Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

ι X 56 
* * r 
V. — — * 
— 
—— * S 2 585 5 
* * —— — 3 5 
F — 0 R 
* 9— —— —38 533 
J — —& g— * 
—I— 
J — — — * — 
* 
Ausgabe A. 
—⏑ö 
Aus den Nachbargebieten. 
XXXD 
Hamburg, 22. Olt. Das Defizit! In dem Ent⸗ 
ontf des Staatsbudgets fur 1914 soll sich das Defizit auf 
13 Mill. Mubelaufen. Vermutlich wird das die Aussichten 
zer Universitätsvorlage wesentlich verringern. Ueber die vor⸗ 
eschlagene Einkommensteuer haben die Abo. Nachrichten noch 
nichts erfahren können. 
Am Theodor⸗Körner-Gedenkstein im Rosen⸗ 
herger Walde bei Gadebusch, wo der Dichter am 26. August 
1813 gefallen ist, hat die Oster⸗Untersekunda des Heinrich⸗Hertz⸗ 
Realgymnafiums, um dem Sanger und Helden zu huldigen, 
inen Lorbeerkranz niedergelegt. 
Die Bürgerschaft beschäftigte sich Montag mit der 
Frage der Arbeüslosenfürsorge. Einstimmig angenommen wurde 
der Anttag Dr. Abrecht, der, den Senat ersuchen will, falls 
jm Laufe der nächsten Zeit eine größere Arbeitslosigkeit ein⸗ 
treten dollte, die schon beschlossenen Staatsarbeiten mit tun⸗ 
lichster Beschleunigung zur Ausführung zu bringen und weitere 
aatliche Arheiten raschmoguchst bereitstellen, zu lassen. Auch 
her Antrag Dr. Matihaei betr. eine zweckmäßige Verteilung 
und Regelung der öffentlichen ÄArheiten, insbesondere deren Ver⸗ 
egung in wirtschaftlich ülle Zeiten. wurde mit großer Mehr— 
heit angenommen. In bezug auf die Schulspeisungen wur de 
ler Antrag Hüne angenommen, der Erwägungen bezweckt, ob 
es notwendig erscheint, weitere Beträge zu diesem Zweck zur 
Veriuguno zu flellen. Ferner nahm das Haus noch den An⸗ 
rag Winnig an, eine Zaͤhlung der Arbeitslosen noch in diesem 
Winter vorzunehmen. Auch der zweite Teil des Antrages 
Schaper, nach dem der Senat ersucht werden soll. zur Milde⸗ 
Ing der Slelleniosigteit unter den Privatangestellten die Be⸗ 
rden zu vderanlassen. bei, Arbeitshäufung stellenlose Privat- 
Angestellte insbesondere Verheiratete, ae fand die Zu⸗ 
umimung des Haufes; ebenso wie die Anträge Dr. Westphal 
nif Aufstellung einer Aeepen über dinmigen Staatsarbeiten, 
Ir deren Mistuührung die Gelider bewilligt, die aber noch nicht 
Angriff genommen sind. und Dr, Koch, der Patriotischen 
veselischaft, Ium weiteren Ausbau ihrer AÄrbeitsnachweise er⸗ 
vͤhle Bltel zur Verfügung, zu stellen und zu prüfen, in 
belcher Weise eine Zentralisation der bestehenden Arbeite 
achweise herbeigeführt werden kann. 
Schleswia⸗Holstein. 
OT. Kiel, 22. Okt. Eine Skandalaffäre, m die 
zahlreiche, bereits zum Teil abgeurteilte Marineangehörige ver⸗ 
widelt waren, beschäftigte Dienstag in neunstündiger Sitzung 
die hiesige Strafkammer. Wegen Vergehens gegen 8 175 des 
StreGiB. wurden verurteilt: Architekt Goetsch zu 1 Jahr 
Fefängnis, Referendar Lücke zu 6 Monaten Gefängnis, Kauf⸗ 
mann Most zu 4 Monaten Gefängnis, Techniker Kluge zu 
2 Monaten Gefängnis. Als Sachverständiger wurde Dr. 
Magnus Hirschfeld aus Berlin vernommen. 
Oldesloe, 22. Oktt. Mit der HSundertiahrfeier 
der Schlacht bei Leipzig wurde hier gleichzeitig das 28iährige 
Jubiläum der hiesigen Militärischen Kameradschaft begangen. 
An einen im Bürgerpark abgehaltenen Feldgottesdienst schlol 
ich die Ueberreichung eines Fahnenbandes des Kaisers an 
die Militärische Kameradschaft durch Herrn Landrat v. Bonin⸗ 
Wandsbek sowie die Ernennung von Ehrenmitgliedern und die 
Auszeichnung von 27 Mitgliedern, die der Kameradschaft seit 
hrer Gründung angehört haben. Unter den ernamten Ehren⸗ 
mitgliedern befinden sich auch die sechs Mitglieder des hiesigen 
Vereins schlesw.-holst. Kampfgenossen von 1848/51. 
„‚Flensburg, 22. Oklt. Die Flensburger Glas— 
fabriken, von Ernst Feldmann G. m. b. S. find an Heyl, 
damburg, dem bereits mehrere, Glashütten, hauptsächlich in 
Süddeufschland gehören, verkauft worden. Ob die Fleus- 
urger Glasfabruten stillgelegt werden, ist noch nicht bekannt. 
Den 200 Beamien und Arbeitern ist aber gekündigt worden. 
dus der Welt der Frau. 
Das Männerideal der Japanerin. 
Das Ideal, das die Frau vom Manne hat, ist ein wich⸗ 
iges Charakteristikum ihres eigenen Wesens, und deshalb gibt 
ins vielleicht nichts mehr Aufschluß über die Wünsche und Hoff⸗ 
rungen des schöneren Geschlechts, als die Forderungen, die seine 
Vertreterinnen an den Zukünftigen stellen. Wie ihre Schwestern 
m fernen Osten in dieser wichtigen Angelegenheit denken, 
sönnen unsere Damen aus den interefsanten Angaben einer 
apanischen Zeitschrift ersahren. Dieses in Nippon weit ver—⸗ 
breitete illustrierte Blatt. das den Titel „Shukuio Gwaho, 
y. h. „Die tugendhafte Frau“, führt, hat an seine Leserinnen 
eine Umfrage gerichtet und als Resultat der zahlreichen Ant⸗ 
worten 17 Eigenschaften aufgestellt, die die Japanerin vom 
Manne verlangt, wenn sie in ihm einen liebenswerten Ge— 
nossen und einen guten Ehemann erblicken soll. Folgende 
Bedingungen hat der Mann auf Grund dieser „idealen For—⸗ 
derung“ zu erfüllen: 1. Er darf nicht geisig sein; 2 darf sich 
ticht zu viel um seinen Anzug lümmern; 3. muß ein männliches 
Aussehen haben; 4. darf sich im Verkehr mit Frauen nicht allzu 
zertraulich zeigen; 5. muß sich die Mühe nehmen, den Frauen 
alles, worum sie ihn fragen, genau auseinanderzusetzen; 6. 
er soll entschlossen und geistesgegenwärtig sein; 7. er muh ein 
Weal haben; 8. den Frauen die Sorge für die Verwaltung der 
Beldangelegenheiten in der Familie überlassen; 9. er darf sich 
niemals in der Küche zeigen; 10. niemals die Frisur oder die 
Toilette der Frauen kritisieren; 11. er darf nicht seine Zeit damit 
verbringen, der Gattin seine Wünsche hinsichtlich des Menus 
»der in anderen Geschmadssragen zu eingehend auseinander- 
zusetzen; 12. darf sich nie in die Angelegenheiten der Frauen 
mischen; 13. er darf nicht nach längerer Bekanntschaft der Frau 
zum Gegenstand des Ekels werden; 14. er muß die Tugend der 
Barmherzigkeit ausüben; 15. darf nicht zu häufige und zu lange 
Situngen beim Sake abhalten; 16. nicht in seine eigene 
Person verliebt sein und 17. nicht zu eifersüchtig werden. 
Ddas sind die Haupteigenschaften, die die „tugendhafte Frau“ 
n Japan von dem Ideal eines Mannes, wie ihn jede begehrt, 
erlangt. L.C. 
Moderne Damientaschen. 
(Amerikanische und englische Neuheiten.) 
Für die kommende Herbste und Wintermode treffen jetzt nicht 
rr die großen Schneider und Modistinnen ihre Vorbereitungen. 
luch für ein so wichtiges Toilettenzubehör wie die Damentasche 
mnen die Fabrikanten und Kunstgewerbler über die Neuheiten 
1 129 HH 70 
Mittwoch, den 22. Oktober 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 536. 
— 
— Nunmehr ging man uber sus Meratung des Vor anschrages 
der Einnahmen und Ausgaben des Fürstentums 
für das Jahr 1914. Aus der Debatte über den Voranschlaa 
ei erwähnt, daß eine schärfere Beachtung der zur Foͤrderung 
inserer heimischen Pferdezucht angeordneten Maßnahmen drin⸗ 
gend erforderlich sei; Regierungspräfident Dr. Meyer erklärt. 
aß enlsprechende Verfügungen an die Bauervögte erlassen seien. 
geantragt wird ferner bei der Beschlußfaffung werden, den Zu— 
chuh ur Förderung des Handels und Gewerbes auf 8000 M 
u erhöhen. Anerkannt wurde ferner die hohe Bedeutung des 
Dampfer⸗ Ostseebaderdienstes für unsere Bäder, die sich einer 
ehr steigenden Frequenz zu erfreuen haben und somit bald gute 
Steuerzahler für unser Fürstentum werden. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Schwerin, 22. Oktt. Auberordentlicher Lan d⸗ 
ag. Verhandelt wurde am Montag zunächst über das Ver⸗ 
angen der beiden Regierungen, mit ihnen wegen der Reskripte 
om 2. d. M. in kommissarisch⸗deputatische Verhandlungen ein⸗ 
utreten. Nach längerer Beratung bequemte der Landtag sich 
azu. Verlesen wurde u. a. auch das Reskript der Strelitzer 
segierung betr. die Erklärung des Ratzeburger Landtages zu 
»en Verfassungsentwürfen der Regierung. Danach fordert der 
satzeburger Landtag in 13 verschiedenen Punkten eine Ab⸗ 
iderung der Verfassungsvorlage, denen dann das Reskript 
rößtenteils entgegentritt, insbesondere wünscht der Ratzeburger 
zandtag, dem Färstentum eine möglichst selbständige Stellung 
u erhalten, während die Strelitzer Regierung eine stärkere 
zinorganisierung in den einheitlichen neuen Staat für notwen— 
ig erklärt. Die Behauptung des Ratzeburger Landtages, dak 
zhrlich über 600 000 Me Einnahmen aus dem Fürstentum in 
ie Landesherrlichen Kassen fließen, wird von dem Reskript 
ahin richtig gestellt, daß von der Gesamtaufkunft von 592 195 
Nark 281000 Merund dem Fürstentum wieder zugute kommen, 
»ährend rund 310 000 Muäan die Großherzogliche Rentei abge⸗ 
ührt werden und dort als Beitrag zu den allgemeinen Aus— 
jaben Verwendung finden. Den weiteren Wunsch der Ratze— 
urger, daß der Landesherr verpflichtet bleibe, die Kosten 
euer Chausseen zu tragen, weil solche seit dem Jahre 1857 
m Fürstentum nicht mehr gebaut seien, und daß solche Kosten 
icht dem Ratzeburger Landesfonds auferlegt würden, der jetzk 
»en Chaussee-Etat, d. h. die Unterhaltungskosten bestreitet, 
eist die Regierung zurück. Die Chausseeverwaltung müsse 
uf den Staat übergehen. Daß jahrzehntelang im Fürsten⸗ 
um keine neuen Chausseen gebaut seien, habe seinen Grund 
a dem langdauernden Stocken der Ratzeburger Verfgssungs⸗ 
rage gehabt. Der Ausbau des Chausseenetzes musse im 
Vege von Nebenchausseen erfolgen, weitergehende staatliche 
zeihilfen als im Herzogtum könnten dazu nicht in Aussicht 
estellt werden. Die als erforderlich bezeichnete Dotation des 
ur Stadt zu erhebenden Fleckens Schönberg lehnt die Re— 
ierung ab, weil dies eine Sache sei, die der künftigen Landes⸗ 
ertretung obliege und mit der Verfassungsfrage‘ nicht direkt 
m Zusammenhang stehe. Die übrigen Punkte sind von gerin— 
zerer Bedeutung. — Der vorsitzende Landrat schlug darauf 
or, das Strelitzer Reskript mit seinen Anlagen zu drucken und 
»en zu wählenden Deputierten mitzugeben. Landrat Graf 
-„chwerin wünschte, daß das Plenum vorher oder mindestens 
leichzeitig durch die bisherige Landtagskommitte die Ratze— 
urger Fragen bearbeitet. Bürgermeister Capobus-Parchim 
ührte demgegenüber aus, daß durch die kommissarisch-deputa— 
ischen Verhandlungen weitere Kommittenberatungen über die 
katzeburger Verhältnisse vielleicht überflüssig würden. Es 
ourde darauf beschlossen, zunächst lediglich 183 Deputierte und 
48 Stellvertreter zu wählen. 
rosztherzoatum Vldenburg und Fürstentum Lübed. 
Eutin, 22. Okt. Der Provinzialrat des Fürsten 
ums trat Sonnabend vormittag 10 Uhr zu seiner ordentlichen 
zerbsttagung zusammen, um sich gutachtlich über die für unser 
urstentüm in Aussicht genommenen Gefetze zu ãußern. Vor 
intritt in die Tagesordnung jedoch gedachte der Regierungs⸗ 
väsident Dr. Meyer in eindrucksvollen Worten der Völkerschlacht 
ei Leipzig 1813 und erhob sich die Versammlung zum ehrenden 
zedachinis aller Krieger, die damals für des Vaterlandes Freis 
eit ihr Leben geopferi haben, von den Plätzen. — Sodann 
dat man in die Erledigung der Tagesordnung ein und wählte 
ie Versammlung nach Feststellung der Präfenzliste Bürgermeister 
Nahlstedt-Eutin und Gemeindevorsteher Mentz⸗ Ahrensbök zum 
zorfihenden resp. Stellvertreter. Als ersten Gesetzentwurf be— 
häftigte man sich mit demjenigen, betr. die HerstelTlung 
ohlensaurer Getränke und den Verkehr mit fol— 
zen Getränken. Er fand durch einstimmige Annahme seine 
rledigung. Sodann ging man über zu dem Gesetzentwurf, 
etr. Zusammenlegung der Grundstücke GVerkoppe⸗ 
ing). Wie man aus der allgemeinen Erörterung ersehen lonnte, 
ind auch dieser Entwurf im Prinzip freundliche Aufnahme; einige 
zedenken betr. Zusammenlegung durch Privatparzellanten, an- 
ere Verhältnisse im Herzogtum Oldenburg, Bonitierungsfragen 
swo. wurden durch Mitteilungen aus praktischen Erfahrungen 
itens des Regierungspräsidenten Dr. Meyer und Regierungsrat 
zucholtz bald entkräftigt, auch mehrere Mitglieder der Ver— 
immlung rühmten die Vorteile des Gesetzes, wonach eine ren⸗ 
iblere Bewirtschaftung eines arrondierten Besitzes und eine 
essere Verwendung der Arbeitskräfte gewährleistet werden kann, 
orner bei Viehseuchen die Schwierigkeiten bei der Umweidung 
es Viehes vermieden werden. Die Weitläufigkeiten, die sich bei 
rivater Zufammenlegung durch Umschreibung der Grundbuch- 
kten, Hypotheken, Kanon usw. ergeben, werden bei Anwen⸗ 
ung des neuen Gesetzes völlig ausgeschaltet. Ohne weiteres 
ird das obige Gesetz auch insofern allgemein wirtschaftliche 
zorteile bringen, als unkultiviertes Land, das früher wegen 
iner weiten Entfernung vom Hof und der hierdurch verur⸗ 
ichten noch besonderen Unkosten einfach liegen bleiben nmußte, 
zt aber durch die Verkoppelung näher an einen Hof heran⸗ 
ebracht, billiger und leichter rentabel gemacht werden hann. 
die endgültige Abstimmung über die Annahme des Gesetzent⸗ 
urfes wird in der Montagsitzung erfolgen. Sodann nahm 
er Provinzialrat einige Wahlen resp. Wiederwahlen für ver⸗ 
hiedene ausscheidende Kommissionsmitglieder vor. — Es folgte 
unmehr die Beratung und Beschlußsassung der Vorlage betr. 
—chutz des Ostseestrandes durch Verbot des Ausreißens 
erschiedener Strandpflanzen. Freudigst begrühßt, sand dieser 
zesetzentwurf schnell debattelos einstimmige Annahme. — In der 
Nontags sitzung wurde die Beratung des Verkoppelungs- 
esetzentwurfes fortgesetzt. In der Debatte wurde u. a. auch 
ime neue Bonitierung des Landbesitzes angeregt, da sich der 
Bert der einzelnen Ländereien durch Verbesserung mittels künst⸗ 
chen Düngers, Entwässerung usw. wesentlich gegen die frühere 
zonitierung gehoben hat, wiederum aber auch der Unterschied 
wischen Roggens und Weizenpreis geringer geworden ist und 
omit dies jetzt auch bei der Klassifizierung der Bodenarten 
u berücksichtigen sei, weil eben im Gegensatz zu dew jetzigen 
atsächlichen Verhältnissen der Weizenboden im Verhältnis zu 
en anderen Bodenarten zu hoch bonitiert sei. Ohne Zweifel 
nürde bei einer neuen Bonitierung der Staat ein gutes Geschäft 
rachen, da der Landwirt auf Grund des Reinertrages aqus 
einen Ländereien die Steuern zu zahlen habe. Schließlich wurde 
oer ganze Entwurf betr. Verkoppelung einstimmig angenommen. 
er Caison nach. Nach den großen Taschen der letzten Jahre 
verden die Taschen unserer Damen wieder kleiner und zierlicher, 
nd hierin sind es besonders amerikanische und englische Taschen⸗ 
höpfungen, die sich die deutsche Industrie der Leder- Uund Ga— 
anteriewaren teilweise zum Vorbild genommen hat. Dem 
achblatt „Luxus und Bedarf“ zufolge neigt die Mode beson— 
ers für Taschen miüttlerer Preislage zu kleineren flachen 
jormen mit tiefem Ueberschlag. Taschen mit gefaltetem Boden 
erden weniger als früher begünstigt und kommen in der Haupt⸗ 
iche nur sür das, was die Amerikaner und Engländer opping“ 
ennen, in Betracht. Dagegen nehmen in allen neuen Taschen— 
ustern die zierlichen Vanity⸗Formen mit Börse, Spiegel, Pu⸗ 
eretui und Notizbuch einen hervorragenden Platz ein. Nachdem 
ur den Sommer Stoff, vor allem Moirse, als Material für 
aschen bevorzugt worden ist, wird der Winter die entschiedene 
ufnahme des Leders bringen. Vesonders wird weiches Leder 
erwendet, das sich wie Seide falten lähßt. Die ausländischen 
Nodelle zeigen auch eigenartige neue Bügel in verschiedenen 
tormen. Bevorzugt wird ein rechteckiger Bugel für Damen⸗ 
aschen in Zigarrentaschenform. Diese hübsche Tasche enthält 
,oilettenartikel und auf der einen Seite einen ziemlich großen 
?piegel. Die Tasche sieht aus wie ein Zigarrenetui, das seitlich 
ehalten wird. Im Innern der neuen Taschen ist der Spegel die 
auptsache. Er hat seinen Platz an der unteren Seite des 
leberschlags, zumeist neben einer Uhr, so daß die Dame, wenn 
e sich über die Zeit oder über die Tadellosigkeit ihres 
leusern vergewissern will, nicht die ganze Tasche, sondern nur 
en Ueberschlag zu öffnen braucht. Die radikalste Aenderung 
1SBandtaschen ist jedoch eine Miniatur Viktoria mit Lederhen⸗ 
iIn, die nur vier Zolk nach jeder Seite mißt, aber wie eine 
andtasche getragen wird. Sie ist mit den feinsten Toilette⸗ 
egenständen ausgestattet und wird für die mehr sashionablen 
zelegenheiten, wie Visiten und Nachmittagstees, getragen. Auch 
ie Neuheiten des englischen Marktes zeichnen sich durch Schmal⸗ 
eit und Kleinheit aus, so daß man bei dem Anblick der meisten 
auben könnte, sie seien gearbeitet worden, um zu zeigen, wie 
ein und dunn solche Dinge sabriziert werden können. Eine ganz 
eizende kleine Tasche ist aus schwarzer und weißer Ripsseide her⸗ 
jestellt mit vertikalen eingelegten Streifen, welche die schmale, 
ängliche Form wirkungsroll herbortreten lassen. A.B. 
— 
Bouwesen zu erringen, wie der einzigen „Baumeisterin von 
sewnyork“. Miß Alice Durkin hat bewiesen, daß dies Feld der 
zetätigung, das bisher doch in der Hauptsache nur Männern 
rschlossen war, auch von Frauen mit dem besten Erfolg bestellt 
»erden kann. Sie besitzt heute ein großes Bauunternehmen, 
as 700 Angestellte umfahßt und hat bereits eine ganze Reihe 
„on Wolkenkratzern errichtet. Seit vier Jahren steht Miß 
durkin unter den Architekten Newyorks mit an erster Stelle 
nd hat während dieser Zeit Bauten im Werte von 8 Millionen 
Mark ausgeführt. Sie ist die erste und einzige Frau, die dem 
ffiziellen Architektenverein Newyorks angehört. Die Lauf— 
»ahn dieser Baumeisterin von Newyork, die in ihrer einzig⸗ 
rtigen Stellung ein großes Ansehen genießt, führte aus 
leinsten Anfängen durch zähe Beharrlichkeit und eine starke 
zegabung zu dem heute errungenen Ziel. Sie ist die Tochter 
ines reichen Mannes, der plötzlich sein Geld verlor, und als 
ie nun auf Broterwerb angewiesen war, wurde sie Bureau— 
räulein bei einem großen Newyorker Baumeister. Das ist 
tzt 14 Jahre her. Zehn Jahre hat sie gebraucht, um 
ich zur Selbftändigkeit und zum Erfolg durchzuringen. „Ich 
atte großes Interesse an der Arbeit von Anfang an,“ erzählt 
e selbst. „Wo ich nur konnte, sprach ich mit den Maurern 
md Zimmerleuten und ließ mich in ihre Arbeit einweihen. 
50 lernte ich von der Pike an. Neben diesen praktischen Er—⸗ 
ahrungen, die ich sammelte, besuchte ich des Abends Lehrkurse 
md studierte eifrig alle die Fächer, die ein Architekt kennen 
ruß. Mein Geschick beim Zeichnen half mir, und so schritt ich 
on Stufe zu Stufe über unendliche Schwierigkeiten hinweg. 
?s hat mir die größte Freude bereitet, mich so heraufzu— 
rbeiten. Gute Kemtnisse in der Mathematik, ein karer Kopf 
nnd ein sicherer Geschmack, das sind die Hauptfähigkeiten, die 
ran haben muß.“ Man sollte glauben, daß die männlichen 
ollegen Miß Durkin mancherlei Hemmnisse in den Weg gelegt 
ätten; aber sie hat mit ihren Konkurrenten nur die besten 
rfahrungen gemacht. „Stets sind die männlichen Architekten 
öflich und freundlich zu mir gewesen,“ gesteht sie, „weil ich 
ine Frau bin, die mit ihnen auf dem gleichen Gebiet wett⸗ 
ifert.“ Schulgebäude und Säuglingsheime sind die haupt— 
äͤchlichen Aufgaben, die die amerikanische Architektin bisher 
jelöst hat. Diese Bauwerke zeichnen sichk durch eine feine 
inmut aus. Daneben hat sie zwei große Wollenkratzer am 
zroadway errichtet. Bei dem Wettbewerb um die Newyorker 
iffentliche Bibliothek. die mit einem Kostenanschlag von 
0 Millionen Mugebaut wird, gehörte ihr Entwurf zu den 
Alerbesten und wäre beinahe mit dem ersten Preise gekrönt 
ovorden. RX.C 
voᷣt 
Die Baumeisterin von Newnork. 
Wohl gibt es auch bei uns hie und da eine Frau, die als 
Architekt Tüchtiges leistet, aber noch nie ist es einer Dame in 
kuropa gelungen, sich eine so hervorragende Stellung im
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.