Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

AR 
— 1** 
Ausgabe A. 
Tagesbericai. 
Die Meistervrũfung haben die Kupferschmiede H. R. F. 
Kod und W. F. J. Wiuß, sowie die Buchbinder H. F. A. 
Muüller, C. M. L. Westphal und F. W. O. Karl Runge am 
16. Okt. d. J. vor der hiesigen Meisterprüfungskommission fr 
das Handwert der Kupferschmiede bezw. der Buchbinder be— 
tanden. 
Neues Bahuprofelt. Nachdem verschiedene Kleinbahn⸗ 
projekte im Kreise Herzogtum Lauenburg vo rlãufig abgelebnt 
oder gänzlich gescheitert sind, sucht man die Ortschaften dieses 
Kreises für einen neuen Plan zu interessienen. Eine banerische 
Aktiengesellschaft vlant den Bau einer Bahn von Buchen 
lber Sandesneben, Bahnhof Kastorf nach Ni en⸗ 
dorf (Station der LübeckHamburger Bahn). Vorläufig 
wurden von den einzelnen Gemeinden Erkundigungen über 
Bedürfnis und Unterstützung in bezug auf den Bahnbau einge⸗ 
sogen. 
Der Kraftomnibus Sandesneben — Bahnhof Kastors— 
Lubedt ist nun seit reichlich 14 Tagen in Betrieb. Dies neue 
Verkehrsmittel wird von der Einwohnerschaft der verschiedenen 
Orte sehr stark benutzt. An einzelnen Stationen müssen in 
der Regel Fahrgäste zurückgelassen werden, weil das Auto 
berfullt ist. Der Platz ist für 18 Personen berechnet. Wenn 
die starke Frequenz anhält, durfte diese Verkehrsgelegenheit 
bestimmt zu einer dauernden werden. — Der Autoomnibus 
Msölin—Bahnhof Kastor s—zSandesneben hat z. Zt. 
seine regelmähigen Fahrten eingestellt. Wegen Chaussee⸗ 
bau fährt er nur bis Kühsen. Wie verlautet, wird auch dieses 
Auto nach Fertigstellung des Weges wieder die volle Tour 
laufen. 
Städtische Badeanftalten. Bäderabgabe im Sevtbr. 1913. 
L. Badeanstalt Krähenteich: N. Badeanstalt Fallendamm: 
Herren⸗Damen⸗ Herren⸗ Damen⸗ 
bad bad bad bad 
7604 4628 5215 3624 
Her Ausschuß Der Ausschuß 
ür den freien ür den freien 
Schwimm⸗ Schwimm⸗ 
unlerric 3156 24097 mierricht 1776 1748 
7070 71838383 901 33689 
zusammen 17 886 zusammen 12 360 
September 1912 420o1 September 1912 4614 
1913 mehr 13684 1913 mehr 7 746 
vom 11./5. bis 30./9. 355 vom 3/5. bis 30./0. 85 866 
18./8. 360./9. 1912 982347 15/5., 30./9. 18512 84 5339 
1913 mehr 20008 1913 mehr 1327 
—ADDD 
1912 11 130,20 1912, 9286509 
1913 mehr AIIG, 80 1913 mehr 334,10 
i59 Straftammer DI. Sitzung vom 17. Okt. Wegen 
Da ebst a IIs wurde das Lehrmädchen Helene Ni. aus Rense— 
seld durch Urteil des Schöffengerichts zu Schwartau vom 
4. Sept. J. J. zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche ver⸗ 
urteilt. Sie wirde schuldig befunden am 17. Juli in einem 
Straßenbahnwagen der Linie Lubed-Schwartau bei. dem Aus 
eigen in Schwarlau einer Frau Kr. während diese sich mit 
ihrem Kinde beschäftigte. die Handtasche mit etwa 20 M In— 
halt weggenommen zu haben. Die von der Angeklagten gegen 
dieses Urteil eingelegte Berufung wird verworfen. — Wegen 
Körperverletßung wird gegen den Gaäastwirt Ernst Ro. 
aus Stogelsdorf derhandelt. Am 2. Juli saß ein Arbeiter Brede 
in, der Wirtschaft des Angeklagten und reizte diesen durch 
alleilei abfãllige Bemerkungen. Dem Angeklagten wurde dieses 
schließlich lästig. Er forderte daher den Brede, als dieser 
noch schelnde Redensarten, über eine vom Angeklagten er⸗ 
hallene Zigarre machte, auf, sein Lokal, zu verlassen. Als 
Srede der Aufforderung nur sehr zögernd nachkam, schob der 
AÄngeklagte ihn us der Gasistube hinaus, in ein vor der 
Gasisiube liegendes Vorzimmer. Brede behauptet nun, er sei 
von, dem Angeklagten rüdlings aus der Gaststube hinausge— 
worfen worden und * mit dem Rücken gegen die Ecke eines 
m Vorzimmer stehenden Tisches gefallen. Dadurch habe er 
ich eine Rippenquetschung zugezogen und daran e 
jei er an Rippenfellentzündung erkrankt. Das Schöffengericht 
*chwartau erkannte am 21 Nuand J auf Freisprechung des 
Offizierstoöchter. 
Roman von Paul Grabein. 
(6567. Fortsetzung.) MNachdruck verboten.) 
„Ein paar Monate wird's unter allen Umständen wohl 
saoch dauern. Ich habe zwar gute Empfehlungen, doch bis 
das so seinen Instanzweg geht —“ 
„Ja, ja,“ nickte Klaus, und sie sprachen noch ein paar 
Worte weiter darüber. Dann erhob sich Kyllburg. 
„Es tut mir leid, meine Herrschaften, aber, wie gesagt, 
meine Zeit ist herum.“ 
„Wie schade!“ Aftrid rief es. „Ich hätte so gern noch 
Näheres von Ihnen gehört. Wissen Sie was? Kommen Sie 
heute nachmittag zu mir zum Tee. Gerda ist auch da. Die 
wird es ja gleichfalls riesig interessieren.“ 
Doch Kyllburg verneigte sich mit einer Bewegaung des Be— 
dauerns. 
—„Vielen Tank, meine gnädige Frau. Aber leider ganz un⸗ 
möglich. Ich erwarte heuite nachmittag meinen Lehrer, den 
Herrn vom Orientalischen Seminat — wie alle Nachmittage 
ietzt. Ich muß Kisuaheli pauken, mit Hochdruck.“ 
„Ach, Sie sind gar nicht mehr nett, Herr Kyllburg!“ 
„Ich bedaure aufrichtigst, meine gnädige Frau. Aber selbst 
auf die Gefahr Ihrer allerhöchsten Ungnade hin.“ 
Mit scherzhaftem Tone sagte er es; doch der Ernst seiner 
—38 stand dazu in seltsamenm Widerspruch. Da sah ihn 
Astrid plötzlich mit einem aufmerkenden Blid an und quälte ihn 
nicht weiter. Kyllburg verabschiedete sich nun. 
Als später, am Nachmittag, Gerda bei ihr war, erzählte 
sie dieler von der Begegnung mit Kyllburg und seinem Ent— 
ichluß. Sie beobachtete dabei die Schwester, die diese Mit— 
teilung jedoch sonderbarerweise ohne jedes Anzeichen einer 
Ueberraschung hinnahm. Da forschte Astrid: 
„Ja, wundert dich das denn gar nicht ?“ 
Gerda verneinte stumm. Nach Kyllburgs Verabschiedung neu⸗ 
rich war sie auf einen solchen Schritt bei ihm gefaßt gewesen. 
Ja, sie hatte ihn erwartet. 
Da schüttelte Astrid das blonde Haupt. Aber sie schwieg. 
Als sie dann wieder zu der Schwester hinsah, die so flill dasak, 
aber mit einem Hauch von Traurigkeit. der Astrid ins Hera 
n *ze 
st 
W 
Sonnabend, den 18. Oktober 19153. 
Abend⸗Blatt Nr. 529. 
ngetlagten, weil nicht festgestellt werden fönne, daß der 
zrede infosge des Hingusstoßens aus dem Gastzimmer gegen 
ie Tifchede gefallen, sei. und, ferner, daß die Rippenfell- 
ntzündung in ursächlichem Zusammenhang mit der angeb⸗ 
chen, Rippenquetschung stehe. Gegen dieses UArteil hat Brede. 
er sich der dffentlihen Klage ais Nebenkläger angeschlossen 
alte. Berufung eingelegt. Heute wird der Angeklagte wegen 
rlasiger Koörperverletzung I 10 MuGeldstrafe verurteilt. 
Fegen Befteinssund Biebstahls im Rüdfalle hat 
sch der Handlungsgehilfe Oskart Hi, aus Krefeld zu verant⸗ 
Brten. der sehr oft vorbestraft ist, darunter einmal wegen 
ehleter und dreimal wegen Diebstahls. Am 8. Sept. bettelte 
er Angekiagte, in Malente. Dabei jam er in das Haus des 
chuhmachers Hagen und nahm dort von einer auf der Vor—⸗ 
ieie stehenden Kommode fünf Handtücher weg. Der geständige 
Ungeklagte wird wegen Bettelns zu 4 Wochen Haft und Ueber⸗ 
beifunge an die Landespolizeibehörde, wegen Diebstahls zu 
Monaten Gefängnis verurteilt. — Wegen Sitten⸗ 
erbrechens naches 176 Nr. 3 des Str.G.B. wird der 
dreschmaschinenführer Friedrich Sch. aus Neuhof zu einer Zucht⸗ 
aussirafe von 1FJahr und 9. Monaten verurteilt, unter Ab⸗ 
rlennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. — 
Begen Körperv e wurde die Ehefrau Dorothea 
gus Fiffau am 30. Aug. d, J. vom Schöffengericht zu 
tin zu 15, Me Geldstrafe eo. 8 Tagen Gefängnis verurteilt. 
Swurde festgestellt. daß die Angeklagte am 20. August der 
hefrau e Br. nach borguüfgegangenem Wortwechsel mit einer 
zeugabel auf den Kopf, geschlagen habe. Die von der An— 
Aen gegen das Urteil eingelegte Berufung wird ver— 
vorfen. — 
b· Neue altuelle Bilder im Schaufenster der Lüvzärchen 
Anzeigen: 1. Völkerschlachtdenkmal bei, Leipzig. — 3. Die 
russische Gedächtniskapelle auf dem Schlachtfelde bei Veipzig. 
—3. Das Gordon-Bennett-Wettfliegen der Freiballons 1913. 
— 4. Brand des Dampfers „Volturno“. — 5. Ueberschwem— 
oe Indien. — 6. Neuer Weitflug-Weltrekocd Viltor 
Stoefflers 
E 
und Sunerintendentur-Bertreter sur den Kreis Herzog!um Lauen⸗ 
hürg ernannt. TodesfallI. Pastor emer. Arndeta der 
Dahre in Gudow als Seelsorger amtierte und am 1. April 
d. J. in den Ruhestand trat, verstarh in Lübeck. 
IBüchen, is. Ditt. Geplante Kleinbahn Geest- 
a cht —Besch en. KAm 14. Okt, fand im Gasthaus Schulz 
ierfelbst eine von Vertretern der Landgemeinden und anderen 
Inleressenten gut besuchte Versammlung des Komitees zur Er— 
zauung einer KleinbahbnponGeesthacht üj ber Gün zo w 
in h Burch en unter dem, Vorsißz von Eduard Kiehn, Börnhen 
ind mit Teilnahme von Tr.e«Ing. C. S. Gleim, Vorstand, der 
zergedorf⸗ Geesthachter Eisenbahn⸗A.⸗G. in Hamburg, statt. Nach⸗ 
em mitgeteilt wurde, da die Pläne und Grunderwerbsverzeich 
risse der Rahn vollständig fertiggestellt und dem Vorsitzenden übern 
eben worden seien, kam ein von Bautat, Bandekow in Berlin ver 
ntes wirtschaftliches Gutachten zur Verlesung, das zwei Lösunger 
ehandelte, nämlich 1. eine Verbindungsstrecke von Geesthacht nas 
üchen. deren Rentabilität nicht sehr günstig sein wird, und 2. einc 
Teilsirede von Geesthacht, über Guͤlzorn mit dem, vorläufigen End 
unkte in Lütau, die mehr zu empfehlen sei und auch die haupt- 
achlichsien Orischaflen aufschließen würde. Ta ferner einer Ein 
uͤhrung der Kleinbahn in den Bahnhof Büchen bezw. einem An 
hluß an die Staatsbahn dort zurzeit wegen der, in Ausflührun⸗ 
egrjfenen Erweiterungsbauten große, Schwierigkeiten entgegen 
hen und noch nicht bestimmt it. ob auf der Hamburger vde 
auenburger Seite des Bahnhofes Büchen angeschlossen werde. 
ann, so steht auch noch in Frage, ob die Forffetzung von Lütan 
ach Büchen über Wangelgu—Franzhagen oder über Dh 
Führt werden muß. In Anbettacht, der so gelagerten Verhält 
ise beschioe das Komisee, mit allen Kräften den Bau der Teil— 
recke nach Lütau zu fördern und die Verbindung nach Büchen vor 
iufig difen zu laffen. aber weiter im Auge zu behalten. Zum 
cchluüt wurde noch ein engeres Komitee gewählt, das sich haupt⸗ 
aͤchlich mit der Finanzierung der Kleinbahn beschãftigen soll. 
DSandesneben, 18. Okt. Wassermangel mach 
ich hier und in den umliegenden Ortschaften seit längerer Zei 
mmer mehr bemerkbar. Die Teiche sind vollständig ausge 
rocknet; die ergiebigsten werden leer. Der Wasserstand ist nod 
niedriger als nach dem trockenen Sommer 1011. Ein ergiebige; 
stegen wird sehnlichst erwartet. 
d. Sandesneben, 18. Okt. Der Kampfgenof 
enverein feiert am Sonntag, dem 19. Okt. den hundert 
ährigen Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig. Die Wiit 
zlieder begeben sich gemeinschaftlich zur Kirche, wo von 5 bi— 
; Uhr nachm. Gottesdienst mit Festgesang stattfindet. Von 
; Uhr an Orgelkonzert und Gesang von Domorganist Ley und 
donzertsängerin Frau Ley⸗v. d. Hellen-Lübeck. Darau 
großer Fackelzug, bei welchem patriotische Lieder gespielt und 
gesungen werden. 
Grosherzogtũmer Medlenbura. 
Veustxeli s. 18. Oktt. Todesfall. Der Oberhofmeiste 
er Frau Grosßherzogin⸗-Witwe von Mecklenburg⸗Strelitz, Kam— 
nerherr Albrecht von der Lühe, ist am Donnerstag nachmittas 
erselbi gestorben. Albrecht von der Lühe wurde am 14. Febr 
846 RNl Schwerin ———— 
Großzherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
QEutin, 18. Oktt. Dem Provinzialrat ist jetzt 
unerwartet auch noch der Entwurf einer Bauordnung für 
das Fürstentum Lübeck zugegangen. Das Gesetz erlangt nur in 
den Gemeinden Gültigkeit, die keine eigene Baupolizeiordnung 
haben. Das sind die Städte Eutin und Schwartau und die 
Hemeinde Stockelsdorf. Fur vielbesuchte Gebäude, wie Kinos 
und Gastwirtschaften, sind besondere Bestimmungen getroffen. 
— Der Gemeinderat beschloß in dringender Sitzung, 
heim Provinzialrat und Landtag dahin vorstellig zu werden, 
aß das Gemeindesteuerjahr mit dem Einkommensteuerjahr zu— 
ammengelegt wird. — Vergebung. Die Militärbehörde 
m Altona übertrug Bauunternehmer Th. Petersen hierselbst den 
Bau der beiden Mannschaftshäuser für 97000 M. 
Q.Ahrensbök, 18. Okt. Verkauft hat Gastwirt 
Wulf zu „Brauner Hirsch“ seine Gastwirtschaft an Maurer 
Lütt, Schilksee bei Friedrichsort, für 25 000 M. 
Schleswig⸗Holstein. 
—AV 
z5öheren Mädchenschule am Glinder Wege, die den Namen 
donihe ee e erhalten hat. ist Mittwoch eingeweiht. 
Der Jtattliche Bau hat 100 000 Miserfordert. Die Schule ist 
ieunklassig und hat zurzeit etwa 125 Schüler. 
DT. Neumünster, 18. Ott. Töd licher Anfall. 
Ter Schisffss⸗Schaukelbesitzer Eisenhuth ist während eines in Neu— 
nünster abgehaltenen Jahrmarktes aus beträchtlicher Höhe ab—⸗ 
gestürzt. Er erlitt einen Schädelbruch. an dessen Folgen er starb. 
TDer Mann hinterläßtt eine Witwe mit fünf Kindern. 
Lauenbaurg. 
Lauenburg, 18. Oktt. Tie Elbschmuggelange- 
egenheit, über die schon berichtet worden ist, scheint in der 
dat einen groben Umfang anzunehmen. Außer, demn NMühlen— 
esitzer Schroͤder in Barförde wurde am 15. Oitt. in Bledede der 
ropianthändler Burmester und am 16. Okt. in Wendewisch der 
Rühlenbesitzer H. Schröder, der Sohn des Minlers Schröder 
un Barförde. verhaftet. Man spricht noch davon, dan der 
Tod eines am Sonnabend voriger Woche bei Tömit als Leiche 
ingetriebenen Bootsmannes des bei Lauenburg beschlagnahmten 
dahnes mit dieser Angelegenheit in Verbindung stehe. 
B. Ratzeburg, 18. Ott. Führung der Superinten— 
enturgeschäfte. Tas Königl. Konfistorium hat Pastor 
Löwe hierselhst Rum Vorsfikenden des Kreiesynodal- Ausskufes 
Zuftfahrt. 
Friedrichshafen, 17. Okt. Auf der hiesigen Zeppelin-Luft 
chiffwerft geht das für die Militärverwaltung bestimmte Luft⸗ 
chiff „3 6“ (O 3 21) der Vollendung entgegen. Die ersten 
drobefahrten werden Ende des Monats stattfinden. 
Königsberga, 17. Okt. Flieger Friedrich, der heute 
rüh in Johannisthal aufgestiegen war, ist gegen 4 Uhr 
iachmittags hier glatt gelandet. 
Wuürzburg, 17. Okt. Der Flieger Wietung, der um 
21/4 Uhr morgens vom Flugplatz Johannisthal abgeflogen war 
andete hier um 1114 Uhr vormittags glatt. 
W. Der Flieger Kaspar ist in der Nacht zum Freitag ur 
2 Uhr in Hamburg-Fuhlsbüttel aufgestiegen, um sich einen 
zreis der Nationalflugspende zu erwerben. In der Zeit von 
2 bis 6 Uhr Freitag früh durchflog Kaspar die Strecke 
wischen den beiden Kontrollstationen in Fuhlsbüttel und einem 
Irte 12 kmm nördlich 24mal hin und zurück ohne Unterbrechung 
ind landete dann wieder in Fuhlsbüttel. Nach Aufnahme von 
zenzin startete er abermals um 7 Uhr 24 Min., um nach 
Breslau weiterzufliegen. Er beabsichtigt, von dort nach Ham⸗ 
hurga zurückzufliegen 
schnitt, da erhob sich diese plötzlich in einem unabweisbaren Ahnen 
und kam zu ihr him. 
„Gerda“ — sie legte der Schwester den Arm um den 
dals und sagte leise: „Du brauchst mir gar nichts zu sagen 
— nichts. Aber jetzt verstehe ich erst alles. Du Arme, Arme!“ 
In dieser Stunde ermaß zum erstenmal ein anderes Herz das 
Leid, das Gerda Keßhßler trug. 1 
* a 
Der Frühling kam, und es kam eine Zeit, da sah Gerda, 
venn sie allein mit sich war, oft still mit gefalteten Händen 
ind träumte vor sich hin. Aber ein verklärtes Leuchten war 
auf dem Antliztz. 
Was sie für ein Kränkeln gehalten hatte, war ein nur 
u natürlicher Zustand gewesen; es war ihr jetzt zur Gewis 
heit geworden. Die große Verheißung da draußen war auch an 
ie ergangen: Mutterglüd war ihr beschieden. 
War das nicht wie eine Gabe des Schidsals, das an ihr 
sutmachen wollte, was es gefehlt hatte? War nun nicht 
hrem Leben wieder ein Ziel gegeben, ein Inhalt? 
Und selbst das Verhältnis zu ihrem Manne hatte nun 
vieder etwas Imnerliches bekommen. Sah sie in ihm doch 
ortab den Vater ihres Kindes. 
Auch Heinz seinerseits blieb nicht unberührt von diesem 
Wandel der Dinge. Er war wieder froh, liebenswürdig und' 
iufmerlsam zu Gerda. Der Stolz des angehenden Vaters, eine 
itterliche Tankbarkeit gegen die junge Mutter. 
Und er wurde eine Zeitlang häuslicher. Freilich, es hielt 
iicht aĩlzulange vor. Seiner lebhaften Natur ward dieses 
zerumsitzen im Hause bei einer schonungsbedürftigen Frau bald 
u viel. Er blieb wohl noch, aber man merkte ihm den 
zwang an. Seine gute Laune litt stark darunter. 
Da war es wieder Gerda selber, die ihn hingausschickte, 
vie es ihn ja einmal verlangte. Aber es geschah jetzt ohne 
neimliche Bitterleit. Würde sie doch nun bald ein anderes 
WVesen ihr eigen nennen. Ein kleines junges Menfchenkind, 
»as ganz ihr gehören,. das täglich und stündlich um sie fein, 
»as sie immer brauchen, immer nach ihr verlangen würde 
nit seinen weichen, zarten Händchen — und es durchwogte fie 
in seliges Glücksgefüchl. Mochte da Heinz ruhig seinen Ge⸗ 
vohnheiten nachgehen. Weunn er nur dabei bie— letzten und 
—— — Wccc 
ernstesten Pflichten gegen sie nicht verletzte. Pflichten, die ihm 
ietzt donpelt heilig sein munsten. 
So ging die Zeit dahin. Astrid war jetzt oft bei Gerda 
m Hause. Sie freute sich mit der Schwester auf deren Gluüd. 
ind die beiden jungen Frauen saßen viel zwischen rosenfarbenen 
Bzändern und duftigen Spitzen, die sich unter ihren geschickten 
händen zu allerliebsten winzigen Hüllen für „Baby“ ver— 
vandelten. 2 
Und es war zwischen ihnen so auch oft schon die Rede 
don dem erwarteten kleinen Gast. Die Hauptfrage war stets: 
vas ein gröhßeres Glück für die Mutter sei — ein Knabe 
»der ein Mädchen. 
„Natürlich ein Junge!“ entschied Aftrid sosort. „Da stedt 
doch ein ganz anderes Temperament drin.“ 
Aber Gerda wiegte leise den Kopf. 
„Rein, lieber ein Mädel.“ Und in thre Zuge trat ein 
nniges Sehnen. „Ein liebes, anschmiegendes Ding, das fräter 
inmal bei einem im Hause sitzt. So ein Junge ist so nest⸗ 
lũchtia. Was hat man von ihm?““ Aber nahh einer Weile 
»es Sinnens fuhr sie nachdenklich fort: „Und doch! Man sorll 
a nicht an sich denken. Wenn man aber so vorausblickt, 
vie es einmal später sein wird, da möchte ich fast sagen: 
ieber ein Knabe.“ 
„Wieso das ?“ 
„Nun, der hraucht doch einmal, wenn er großt ist, nicht 
u warten, wie unsereins, bis das Glück zu ihm kommt. Ein 
MNann schafft fich sein Glück selber. Und überhaupt.“ ihr 
Antlitz wurde noch ernster, „wir Frauen! Unsere Natur weist 
ins auf die Ehe hin, trotz aller Frauenbewequng. Der Beruf 
leibt für uns immer nur ein Notbehelf. Aber Ehe und Gluͤck 
es dect sich nicht immer das eine mit dem anderen. Ein 
Mann dagegen — ich glaube, die meisten finden ihre wahre 
zZefriedigung ja immer mir im Beruf. Sie koͤnnen daher, 
venn ihre Ehe ein Mikgriff war, nie so ganz unglücklich 
verden wie unsereiner.“ 
Astrid wuhte nichts zu erwidern. Hier toönte ja wieder 
nit duntlem, klanglosem Schwirren jene zerrissene Saite in 
herdas Brust * 
Morktlekund tolat.
	        
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