Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Hoͤrden vorgestellt. Kaiser Wilhelm reichte jedem die Hand und 
zeichnete alle durch kurze Ansprachen aus. Dann begab sich 
der Kaiser an der Seite des Erzherzogs im Automobil nach 
Echloß Konopischt, wo sich als Gäste des Erzherzogs u. a 
eingefunden hatten: Fürst und Fürstin Loblowitz, Fürst und 
Fürstin zu Fürstenberg und Fürst und Fürstin Starhemberg. 
— In den Zimmern des Kaisers wurde der Tee genommen 
Um 8 Uhr abends fand im groden Speisesaale des Schlosses ein 
Diner zu 26 Gedecken statt. Danach konzertierte während des 
Terckes im Rittersaole eine Marinekapelle aus Pola. 
W. Wien, 23. Oklt. Die Wiener Abendpostschreibt: 
Das Bandinnigster Freundschaft, das die erlauchten 
Zerrscher und die beiden Dynastien wie die verbündeten Reiche 
umschließt, tritt durch diese Besuche neuerlich und eindrucks voll 
in die Erscheinung. Weit über drei Jahrzehnte hat sich das 
Bündnis der beiden Kaiserreiche bewährt und ist, späterhin 
verstärkt durch den Beitritt des Königreichs Italien, eine kost⸗ 
bare, in den ernstesten Lagen erprobte Bürgschaft des 
mittereuropäischen Friedens geworden. Seit Jahr— 
zehnten erhält sich auch die schöne Gepflogenheit des häufigen 
persönlichen Verkehrs zwischen den Kaiserhöfen von Wien und 
Berlin. Wie stets, tragen diese Begegnungen das Gepräge des 
Verirauens und des herzlichen Einvernehmens. Ehrfurchtsvoll 
begrüßt die Bevölkerung des ganzen Reiches in Kaiser Wilhelms 
machtvoller Persönlichkeit die dritte Herrscher⸗Generation. die 
im Verein mit Kaiser Franz Josef dieses zum Segen für den Welt⸗ 
teil gewordene Bundesverhältnis pflegt. Die Kenntnis dieser 
innigen Beziehungen und die Erkenntnis ihres unschätzbaren Wertes 
hat in der ganzen Monarchie im Volksbewußtsein dängst feste 
Wurzel gefaht. Die wärmsten Gefühle der Bevölkerung des 
Reiches geben dem deutschen Kaiser bei seinen Besuchen in Schön⸗ 
brunn und Konopischt ihr huldigendes und ehrfurchtvolles Geleit. 
— Das Fremdenbkatt schreibt: Die intime Freund 
schaft, die die beiden erlauchten Familien, insbefondere auch 
Kaiser Wilhelm und den Erzherzog⸗Thronfolger, seit Jangem 
verbindet, kommt in diesem Besuch in intimem Kreise zum 
Ausdruck. Der familiäre Rahmen verleiht der Zusammenkunft 
eine besondere perfönliche Note, wie sje dem gegenseitigen Ver— 
—ER 
dinand, zwischen den Herrscherhäusern Habsburg und Hohen 
zollern, aber auch jenem der beiden Reiche und ihrer Bevöl— 
kerung entspricht. Seit Kaifer Welhelm das letztemal in Oester⸗ 
reich weilte, sind schwere Stürme über Europa hinweggegangen. 
Daß die wirbelnden Funken nicht zündeten, dah Europa der 
große Weltbrand erspart blieb, ist in nicht geringem Grade 
der Erfolg des Dreibundes, dessen Friedenswillens und 
jeiner friedenerhaltenden Kraft. Wie in den vorausgegangenen 
Jahrzehnten hat auch in den verflossenen Monaten, die so 
oft die Gefahr europäischer Verwicklungen in die Nähe rückten 
das einige Vorgehen der Dreibundmächte diese Gefahren be— 
schworen. Erst bei dem jüngsten Anlaß wieder, als Oesterreich- 
Ungarn wegen der Räumung Albamins seitens der serbischen 
Truppen in Belgrad Schritte unternahm, fand es hierbei die 
rüchhaltlose Untersiützung seiner beiden Verbündeten. Das Bünd- 
nis hat nicht nur für die Verbündeten selbst, sondern auch 
für das gesamte Europa fsich von realem Vorteil erwiesen. 
In dieser Erkenntnis wurde die Freundschaft zwischen Deutschland 
und Oesterreich neu gekräftigt und neu befestigt in den Be— 
rechnungen der Staatsmänner wie in den Gefühlen der Bevöllke⸗ 
rung. Die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Erzherzog 
Franz Ferdinand ist unter diesem Gefichtspunkt nicht nur ein 
neuerlicher Beweis der herzlichen persönlichen Beziehungen zwischen 
dem deutschen Kaiser und dem Erzherzog⸗Thronfolger, sondern 
auch eine von der aufrichtigen Anteilnahme der Bevölkerung 
getragenc politische Kundgebung des unerschütterlichen Zusammen— 
haltens zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn. 
Z 
* 
Deutsches Reich. 
Zunn Empfaug des Prinzen Ernft August. Die Stadtoer—⸗ 
ordnetenversammlung in Braunschweig bewilligte der 
Braunschweigischen Landeszeitung zufolge in der gestri— 
gen Vormittagssitzung ohne Debatte einen Kredit 
von 25000 Mark zur Ausschmückung der Stadi 
beim Einzug des Prinzen Ernst Auaust als Herzoaq in Braun— 
ichweig. 
Kein Rüditritt des elsaßz⸗lothtengishen Staatsfelretärs. Die 
Kölnische Zeitung dementiert kategorisch die von der Rheinisch- 
Westfälischen Zeituna gebrachte Meldung von dem bevor⸗ 
5* 
Verpflichtiung sie der Schaubühne gegenüber haben und be— 
stätigen dieses wohlverstandene Intereffse durch Hergabe großer 
Geldmittel. Sie würden diese Geldmittel niemals hergeben, 
wenn sie nicht den damit verbundenen Zweck richtig würdigten. 
Die Gründe, welche die großen Gemeinwesen veranlassen, 
erhebliche Summen für die Schaubühne in den Haushaltungseta: 
einzustellen, sind auch für die kleinen Gemeinwesen vorhanden. 
Wie jene, sollten darum auch diese in den Säckeel greifen, 
um innerhalb der Gemeinden den Genuß guter Theatervorstellun⸗ 
gen zu vermitteln und Freude an der Kunst der Schaubühne 
zu wecken. Wie jene, könnten auch diese durch geeignete Per— 
sönsichkeiten einen Einflug auf die Wahl und die Güte des 
Darzustellenden sich sichern. 
Wie jene große Sunmen auswerfen, könnten diese verhält⸗ 
niswmößig mit weit geringeren Kapitalien auskommen und wür—⸗ 
den doch die wichtige Sache der Schaubühne ganz bedeutend 
ördern. 
Es wird für minder wichtige und oft schnell vorüberslie— 
gende Anlässe so viel Geld mit weit geringerem Nutzen ausge⸗ 
geben, da sollte nun wirklich ernstlich begonnen werden, an 
die Schaubühne zu denken. Die Ausgaben für dielse sind nicht 
herloren 
Schluß folgt.) 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Die Einweihung des neurn Konzerthaufes in Wien. Unter 
grohßer Spannung und in Anwesenheit der feinsten Gesellschaft 
wurde Sonntag abend der große Festsoal des neuen Konzert— 
hauses durch ein Festkonzert eingeweiht. Das erste Wort hatte 
Richard Strauß mit seinem eigens für diesen Zweck kompo— 
nierten „Festlichen Präludium“, einer mächtig rauschenden 
hymnenartigen Ouvertüre, die stürmischen Beifall wedte. Tas 
Werk wurde von 150 Mann im Orchester ausgeführt; die 
Orgel wirkte mit obligater Stimme großartig mit; am Schluß 
außerhalb des Orchesters noch zwölf Trompeten, die samt dem 
Orchester das Thema blasen, dazu das volle Werk der Orgel; 
ein lang gehaltener C-Dur Dreiklang im dreifachen Fortissimo 
jührt den Abschluß herbei. Ueber das Werk soll noch gesprochen 
werden. Es folgte die „Neunte“ von Beethoven, die den üb—⸗ 
lichen Jubel hervorrief. Ferdinand Loewe dirigierte, es war 
auch für ihn ein Festabend; er wurde stürmisch gefeiert. Wien 
isft um eine aroße Attrakfion reicher 
tehenden Rüdtritt des Staatssekretärs von Elsaß-Lothringen 
Zorn v. Bulach und des elsässischen Justizministers Dr. Petri. 
An dieser Meldung sei ebenso wenig etwas Wahres wie an 
der letzten Nachricht vom Rüctritt des Staatssekretärs. 
Arbeitslosigleit und Schiffsbau. Von einer der Bremischen 
Handelskammer, nahestehenden Seite wird uns folgendes ge— 
chrieben: Es durfte sich jetzt ziemlich allgemein die Erkenntnis 
derbreitet haben, daß wir uns bereits seit einiger Zeit in einer 
erabgehenden Konjunkturkurve befinden und daß 
hiele mit dem Geldmarkte besonders nahe zusammenhängende Ge— 
verbezweige, wie insbesondere das Baugewerbe und die 
für dasselbe tätigen In dusbrien, an den meisten Orten 
daniederliegen. In sozialpolitischen Zeitschriften beschäftigt man 
siich bereits feit längerem lebhaft mit der im Winter zu erwar— 
jenden Arbeitsbosigkeit. Gegenüber diesen unstreitbaren 
Tatsachen muß mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß 
siemals alle Erwerbszweige gleichmähßig von niedergehenden 
donjunkturen erfaßt werden und daß vielfach Arbeiter, die 
neiner Branche entbehrlich geworden sind, Un— 
erkunft in verwandten Branchen, die gleich 
urtige Arbeiter beschäftigen, finden können. Es 
st dann Sache der Arbeitsnachweise, einen Ausgleich 
wischen den Branchen zu vermitteln, damit die Arbeitslosig- 
eit und die Belastung der öffentlichen Armenpflege durch Arbeits— 
ose naich Möglichkeit verringert wird. 3. B. lauten die Be— 
richte aus vielen Zweigen der Maschinenindustrife zur⸗ 
eit recht ungünstig, in zahlreichen Fabriken sind Arbeitszeit⸗ 
zerkürzungen und Arbeiterentlaffungen vorgelommen. Das gleiche 
Bild geben die regelmäßig veröffentlichten Arbeitsmarktstati— 
tiken. Demgegenüber verdient herrorgeloben zu werden, daf 
»er Schiffbau und die mit ihm verbundenen Maschinen 
abriken, welche Schiffsdampfmaschinen und Silfs 
naschinen herstellen, gegenwärtig noch auf das intensivste be 
chäftigt sind und infolge der zahlreichen, anläßlich der glän 
enden Konjunktur in der Schiffahrt im Jahre 1912 und auck 
toch in diesem Jahre in Auftrag gegebenen Neubauten bis zun 
jahre 1915 voll beschäftigt sein werden. Insbesondere auch an 
der Unterweser ist zurzeit ein fühlbarer Mangel an für 
den Maschinenbau geeigneten Arbeitern vorhanden und es dürfte 
ich daher empfehlen, in Arbeiterkreisen auf die sich hier bietende 
ßelegenheit zu Längerer, lohnender Beschäftigung 
zinzuweisen. Da auch die —Scheffahrt noch gut beschäftigt ist, 
würden nach unserem Dafürhalten auch ungelernte Arbeiter in 
den Hafenbetrieben noch in arößerer Zahbl Verwendung finden 
können. 
2 * e 
Ausland. 
Enaland. — 
Eine Verstaatlichung der Eifenbahnlinien ist in abseh— 
barer Zeit zu erwarten. Die Regierung hat eine Kommission 
eingeseßtt, um die zwischen dem Staate und den Eisenbahngesell—⸗ 
schaften bestehenden Beziehungen einer genauen Prüfung zu 
unterziehen. Von dem Ergebnis dieser Prüfung wird es ab— 
hängen, ob die Regierung einen Antrag auf Verstaatlichung der 
Bahnen im Parlamente einbringt. Zum Vorsitzenden der 
Untersuchunaskömmission ist Lord Loreburn ernannt wocrden 
Spanien. 
Die Lissaboner Unruhen bildeten den Hauptgegenstand des 
zestrigen Ministerrates in Madrid, der unter dem Vorsitz des 
Königs Alfons tagte. Als Berichterstatter über die Lage in 
Portugal fungierle der Ministerpräsident Graf Romanones. 
Er schilderte in einem ausführlichen Bericht die Geschichte der 
ieuesten Aufstandsbewegung und gab über die Vorfälle der 
etzten Tage, die fich in der portugiesischen Hauptstadt abspielten 
ungehenden Aufschluß. Nach dem Ministerrat erteiltekomanones 
einigen Journaliften eine Unterredung. Den Hauptgegenstand 
dieser Interviews bildeten die Gerüchte, daß sowohl Frankreich 
als auch Sranien eine Intervention in Portugal zugesichert 
hätten. Romanones erklärte aufs Bestimmteste, daß alle der— 
artigen Gerüchte völlig haltlos seien. Von einer Interoention 
der heiden Mächte könne keine Rede sein. 
Amerila. 
Die Bestätigung des mexikanischen Präsidenten Huertar 
durch die britische Regierung hat in Washington verstimmend age— 
wirkt. Die amerikanische Presse aller VParteirichtungen ver— 
uirteilt die englische Haltung auf das schärfste und ist über die 
‚on dem englischen Gesandten in Mexiko, Sir Lionel Carden, an 
»er amerikanischen Vexikopolitik geübten Kritik fehr erregt. 
der Zeitungskönig Hearst, der selber große Ländereien und 
Betroleumquellen in Mexiko besitzt, steht ganz auf dem Stand 
unkt des Vräsidenten Wilson, und ist, wie dieser, der An⸗ 
icht, daß die Differenzen zwischen Großbritannien und der 
Inion nur auf die wirtschaftliche Rivalität zurückzuführen sind. 
Ddie Mißstimmung über die Durchkreuzung der amerikanifchen 
Pläne in Mexiko ist derartig groß, daß eine Demonstrations⸗ 
sahrt der amerikanischen Flotte ins Mittelmeer ecwogen 
purde. In letzter Stunde hat man jedoch diefen Plan wiede: 
sallen lassen, um den Konflikt zwischen diesen beiden Län— 
vern αͥα nach zu versd *rfon 
— —. — — — — 
XI Internationale Tuberkulosekonferenz 
zu Berlin. 
Machdr. verb.) 8. & H. Berlin, 23. Okt. 
In Anwesenheit der Kaiserin und zahlreicher Vertreter von 
Reichs- und Staatsbehörden begannen heute hier im Plenar— 
itzungssaale des Abgeordnetenhauses die Verhandlungen des 
I. Internationalen Tuberkulose-Kongresses, zu dem die be— 
eutendsten Fachmediziner aus fast allen Kulturstaaten einge 
roffen sind. Der Präsident des Kongresses, Leibarzt der Kaiserin 
szeh. Rat Prof. Dr. Bumm, eröffnete die Versammlung mil 
Worten des Bedauerns darüber, daß der Präsident der Inter— 
atienalen Vereinigung gegen die Tuberkulose, L6on Bour« 
geois. durch Krankheit verhindert sei, hier zu erscheinen 
der Redner begrüßte dann die Teilnehmer der Konferenz, in 
ster Reihe die Kaiserin, deren mächtigen Schutz die 
VBereinigung von Anfang an erfahren habe. An Lbon 
Bourgeodis wurde ein Begrüßungstelegramm abgesandt. 
Hierauf begrüßte Staatssekretär Staatsminister a. D. Del— 
rüd die Konferenz im Namen der Reichsregierung mit 
olgender Ansprache: Die Internationale Vereinigung gegen 
die Tuberkulose befindet sich heute bei ihrer 11. Tagung hier 
n Berlin auf historischem Boden. In diesem Hause wurde 
yor elf Jahren unter dem Protektorat der Kaiserin die Inter 
ationale Vereinigung gegen die Tuberkulose ins Leben ge— 
ufen. Wenn es mir heute vergönnt ist, diese erlesene Ver— 
ammlung im Namen des Reichskanzlers und der Bundesstaaten 
ind als Präsident des Deutschen Zentralkomitees in der Haupt⸗ 
ladt des Deutschen Reiches zu begrüßen, so geschieht dies in 
àem erthabenen Bewußktsein, einer Körperschaft gegenüber zu 
stehen, die in rascher und stolzer Entwichlung sich zu einer 
den Erdball umspannenden Organisation entwicdelt hat und 
die in ausgezeichneter und vorbildlicher Weise es verstanden 
hat, bei ihren Bestrebungen die nationalen Gegensätze auszu— 
schalten und Herz und Verstand ihrer Mitglieder in den Diens 
einer großen Sache zu gemeinsamer und nutzbringender Arbei 
u sammeln. (Lebhafter Beifall. Das Ziel, das uns allen 
vorschwebt, ist die Befreiung der Völker von dem Joch de— 
Tuberkulose, die, wenn auch teilweise in ihrer Kraft gebrochen 
der Gesundheit und Arbeitskraft der Nation unheilbare Wunde; 
chlägt. Ist doch in Deutschland jeder zehnte Todesfall, in 
rwerbstätigen Alter sogar jeder vierte auf Tuberkulose zurüd 
uführen. Nun sind gewaltige Anstrengungen bei den ein— 
zelnen Nationen gemacht worden, um die Tuberkulose zu be 
kämpfen. In edlem Wetteifer sind alle Kulturstaaten bemühn 
zewesen, die Kenntnis der Tuberkulose zu fördern, den Er 
krankten Heilung und Linderung zu bringen. Herzen und 
hände haben sich geöffnet, um das Elend der Tuberkulosen 
u lindern. Der Staatssekretär gab eine Reihe von statistischen 
Zahlen, aus denen hervorgeht, daß Deutschland 147 Volks— 
»eilftätten mit 15 782 Betten für erwachsene Lungenkranke be 
itzt, 115 Walderholungsstätten, 17 Waldschulen und 222 Spezial 
Wteilungen für Lungenkranke in Krankenhäusern. Allein in 
etzten Jahre ist in 50000 Fällen in Deutschland ein Heil 
erfahren gegen Tuberkulose eingeleitet worden. (Bewegung. 
Wer will die Tragweite solcher Leistungen bestreiten? (Großer 
Beisall. Doch ist das nur ein Ausschnitt aus dem großen 
internationalen Kampfe gegen die Tuberkulose, der seit Jahr 
zehnten von allen Kulturstaaten gegen den gemeinsamen Feind 
unternommen wird. Wenn dieser Kampf der Nationen im 
vesentlichen auf der gleichen Grundlage geführt wird, so hal 
jedes Land doch auch seine eigenen Methoden, die wir jede 
für sich bewundern. Den aufopfernden Bemühungen der Völker 
ist der Erfolg nicht versagt geblieben. Die Tuberkulose ist in 
stetem Rückgange begriffen. Das soll uns aber nur ein An— 
sporn sein, mit gleichem Eifer fortzufahren. Gewaltige Arbeit 
ist noch erforderlich um der Krankheit weiteren Abbruch zu 
tun. So gebe ich dem lebhaften Wunsche Ausdruck, daß auch 
die diesjährige Tagung der Internationalen Vereinigung sich 
als ein mächtiger und frischer Antrieb für die internationale 
Tuberkulosebekämpfung sich erweisen möge. Möge sie in allen 
von uns den Wunsch und Willen erwecken, die ganze Krafft 
für das hohe Ziel einzusetzen. Möge auch die 11. Konferen; 
ein Marhstein sein in der Geschichte der Tuberkulosebekämpfung, 
zum Heil der Kranken, zum Segen der Gesunden und zum 
Nutzen der Völker, welche die Internationale Vereiniaung ge— 
schaffen haben. Geifall.) 
Der Ehrenvorsitzende des Deutschen Zentralkomitees zur 
Bekämpfung der Tuberkulose, der Herzog von Raurbor 
erinnerte in seiner Begrühßungsansprache daran, daß er im Jahr 
1899 zusammen mit Ernst v. Leyden die erste Tuberkulose-Kon 
ferenz eröffnet habe. Er hieß die Vertreter oon 26 Kultur 
staaten willkommen, die in der Vereinigung eine Zentrallstell. 
für ihre rastlose Arbeit besitzen. Es handelt lich nicht meh 
darum, zu suchen, mit welchen Mitteln die Tuberkulose zu be 
kämpfen ist. Dank der Bestrebungen der Internationalen Kon— 
ferenz ist das Malerial der Waffen festgestellt, und es steh— 
fest, daß die Erziehung der Völker zum Gebrauch diefer Waffen 
die Vorbedingung zum Erfolge ist. Wir haben in manchen 
Fällen bereits schöne Erfolge gesehen, und so dürfen wir hoffen 
daß die Prophezeiung Bernhard Fränkels, es werde die Tuber 
kulose ihres Charakters als Volkskrankheit entkleidet werden 
bald verwirklicht werde. Mit Wehmut gedenken wir der heim 
gegangenen Vorkämpfer, eines Althoff, Brouracdel, Bötticher 
Knesebeck, Schrötter Ziemsen und vor allem Robert Kochs. 
Der Geist, der in diesen großen Männern lebte, möge auch 
uns weiter beseelen. 
Stadtmedizinairat Weber Gerlin) hieß den Kongreß im 
Namen der Reichshauptstadt willkommen und rühmte die Tätia— 
keit Berlins auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfaung. 
Professor Landouzy (Paris) verlas darauf ein län— 
geres Schneiben, das Präsident Léon Bourgeois zur Begrüßung 
der Tagung eingesandr hatte. 
Die offiziellen Begrüßungsansprachen hatten damit ihr 
Ende erreicht und die Versammlung trat in die wissenschaftlich 
Tagesordnung ein Das erlte Hauptthema betraf die ailgemem 
Frage: 
Der Mensch und die Tuberkulose. 
Professor Landouzy (Paris) und Professor Shennan 
(Edinburg) verlasen hierzu als erste Referenten ausführliche 
wissenschaftliche Referate. 
Die Ausführungen der Redner boten ledialich fachwifsen⸗ 
schaftliches Interesse. 
— — — — — — — — —— — 
Taagesbericht. 
Lübecdc, 24. Oktober. 
Dãnemarks Interesse an der Fehmarnroute 
wird von neuem klar gelegt durch eine Aeußerung des be⸗ 
kannten liberalen Parteiführers P. Th. Nielsen. der anläßlich 
der Debatte über das dänische Finanzgesetz 1914/ 15 nach den 
vorliegenden amtlichen stenographischen Berichten des dãnischen 
Reichstages am 17. Okt. d. J. folgendes erklärt hat: „Eine 
Route wie die Fehmarnroute werde ich mit dem größten 
Wohlwollen betrachten. Sie ist meiner Ueberzeugung nach 
von Bedeutung für die Kontinentalverbindungen. für den 
Durchgangsverkehr. Erhielten wir sie, so hätten wir eine Route 
von Schweden-Norwegen nach Westeuropa, mit der keine 
andere Route zu konkurrieren imstande wäre. Ein 
solches Projekt sehe ich deshalb mit dem arökten Wohl 
wollen an.“ 
Wie wenig Interesse derselbe Parteiführer dagegen der 
Kiel —Korsör-Route und der vom preußischen Eisen— 
hahnminister berührten Möglichkeit einer Ausgestaltung dieser 
Linie entgegenbringt, geht aus den gleichzeitigen Bemerkungen 
desselben Redners zur Kiel—Korsör-Route hervor, die er als 
„ganz unmöglich“ bezeichnet. „Sie sollte,“ so fährt der Redne 
fort, „in Wirklichkeit stillgelegt werden, selbst wenn man nicht 
die andere Route erhielte. Mit dem Verkehrsminister und 
nehreren anderen Mitgliedern der Finanzgesetzkommission bin 
ch vielmehr einig darüber, daß die Kie —,Korsör-Route 
niedergelegt werden möge.“ Diese von einem Führer 
der stärksten und einflußreichsten Partei im Dänischen Reichs— 
lage stammenden Auslassungen bestätigen von neuem die aus 
mzähligen dänischen Presseäuherungen seit langem bekannte 
Tatsache, daß die Interessen Dänemarks ledialich bei der 
Fehmarnroute liegen. 
————— 
I Das Schulschiff des Deutschen Schutlschiffvereins Groß 
herzogin Elisabeth“ ist von der Sommerreise wohlbehalten 
nach Bremerbaven zurückgekebrt
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.