Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Zur Einweihung des Völlerschlachtdenkmal⸗ in Leipzig. 
dem Prasidenten des Senats der freien und Hansestadt Lũbed, 
S Magiisienz Dr. Georg Elchenburg, der, wie schon 
herichtet, am Sonnabend, dem 18. Okt., in Leipzig an der 
e ungefeier des Volkerschlachtdenkmals teilnehmen wird, 
ist, wie wir den Leipziger Neuesten Nachrichten entnehmen, 
Kämmerherr v. d. Sabelentz Linsingen zugeteilt. Se. Magqni— 
ftizenz Dr. Eschenburg wird Wohnung bei Herrn Stadtrat Geh. 
Kammerzienrat Rehwoldt einem geborenen Lü— 
beder), Karl-Tauchnitzttr. 29, nehmen. Die Ankunft in 
Leipzig erfolgt Freitag, den 17. Okt. nachmittags 3 Uhr 
95 Min. auf dem Hauptbahnhof. 
*Lübecker Familiennanten. In der gestrigen Ver— 
sammlung, des Vereins für lübeckische Geschichte 
Ach ich 
und Altertumskunde hielt Herr Geheimer Re— 
erungsrat, Professor Dr. Schrö der, aus 
Seditinagen, einen Vortrag über Lübeder, Familiennamen. 
Einleilend hob Redner hervor, daß er nicht begabsichtige, eine 
Ramendeutung zu geben, da eine solche mit einiger Sicherheit über- 
zaupt nicht möglich sei. Seine Ausführungen würden sich piel- 
mehr auf Ursprung, Herkunft und Bildung lübeckischer Familien⸗ 
namen erstrecken. Im allgemeinen dürfe man sagen, daß die hiesige 
Ramengebung der überall in Deutschland. üblichen entspreche; 
rubed weise in dieser Hinsicht keine charakteristische Eigenart auf, ja 
nan dürfe sogar behauptun daß in der lübeckischen en 
die Spiegelung der Gesamtkultin nicht immer von der Schärfe 
sei, wie datte erwartet werden dürfen. Immerhin biete auch 
das Etudium der lübeckischen Familiens und Taufnamen wäh— 
rend eines Zeitraumes von achteinhalb Jahrhunderten großes 
Interesse und historischen Wert. Nach einigen kurzen 
Betrachtungen über Namenschöpfung und Ramenwahl 
disng Ablauf des ersten Sahrlausfends nach Chruts 
führte Redner weiter aus, im Ausgang des 12. Jahrhun⸗ 
derts treffe man auf die ältesten lübeckischen Namen. Es seien 
einige Hunderte und fast ausschließlich germanischer Herkunft, 
vgleich docz Ddec dereit in ben awchen Gevigt —*8 
habe . Woher die, Träger dieser Namen wie Westphal. West— 
heling, von Attendorn, von Warendorp, von — 
w. stammten, sei unschwer zu erkennen, nämlich aus Westfalen 
Tort fänden sich denn auch satsächlich um dieselbe Zeit diefelben 
Namen und dieselben Variationen derselben. Tieser Zustand er 
zalte sich bis etwa in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderis 
Tann aber ändere sich das Verhältnis ganz wesentlich. In der 
Jolgezeit träten in Westsalen zahlreiche ne Hofnamen auf. 
ie hier in Lübec völlig fehlten, was darauf —— 
ei, dan nur die jüngeren Söhne aus Westsalen —— 
seien und, den väterlichen Hofnamen nicht mit in die Ferne ge— 
nommen hätten. Weitere zahlreiche Lübecker liehen erkennen. 
daß ihre Träger aus Medlenburg, Holstein, Lauenburg und dem 
hannoverschen Wendlande stammten. Als diefe Herkunftsbezeich— 
pon nicht mehr ausgereicht habe, sei zu Bezeichnungen nach der 
elpes Beschaffenheit, z. B. Jütt, groot usw. nach dem Ge— 
wer ̃ beisrielsweise Schrieber, Timmermann, Echomaker u. a 
Ariften worden. wonn fich auch Scherz und Spotinamen ge— 
n Veten MWegne de er e solcher 
— 
e e eet — dα—,e 
Weauf, und das Adreßbuch von 1866 zei s 
6 Schneider gegen eine grohe Ueberzahl von S dene ist 
Dereoe pon 1708 nhalt⸗ —— —S—— 53 
ne 1896 verzeichne es 7 Krause neben 19 Kruse; 1909; 
Frause neben 68 Kruse In güen diesen Falen werde es sich 
Ilerdinas nicht um, Verhochdeutschungen von Namen hiesiger 
Linwohner. sondern in der Hauptsache um Einwanderungen don 
hrauses und Kruses handeln. Wenn dagegen neben Möller 
Vutter. neben Timmermann Zimmermann, neben Niemann Reu— 
mann, neben Schomaker oder Schomann, Schuhmacher und Schu— 
7 —, d 5 8 durch die Schreiber 
be lassen, handele ich i 
dgrtache um Verhochdeutschung er Mah a 8* 
.Die rein, oberdeutschen Bezeichnungen Metzger 
Sdteiper uw. ottie haihe.aitemann he und andere Ramen 
* ien hier außerordentlich selten. woraus sich ergebe, daß frotz 
Isaanen und daüaiten 8* Bevolterung Labeds 
Taufnomen Konrad ů 8* — 
Haul, Andregs Loren 3 “ 
erp Aphnn Nikolaus, Georg, Joachim, 
ina. Marg 9 i 
d he zur Reformation nach den sthe ae 
„ ee e verin 3 seien. Später hätten 
— ——— mne amen der Apostel, die 
f amen b ie i 
——— ga deue diet Nandie ngett 
b —— —313 seien nur die 
gust. — ie im 17. ahr⸗ 
——— 
— —— ——— ug 
ruf die Familientradifion kein sond Ie dedi rden 
die eiligntadition sein eeee Ve gelegt worden 
nderungen der Männernamen — daget ee 
dermann uswe in undeuffcheft nge gent e 
— — er Weise in Karoline, Ernestine 
nine, ine ufw. übli jen; 
Ve — — 8 puine on 3 subig 8 
85 a ber hätte i i 
ei gleichfalls unschönen ittenndiee Jangheen sb 
e — gefallen laffen müfsfen.Der heiteren fröhlichen 
338 Rokoko entstanimten die Namen Charlotte, Jeanette, 
—* usw. Namen, wie Fanny, Lilly usw sejen englischen 
7 qe Namen, wie Theodor und Ferdinand, stammten aus 
ret ebhaften musikalischen Empfindens im 17, und 18 
—* ert, wãhrend. das 19. und 20. Jahrhunderi in dieser 
Ans eine starke Abstumpfung aufwiesen. Der Geschmad 
Ahe enepeben des 17. und 18. Jahrhunderts habe nach 
An o eine starke Wellen geworfen. Das lübedische Adreß- 
en 1866 beispielsweise zeige noch eine merkwürdig ali— 
c Aamengebuuo während in anderen Teilen Deutschlands 
ids es verstärkten Einflusses der Literatur, des erwacht 
ꝛ Znagefühis. sowie der Freude an den großen Mäaä — 
—8* Wasenen und Gegenwart, Namen, wie Hermann aͤgen 
edee Wolfram, Karl Wilheim un a gegenüber — 
— amen · hevorzugt würden. Ueber die gegenwärti — 
r pne in der Namengebung laffe sich sagen daß n 
—— nwee der germanischen der Vorzug Fegeben werde 
beeedah oft auch gedankenlos und unter Vernachläffi 
saͤtn iheniadshii en werde. Nicht viel zu en 
h n Dopp 
e enamen. — Der Vortrag fand überaus 
gw. 
ge n pee Alliährlich veranstaltet dieser 
dan one anth atistische Erhebung, deren Ergebnis für 
I Zan 3 berechnet nunmehr vollständig vorliegt. 
Sie geben ein erfreuliches Bild d 
enen i es unausgefetzt fort⸗ 
eedene achsens der Deutschen Turnerschaft; die in Klam⸗ 
— eee Zahl bedeutet jeweilig den Stand vom 1. Jan. 
8 n 8231 (8633) Orten mit zusammen 48 Mitlionen Ein— 
— horten zur Deutschen Turnerschaft 10951 (10 265) 
In ze o ein Mehr von 686 Vereinen. Die Gesamtzahl 
n er 14 Jahre alten männlichen Mitglieder beträgt 
— meht 
Je dnet —“ die n d Vereinen turnenden 68 148 Frauen. 
en und 33 229 Mädchen, so ergibt sich ei 
sntzabt von 1315 461 eree edeete — 
Paen 91218 oder 7,46 “0. Im Alter von 14-17 Jaheen 
198 183, von 18-20 Jahren 181 701 mannliche Nin 
up er. Das Frauenturnen wird gepflegt in 2005 Vereinen, 
dar Zuebenurnen imn isos und das Gadchentutnen —* 
— Vereinseigene Turnhallen gab es am 1. Sanuar 
—8 904, sowie 1721 Turn- und Spielplätze, während 2190 
e in Gemeinde- und Schulturnhallen turnen — In das 
Heer find 40349 Mann aus 9508 Vereinen eingetreten. Der 
.Kleis „Norden“ der Deutschen Turnerschaft, umfassend! 
Schleswig⸗Holstein, Hamburg, Lübeck und Medlenburg, zählt 
56 Vereine mit 87171 männlichen Mitgliedern über 14 Jahre 
ilt, 3600 »Frauen, 10974 Knaben und 5648 Mädchen. 
m. Die Zunahme der Richter in Deutschland. Die im 
Neichsjustizamt bearbeitete neueste Deutsche Justiz⸗-Statistik 
tellt interessantes Ziffernmaterial über die Zunahme der richter— 
ichen Beamten aller Instanzen mit Ausnahme der des Reichs— 
gerichts und des Bayerischen Oberlandesgerichts auf. Danach 
ergibt sich seit dem Jahre 1883 mit 6955 Richtern in zwanzig 
Jahren eine Zunahme um 3,222 Personen oder 46,5 90, da 
im 1. Jan. d. J. 10107 richterliche Beamten fungierten. Im 
Jahre 1911 waren 9974 Beamte dieser Kategorie tätig, 
vährend sich das Zahlenverhältnis in den vorausgegangenen 
Jahren wie folgt stellt: 9676 i. J. 1909, 9289 i. J. 1907, 
3379 i. J. 1903, 7296 i. J. 1893 und 6055 i. J. 1883. Es 
zat also in den letzten beiden Jahren eine Zunahme der 
dichter um 203 oder 2,0 90 stattgefunden, während die 
zahl in den zwei Jahren von 1909 bis 1911 um 298 oder 
„100. und in den zwei Jahren von 1907 bis 1909 um 387 
der 4,2 00 gestiegen war. Die Zunahme hat also in letzter 
zeit wesentlich nachgelassen. Nach der Deutschen Juristen 
eitung ist, da sich die Gesamtbevölkerung in der Vergleichszeit 
im 45,2 00 vermehrt hat, die Zahl der Richter etwas stärker 
jestiegen als die der Bevölkerung. Von der Gesamtzahl der 
dichter entfallen auf die Oberlandesgerichte 822 (i. J. 1888 
24), auf die Landgerichte 3351 (2178) und auf die Amts 
jerichte 6004 (4253). Von den einzelnen Oberlandesgerichten 
zat die bei weitem größte Richterzahl der Kammergerichts- 
ezirk mit 1207 (i. J. 1903 809), so daß fast ein Achtel aller 
eutschen Richter auf diesen Bezirk entfallen. Dann solgen die 
Bezirke Dresden mit 757 (. J. 1903 627), Breslau mit 714 
645), Hamm mit 623 (465), Köln mit 530 (einschl. Düsseldorf 
;328), Naumburg mit 470 (436), Müunchen mit 432 (405), 
Celle mit 411 (2372), Düsseldorf mit 408, Königsberg mit 326 
314), Stuttgart mit 324 (295), Posen mit 316 (287), Nũürn 
»erg mit 307 (275), Jena mit 287 (266), Frankfurt a. M. mil 
285 (215), Karlsruhe mit 274 (236), Bamberg mit 273 (273), 
zamburg mit 270 (195), Marienwerder mit 230 (214), 
dolmar mit 234 (209), Kiel mit 231 (170), Stettin mit 228 
208), Augsburg mit 216 (212), Darmstadt mit 206 (182), 
Zweibrücken mit 170 (123), Kassel mit 167 (154), Rostock 
mit 134 (130), Braunschweig mit 97 (92) und Oldenburg mit 
45 (51). 
»Die nächste Briefpost nach Deutsch⸗Südwestafrika wird 
nit dem Dampfer „Saxon“ der Union Castle Line befördert, 
der am 18. Okt. von Southampton nach Südafrika abgeht. In 
Zapstadt wird die Post auf den Reichspostdampfer „Admira?“ 
er Deulsch-Ostafrika-Linie übergeleitet, der am 11. Nop. in 
Lüderitzbucht und am 12. Nov. in Swakopmund fällig ist. 
Um den Anschluß in Southampton zu erreichen, find die Sen—⸗ 
dungen spätestens am 17. Okt. mit dem Osnabrücker Schneil— 
»ug 2 Uhr 58 Min. nachmittaas von Hambura Hauptbohnbaf 
ibzusenden. 
-. Diebstahl. Am 15. d. M. ist aus dem Vogis eines 
im Geibelplatz wohnhaften Handlungsgehilfen ein grüner Ulster 
nit zwei Reihen Knöpfen und dem goldgestickten Monogramm 
F. B.“ abhandengekommen und vermutlich gestohlen worden. 
Auf dem Anhängsel befindet sich der Nane des Lieferanten; 
Roöomelow-Parchim“ 
b. Vier öffentliche, wissenschaftliche, vopulär gehaltene Vor⸗ 
räge über naturgemäße Ernährung und Lebensweise und die 
Wege zur vollfommenen, körperlichen Gesundheit, geist'ner, 
öherer Enwieen und innerer Harmonie finden am 16. 17 
3. und 24. Oktober im weißen Saale der Stadthalle statt 
lUls Vortragende wurde die bewährte Rednerin Fräusern A 
itner ous Kamburo neme* 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der A. uud ZL⸗t, — 
Die medlenburgische Verfassungsfrage. 
Rostoc, 16 Okt. Der Wiedereröffnung des mecdlen— 
hurgischen Verfassungslandtages am kommenden Montag in 
Schwerin wird im ganzen, Lande mit großer Spannung ent— 
degengesehen. Das Reskript des Großherzos von 
Szchwerin an die Stände führt zum Schluß aus: „Aus den 
⸗orstehenden Darlegungen ergibt sich, daß nur noch eine ver⸗ 
ʒältnismäßig geringe Zahl wirklich bedeutsamer Meinungs- 
»erschie denheiten in betreff der Verfassungsvorlagen zwijschen 
Ans und Unseren getreuen Ständen, geblieben ist. Um die 
ringend notwendige Einigung herbeizuführen, sind Wir, wie 
die vorstehenden Ausführungen dartun, Unseren getreuen Stän⸗ 
den in zahlreichen wichtigen Punkten weiter entgegengekommen. 
An Unseren getreuen Ständen liegt es, dieses Entgegenkommen 
n entsprechender Weise zu erwidern. Wir fordern Unsere ge⸗ 
breuen Stände guf, sich die Worte in Erinnerung zu rufen 
welche Wir hei Eröffnung des außerordentlichen Landtages per 
önlich an sie gerichtet haben, und unter Befolgung Unserer 
Mahnung das Verfassungswerk zum Abschluß zu vbringen und 
o dem Vande den inneren Frieden wiederzugeben. Wir hegen 
das feste, Vertrauen, daß Unsere getreuen Stände, Uns Hin 
dieser ernsten Stunde nicht im Stiche lassen werden.“ — Wie 
veit das hier so besonders betonte neuerliche Entgegenkommen 
—A 
vird man erst aus der Veröffentlichung des ganzen Wort 
autes der Reskripte unter Vergleichung mit der Verfassungs— 
»orlage und den Voten der Stände auf dem, letzten Land— 
age beurteilen können. Wenn aber die Schweriner Regierung 
»etont, daß „nur noch eine verhältnismäkig geringe Zahl wirk— 
ich bedeutsamer Meinungsverschiedenheiten“ zwischen der Regie 
ung und den Ständen besteht, und daß die Regierung in „zahl⸗ 
reichen wichtigen Punkten“ den Ständen weiter entgegen— 
zekommen ist, so sollte man meinen, daß nun endlich das heiß⸗ 
imstrittene Verkafsungsrecht zustande kommt. 
Verhaftung eines mexilanischen Generals. 
W. San Antomnio (Texas), 16. Okt. General Joaquin 
Maas von der Bundesarmee ist, als er mit einem vom 
triegsdepartement ausgestellten Erlaubnisschein amerikanisches 
ßebiet betrat, festgenom wen worden. Der Haftbefehl er— 
'olgte au feine Anzeige eines Amerikaners, daß er hier eine 
Expedition gegen die Köanstitutftionelslen vragnisieren 
moll⸗ 
Englisch⸗chinesisches Freundschaftsbureau. 
W. Londen, 16. Okt. Hier wurde ein englisch-chine- 
risches Freundschaftsbureau gegründet, das die 
rörderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen, den beiden 
dändern bezweckt und sich namentlich der Vermittelung hiesder 
binesischer Studenten bedienen will. 
Vom Balkan. 
W. Belgrad, 16. Okt. Ein gestern abend veröffentlichtes 
Fommuniqué der Regierung besagt, daß die serbische Arme«é« 
den Befehl erhielt, nicht weiter nach Albanien vorzu— 
dringen. Die serbischen Truppen würden in den eingenom— 
menen Stellungen bis zur endgültigen Lösung der Grenzfrage 
berbleiben. Die Truppen erhielten den Befehl, bei eventuellen 
Abanesischen Angriffen sich auf die Verteidigung zu beschränken. 
PC. Corytza, 16. Okt. Der zu den Arbeiten der inter⸗ 
nationalen Grenzkommission entsandte Sonderberichterstatter der 
Preß⸗Centrale“ meldet: Die Ankunft des Präsidenten der 
banischen Grenzkkommission, des enalischen Verireters Touabin 
Wyllie, hat die Spannung, in der sich Corysßa, und 
e dete dit Daiden Wochen besinden, aufs höchste stei— 
un d ien Das panchirotuche Komitee, das aus sechs Ver⸗ 
etern“ des gefamten Epirus, darunter vier ehemaligen De— 
en der urichen Kammer vesteht, wurde, von Touahty 
wylsie empfangen, der erklärte, dah er zu seinem persön⸗ 
ichen Bedauern auf Anordnung der Londoner Botschafterlonfen 
enen fer die, Enigegennahme mündlicher oder schrift- 
icher Erlärungen von Depulierten abzulehnen. —— 
vber Praͤfident des panepirotischen Komitees, Prof. Koussidis, 
ne Ertiärung ab, in der er ausführte, daß eine halbe 
slio Epirler vdagegen, protestierlen. dan Europa durch 
alsche Darsiellungen gefäuscht wurde. Noch zwei andere Mit⸗ 
Meder des Komnmees hielten Ansprachen und erklärten, daß 
die gesamte Bevölkerung des Epirus eventuell mat den 
wafsfen in der Sand verhindern würde, dah irgend⸗ 
n“Teu des Epirus unter ein neues Joch gebeugt werde. 
ie Erregung in der Stadt ist außerordentlich groß. Die 
Freiwiligen-Kompagnien des sogenannten Bataillons Sacrs sind 
tus den umliegenden Ortschaften in Corytza eingesogen. Dem 
Frasidenten der Grenztommiion wurde nochmals erklärt, dab 
ie Einwohner entschloffen sind. die Stadt in, Brand zu 
etzen und aus Corytza einen Trümmerhaufen Zu 
nmachen, salls, die Stadt Albanien, zugewiesen würde. Die 
nicht, mehr zu leugnende Tatfache, dachn durch den Beschluß der 
vropmächte das Geschick Corytzas entschieden ist, hat die Be— 
»ölkerung in die ungeheuerste Aufregung versetzt. Bei der mor⸗ 
igen Ankunft der übrigen Telegierten erwartet man Demonstra- 
ionen. Ein umfassender Ordnungsdienst ist vorbereitet. um Aus— 
chreitungen der stark erregten Bevölkerung im Keime zu er— 
licken. Es scheint jedoch, als ob der Entschlub der Großmächte, 
Foryßa unter die Herrschaft Albaniens zu stellen, der leicht 
ntzündlichen, griechischen Bevölkerung der Stadt das Signal zu 
veiterem Blutvergiehen geben wird. 
PC. Belgrad, 16. Okt. Die albanischen Verluste 
n der Schlacht von Gusinje betragen 800 Tote, während 
»ie Montenegriner 300 Mann verloren haben. Die in die 
Berge zerstreuten Reste der Albanesen konzentrieren sich um 
Alessio, um dort die Befehle Essad Paschas abzuwarten. Aus 
Valona wird gemeldet, daß dort fremde Schiffe ankamen, 
die Gewehre. Munition und Getreide ausluden. 
W. Berlin, 16. Okt. Infolge der Ablehnung der von 
den Aerzteorganisationen angebotenen Friedens— 
zedingungen fand gestern in Halle eine aus allen Teilen 
Deutschlands besuchte Versammlung des Beirats des Leip— 
iger Verbandes der Aerzte Deutschlands statt. Es wurden 
ille Aktenstücke mitgeteilt die zwischen dem Betriebs— 
rankenkassenverbande und den ärztlichen Organisa— 
ionen gewechselt worden sind. Die Beratungen ergaben volle 
kinmütigkeit und es wurde einstimmig eine Erklärung an— 
jenommen, daß, nachdem die Kassenverbände die Friedens— 
vorschläge der ärztlichen Organisationen abgelehnt haben, der 
Aerzteschaft nichts übrig bleibe, als den ihr aufgezwungenen 
Kampf mit aller Entschiedenheit durchzufechten. Später tagte 
er Geschäftsausschuß des Deutschen Aerztevereinsbundes, er 
zeschloß für den 26. Oktober einen außerordentlichen 
Terztetag nach Berlin einzuberufen. Der Verband zur 
Wahrung der Interessen der deutschen Betriebskranken- 
kassen versendet seinerseits eine Erklärung, in welcher die 
Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen 
den Aerzten, und zwar in erster Linie dem Leipziger 
VBerbande zugeschoben wird. Die Kassen richten sich bereits ein, 
pon 8 370 der Reichsversicherungsordnung Gebrauch zu machen, 
der gestattet, an Stelle der ärztlichen Bebandlung ein höheres 
Krankengeld zu bezahlen. 
FC.. Paris, 16. Okt. Das Strafsericht über die 
O. tiziere die die Schuld an dem Mißlingen der 
diessährigen französischen Herbstmanboer tra— 
gen, ist munmehr hereingebrochen. Gestern nachmittag itaut 
der Oberste Krieosrat zusammen, um über die Strafmaßregeln, 
die gegen die schuldigen Generale zu ergreifen sind, zu beraten. 
Obwohl das Ergehnis der Beratungen streng geheim, gehalten 
wurde, ist das Journal doch in der Lage, heute iniges über 
die Art der Strafen mitteilen zu fkönnen. Am schwerften ge— 
troffen werden General Faurie, dem das Kommando üher 
das 16. Armeekorps entzogen wird. der Dio isions⸗ 
general Besset, der ebenfalls seinen Abschied er— 
halten soll, und General Plagnol der vas Kom— 
mando über das 17. Armeekorps verliert. Im Anschluß daran 
zat sich General Faurie zu einem Akt der Seibsthiffe ent 
Flossen. die ein merkwürdiges Licht qauf die Begriffe von 
Zubordination im,e franzoͤsischen Heere gibt. Der General hat 
inen offenen Brief an den Kriegsminister Etienne gerichtet, in— 
dem er gegen die „über ihn verhängte Strafe protestiert und 
er heute morgen von der gesamten Presse wiedergegeben 
wird. General Faurie bezeichnet sich darin ais das Opfer der 
Nachenschaften antirepublikanischer Cliquen und wälzt afte Schun 
für die bei den Mansvern, begangenen Fehler auf den Kom— 
mandanten der roten Vartei dem Generol Chomer. 
⸗ * 
Zur Katastrophe von Cardiff. 
P0C. London, 16. Okt. Die Hilfsaktion für die 
hinterbliebenen der Opfer der Katastrophe vom „Uni— 
oersal“ hat durch einen hochherzigen Entschluß der Herzogin 
von Fife und des Prinzen von Connaulht eine bedeutende Förde- 
eung erfahren. Auf den besonderen Wunsch des neuvermählten 
Paares werden die Geschenke, die es zu seiner Hochzeit er— 
halten hat, gegen ein Eintrittsgeld in Höhe von 1 Schilling 
oro Person öffentlich ausgestellt werden. Der Gesamtertrag 
vird den Witwen und Waisen der verunalüdten walisischen 
Bergarbeiter zugute kommen. 
M. London, 16. Okt. Es ist wenig Hoffnung vorhanden, 
von den Eingeschlossenen in der Gruve in Cardiff, die 
von den Bläktern mit 371 his 382 angegeben werden noch 
iemand zu retten. 
Blutige Zigeunerkämpfe in einem spanischen Dorfe. 
..FC; Marjseille, 16. Okt. Gestern vormittag kam es bei 
Marcilla in Spanien zwischen zwei feindlichen Zigeunerstaͤmmen 
zu einer regelxechten Schlacht, an der sich insbesondere die Frauen 
beteiligten. Die Weiber gingen mit Messern und Revoslvern 
aufeinander los. Im Verlqufe des Kampfes wurden zwei Frauen 
len wãhrend andere so schwere Verletzungen dapontrugen, 
gh sie Laum mit demnr Leben davonkommen dürften die 
telegraphisch von den Einwohnern des Torfes Marcilla herbei⸗ 
gerufene Gendarmerie mußte in großer Starke guf dem Kampf— 
platz erscheinen. um die Streitenden auseinander zu bringen 
Fin Monn und 15 Frauen wurden verhaften. 
Generalstreik. 
. V. Hnelva. I6. Okt. Der Generalstreik im Gruben— 
gehiet von Rio Tinto hat begonnen;. Tie Züge verkehren 
unter dem Schutz der Gendarmerie. Bei dem gemeldeten An— 
zriff auf einen Postzug, wurde ein Gendarm derwündet. In 
Alba ist ein starkes Gendarmersegufgebot, zufammengezogen. 
Die Lösung des Streiks dürfte schwierig sein, da die Aus— 
ãndigen keine heftimmfte Forderung stellen 
W. London, 16. Okt. Mmtlich wird, mitgeteilt, daß bei 
dem Eisenbahnungküd bei Livperpool sechs 
Personen getöotet worden sind. Die Zahl der Verletzten 
vitd inoffiziell guf 25 angegehen, einsließlich der Schwerder— 
etzten. In einer amtlichen Liste der Verletzten findel gan die 
PJamen: QOtto Asava, Adresse unbekannt; Jacob Migiits, 
Hamburg; Franz Wolsink, Myslowitz; Ernst Middelstein. Ham— 
hurg; Cyprian Opin. Hämburg. Der letßte, Wagen des vöor— 
anfahrenden Zuges, in welchem die Opfer saßen, war nach der 
3 ioer nach Hull bestimmt, nach anderer Meinung 
nach Harwich. 
W. —— 16. Okt. In Moskau ist der Besitzer 
eines berüchtigten Hauses verhaftet worden der sich an eif 
Frauen veraangen und sie »rnordetfhaätte
	        
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