Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

die Regierung hat umsassende Vorsichts mabregeln gegen eine 
monarchistesche Bewegung in der Flotte getroffen. Bei den 
ien Kämpfen hat. wie erst heute zu erfahren ist. auch 
eiu Teil der Polizei von Lissabon gemeinsame Sache mit den 
Monarch'sten gemacht. 
Die Wirren in Mexiko. 
Amerikanisch⸗enalische Unstimmigkeiten. 
PP. Köln 23. Oklt. England Haltung gegenüber Me riko 
sowie die Erklärungen des britischen Gesandten Carter, Amerika 
berstände die Verhältnisse in Mexilo nicht, durften, wie die 
Köln. 3tg. sich aus Washington melden läßt, den Gegenstand 
weiterer diplomatischer Erörterungen bilden. Die Vereinig ten 
Staaten von Nordamerika nehmen den Standpunkt ein, der 
nächste Nachbar sollle die freie Haud für den Verfuch einer Be— 
friedung Mexikos haben. Aus der Unzufriedenheit mit Eng⸗ 
and macht man kein Hehl. 
der deutsche Kreuzer Hertha“ im Vera Crutz eingetroffen. 
PCO. Newnork, 23. Okt. Der deutiche Schulkreuzer „Hertha“ 
ist gestern im Hafen von Vera Cruz eingelaufen und hat in 
unmittelbarer Nähe des Dampfers festgemacht, auf dem sich 
Felix Diaz befindet und der einer deutschen Reederei gehört. 
Zwei Offiziere der „Hertha“ haben sich auf den Dampfer be— 
geben. Man nimmt an, daß es sich um den Schutz von Felix 
Diaz handelt, der bisher aus Furcht vor Nachste!lungen Huertas 
nicht an Land gegangen ist. Die Nachrichten aus Mexiko lauten 
nach wie vor sehr ernst. Huerta lebt in ständiger Furcht vor 
einer Verschwörung und wirft alle auch nur im geringsten ver— 
dächtigen Persönlichkeiten ins Gefängnis. Sein Erlaß, nach 
dem die Eingangszölle auf Waren aller Art vom 28. d. M. 
an um 5000 erhöht werden sollen, hat in amerikanischen 
Handelskreisen die orößte Erregung hervorgerufen. 
Folgenschwerer Automobilunfall. 
DT. Hantbotn, 23. Okt. Auf der Straße nach Dorsten 
fuhr ein Automobil in eine Gruppe Arbeiter, von venen zwei 
tödlich verletzt wurden. Zehn weitere Arbeiter erlitten leich— 
lere Verletzungen. Der Lenker und Befitzer des Wagens konnte 
noch nicht festgestellt werden. 
Das Grubenunglück in Mexilo.. 
M. Dawson (New-Mexiko), 23. Okt. Infolge der gestri⸗ 
gen Explosion in der Hirschschlucht-Kohlengrube sind 180 bis 
180 Bergleute eingeschlossen; 5 sind bisher, gerettet. Starke 
Abteilungen Rettungsmannschaften versuchen, in das Innere der 
Grube einzudringen. Man glaubt, daß genügend Luftzufuhr vor⸗ 
handen ist, und daß eine große Zahl der Eingeschlossenen ge— 
tettet wird. Eine große Menge von Frauen, Kindern und 
Männer umlagert die Schachteingänge. 
W. Kiel, 23. Okt. In der Kavelle des Südfriedhofs 
en de heute vormittag für den bei dex Katastrophe des 
Luftichiffes „L 20 verunglückten Marineingenieur Busch 
eine Trauerfeser abgehalten, bei der Stationschef d. Cõscper, 
zahlreiche Offiziere und Angehörige des Ingenieurkorps. De— 
putationen usw. zugegen waren. Vom Kaiser, der Kaiserin, 
dem Prinzregenten Ludwig von Bayern, dem Staatssekretär 
des Reichsmarineamts und vielen anderen waren vrachtvolle 
Kransfhenden eingetroffen. Unter einer Ehrensalve wurde der 
Sarg in die Gruft gesenkt. 
W. Bremen. 23. Okt. Heute vormittag fand unter zahl⸗ 
reicher Beteiligung weiter hiesiger und auswärtiger Kreise die 
Beerdigung des verstorbenen Direktors Bremermann 
vom Norddeutschen Lloyd statt. Wundervolle Kranz⸗ und 
Blumensrpenden schmückten die Gruft. Außer den nächsten Leid— 
tragenden waren Mitglieder des Senats und der Handels— 
dammer, das Offizierkorvs des Regiments Bremen und, Ver—⸗ 
treter zahlreicher industrieller Unternehmungen und wirtschaft— 
licher Nerhände zugegen. Der Aussichtsrat und der Vorstand des 
orddeuschen Klond waren fast vollständig erschienen. Die 
Trauerrede hielt Pastor Weiß. Orgelfpiel und Gesang beendete 
die eindrudsvolle Trauerfeier. 
DT. Siegbutg, 23. Okt. In dem Jgdbezirk von Niederpleise 
traf ein Forftheamter des Fereiherrn von Dppenheim mit drei 
Wilddieben zusammen. Zwei der Wilderer wurden an⸗ 
geschassen und schwer verletzt, doch gelang es ihnen. mit Hilfe 
des dritten zu entkommen. 
Waldenburg (Schlesien), 23. Okt. Am hiesigen Güter— 
bahnhof löste sid infoigedes Sturmes ein leerer Koh⸗— 
lenwagen,los und trieb die Strede Waldenburg —Altwasser 
entlang. Bei dem Bahnübergange Neuweißenstein dam ein elek— 
teische“ Wagenzug mit Arbeitern über das Staatsbahngeleise. 
Der Leer-Wagen fuhr in die beiden, Wagen hinein und zer— 
trümmerte sie. Vierzehn Nersonen slind mebr »der 
weniger schwer verletzt. 
VT. Nürnbera. 23. Oklt. Zu der Mordtat an der 
Ddienstmagd Katharine Ferkel wird noch armeldet, 
daf an den Kleidern des verhafteten Straßenbahnführers 
Land Blutspuren gefunden und ihm außerdem nachgewiesen 
m, urde, daß er am Abend der Tat einen Spaziergang mit seiner 
Heliebten anternommen hatte, von dem diese nicht mehr zurück⸗ 
gelehrt ist. Auch die am Tatort vorgefundenen Fußspuren 
prechen für die Schuld des Verhafteten. 34 
W. Belsingsors, 23. Okt. Der finnische Dampfer 
„Mestkusten“ geriet in der Nähe von Wasa auf Grund und 
wpurde leä. Er santk mit der gesamten Besakung oon vieraia 
Mann. 
C. Paris. 23. Olt. Ein schwerer ZuUgzusammen« 
stoß ereigneie sich gestern abend auf der Strede Paris —Köln 
zwischen Jeumont, und Erquelines. Eine, Lokomotive und 
mehrere Wagen sind zerstört. Personen lind nicht verletzt. 
Der Zugverkehr in der Richtung Paris kann allerdings nur 
mit bedeutender Vorspätung vor sich gehen. 
PC. London. 23. Okt. Ein Kurzschluß gerstörte 
gestarn nacmittag, fast völlig Las Fil milgger der arsßten 
englischen Film-Gesellschaft, der British and Colonial Kinemato⸗ 
gravh Comrany. Ueber 300 Kilometer entwickelter Film 
sind dem Brande zu Opfer gefallen. Der Schaden beträat 
über eine Million Mark. 
PO. Nenyork, 23. Okt. Große Heiterkeit erregte hier die 
Kage, die eine junge und hübsche Lehrerin Me. Intyn gegen 
ihren ehemaligen Bräutigam, den 70 Jahre alten Milltonär 
Winiam Hughes aus Brooklyn wegen Bruchs des Ehegelöbnisses 
angestrengt hat. Die Klägerin bestand darauf, daß dem Ge— 
richtshof, alle Briefe roculesen, seien. Die drastishen Ausdrüde 
dieser Liebesschreiben riefen minutenlange stürmische Heiterkeit 
unter dem Publikum herdor. Die Rlägerin brach bei An⸗ 
hörung der Liebesworte in Tränen aus, während die vier an⸗ 
wesenden Töchter Hughes ihrer Entrüstung und Empörung über 
das Verhalten ihres Vaters Ausdruck gaben. Das Urteil wird 
erst in der nächsten Woche ausgesprochen werden. Es ist aber 
anzunehmen, daß Herr Hughes sich mit seiner ehemaligen Braut 
ütlich ⸗/migen mird 
—EXEö — ——— 
WV. Kaisersdie gerine. Eingetroffen: »3Hertha“ 
im 21. Olt. in Vera Crugz, „Bremen“ am 23. Oll. in St. 
Thomas (Westindien), „ondor“ am 19. Olt. in Apia — Weih—⸗ 
nachtspakete: Andie Besatzungen der Schiffe „Lore- 
ley“, Hansa“ und „Geier“ können zu den bekannten Versendungs⸗ 
bedingungen Weilmachtspakete kostenfrei verschickt werden, wenn 
—— 
10. Nov. für „Loreley“ und „Hansas und für „Geier“ den 
20. Nov. bei bar e ritlie teee tttas Nosde & Co., 
Samburg, Sandtorkai 35, eintteffen. Für Verpackung und Lade— 
gebühe sind O080 Mubei der annelmenden Postanstalt au ent⸗ 
2444 
* 
Der neue Krupp-Prozeß. 
— Berlin, 23. Okt. 
Im alten Kriminalgericht in Alt-Moabit, beggun heute 
zer Prozeß gegen den Bureauvorsteher Maximilian Brandt— 
Raßusdotf und gegen den Direltor Eccius-Essen. Die 
Untlage gegen Brandt nimmt Beamtenbestehung und, Be— 
chaffung don Kriegsmaterial, dessen Geheimhaltung im Inter— 
esse der Landesverteidigung geboten ist, an und zwar, ohne 
daß die Absicht vorhanden gewesen sei, das Material einer 
remden Macht mitzuteilen. Direktor Eccius wird wegen 
Beihilfe zur Verantwortung gezogen. Gegen beide Angeklagte 
vird * 333 des Strafgesetzbuchs angewandt, wonach mit Ge— 
ängnis bestraft wird, wer einem Beamten oder einem Mitglied' 
ber bewassneten Macht Geschenke macht oder andere Vorteile 
anbietet, berspricht oder gewährt, um ihn zu einer Handlung. 
die eine Verletzung einer Amts- oder Dienstpflicht enthält, zu 
zestimmen. 
Bereiis lange vor Beginn der Sitzung, die gauf 9 Uhr 
pormitlggs anberaumt ist, hat sich trotz des regnerischen Wetters 
sarser Audrang des Publikums auf den Korridoren des alten 
Justizpalasies und vor dem, Gebäude bemerkbar 33 Da 
zie Raumverhälfnisse unbeschränkte Oefsentlichkeit nicht zu— 
afsen, ist der Eintritt in den Verhandlungssaal nur gegen 
Farten möglich. Der, Vorsitzende, Landgerichtsdirekltor Dr. 
Farften, erdffnet die VBerhandlung um 9 Uhr 10, Min. Der 
Ferichtshof konstifuiert sich. Die Anwesenheit der Ange 
sagien und der, Verteidigung wird festgestellt und die Zeugen 
werden auigernfen. Ein großer Teil von letzteren ist erst 
zuf einen späteren Termin geladen. Die Verteidigung behält 
sch vor, Koch weitere Zeugen zu benennen. Nach lurzer 
Stizzierung der den Angeflagten zur Last gelegten Straftaten 
verden die ar wesenden Zeugen vom Vorsitzenden ermahnt, bei 
hren Aussagen nur die volle Wahrheit zu bekunden, alsdann 
verden sie sämtlich einstweilen wieder entlassen, Morgen 
sollen von den Zeugen, wenn möglich, Polizeirat Koch und die 
Angeklagten aus dem Tilian-Prozeßz vernommen werden. Es 
verden darauf die Versonalien der beiden Angeklaaten fest⸗ 
jestelit. Der Bureauvorsteher Maximilian Brandt ist 45 
Jahre ali, verheiratet, Vater von drei Rindern und ver⸗ 
nögend. Er hat vom 7. Februar d. J, bis zum 17. Juni in 
ünstersuhungshaft gefessen. Direktor Eccius ist ebenfalls 
ißz Jahre alt, unverheiratet und, vermögend. Wegen seines 
eidenden Zustandes gestattet ihm der Vorsitzende, während der 
Herhandlung sißen zu bleiben. Nach der Verlesung des Er— 
ffningsbefshhlusses gibt der Verteidiger Brandts, 
nechtsaͤnwalt Löwenstein, folgende Erklärung ab: 
Der, Zeuge v. Mie ßen hat unmittelbat vor Begign diefes 
Prozesses eine Reihe von Notizen veröffentlicht, in denen 
der Angeklagte Brandt, auf das schwerste verdächtigt wird. 
So wird behauptet, daß Brandt sich über seine ehemaligen 
Jameraden in äußerst verächtlicher Weise geäußert dhahe, 
die Krone wird aufgesetzt durch die Behauptung, Brandt sei 
der Gewährsmann des Abgeordneten Liebknecht gewesen und 
gabe defsen AÄnzeige beim Kriegsministerium veranlaßt. Sch 
ege nicht den leisesten Zweifel, darüber, daß ein derartiges 
pᷣlesseireiben auf den Gerxichtshof nicht den allergexingsten 
kindruc machen wird. Es ist indessen z3weifellos ge— 
ignet, die öffentliche Meinung gegen Brandt aufzubringen, 
ind es jit ferner geeignet, einzelne Zeugen auf das außerste 
egen Btandt zu erbittern und ihre Aussagen zu beein⸗ 
hssen. Dieses ist die Veranlassung, zu erklären, daß diese 
ind andere von Herrn, v. Metzen gusgefprochenen Ver—. 
ãchtig gen, die mit fruheren schriftlichen und münd, 
ichen Aeuherungen dieses Herrn in schärfftem Widexspruch 
slehen, unwahr sind. Herr Brandt hat gegen den Zeugen 
b. Metzen Strafantrag wegen verleumderischer 
Beleidigung gestellt. 
Dder Bertreter des Dr. Ectius, Justizrat Dr. von 
vordon, segt Verwahrung ein gegen die in der Presse wieder⸗ 
jegebene Behauptung, wonach v. Metz enn entlassen worden 
ei weil er ein unbeguemer Mahner, gewesen sei. Oberstagts- 
iwalt Dr. Chrzefcinski bemerkt, er werde bei der Ver⸗ 
ehmung des Serrn v. Metzen scharf darguf achten, inwieweit 
vj eem Zeugen personliche Leidenschaften miisnielen. Es 
ovna i 
NernehmungderAngeklagten. 
Auf Befragen erklärt Angeklagter Eccius, er bestreite 
mtschieden, sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht 3u 
jaben. Auch Ungekiagter Brandet erklärt, er önne die ihm 
Ar Last gelegten Straftaten nicht zugestehen. —A 
zer Sie jind aber doch geständig gewesen auf Grund der 
Zeobachsungen durch die Polizei, quch haben Sie zugegeben, 
daß Sie einzelnen, Personen Vorteile gewährt haben Ja— 
wohl) und daß Sie Nachrichten bekommen haben Jawohhb. 
und trotzdem wosllen Sie bestreiten, daß Sie schuldig sind. 
ngellagter Brandt: „Ich habe nicht die Ab— 
sicht zehabt, zu beste Hen, ich habe stets das Ge 
Sihl gehabi, daß sie mir das Material aus Freundschaft haben 
ukommen lassen, nicht, weil ich ihnen etwas gegeben habe. 
Ich habe. wenn eine Gelegenheit dazu vorhanden war, den 
Setren auch meinerseits efwas zukommen lassen, aher nicht. 
deil sie mir Rachrichten, gaben, ich war überzeugt, daß sie mir 
uch vohne weiteres diese gegeben hätten.“ Voxrxsitzender: 
ils Sie gefragt wurden, zu welchem Zwede, Sie die „G* 
chenke gemacht hätten, haben Sie zugegeben, daßz Sie die Leute 
vbereitet· machen wollten, Ihnen weitere Mitteilungen zu 
jeben. Das ist auch ganz, natürlich. Hier handelt es lich um 
ahrelangen Verkehr, und die Vorteile, die den einzelnen, e 
wachsen ind, waren ziemlich erheblich. Wollten Sie die Leut 
ur Fire Zwede nicht warm, halten? Angeklagter Brandt: 
Nein Borsfißender: Sie, haben diele Ausdrücke aber 
hoch selbst gebraucht. Angeklagter Brandt: , Ich lann nich 
geben, daß ich mich gegen 8 383 vergangen habe. Ich gebe 
ut zu, Geschenke gemacht zu haben. RKEhtsanwalt Dæ 
Edweenstenn: Aus den Aussagen, des Polizeirats Koch geht 
nichts hervor, was darauf schließen ließe, daß die Geschente ge— 
währt worden seien, um die Teüte warm zu halten; es ist nur 
gesagt, daß ein tkameradschaftlicher Verkebr, bestanden habe 
ngektagter Brande: Die mir gemachten Vorwurfe bin ich, 
da diese Dinge furchtbar schneil behandelt wurden, nur fsumma⸗ 
rijch durhgegangen; ich habe, daher wohl auch manches zu—⸗ 
gegeben, was nichn ganz zutrifft. Daß ich mich manchmal ge⸗ 
eri haben fann, geht aus den früheren Verhandlungen vor dem 
Kriegsgericht hervor. Es ist unmöglich, alle Einzelheiten von 
ieben Jahren und auch, die Einzelheiten von Sunderten pon 
Berichten im Kopf zun haben, VBoritenderz Der Ver 
sehr bat sich von 1906 bis 18013 erstredt? Brandit: Jawohl 
Der Angeklagte Brandt wird darauf ber sein Vor⸗ 
leben befragt. Er gibt J daß er wnachst eine Privad 
chule in Bismark und danng das Gymnagstum in Stendal be 
ucht hat, das er mit dem Reifezeugntz für den einjaͤhrig⸗frei⸗ 
visigen Mütärdienst verlaffen habe, Seinen Wilitardienst babe 
er inzwischen weil er die Feuerwerker Karriere e 
woltte ass —— be dem 2Garde Feldartilterle⸗Regh 
Berfin abgedieri Bier Jahre habe e. in der From 
ediemt; darauf sei er als Avanzkerter quf die Oberfeuerwerker⸗ 
hule gekommen; nach seiner Beförderung zum Feuerwerker sei 
er zum, Zeugant üÜbergegangen und ——— Spandau und 
spaier in Inerhog beschäftiat gewesen. Als Zeugfeldwebel jet 
dann in die Depotverwaltung der Arktillerie-Prüsungs- 
Kommission versetzt, worden. wo er zunächst auf der Kasse be⸗ 
chäftigi gewesen sei. eet Sie wußten also 
nin der Feschaftsführung der Actillerie-Prüfungs⸗Fommiston 
jenau Bescheid? Braudt: Nach Beendigung meiner zwölf⸗ 
ahrigen Dienstzeit din ich inächst als Anwarter in das Katler 
sche Gesundheitzant getonrnen, wo ich erst bleiben wollte. 
kiner meiner Schulfreunde war Werghen bei. Krupp ange⸗ 
onmnen und empfabhl mir, da es hen dort sehr gut pes 
int man dort weiter tomme als im Staatsdienst. auch dort 
imzutteten. Ddas iat ich 1808. Ich wurde in Essen beschäftigt 
ind zwar ais Sekretär im Rechnungs⸗ und Preisbureau sin 
riegsingteriat in Londe. Dieses taufmännische Burequ stand 
urier Aufficht des Direktors Budde. Ich war 83 Jahre in Een 
906 dam ich nach Berlin. eryree er: Wie is 
as gekommen? Braudt; Den Anlaß dazu hat Sert 
. epe Ich besuchte ihn gelegentlich und da er 
vußte, hin Vreissachen Befcheid wußte. o bat er, mig 
itna Dere —RX — Ien giget —7 
istenten. ein ä e na in en 
u sasen Norsißender: vwsier hiegt — Brief bej den 
Akten vom 23. Februar, 1906,. in dem Sie um Ihre ». 
setzung nach Berlin bitten, da Ihre Faun di 
borene Berlinerin. in Essen absolut nicht leben tönne un 
zaß Ihre Versetzung im Interesse Ihres Lebensglücks qusg 
orochen werden möge. Sie würden in Berlin das Beste zu lest, 
und so Ihren Dank für Ihre Versetzung abzustatten versuchen 
sieraus geht doch hervor. daß Sie Gelegenheit genomme 
zaben. sich an Herrn v. Schütz zu wenden. Brandt: 66 
steht es im Briefe. Tatsächlich war es etwas anders. Hen 
o. Schütz hatte mehrfach Abweisungen erhalten. Deshalb wandt. 
er sich an mich, ich sollte mich melden. daßz ich gern naq— 
Berlin möchte. Vorsitzender: Haben Sie damals da 
zon gesprochen, daß Sie zu Kameraden Beziehungen hätten“ 
brandt: Das hat in 33 Hinsicht keinen Bezug. Davpon 
abe ich nicht gesprochen. orsitender: Dann ist hier 
ein Brief des Serrn v. Schütz, in dem für Sie, da die 
Wohnungen in Berlin teurer sind als in Essen, eine Wohnungs 
zulage von 300 Miserbeten wicd. Brandkz Von diesen 
Briefe weißz ich nichts. Vorsitzen der: Wann sind Si 
persetzt worden? Brandt: Am 1. Juli 1906. Vorsitzen 
Zer: Hatte Herr Eccius damit etwas zu tun? Brandi 
Nein, er war auch nicht mein Vorgesetzter. Ich habe ihn nu 
— o, Angeklagter Eccius: Ich entsinne mich 
nicht. Herrn Brandt damals gekannt zu haben, Ich hatte mir 
inem Bureau nichts zu tun. Brandt: Ich habe mich be 
em nur aAbgemeldet, weil das so üblich war. Ich traf Herrr 
irektor Eccsus zufällig auf, dem Flur, als ich von Herrt 
irektor Budde kbam. Er sagte mir, damals Ich weif 
nicht, was Sie kin Berlin wollen. Wollen Sie die Krähenfüße 
des Herrn v. Schütz verschönern helfen?“ Herr v. Schütz stant 
dem Bureau in Berlin drei Jahre vor. Tann kam er nag 
Essen. wo er starb. Sein Nachfolger war Herr v. Metzen, der 
bis zum Herbst vorigen Jahres hlieb. Tann kam das Burean 
unter die Aufsicht des Herxn Direktors Dräger. Ich habe mid 
zunächst nur drientiert. Dann erzählte mir Herr von. 
hütz die ganze Sachlage in,Berlin und daß e 
Schwierigketten habe. weil er angeblich über die Vorgänge 
nicht orientiert sei. Es sei ihm oft der Vorwurf gemach 
worden. Krupp habe kein Interesse für kleine Lieferungen 
Zerr Direktor Budde sei in dieser Hinsicht zu halsstarrig. Es 
zehe keinen, anderen Ausweg, als ihm die Konkurrenz vorzu 
jalten. Es liege ihm aber nicht, sich um diese Dinge zu kümmern 
a die Herren im Kriegsministerium und die Herren in dern. 
instituten meist jünger seien. So sollte ich mich in kamerad⸗ 
haftlichem Verlehr um diese Dinge kümmern. Vorsitzen- 
er: SHat Ihnen dieser Auftrag des Herrn v. Schütz keine 
zedenken eingeflößt? Brandt: Doch, ich habe welche ge— 
sabt. Herr v. Schütz sagte mir aber, er könne dabei nichts 
inden, andere Firmen machten es genau so. Vorsitzen, 
»er: Es sind aber auch geheime Dinge mitgeteilt worden 
n denen die Zeuofeldwebel sich nicht äußern, durften. Is 
zhnen nicht. der Gedanke gekommen, daß die Weiterverbreitung 
»ieser geheimen Sachen strafbat sei? Brandt: Herir 
z gu erklärtee mir, es 384 die Firmo⸗ 
Krupphkeine militärischen Geheimnisshe. Sie er 
ühre alles offiziell. was sie erfahren wolle. Vorsitzen— 
der: Welche Direktiven hat Ihnen Herr v. Schütz gegeben? 
Brandt: Er hat mir gesagt, ich möchte Verkehr mit meinen 
rũheren Kameraden suchen. Die daraus entstehenden Unkosten 
vürden ersetzt werden. Er hat mir streng verboten, der 
herren etwas zu versprechen oder zu geben. Er hat selbst 
erständlich nichts dagegen gehabt, daß ich gelegentlich eir 
ßlas Bier ausgab. Herr p. Schüt hat mir eingeschärft, recht 
‚orsichtig zu sein. Diesen Rat habe ich auch befolgt. 
Brandt schildert dann, wie er mit den Angeklagten 
rus dem Tilian-Prozeß in Verbindung getreten fei. 
Die Vernehmung erstredt sich zunächst auf den srüheren Zeug— 
feldwebel und jeßigen Zeugen Tilign. Der Vorsitzende 
hält dem Angeflagten vor, dab er bei seiner ersten gericht— 
ichen Vernehmung zugegeben habe, Tilian Geldgeschente mil 
der Absicht gemacht zu haben, ihn dadurch bereitwilliger zu 
weiteren Mifteilungen zu machen. Brandt: Ich weiß nicht, 
wie diese Bemerkung ins Protokoll gekommen ist. Ich wa⸗ 
bei meiner Vernehmung vollkommen verwirrt und verzweifelt 
Vorsitzender: Welche Nachrichten haben Sie von Tiugn 
erhalten Brandt: Die Nadrichten betrafen die Preise 
der Konfturrenz und deren Beteiligung. Vor— 
jitzen der: Waren diese Nachrichten für die Firma Krupp 
bon garobem, Interesse? Brandit: Ich sandte sie, um der 
Firma zu zeigen, wie die Verteilung stattfindet, damit ie fest— 
lellen könne, ob sie von den Aufträgen den richtigen Autei 
erhalten habe. Vorsitzeen der: Worauf bezogen sich diess 
Räachrichten weiter? Brandt: Auf Versuche ar 
heischtizen und Geschützteilen. Der Ange 
fagte schildert nun im einzelnen seinen Verkeh 
nit Tilian und bemerkt; Ich bin bald nach der 
fraglichen Unterredung mit Herrn v. Schütz zu Tilian ge 
gangen, habe diesem von dem Gespräch einiges mitgeteilt und 
hn gebeten, mir Nachrichten über die Konkurrenz zu geben 
Tilian erklärte sich hierzu sofort bereit und teilte mir mit, 
ab die Vertreter der anderen Firmen ebenfalle 
achrähten gus der Feldzeugmeisterei erhiel 
ten. Tilian teilte mir noch alles mit, was ich wissen wollte 
Manchmal brachte er zu den Zusammenkünften schriftliche Auf 
eichnungen mit. Vorsitzender; Haben Sie Tilian gleich 
Geld gegeben? Brandtt: Nein, vielleicht erst nach einem Jahr 
und zwar deswegen, weil Tilian, wie es bei jungen Leuten ja 
manchmal vorlommt, im Dalles war. Vorfitzender: Die 
Zechen baben Sie aber doch immer bezahlte, Brandt: VRchi 
mmer. Verschiedentlich hat Tilian die Zeche bezahlt. Mei— 
iens aber habe ich die Kosten getragen. Auf eine Aufrage des 
berftaassanwalis gibt der Ängeklagte zu, es lei möglich 
daß er im Lauf eines Gesprächs mit Tilian zu diesem gesag 
habe, die Vertreter anderer Firmen würden Nachrichten vor 
den Militärbehörden erhalten. Krupp fei aber zu stolz dazu 
Anoeklagter Eccius bemerkt, er habe festgestellt, daf 
Serrt v Sqhantz keine Erkundigungen eingezogen habe, aud 
soiche nicht. die ohne weiteres eingeholt werden Lonnten. Vor⸗ 
tzen der zu Brandt; Wieviel haben Sie wohl bei der 
i mit Tilign im ganzen bezahlt? Brand4 
as weiß ich nicht. Die Dinge liegen schon 7 Jahre zurüc 
und ich weiß heuie nicht mehr ungefähr, wie hoch diese Aus⸗ 
gaben gewesen sind. Vorsitzen der? Wie lange hat der 
Verlehr mit Tilian gedauert? Branzdt: Etwa zwei, Jahre. 
A 
scheiden war. Im ganzen mögen es vielleicht etwa 100 Mar'“ 
gewesen sein. Vorsitzender: Bei Ihrer ersten Verneh 
mung sagten Sie, Sie hätten Tilian Geld in die Hand 
gedrckt und ihm etwa 5, 10 und 20 Mark gegeben. Brandt 
In dieser Formulierung stimmt es nicht. Es ist richtig, dab 
Tiljan bares Geld von mir erhalten hat. Ich habe ihm das 
Geld aber nicht sondern geliehen. Tilian bat die 
feinen Darlehen mir nach kurzer Zeit zurücgezahlt. Vor, 
litzen der: 1908 wurde Tilian versetzt und von diesem Zeit—⸗ 
punkt haben Sie von ihm keine Nachhrichten erhalten. Den Ver— 
ehr, mit Tilian haben Sie fortgesetzt, doch hat Tilian von dem 
Verkehr deinen Vorteil, mehr gehabt. Sie haben ouch die 
Zechen nicht mehr bezahlt und hin keine Darlehen mehr ge⸗ 
Jeben. Braudit: Es ist richtig, Tilian hatte es nicht mehr 
idlig, von mir Darfehen zu erbitten, da er sich ingwischen 
sehr gut verheiratet hattfe. Oberstaatsanwals: Hat lidh 
Tilian vor oder nach seiner Versetzung nach Svandau verhei⸗ 
talet? Brandi: Tilian hat sich erst, in Spandau ———— 
Der Vorjitzende bemerkt. es sei über die, Mitteilungen de— 
Tilian an Brandt wenig vorhanden, denn die beschla gnahmte 
Kornwalzer bezögen fich auf spätere Zeiten. 
Es wird nun die Bedeutung des Wortes „KLornwalzex 
röriert und feftaestellt. dah es ein Code-Wort ist und, daß be. 
der Firma Krupp etwa 4000 solcher Ausdrücke im Febraud 
ind. Oberstagtsanwalt Chrzesscinski bemerkt. es ei Grand 
u der VBIn vorhanden, dah das Geheimnis in den éin 
‚Anen Eodeworten, angedeutet ist. Brandt bestzeite! 
bies, ebenfo der Angeklagte Eccius. Direktor Eccius schildert 
hang un einzelnen wie das Codewort entftanden ist und be 
mertt, dah bie meisten pon ibhnen dem internationzlen Icle 
drarhencode entnommen find. Einzelne Codeworte seien später 
entstanden. Man habe in die Wörte ahber niemals ine. be 
ndere Bedeufung gelegt. Der Vorsitzen de eilt einig— 
el der Firma Kruyy gebräuchliche Codeworte mit und demerkt. 
baͤß die Fesdreuameifiete in dem Verzeichnis der Codewarte 9. 
Pdenweg verzeichnet le?
	        
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