Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

8 je S t als õtonomischer und politischert Faltor 
In Di ee Zab geftern abend in sehr fesselnder 
Weise Dr. Stubmann einen interessanten Ueberblick aber 8 
widelung der Seeschiffahrt in techmischer umd demit 
bbe — Der Vortragende sieht zwei große 
virtschaftlicher Beziehung. zvaß — 
dieser Entwickelung. Die Emanzipation der Schiff⸗ 
ẽtappen in rnsglicht durch den Sumanismus 
sahrt von der Küste e g —— 
verschiedene Erfindungen, brachte die großen Entbdegung 
n Jahrhunderts, die dechselwirkend wieder auf die Aus— 
da ee Einfluß bekamen. Nach längerer Pause 
— * die zweite Emanzipation, die die Schiffahrt mab⸗ 
pes * den Naturkräften machte. Die Erfindung Watts 
e auch hier, wenn auch später als auf dem Lande, die größte 
iwälzung. 1807 schwamm das erste Flußdampfboot des 
Amerikaners Fulton auf dem Hudson-River, 1819 unternahm 
ie „Savannah“ die erste Ueberseefahrt. Beides waren Rad— 
hampfer, die sich als unrentabel und unsicher herausstellten. 
Erst die Einführung der auf dem archimedischen Stoß kraftprin⸗ 
zipe beruhenden Schiffsschraube ermöglichte eine sicherere ren⸗ 
ablere mgestaltung der Schiffahrt. Neben der technischen 
Entwicelung ging die ökonomisch mehr ins Gewicht fallende 
Umgestaltung im Schiffsbaumaterial. Das bis dahin verwen⸗ 
ete Holz erwies sich einmal als zu gefährlich (Feuersgefahr 
uch die Kesselfeuerungh, dann aber auch in doppelter Weise 
is unwirtschaftlich, da es den Maßverhältnissen eine starke 
Heschrãnkung auferlegte und auf der anderen Seite durch die 
insehende Entwaldung der für die Eisengewinnung benötigten 
Forsten zu teuer wurde. Das Eisen löste das Holz ab. 
zierdurch wurde einmal ein wirtschaftlicheres Verhãltnis in dem 
Schiffsraum erzielt, das sich in Länge zur Breite beim Holze wie 
bis 4: 1 verhielt, während das Eisen ein Verhältnis von 
iwa 10: 1 gestattete (, Imperator“ 270 m Länge zu 35 m Breite). 
der Gewinn dokumentierte sich in dem Mehr an Laderaum und 
dem geringeren Prozentsatze des Eigengewichtes des Schiffes 
Holz 48 40, Eisen 35 60, Stahl 830 des Gesamtg ewichtes). 
Famt war im wesentlichen die Entwicklung der Seeschiffe nach 
Form und Bauart abgeschlofsen. Die Ausmutzung des investierten 
dapitals erforderte aber eine weitere Entwidlung, und zwar die 
der Schiffsmaschine und des Feuerungsmaterials, 
e beide einmal auf den Laderaum, dann aber vor allem auf die 
Schnelligkeit der Schiffe und damẽt ihre größere Wirtschaftlichkeit 
— ——— 
ionsmaschine, überhitzter Dampf kenneichnen in Schlagworten 
die Entwicklung. In unserer Zeit ist es die Tur bine, die, ren⸗ 
tabel gemacht durch den Föttingerschen Transformator, für die 
Schiffakrt von Wert wird. namentlich dort, wo große Schnellig- 
eit nötig ist und auf Wirtschaftlichkeit nicht so sehr gesehen 
u werden braucht (Kriegsschiffe). Von weit größerer Bedeutung 
für die Seeschiffahrt scheint der Dieselsche Oelmotor zu werden, 
in Explosionsmotor, der bei einstem Raume der Maschine selbst 
ꝛine Verminderung des Brennstoffes und Personalerparnisse 
möglicht. die wiederum eine größere Wirtschaftlichkeit zur Folge 
jaben. Der Vortragende ging sodam auf die Entwicklung der 
Rechtsbildung in der Seeschiffahrt ein. Aus dem Zustande vollster 
Willlũr auf dem Meere, die das Handinhandgehen von Han— 
dels⸗ und Kriegsmarine bedingte, entwickelte sich das Flaggen⸗ 
recht. Die Seeversicherung nahm frühzeitig ihren Anfang, um 
ich immer mehr auszubauen und zu einem riesenhaften Zweige 
der Volkswirtschaft zu werden (Llonds). Ein besonderes ethisches 
Moment kommt in die Seerechtsbegriffe durch den Begriff der 
—D ben Saparie (avarie grosse). Sie liegt vor, wenn 
Schaden oder Kosten absichtlich herbejgeführt oder aufgewendet 
rind, um Schiff und Ladung aus gemeinsamer Gefahr zu befreien; 
es besteht hier, abgesehen von Einzelheiten, die Bestimmung, 
— und Kosten von Schiff, Fracht und Ladung 
gemeinschaftlich nach Verhältnis ihres Wertes und Betrags ge— 
tragen werden, wobei gegebenenfalls die Seeversicherung entritt. 
Die Internationalisierung der einzelstaatlichen Vorschriften, der 
Ausbau des Völkerrechts, der Prisengerichtshoof, die Londoner 
Seekriegsrechts⸗Dellaration sind weitere Etappen in der Rechts⸗ 
entwicklung. Eine weitere Wirtschaftlichkeit wurde durch 
den Ausbau des Nachrichtenwesens erzielt Kabel, draht— 
lose Telegraphie); ferner durch die Sicherheits vorrichtungen an 
Bord, Maschinentelegraphh ufw., die eine Beschleunigung und 
zrößere Pünktlichkeit zur Folge hotten. Die Ermäßigung der 
Frachtraten hatte das Entstehen des Massentransportes zur Folge. 
Die großartige Entwicklung hat naturgemähß auch ihre Grenzen. 
So die Schnelligkeit im steigenden Kohlenwerbrauch bis zur Un⸗ 
rentabilität, ferner die notwendige Abschreibung. die schneller er⸗ 
olgen muß als bisher. Die glänzende Entwicklung der See⸗ 
chiffahrt wäre aber nicht so stark in die Erscheinung getreten 
ohne ein drittes Moment: die Organisation der Reederei. Auf 
ie will der Vortragende im nächsten Vortrage zu sprechen kommen. 
Uebumgsritt. Auf einem AUebungsritt begriffen, trafen 
Donnersatg, von Mölln über Ratzeburg kommend, unter der Fih⸗ 
rung des Oberstlts. Lessing die HauptleuteBruhns und von 
Themisser sowie 1 Unteroffizier und 9 Mann vom ersten 
Seebataillon aus Kiel hier ein und bezogen in „Stadt Ham— 
zurg“ Quartier. 
Der Lübecer Fechtlhlub hielt am Dienstag im Zentral⸗ 
votel eine Versammlung ab. Es konnte festgestellt werden, daß 
zie beabsichtigte Einrichtung von Ausbildungskursen von Erfolg 
jekrönt war. Beschlossen wurde, am Sonntag, 14. Dez., vorm. 
11 Uhr, im Fechtsaal, Mengstraße 28, ein Schaufechten zu 
eranstalten. Weiter wurden noch die Angelegenheiten des 
Norddeutschen Fechterbundes besprochen. Besonders eingehend 
„eschäftigte man sich mit dem hierselbst in der Hauptturnhalle 
am 29. März 1914 stattfindenden Bundesturnier, auf dem die 
besten Fechter Norddeutschlands ihre Kunst in der Waffen⸗ 
führung erproben werden. Erwähnt sei noch, daß sich die Ge— 
chäftsstelle des Klubs nach wie vor Klingenberg 34 II 
befindet, und daß der Vorsitzende, Herr Adolf Meyer, bereit⸗ 
villigst mündliche Auskunft in allen Klubangelegenheiten erteilt. 
S Die Spielabteilung des Mäumerturnvereins veranstal⸗ 
ete am letzten Sonntag ihre diesjährigen Schlußspiele auf 
»em Burgfelde, welche trotz der vorgerüdten Jahreszeit unter 
ebhafter Teilnahme des Publikums einen schönen Verlauf 
nahmen. Ganz besonderes Interesse erwedte das von den als 
ußerst fpielstark belannten ersten Schlagballmannschafften des 
Männerturnvereins und der Realschule zum Dom vorgeführte 
Schlagballspiel, welches durch seine lebhafte Spielart so recht 
dazu angetan war, durch die vielseitige Ausbildung der Spieler 
den eigentlichen Wert des deutschen Schlagballspiels dem 
Publikum vor Augen zu führen, das mit Spannung das 
Spiel von Anfang an verfolgte und welches schließlich der 
Männerturnverein mit 80 zu 61 fur sich entscheiden konnte. 
Abends führte ein Kommers, der in Gestalt eines Fischerfestes 
ibgehalten wurde, die Mitglieder im Restaurant „Pocenhof“ 
usammen. Auch der Verlauf dieses Festes wat dank der 
getroffenen Vorbereitungen ein guter. Die Dekoration des 
Zaales, als auch die Aufmachung der Fischertafel und die 
/erschiedenen Vorträge liehen gleich eine gemütliche Stimmung 
ufkommen, die ihren Sshepunkt erreichte, als ein von vier 
anen und vier Serren ausgeführter Fischerreigen in Original— 
Icht vorgeführt wurde, der durch feine originelle Aus- 
ihrung großen Beifall fand. In dieser gehobenen Stimmung 
ber enteilte die Zeit, so daß die Aufhebung des nach dem 
dommers stattgefundenen Tanzes durch einen gemütlichen Kaffee- 
isch den meisten Teilnehmern noch viel zu früh erschien. Aber 
uch dieser Punkt wurde überwunden und schließlich mit dem 
zewußtsein, ein schönes Fest verlebt zu haben. der Seimwea 
ingetreten. Mit Befriedigung aber kann die Spielabteilung des 
hlannerurnvereins sowohl auf den Verlauf ihrer Schlußviele 
ls auch überhaupt auf die Tätigkeit und Erfolge in diesem 
⸗5ommerhalbjahr zurüdblicken. 
Schöffengericht. Sitzunsg vom 23. Dtit. Wegen 
dörperverletzung find angeklagt die Arbeiter Gustav 
D., Fritz D. und Adolf Wo. aus Seeretz. In der Nadht zum 
2. Juni hatte ein Arbeiter Be. in Dänischburg Steeit mit 
inem Mädchen. Gustav D. kam dem Mädchen zu Hilfe. Es 
am zu einem fortgesetzten Streit, in den auch die beioen 
Milangellaglen hineingezogen wurden. Schließlich erbielt Be. 
ine Tracht Prügen, wobei Fritz D. fich eines Stod es bedlente. 
uftaw D wird freigesprochen, Fritz D. wird zu 80 Al event. 
2 Tagen Gefängnis, We. zu 30 Meevent. 6 Tagen Gefãng⸗ 
3 Perurteiln. Des Diebstahls hat lich ver Arbeiter 
arl Möo. schuldig gemacht, indem er am 27. Sept. bei seine— 
zeschäftigung auf dem Dampfer „Rhea“ sich 17 Palkene mit 
zersil im Gesamtwerte von 10 M aneignete. Da derartige Be— 
ubungen der Schiffsguter besonders energisch bestraft werden 
üfsen. wird der Angeklagte zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. — 
»des Diebstahls haben sich ferner schuldig gemacht die 
hefrau Marie G. und der Schulknabe W. zu Vorwerk. Beide 
ichten in den Vorwerker Wiesen nach Abfallholz und fanden 
ort große Bretter, die der Wasserbaubehörde gehörten. Es 
urde eine Säge herbeigeholt, um die Bretter zu zerkleinern 
nd besser transportieren zu können. Die Bretter hatten 
inen Wert von 7 M50 Pfg. Es werden verurteilt: Frau 
5. zu 3 Tagen Gefängnis, W. zur Strafe des Verweises. — 
zestohrten hat auch der Arbeiter Karl B. aus Schwerin. 
r hat dem Räucherer Bade zu Schlutup ein Paar Stiefel weg⸗ 
enommen. Die Stiefel wurden ihm bald wieder abgenommen. 
zr wird zu einer Woche Gefängnis verurteilt. — Wegen 
emelnschaftlicher Körperverletzung sind angeklagt 
ie Arbeiter Hugo Dr. Friedrich Sch. Wilhelm Dö, und Friedrich 
8. Am Abend des 29. August befanden die Angeklagten sich 
einer Wirtschaft an der Untertrave, wo auch der Arbeiter 
ichw. anwesend war. Letzterer soll sich dort aufdringlich ge— 
igt haben. so daß ein Streit entstand. Als die Angeklagten 
ortgegangen waren und Schw. ilnen bald darauf solgte, soll 
schw. heraussordernde Reden geführt haben, was Schw. aber 
estreitet. Dr. zog plötzlich seinen Rock aus und er und 
iehrere seiner Begleiter fielen über Schw. her, warfen ihn 
ieder und schlugen auf ihn ein. Auf die Hilferufe des Schw. 
ischien ein Schutzzmann auf dem Kampfplatze, der den Dr. 
inten in den Kragen faßte und ihn von Schw. fortzog. Nun 
ürmte Dr. auf den Schutzmann los, griff ihn an und zerriß 
hm den Uniformrock. Der Beamte konnte sich des Dr. nicht 
nders erwehren, als daß er seinen Säbel zog und ihm 
Amit einige Schläge versetzte. Dr., Sch. und Dö. geben zu, den 
—chw. mit Fäusten geschlagen zu haben; ersterer soll sich dabei 
ber einer Bierflasche bedient haben. Es werden verurtelt 
)r. zu 3 Monaten, Sch. und Dö. zu je 1 Monat Gefängnis. 
B., der jede Beteiligung leugnet, wird freigesprochen. — 
Begen Betruges ist der 17 Jahre alte Kontorbote Walter 
5. aus Wandsbek angeklagt. Kürzlich quartierte er sich in 
inem hiesigen Hotel ein und erließ folgende An— 
once: „Junger Mann als Verttreter gesucht, gleich 
zelchen Standes. Festes Gehalt.“ Den sich um die 
ztelle Bewerbenden gegenüber gab er sich als Provinzreisender 
iner Berliner Bouillonwürfelfabrik aus, die überhaupt gar nicht 
xistiert und behauptete, beauftragt zu sein, Vertreter zu en⸗ 
agieren,. denen er ein wöchentliches Gehalt von 36 Muver— 
zrach. Ein von diem Angeklagten engagierter Vertreter zahlte 
Im eine Vergütung von 12 M. Vier andere zahlten nichts. 
Das Gericht sprach, weil auch Urkundenfälschung in Frage komme, 
eine Unzuständigkeit aus und verwies die Sache zur Abur— 
eilung vor die Strafkammer. 
Großherzogtũmer Medlenburga. 
Neubrandenburg, 24. Okt. Ein seltenes Jagd— 
lüd hatte der Förster in Groß-Raddow bei Labes, indem er 
ruf der Feldmark des Gutes einen starken Seeadler erlegte. 
Mehr als 2 m Flügelspannung hatte der seltene Raubvogel. 
Friedland, 24. Oktt. Ein tödlicher Jagadunfall 
rug sich im Dorfe Liepen zu. Der im 31. Lebensjahre stehende 
»ofbesitzer Karl Falk dortselbst war zur Jagd gegangen und 
atte einen Hasen geschossen. Um den Hasen aufzunehmen, 
bollte er das mit dem zweiten Schuß noch geladene Jagd- 
ewehr an einen Strauch stellen, als in demselben Augenblick 
uch der zweite Schuß losging und den F. traf. Nach kaum 
rei Stunden war der unglückliche Schütze seinen schweren Ver— 
etzungen erlegen. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
—XXXEX 
Der Meclenburger Verfassungskampf. 
W. Schwerin, 24. Okt. Der Großherzog hielt am Mittwoch 
nit dem Großherzoglichen Staatsministerium im Regierungs⸗ 
ebäude zu Schwerin eine Sitzung ab. Der vorsitzende Landrat, 
rreiherr von Maltzan, fetzte die nächste Plenarsitzung des außer⸗ 
rdentlichen Landtages für Dienstag, den 28. d. M., nach⸗ 
nittags, 2 Uhr, fest. — Man geht wohl nicht fehl in der An— 
rnahme, daß sich der Ministerrat mit dem gegenwärtigen Stand 
er Verfassungsfrage beschäftigt hat. Diese Annahme wird 
nterstützt durch die Verbindung der offiziösen Meldung mit dem 
kbermin der nächsten Plenarfitzung des Verfassungslandtages. 
Vird sich der Großherzog zu Beginn der nächsten Plenarsitzung 
n einem Restript noch einmal an den Landtag wenden, um ihm 
den Ernst der Stunde vor die Augen zu führen? 
Die braunschweigische Frage. 
W. Berlin, 24. Okt. Zur Beratung des preußischen An—⸗ 
rages wegen der Regelung der braunschweigischen 
rage treten die Bundesratsausschüfse jür Ver— 
assung und Justizwesen am 27. Drrbee, vormittags, zu—⸗ 
ammen; es findet eine Vollsitzung des Bundesrates statt. in 
elcher die endgültige Beschlußfassung stattfinden dürfte. 
zründung eines Deu tsch⸗ amerikanischen Wirtichaftsrerbaudes. 
PT. Beilin, 24. Okt. Die an den Vorbereitungen für die 
eutsche Beteiligung an der Weltausstellung in San Franzisko 
eteiligten Perjönlichkeiten beabsichtigen, einen deutschameritani- 
hen Wirtschaftsverband ins Leben zu rufen, um die wirtichaft· 
ichen Beziebungen zwischen Deutschland und der Union in einer 
esonderen Organisation zusammenzufassen. Besondere Aus⸗] 
merksamkeit gedenkt der Verband den Vorbereitungsarhbeiten 
ür den künftigen deutsch-amerikanischen Handelsvertrag zu wid— 
nen. — Der Gedanke ist ausgegangen von der ächsischen In—⸗ 
zustrie und von der Hamburg-Amerika Linie, und bereits soweit 
gefördert, dah die Bildung des Verbandes auf breitester Grund— 
lage als gelichert gelten darf. 
Die Lausanner Flaggenaffäre. 
Bern, 24. Oft. Einer offiziösen Meldung zufolge kann 
der Zwischenfall wegen der in Lausanne zerrissenen Fragage 
des deutschen Konsulats als erledigt betrachtet wer— 
den. Man habe auf deutscher Seite sich mit dem Entichuldi— 
zungsbesuche des Waadtländer Regierungsvertreters begnügt, da 
illgemein die Auffassung herrscht, es handle sich mehr um einen 
inbedachten groben Unfug, denn um kine politische De— 
nonstration. Zwar hat der deutsche Gesandte v. Rom— 
era in Bern beim politischen Departement vorgesprochen, und 
iuch der Bundesrat hat sich in seiner letzten Sitzung mit 
»er bedauerlichen Affäre beschäftigt, aber ein offizieller Noten- 
vechsel hat deswegen, soviel hier bekannt, nicht tattgefunden. 
Die Schweizer Presse, insbesondere die der französischen Schweiz, 
at das höchste Bedauern über den Zwischenfall ausgespeohen. 
Leider ist es der Polizet noch immer nicht gelungen, die 
Täter zu ermitteln. 
34 
PO. Venedig, 24. Okt. Die Angestellten der Liesigen 
Dampfschiffahrtsgefsellschaften sind in den Aus«- 
stand getreten. Gestern konnte nicht ein Paketdampfer den Hafen 
aus Mangel an Personal verlassen. 
WM. Triest, 24. Okt. Der Panzerkreuzer „Goeben“ 
mit dem Chef der deutschen Mittelmeerdivision, Konteradmiral 
Souchon, ist gestern abend Ou Uhr in der Richtung nach Korfu 
tibgegangen. 
W. London, 24. Okt. Die Times meldet aus Peking: 
Der russische Gesandte und der chinesische Minister des Aeußern 
chlossen nahezu die Verhandlungen über die Form 
der Erklärungen betreffend die Mongolei, die 
wischen den beiden Mächten ausgetauscht werden sollen, ab. 
die Erklärungen werden die Grundsätze des Ablommens von 
Irga enthalten und Rußland die dort vereinbarten Privilegien 
ichern. Die Souveränität Chinas wird anerkannt. Anderer⸗ 
rits erkennt China die Autonomie der Mongolei an und ver— 
schtet auf die Kolonisierung und die militärische Okkupation. 
die Feststellung der mongolischen Grenzen bleibt einer späteren 
donferenz in Kiachta zwischen Rußland, China und den 
Monaolen vorbehalten. 
PO. Paris, 24. Okt. Das Verbot der deutschen und der 
sterreichischen Regierung. gewisse Gebietsteile zu 
iberfliegen, wird nunmehr auch von Frankreich erwidert 
verden. Die französische Regierung hat beschlossen, das Ueber— 
liegen einzelner Zonen im Norden und im Osten Frankreichs 
zu untersagen. Die Karte über die gesperrten Gebietsteile 
wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Im Gegen— 
atze zu Deutschland und Oesterreich, in denen das Verbot keine 
Ausnahmen gestattet, will die französische Regierung das 
leberfliegen ihrer gesperrten Zone nur den Fliegern nicht 
estatten, die nicht im Besitz einer besonderen Erlaubnis der 
ranzösischen Regierung sind. Dieser Passierschein soll für aus- 
ändische Flieger für den Zeitraum von sechs Monaten, für 
ranzösische Flieger für den Zeitraum von einem Jahre aus— 
gestellt werden. 
W. Oporto, 24. Okt. Die Ruhe im ganzen Norden 
des Landes hält an. Die Polizei verhaftete in der Stadt und 
der Umgebung zahlreiche Monarchisten: auch Waffen sind 
veschlagnahmt worden. 
W. Washington, 23. Okt. Der Senat hat das See⸗ 
nannsgesetz angenommen, das die Dienstverhältnisse der 
Seeleute verbessern und die Sicherheit auf See vermehren 
'oll. Da von Deutschland, England und Frankreich Ein— 
pruch gegen das Gesetz erhoben worden ist, weil es gegen 
Verträge verstoßze, hat der Senat einen Zusatz eingefügt, 
iach welchem eine Frist gegeben werden soll, um die Ver— 
träge abzuändern oder aufzuheben. Erst nach Ablauf dieset 
Frist soll das Gesetz in Kraft treten. 
V 
Blitzschlag in ein Kavalierieregiment. 
W. Newyork, 23. Okt. Gestern hat ein Blitzstrahl in 
das sechste Kavallerieregiment eingeschlagen, 
das sich auf dem Marsche von Texas-City nach Galveston be— 
kand. Drei Mann und mehrere Pferde sind getötet worden. 
Das Grubenunglück in Neumeriko 
Newyork, 24. Okt. Auf der Hirschschluchtgrube bei Dawson 
Neu-Mexiko) wurden die Rettungsarbeiten die ganze Nacht 
hindurch unter großen Mühen und Gefahren fortgesetzt. Die 
fettungsmannschaften drangen bis zum vierzehnten Stollen, un— 
jefähr eine Meile tief, ins Innere des Blad-Mountain vor, 
ind aber noch weit entfernt von der Unglüdsstätte, wo noch 
twa 250 Mann unter Schutt und Geröll begraben liegen. Die 
Mehrzahl der Verunglückten sind Italiener. 
W. Dawson, 24. Okt. In einem alten Bergwerk, 
»as mit dem Schacht der Hirschschlucht-Kohlengrube 
n Verbindung steht, brach gestern nachmittag Feuer aus. Es 
vird befürchtet, daß die Flammen auf den Schacht übergreifen 
werden, in dem noch 256 Bergleute eingeschlossen sind. 
ch 
W. Hamburg, 24. Okt. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr 
vurde die Ehefrau Norttorf in ihrer Wohnung in der Jakob— 
traße auf dem Fußboden liegend an Händen und Füßen 
resesselt, bewuüßtlos aufgefunden. Der Kopf war 
nit einer Schürze bedeckt. Die Schubladen einer Kommode 
oaren durchwühlt; was gestohlen worden ist, konnte noch nicht 
estgestellt werden. Die Frau wurde in das Hafenkrankenhaus 
zebracht. Von dem Täter fehlt jede Spur. 
W. Flensburg, 24. Oklt. Der 48 Jahre alte Arbeiter 
Peter Detlefsen aus Schleswig, der am 22. Februar 
». J. den 71 Jahre alten Invaliden Ehlers aus Böel bei Süder⸗ 
Zrarup ermordet und beraubt hat und deshalb zum Tode 
erurteilt worden ist, wurde heute früh auf dem Hofe des 
„iesigen Gerichtsgefängnisses von dem Scharfrichter Gröpler 
wuus Magdeburg hingerichtet. 
PC. Troyes, 24. Okt. Der bekannte Landschafts⸗- 
naler Eduard Daubigny stand gestern im Mittelpunkt einiger 
urbulenter Szenen. Nachdem er einen großen Menschen⸗ 
miflauf dadurch verursacht hatte, daß er auf ein Automobil. 
»as seinen Hund überfahren hatte, mehrere Revolverschüsse ab— 
zegeben hatte, lieferte er, als er verhaftet werden sollte, der 
Polizei ein förmliches Feuergefecht und konnte nur mit Mühe 
sberwältigt werden. Die drei Insassen des Automobils sind 
urch die Schüsse des Malers schwer verletzt worden.
	        
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