einem versonnenen, traumhaften 
Ausdruck blicken die großen blaugrauen Augen ins Weite, wähn 
rend von den lieblichen, sanftgeschwungenen Lippen monoton 
Antwort auf Antwort kommt. 
Wie das Mysterium keuscher Unnabtbarkeit erscheint das 
arte Geschöpf mit dem schmalen, fast durchsichtig bleichen Gesicht 
und dem seidenweichen, fessellos über Schultern und Rücken 
herabfallenden Blondhaar dem jungen Manne — wie ein Wesen 
mis einer andern Welt, so gar nicht hergehörend in die sticige 
dirkusatmosphäre und die Nähe jenes aufgeputzten, tiefbrünetten 
Weibes. 
„Will Monsieur nicht auch einen Blick in die Zukunft 
werfen?“ 
Reginald d'Esterre fährt aus seinen Betrachtungen emror. 
Madame Artemisia steht in ihrer vollen Höhe vor ihm und 
richtet die Frage in besonders schmelzendem Ton an ihn. 
Mit erzwungenein Lächeln wehrt er ab, und die Dame 
chreitet achselzuckend weiter, aufs neue Fragen einheimsend. 
Und die liebliche Mädchenstimme antwortet ... . und ant⸗ 
vortet — bald lauter, bestimmter .... bald leiser, ver- 
chleierter.... 
Bis plötzlich der bbonde Kopf auf die Brust herabsfinkt, 
die kleinen Hände stützesuchend um sich greifen — — 
„Mademoiselle Mirjam ist erschöpft,“ ruft „Madame Ar— 
tenrisia“ laut, so daß es im ganzen Zirkus widerhallt. „Der 
Trans ist für heute beendet. Ich danke den Herrschaften für 
hr Interesse. Merci, Mes'sieurs et Mesdames!“ Mit feltem 
Griff packt sie das schwanke junge Geschöpf beim Arm 4ud 
1. 
Wer hat noch nicht mit geheimer Sehnsucht von den 
sonnenübergluteten Gestaden der Riviera gehört? Von Nizza, 
der Königin des Mittelnreeres? Von Mentone, der lieblichen Kur— 
tadt? Von Monte Carlo, dem Spieler-Eldorado)“. 
Und wer dort war und hat sie mit eigenen Augen ge⸗— 
schaut, diese Paradieseswelt dort unten jenseits der Alpen, die 
in Dutzenden von Sprachen gefeiert, in unzähligen Liedern be— 
sungen wurde — glühend, feurig, voll leidenschaftlicher Be⸗ 
geislerung —, er wird sie nie vergefssen. Unauslöschlich hat 
sie fich mit ihrem Zauberstempel eingeprägt in sein innerstes 
derz. daß es ihn immer wieder hinzieht, daß er in seinen 
Träumen zurücklehrt nach den Geitaden seiner Sehnsucht. — — 
An einem wundersamen Spätherbstiage ist es, da große gelbe 
Plakate an den Bäumen, welche die Strandpromenade von 
Ville-franche unweit Nizza einsäumen, in fast mannshohen Buch— 
chaben zum Besuch des „weltberühmten Zirkus Malatesta“ ein⸗ 
aden. „Nur diese eine Vorstellung“ — steht in bescheideneren 
Lettern dahinter —, „da kontraktlich nach Paris verpflichtet.“ 
Was Wunder, daß am Abend die biedern Landbewohner 
des lieblichen Hafenstädtchens zu Haufen hinströmen nach der 
großen Leinwandplane am Ende des Ortes, hinter deren mystischem 
Halbdunkel Kunstreiterinnen und Seiltänzer, Wahrsagerinnen und 
Löwenbändiger ihre Zauberkünste entfalten. 
Nicht stört es das dankbare Publikum, daß die leichte Brise, 
die vom Meer heraufweht, sich in der mur lose gespannten Lein— 
wand verfängt und sie aufbläht wie ein Segel. 
Mit weitgeöffnetken Augen und vor Staunen halb offenen 
Mündern starrt jung und alt nach dem durch einen weißen Kreide⸗ 
trich angedeuteten weiten Kreis, innerhalb dessen das bunte Pro—⸗ 
zramm vorbeiflirrt. Höchstens, daß ein halbunterdrückter Auf- 
ichrei einmal die atemlose Srannung unterbricht, wenn; der 
lose Wind das improvisierte Zirkusgebsude etwas gar zu heftig 
schũttelt. Ein paar õlglatte Beruhigungsworte von den lächeln⸗ 
den Lipren des „Herrn Direktors“, ein graziöser Veitschenhieb
	        
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