Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe 4. 
Dienstag, den 21. Oktober 1913. 
Abend⸗Blatt Ur. 534. 
. 
— — 
Aus den Nachbargebieten. 
Haunsestãdte. 
Samburg, 21. Okt. Ein dreifaches 50jähriges 
Jukisaum können am 25. Olt. die Eheleute E. C. F 
Riftti feiern. Ristki wurde am 265. Olt. 1863 Hamburger Bürg er 
ind schloß am gleichen Tage den Ehebund im Hauje Fischerstrake 
Rr. 28, in dem das Jubelpaar noch heute wohnt. Burger⸗ 
Ehe⸗ ad Wohnunge jubiläum am gleichen Tage, das ist gewiß 
eine Seltenheit. 
Der Madbchenmord in Klein-Borsttel. Die bisher 
angestellten Recherchen haben mit ziemlicher Sicherheit ergeben, 
daß das Dienstmädchen, dessen Leiche in einem Brunnen ge⸗ 
sunden wurde, gewaltfam in den Brunnen geworfen worden 
ist. denn sowohl an der hölzernen Einfriedigung wie auch im 
Grase fand man Blutspuren, die darauf hindeuten, daß das 
Mäbchen, bevor es in den Brunnen geworfen worden ist, mit 
seinem Mörder gerungen und ihm Kratzwunden beigebracht 
hat. An dem Leichnam waren jedoch keine besonderen Merkl⸗ 
nale von Gewaltanwendung zu sehen. Der Verhuch, durch 
Polizeihunde die Spur des unbekannten Mörders zu ermitteln. 
hat vorläufig zu keinem Ergebnis geführt. 
Bremen, 21. Okt. Anläßlich des Todes des Di— 
zektors Bremermann vom Norddeutschen Lloyd und des 
Kapitäns Glund sind der Direktion des Norddeutschen Lloyd 
jerzliche Beileidstelegramme des Kaisers, des Kronprinzen und 
der Kronprinzessin, des Großherzogs von Oldenburg und vieler 
anderer Fürstlichkeiten sowie auch vom Grafen Zeppelin zuge⸗ 
gangen. Ebenso erhielt der Norddeutsche Lloyd zahlreiche Bei- 
—— von Behörden sowie aus Handels⸗ und Industrie⸗ 
eisen 
Bonderu, 24. Vtt. Zum Raubmgor o. De Sraau 
anwal. hat die Leiche des ermordeten Hofbesitzers Nissen zur 
heevioung freigegeben. Wenter ist inzwischen festgestellt, daß 
pas an ber Mordstelle gefundene Rad dem Kaufmann P. 
Sörensen in Tondern gehörte, dem es am Nachmittag vor 
hem Mordabend gestohlen wurde. Der mutmaßliche Mörder 
wird gis Ane Person im Alter von 20 bis 25 Jahren ge⸗ 
chiidert. Die Siaatsanwaltschaft hat 1000 MeBelohnung 
uf die Ermitteiung des Möͤrders gesetzt. 
Groktherzogtum Oldenbura und Fürstentum Lübea. 
Eutin, 21. Olt. Die Stadtvertretung befaßte 
sich in einer dringlichen Sitzung mit einer Aenderung der 
vemeindeordnung. Es wurde einstimmig beschlossen, deim 
srobinzialtat und Landtag vorstellig zu werden, das Gemein de⸗ 
echnungs jahr, das im Furstentum Lübed mit dem Kalendet 
aͤhrn dem Einkommensteuerjahr, das am 1. Mai begmnnt. 
ammenzuiegen, damit würden värten für das, Vublikum 
ufgehoben und, für die Steuerbehörde wefentliche Erleich 
erungen geschafsen. 
Ostsfeebad, Niend,o, kf, 21.,Okt. Die danbeerne 
Verdrenstmedaisie erhielt, der Arbeiter Ludoig Möller, 
Jer, fur eine 2gjähr. treuen Dienste bei der Villenbesitzerin 
Frau V. Sydow Wwe. 
Großherzogtuũmer Medlenbura. — 
Schwerin, 20. Okt. Personalveränderung im 
Mmegt' Fisenbahndivektorium. Zum Nachfolger des 
Hia in den Ruhestand tretenden Generaldirektors der Großh. 
Medl. Eisenbahnen, Geh. Ministerialrats Ehlers, ist. wie ver⸗ 
det. Viniste ialtrat Dahse, bisher Derernent für Eisenbahn- 
Angelegenheiten im Großh. Ministerium, in Aussicht genom⸗ 
men. Die reprafentterende Bürgerschaft lehnte 
den Antrag des Magistrats ab, einen baren Ueberschuß der 
Armenkasse in Höhe von 80 000 Miufür die Gehaltsaufbesserung 
der ftädtischen Beamten zu verwenden, nahm dagegen den An⸗ 
trag an, den Magistrat zu ersuchen, die bestehende Einkommen⸗ 
teuer, die als Zuschlag zur Armensteuer erhoben wird, zu er⸗ 
zöhen, und zwar in Form, dah von 1000 bis 1500 —A 
hisber) erhoben werden, dann aber von 1500 bis 2500 M 
30 00, von 2500 bis 3500 Me70 6, von 3500 bis 4600 M 
O , von 4500 bis 5500 Me90 und über 5500 M 100 o. 
Der Antrag des bürgerschaftlichen Mitgliedes Heimsoth. den 
Magistrat zu ersuchen,. der kommißsarisch deputatischen Gehalts⸗ 
kommission die Steuerlisten über den Nebenerwerb aller städti⸗ 
schen Beamten vorzulegen, wurde abgelehnt. Der Ma gistrat 
oll aber nach einem Belchluh der repräsentierenden Bürgera⸗ 
chaft ersucht werden, die Decungsfrage beschleunigt zu er- 
iedigen, daß die Gehaltserhöhungen noch zum 1. Jan. 1914 
wusbezahlt werden können. — Aus Anlabß der jähen Zer— 
rümmerung unseres „L 2“, des Erjsatzschiffes fürr das 
am 0. Sept. zerstörte Marineluftschiff „L 1“, haben die Schũler 
des hiesigen Gymnasiums sogleich am Tage der Völkerschlacht 
bei Leipzige eine gröhere Sammlung zum Besten des deutschen 
Jlugwesens in die Wege geleitet, die großen Anklang findet. 
Man bofft, dak das Beisniel Anr«gung zur Nacheiferung gebe. 
Rostock, 21. Okt. Drei Kinder in einer Sand⸗ 
grube verschüttet. In SHinter-Bollhagen bei Doberan 
ind Montag vormittag drei Kinder in einer Sandgrube ver⸗ 
chüttet worden. Die Kleinen, den Tagelöhnern Harms und 
ruger gehörig, hatten in der Grube gespielt, als Erdmassen 
aachrutschten und sie begruben, so daß sie ersticten. 
Warnemünde, 21. Oktt. Die Rettungsmedaille 
hat der Großherzog dem Zahlerkontrolleur Jörß verliehen. 
Neustrelitz 21. Okt. Spurlos verschwunden ist 
Sanitätsrat Dr. S. in Strelitz (Alt) seit Sonnabend mittag. 
Der Domjiüch-⸗See ist bereits nach der Leiche des Genannten 
Ngemet doch ohne Ergehnis. Bestimmte Nacrichten fehlen 
noch. 
Gastrow. 21. Okt. Kampf, mit einem ap33 
Hhossenen Kerĩser der Forster GEundiach schoß im Klueßer 
Revier auf einen starken Keiler. Der Schuß ging jedoch fehl 
uind das Tier stürzte sich auf den Forster, üͤberrannte ihn und 
lichteie ihn furchsögr zu. Er irug am Rücken, an den 
Zeiten und beiden Armen schwere Wunden davon. Nur dem 
mstande, daß die übrigen Jagdteilnehmer hinzusprangen und 
nif den Keiler einhieben. hat Gundlach sein Leben zu danken. 
Ruf der Flucht griff das wütende Tier noch den Forstlehrling 
Walther aus Primerbarg an und vee ihn schwer an der 
Zand. Förster Gundlach wurde ins Forsthaus Klueß getragen, 
wo ihm die erste ärztliche Hilfe zuteil wurde. Walther wurde 
ins. Krankenhaus nach Güstrow geschafft. 
o0 Dassow, 21. Okt. Unglücksfall. Auf einem 
Bauplatz an der Moritzstraße riß am Geschirr eines Holz⸗ 
vagens der Firma Callies eine Kette, die Pferde erschraken 
and liefen davon. Hierbei fiel der Fuhrmann Arbeiter Kr. 
und brach sich einen Arm dicht üher dem Handaelenk. 
Lauenburg. 
Mölln, 21. Okt. Betrug. Der Arbeiter Geisler aus 
dubed warhier bei der Üeberiandzentrale beschäftigt. Er 
vohnte mit Frau und Kindern im „Lübecker Hof“. AIn der 
eßlen Woche“ hat G. vom Schachtmeister einen Vorschuß und 
rotßdem vom Betriebsleiter den vollen Lohn erhalten. Dar⸗ 
ruf jst die Familie abgereist, ohne die Miete 8 bezahlen. — 
kine Belohnung, pon 300 Mark hat, der fal. Land⸗ 
at demienigen zugefichert, dem es gelingt, den Brandstiften 
ber Scheune des Hufners Steffen in GtePampau lo nach— 
Aweisen, daß derseibe zur gerichtlichen Bestrafung gebrach' 
werden kann. 
2Möoluin, 21. Okt. Der Kronenorden IV. Kl. 
wurde zum 18. Dit. Lehrer Kemp verliehen. Leider kann 
zerfelbe sich der Auszeichnung nicht mehr erfreuen, da er 
chon Ende September gestorben ist. — Ein hell⸗ 
euchtendes, Meteor flog Freitas mittag in mäßiger 
zohe über unsere Stadi. Trotz, des hellen Sonnencheins 
uchlete das Meiteor so stark, daß man den Weg desselben 
am Himwmel genau verfolgen konnte 
5Sdiphorst, ., Olt. Dexr Serbstwarkt fand 
hier bei schönstem Wetter statt. Der Besuch des Krammarktes 
ließ zu wünschen übrig. Auch die Beschickung seitens der 
Schausteller ist gegen früher sehr zurückgegangen. 
SirIsfelde, 21. Okt. Ein Wettpiel sochten 
hier Am Vöõlferschlachttage die drei Schulen aus Linau. Koberg 
ind Sirksfelde aus. Zur Vorführung gelangten 109m. Vauf, 
Stafettenlauf über 1000 m, Baillfpiele, Abends wurde ein 
Freudenfener abgebrannt und ein Fackelzug veranstaltet. 
S Lütjensee, 21. Okt. Bestandene Pru— 
fung. Der zweite Lehrer an unserer Schule, Götsch, bestand 
lein zweites Staatsexamen mit dem Prädikate „gut“. 
2 Gudow, 21. Oftt. Trauerfeier. Am Sonntag 
iachmittag wurde hier unter großer Beteiligung seitens der Ge— 
neinde und auch von auswärts der in Lübeck verstorbene Pastor 
mer. Arndt, der hier 39 Jahre in großem Segen wirkte, zur 
letzten Ruhe bestattet. Eine große Anzahl seiner ehem. Amts⸗ 
genossen aus dem Kreise Lauenburg war anwesend. Pastor Löwe 
aus Ratzeburg hielt in der Kirche die Gedächtnisrede über den 
dom Verstorbenen selbst gewählten Text „Laß dir an meiner 
ßnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen nidchtig“ 
In der offenen Gruft widmete Pastor Gleimann aus Seedor! 
em Verstorbenen einen warmen Nachruf und alle anwesender 
»eistlichen warfen mit einem Begleitspruch die erste Erde auf den 
Sarg. Gebet und Segen heichleslon die erhehende Feier 
Schleswig⸗Holstein. 
Kiel, 21. Okt. Eine teure Geschiüchte. Bei dem 
propellerlosen Luftschiff in der Luftschiffhalle ist die Hülle 
undicht geworden. Das Luftschiff muß deshalb abmontiert 
und die Hülle nach der Fabrik in München zurückgeschickt 
werden. Man ist schon beim Abmontieren und rechnet damit, 
daß das Luftschiff im Februar des kommenden Jahres flug⸗ 
bereit sein wird. Durch das Undichtwerden der Hülle ent⸗ 
stehen ganz bedeutende Unkosten. Die jedesmalige Gasfüllung 
kostet 40 000 M. 
Oldesloe, 21. Okt. Fürst Bülhow und Gemahlin 
statteten am Sonnabend Sr. Exzellenz Frhrn. v. Jenisch und Ge— 
mahlin in Blumendorf einen Besuch ab. Das Fürstenpaar begab 
sich noch am Abend desselben Tages nach Hamburg zurück. 
Neustadt, 21. Okt. Die städtischen Kollegien 
beschlossen. 81180 Mäanzuleihen, und zwar u. a. 40 180 M 
für den Rathausumbau, 70 000 Mefür den Erweiterungsbau des 
Kreismuseums und 11500 Muzur Be—s und Entwäßserung der 
Stadt. 
S,chleswig, 21. Ott. Ueberfahren und ae⸗ 
tötet. Der Stationsvorsteher Heinrich Rath in Jeisfing- 
Hostrup wurde von dem aus Tondern kommenden Zuge über—⸗ 
fahren. Das Unglück ist dadurch entstanden, daß noch, ein 
Wagen angekoppelt werden sollte. Die Lokomotive fuhr so 
hnell, daß der Wagen einen heftigen Stoßz bekam. Rat! 
jiel dabei herunter und geriet mit beiden Beinen unter di 
räder. Im Krankenhaufe mußten ihm beide Beine oberhall. 
der Knie amputiert werden. Der Verunglückte ist seinen schwe— 
ten Verletzungen erlegen 
Dölkersch'achtdenkmal und Königin-Luise-Haus 
(Eigenbericht der Lübeckischen Anzeigen.) 
Leipzig, 19. Okt. 
Wie vor hundert Jahren Deutschlands Frauen nicht zurück⸗ 
bleiben wollten gegen den Opfermut ihrer Väter, Brüder 
und Söhne, so galt es auch in unseren Tagen den Beweis zu 
iefern, daß es heutzutage ebenfalls noch Frauen gibt, von 
zleichem Geiste beseelt als ihre Schwestern zur Zeit der 
Freiheitskriege. 
Das Völkerschlachtdenkmal, dieses Wahrzeichen deutscher 
kinigkeit nahte sich seiner Vollendung! Doch bevor es ange— 
ichts der deutschen Fürsten enthüllt wurde, war ihm gegen⸗ 
über ein anderes „Denkmal“ dem allgemeinen öffentlichen 
Verkehr übergeben, zu dem deutsche Frauen Baustein auf 
Baustein zusammengetragen, um ein „Reformgasthaus“ zu 
errichten, das dem zum Völkerschlachtdenkmal pilgernden Wan— 
derer, gleichviel ob männlichen oder weiblichen Geschlechts. Ob⸗ 
dach und Zehrung bieten will. 
Dem Gedächtnis der Königin Luise geweiht, steht es als 
Wahrzeichen friedlicher Kulturarbeit dem Leipziger Riesen— 
denkmal gerade gegenüber als Symbol der Befreiung gegen 
emen Feind, der mit gleicher Rücksichtslosigkeit unter dem deut⸗ 
schen Volke wütet, als vor 100 Jahren der deutsche Erbfeind. 
Diesen Feind, nämlich den Alkoholismus, zu bekämpfen hat 
sich auch die Leitung des Königin-Luise-Hauses zum Ziel 
gesetzt und sich anheischig gemacht, der deutschen Jugend, den 
deutschen Männern und Frauen, die auf den Alkoholgenuß 
Verzicht leisten, eine würdige Stätte zu bereiten. 
In hochherziger Weise haben die Erbauer des neuen 
Leipziger Hauptbahnhofes, die Architekten Professor 
William Lossow und M. sS. Kähne, Dresden, den 
ünstlerischen Entwurf und alle sonstigen Zeichnungen koftenlos 
ausgeführt. 
Inmitten eines freien Platzes, von grünen Bäumen um— 
rahmt, ist das „Königin-Luise-Haus“ vor einem Monat er— 
zffnet und kann jedem Reformgasthaus als Muster dienen. 
Alle Geräte⸗ und Wirtschaftsräume befinden sich im Keller⸗ 
zeschoß und besonderes Interesse wird sicher jede deutsche 
dausfrau der mustergültigen Kücheneinrichtung entgegenbringen. 
Dem großen Gastzimmer im Erdgeschoß schlieht sich eine 
uftige Veranda an und im ersten Stod befinden sich die 
Gastzimmer und Gesellschaftsräume, ebenfalls mit schöner, 
offener Veranda. Im zweiten Stod hat die Leiterin und das 
gesamte Personal dieses Reformaasthauses Wohn⸗ und Schlaf⸗ 
amte. 
Zum Einweihungstage des Völkerschlachtdenkmals waren, 
oweit es möglich, die Fensterplätze auch für 8 und 5M 
ermietet. Jeder, dem es vergönnt war, der erhabenen Feier 
dvem Luisen-Haus gegenüber beizuwohnen. war des Lohes 
über das neue Gasthaus, dieses Werk deutscher Frauen, voll, 
mochte er nun abstinent sein oder nicht, so daß der Freundes⸗ 
treis des edlen Werkes sich sicherlich noch mehr erweitern wird. 
Dem Ehrenausschuß zur Errichtung des schönen Baues 
gehörten unter anderen auch die Großherzogin Marie von 
Mecklenburg-Schwerin, die Prinzessin Therese von Bayern, die 
zedeutendsten Pädagogen Deutschlands, unter ihnen auch der 
dübecker Schulrat, Prof. Dr. Wychgram, sowie namhafte 
Mediziner, Juristen, Theologen u. a. an. 
Allerdings sind noch bedeutende Mittel zur Aufrechterhal⸗ 
ung des Werkes erforderlich und so brachte auch die Auf—⸗ 
ührung „Königin Luise“ von Rosa Voigt und Dr. 
Margarete Stegmann, im Residenztheater zu Dresden am 
3. 15. und 18. Oktober, ein nettes Sümmchen fur das 
tönigin-Luise-Haus in Leipzig, das gegen recht mäkige 
Preilse vorzügliche Wohnung und Nahrung bietet. 
Helene Grube. 
die Grundfteinlegung der Deutschen Bücherei. 
Aus Leipzig wird uns geschrieben: 
Im Anschluß an die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals 
fand, wie schon telegraphisch berichtet, Sonntag vormittag 
in Leipzig die Grundsteinlegung der Deutschen 
Bücherei statt. Der für die Deutsche Bücherei von der Stadt⸗ 
gemeinde Leipzig zur Verfügung gestellte Bauplatz, der über 
2000 qm groß ist, befindet sich im Südosten der Stadt an 
»er Karl⸗Siegismund-⸗Straße, in der Nähe des Völkerschlacht- 
»enlmals, nicht weit vom Deutschen Buchhändlerhaus entfernt. 
fs grenzt auf der einen Seite an die neue Königl. sächfische 
Taubstummenanstalt, deren Gebäude im Rohbau zum Teil schor 
»ollendet dasteht, auf der Rüchseite an den Johannisfriedhof, 
o daß für eine spätere Erweiterung der Gebäude Raum vor— 
anden ist. Die Baukosten, die auf 3 Millionen Mark veran— 
chlagt find, werden vom sächsischen Staat getragen. Die von 
em Baumeister Geh. Rat Waldo weDresden een Plane 
ind im engsten Eiwernehmen mit den bibliothekarischen Fach⸗ 
euten bearbeitet worden. Um die Aufgaben der Deutschen 
zücherei in wirksamer Weise zu fördern, hat sich auf den 
lusruf des geschäftsführenden Ausschusses hin eine Gesell⸗ 
chaft der Freunde der Deutschen Bücherei zu— 
ammengeschlossen, die heute bereits 5000 Mitglieder zählt. Der 
RAönig von Sachsen hat in den letzten Tagen das Pro— 
ektorat über diese Gesellschaft übernommen. 
An der Feier der Grundsteinlegung nahmen teil König Fried⸗ 
rich Auguit von Sachsen, Kronprinz Georg von Sachfen, der 
Bruder des Königas Prinz Johann Georg, der Herzog⸗Regent 
»on Braunschweig Herzog Johann Albrecht, die Bürgermeister 
Dr. Barckhausen von Bremen und Dr. Eschenburg von 
ü beck. die sächsischen Staatsminister Dr. Bech. Frhr. von 
Hausen, Or. Nagel, Vr. von Seydewitz, Graf Vitzthum von 
Eckstädt, der Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück, der Präsi— 
dent des Reichsgerichts Frhr. Dr. v. Sechkendorff, Geh. Nat Prof. 
Dr. Lamprecht und zahlreiche Vertreter des deutschen Buchhandels 
und des deutschen Schrifttums. 
Kommerzienrat Karl Siegismun dsBerlin, der Erste Vor⸗ 
steher des Börsenvereins, hielt eine Ansprache, in der er 
auf die Förderung hinwies, die der Gedanke der Deitschen 
Bücherei durch den verstorbenen preußischen Ministerialdirektor 
Dr. Althoff ersahren habe. Dem Mitglied des 
Börsewereinsvorstandes Dr. Ehlermann sei es vorbehalten 
zeblieben, im Mai 1911 durch seine Dentschrift ũber die Er— 
ichtung einer Reichsbibliothek größere Kreise von der Not⸗ 
vendigkeit einer Sammelstelle aller durch den Drud verviel⸗ 
ãltigten deutschen Geistesprodukte überzeugt zu haben. In 
»en Verwaltungskörper seien Fachmänner aus Norde und Süd⸗ 
»eutichland, Oesterreich und der Schweiz berufen; die Staats⸗ 
egierungen von Sachsen, Preuhen, Bayern, Württemberg, Ba—⸗ 
den und Hessen entsandten die Direktoren ihrer Landesbiblio- 
heken in den Verwaltungsrat. Es sei die Gewähr gegeben, 
daß die Deutsche Bücherei sich zu einem nationalen Zentral⸗ 
nstitet der deutschen Geisteswissenschaften entwideln werde. 
Der Redner schloß mit einem Hoch auf den König. 
Hierauf verlas der Schriftfjührer im Vorstand des Börsen⸗ 
ereins, Georg Kreyenberg⸗Berlin, die Urkunde, die mit 
mderen Schriftstücken, Druchsachen und Münzen in dem Grund⸗ 
tein aufbewahrt werden soll. Sodann erfolgten die Ham mer—⸗ 
ch läge auf den Grundstein, wobei u. a. solgende Weihesprüche 
zehalten wurden: 
Der König: „Dem Reiche zur Ehr‘, dem Lande zum 
Wohle, den Arbeitenden und Gewerbtätigen zum Nutzen!“ 
Staatsminister Graf Vitzthum von Edstädt: „Freie 
Statt für freies Wort, freier Forschung sicherer Bord, reiner 
Wahrheit Schutz und Hort!“ 
EStaatsminister Dr. Deübrüd: „Drei Tugenden haben ven 
deutschen Buchhandel auf die Höhe geführt. Umficht, Tat⸗ 
kraft. Opfersinn für die nationale Bedeutung geistiger Güter. 
Mögen diese Gefühle der Deutschen Bücherei festelter Grund⸗ 
stein sein!“ 
Ferner hielten Weihesprüche: Der Erste Vorsteher des Bör⸗ 
ienvereins Kommerzienrat Karl Siegismund, der Oberbürger—⸗ 
meister von Leipzig Dr. Dittrich, der Präsident der Ersten 
achsischen Kammer Graf Vitzthunr von Edstädt, der Präsident 
der Zweiten Kammer Dr. Vogel, der Vorsteher des Deutschen 
Verlegervereins Arthur Meiner, der Direktor der Deutschen 
Bücherei Dr. Wahl, der Baumeister der Deutschen Blicherer Geh 
Rat Dr. Waldow. 
Aus Anlaß der Grundsteinlegung ernannte ver König den 
Kommerzienrat Siegismund zum Geh. Hofrat g
	        
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