Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

6B9— 3 A —3383 
38978 J 3— 
Ausgabe 
Ser neue Krupp⸗Prozeß. 
Schluß aus dem Morgenblatt.) 
Berlin, 23. Okt. 
orfitzender: Sie sollen gesagt haben, Sie machten 
gfeige hhene um ihn sich warm zu halten. Als Pfeiffer 
iagie was das für Wittel seien. aus denen Sie ihm 
je Zuwendungen machten, Jollen Sie gesagt haben, das seien 
helder. die Ihnen zur Verfügung ständen, da haben Sie. wohl 
in die Funktionszulagen gedaht? Brandet: Jawohl. V — 
tz en oer Pfeiffer mußte da doch gnnehmen, daß das Geld 
boh der Firma sannmne, Brandt; Mteine Einkunfte stammten 
doch aile von der Firma. Vorsitzender:? In Essen sind 
30 gornwalzer defunden, worden. die aus den Jahren 1910 
is 1913 stammten. Nicht gefunden wurden aber die ersten 
Kornwalzer. wo sind diese denn geblieben? Brandt: Das 
weiß ich nicht. wahrscheinlich sind sie pernichtet worden. Vor⸗ 
Itzender: Wer, könnte zu einer Vernichtung den Auftraqg 
egeben haben? BZandt; Darüber ist im Bureau nicht 
jesprohen worden. Vorsitzen der: Unter dem Ihnen von 
en Hilitärbeamten ausgelieferten Material befanden sich auch 
geheime Sachen? Bramndt: Fur mich waren diese Sachen 
ihle geheim. Vorfitzender: Es befand sich darunter 
Material, das im Interefsse der Landesyerteidigung geheim 
geholten“ werden mußle Haben Sie als Kruppscher Beamter 
Gegensiände erhalten. die im Interesse der Landesverteidaung 
dehenn bleben mußten? Branmdxt: Ja, ich habe im Jahre 
1808 auch einen Schein unterzeichnet, der mich verpflichtete, 
iber Tinge dieser Art nicht zu sprechen. Vorsaitzender; 
Pie nach Essen gesandten Kornwalzer wirrden zunächst von Herrn 
. Schutz unterzeichnet. später gingen sie ohne Unterschrift 
ach Fffenn. Warum hat Herr ve Schütz es dann abgelehnt. 
iefe Berichte weiter zu umnerzeichnen? Brandt: Herr von 
Zqhütz erliärte mir, es seil ihmn unangenehm, Berichte zu 
unerzeichnen, die er nicht geschrieben habe. Vorsitzz ender: 
Wie geschah denn die Versendung der Kornwalzer? Brandt: 
die Briefumfchläge, die Kornwalzer enthielten, wurden den 
Fffiziellen Briefen beigefügt. Die Berichte waren an die in 
drage kommenden Kruppschen Herren adressiert, zuerst an Herrn 
Landrat a. D. Rütiger. später an Herrn Mouths und zuletzt 
in Serrn v. Dewitzz Vorsitzender: Warum wechselten 
ie Adressen? Brandtz, Der Wechsel ist auf eine, ander⸗ 
veitige Verteilung der Arbeit zurückzuführen. Vorsitzen⸗ 
er: Sind Sie gefragt worden. auf welche Weise Sie die 
Nachrichten erhalten haben? Brandt: Nein, die Herren 
uchten selten Herrn v. Schütz in Berlin auf, und wenn es 
zeschah, kam ich mit ihnen nicht in Berührung. Vorsitzen-— 
zer: Sie sagten einmal, es sei gefährlich. Sachen aus der 
zand zu geben und nach Essen zu schicken. Brandt: Ich 
jabe eine solche Aeußerung Herrn v. Schütz gegenüber getan, 
er hat mich aber beruhigt und mir erklärt. ich täte nichts 
Unrechtes. denn es läge im Interesse der Heeresverwaltung. 
venn die Preise herabgedrückt würden. Vorsitzender: Wie 
gestalteten sich die Dinge nach der Ankunft des Herrn v. Metzen, 
pPrach er mit Ihnen nicht über diese Sachen? Brandt; 
ks ist keine Aenderung eingetreten. Herr v. Metzen sprach 
inigemal bei dem zuständigen Referenten vor und zog Er⸗ 
undigungen ein. die andere Arbett überlietz er mir Herr 
». Metzen hatte nach dem Antritt seiner Berliner Stellung 
die Vertretung für Belgien und war oft monatelang perreist. 
Vorlitzender: Sind von den Kornwalzern Abschriften ge— 
iommen worden? Brandt: Ja, und zwar, auf Veran— 
assung des Herrnv. Metzen. Früher waren Abschriften nicht 
ingefertigt worden. Die Abschriflen wurden in einem Geheim— 
ach des Geheimschrankes aufhewahrt. Als Herr Direktor Dräger 
nir später sagte, Herr v. Metzen habe gedroht, die Sache 
ur Sprache zu bringen, nahm ich die Abschriften mit in 
neine Wohnung. um sie dort zu vernichten. Aus verschiedenen 
ßründen bin ich ober nicht dazu gekommen. Rechtsanwalt 
Löwenstein bittet. den Angeklagten zu fragen, ob er den 
zeugfeldwebeln und den Zeugoffizieren nicht wiederholt er— 
tärt habe, daß die ihm von ihnen gemachten Mitteilungen 
m Interesse der Landesverteidigung lagen. da eine Herab— 
etzung der Preise und die bessere Einhaltung der Lieferungs 
zeit für diese von gröhter Wichtigkeit sei. Brandt: Ich 
habe derartiges den Herren wiederholt gesagt. 
Unm 12 UÜhr 30 Minuten tritt eine Pause von einer halben 
Stunde ein. 
Nach Wiedereröffnung der Sitzung wird erst die Italien⸗ 
reise des Herrn v. Metzen besprochen. 
Der Angeklagte Branudt erklärt: Direktor Mühlon habe 
hn seinerzeit in Berlin besucht und ihn gefragt, ob er in 
der Lage sei, den Dienst des Herrn, v. Metzen zu übernehmen, 
rsür den Fall, daß dieser auf seinen Berliner Posten nicht 
mnehr zurückkehre. Er habe darauf erwidert, daß er den 
zrößten Teil der Arbeit auch schon vorher erledigt habe, 
und auch zu erkennen gegeben, daß er die Sache wohl über— 
ehmen könne, wenn dem Berliner Generalvertreter Direktor 
Dräger die größeren Sachen überlassen blieben. Allerdings 
önne er offizieller Vertreter wohl kaum werden, da er als 
rüherer Unteroffizier voraussichtlich Schwierigkeiten im Ver— 
ehr mit den höheren Stellen haben werde. Der ewige 
Wechsel werde aber unangenehm empfunden. Man wolle einen 
herin haben. der nicht auf einen Direktorposten reflektiere 
ind nicht fortwährend unzufrieden sei. Nicht als Vertreter 
ollte ich angestellt werden. sondern es sollte eine Sonder- 
tellung für mich geschaffen werden. Herrn v. Metzen wurde 
ich ein Dorn im Auge, weil ich ein Auge nach dieser Stellung 
ewotsen hätte. Gegen meine Berichterstaftung hatte Hert 
. Metzen. dessen Arbeit ich fast vollständig allein machte. 
nichts einzuwenden. Im allgemeinen standen wir sehr freund— 
chaftlich zu einander. Er wollte auch dafür sorgen, da ich 
berarbeitet war, daß ich die Berichterstattung los werde. 
oderr Direktor Muühlon fragte mich, weshalb die Berichterstattung 
nir nicht mehr passe und ob ich dabei etwa etwas Unrechtes 
ue. Das konnte ich verneinen. Der Hauptgrund war für 
— daß Hert v. Metzen anfing, mir unangenehm zu werden. 
Ddie ganze Geschichte war eine eingefädelte Komödie. Herr 
». Meten hat, wie mir aus einem Briefwechsen ersichtuch 
vurde. über mich nach Essen berichtet Borsißender: Hert 
2. Metzen wollte Sie los werden. Das war I Meinung? 
Braundt: Jawohl, Ich hatte das Gefühl daß meine Beridt- 
rstattung unangenehm gufgenommen werde, Borfihender: 
SZind Sie guch gefragt worden. woher Sie Ihre AGde 
esahßen? Brandt; Es war bekannt, daß 'ich eine große 
Anzahl von Bekannten sogar im Viinisterium hatte, —* 
rin ich mal gefragt worden, ob ich etwa etwas Unrechtes 
dabei tue. Das konnte ich verneinen Vorsihender: Sie 
ollen bei einer Unterredung geweint haben. Brandt' Das 
dar bhöchstens eine Augenttäne. Ich halte gerade eine jchwpere 
J zdurggemacht. Seldstperstandiih, wag mir die Sache 
Dft dice Zeß in poedeh geweint hätte. ist ausgeschloffen. 
nene e der Vhenhet oheedefe Stuhgicht 
ständiger Remsch geblieben eans — Waedet 
Die ganze Frageslellung vwear mir unerflärch. Ich habe —* 
ugegehen. daß ich mit den Herren verkehle und un bacn 
4. einmal ein Glas Bier oder Wein tranfeVorsfiß in oen 
daben Sie gesagt, daß Sie Ihre diepräfentctidnsgelder dagu 
berwenden? Brandt: Zawohl. raraguezeee — 
Ihnen, nicht ans Herz gelegte daß Sie nichts Untechtes1 
zllten? Brandf: Das wäre möglich. Foueeh 
Warum wollten Sie die Beri terstattung nicht weitermachen? 
ßrandt: Weil sie sehr 5 Arbeit machte und ich außer⸗ 
rdentlich nervos wart, Es wurde mir gesagt, durt⸗ 
Ach Pezüglich meines Gehalts ailes beim alten. wenn die 
zerichterstattung auch fortfallie. Vorfsitzender: Sagi⸗ 
Err, Direktor Muühlon. daß Gie Ihre Stelu 
xcenwuriee Sie sre Stellung ver—⸗ 
Ken — Würden. wenn Eie etwa über die Greme 
F J — —— — —ú—95 —D — 
4 1 4 7 — — 4 
—79 — 4 
Freitag, den 24. Oktober 1913. 
34 
.86 
⸗* 
Abend⸗Blatt Nr. 540. 
scrꝛaubten s 
zorsißender: S en TrTaunsbl: 3J 
ader:; Sollten Sie den inn arawohl 
a halien wie der Verkehr dauerte? (J o zp See so⸗ 
rauen ẽ rcundichas von, Herrn von Metzen an zu ggg 
—* Brandi: Es blieb alles bei teb in Viitz⸗ 
5— er Gehaltszulage war schon vorher dnen Die 
ebe Wurden die Abscheiften 88 ig wgeden 
qn n duch während. der Reise des Herrn vo — 28 
hergestelitẽ Brandi; Jawohl, etwg 8 Itnt8 
523 ahinie Diese wurden fůr iα 
iert. — Ei Meß 
er ere üiche r ee 
8 Kriegsministeri 2St. viep⸗ 
8 —— rminieeum —A sind, exgibt 
Hter Hlebner erfannt. — Soegitgat I Hert Land 
iunebmem dak die an Dr. Liebknecht ageeeht e 
Wæs eser Zett stammen müssen, aber Aane en ornwalzer 
ede aüien geblieben find, der das M mig in den 
— i e Rechtsanwalt ——— 
jesen Kornwalzern nicht et — : Es 
bͤschriften. Es sind hier wied etwa um die Qriginau⸗ 
christen i eiee Abschriften von Ablbr, 
SHaben Sie ihn dort a * ee 8 
— on i i 
—8— ihn war, kam der Zreguer id wen erschien. Als 
ich im würde, Er sagte mir, er hab Metzen gicht peh 
eWee gehnagt an ane Sieile, wo de Gihzt rae 
— Prozeß werde auch meine Sache ut Woen 
3 Vorfitz ende bringt darauf einen Beri — 
isetn dzur Veriesung, aus, dem dervo ericht der Essener 
a ung erinnern könne, nach wie vor rgeht, daß, was n 
7 ungin seien einzuschränken und —— ardae 
Iech abzubrechen. Alles, was eine fals. & I Verkehr 
sönne, sollte vermieden werden. Auffassung her— 
enen saoine doe Dae is 
on aerenee zum Angeklagten ete erdem 
Whfi Drager ven Auftrag“ dur Vernicht Haben Sie 
ee oe 83— erhalten? Vrvoithit uge den Ab 
1d a irekt * : —XX 
se —S— — T — angedeutet, daß 
pige eine Roiie spielen konnten? —— Ver⸗ 
—8 We p ern —— Worte zur ——— eee 
; A⸗ riften ch war 
— 
sterungen ahr as 
ißender; Wenn — gen Hentstehen könnten. Vor⸗ 
— kommen ——— batten, dee ohtez 
ort pernichtet? Brandt? Gan e dann diefe Abscriflen 
vIn⸗ jam mir die in den Lin er Aber dieser Ge⸗ 
nsnh übten Ihre Berichte in E Fen geg Welchen 
— becinfluüßte Brandi: aue ae sie die 
r daß die Preise — —* 
iegoah er. a — worden e 
Dn en Misifärbeamten mitgeteilt eI agte de Tat⸗ 
3 — taten Braͤndt: ——— 
derholt RHargemacht. 235 * ies den 
Ie Rngetklagken pee ineg ghwenstein; 
Fihpoer, deg Verkehr vehni e vn r 
neg pee rlangung von Radrichten —— 
5 2 von Schũ 5 n orientiert 
Petzen über diesen Varehe —A— mir, daß Herr vou 
— worden scie im Unklaren von ihm ge— 
ine: get ee Hat Herr von Metzen vor 
r aus Italien, ã ßen 
et e etten 
— ehr mit Wilitärbeamten II 
al mir in dieser d nicht gehöre? Brandt: Von hne 
nie derarti : Von Metze 
en 
ndere Momente Fin adkehr aus Jialien. nachdemen eeg 
getreten em inzwihchen 
jzemacht, und ihn — en waren, Brandt das Herz sch 
jewandten Mittel zur * dieeiesei. dah die von d we 
eien? Braudt:Al rlangung von Nachrichten 1 e 
uherte er fich falt s Herr von Metzen etnehürte 
ie Firma Krupp 7 und meinte, ee gehore sich nicht war, 
e e ee ichtz dahz 
instelte, 48 8 d es gut wãre, wenn ich die 3 on Metzen 
br —— nhne das Gefühl, daß er einen Ienn 
espEeh deid nun eingehend die Gehaltsverhältni 
geen 
sunßer de uhe zler wurde dies auf 50 , 
im Jahte 1906 f 5000 M, exhöht. 
———— 
zetrag zur an en stallte nt die dirman Zur “ 
M gung. Diese M ia Krupp leinen 
zerrn pon Metzen. und e Ausgaben liaqudiert 
—80 zu d — 
e tnte de 
—— esfigefehzt. Im Jaͤhren i ions⸗ 
aes Gut thit ahe We 
— 5 5 Extragratifikation von 800 ags seine 
ur Erlangung oeee en betone von Schutz Brandt w 
eiese Auskuͤnfte keine illegale amd wandte 
uswenden, um —* en meedbe, 7 it itt an 
es darauf fuür Iinegahe gerecht zu werden zyd Mon 
zerr von Schuß einen6 iausend Mark an. 1807 die irmna 
J ——— 
rstaatsan *7— 
15d walt w 
anee Mirher b Wostede — n bewi 
ngesichts der Behauf sgezahlt worden seien. Wi — 
ebel nur S auptung Brandts, daß Wie erklãet sich 
—5 Summen von hundert Mark —— 
Braudet: „J dieler 
aben.“ Meine Be 9 hatte in di 
neine eere — deeen aeht Aug 
richten, was naturli te mich infolgedess größer ols 
e ürlich mit grof en teilweise neu 
7 Mye —RX 858 —— —A wWee 
——— ir gestattet, einen Teil di drwnog 
3 liquidieren, Teil dieser Mehr— 
e eg dnieehe daraug ertget sich der —— 
urch den das T Firma einen neuen fü in Jahre 1909 schloß 
enere eg n en ee 
— —————— festoeseht wn — 
auer feneeV asse in Essen angewiese wurde. Gleichzeit?g 
Wder einzs Xsages gine jahrliche — Brandt ur die 
ABrickvu, zohlen Borsitßend Funltionszulage von 
* in dem noch wei er: Es liegt hier ei 
X ue 
ile Viaalhelemmen ———— 3 i 6 
ehn anne eseee orfitzender: W Das hoben 
——— Srenher 1910 eine“ Gratifitati ofür haben Sie 
rroen — ifikation von 2000 9 
i * 
ucht alle. — inderte haben es dekom noch meht 
ĩ zender: 5. befommen, allerdin, 
— —D——— — 
ieser —56 worden unter Wwisaig eine Zulage von 
J— irgendwelche dingunsen Ging 
ch, mi.“ dem 6 habe miß Herrn von —J9 vorqus 
ielaat. —S— auslommen, edespehen 347 
— V e r * * te, 2 
——— 
itzender: Mitte 1812 wurde Ihr Gehalt auf 1000 
ngesetzt. Ein Vorschuß auf den „bewußten Betrag von 355 
Nariet, den Sie zu einem Erholungsurlaub haben wollten, Turde 
shnen cbgelehnt KRechtsanwalt Dr. Löwenstein: Sollte 
as nicht eain Vorschuß auf das Gehalt, gewesen sein? Brandt: 
ie Eunmmen standen mir zur freien Verfügung. Vorsitzen 
er Dieser Votschuß wurde Ihnen abgelehnt? Brgadt: 
alle ich gewußt, daß ich damals die Jubiläumsgratififation 
BSohe eines doppelien Gehalts erhaiten würde, dann hätte ich 
ich geschneben. VBorsißender: Können Sie Ihre Aus⸗ 
aben nicht wenigstens einigermaßen angeben? Brandit;: Das 
si schwer mögiich. Miete 1280 M, für ein besseres Dienst⸗ 
näbchen 800 bis 900 M, Kleidung 500 bis 600 M, Militär— 
ersicherung sür meinen Sohn, Haftyflichtversicherung, Dieb⸗ 
tahl⸗ und Lebensdersicherung kommen dann hinzu. Die Auf⸗ 
vendungen für gesellschaftliche Zwecke kann ich nicht berechnen. 
909 habe ich mir die Villa gehaut. Meine beiden Frundstüde 
ostetein 10 000 M. Die Baukosten betrugen 33 900 bis 34 900 
Hark, von denen mir von einer Baufirma 25 000 Mals 
ypothek gegeben wurden. Größere Ausgaben entstanden mir 
urch vielsache Krankheiten. Vorsitzen der: Sie haben ein— 
nal gesagt Sie rechnen damit, einmal bestraft werden zu können, 
Bßrasndft: Dieser Gedanke ist mir einmal gekommen. Bei 
neiner Vernehmung habe ich alles gran in grau gesehen. Des⸗ 
zalbh war ich außerordentlich beeinflußt. Vorsitßender; 
zaben Sie mit Herrn Eccius über die Kornwalzer gesprochen? 
zrandf: Ja, aber niemals über ihr Zustandekommen, Nechts- 
walt Dr. Löwenstein: Hat Herr Brandt neben den An— 
eklagten in dem Militärstrafversahren nicht auch noch andecen 
uten Freunden und Bekannten Darlehen gegeben? — Es wird 
estgestellt, daß eine Reihe Personen kleinere Beträge von ihm 
rhalten haben. — Rechtsanwalt Dr. Löwenstein: Diese 
zeträge entsprechen vollständig denjenigen, die die militärischen 
Angeklagten erhalten haben. Ich möchte Herrn Brandt fragen, 
jb er der Ansicht gewesen ist, daßz er auf Grund der Dienstord⸗ 
iung berechtigt gewesen sei, die Preise bei den Ausschreibungen 
a Ezrfahrung zu bringen. Brandt: Große Posten jawohl, 
ie Aufforderungsschreiben gingen direkt nach kssen, so daß 
ch keine Kenntnis davon haben konnte, ob es sich um eine 
reihändige Vergebung oder um eine Ausschreibung handelte. 
die Apgebote der Firma dagegen gingen stets durch die Ber⸗ 
iner Vertretung. Rechtsanwalt Dr. Löwkenstein: Be— 
»eutungsvoll ist in dieser Hinsicht, daß es auf die zubiektive An— 
hauung des Angeklagten in diesem Falle ankommt. Ober 
taatsanwalt: Es ist besser, darüber zunächst das Urteil 
der Sachverständigen, zu hören. Ich bestätige hier den Wider⸗ 
pruch zu früheren Annahmen. 
Damit ist die Vernehmung des Angeklagten beendet. — 
Justizrar von Geordaen bittet dringend, heute nicht mebr in 
die Vernehmung. des Angeklagten Eccius einzutreten. Diefe 
vird darauf quf morgen vormittag 9 Uhr vertagt. Schluz 
Uhr 35 Min 
Aus den Nachbargebieten. 
SHanleftãdte. 
Samburs, 24. Okt. Der Entwurf des Staafls 
zudgets für 1914 ist nun erschienen. Wie wir bareits 
ingegeben haben, beläuft sich das Defizit auf 131/42 Mill. 
MNark. Die Einlommensteuer soll 52 502 000 Muäbringen (im 
doriahre 51002 000). Also ein Plus von 1 Mill. M. — 
die Gefamtausgaben im ordentlichen Etat notieren 
93 162 154,28 Mäcim Voriahre 187 756 152,42); im außer⸗ 
»rdentlichen Etat 49 688 164,18 Mu(gegen 38 037 245,02). 4Quf. 
242 848 318,76 Mu(ogegen 226 793 397, 44), alfo eine Zunakme 
oer Ausgaben um 16 054 921,32 M. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
Eutin, 24. Olt. Friedrich August-Retalbchule. 
Jer Großhexzog genehmigte, daß die neue Realschule, die 
Sonntag in Eutin eingeweiht wird, nach ihm Friedrich-August⸗ 
Realschule benannt wird. 
Lauenbaur g. 
LBüchen,24. Ol. ImZweigvereinLauenbhurg des 
vangeiischen Lehrerbundes, der hier tagte, hielt 
Hauptlehrer Strakerjahn, Lübeck, den Hauptovor— 
rag über „Elders Stotterheilmethode“. Redner stizzierte, so— 
pei es in bem Rahmen eines Vortrags mögüch ist, die aälieren 
Methoden zur Heilung der Sprachstörungen, die sich in medi— 
inische, operative und didaktische Methoden einteilen lasen, 
ind wandte sich sodann der mit vielem Pomp empifonylenen 
kldersschen Metyode zu, dabei zu dem Resultat kommend, daß 
sieselbe nicht wesentlich Neues hringe, doch die Vorteile habe. 
aß sie einmal die Aufmerksamkeit und das Interesse der Be— 
örden qu die Not der Stotternden lenke, sodann aber auch 
etone, daß ein Stotterer nicht in kurzer Zeit zu veileg sei. 
zum Schluß verbreitete sich Redner noch über die Mittel, die 
n der Schule anzuwenden find, um die Sprachstörungen zu be— 
eitigen. Der interessante Vortrag löste eine sehr lebhafte Aus⸗— 
prache aus. Der Vorsitzende erstattete sodann Bericht über 
en Stand der Bewegung, der Evangelischen Schul- und, Lehrer— 
ereine und stellte eine erfreuliche Aufwärtsbewegung fest. Be— 
onders fonnte hervorgehoben werden, daß die Anstellung eines 
sßeneralsekretärs nahe bevorstehe. 
Schleswia⸗Hossftein 
Tondern, 24. Ott. In der Mordsache Nissen 
vurde in Rödding Lin Klempnergeselle verhaftet und dem Ge— 
ichtsgefängnis zuügeführt. Diese Verhaftung steht mit einer 
jeuen. auf eine Reihe von Tatsachen gestützten Version über 
»as Motiv der Bluttat in Zusammenhang. nach der nicht ein 
aubmord, sondern ein Mord aus Eifersucht vorliegen soll, 
vobei allerdings der Unrichtige erschossen wurde. Der Klemp- 
ijergeselle, der jetzt in Rödding arbeitet, hatte ein Verhältnis 
nit einein Mädchen, das auf dem in der Nähe der Mord- 
telle gelegenen Sof „Meierholm“ bedienstet ist, das Verhältnis 
iber mit dem sehr eifersüchtigen Klempnergesellen aufgehsben 
zatte. Der Klempner soll am Abend des Mordtages in Ton— 
hern gewesen sein. Am Sonntag nachmittag erschien er wieder 
ruf dem Hof, wurde aber vom Besitzer weggewiesen, worauf 
er sich in der Dunkelheit nach Tondern begab und in 8 
fFile nach dem Norden weiterradelte. Gendarmerie un o⸗ 
izei nahmen sofort mit Auto und Fahrrädern die Verfolgung 
ruf, jedoch erfolglos. Dienstag abend gelang nun die Ver— 
zafftung des Klempners unter dem Verdaächt, daß er abends, 
instatt den Nebenbuhler, den denseslben Weg kommenden Ge— 
meindevorsteher Nissen erschossen hat. 
Großherzoatümer Medlenburg. 
— Schwartau, 24. Olt. Die Vereinsbank zeigte 
iach dem der Herbstgeneralversammlung vorgelegten Vorstands- 
»ericht eine stetige günstige Entwickelung. Für die ausscheiden- 
den Aufsichtsratmitglieder Kauimann Gärifch und Zimmermeister 
Zurmeister wurden Hufner Stammer⸗-Rensefeld und Gärtnerei— 
desizer Jänike gewählt. — Schöffengericht. Der Chauffeur 
J. aus Lübedck erhielt wegen zu schnellen Fahrens — 36 km durch 
eschlossene Ortschaft — 10 MuüGelditrafe. — Arbeiter D. 
wus Stockelsdorf erhielt wegen Entwendung von Schuhen 
nit Rüdsicht auf seine Vorstrafen T Wochen Gefängnis. 
Haushälterin K. aus Stockelsdorf erhielt wegen Diebstahls, 
Monat Gefängnis im Hinblick auf die vielen Vorstrafen. — 
Wegen Hausfriedensbruchs erhielt Arbeiter S. aus Niendorf a. O. 
MGeidstrafe. 27 J
	        
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