Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Schlacht beĩ Leipzig und der Einweihung unserer Kirche aus- 
drückten. Ich bitte Sie, den Ausdruck meines aufrichtigen Dankes 
für den warmen Empfang entgegenzunehmen, den Sie dem Groß— 
fürsten Kyrill und den Vertretern meines Heeres zu bereiten die 
Güte hatten. Ich ergreife diese Gelegenheit, un meinerseits 
Ew. Majlestät die freundlichsten Mumsche zu übermitteln, die 
ich für Ihre Gesundheit und Ihr Glück, wie auch sür die Wohl— 
fahrt Ibres schönen Sachsenlandes hege. Nikolaus.“ 
Der König von Schweden telegraphierte: „Ew. Maije- 
ftät danke ich gerührt für die liebenswürdigen und so warm 
empfundenen Worte. Es war mir besonders eine Freude, meinen 
Sohn sowie auch Vertreter meiner Armee zu der hectigen be⸗ 
deutungspollen hundertjiährigen Erinnerungsfeier entsenden zu 
können. Für die freundlichen Wünsche für meine Genefung 
nöchte ich noch meinen befonderen Dank hinzusügen. Gustav.“ 
Safonow in Berlinn. 
W. Berlin, 21. Otlt. Der russische Minister des Aeußern 
Sasonow nahm im kleinen Kreife beim Reichskanzler das Früh— 
stück ein. 
Berlin, 21. Okt. Einem Vertreter des Berliner Lokal⸗ 
Anzeigers gegenüber erklärte Sasono w bezsiglich der von 
der Nowoije Wremia veröffentlichten Aeuherungen des Ministers 
über Deutschland und den Dreibund, er lege Gewicht 
auf die Feststellung. daß er zwar einen Vertreter der russischen 
Presse in Paris empfangen, daß dieser aber seine Aeußerungen 
n vollständig entstellter Form wiedergegeben habe. Insbe⸗ 
ondere sei hierbei zu donstatieren, daß jene Stellen vollständig 
erfunden sind, in denen Spitzen gegen irgendeine Macht erblidi 
werden könmen. Dann betonte Sasonow welch großes Ver— 
rauen er zu dem Reichskanzler habe und wie er sich freue, mit 
hur alle politischen Fragen zu hesprechen. 
Die Partliser Presse und das Nachgeben Serbiens. 
PC. Fore 21. Olt. Die unerwartet schnelle Erledigung 
in dem serbischeösterreichischen Konflikt wird hier mit großer 
Genugtuung vermerkt. Trotzdem ist man ein wenig erstauat, 
mit welcher Bereitwiliigkeit Serbien nachgegeben hat und ist viel— 
leicht auch ein wenig darüber, gekränkt, daß, Serbien sogar 
keinen Gebrauch von dem hereitwillig angebotenen Schuß der 
Trirle-Entente gemacht hat. Der Matin schreibt offtziös: 
„Man ist in VPariset diplomatischen Kreisen sehr erstaunt, 
mit welcher Schnelligkeit Serbien den Wünschen Oesterceichs 
zachgekommen ist, zumal die albanische Frage eine europäische 
Frage ist, deren Regelung Serbien hätte Europa übe?lafsen 
können. Ofienbar, lag es Serbien daran, den Zwifchenfall 
so schnell als möglich aus, der, Welt zu schaffen. Unmöglich ist 
es auch nicht. daß die serbische Regierung sich jeder Sorge 
über ihre Beziehungen mit Oesterreich Ungarn entledigen wollle, 
da man offenbar in Belgrad über den Stand der artiech'sch- 
türkischen Verhandungen, sowie über neuerliche Trupoenbe— 
wegungen Biögagriens stark beunruhigt ist.“ — Ueber den 
Findmick, den Serbiens Nachgeben in Rußland herdorgerusen 
hat, sagt der Matin: „Serbien hätte nach Ansicht der Peters— 
burger ofsiziellen Kreise binnen kurzem freiwillig das getan, 
was es jetzt unter dem Drucke der österreichischen Diplomatie 
fun. mußte. Der schnelle Entschluß Oesterreichs hat bedauer— 
licherweise die russische Eigenliebe wachgerusen. Es steht zu 
defürchten, daß die Beziehungen zwifchen beiden Ländern neuec— 
dings eine Verschiechterung erfahren werden, die leicht hätte 
rermieden werden fönnen. Man glaubt, daß die Berliner Regie— 
rung diese Kundgebung seines Verbündeten bedauert, da man 
gern den Eintritt besserer Beziehungen zwischen Rußland und 
Desterreich gewünscht hätte.“ 
— Die engluche Regierung hat gestern abend, nach Infor⸗ 
mationen des Figaro. in Wien und Berlin eine Note überceichen 
lassen, in der daraui hingewiesen wird, daß die englische Regie⸗ 
rung durchaus den serbischen Standpunkt teilt und die albamiche 
Frage als eine von allgemeinem, europäischen Interesie be⸗ 
krachtet. Das Echo de Paris stellt die allerdings durch nichts 
bewiesene Behauptung auf, daß die deutsche Regierung Oesterreich 
zu seinem Vorgehen gegen Serbien nicht nur ermutigt, son— 
dern sogar veranlab! habe. 
Zur Zollerhöhung in Mexiko. 
W. Newyork, 2). Okt. Laut kelegraphischer Berich— 
kigung aus Mexiko werden durch den vom Präsidenten Huerta 
unterzeichneten Erlaß nicht alle Zölle, sondern nur die 
Einfuhrzöhlle um 3060 erhöht. 
1 
W'. Berlin, 21. Okt. Erzherzog Franz Ferdi— 
nand wird als Gast des Kaisers an der am 30. und 
31. Oktober in der Göhrde stattfindenden großen Hofiagd 
teilnehmen, wozu u. a. auch der Reichskanzler und der öster⸗ 
reichischungarische Botschafter in Berlin Einladungen erbalten 
jaben. 
W. Berlin. 21. Okt. Das Militärwochenblath 
meldet: Prinz Friedrich Karl von Preußen, Leutnant im ersten 
Leih⸗Husarenregiment Nr. J. à la suite des ersten Garderegi— 
ments zu Fuß, ist zum Oberleutnant befördert worden; von 
Kleist, Leutnant im Ulanenregiment Kaiser Alexander II. von 
Rußland, erstes brandenburgisches Nr. 3, ist zum militärischen 
Begleiter des Prinzen Friedrich Leopold von Vreußen (Sohn) 
ernannt worden. 
V. Hamburg, 21. Oft. Fürst und Fürstin Bü—low 
haben sich heute vormittag nach Aitenbruch begeben, um auf 
FEinladung des Generaldirektors Ballin den „Imperator“ zu 
besichtigen. 
W. Wien, 21. Okt. Die Regierung hat heute im Ab— 
geordnetenhause den Entwurf eines RAUuswanderergefetzes 
eingebracht. welcher die Auswanderung einer eingehenden Re— 
gelung unterwirft und insbesondere die Auswanderung voer—⸗ 
bietet, die die einheimische Wehrkraft schädigt und den Mädchen— 
handel begünstigt. Ferner werden Bestimmungen gegen ge— 
winnsüchtige Auswanderungspropaganda geschaffen und die 
Werbetätigkeit einer scharfen Polizeikontrolle unterstellt. End— 
lich soll durch die Ausbildung der inländischen Arbeitsvermitt- 
lung der Auswanderung entgegengearbeitet und für Rechts— 
schußz der Auswanderer im Auslande gesorgt werden. 
Trauerfeier für die Toten des „L 2*. 
W. Berlin, 21. Okt. Heute mittag wurde in der Neuen 
ewvangelischen Garnisondirche auf. dem Kaiser-Friedrich Platz die 
Trauerfeier für die mit dem Marineluftschiff Verunglückten ab⸗ 
Jehalten. Die Kirche war weihevoll geschmückt. Auf beiden 
Seiten des Altars hingen zwei Marinekriegsflaggen herab. Vor 
dem Altar waren die 23 Särge aufgebahrt, die unter 
einem Hügel non Blumen uind Kränzen verschwanden. Prinz 
Adalberr hatte um 10 Uhr einen Kranz des Kaisers 
und einen solchen der Kaiserin niedergelegt. Von 1012 Uhr 
ab erschienen die leidtragenden Angehörigen der Vecunglüd— 
len und wurden von Marineoffizieren ꝛu ihren Pläken ae 
vrocht. Dann füilte sich allmählich die Kirche mit einer ge— 
waltigen Trauerverjammlung. Man bemerkte u. a. den Reichs— 
kanzler, der einen prächtigen Kranz durch seinen Rozutanten 
Frhrn v. Sell niederlegen ließ, die Minister und Staatssekcetäre, 
die Admiralität und die Generalität, darunter Großadmiral 
v. Tirpitz, Kriegsminister v. Falkenhayn, Chef des General⸗ 
stabes, General v. Moltke, ferner die fremden Marineattachés 
die Herren des Hauptquartiers, Mitglieder des Reichstages, 
Vereine mit ihren Fahnen, eine Deputation der Studenten⸗ 
schaft der Berliner Technischen Hochschule. Auf der Empore 
hatten Marinemannschaften und andere Truppenteile Platz ge 
riommen. Vor der Kirche und nach dem Garnisonfriedhof zu 
tand die Trauerparade. Vor der Kirche hatten sich der Kron—⸗ 
Rrinz und die Kronprinzefsin sowie die Prinzen Eitel 
Friedrich, Adalbert, August Wilhelm, Oskar und Joachim einge— 
zunden. Unter Glockenläuten nahte um 12 Uhr im Automobil 
der Karser, der Admiralsuniform trug, und die Kaiserin 
der Kaiser begrüßte zunächst den Großadmiral v. Tirpißz 
and dann den Grafen Zeppelin, der in Ulanenuniform 
erschienen war, und sprach längere Zeit mit veiden Herren 
Darauf begrüßte der Kaiser den Kronprinzen und die Kron⸗ 
grinzefsin und seine anderen Söhne. Das Kaiserpaar nahm dann 
in der rechten Seitenloge der Kirche Platz. Die Feier begann 
mit dem Gesang: „Jesus, meine Zuversicht“. Alsdann hielten 
der evangelische und der katholische Marinepfarrer Ansprachen. 
Gesang schloß die Feier. Dann setzte sich der Trauer⸗ 
zug in Bewegung, voran die Leichenparade, dann vie Leicheit⸗ 
wagen mit sieben Särgen. Der Kaiser und die Kaiserin liehen 
die Leichenwagen an sich vorüberziehen und kehrten alsdann 
in das Königliche Schloß zurück. Hinter den Leichenwagen 
chritten die Angehörigen der Vereine sowie die übrige Trauer 
ersammlung. Auf dem Garnisonfriedhof waren die Grüfle 
nit Palmgrün ausgelegt. Kraftfahrer senkten die Särge m 
die Grüfte. Infanterie und Artillerie feuerten Salut. 
der in den Steinen schlummernden Kräfte teilhaftig werden 
können. So hat sich eine richtige Edelsteinkunde herausgebilde⸗ 
und acht Steine sind es vor allem, die übernatürliche Kräft 
perleihen, Tugenden, erwecken und bestärken und feindlich 
Kräfte zunichte machen. So verkörpert der Beryll die Reinhen 
Keuschheit verleiht der Diamant, der Saphir ist das Kem— 
zeichen des Geistes; wer den Smaragad trägt, dem lächelt For— 
tuna; der Rubin ist der Stein der Liebe wie des Besihes, 
doffnung und Zuversicht verleiht der Opal, Gesundheit den 
Türkis und der letzte der acht, der Amethyst, der, wie sein 
Name besagt, von den alten Griechen wider die bösen Folgen 
ver Trunkenheit gebraucht wurde, verschafft dem orientalischen 
Träger die Freundschaft tüchtiger Männer. Vielfach verbreite 
ist auch der Aberglaube, daß man für jeden Tag der Woch 
rinen anderen Stein haben müsse und zwar muß der Stei 
vieder in Beziehung mit den Planeten stehen, die sich gerad 
ur Tages- oder Nachtzeit unserem Planeten nähern. Der 
Stein des Montags ist der Opal, sichtlich von dem Glauben 
nspiriert, daß man zu Beginn des Wochenlaufes etwas Gute? 
für die ganze Woche erhoffen dürfe. Die Koralle bringt vor 
illem am Dienstag Glück. Der Mittwoch ist der Tag allen 
blauen Edelsteine, so vor allem des Türkisen. Das Symbol 
des Donnerstags ist der Chrysoberyll, der sogenannte Katzen 
rugenstein. Der Freitag ist natürlich auch im Orient de— 
Unglücksstag und dem Unheile, das die Götter am Freitag 
ꝛrfinnen, kann nur wirksam der härteste aller Steine, der Dia 
nant begegnen; für den nächsten Tag der Woche verheißt der 
Saphir Glück und am Somntag schmückt sich der Kundige, de— 
allen bösen Einflüssen begegnen und alle guten Einflüsse auf sis 
odereinen will, am besten mit den rotschimmernden Rubinen 
Damit aber auch der Scherz nicht fehle, sei noch eines drol 
Jigen und wahrhaft kindlichen Glaubens gedacht, der vor allen 
bei den Persern zu Hause ist. Es geht da das Gerücht, das 
man Diamanten auf solgende bequeme Art und Weise erzeugen 
könne: Man nehme einen männlichen und einen weiblichen 
Diamanten und lege beide in ein Holzgefäh; dann verschließ 
nan die Schachtel sorgfältig und öffne sie erst nach zwei Jahreu 
vieder; aus der Ehe der beiden Diamanten sind inzwischen drei 
»der vier kleine Diamanten hervorgegangen. Hübsch, nicht wahr“ 
stur wird der Leser etwas erstaunt fragen: Woran erkenn 
man aber das Geschlecht der Steine7?! Ja, lieber Lefer, das 
ist eben die Kunst! Und sogar eine sehr schwierige Kunst, eint 
Kunft, die nicht jeder persteht, sonst könnte das ja jeder machen 
nicht wahr? Aber immerhin ist so viel aus dieser Geheimwissen 
schaft durchgesickert, daß wir jetzt wissen, der männliche Diamanm 
ei bedeutend härter als der weibliche; es gilt also auch be 
der Diamantenhochzeit — nicht zu verwechseln mit der diamanknen 
Hochzeit! — der alte Schissersche Spruch „wo das Strenge 
mit dem Zarten“. Im übrigen behaupten die Orientalen 
daß es auch bei andern Steinen Geschlechtsunterschiede gibt; 
so soll der Saphir der Farbe nach viel intensiver sein, wie die 
„Saphirin“, wenn man so sagen darf. Das Geschlecht der 
übrigen zu bestimmen, soll sehr schwierig sein; doch wird ver— 
ichert, daß die alten Inder auf den ersten Blick das Geschlech 
eines Steines erkannten. 
Das alles ist gewiß sehr schwierig zu befolgen gewesen 
darum werden sich die armen Leute im Orient von jeher glück 
lich geschätzt haben, dan sdie nicht mit Edelsteinen überhäuf 
wurden, nachdem es doch so schwer hält. den richtigen Tag. 
an dem man die verscen Steine ftragen darf, herauszu 
finden. ctx. 
W. Bremen. 21. Okt. Die Leiche des Kapitän— 
Flund ist in der vergangenen Nacht in Bremen eingeteoffen 
ind wurde heute vormittag vom Hauptbahnhof nach denr 
Waller⸗Friedhof übergeführt, wo Mittwoch vormittag 11 Uhr 
die Beerdigung ersolgt, an der auch Graf Zeppelin, der 
morgen im Laufe des Vormittags in Bremen eintrifft, teil— 
nehmen wird 
Ein Flug von Paris nach Kairo. 
70., Paris, 27. Ott. Zu einem Flug, der in der Ge— 
schichte der Aviatik bisher einzig dasteht, wird der Aodiafiker 
Ddoncourt heute morgen in Issy les Moulineaus mit einem 
dassagier nach Roux starten. Er beabsichtigt von Paris 
rach Kairo in verschiedenen Etappen zu fliegen. Don— 
ourt will heute Schaffhausen erreichen. Von dort soll der 
Flug über Ocsterreich, Serbien, Bulgarien, Kleinasien noch 
Leirut über die Küste des Mittelländischen Merres nach Vort 
Zaid und von, dort nach Kairo gehen. 
WV. Sijtless Moulin auxt, 21. Okt. Der Flieger Dau—⸗ 
court ist heute früb 8,20 Uhr, begleitet von dem PVassagter 
Rous bei sirömendem, Regen nach Schaffhausen zur ersten Etappe 
Paris — Kairo aufgestiegen. 
W. Sens, 21. Olt. Der Flieger Daucourt mit semem 
Passagier, Rdux landete um 11,30 Uhr. Der Flug war durch 
heftigen Wind velzögert worden. 
Ein eigenartiges Unglück 
W. Limoges, 21. Otf. Während fünf Winzer in Brugier— 
Correze mit Keltern beschäftigt waren, fiebein Mädchen 
in den Trog und erstickte. Vier Mann stäürzten nach, 
um zu helfen und erstickten gleichfalls. 
Feuersbrunft in St. Louis. 
BPBb9 Nemtort, 21. Okt. Eine furchtbare Feuersbrunst wotet 
seit gestern in St. Louis und ist trotz der angestrengtesten Tätig— 
keit der Feuerwehren der ganzen Stadt noch wicht gelöstcht 
vorden, da ein heftiger Wind das Feuer mit rasender Ge— 
hwin digkeit verbreitete. Eine ganze Anzahl Getreideelevatoren 
ind vollkommen niedergebrannt, auch zwei Eisenbahnstationen 
ind vsöllig zerstört werden und in ihren Güterschuppen eine 
»edeutende Anzahl von Gütern zugrunde gerichtet worden. 
kine Anzahl Kinder wurde von herabstürzenden brennenden 
Balken erschlagen. In den Häusern, die vom Jeuer ergriffen 
purden, entstand eine große Panik. Die überraschten Bewohnet 
türzten in fluchtartiger Eile hergaus, verschiedene von ihnen 
kamen in den Flammen um, eine Anzahl Kinder wurde miesder⸗ 
zetreten. Der bis jetzt entstandene Schaden soll über eine 
Million Dollar beiragen. 
. 
* 
W. Samburg, 21. Olt. Auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel traf 
heute nachmittag 4 Uhr 20 Minuten ein L. V. Doppeldecer mit Leut⸗ 
rant Landwüst vom Infanterieregiment 21 mit Leutnant Pohl al⸗ 
Beobachler, von Döberitz dommend, ein. Die Flieger sind heute 
vormittag aufgestiegen und mußten des Nebels wegen bei Lübed 
eine Notlandung vornehmen. 
W. Hamburtg, 21. Okt. Die amtliche Leichenöffnung im 
Hafenkranlenhause des angeblich in einem Brunnen bei, Klein— 
Borstel ermordet aufgefundenen Dienstmädcheas Erich— 
fen aus Flensburg hat Selbstmord ergeben. 
W Dülsseidorf, 21. Okt. Der Flieger Ehrhardt, 
der mit einem Passagier in Bonn zu einem Fluge nach Kich 
wnufgestiegen ist, wurde bei Reisholz, in der Nahe von Dülfsel⸗ 
dorf, von einer mächtigen Bö auf den Rhein nieder— 
gedrüscht. Die Flieger entgingen mit Mühe dem Ertrinken 
Das Flugzeug schwann den Rhein hinunter und landete bei 
der Rheinwerft in Düsseldorf, wo es abmontiert wurde. 
W. München, 21. Oft. Gestern, abend, wurden in einem 
Hotel ein 28jähriger Mann und seine 26fjährige, Geliebte. 
beide aus Böhmen, erschossen aufgefunden. Der Mann 
tötete erst das Mädchen und dann sich selbst. 
W. Lifsabon, 21. Olt. Es sind ernstere, Ruhen 
strunagen vorgekommen, die aber schnell unterdrüdt wurden. 
W. —J Marine. Eingetroffen: Flußkanonen⸗ 
boot „Otter“ am 20. Ott. in Tschungking, Panther“ am 21,Okf. 
in Duala (Kamerun). „König Albert“ am 17. Okt. in Neu⸗ 
fahrwasser. — In See gegangen: „Zieten“ am 21. Ott. 
von Emden. 
Orientalischer Edelfteinaberglaube. 
Im szwilisieren Europa sind die Edelsteine weiter 
nichts als Schmuckgegenstände; anders, ganz anders betrachtete 
der Orientale von jeher seine Edelsteine; ihm vertritt jeder 
Stein ein Arkanum, ein Geheimnis, ein Zaubermittel, eine 
Tugend oder eine geheime Kraft. Die Orientalen glauben 
nicht anders, als daß die Steine ihr eigenes Leben führen, daß 
ie menschlicher Gefühle und Leidenschaften fähig sind. Und 
inigen besonders bevorzugten Steinen schreiben sie in dieser 
Hinsicht solche Kräfte zu, daß die Träges dieser Stine auch 
Vermischtes. 
K. Von neuesten Ausgrabungen in Italien wird im 
Cicerone berichtet: Im Westen von Civita Vecchia entdedte man 
ine archaische Tolenstadt aus dem 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. 
n der viele korinthische Vasen und Buccherogefähe gefunder 
purden. Im Westen, von Pompeii wurden vor der Stadt 
Reste eines großen Gebäudes aus der Zeit der römggchen 
Republik freigelegt. Die soeben in Angriff genommenen Aus 
grabungen im Dom zu Modena führten zu interessanten Re— 
sultaten. Man fand unter dem Fußboden des 1099 errichtete⸗ 
Bauwerkes die marmornen Säulenbasen eines älteren Baues. 
der bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. zurückreicht. Daun kamen 
ohe Steinsärge und auch Gräber jümgeren Datums zum Vor— 
chein, unter denen der in unmittelbarer Nähe des Altars, de 
Familie Molza gefundene kupferne Sarkophag oder Dichtern 
Tarquinia Molza hervorragt. Die Grabungen an der alter 
Kirche St. Marrino zu Malbaglia im Bleniotal förderten ew 
essante Fresken zutage ferner Grundmauern früherer Kirchen 
bauten aus dem 16. Jahrhundert und aus frühromanischer Jeit 
die alte Gräber in ihren Fundamenten enthielten. 
—O. K. Neues von der Sonne. Wenn es — nach dem 
Spruche der Volksweisheit — auch unter der Sonne nichts 
Neues gibt, die jüngste Zeit hat uns sehr viel Neues vor 
der Sonne selbst verraten“, mit diesen Worten beginnt der 
bekannte Astronom am Pariser Observatorium. Charles Nord 
mann, eine Mitteilung über die letzten außerordentlich inter— 
essanten Beobachtungen und Entdeckungen, die der astronomischer 
Wissenschaft in den len Wochen und Monaten geglüdt sind 
‚Vor allem“, so führl der Gelehrte im Matin aus, „ist 
kem hollandifchen Astronomen Hubrecht vergönnt gewesen, dur 
eine sehr geistbolle Methode den Nachweis zu erbringen, da 
ie beiden Halbkugeln der Sonne (die in ihrer Gesamtheit i 
einem Zeitrcum von nicht ganz einem Monat eine Umdrehun 
pollenden) sich mit verschiedener Geschwindighejit drehen uns 
daßß die Bewegung der einen Halbkugel merklich schneller ni 
als die der anderen. Was ist die Ursache dieser wunderliche 
Asymmetrie? Noch vermag man sie nicht zu erklären, aben 
aller Voraussicht nach wird die nächste Zeit eine Fülle vor 
krklärungsversuchen und Hypothesen bringen, Allein, die Be— 
reicherung unserer Kenntnis von der Sonne beschränkt sich nich 
auf die Hubrechtsche Wahrnehmung. Wenn inmitten der alühen 
den Wolken, die die leuchtende Sonnenscheibe bilden, plötzlick 
ein Sturm entsteht, zeigen die in den Kellerbauten unsere 
Dbservatorien verwahrten kleinen Kompasse eine seltsame und 
geheimnisvolle Unruhe. Sodann zeigt in den weißen Nord— 
iächten das Nordlicht feine durchscheinenden Lichtphänomene, 
und zu gleicher Zeit durchlaufen jähe Störungen elektrischer 
Art die unterseeischen Kabel und sind oft stark genug, um 
auf Stunden die telegraphische Verbindung zu stören. Wie 
exklären wir diese erstaunliche Sympathie, die von einem 
Ende des Weltraumes zum anderen das Sonnengestirn mi— 
der „Erdseele“ verbindet? Den ‚ersten Schritt zur Beaß mortung 
dieser Frage bringen die jüngsten Entdechungen des berühmtey 
amerilanischen Astronomen Hale. Er verdaukt seine Ent— 
dedung dem Lichte. Das Licht bewahrt bekanntlich auch dann 
venn es von einem weit entfernten Himmelskörper stammt. 
die Spuren und den Charakter seiner Abstammung, nicht an— 
»ers, wie etwa der Duaift einer Blume uns dazu hringt, uns 
»as Aussehen der Blume und ihre Schönheit vorzustellen. So 
erzählt jeder Lichtstrahl die Geschichte jener fernen Atome, von 
benen er herkonimf. Wenn nun ein leuchtender Körper sich 
53 e Toalse bhbaftudet keisnpiesemeise in 551 
— 
Nur auf eꝑ Wort 
mossen Sie beim Finkauf achten: Osram mouß auf 
der Lampe lehen. Dann — nur dann ist sie echtl 
VUberall erhaltlich. ergesenschast. derlin Oo.17
	        
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